Mittwoch, 31. Dezember 2014

Der Unfall

Gerade hat Isabelle herausgefunden, dass ihr Mann Luke sie betrügt. Seine neue Freundin ist schwanger. Wie ein Schlag ins Gesicht fühlt es sich für Isabelle an, die selbst keine Kinder bekommen kann. Isabelle will nur eines, sie will weg vom Cape. Auf dem Weg zu einem neuen Leben gerät sie in schlechtes Wetter. Im dichten Nebel schleicht sie dahin. Trotzdem kann sie den Unfall nicht verhindern. Der andere Wagen steht im Weg und da ist ein Kind und eine Frau. Als Isabelle nach einigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen kann, erfährt sie, dass dem Kind nicht so viel passiert ist. Die Mutter allerdings ist tot. Isabelle gibt sich selbst die Schuld und sie sucht Kontakt zu der Familie des Opfers.

Der Beginn des Romans ist zwar tragisch, aber dennoch vielversprechend. Man hofft, dass Isabelle und Sam, der kleine asthmakranke Sohn des Unfallopfers, sich trösten werden und dass es vielleicht sogar ein Happyend zwischen Charlie, Sams Vater, und Isabelle geben kann. Doch wie im wahren Leben, wobei fraglich ist, ob man als Leser möchte, dass in der Fiktion das wahre Leben abgebildet wird, entwickeln sich die Dinge zunächst trauriger und dramatischer bevor auch nur der Hauch einer Besserung in Sicht ist. Isabelle sieht sich zunächst fast in der Rolle einer Stalkerin, weil sie das Unfallgeschehen nicht loslässt und sie sich immer wieder überzeugen muss, dass es Sam an nichts mangelt. Die aufkeimenden Gefühle zu Charlie können nur mühsam wachsen. Und Charlie fürchtet den Moment, in dem er sich zwischen Isabelle und Sam entscheiden muss. Die Möglichkeit, sich für beide zu entscheiden, scheint in weite Ferne zu rücken als Sams Asthmaanfälle sich verschlimmern. Wenn einem kein wahres Glück beschieden ist, führt ein hoffnungsfroher Ansatz nicht immer zu dem Happyend, das man sich wünschen würde. Glücklicherweise jedoch kann auch ein anderer Ausgang der Geschichte ein Guter sein.


Ein Roman, der nicht unbedingt die Erwartungen erfüllt, der manchmal auch melancholisch stimmt, der schließlich ein versöhnliches Ende bietet.

Pictures of you von Caroline Leavitt
ISBN: 978-1-56512-631-2

Dienstag, 30. Dezember 2014

Von Agenten und anderen Hexen

Im Paris Ende der 1950er Jahre lebt der junge Will van Wyck, vordergründig arbeitet er bei einer Werbeagentur. Allerdings wird er bald seinen Job verlieren, denn sein wahrer Arbeitgeber (die CIA) hat seine Interessen nach Asien verlegt und die Informationen, die Will bringen kann, sind trotz des kalten Krieges nicht mehr von so großem Interesse. Welche Entwicklung er lostritt als er mit Oliver um die Häuser zieht, ahnt Will nicht. 
Etwa zur gleichen Zeit wird ein Toter aufgespießt auf einem Zaun gefunden und Kommissar Vidot macht sich auf die Suche nach dem Täter. Seine Spürnase führt ihn zu einer alten Frau, die zunächst freundlich Auskunft gibt. Als sich der Kommissar jedoch nicht abwimmeln lässt, finden er und sein Kollege Bemm sich plötzlich in der Gestalt von Flöhen wieder.

Russische Hexen und amerikanische Geheimagenten bilden eine Mischung wie die Lesewelt sie bisher wohl kaum gesehen hat. Der sympathische Will tappt wohl von einem geheimdienstlichen Fettnäpfchen ins andere. Oft merkt er zu spät, worauf oder mit wem er sich da eingelassen hat. Ein Trost ist da die junge Zoya, die er in der Metro kennenlernt. Er ahnt jedoch nicht, wem er da ins Netz gegangen ist. Bei Zoya handelt es sich um eine der letzten russischen Hexen, die so garnicht dem Bild der Baba Jaga entspricht. Alterslos und schön hat sie Will umgarnt. Eine Baba Jaga ist schon eher die Schöpferin von Zoya, die alte Elga, die alte Frau, von der schon die Rede war. 

Einige Handlungsstränge werden zunächst eher nebeneinander geführt und wachsen doch langsam zusammen, wobei man gut die Übersicht behalten kann. Informativ ist gerade der Teil über die Spionagetätigkeit im Paris dieser Zeit. Auch wie die Fassade der Werbeagentur aufrecht gehalten wird, wird unterhaltsam geschildert. Je weiter die Story voranschreitet, desto turbulenter wird die Geschichte, wobei es manchmal allerdings etwas viel wird. Die Ermittlungen des Polizisten Vidot als Floh sind witzig, gerade wie er sich in seiner neuen Gestalt zurechtfindet und diese sogar nutzt, um an Informationen zu kommen, öffnet den Blick zu ganz neuen Perspektiven. Sogar die Hexengeschichten sind interessant, gerade auch wenn es darum geht, dem Leser nahezubringen, wie es zu ihrer Wandlung kam. Insgesamt allerdings wirkt die große Diversität der Handlungsstränge etwas sehr zusammengewürfelt.


3,5 Sterne

Baba Jaga von Toby Barlow
ISBN: 978-3-455-60000-1

Ein Jahr

George Silver hat alles, was sein älterer Bruder Harry nicht hat, jedenfalls nicht so wie er es gerne hätte. George hat eine Karriere als TV-Produzent, er und seine Frau haben zwei Kinder, ein tolles Haus, Hund und Katze. Harry hat eine Frau, die eher kühl ist, er wohnt in ihrer Eigentumswohnung und er hält Seminare an der Uni. Allerdings scheint es so als habe Georges Frau ein Auge auf Harry geworfen. Als George dann einen Unfall verursacht, bei dem zwei Menschen sterben, versucht Harry Jane zu helfen. George indes, der mit schweren psychischen Problemen im Krankenhaus gelandet ist, entweicht von dort nach hause, wo er Harry und Jane in flagranti ertappt. Vor Harrys Augen bringt George Jane mit einer Lampe schwerste Kopfverletzungen bei, die sie kaum überleben kann. War es Absicht? George, der schon als Kind grausam und gewalttätig war, wird zunächst in eine geschlossene Abteilung überstellt. Harry wird mit den Überresten seiner Familie und seines Lebens konfrontiert.

Satire oder Ernst? - die Frage stellt sich nach der Lektüre. In heiteren Worten wird die Handlung geschildert, deren Verlauf einem buchstäblich das Essen im Halse stecken bleiben lässt. Gerade diese Wiedersinnigkeit macht Georges Taten noch schrecklicher und Harrys Reaktionen darauf noch eigenartiger. Nach der Tat verliert Harry zunächst alles, doch er schultert auch die Verantwortung für das, was von Georges Leben übrig bleibt. In erster Linie kümmert sich Harry um die beiden Kinder, die durch den Tod der Mutter durch die Hand des Vaters völlig traumatisiert sind. Im Fortgang sammelt Harry eine Art verrückte Familie um sich und wird selbst dabei eigentlich normaler. Aus einem drögen Professor ohne wahre Verantwortung, ohne wirklichen Platz, wird ein verantwortungsbewusstes Familienoberhaupt, das sich seiner Aufgabe gegenüber aufgeschlossen zeigt und auch die Bereitschaft zeigt mehr zu übernehmen als erwartet würde.

Ein Roman, der zwiespältige Empfindungen hervorruft. Die Entwicklung Harrys ist nachvollziehbar und erfreulich. Gerade der Beginn jedoch löst ungläubiges Staunen ob der Aberwitzigkeit der Handlung aus. Und da ist sie wieder die Frage nach Satire oder Ernst, die nicht wirklich beantwortet werden kann. Vielleicht ist es beides oder es bleibt dem Leser überlassen, wie er die Hinweise deuten möchte.


3,5 Sterne

May we be forgiven von A. M. Homes
ISBN: 978-1-84708-723-2

Sonntag, 28. Dezember 2014

Kinder, wie die Zeit vergeht

Ende des 19. Jahrhunderts leben Olive Wellwood und ihr Mann Humphrey in einem kleinen Paradies. Reich mit Kindern gesegnet sind sie das Zentrum einer kleinen Gemeinschaft von Künstlern, Kunsthandwerkern und Intellektuellen. Der verwitwete Prosper Cain ist als Kurator mit dem Aufbau des neuen Victoria und Albert Museums beschäftigt. Und in dessen Kellern finden seine Kinder den jungen Phillip Warren, der ein begnadeter Zeichner ist, aber wegen seiner ärmlichen Herkunft keine Aussichten hat, sein Talent zu entwickeln. Cains Beschützerinstinkt ist geweckt und er nimmt den Jungen mit zu einem Sommerfest der Wellwoods. Dort lernen sich die Kinder der verschiedenen Familien kennen, die beim Erwachsen werden begleitet werden sollen.

In eine geschichtlich turbulente Zeit eingebettet nimmt die Autorin ihre Leser mit, das Schicksal der verschiedenen Jugendlichen zu entdecken. Eine Art Downton-Abbey einer künstlerisch geprägten Oberschicht, die kaum von Sorgen geplagt ist. Zwar muss in irgendeiner Form für ein Einkommen gearbeitet werden. Doch bestimmen Geldsorgen nicht den Alltag. Die Menschen als Künstler und Freidenker versuchen sich selbst zu verwirklichen und auch ihren Kindern alle Möglichkeiten zu geben. Phillip Warren und auch seine Schwester Elsie stechen hier hervor, weil sie die einzigen sind, die aus eigener Kraft versuchen, ihr Träume zu verwirklichen. Dennoch ist das Leben in dieser Epoche auch wie ein Tanz auf dem Vulkan. Sozialreformen stehen an, politische Veränderungen, der Kampf um das Wahlrecht für Frauen und schließlich die Entwicklungen, die zum Ausbruch des ersten Weltkriegs führen.


Von der unbeschwerten Kindheit über die Entwicklungszeit der Jugend bis zu den dramatischen Erlebnissen des Krieges schildert die Autorin die Erlebnisse ihrer Protagonisten. Zwischen die lebendigen Beschreibungen der Empfindungen und  sich ändernden Sichtweisen ihrer Helden sind berichtsartige Passagen gestreut, die die Erzählung beschleunigen. Hin und wieder kann der Leser auch an den Fabelgeschichten teilhaben, die die Schriftstellerin Olive Wellwood ihren Kindern zugedacht hat. So bietet der Roman ein buntes Panorama seiner Zeit, mit Höhen und Tiefen, mit schönen und tragischen Momenten. Allerdings ist die Fülle der Informationen so überbordend, die Anzahl der handelnden Personen so groß und die Handlung umfassende Zeitspanne so lang, dass es teilweise schwierig ist, allem mit der gebührenden Aufmerksamkeit zu begegnen. Man erlebt den Niedergang einer Epoche, ohne im Innersten berührt zu sein.

Das Buch der Kinder von Antonia S. Byatt
ISBN: 978-3-10-004417-4

Samstag, 27. Dezember 2014

Das Gesetz des Berges

Schnell, schnell läuft sie hinauf zur Höllentalklamm, zu der Brücke dort soll ihr letzter Weg sie führen. Fast droht ihr Plan zu scheitern, denn im entscheidenden Moment taucht der Bergretter Roman Jäger auf. Praktisch ist sie schon gesprungen als er sie gerade noch bei der Hand packen kann. Doch sie befreit sich und sie stürzt. Selbstmord, das passt nicht zu ihr, denken und hoffen die trauernden Eltern und der leidende Vater beauftragt einen Privatdetektiv. Auch Roman Jäger lässt die Sache nicht los, er kann ihr Gesicht nicht vergessen und er beschließt, herausfinden zu wollen, was sie getrieben hat zu springen.

Eine Höllenfahrt durch die Höllentalklamm, das ist es worauf der Autor seine Leser mitnimmt. Ein Spannungsroman, der in einem Zug inhaliert werden möchte. Wenn auch einige Gegebenheiten gleich offensichtlich werden, packt einen die Handlung dennoch. Schließlich beginnt ein Wettlauf mit der Zeit und man fragt sich auch, ob es sinnvoll ist, Menschen in Kriegszeiten zu Tötungsmaschinen zu drillen, ohne dass vorher klar zu sein scheint, wie man sie wieder ins normale Leben zurückholen will. Da bedarf es dann manchmal nur eines winzigen Zufalls, um eine völlig fehlgeleitete Reaktion auszulösen, deren Folgen niemand abzusehen vermag. 


Ein unschuldiges Opfer, falsche Freunde, wenige um Aufklärung Bemühte - eine Mischung, aus der sich ein mitunter brisanter auf jeden Fall aber rasanter Thriller stricken ließ. 

Höllental von Andreas Winkelmann
ISBN: 978-3-442-47561-2

Freitag, 26. Dezember 2014

Sub-Abbau Challenge 2015


Hier nochmal die Regeln:
- Zeitraum: 1.1. bis 31.12.2015
- Keine Teams: Jeder challenget für sich allein (Austausch ist natürlich überaus erwünscht!), damit ihr kein schlechtes Gewissen haben braucht, wenn ihr doch nicht das ganze Jahr über mitmacht oder erst später dazukommt.
- Es wird eine Riesen-BINGO-Karte mit 10x10 Feldern geben mit Vorgaben für Sonderpunkte. Diese ist liebevoll und großartig gutaussehend von Ramona (Pan) designt worden und wird auf Doreens Blog (Claudes Schatzkiste) hinterlegt.
- Pro Feld gibt´s 2 SP; pro beendeter REIHE (Spalte, diagonal etc. ist NICHT erlaubt!) zusätzlich 10 SP; alle Felder gefüllt: nochmal 50SP drauf (=max. 350 SP)
- Es gibt was zu gewinnen! 3 Überraschungs-Pakete werden unter allen Teilnehmern verlost, die min. 50 SP über das Jahr erlesen haben. Pro 50 SP bekommt man 1 Los in den Lostopf. Das heißt: Liest man besonders viel, kann man mit max. 7 Losen im Topf landen. Auslosung und Versand der Gewinne im Januar 2016.
-Wir Admins machen zwar bei der Challenge mit, hüpfen aber nicht in den Lostopf. Jede von uns stellt eines der Überraschungs-Gewinner-Pakete zusammen und verschickt es.

Zum Liveticker geht es hier:

http://claudes-schatzkiste.blogspot.de/p/jahreschallenge-2015-bingo.html

Meine Bingokarte Individueller Punktestand

Awkward

In ihrer Kindheit war Peregrine Storke nicht beliebt. Mal war sie zu dick, mal zu dünn, mal zu schlau, mal zu ängstlich, immer zu irgendwas. Ihre Eltern hätte sie sich nicht ausgesucht. Sie hatte nur eine richtige Freundin. Und nun endlich zu Beginn der Collegezeit geht sie mit eben dieser Freundin an die Uni. Leider jedoch soll  ausgerechnet Camillas Bruder Foster, der Peregrine in ihrer Kindheit gehänselt hatte, die beiden Freundinnen in die weite Welt chauffieren. Doch schon kurz nach der Abreise geraten die jungen Leute in ein Unwetter, dass die Straße überschwemmt. Mit ihrem Auto landen sie in einem Wasserlauf und das Auto beginnt zu sinken. Camilla und Foster können sich retten, doch Peregrine hängt fest. Foster taucht hinab zu ihr, um sie zu retten und gemeinsam landen sie im Land „Awkward“….

Wer erinnert sich nicht an eine Situation, die er als Kind oder Jugendlicher erleben musste, in der er peinlich berührt war, sich nicht zugehörig fühlte, nicht gut genug, wo er dachte, die Eltern müssten ihn adoptiert haben, es könnten nicht die eigenen sein. Vielleicht hätte man da auch das Land Awkward gebrauchen können, das Peregrine sich erdacht und gezeichnet hat. Als Kind ist sie in diese Welt geflohen, um der rauhen Wirklichkeit zu entgehen, dem geisteskranken Vater, der drogensüchtigen Mutter, den hänselnden Schulkameraden. Doch Awkward wird bedroht von der Perfektion und den Stereotypen. Peregrine und Foster müssen die Schönheit, Einzigartigkei und die Qualität von Awkward erleben und erhalten, sonst muss diese kleine Zuflucht untergehen. Und davon erzählt dieses wunderschöne Märchen für Jugendliche und Erwachsene.


Kann Peregrine ihr Awkward retten, werden Foster und ihre lieben gezeichneten Kameraden den Bann brechen. Bein Lesen kann man sich auch auf die Reise in sein eigenes Awkward begeben und man kann Peregrine auf ihrem Weg folgen. Schon die Beschreibung dieses kleinen Werkes berührt und so berührt auch die gesamte Lektüre, sie weckt Erinnerungen, ruft Freude hervor, dass die kleinen Unzulänglichkeiten einfach zum Leben dazu gehören und das Leben häufig sogar reicher machen, dass es nicht die Perfektion ist, die erstrebenswert ist, die Stereotype hervorbringt. Gerade die Individualität macht die Menschen interessant und das Zusammensein zu einem Abenteuer. Einfach schön - unbedingt empfehlenswert.

The Story of Awkward von R. K. Ryals
ISBN: 978-1-5007-2570-9

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Don't Share

Mae Holland ist überglücklich als sie bei dem Internet-Portal „The Circle“ arbeiten darf. Ihre Studienfreundin Annie, die bereits ein hohes Tier in der Firma ist, hat ihr den Job verschafft. Staunend geht Mae durch die Hallen, Räume und Büros. Die Firma bietet soviel. Freizeitaktivitäten, Konzerte, Lesungen, Ansprachen, fast könnte man das Arbeiten vergessen. Sogar Schlafräume gibt es, falls man mal vor dem Computer kleben geblieben ist, braucht man nicht einmal mehr zum Schlafen heimzukehren. Und die Bezahlung ist auch klasse. Was könnte Mae sich mehr wünschen. Und so kommt es ihr auch nur zu Beginn eigenartig vor, als ihre Chefs gleich nachfragen, wieso sie denn bei verschiedenen Veranstaltungen nicht aufgetaucht ist, als sie nur mal wegen eines Notfalls zu den Eltern gefahren ist. Sie ist etwas ganz besonderes für die Firma, sie soll einfach alles mit der Firma teilen.

An wen soll uns die Beschreibung dieser Firma erinnern? Amazon, Google und Facebook lassen grüßen, um nur die offensichtlichen Kandidaten zu nennen. Schüttelt es einen schon bei der Vorstellung, was für persönliche Daten diese den Kunden abverlangen, so treibt es diese Firma doch tatsächlich auf die Spitze. Der eigentlich nicht so schlechte Gedanke, vieles um nicht zu sagen alles über ein Account zu regeln, wird hier doch sehr für die Zwecke der Firma pervertiert. Die Kunden sollen nicht nur ihre Bankkonten, Adressdaten, Einkaufs- und Bewegungsprofile offenbaren und teilen, nein - sie sollen ganz und gar transparent sein. Wer nichts zu verbergen hat, kann alles teilen. Ein idealer Weg Verbrechen zu verhindern, denn wenn jeder in Echtzeit beobachtet werden kann, wird er sich genau überlegen, was er tut. Und wenn alles aufgezeichnet werd, kann auch jedes Fehlverhalten geahndet werden. Nach und nach wird Mae infiltriert, was ihr zunächst noch unheimlich erscheint, kommt ihr später gerade richtig vor und so wird sie zur transparenten Galionsfigur der Firma. Noch nicht einmal die vagen Zweifel, die ihr selber kommen, können sie zur Umkehr bewegen. 

Schauderhaft, denkt man beim Lesen, so etwas darf doch nicht sein. Ein totalitäres System, dass die Menschen sich selbst aufoktroyieren, schöne neue Welt. Undifferenzierte Ja/Nein-Entscheidungen, die unerträgliche Kollateralschäden in Kauf nehmen, Menschenjagden unter dem Zeichen des Smileys. Nur mit Wiederwillen kann man dem Verlauf der Geschichte folgen, „Wach auf!“ möchte man rufen, „Hast du denn im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst?“ Es hilft nicht, die Firma und damit das System gewinnt. Ein Roman, der aufwühlt, der einem klarmacht, wobei überall man nicht die Hilfe des I-Nets braucht und diese auch nicht will, dass man auch überhaupt nicht alle Accounts verbinden möchte und sich genau überlegt, welche Wahrheiten man preisgibt oder ob überhaupt welche. Dennoch wird sie dich extensive Datensammelei nicht verhindern lassen und auch nicht die Nutzung der Daten. Als User kann man eigentlich nur versuchen, so intransparent wie möglich zu sein. Ein schrecklich fürchterlich und leider doch gutes Buch.

Diese Rezi entspricht natürlich zu 99% der Wahrheit und kann geteilt werden.


4,5 Sterne

The Circle von Dave Eggers 
ISBN: 978-0-8041-7229-5

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Happyend am Weihnachtsabend

Rose Devlin ist mit ihrer schwangeren Freundin Blair nach  Kalifornien gezogen. Blairs Freund hat die Nachricht von der Schwangerschaft nicht vertragen und glänzt durch Abwesenheit. Das stört Blairs Nicht-Schwiegermutter allerdings wenig. Sie stellt Blair das Haus zur Verfügung und freut sich auf den Enkel. Das weiß der nerdige Nachbar Mark zunächst nicht. Er findet Blair ganz faszinierend, hat aber den Eindruck sie und Rose verbindet mehr als nur Freundschaft. Irgendwie ist Rose schon von Mark angezogen, aber so richtig über ihren Ex-Freund John ist sie auch noch nicht hinweg. Und im Übrigen ist John der abwesende Vater, der dann wieder auftaucht und das Chaos perfekt macht.


Ein schönes Buch, das im Sommer beginnt und rechtzeitig am Weihnachtsabend endet, natürlich gibt es ein gutes Ende. Und wenn man die Beschreibung liest, ist es keine Kunst zu ahnen, wie es kommen wird. Dennoch bietet der Roman vorzügliche leichte Unterhaltung. Zwar manchmal etwas gestelzt findet sich aber meist im rechten Moment ein zartes Prickeln, ein warmes Leuchten, das die Lektüre stimmig werden lässt und den Leser wünschen lässt, dass die rechte Braut heimgeführt wird. Ein kleines Weihnachtsmärchen, das verzaubert.

This Time next Door von Gretchen Galway
ISBN: 978-1-939872-03-6

Polonia

Polonia bezeichnet die im Ausland lebenden Polen und dazu gehörte auch Joachim Vernaus Kumpel der Automechaniker Jacek. Dieser ist schon vor etlichen Monaten zu seinem Vater nach Polen gezogen und er ist dabei einen alten Weinberg wieder zu bewirtschaften. Marie-Luise will mit Jacek eigentlich nichts mehr zu tun haben und deshalb fährt sie nach Polen, um ihm seine restlichen Sachen zu bringen. Vernau hat davon nichts mitbekommen, weil der Kontakt zu beiden irgendwie eingeschlafen ist. Umso überraschter und auch besorgter ist er als eine junge polnische Anwältin auftaucht und mitteilt, dass Jacek unter Mordverdacht im Gefängnis sitzt und Marie-Luise verschwunden ist. Sie hofft, dass Vernau sie zumindest über Marie-Luises Verbleib aufklären kann. Joachim Vernau begibt sich sofort auf die Suche nach seiner ehemaligen Weggefährtin und er will auch die Umstände um Jaceks Verhaftung aufklären, der im Leben keinen Mord begangen haben kann.

Flucht, Vertreibung, Umsiedelung - das gehört zur deutsch polnischen Geschichte. Ebenso wie viele Deutsche wurden auch die Polen entwurzelt und ohne Unterstützung zurückgelassen. Gerade die Polen mussten sich das fremde Gut aneignen, ohne hundertprozentig sicher sein zu können, dass es in ihrem Eigentum verbleibt. Auch heute zeigt dieser geschichtliche Hintergrund noch Auswirkungen wie Vernaus neuer Fall deutlich macht. Unterschwellig ist die Geschichte noch nicht verarbeitet, werden gegenseitig Ansprüche geltend gemacht, die alte Wunden wieder aufbrechen lassen. Marie-Luise gerät hier eher zufällig zwischen die Fronten. Vernau hat einige Mühe hinter die Dinge zu kommen, über die keiner sprechen will. Doch in seiner Sorge um seine Freunde bleibt er immer am Ball bis sich die Hinweise zu einem überraschenden Ganzen fügen.

Ein wenig dauert es bis dieser Fall sich rundet, doch sehr spannend und lehrreich, was die deutsch polnische Geschichte anbetrifft. Wenn man das Land, in dem man seitens der Eltern oder Großeltern selbst eine Art Wurzeln hat, bereits bereist hat, wird man sich viele Schilderungen der Autorin gut in Bilder umsetzen können und Joachim Vernaus Ermittlungen mit großem Interesse folgen.
Versunkene Gräber von Elisabeth Herrmann
ISBN: 978-3-442-47995-5

Dienstag, 23. Dezember 2014

Butterfly

Der Bankangestellte Ben Constable, ein Engländer in Paris, ist ziemlich entsetzt als er den Abschiedsbrief seiner Freundin und Nicht-Geliebten Tomomi Ishikawa erhält. Obwohl er ihre Leiche nicht zu sehen bekommt und es auch keine Beerdigung gibt, glaubt er an ihre Worte. In Tomomis Wohnung nimmt Ben ihren Laptop an sich, den sie ihm vererbt hat. Auf der erstaunlich aufgeräumten Festplatte findet er erstaunliche Dateien mit Fotos und Texten, die ihm sein Paris auf eine ganz andere Art zeigen, als ob er die Stadt nie gekannt hätte. Wie bei einer Schnitzeljagd führt ihn Tomomi durch die Stadt und führt ihn zu kleinen Schätzen, die manchmal Erstaunliches ja Unglaubliches offenbaren.

Schon bei dem Cover lohnt es sich genau hinzuschauen, da gibt es Winzigkeiten zu entdecken, Hinweise und Wegweiser, die um die Weltkugel verborgen sind oder auch nicht. Auch bei Tomomi sind die Dinge so oder auch nicht, verborgen oder offen. Für Ben ist sie eine beste Freundin, mit der er Pferde stehlen kann. Nachdem sie nicht mehr da ist, versucht er den Spuren, die sie hinterlassen hat zu folgen. So wie Tomomi schon seit ihrer Kindheit Butterfly genannt wird, so wie ein Schmetterling scheint sie durch die Pariser Luft geflirrt zu sein. Gärten, geheimnisvoll und wunderschön, wie man sie in Paris nie vermuten würde, scheinen es ihr angetan zu haben. Hier hat sie Hinweise für Ben versteckt, hier versorgt sie ihn mit Geschichten über ihre Vergangenheit, die er kaum für bare Münze nehmen will. Hier lockt sie ihn auf eine abenteuerliche Reise durch die Stadt. Sie führt ihn auch in ihre Heimat New York.


Wie bei einer Achterbahnfahrt durchfliegt man dieses Buch, ist es die Bewältigung der Trauer, die Tomomi Ben erleichtern will, sind es Wahrheiten, die er erfahren soll, ist es überhaupt Wahrheit oder ist der Plan ein ganz anderer. Ein Buch, mit dem man ein anderes Paris und ein anderes New York besuchen kann. Eine Geschichte, die einen abtauchen und den Winter und die Welt da draußen vergessen lässt. Besucht die Welt der Tomomi Ishikawa und staunt und fragt euch, wie viel ihr glauben wollt und welches Ende euch am Liebsten wäre. Lasst euch durch diese Welt gleiten und leiten und genießt.

Die drei Leben der Tomomi Ishikawa von Benjamin Constable
ISBN: 978-3-8390-0157-8

Montag, 22. Dezember 2014

Zwischen den Kulturen

Ihre Mutter ist Portugiesin, ihr Vater Inder, die Eltern schon lange geschieden, Alyshia taumelt zwischen den Kulturen. Doch schließlich ist sie in London gelandet, wo auch ihre Mutter lebt. Diese kennt nicht einmal ihre genaue Adresse. Der Vater, ein Großindustrieller, der aus armen Verhältnissen stammend als Bollywood-Schauspieler angefangen hat, lebt in Mumbai. Eines Abend nach einer ausufernden Party wird Alyshia von einem Taxifahrer entführt. Nachdem sich die Entführer gemeldet haben und drohen, die junge Frau umzubringen, falls diese die Polizei einschalten sollten, engagiert Frank D’Cruz den selbständigen Entführungs-Consultant Charlie Boxer. 

Bisher kannte ich die Javier Falcon Serie des Autors, die mir sehr gut gefiel. Entsprechend enthusiastisch machte ich mich an die Lektüre dieses Romans. Allerdings hat mich dieser Thriller nicht wirklich berührt. Zu kühl agieren die Charaktere, zu wenig Gefühl wecken sie. Zwar bringt das Buch gute Spannungsunterhaltung und lässt sich in einem Rutsch durchlesen. Doch bietet der Autor immer neue Wendungen, Intrigen und Komplotts, so dass man als Leser einfach irgendwann keine Lust mehr hat, jeder einzelnen Spur zu folgen. 


Für mich blieb auch der Entführungs-Experte Charlie Boxer zu blass und zu sehr am Rande der Legalität. Vieles muss man sich beim Lesen aus den einzelnen beschriebenen Szenen selbst erschließen, was einem mitunter einfach zu viel wird. Da wünschte man sich eine straighte Ermittlung mit einem Protagonisten, dessen Gedankengängen man gerne folgt. Hier schießen einige der handelnden Personen über das Ziel hinaus. Am Ende hat Charlie Boxer zwar seinen Auftrag erfüllt und die unübersichtlich vielen Mitglieder rivalisierender Gruppen haben sich nahezu alle gegenseitig ausgelöscht, doch es kommt keine Zufriedenheit über einen gelösten Fall auf, eher Dankbarkeit, dass es vorbei ist. 

Stirb für mich von Robert Wilson
ISBN: 978-3-442-20422-9

Sonntag, 21. Dezember 2014

Revenge

Diese Eltern, wie können sie ihre Adoptivtochter nur Brünhilde nennen, sie müssten doch wissen, dass sie ihr ganzes Leben mit diesem Namen herum laufen muss. Doch Vater Hagen ist unerbittlich. Das ist er auch, wenn es um die Ausbildung der Tochter geht. Blum Bestattungen das ist das Unternehmen der Eltern und schon als Kind muss Brünhilde das Geschäft erlernen. Dabei ist sie doch ein Kind. Und jedes Jahr der Urlaub auf dem Boot und eines Jahres kommt der letzte Urlaub. Leider vergessen die Eltern, die Leiter zum Boot herabzulassen, leider schläft Brünhilde ein und hört die Schreie nicht. Das behauptet sie zumindest der Polizei gegenüber und auch Mark gegenüber, der zufällig in der Nähe ist, der zufällig Polizist ist. Mit Mark kommt das Glück in Brünhildes Leben, Brünhilde ist nun nur noch Blum und sie übernimmt die Firma. Doch dann wird Mark vor ihren Augen überfahren. Und Blum tut alles, um die Rätsel, die seinen Tod umgeben, zu lösen.

Ein wenig fühlt man sich an die Serie Revenge erinnert, wo ebenfalls eine junge Frau, der übel mitgespielt wurde einen Rachefeldzug startet. Doch während Emily Thorne sehr subtil und planvoll vorgeht, handelt Blum sehr direkt und schnell. Ihr Verhalten weckt schon Verständnis. Die Grausamkeiten, die ihr die Adoptiveltern antaten, bereiteten das Feld für ihre Handlungsweise. Die Zerstörung ihrer heilen Welt zerstört auch sie. Am liebsten wäre sie tot, doch für ihre Kinder und den nach einer Krankheit Betreuung benötigenden Schwiegervater muss sie weitermachen. Wie gelähmt in ihrer Trauer entdeckt sie auf dem Handy ihres Mannes Hinweise auf ein grausames Verbrechen, ein Fall, in dem er nicht offiziell ermitteln durfte, da die Hauptzeugin nicht glaubwürdig erschien, der ihn aber nicht losließ. Blum will es wissen und Blum will Rache.


Etwas hin und her gerissen von dem Thema fällt es schwer, wirklich ein Fazit zu ziehen. Nachvollziehbar schon, dass der Tod des geliebten Menschen Blum dazu bringt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, gegen alle Konventionen und Gesetze. Doch damit so eine Geschichte funktionieren kann, muss der Täter sympathisch werden. Doch so wie die extreme Reaktion ist auch das extreme Glück nicht dazu angetan, diesen Effekt hervor zu rufen. Da kommen Emily oder Dexter besser rüber. Die Totenfrau als Tötungsfrau wäre möglicherweise auch ein Ansatz zur Verwendung ganz schwarzen Humors gewesen. Doch leider vermisst man aberwitziges Grabgeflüster, bei dem ein wiedersinniges Ereignis das nächste nach sich zieht. Als ernst gemeinter Thriller, so gestehe ich ehrlich, war es einfach nicht mein Ding.

Totenfrau von Bernhard Aichner
ISBN: 978-3-442-75442-7

Samstag, 20. Dezember 2014

Momi

Wir schreiben das Jahr 1989, Alexandra lebt mit ihrer Großmutter, die sie Momi nennt, in Ostberlin. Ihre Freundin Meike mag die Oma nicht, Meike meint, Alex würde von der Großmutter im Hause festgehalten und komme nicht zum Leben. Und als am 09. November die Mauer fällt, reißt Meike Alexandra einfach mit sich, um Geschichte zu erleben und die neue Zeit mit eigenen Augen zu sehen. Am Grenzübergang werden die beiden Freundinnen getrennt. Alexandra, die sich in der Menge schon mehr als unwohl fühlt, kommt beinahe zu Fall. Glücklicherweise kann ein junger Mann sie festhalten und als sie ihm ins Gesicht blickt, beginnt sie zu leben. Einige Tage lang bleibt sie im Westen und ihre Großmutter sorgt sich sehr. Doch Alex will ihr Glück genießen und nach ein paar Tagen will sie Oliver ihrer Momi vorstellen. Momis Reaktion ist allerdings sehr unerwartet, als sie Oliver sieht, bekommt sie einen Herzinfarkt.

Aufwühlende Zeiten, so kann man wohl die Wendezeit für die Generation derer nennen, die sie bewusst miterleben durften. Und aufwühlend war wohl auch der Beginn des letzten Jahrhunderts. Große Umwälzungen standen bevor. Arbeiter, die sich endlich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehrten, der Niedergang der Monarchie, der erste Weltkrieg. Einschneidende Entwicklungen für die Jugend von damals. Vor dem Hintergrund einer großen Liebe erzählt, entwickelt sich ein Zeitgemälde, dass den Leser die damaligen Entwicklungen miterleben lässt. Die Leichtigkeit des Sommers, schnell überschattet von den politischen Ereignissen. Die Gegensätze zwischen Arm und Reich, die schließlich so extrem werden, dass einfach die Zeit gekommen ist, eine Änderung herbei zu führen. Wie einen die Geschichte lehrt, sind Fortentwicklungen manchmal notwendig, doch leider gehen sie häufig mit Gewalt einher. Betrachtet man die Geschichte aus der Rückschau, kann man häufig anmerken und fragen, warum haben sie damals nicht einfach dies und das gemacht, dann hätte man jenes und welches leicht verhindern können. Durch dieses Buch jedoch fühlt man sich mitten im Geschehen und bekommt einen kleinen Einblick in die vielschichtigen Gedankengänge, die schließlich irgendwelche Folgen hatten, und man versteht besser, dass manche Dinge nicht zu verhindern waren.


Die Verknüpfung der beiden Zeitalter durch die Begegnung zwischen Großeltern und Enkeln ist sehr gelungen. Eine spannende Epoche wird fesselnd dargestellt, wobei in einigen Momenten das Persönliche etwas kurz kommt, in anderen wiederum das Historische. Dennoch weiß die Autorin ihre Leser zu packen und ihnen einen Teil der deutschen Geschichte nahe zu bringen.

Als wir unsterblich waren von Charlotte Roth
ISBN: 978-3-426-51206-7

Donnerstag, 18. Dezember 2014

Meet Holly

Holly Denham tritt eine neue Stelle als Rezeptionistin bei einer Investment Bank an. Ihre Kollegin Trisha macht ihr erstmal mächtig Angst. Da ist sie richtig froh als sie merkt, dass ihre ehemalige Schulkameradin Jennie auch in ihrer Firma arbeitet. Obwohl es ihr zunächst etwas schwer fällt, mit dem Job zurecht zu kommen, findet sich Holly schnell zurecht und Trisha wird zu einer Freundin. Viel Unterstützung findet Holly auch bei ihrem guten Freund Jason und ihrer sympathisch überdrehten Freundin Aisha. Sie ist sehr froh, den Job bekommen zu haben und der Kontakt mit einem der Vizepräsidenten der Firma lässt sich vielversprechend an. 

Ein Roman in emails, welche eine schöne Idee, die der Handlung Direktheit und Tempo gibt. Da Holly und Trisha sich nicht viel unterhalten können, tauschen sie sich in emails aus. Dazu kommen Jason und Aisha, James, Toby, Mum und Dad und noch einige andere mehr. Holly wächst einem schnell ans Herz. Wenn sie vielleicht zunächst als etwas oberflächlich erscheint, gewinnt ihr Charakter doch schnell an Tiefe und so wie sie sich nach und nach mehr in die Seele blicken lässt, desto authentischer wirkt ihr Charakter. Ihre Mailgeplänkel mit Trisha sind sehr amüsant. Und es hat durchaus was, die Ereignisse aus den Mails nachzuvollziehen. 


Ein leichter amüsanter Roman mit einer vielschichtigeren Hauptakteurin als man zu Beginn meint. Das Buch erweckt den Anschein, dass es sich um eine echte email-Konversation handeln könnte. Doch obwohl eine Werbe-web-site existiert, ist es doch nur ein schöner Traum. Beim Namen der Autorin handelt es sich wohl um ein Pseudonym. Man weiß ja nie, inwieweit man Fundstellen aus dem Netz glauben kann, doch möglicherweise ist der Autor ein Mann, der seine Phantasie spielen ließ. Gerade richtig für einen trüben Wintertag.

3,5 Sterne

Holly's Inbox von Holly Denham
ISBN: 978-0-7553-4374-4

Sonntag, 14. Dezember 2014

Luxussanierung

Als in dem Bürohochhaus die Technik verrückt spielt und dann auch noch Rauch aus der Lüftung strömt gerät Kimmy Rasmussen in Panik. Sie zertrümmert ein Fenster im 15. Stock und springt. Ihre Freundin Emma Vine muss entsetzt zusehen. Doch es kommt noch schlimmer, durch ihre Tätigkeit als Eventmanagerin und Organisatorin gerät Emma sogar in Verdacht, die Katastrophe verursacht zu haben und wird noch an Ort und Stelle verhaftet. Zwar kann sie den Verdacht schnell entschärfen, doch die Gerüchte, die über sie im Netz verbreitet werden, machen ihr sehr zu schaffen. Da Emma den Eindruck gewinnt, dass die Polizei nicht intensiv genug ermittelt, macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Täter und sie hat bereits eine Vermutung.

Es ist nicht leicht Emma Vine zu mögen, sie hat einen sehr eigenen Charakter. Sie strahlt Stärke und Unnahbarkeit aus und vielleicht deshalb hat sie kaum echte Freunde und ist meist auf sich selbst gestellt. Doch so tough sie ihr Berufsleben meistert, so ziellos gestaltet sie ihr Privatleben. Nach fast einem Jahr hat ihr Zwillingsbruder Eric genug davon, mit seiner Schwester zusammen zu wohnen. Emma kann sich nicht mit der Wohnungssuche befassen, erst muss sie herausfinden, wer an dem Haus herum manipuliert hat.

Was als Technikpanne mit Todesfolge beginnt weitet sich schnell zu einem Hackerfall aus. Hinzu kommt noch die Aufdeckung der miesen Machenschaften von Immobilienhaien, denen es um den schnellen Gewinn geht, der aus Grundbesitz in einer guten Lage entstehen kann. Wie der Titel des Buches schon sagt, ist es hier der Londoner Stadtteil Brixton, der die Aufmerksamkeit der Mogule auf sich lenkt. Ehedem ein eher armes Einwandererviertel ist der Stadtteil nun ins Visier der Hippen und Schicken gekommen. Die Preise steigen und Wohnungen und Häuser werden teilweise recht rabiat entmietet. Beklemmend wie perfide die Mächtigen ihre Mittel nutzen, um ihre Ziele zu erreichen. Hier gerät Emma zwischen die Fronten, mit ihrer wagemutigen Behauptung, sie wisse, wer dahinter steckt. Um am Leben zu bleiben, muss sie sich mit dem vermeintlichen Feind verbünden. Packend und doch irgendwie abstoßend ob der gemeinen Methoden und der sich letztlich aufklärenden Umstände liest sich dieser Thriller weg wie nichts und hinterlässt doch ein nachdenkliches Gefühl und ein Bedauern Emma gegenüber, in deren Leben auch die letzte Sicherheit fehlt und die sehr auf sich allein gestellt zurück bleibt.


Brixton Hill von Zoë Beck
ISBN: 978-3-453-41042-8

Samstag, 13. Dezember 2014

Der Pfad

Eigentlich ist Simon ein einfacher Küchenjunge, nicht einmal richtig lesen und schreiben kann er. Dafür bekommt er von Rachel öfter mal ein paar mit dem Besen, wenn er seine Arbeit nicht nach ihren Wünschen erfüllt. Doch Simon träumt von einem anderen Leben und als der Zauberer Morgenes ihn in die Leere nimmt, ist er schon stolz. Doch es kann ihm nicht schnell genug gehen, er will lernen, er ist neugierig, ganz das Gegenteil ist Morgenes, der zur Ruhe gemahnt und eine lange Leerzeit einfordert. Doch der Lauf der Welt hat etwas anderes geplant. Etwas beginnt als der alte König stirbt und sein zweiter Sohn Elias den Thron usurpiert. Simon belauscht einige Ränkeschmiede und Morgenes sieht sich gezwungen zu handeln lange bevor er Simon fertig ausgebildet hat.

Simon wird in ein Abenteuer gestoßen, dass viel Leid, Kummer und Verlust mit sich bringt. Doch in dem Troll Binabik und seinem Wolf findet er wahre Freunde. Und dass Simon Wesen in Not zur Hilfe eilt, soll sich auszahlen. Und so wird nach und nach aus Simon, dem Mondkalb, Simon der Pilgerer und schließlich Simon Schneelocke. 


Mit über 900 Seiten ein episches Werk, das leider gerade zu Beginn einige Längen aufweist. Die Geschichte des Zauberlehrlings Simon lässt den Zauber vermissen, wenn sie auch einiges an Witz aufweist. Erst als Simon seine Pilgerreise beginnt und auf Binabik trifft, wird der Verlauf der Handlung etwas spannender, doch teilweise immer noch zu sehr ausgewalzt und sich in Einzelheiten verlierend, deren Bedeutung unklar bleibt. Die wachsende tiefe Freundschaft zwischen Simon und Binabik und die beginnenden Gefühle zwischen Simon und Mayra sowie das Zusammentreffen mit den Elfen reißen zwar einiges wieder heraus und machen den Roman schon lesenswert, doch ob dies reicht, sich auch die weiteren Bände dieser klassischen Fantasy-Saga zu Gemüte zu führen bleibt zunächst fraglich.

The Dragonbone Chair von Tad Williams
ISBN: 978-1-85723-615-3

Schnee-Melancholie

Am Tag des letzten Schnees, am ersten Mai, verunglückt der Vater Lasse Eckholm mit dem Auto. Bei ihm war seine Tochter Anna. Eckholm ist nahezu unverletzt, seine 11jährige Tochter aber stirbt. Obwohl für Unfälle mit Fahrerflucht nicht zuständig, übernimmt Kimmo Joentaa die Sache. Dunkel erinnert er sich an den Namen Eckholms, er kennt die Familie, er kannte auch Anna. Helfen allerdings kann er kaum. Lasse und Kirsti sind wie erstarrt. Wenig später werden zwei Tote auf einer Parkbank gefunden, die offensichtlich keines natürlichen Todes gestorben sind. Ein Fall, der nichts als Rätsel aufgibt, denn die Toten sind nicht dort gestorben, wie aus dem Nichts sind sie aufgetaucht. 

Verschiedene Handlungsstränge führen zu einem schaurig schönen Finale. Kimmo Joentaa, der traurige Kommissar, seine erste Frau bereits vor einigen Jahren verstorben, aber in seinem Herzen unvergessen, seine jetzige Freundin da oder nicht da, immer für eine Überraschung gut. Die abgrundtief trauernden Eltern, Lasse, der sich Vorwürfe macht, weil sein Kind nicht angeschnallt war, der sich noch mehr Vorwürfe macht, weil eine Einladung für seine Tochter, bei einer Freundin zu übernachten, nicht angenommen hat. Die beiden geheimnisvollen Toten, eine junge Frau, ein Mann, wobei die Frau (in Rückblenden) eine eigene Geschichte hat. Und die Geschichten, die nicht erzählt werden oder die woanders stattfinden.


Wenn man sich auf die Bücher des Autors, die eigentlich immer eine winterlich-melancholische Stimmung hervorrufen, auch wenn sie wie dieses im finnischen Sommer angesiedelt sind, einlassen kann, wird man ein herausragendes stimmungsvolles Leseerlebnis haben. Trauer und Hoffnung beides strömt zwischen den Zeilen und nimmt einen gefangen, lässt einen eintauchen in eine Welt von Helden, denen man ein glücklicheres Leben wünschen würde, die aber an ihrer eingetrübten Welt wachsen müssen, wobei die kommenden Ereignisse den Gewesenen einen Sinn geben, auch wenn man sich noch so sehr gegen die Ungerechtigkeit sträubt. Eine Lektüre, die einen für eine Weile der Welt entrückt.

Tage des letzten Schnees von Jan Costin Wagner
ISBN: 978-3-86971-017-4

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Pfälzer Morde

Die Kommissarin Emma Hansen begrüßt die Menschen mit einem ungewöhnlichen „Hej“, doch nicht das ist es, was sie zu einer herausragenden Ermittlerin macht, sondern ihr untrügliches Bauchgefühl. Ihr zweiter Fall führt sie in ein kleines Winzerdorf namens Burrweiler in der Pfalz. Dort wird ein Winzer von seinem eigenen Trecker überrollt. Und noch tags zuvor hatte er den Weinberg der örtlichen Klinik für eine Erweiterung versprochen. Das jedenfalls hat der Pastor behauptet und auch gleich in die Zeitung setzen lassen. Schnell stellt sich heraus, dass es bei dem Todesfall nicht mit rechten Dingen zugegangen sein kann. Doch da der Tote eher unbeliebt war, könnten viele der Dorfbewohner ein Motiv haben.

Emma Hansen konnte die Probleme mit ihrem Vater nicht mehr lösen und nun muss sie auch noch mit einem neuen Partner zusammenarbeiten. Als sie feststellt, dass sie den Neuen schon von ihrer Freizeitbeschäftigung, dem Tanzen, kennt, ist sie nicht sonderlich begeistert. Außerdem verhält sich der neue Kollege Matthias manchmal nicht ganz so wie Emma es von einem Kommissar im Einsatz erwarten würde. Er macht pünktlich Feierabend, so etwas gibt es bei ihrer Arbeit doch eigentlich nicht. 


Ein spannender Fall, der letztlich das ganze Dorf betrifft, und ein Team aus zwei Kommissaren, die sie erstmal zusammenraufen müssen, eine schöne Mischung, die einen sehr lesenswerten Krimi ergibt. Dabei macht einen die dörfliche Enge manchmal schaudern und man müht sich Mitleid mit den Opfern zu empfinden, obwohl man lieber sagen würde, recht geschehen. Hinzu kommen die privaten Lebensumstände, die wie im wahren Leben mal von Höhen, mal von Tiefs bestimmt werden. Und so malt der Autor ein sehr stimmiges Bild von seinem Kommissaren-Team bei den ersten gemeinsamen Ermittlungen. Davon möchte man mehr, und das kann man wie bei einer Reihe üblich auch bekommen. 

Und die Schuld trägt deinen Namen von Jörg Böhm
ISBN: 978-3-765-08805-6

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Zwillingsschwestern

Alex Fallon reist in die amerikanische Kleinstadt Dutton, um sich um die kleine Tochter ihrer Stiefschwester Bailey zu kümmern. Das vierjährige Mädchen ist traumatisiert und völlig verstört, musste sie doc miterleben wie ihre Mutter entführt wurde. Und nun schweigt die Kleine. Zum Glück hat Alex etwas Hilfe in Meredith. Auch Alex hat  in ihrer Jugend schwere Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Ihre Zwillingsschwester Alicia wurde grausam ermordet und Alex wurde damals mit einer Barbituratvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Noch immer hört sie Schreie. Und  wieder geschehen ähnliche Morde wie damals. Alex befürchtet Bailey könne eines der Opfer sein. Um dies ausschließen zu können, wendet sie sich an die örtliche Polizei und lernt die attraktiven Daniel Vartanian kennen.

Bei dem Hörbuch handelt es sich um den zweiten Teil der Vartanian-Trilogie, der Bestandteil eines Hörbuchschubers der Autorin ist. Schade, dass nicht die gesamte Trilogie in dem Schuber zusammengefasst wurde. Dennoch kann man das Hörbuch, dass von Nicole Engeln sehr ansprechend vorgetragen wird, auch ohne Vorkenntnisse hören und verstehen. Bezüge zum Vorgängerband werden hinreichend erläutert. Allerdings merkt man der Handlung schon an, dass hier weit über 600 Seiten in fünf CDs zusammengefasst wurden. Manche Schnitte waren da etwas zu hart und der Zusammenhang ging manchmal verloren. Doch im großen und ganzen wurde der Spannungsbogen gewahrt und die Handlungsstränge laufend fortgeführt. 


Alex arbeitet sehr an ihrem Trauma und wird in ihrem Bemühen auch um die kleine Hope sehr sympathisch. Gemeinsam mit Detective Vartanian versucht sie Licht in das Dunkel zu bringen und ihre Stiefschwester zu finden, immer in der Angst, dass diese sich schon unter den Opfern befinden könnte. Ein sehr gut gelesenes und spannendes Hörbuch, dass allerdings in einigen Bereichen ein wenig weit hergeholt schien.

Todesbräute von Karen Rose
ISBN: 978-3-7857-4767-4 (Schuber)

Sonntag, 7. Dezember 2014

Love rainy Days

So besonders toll läuft Ellis Rogers Leben nicht, er hat gerade erfahren, dass seine Lungenkrankheit in Kürze tödlich enden wird, er findet eher zufällig heraus, dass seine Frau ihn betrogen hat, er gibt sich die Schuld am Tod seines Sohnes und übrigens hat seine Frau ihm mit seinem besten und einzigen Freund betrogen. Alles Gründe, die Zeitmaschine auszuprobieren, die er gebaut hat. Nichts hält ihn mehr. Zweihundert Jahre in die Zukunft, das sollte reichen, um eine Heilung für die Krankheit zu finden und die Welt ist dann auch nicht so anders, bestimmt. Er startet die Maschine und sie funktioniert. Als Ellis Rogers jedoch in der Zukunft ankommt, landet er in einer Art Urwald. Wo ist denn die Zivilisation geblieben? Irritiert macht er sich auf die Suche, um in einem Museumsort zu landen, den es auch schon zu seiner Zeit gab. Eben dort trifft er auch auf die Wesen der Zukunft, die den überwiegenden Teil aller Individualität eingebüßt zu haben scheinen. Dennoch ist er gezwungen, einen Mord zu beobachten. Diesen untersuchen soll der Gutachter Pax, welcher Ellis dann in die Hollow World führt.

Reisen in die Zukunft sind und bleiben, glaube ich, ein Gedankenspiel. Dennoch ist es interessant zu lesen, wie sich ein Autor diese Zukunft vorstellt. Krankheiten, Krieg, Armut, Hunger, Tod - alle Probleme der Welt sollen überwunden sein. Um den Preises eines totalen Verlustes der Individualität, sogar der Unterschied zwischen den Geschlechtern - aufgegeben. Alles wandelnde Kens, denkt Ellis Rogers. Und doch so schlecht ist die Hollow World nicht. Doch die Pläne des Kollektivs gehen weiter, so soll auch noch das selbständige Denken aufgegeben werden, die Gehirne zu einem Superbrain verknüpft werden. Assimiliere dich - der Gedanke ist sogar für etliche Bewohner der Hollow World etwas schauerlich. Kann die Konfrontation mit der alten Welt, die Ellis Rogers, der sich bei seiner Zeitreise um schlappe 1.800 Jahre verrechnet hat, vertritt, zu einer Lösung führen?


Schön gelöst hat der Autor die Probleme der Bewohner seiner utopischen Zukunftswelt. Zwar muss Ellis Rogers in etlichen Bereichen über sich hinauswachsen, doch er lernt die Liebe kennen, wie es ihm in unserer Welt nicht vergönnt war und er erfährt, was es heißt, den Regen zu lieben.

Hollow World von Michael J. Sullivan
ISBN: 978-1-9374-7576-5

Die Furcht

Kommissar Nils Trojan leidet unter Panikattacken, Albträume quälen ihn, er kommt nicht zur Ruhe. Seit seiner Scheidung hat er niemanden zum Reden, seine Affäre mit Doro zählt irgendwie nicht. Heimlich geht er zu einer Psychologin, auf der Dienststelle soll es niemand wissen. Er will voll einsatzfähig sein, um nicht in eine andere Abteilung versetzt zu werden. Als er an den Schauplatz eines Mordes gerufen wird, kann er den Anblick der grausam zugerichteten jungen Frau kaum ertragen. So wie das Opfer zur Schau gestellt wird, könnte alles auf den Start einer Serie hindeuten. Nicht auszudenken, dass es weitere Opfer geben könnte.

Kann das gut gehen? Ein Kommissar mit Problemen, von denen man sich fragt, wie er da seine Kraft voll für die Lösung des Falles einsetzen soll. Was, wenn ihn während einer Verfolgungsjagd eine Attacke heimsucht? Noch meistert Nils Trojan seinen Job, wobei ihm seine Psychologin eine Stütze ist. Allerdings verlangen ihm Fall und Täter alles ab. Die Nerven spannen sich auch beim Lesen mit jeder neuen Wendung, mit jeder neuen Spur, die der Kommissar aufnimmt und die dann häufig nicht wirklich weiterführt. Eigenartig Verhörmethoden führen den Kommissar nicht wahrhaft weiter. Man kann die Angst des Ermittlers, zu versagen, gut nachvollziehen. Er will den Täter fangen, ihn einer gerechten Strafe zuführen und weiteres Unheil verhindern. Ein Scheitern wäre schwer zu ertragen. 


Es zieht einen in seinen Bann dieses Buch, einmal begonnen ist es schwer, es aus der Hand zu legen. Bestens geeignet, es in einem Rutsch zu inhalieren. Kaum vorstellbar allerdings, dass ein Ermittler mit doch erheblichen Problemen einfach so weiterarbeitet. Auch einige zufällig scheinende Zusammenhänge wirken etwas konstruiert. Als spannender und rasanter Thriller gelesen jedoch eine tolle Empfehlung des Genres.

Der Federmann von Max Bentow
ISBN: 978-3-442-47882-8

Samstag, 6. Dezember 2014

Eine explosive Mischung

Eigentlich ist Schleswig ein eher beschauliches Städtchen in Norddeutschland. Als Lucie nach ihrem Architekturstudium eine Stelle dort bekommt, ist sie eigentlich froh der Hektik der Großstadt entfliehen zu können. Schnell findet sie Anschluss, wobei sie sich besonders gut mit der gleichaltrigen Fenja versteht, mit der sie gemeinsam den Gitarrenunterricht besucht. Doch Lucies ländliches Idyll wird jäh zerstört als Fenja von einer Autobahnbrücke springt und so zu Tode kommt. Bei der Beerdigung der jungen Frau kommt Lucie wirklich an ihre Grenzen. Und dann soll sie auch noch das Tagebuch der Toten deren Ex-Freund Ragnar übergeben. 

Kann es bei Fenjas Tod wirklich mit rechten Dingen zugegangen sein. Eine Logik hätte es, denn obwohl schon ewig getrennt, war Fenja immer noch von Ragnar besessen. Und wenn dieser nun eindeutig klargemacht hätte, dass da nichts mehr zu wollen ist? Und welche Rolle spielt Fenjas alter Klassenkamerad und bester Kumpel Malte? Er mag nicht an einen Selbstmord glauben und er sieht die Schuld bei Ragnar. Diesen wiederum scheint Fenjas Tod und auch der Gedanke an ein Tagebuch recht kalt zu lassen. Als es dann auch noch eine Bombendrohung gibt, beginnt Lucie tatsächlich mehr hinter den Vorgängen zu vermuten. Da kommt ihr Maltes Angebot, ihr bei ihren Nachforschungen zu helfen, gerade recht.

Manchmal meint man, in einer Kleinstadt könnte es keine Verbrechen geben, die Bewohner seien eher ehrlich und so ruhig und gesittet wie es dort zugehen muss, so können Verbrechen dort keinen Platz haben. Doch mitunter brodelt es unter der idyllischen Oberfläche und anhand eines wenigstens öffentlich geklärten, aber doch eigenartigen Todesfalls, kommt so einiges zutage, was man vielleicht gar nicht wissen wollte. Genau mit dieser Thematik spielt die Autorin sehr geschickt. Der Blick hinter die Fassade, öffnet Lucie die Augen, dass es mit der Idylle nicht immer so weit her ist. In ihrer Trauer um die Freundin versucht sie einen Sinn zu finden, eine Erklärung. Aus Lucies Sicht geschildert, sucht der Leser mit ihr, verdächtigt oder befreit von dem Verdacht, immer misstrauischer werdend, immer ängstlicher werdend. In wem könnte Fenja so starke Gefühle ausgelöst haben, dass es zu einem Mord kam. Lucie lässt nicht locker und gemeinsam mit Malte und Ragnar deckt sie einige Geheimnisse auf, ohne allerdings auf die Lösung des Rätsels zu kommen. Und so kann es dem Leser auch gehen, misstrauisch gegen jeden, möchte er Lucie verteidigen und kennt den wahren Feind nicht.


Ein Krimi, mit dem den Lesers ein schönes norddeutsches Städtchen vorgestellt und sympathisch gemacht wird und mit einem Fall, der nach und nach immer mehr fesselt.

Zündstoff von Gea Nicolaisen
ISBN: 978-3-9581-9019-1

Donnerstag, 4. Dezember 2014

Justizia

Der Anwalt Joachim Vernau hat seinen Mandaten Hans-Jörg Hellmer rausgehauen. Doch als Hellmer das Berliner Gerichtsgebäude verlässt, stellt sich ihm eine alte Dame entgegen und schießt auf ihn. Die ungeübte Schützin verfehlt ihr Opfer, dass unverletzt fliehen kann. Margarethe Altenburg jedoch bricht erschöpft zusammen. Vernau, der das Ganze mitbekommen hat, übernimmt sofort die Regie und sorgt dafür, dass Frau Altenburg ins Krankenhaus gebracht wird. Dort weigert sie sich zwar, ihm eine Vollmacht zu unterschreiben, bittet ihn aber, ein paar Sachen aus ihrem in Görlitz zu holen. Vernau macht sich auf den Weg gen Osten und kommt auf die Spur einiger Todesfälle, bei deren Beurteilung die Gerichte zu versagen schienen.

Die Verfilmung dieses Romans von Elisabeth Herrmann wurde bereits im Januar diesen Jahres im ZDF ausgestrahlt. Nach meiner Erfahrung ist es gut, wenn zwischen dem Sehen einer Verfilmung und Lesen oder Hören der Handlung geraume Zeit verstrichen ist, so dass man beides voneinander trennen kann. Ob hier der zeitliche Abstand gereicht hat, kann ich nicht so genau sagen. Wenn meine Erinnerung mich nicht völlig täuscht, gibt es erhebliche Abweichungen, die vielleicht sogar zu unterschiedlichen Geschichten führen. 

Natürlich kommt man nicht umhin, sich unter Jochaim Vernau das Gesicht des Schauspielers Jan-Josef Liefers vorzustellen. Das ist aber durchaus positiv, auch wenn man nicht die eigene Phantasie spielen lässt. Dieses Hörbuch ist von Herbert Schäfer hervorragend gelesen. Seine Stimme verleiht den handelnden Personen jeweils einen eigenen Charakter und gibt der Handlung Spannung und Tempo. Nach und nach kommt Vernau hinter das Geheimnis von Margarethe Altenburg. Diese hat mit Hilfe ihres Bekannten Otmar Koplin einen Plan ausgeheckt, der an Perfidität kaum zu überbieten ist. Weit in der Vergangenheit wurde der Grundstein von Taten gelegt, die nun in mehreren Todesfällen gipfeln. 

Durchdacht, fesselnd und in weiten Teilen anders als die Verfilmung entwickelt sich der Fall, mit dem verschiedene Thematiken unseres leider nicht perfekten Rechtssystems angeschnitten werden. Ein intelligenter Roman mit intensiven und gründlichen Ermittlungen und einem Ende, dass keine völlige Sicherheit hinterlässt.


Die letzte Instanz von Elisabeth Herrmann
ISBN: 978-3-86808-823-0 (Hörbuch)

Sonntag, 30. November 2014

Wie es schon die Alten sungen

Als ein älterer Herr bei Rinteln tot aus der Weser gezogen wird, eilt der neu an den Ort gekommene Kommissar Wolf Hetzer sofort an den Fluss. Der Tote hat nicht lange im Wasser gelegen und schnell stellt sich heraus, dass er nicht einfach so ins Wasser gefallen sein kann. Obwohl schwerste Verletzungen zu einem starken Blutverlust geführt haben müssen, ist an der Weser kaum Blut zu finden. Außerdem trug der Tote keine Hose und wie die herbeigeeilte Rechtsmedizinerin bald feststellt, wurde ihm der Adamsapfel entfernt. Möglicherweise hat der Täter medizinische Grundkenntnisse. Schnell kann das Opfer identifiziert werden, es handelt es sich um den pensionierten Pfarrer Josef Fraas aus Hameln handelt. 

Wie manchmal bei der alltäglichen Zeitungslektüre feststellbar, sind auch die beschaulichen Orte in der Provinz nicht vor schweren Verbrechen gefeit. So hat nicht jede kleine Dienststelle eine Abteilung für Kapitalverbrechen und diese Ermittlungen werden dann üblicherweise von einer übergeordneten Stelle koordiniert. Dennoch wird natürlich gerne auf die Erfahrung und die Ortskenntnis der ansässigen Polizisten zurückgegriffen. Peter Kruse und sein neuer Kollege Wolf Hetzer nehmen die Ermittlungen auf, begleitet von der schlagfertigen Rechtsmedizinerin Mica (Mechthild) finden sie auch kleinste Spuren und tappen doch lange im Dunkeln.

Auf verschiedenen Zeitebenen entwickelt sich der Fall, in dem ein Thema aufgegriffen wird, dem durchaus zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, welches aber ungefähr zur Entstehungszeit des Romans „in“ war. Leider ist es wieder in der Versenkung verschwunden, ohne dass bekannt wäre, ob sich die Situation der Betroffenen eingehend verbessert hätte. Gerade dies besondere Thema gibt diesem ersten Band um Wolf Hetzer und seine Kollegen einen besonderen Reiz und eine gewisse Tiefe. Angeregt versucht man als Leser mitzuermitteln und ruft sich gleichzeitig das wenige Wissen über dieses spezielle Thema ins Gedächtnis. Langsam keimt ein Verdacht, der sich nach und nach verdichtet. So macht ein Krimi Spaß.


Was die Lesefreude ein klein wenig trübt, sind ein paar Hintergrund-Informationen zur Vorgeschichte des Kommissars Wolf Hetzer und seine etwas formelhaften Lebensumstände. Dennoch ein sehr gut recherchiertes Erstlingswerk, packend und geradlinig. Man kann die weiteren Ermittlungen des Kommissars und seines Teams getrost auf die innere Leseliste setzen.

SchattenHaut von Nané Lénard
ISBN: 978-3-8271-9403-9

Samstag, 29. November 2014

Noble Tote

Wie in jedem Jahr hat er verkündet, wer den Literatur-Nobelpreis bekommen soll, den Empfang zum 100. Todestag des Dichters August Strindberg überstanden und nun liegt er tot im Park, Hubert Rudqvist, der ständige Sekretär der schwedischen Akademie. Wer kann seinen Tod gewollt haben? Ein ehrbares Mitglied der Gesellschaft. Claudia Rodriguez von der zentralen Mordkommission wird zum Tatort gerufen, was die örtliche Polizei nicht gerade begeistert, sieht es doch im ersten Moment eher wie ein verunglückter Raubüberfall aus. Doch schon bald werden Indizien ermittelt, die doch auf einen anderen Zusammenhang hindeuten. So hat der Täter einen über 150 Jahre alten Revolver verwendet. Eine solche Waffe dürfte nicht leicht zu finden sein. Schließlich werden weitere Akademie-Mitglieder getötet.

Gibt es mit Claudia Rodriguez und dem Buchantiquar Leo Dorfman ein neues Ermittler-Team? Das wird aus diesem Erstlingswerk im Bereich der Erwachsenenliteratur nicht eindeutig klar. In diesem Fall jedoch ergänzen sich die beiden unterschiedlichen Charaktere perfekt. Nahezu gleich alt (ungefähr Mitte 30) treffen sich Rodriguez und Dorfmann nach Jahren wieder, wobei man als Leser schnell in die Falle tappt, dass ein Buchantiquar eigentlich mindestens 60 oder 70 und schon leicht verstaubt sein sollte. Nun dieser Vorstellung wird durch Leos Beschreibung schnell ein Ende bereitet. Nachdem Claudia bei ihren Polizeikollegen heftig angeeckt ist und auch noch zwischen die Fronten der Chefs zweier Abteilungen geraten ist, hält sie sich bei den Ermittlungen eher an Leo. Besonders nachdem sich ein gewisser Bezug des Täters zu Strindberg herauskristallisiert, können Claudia und Leo ihr Wissen kombinieren. 


Die schwedische Akademie und die Hintergründe der Nobelpreisvergabe. Ein ausgesprochen interessanter Teilaspekt dieses Krimis, der mit einem spannenden und schlüssig konstruierten Fall kombiniert ein Lektüre ergibt, die man im Nachhinein nicht mehr missen möchte. Rodriguez und Dorfman sympathische Ermittler, die den Leser durch den Fall begleiten und vielleicht einige Zweifel an der Auswahl der Preisträger aufkommen lassen, wenn die Dinge denn tatsächlich so laufen wie der Autor schildert. Auf jeden Fall bekommt man einen interessanten Einblick in die Arbeitsweise der Akademie. Ein Literatur-Krimi, dem gerne ein zweiter folgen dürfte, wenn sich für die Ermittler eine weitere Thematik finden lässt, bei der sie ihre Fähigkeiten in einen gemeinsamen Topf werfen könnten.

Die Akademiemorde von Martin Olczak
ISBN: 978-3-442-74729-0

Freitag, 28. November 2014

Titanen

Als Metis und ihre Schwestern in der Natur die ersten Menschen entdecken, finden sie diese sehr possierlich. Ebenbilder der Götter, nur klein und streitbar und leider auch sterblich. Sie schmuggeln die Kleinen auf den Olymp, wo Kronos der König der Götter der alleinige Herrscher ist. Doch so wie Kronos seinen Vater stürzte, so sehr fürchtet er von seinem Sohn gestürzt zu werden. Deshalb zwang er seine Frau fünf Kinder herzugeben und nun ist ein sechstes unterwegs. Um etwaigen weiteren Hofintrigen zu entgehen, entspinnt Kronos selber eine. Um die Okeaniden von ihrem Thron zu stürzen, behauptet er, es sei ein Attentat auf ihn geplant und er verspricht einigen seiner Brüder jeweils einen Thron, wenn sie ihn in seinen Plänen unterstützen.

Nur vage bekannt ist mir die griechische Mythologie. Doch schon in meiner Schulzeit hatte ich durchaus Interesse an den alten Mythen und Sagen. Und daher gefiel mir die Thematik dieses Buches gleich. Die Nacherzählung der Titanensagen durch den Autor ist nach meinem Empfinden sehr gelungen. Schon die Entdeckung der ersten Menschen durch die jungen Göttinnen und Musen ist humorvoll geschildert. Die Intrigen des Kronos, der aufgrund seines eigenen Misstrauens und seiner eingebildeten Befürchtungen eines Putsches, das Gras wachsen hört und von sich auf andere schließt, sind ausgesprochen gemein. Er spielt jeden gegen jeden aus, wobei natürlich auch andere in diesem Spiel kräftig mitmischen. Und Proteus, der Gestaltwandler, hat seine ganz eigene Geschichte. Mit seiner Eigenschaft als Seher eher unglücklich, versucht er doch, der Katastrophe entgegen zu wirken. Und seine Liebe zu der Nymphe Nalassa nimmt eine dramatische Wendung.

Ein Teil der griechischen Mythologie mit modernen teils witzigen teils ernsten Szenen wiedergegeben, bei einem gewissen Interesse an der Thematik ist dieses aus zwei Teilen bestehende Buch eine sehr gelungene Auffrischung des fast gänzlich in Vergessenheit geratenen Wissens aus alten Schulzeiten, wobei die Titanen teilweise recht fremdartige Sitten und Gebräuche hatten und doch so menschliche Gefühle hegten und sich schließlich auch mit einer Endlichkeit befassen mussten.


The Lord of the crooked Paths (including Master of the fearful Depths) von Patrick H. Adkins
ISBN: B000ZMZTIQ

Eine Familie

Seit einem Jahr hat Joe O’Laughlin eine neue Patientin. Marnie Logan kam zu ihm als ihr Mann Daniel spurlos verschwand. Ein gutes Jahr ist das nun schon her und O’Laughlin hat nicht den Eindruck, dass es Marnie besser geht. Anscheinend verschweigt sie etwas. Außerdem zwingt der Kredithai ihres Mannes sie, die Schulden bei seinem Escort-Service abzuarbeiten. Wie soll Marnie das nur ihren beiden Kindern erklären? Als sie bei einem ihrer Aufträge Owen kennenlernt, der sehr depressiv zu sein scheint, kann sie nicht anders, als ihm Mut zu zu sprechen. Und für so etwas verlangt man kein Geld. Marnies Aufpasser ist da natürlich anderer Meinung.

Mal wieder einer der Thriller, die Beklemmung auslösen. Marnies Welt ist bereits seit ihrer Kindheit aus den Fugen geraten. Sie saß mit im Auto als ihre Mutter einen schweren Unfall hatte, bei dem sie starb. Wie schwer muss es für ein Kind sein, dies miterleben zu müssen. Marnie ist immer um Normalität bemüht. Und so kommt sie auch ihrem Psychologen eigentlich recht normal vor, problembehaftet zwar durch die miese Situation, die ihr Mann hinterlassen hat, aber doch normal. Doch als Marnie Joe bittet, ihr zu helfen und herauszufinden, was mit ihrem Mann geschehen sein könnte, kommen einige seltsame Dinge ans Tageslicht, die ein eigenartiges Licht auf Marnie werfen. O’Laughlin kann sich keinen Reim darauf machen. Eine ganze Weile weiß der Leser mehr als Joe, aber er weiß durch geschickte Wendungen, nicht wirklich, was er weiß. Der Autor regt zu Vermutungen und falschen Schlüssen an und befeuert dabei immer die Vorstellung, des beobachtet Werdens, des Misstrauens. Was wird noch geschehen, wer wird schneller sein? 

Aufgrund ihrer psychischen Aufstellung schafft es Marnie allerdings nicht sympathisch zu werden und auch O’Laughlin scheint sich in etwas zu verrennen. Ein zwar fesselnder, aber aufgrund der Charakterstudie des Opfers und ihrer Verbandelung mit ihrem Therapeuten, kein Thriller, der am Ende aufatmen lässt. Eher bleibt eine unterschwellige Bedrohung, die für den nächsten Band der Reihe Unannehmlichkeiten befürchten lässt. Mit etwas Wiederwillen doch verschlungen, ein Roman, über den sich jeder selbst eine Meinung bilden muss.
3,5 Sterne


Erlöse mich von Michael Robotham
ISBN: 978-3-442-31317-4

Mittwoch, 26. November 2014

Auf Rügen

Auf Rügen gibt´s ´ne Leiche. Ein anonymer Anrufer bittet die Polizei, doch mal in der Fischfabrik im Sassnitzer Hafen nachzuschauen. Dort wird dann tatsächlich der Unternehmer Kai Richardt aufgefunden. Offensichtlich ist er keines natürlichen Todes gestorben. Zunächst scheint es so als sei Richardt ein smarter bei allen beliebter Geschäftsmann, doch schnell stellt sich heraus, dass er durchaus nicht von allen gemocht wurde. Noch bei den Untersuchungen am Fundort findet die Polizei weitere sterbliche Überreste.
Der erste Fall der Kommissarin Romy Beccare wird hier in gekürzter Lesung erfrischend vorgetragen von Stephanie Kellner. Sie haucht den handelnden Personen dieses Krimis Leben ein. Die Ermittlerin Romy Beccare mit italienischen Wurzeln hat großen Kummer. Moritz, ihre große Liebe, ist plötzlich verstorben. Oft noch schweifen ihre Gedanken ab, in die schöne Zeit, die nun leider vorbei ist. Mit Eifer stürzt sie sich in die Ermittlungen um den Tod von Kai Richardt. Besteht eine Verbindung zwischen Richardt und der zweiten Leiche? Hartnäckig und mit großer Akribie widmen sich die Polizisten diesem Fall, in dem sich zunächst mehr Rätsel als Lösungen ergeben. Jeder, der Befragten kannte den Toten auf spezielle Art und Weise und auf der großen kleinen Insel ergeben sich mehr Verbindungen als zu vermuten war.
Es ist sicher nicht notwendig, die Insel Rügen schon einmal besucht zu haben, um Freude an diesem Krimi zu haben, aber sicher erleichtert eine gewisse Ortskenntnis das Erstehen der Romanbilder vor den Augen. Eine sympathische trauernde Kommissarin mit ihrem brummigen Partner, gewiefte weitere Mitarbeiter in Staatsdiensten, ein vermeintlich einfacher Fall, aus dem sich ein Psychogramm des Opfers entwickelt, welches es schwer macht Mitleid zu empfinden.
Spannend und hörenswert. Einige Kleinigkeiten und Hintergrundinformationen, die man vermissen könnte, sind möglicherweise der Kürzung zum Opfer gefallen.

3,5 Sterne

Hafenmord von Katharina Petersen
ISBN: 978-3-86804-826-1

Sonntag, 23. November 2014

Reise in die Vergangenheit

Nachdem Vanoras Fluch gebrochen ist, sollte doch eigentlich alles in Ordnung sein. Die Liebe unendlich, das Leben schön. Doch Payton geht es immer schlechter und sein Bruder Sam berichtet ihm, was er erlauscht hat. Die Brüder reisen zurück nach Schottland, um eine mögliche Lösung zu finden. Payton hinterlässt Sam einen sogenannten Brief, diese kann nicht glauben, was darin steht und macht sich Hals über Kopf auf ins alte Europa. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Peyton und Sean berichten ihr von der Gefahr, die Paytons Leben bedroht. Gemeinsam finden sie heraus, dass die Lösung nur in der Vergangenheit liegen kann. Und eher durch Zufall oder vielleicht auch Fügung ist genau das der Ort, an dem Sam schließlich landet, Schottland im Jahre des Herrn 1740.
Gefühl und Action so könnte man dieses Buch beschreiben, das einen sofort in seinen Bann zieht. Noch einmal haben die sympathischen Protagonisten schwere Zeiten zu durchstehen. Sams Reise in die Vergangenheit ist beschwerlich. Immer wieder scheint sich alles zum Schlechteren zu wenden. Gerade das, was sie zu verhindern sucht, tritt ein. Wäre selbst in der Vergangenheit die Liebe zu Payton nicht, Sam wäre drauf und dran aufzugeben. Und in der Gegenwart wird Payton immer schwächer. Wie soll das Dilemma bloß aufgelöst werden, fragt man sich während des Lesens. Ändert man die Vergangenheit, ändert sich die Zukunft. Wenn es in der Zukunft keinen Payton gibt, wie soll man dann in die Vergangenheit kommen, um ihn zu retten. Kann man die Zukunft retten, ohne die Vergangenheit zu ändern. Immer knapper wird die Zeit, fast scheint es als sollten Vergangenheit und Zukunft verloren sein. 
Spannend und emotional gefesselt liest man eine Seite nach der anderen. Der Autorin ist es wirklich gelungen der Leserin einen Roman mit liebenswerten Charakteren zu bescheren, von denen man sich am Schluss nur ungern verabschiedet.

Im Schatten der Schwestern von Emily Bold
ISBN: 978-1-479-29746-7

Durch die Highlands

Kurz vor den Sommerferien findet Samantha unter den Sachen ihrer verstorbenen Großmutter ein kleines Büchlein und eine Kette mit einem ungewöhnlichen Anhänger, die sehr alt zu sein scheinen. Doch ihre beste Freundin Kim lenkt sie mit ihren Jungsgeschichten ab, so dass Sam sich nicht näher mit ihren Fundstücken beschäftigt. Als Sam wegen schlechter Noten in einigen Fächern über den Sommer nach Schottland geschickt wird, hat sie zwar die Kette dabei. Das Buch allerdings hat sie in Amerika vergessen. Schon bald nach der Ankunft wird Sam fast von einem Motorrad überrollt und damit kommen seltsame Ereignisse in Gang. Sam, die immer wollte, dass ihr erster Kuss etwas Besonderes sein sollte, lernt den geheimnisumwitterten Payton kennen. Dieser scheint sich gleichzeitig von Sam angezogen zu fühlen als auch vor ihr zurück zu schrecken. 

Lange schon war ich nicht mehr in den Highlands, im wirklichen Leben noch nie. Die schottische Geschichte kenne ich nur aus Romanen und hier konnte ich meinen Horizont mal wieder etwas erweitern. Und ein wenig war es wie nach hause kommen. Ein All-Ager Roman, den ich mit Freude gelesen habe und somit gerne weiter empfehle. Um die sympathischen Protagonisten wurde eine spannende Geschichte erzählt. Ein alter Fluch, der verschwommen formuliert ist,den es zu entschlüsseln und zu bannen gilt. Eine große Liebe, eine Wiedererweckung des Gefühls. Das liest sich weg wie nichts, man taucht ein und wieder auf und schon vorbei. Aber pst, es gibt einen zweiten Teil. 

Sehr gut gefallen hat mit auch die Aufmachung des Buches, das Schriftbild ist sehr angenehm zu lesen und einzelnen Kapiteln sind kleine Bilder vorangestellt, die zur Handlung passen und dem Leser eine Vorstellung von der Umgebung geben. Es war für mich eines dieser Bücher, die man aufblättert und sofort den Eindruck bekommt, mag ich, was sich dann beim Lesen auch bestätigt.

Vanoras Fluch von Emily Bold
ISBN: 978-1-477-67860-2

Das Haus am Meer

Das Haus am Meer hat es Daniel und seiner schwangeren Freundin Piper angetan. Zwar ist es etwas heruntergekommen, aber wenn sie etwas Arbeit hineingesteckt haben, wird es das ideale Haus für ihre kleine Familie sein, voller Liebe und Wärme. Das ist der Traum. Das war der Traum. Denn als Daniel eines Abends alleine noch eine Kleinigkeit erledigen will, platzt das Aneurysma in seinem Kopf, von dem niemand etwas wusste und jede Hilfe kommt zu spät. Und nun steht Piper vor den Scherben ihres Glücks, zutiefst deprimiert, würde sie Daniel am liebsten folgen, doch sie muss an ihr ungeborenes Kind denken, das einzige, was von Daniel bleibt. In der kleinen Wohnung im Haus von Daniels Eltern erinnert alles an den Verstorbenen, Piper beschließt daher in das Haus am Meer zu ziehen. 

Wie schwer ist der Tod eines geliebten Menschen zu verwinden, fast scheint es unmöglich zu sein. Wahrhaftig leidet man mit Piper mit, hofft, wenn es doch mal einen kleinen Silberstreif gibt, stürzt mit ihr in den Abgrund der Trauer, wenn die Erinnerungen übermächtig werden, fragt sich, ob es jemals besser werden wird. Spürt doch allmählich, dass der dumme Spruch, die Zeit heile alle Wunden, eine gewisse Gültigkeit hat. Empfindet die Schuldgefühle, wenn die Erinnerung an den Verstorbenen langsam nachlässt. Auch die große Freude über die Geburt des Kindes, tatsächlich, ein Grund zu leben und Freude zu empfinden. Kann es jedoch jemals wieder eine Liebe geben? Immer in der Angst, es könne wieder einen unerträglichen Verlust geben. Man fühlt die Stärke Pipers, die sich langsam dem Leben und der Liebe zuwendet, Daniel loslässt, ohne ihn zu vergessen. 


Ein wunderbar gefühlvoller Roman, der obwohl voller Traurigkeit, doch auch Kraft, Hoffnung und Freude ausstrahlt und somit etwas Sonne in die dunkle Jahreszeit bringt.

Klang der Gezeiten von Emily Bold
ISBN: 978-3-477-82458-0