Dienstag, 7. Oktober 2014

Zum Wohle des Kindes



Familienrichterin Fiona Maye ist Vorsitzende des Obersten Gerichtes. Hochintelligent und um Gerechtigkeit bemüht macht sie sich ihre Entscheidungen nicht leicht, gewissenhaft begründet sie wie sie zu ihrem Entschluss gekommen ist. Welche Entscheidung zum Beispiel ist zu treffen, wenn einer der siamesischen Zwillinge nur um den Tod des anderen gerettet werden kann. Ein Fall, der sie nicht loslässt. Und nun da es in ihrer Ehe kriselt, muss sie eine Eilentscheidung treffen. Ein an Leukämie erkrankter Jugendlicher, der gemeinsam mit seinen Eltern den Zeugen Jehovas angehört, verweigert die überlebensnotwendige Bluttransfusion. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit fährt Fiona zu dem Jungen ins Krankenhaus.

Alles andere als ein leichtes Thema hat der Autor hier in seine besonderen Worte gekleidet. Im englischen Original nicht ganz leicht zu lesen, aber davon abgesehen auch inhaltlich nicht leicht verdaulich. Eindringlich werden die Entscheidungsnöte der Richterin geschildert. Wenn man anfängt über die Themen nachzudenken, über die sie entscheiden muss, kommt man selbst zu keinem Entschluss und man kann möglicherweise wenigstens im Ansatz nachvollziehen, welche Nöte die Richterin hat, eine gerechte und rechtmäßige Entscheidung zu finden. Viele Gedanken macht sie sich, was zum Wohle des Kindes zu geschehen hat und ob und welchem Maße dabei der Wille des Kindes zu berücksichtigen ist. Ihre Entscheidungen muss man vielleicht nicht teilen, sind jedoch immer wohlbegründet und nach ihrem Rechtsempfinden unausweichlich. In der besonderen Situation ihrer eigenen Krise ist der Druck noch größer als bisher, dennoch versucht die Richterin sich zu prüfen und zum Wohle des kranken Jugendlichen zu entscheiden. Sie bedenkt allerdings zu wenig, welche Auswirkung ihre Entscheidung haben kann.

Dieser schon in seiner Thematik ungewöhnliche Roman gibt einen Einblick in das Leben einer Richterin, die gewissenhaft entscheiden und gerecht sein will und dabei in einer persönlichen Krise doch sehr menschlich und damit auch fehlbar wird. Nachdenklich stimmend ist die Lektüre doch jedem weiter zu empfehlen, der Büchern zugeneigt ist, die einem zwar etwas abverlangen, dafür aber auch im Gedächtnis haften bleiben.

The Children Act von Ian McEwan

ISBN: 978-0-224-10199-8

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