Samstag, 31. Januar 2015

Am anderen Ende

Der tragische Unfalltod ihrer Eltern lässt die vier Schwestern Rebecca, Julie, Lauren und Cathy in eine schwere Krise stürzen. Die Mädchen sind noch sehr jung und Rebecca als Älteste versucht alles, um die kleine Familie zusammenzuhalten. Sie gibt ihre Träume und Pläne auf und wird zum selbst noch nicht erwachsenen Familienoberhaupt. Cathy, die Jüngste, beginnt Briefe an ihre toten Eltern zu schreiben, um sich ihr Leid wenigstens zum Teil von der Seele schreiben zu können. Fast zehn Jahre vergehen, bis Cathy eine Entscheidung zu treffen hat, die die Schwestern trennt. Und erst nach weiteren 15 Jahren bittet Cathy ihre Schwestern zu ihrer Hochzeit nach Neuseeland zu kommen.

Cathys Briefe und Rebeccas Tagebucheintragungen erzählen hier von der Vergangenheit der Mädchen, während die Gegenwart als fortlaufende Handlung geschildert ist. Dadurch ist der Verlauf der Geschichte abwechslungsreich und vielschichtig gestaltet und der Leser immer nah bei den Protagonisten. Man stellt sich vor wie sich Cathy gefühlt haben muss, während sie die Briefe schreibt. Beinahe sieht man wie Rebecca versucht für ihre Schwestern erwachsen zu sein, welche Mühe sie hat nicht ebenfalls vor Trauer zusammen zu brechen. 


Schön und teilweise aufwühlend, eben weil die alten längst verarbeitet geglaubten Begebenheiten wieder an die Oberfläche gespült werden, ist auch die Schilderung der Reise durch Neuseeland der drei doch sehr unterschiedlichen Schwestern. Jede durchlebt ihre eigenen Höhen und Tiefen, muss sich den Erinnerungen stellen und sich fragen, wie die Zukunft werden soll. Cathys banges und doch hoffungsfrohes Warten am Zielort der Reise. Werden die Schwestern es schaffen, zueinander zu finden. Wird das Wiedersehen ein emotionaler Höhepunkt oder kommt es zum endgültigen Bruch. Beinahe ebenso wie die Schwestern zwischen Hoffnung und Bangen ist man beim Lesen in ständiger Anspannung, im Bann dieser gefühlvollen Erzählung einer Geschwisterliebe. Mitfiebernd mit den Schwestern wünscht man ihnen nach dem Leid der Jugend Glück und eine innige Beziehung in der Zukunft. Der Roman - eine schöne Entdeckung, die aus einem Remittenten-Regal gerettet wurde.

Wiedersehen in Havenswalk von Laura Elliot
ISBN: 978-3-8052-5000-9


Donnerstag, 29. Januar 2015

Du hast die Wahl

Vor einiger Zeit war Darren Richards in einen Unfall verwickelt, bei dem zwei Personen zu Tode kamen. Doch Darren Richards kam mit Hilfe seines findigen Anwalts davon. Jetzt allerdings erwacht er an einen Stuhl gefesselt, vor ihm seine Freundin und seine kleine Tochter. Und Darren Richards hat die Wahl, für die Tode, die er verursacht hat zu sterben oder zu leben. Darren Richards wählt das Leben und wieder kommen zwei weibliche Wesen zu Tode. Phil Brennan will und muss dieses Verbrechen aufklären, denn so wie die Fallkonstellation angelegt ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Täter wieder zuschlägt. Marina indes ist von der Polizistin Anni Shepherd zu dem Fall einer jungen Frau gerufen worden, die ihre neugeborenen Kinder umgebracht hat.

Getrennt und doch gemeinsam sind Marina und Phil stark, sie unterstützen sich gegenseitig, ohne die jeweils eigenen Probleme in den Vordergrund zu stellen. Phils Stellung bei der Polizei in Birmingham hat sich verbessert, wenn auch noch nicht alles optimal läuft. Er scheint angekommen zu sein. Zwar wandelt Inspector Sperring manchmal auf Pfaden, die Phil nicht unbedingt gutheißt, aber im großen und ganzen, kann Brennan nicht klagen. Es soll Gerechtigkeit herrschen, im Sinne des Rechts. 


Ein sehr persönlicher Fall für die Ermittler, bei dem es schwer fällt Sympathien zu verteilen. Mit großem Können legt die Autorin falsche Fährten aus und führt die Leser in die Irre. Doch obwohl schlüssig und ohne merkbare Fehler konzipiert, schafft es die Autorin es diesmal nicht, jeden Leser einzufangen und ihm dem Thrill zu geben. Eher löst sie Widerwillen und Unwillen aus. Lange bleibt ungewiss wie die Dinge zusammenhängen, während schließlich der Abschluss etwas plötzlich nahezu zufällig über die Ermittler hereinbricht. Ob dem Leser die Handlungsstränge gefallen und er mit den Ermittlern auf die Reise gehen möchte, muss natürlich jeder selbst entscheiden. Da kann eine einzelne Meinung nicht maßgebend sein. Ebenso wenig wie für die Entscheidung, ob man die Reihe, deren sechster Band hier vorliegt, weiter verfolgen möchte.

Truth or Dare von Tania Carver
ISBN: 978-1-4055-2017-1

Sonntag, 25. Januar 2015

Unruheherd

Major Henry Treherne ist mit Leib und Seele Soldat. Er glaubt für Recht und Ordung einzustehen und der guten Sache zu dienen. Nach einigen Jahren der Stationierung in Deutschland und als er mit seiner Einheit im Jahr 1956 nach Zypern verlegt wird, sieht er der Aufgabe freudig entgegen. Seine Frau Clara, die ihn unterstützt, folgt ihm kurze Zeit später mit den eineinhalb-jährigen Zwillingstöchtern nach. Doch die Situation in Zypern erweist sich als weniger sonnig als gedacht. Eine griechisch-zypriotische Untergrundorganisation überzieht die britischen Kolonialherren mit Anschlägen und Gefechten. Henry, nunmehr erstmals mit echten kriegerischen Handlungen konfrontiert, muss miterleben, dass seine Briten dabei nicht immer gut aussehen und ihr Handeln auch nicht so gentlemenlike ist, wie er als ehrenhafter aber unerfahrener Offizier es sich vorgestellt hat. Die inneren Konflikten, die dies bei Henry auslöst, bedrohen auch die Beziehung zu seiner Frau.

Hier hat sich die Autorin einen im wirklichen Sinne des Wortes einen kleinen Krieg vorgenommen, der sehr aus der Geschichtswirklichkeit und Tagesaktualität verschwunden ist. Die groben Hintergründe lassen sich schnell bei den bekannten Seiten im Internet ermitteln und der Leser kann dabei etwas mehr über die Ursachen der Querelen erfahren, die das Leben auf Zypern auch heute zum Teil noch bestimmen, auch wenn man sich um eine Verbesserung der Situation bemüht.
Doch wie bei jedem Krieg, ob klein oder groß, kommt es zu Übergriffen der vermeintlich Stärkeren, von denen man nichts geahnt, die auch völlig unerwünscht sind. Allerdings wird wie so oft nicht mit einer offenen Aufarbeitung reagiert, sondern mit Vertuschung und Bagatellisierung. Davor ist auch Major Treherne nicht gefeit und er ist in Gefahr, daran zu zerbrechen.


Im Zwiespalt zwischen dem ruhigen fast fröhlichen Leben der Offiziersclubs und der andauernden Bedrohung auf der Straße, spürt man das Unbehagen und die Nervenanspannung der Soldaten. Mit Widerwillen registriert man wie die Anspannung sich die Bahn bricht und quasi explodiert. Die Autorin versteht es, die Lage so eindringlich zu beschreiben, dass man die Wirkung auf sich selbst spürt. Man fragt sich, ob man mit den Soldaten empfinden muss oder ob man ihr unangemessenes Verhalten streng verurteilen soll. Ein Buch, das Gefühle hervorruft und zum Nachdenken anregt, das an einen kleinen Krieg erinnert, der über die Beteiligten genauso viel Leid gebracht hat wie ein großer. Geschehnisse jedweder Kriege sollten schonungslos beschrieben und vor dem Vergessen bewahrt werden und hierzu leistet die Autorin einen bemerkenswerten Beitrag.

Kleine Kriege von Sadie Jones
ISBN: 978-3-453-35583-5

Samstag, 24. Januar 2015

Das Meer sehen

Etta ist 82 Jahre und sie will das Meer sehen, solange sie sich noch an ihren Wunsch erinnern kann. Und so marschiert sie los aus der Mitte Kanadas. Und sie läuft nach Osten wie ihr Mann Otto richtig vermutet, obwohl es doch nach Westen viel näher wäre. Heimlich hat sie sich auf den Weg gemacht und Otto nur einen Brief und ein paar Rezepte hinterlassen, ihren Nachbarn Russell zu treffen, macht ihr nichts, denn dieser ebenso betagt wie sie, ist seit einem Unfall in der Kindheit nicht mehr besonders gut zu Fuß. Und Etta wandert weiter und Otto wartet.

Heiter melancholisch wirkt die Erzählung über Etta und Otto und Russell und James. Die alte Frau, die unbedingt das Meer sehen möchte und die um ihr Gedächtnis ringt. Ihr Mann, der wartet, weil er ihren Wunsch respektiert, der sich auf seine Art aber auch zu neuen Ufern aufmacht. Russell, ihr Nachbar zugleich Ottos bester Freund, wartet nicht, er macht sich auf Ettas Spuren zu folgen und landet doch ganz woanders. Und James ist Ettas überraschende, späte und ungewöhnliche Bekanntschaft. 

Zwischen den Erinnerungen an die einschneidenden Erlebnisse während der Kindheit und der jungen Erwachsenenjahre und den Ereignissen der Gegenwart pendelt der Lauf der Geschichte. Ein Kampf ums Leben und Überleben zu allen Zeiten, ein häufig hartes und von Entbehrungen geprägtes Leben, das dennoch mit Wärme erfüllt ist. Vieles wird zwischen den Zeilen angedeutet und ruft zum einen Neugier und Spannung hervor und zum anderen Hoffnung und ein Miterleben von Liebe und Freundschaft, doch auch Trauer und fehlender Erfüllung. Ein sehnsüchtiger Optimismus bleibt und eine vage Frage nach dem Unausgesprochenen.


Hervorzuheben ist auch das sehr gelungene Cover, das man sich sehr genau anschauen sollte, um es in allen fast schon versteckten Einzelheiten erfassen zu können.

Etta and Otto and Russell and James von Emma Hooper
ISBN: 978-0-241-18586-5

Freitag, 23. Januar 2015

Hexenwirklichkeit

Lukas Faust ist eine gescheiterte Existenz, könnte man sagen. In Berlin hält er sich mit billigen Zaubertricks und kleinen Betrügereien über Wasser. Alles scheint besser zu werden als er Sylvia kennenlernt, doch sie haut mit dem Geld ab und Lukas ist total pleite. Auf der Suche nach Sylvia und seinem Geld macht sich Lukas auf nach Staufen, wohin Sylvia eine Fahrkarte gelöst hat. Schnell gerät Lukas auch dort in Schwierigkeiten, auf seiner Flucht hilft ihm Sylvia. Und auf einmal ist Lukas in einer anderen Welt, in der niemand anderes als der schwarze Pudel Mephistus auftaucht, mit welchem Lukas Urahn Dr. Faust einen Teufelspakt geschlossen hat.

Wie nah können manchmal Phantasiewelten und die normale Welt zusammen liegen, das erlebt Lukas Faust der Nachfahre des Doktor Faust, der vor ewigen Zeiten zur Hölle gefahren sein soll. Doch was nun, wenn die Seele dieses Doktors wieder an die Oberfläche will, wenn der Teufel durchaus etwas dagegen hat, wenn beide Lukas brauchen, um ihre Pläne zu erfüllen. Zwischen den Fronten stolpert Lukas Faust durch diese Welt, mit deren Existenz er nie gerechnet hätte. Dass er dabei etwas über sich und das Leben und den Tod und den Teufel lernt, ist ein unerwarteter Nebeneffekt.


Tod, Teufel, Dämonen, Zauberer, Hexen und was für Sagen- und Fantasy-Kreaturen man sich sonst noch vorstellen kann reiten, fliegen, streifen durch diesen Roman und bereiten dem Helden so manche Probleme. Doch auch Hilfe bekommt der wackere Lukas, nicht alle trachten ihm nach dem Leben. Eine Wanderung durch die Sagen- und Mythenwelt, ein amüsantes und rasantes Wiederaufleben alten Schulwissens. Ein unerwartet unterhaltsames und lesenswertes Buch, dass fesselt und den Leser mit immer neuen Wendungen zu überraschen und zu erfreuen versteht.

Schwarze Tränen von Thomas Finn
ISBN: 978-3-426-51349-1

Dienstag, 20. Januar 2015

Atemlos

Die Polizistin Linda Pieroth wurde vom Dienst suspendiert, weil ihr Schuss auf einen Verdächtigen untersucht werden muss. Plötzlich hat sie viel freie Zeit, in der sie mal wieder zum Schießstand fahren will, um zu trainieren. Linda ist eine hervorragende Schützin, die schon an etlichen Wettkämpfen teilgenommen hat. In den USA indessen wurde eine neue Präsidentin gewählt, deren Ziele einigen Wirtschaftsmagnaten nicht in den Kram passen. Die Frau muss weg, beschließen diese. Doch wer soll einen Plan schmieden, wer soll ihn ausführen. Da gibt es das Phantom, dem nachgesagt wird, er habe schon etliche Attentate ausgeführt und es gäbe nur eine Möglichkeit, ihn zu erreichen. 

Bei diesem ebook handelt es sich um eine Reihe in sieben Teilen, wobei ich den ersten Teil als Leseprobe downloaden konnte und die anderen sechs Teile im Rahmen einer Verlosung zugelost bekam. Und wie es sich schon bei dem ersten Teil angedeutet hat, ist diese Reihe, die für mich letztlich doch ein Buch ist, ausgesprochen spannend. Man merkt, dass der Autor weiß, wovon er schreibt. Hoffentlich ist die Fiktion fesselnder als die Realität. Teilweise in technischen Dingen sehr detailverliebt und doch für den Leser sehr interessant, versteht dieser Roman zu packen und einem den Atem zu rauben. Wie bei fiktiven Geschehen, die zumindest in der Vorstellung des Lesers an wirklichen Möglichkeiten angelehnt sein können, fragt man sich beim Lesen oft, was wäre wenn. Könnte es wirklich so geschehen. Gibt es tatsächlich diese technischen Möglichkeiten. Könnte man als technisch versierter Bürger zusammen mit einer Polizistin in Freizeit solche Ermittlungen führen. Hoffentlich nicht. 

Dennoch ein herausragender Plot, mit dem der Autor seine Leser fesselt. Ein Phantom gegen eine Polizistin, wobei das Phantom immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Zugleich wird auch die menschliche Seite nicht außer Acht gelassen und in einigen humorvollen Szenen bekommt der Leser die Gelegenheit, durchzuatmen. Dadurch wirkt die Handlung rund, vollständig und sehr wirklichkeitsnah. Was allerdings meinen Lesefluss etwas beeinträchtigt hat, ist doch die Aufbereitung als Reihe. Ein Thriller, der so spannend ist, liest sich doch am besten in einem Rutsch. 


Ich bedanke mich herzlich bei Whatchareadin und dem Dotbooks Verlag, dass ich diesen fesselnden Roman zur Verfügung bestellt bekommen habe.

Tödliche Distanz von Jochen Frech
ISBN: 978-3-95520-056-5

Sonntag, 18. Januar 2015

Rechts oder Links

Als Stephanie 14 Jahre ist, ist ihre Welt noch in Ordnung. Sie lebt mit ihren Eltern, zwei Brüdern und ihrer kleinen Schwester Gemma in Wanaka, einer Kleinstadt in Neu Seeland. Vielleicht läuft die Ehe der Eltern nicht so super, vielleicht hat ihre Mutter auch einige andere Interessen, vielleicht ist sie etwas genervt, weil sie sich zu oft um Gemma kümmern muss, dennoch ist ihr Leben behütet und normal. Bis zu dem Tag des Schulausflugs, an dem Gemma spurlos verschwindet. Trotz ihrer Jugend macht Stephanie sich große Vorwürfe, hätte sie sich besser kümmern müssen, hätte sie noch mehr aufpassen müssen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sie ihr Elternhaus früh verlässt, Medizin studiert und sich in ihrer Facharzt-Ausbildung auf Psychiatrie spezialisiert. Kurz vor Ende ihrer Ausbildung lernt Stephanie die Patientin Beth kennen, deren Geschichte alte Wunden, die nie wirklich verheilten, wieder aufreißt.

Aus Stephanies Sicht beschreibt die Autorin die Vorgänge um das Verschwinden der kleinen Gemma. Ein emotional prägendes Ereignis, das Stephanie nie loslässt, vielleicht sogar ihre Berufswahl bestimmt und ihre mangelnde Fähigkeit, sich anderen zu öffnen, begründet. Man mag es sich nicht vorstellen, wie es sein muss auf diese Weise einen geliebten Menschen zu verlieren. Die Ungewissheit über das Verbleiben der kleinen Schwester, die Ungewissheit, ob man etwas hätte verhindern können, wenn man sich wirklich gekümmert hätte, anstatt dem Gedanken nachzuhängen, dass man mit Freunden lieber woanders wäre. Verständlicherweise wird Stephanies Leben davon bestimmt. Obwohl Vater und Mutter sich anders verhalten, ihr Leben vorangehen lassen, bleibt Stephanies Entscheidung nachvollziehbar. Als ihre Schwester verschwindet ist sie selbst noch in der Pubertät, eine Lebensphase, in der Erlebnisse sicher tiefer und durchgreifender nachwirken als zu anderen Zeiten. Stephanie kann wohlmöglich erst dann loslassen, wenn sie alles versucht hat.


Sehr beeindruckend sind die Beschreibungen welche Auswirkungen dieser einschneidende Verlust auf Stephanies Leben hat. Wie Stephanie versucht anderen Menschen zu helfen, ohne sich selbst zu öffnen. Ein wenig wirkt es, als wolle sie sich bestrafen, dafür dass sie damals nicht mehr tat. Doch während der Lektüre fragt man sich, studiert sie, um sich selbst zu helfen. Erst ein Zufall setzt eine Weiterentwicklung in Gang, mit der beinahe nicht mehr zu rechnen war. Und so intensiv wie der Roman Stephanies Sicht darlegt, so konstruiert wirken manche Entwicklungen. Eine Studie über den Verlust, die krimihafte Züge bekommt. Fesselnd, aber in einigen Bereichen zu ausführlich, während in anderen Erläuterungen fehlen. 

Komm, spiel mit mir von Paddy Richardson
ISBN: 978-3-426-50568-7

Samstag, 17. Januar 2015

Der Turing Test

Den Turing Test besteht ein Computer, wenn er eine gewisse Anzahl menschlicher Gesprächspartner überzeugen kann, dass er kein Computer ist. Natürlich dürfen sich die Gesprächspartner bei dem Test nicht sehen.

Genau an so einem Computerprogramm arbeitet die Firma, bei der Neill Bassett jr. angestellt ist. Eigentlich ist Neill Wirtschaftswissenschaftler und hätte sein Vater Neill Bassett sen. nicht 5000 Seiten an Tagebuchaufzeichnungen hinterlassen, auf denen das Programm basiert, hätte Neill jr. nichts mit der Firma zu tun. Doch so besteht seine Arbeit aus Chats mit dem Computer-Vater und eigenartigerweise führt das dazu, dass Neill beginnt über die Beziehung zu seinem echten Vater nachzudenken, der sich vor langer Zeit schon umgebracht hat. Welchen Einfluss hat sein Vater auf seinen Umgang mit anderen Menschen, speziell Frauen. Neill ist geschieden und nicht sicher, ob er wirklich auf der Suche ist.

Kann man einem Computerprogramm so viel Lebensechtheit einhauchen, dass er Unterhaltungen führen kann, die darüber hinwegtäuschen, dass man es mit einer Maschine zu tun hat? Die Chats des jüngeren Neill mit dem Computer alter Ego seines Vaters haben in ihrer Entwicklung jedenfalls etwas Anrührendes. Fast als würde der Vater sich dem Sohne öffnen und ihm die Worte zukommen lassen, die der Sohn während Kindheit und Jugend vermisst hat. Bittersüß die Momente, in denen der Sohn ausweichen muss, weil das Programm nicht durcheinander kommen darf. Die Aufarbeitung der Beziehung zum Vater wirkt sich auch auf die Liebe im wahren Leben aus. Die Begegnung mit Rachel bringt Neills Leben durcheinander, schwer ist es für ihn einen Weg zu finden.


Schwer ist es manchmal auch für den Leser einen Zugang zu der Geschichte zu finden. Äußerst gelungen sind dabei die Chats zwischen Computer-Neill und anderen Personen, emotional berührend und so authentisch wie Gespräche zwischen Computer und Mensch eben sein können. Doch so schön dieser Teil des Romans gelungen ist, so schwierig nachvollziehbar sind die Wirrungen, denen das wirkliche Leben Neill jrs. unterliegt. Bei allen Bemühungen um die Liebe scheint er seltsam unbeteiligt und kühl, so dass man sich beim Lesen fragt, ob man gerade den entscheidenden Moment verpasst hat. Eine Frage, die auch beim Zurückblättern und nachlesen, nicht zu einer Antwort führt. Und so bleibt Computer-Neill der Sympathieträger dieses Romans und die Theorie der Liebe doch sehr vorläufig.

3,5 Sterne

Eine vorläufige Theorie der Liebe von Scott Hutchins
ISBN: 978-3-492-05517-3

Freitag, 16. Januar 2015

Die Skihütte

Ihre jüngere Schwester ist verlobt und wird bald heiraten. Das freut Kate, doch es stimmt sie auch etwas traurig, denn ihr Freund James macht keine Anstalten einen ähnlichen Weg zu gehen. Kates Freundin Judith steht ganz anders zu festen Beziehungen, sie kann ihrem Freund Paul nicht sagen, dass sie ihn heiraten wird, es ist einfach nicht ihr Ding. Pikanterweise sind Paul und James Brüder und Kate und Paul können sich nicht ausstehen. Das geplante Skiwochenende der vier kann daher nicht unter einem guten Stern stehen. Doch was Kate so geschickt eingefädelt hat, um James dazu zu bewegen, sich endlich zu erklären, entwickelt sich ganz anders als erwartet. James und Judith nutzen Gelegenheiten, das Wochenende abzusagen, weshalb Paul und Kate sich alleine zu Zweit auf den Weg machen.

Zweifellos eine schöne Idee, die das Eis zum Schmelzen bringen kann. Schneeflocken, die durch die Luft tanzen, knisterndes Feuer im Kamin und nicht nur dort, Pulverschnee, der einfach zum Ski fahren einlädt. Doch leider kommt die Stimmung, die man sich bei dem Handlungsansatz so gut vorstellen kann, nicht wirklich beim Leser an. Es mag an den mangelnden Englischkenntnissen liegen, doch was eigentlich witzige Wortgefechte sein sollten, wirkt wie Gekeife. Was wie Sekt prickeln sollte wirkt eher platt. Zwei Dinge sind es, die authentisch wirken, die Liebe der Autorin zu San Francisco und zum Ski laufen in den Bergen. 


Ein phantasieanregender Handlungsansatz, der leider nicht so stimmungsvoll umgesetzt wurde, wie es zu wünschen wäre. Doch es soll noch einmal betont werden, dass dies durchaus daran liegen mag, dass die Leserin keine Muttersprachlerin ist.

Winter Interlude von Sandy Loyd

ISBN: 978-0-9891-9951-3

Sonntag, 11. Januar 2015

Verliebte Agenten

Als der Marineoffizier Adrian Seiler im Jahr 1911 nach London geschickt wird, ist er sehr froh. Er ist in England aufgewachsen und erst als er schon im jugendlichen Alter war sind seine Eltern wieder nach Deutschland zurückgekehrt. In London führt er für seinen Chef einige kleine Aufträge aus, unter anderem soll er in einem kleinen Buchladen, der von einem deutschstämmigen Briten geführt wird, einige Bestellungen aufgeben. Dort trifft er auf die junge Vivian Peterman und gleich ist es um ihn geschehen. Zugleich soll er noch einige militärische Stellungen der Briten ausforschen, was ihm aber eher komisch und weniger wie Spionage vorkommt. In den oberen Etagen wird dies jedoch ganz anders gesehen. In England wird die Angst vor einer deutschen Invasion und einem umfangreichen Agentennetz geschürt.

Ein Roman über die Anfänge der militärischen Spionage zwischen Deutschland und England. Wie ein Sturm im Wasserglas kommt es einem vor, wenn sie die Dienste gegenseitig Dinge vorgaukeln, von denen nicht einmal ein Bruchteil den Tatsachen entspricht. Da führen Phantasie-Gebilde von Bedrohungen zu Entscheidungen und Aktionen, die schließlich sogar gefährlich werden können. Hinzu kommen noch die persönlichen Animositäten, die einzelne gegen andere hegen, was sie für jede Vernunft unzugänglich macht, zumal wenn sie auch vor dem Einsatz illegaler Mittel nicht zurückschrecken, um ihre Karriere voranzutreiben. 

Auch in Groß Britannien führt die Fremdenfeindlichkeit zu seltsamen Auswüchsen. Hier sind nun einmal die Deutschen das Ziel von Bespitzelungen, Bedrohungen, Durchsuchungen und Verhaftungen. Durch haltlose Presse- und Buchveröffentlichungen, letztere sogar in Romanform, werden Vorurteile geschürt, die die Deutschen zu den unter Generalverdacht stehenden machen.
Eine Lehre, die man auch heute noch ziehen kann, glaub nicht alles, was geschrieben steht, es könnte sich um gelenkte Propaganda handeln. 


Mit ruhigen Worten beschreibt der Autor die Ereignisse um Adrian Seiler, den Zufallsspion. Hin und her gerissen zwischen Liebe und Pflicht, nicht die Vernunft verlierend. Sein Gegenspieler Randolph Drummond bleibt ebenso auf dem Boden der Tatsachen. Informativ und fesselnd entwickelt sich die Geschichte. Gerade richtig ausbalanciert zwischen Spionageroman und Liebesgeschichte, wird der Leser gepackt. Auch wenn die Beschreibungen der militärischen Anlagen und Geräte für den Laien manchmal etwas trocken geraten, bietet dieses Buch sehr intelligente Unterhaltung über ein wenig bekanntes Thema.

Verdammte Deutsche! von Gerhard Seyfried
ISBN: 978-3-8135-0427-9

Samstag, 10. Januar 2015

Das Meerjungfrauenkleid

Die gut 14-jährige Lizzie arbeitet als Hausmädchen bei dem Bibliothekar des Trinity College in Dublin. Man schreibt das Jahr 1896 und ein Besuch der Queen steht an. Lizzie, die für Professor Puddlewick und seine drei Söhne schon fast zur Familie gehört, ist sich dennoch bewusst, dass sie nur ein Hausmädchen ist. Daran ändert auch ihre enge Freundschaft zu Mary Dempsey, Tochter des Vorstehers von Trinity, nichts. Als jedoch Provost Dempsey auf die glorreiche Idee kommt, der Queen eine Kopie des Book of Kells zukommen lassen zu wollen und seinen Sohn John mit der Erstellung beauftrag, sind sowohl Mary als auch die Söhne Puddlewick und Lizzie mit dabei. Fast unlösbar in der Kürze der Zeit scheint die Aufgabe und die jungen Leute sind mit Eifer bei der Sache.

Einfach und hübsch gestaltet ist das Cover dieses Hörbuchs. Die jugendliche Stimme der Vorleserin Nana Spier passt hervorragend zum Inhalt des Buches, dass aus Lizzies Sicht geschrieben ist. Man kann sich beim Zuhören sehr gut in ihre Gedankenwelt hineinversetzen und sich gut vorstellen, wie einige der Akteure vor ihren Augen erscheinen mögen. Locker und leicht vermittelt dieses Jugendbuch doch einiges von den Härten der damaligen Zeit, in der Professor Puddlewick ein zwar zerstreuter aber doch fortschrittlicher Geist ist. Seine drei Söhne jedenfalls haben keine Dünkel Lizzie in ihre Mitte aufzunehmen. Provost Dempsey hat da ganz andere Ansichten, seine Tochter Mary möchte er gut verheiraten auch wenn dies nicht in ihrem Sinne ist. Ob seine Tochter so darunter leidet, dass man es ihr schon ansieht, stört ihn nicht im Geringsten. Schön gefühlvoll vorgetragen und beschrieben ist Lizzies Welt. Lizzie, die einmal auf einen Ball möchte, um Meerjungfrauenkleid tragen zu dürfen, das eigentlich Mary vorbehalten ist. 


Dieses Hörbuch macht gute Laune. Auch wenn Lizzie einige Härten und Ungerechtigkeiten erleben muss, kann man doch zuversichtlich sein, dass sie ihren Weg machen wird. Und so lebhaft und optimistisch wird die Lesung vorgetragen, dass das Zuhören einfach Freude macht.

Ein Herz auf Flügeln zart von Helen Abele
ISBN: 978-3-7857-4416-1

Was ist echt?

Als Entwickler von Videospielen könnte David Pepin ein sorgenfreies Leben führen. Doch so einfach ist es nicht. Zwar liebt er seine Frau Alice, doch immer häufiger stellt er sich vor, wie es wäre, wenn sie tot wäre, wenn er sie tötete. Er ist von ihren ewigen erfolglosen Diäten genervt, inzwischen bringt sie über 130 Kilo auf die Waage und wieder einmal hat sie mit einer Diät begonnen. Doch diesmal scheint es anderes zu sein. Doch noch eine Frage stellt sich David: Wie soll er den Roman beenden, den er heimlich schreibt? 

Zwischen dem Roman im Roman und der Wirklichkeit hin und her pendelnd entwickelt sich die Handlung dieses Buches. Leider ist nicht eindeutig kenntlich gemacht, in welcher Ebene man sich gerade befindet, so dass die Geschichte manchmal etwas sprunghaft und konfus erscheint. Männer, deren Frauen getötet werden. Von ihnen selbst oder anderen, das ist eine Frage. Die andere wieso kommt es überhaupt zu diesen Phantasien. Eine Frage, die nicht gestellt wird, die aber für die Leserin durchaus interessant wäre, welche Phantasien haben denn die Frauen. Haben sie ebenso genug von ihrem Leben, dass sie die Männer am liebsten tod sehen würden. Sind es typisch männliche Gedanken. 


Der Leser wird mit seinen Vermutungen allein gelassen, der Autor bietet lediglich Ansätze jedoch keine Erklärungen oder Lösungen. Der Roman bleibt im Ungewissen, sowohl was die Handlung und letztlich auch was das Genre betrifft. Dies erschwert es, sich eine Meinung zu dem Buch zu bilden. Für mich als Krimiliebhaberin war es, das kann ich nach der Lektüre mit Gewissheit sagen, nicht die optimale Lektüre. Was andere als brilliant empfinden mögen, hat mich eher belastet. Ungenaue Trennungen zwischen Romanwirklichkeit und Romanphantasie, zu offen gehaltene Handlungsstränge und eine eigenartige Sicht auf „alte“ Ehepaare, sind für mich nicht das, was einen Roman zu etwas macht, was mein Leben oder meine Phantasie bereichert.
2,5 Sterne

Mister Peanut von Adam Ross
ISBN: 978-3-492-27458-6

Dienstag, 6. Januar 2015

Auf welcher Seite

Nach einem aus Sicht seines Vorgesetzten missglückten Einsatz zieht Kommissar Adam Eisenberg in Erwägung sich versetzen zu lassen. Als er mit einem alten Studienkollegen über seine Unzufriedenheit spricht, schaut der, ob er was machen kann. Und tatsächlich ergibt sich ein ungewöhnliches Stellenangebot. In Berlin wird ein Gruppenleiter gesucht, der aus vier zusammengewürfelten Spezialisten ein Team machen kann. Die Abteilung hat bisher noch nichts vorzuweisen und unter Eisenberg soll sie die letzte Chance wahrnehmen nicht aufgelöst zu werden. Gleichzeitig beginnt die Studentin Mina Hinrichsen nach einem Kommilitonen zu suchen, den sie eigentlich eher aus einem Online-Computerspiel kennt, aber eben auch in der Realität. 

Ein Spiel mit oder in verschiedenen Realitäten. Der Autor greift die Thematik des Buches Simulacron 3 auf, das schon Grundlage für die Filme „Welt am Draht“ und „Matrix“ war. Denn in den virtuellen Welten, in denen sich Mina und viele andere bewegen, streut jemand das Gerücht, die reale Welt sei nur ein virtuelles Experiment. Geschickt werden dabei Zweifel an der realen Welt gesät und mit wissenschaftlichen Begründungen untermauert. Kommissar Eisenberg und sein ungewöhnliches Team untersuchen allerdings sehr reale Vermisstenfälle, wobei die Ermittlungen doch sehr irdisch ablaufen und die Polizei dem Täter immer näher zu kommen scheint. Es verdichten sich Hinweise, dass es sich um einen psychisch Kranken handelt, der meint, er lebe in einer virtuellen Welt und müsse, um die reale Welt kennenzulernen, unbedingt aufwachen. 


Vor dem Hintergrund der Vorlagen, wobei ich persönlich nur die Filme kenne, von denen mich „Welt am Draht“ beeindruckt und die Vorstellung, eine von anderen gelenkte Marionette zu sein, irgendwie schockierend war, während ich "Matrix" eher als spannenden Sci-Fi Thriller empfand, entwickelt der Autor seine Story. Doch wie schon bei den Vorläufern löst die Lektüre dieses Buches einiges Unbehagen aus. Könnte es tatsächlich möglich sein? Die Welt wie wir sie uns denken, ist nur ein Abbild dessen, was wir uns denken? Die echte Welt ist eine andere? Der Gedanke in dieser Welt zu verlöschen und in einer anderen aufzuwachen, kann zwar tröstlich sein, doch ist er nicht auch erschreckend? Was ist wahr und was ist eingebildet? Werden wir alle von fremden Einheiten gelenkt? Kann die Evolution nur durch Zufälle geführt worden sein oder muss es nicht etwas gegeben haben, das einen Plan hatte? Eine zwar anregende Thematik, über die man sich allerdings nicht allzu viele Gedanken machen sollte, da es keine neutral wahre Antwort geben kann. Die Antwort kann immer nur ein Abbild der eigenen oder ein Konglomerat vieler Gedanken sein. Da genieße ich doch lieber den spannenden Thriller, der schließlich einige Möglichkeiten offen lässt.

Delete von Karl Olsberg
ISBN: 978-3-8333-0939-7

Montag, 5. Januar 2015

Ein Zwilling wie keine andere

Für seine Chefin soll Alex einen heiklen Auftrag übernehmen. Es ist seine letzte Chance, da er in Genf im Bett der Frau des Auftraggebers gelandet ist, der das nicht witzig fand. Und nun soll Alex für die TV-Moderatorin Jessica Adams den Bodyguard spielen, da diese wohl einen Stalker hat. In Miami, wo Jessica arbeitet, will Alex seine Kundin zunächst mal überzeugen, das ihre Sicherheitsvorkehrungen zu wünschen übrig lassen. Anstatt jedoch eine Lektion zu erteilen, bekommt Alex selbst eine Lektion erteilt. Seine Kundin wehrt sich heftig und wenn er nicht so durchtrainiert und stark wäre, hätte sie ihn wohl überwältigt. Es stellt sich heraus, dass Jessica ihre Zwillingsschwester Jasmine gebeten hat, beim Sender für sie einzuspringen, weil sie hinter einer Story her ist.

Bei diesem Band handelt es sich um den ersten Teil der Bullet Catcher Reihe. Mit dieser Reihe versteht es die Autorin spannende Geschichten zu erzählen, die beinahe schon Thrillerelemente haben, und diese dann in prickelnde Liebesgeschichten einzubetten, die eine etwas andere Anspannung bergen. Die Wort- und anderen Gefechte zwischen Alex und Jazz sind sehr amüsant und lassen gerade den richtigen Spielraum für die Phantasie. Auf der Such nach Jessica kommen sich die beiden unweigerlich näher, obwohl Alex die strenge Anweisung hat, sich nicht mit Klienten einzulassen. Genau genommen ist Jazz auch nicht seine Klientin, nicht? Allerdings macht sie sich große Sorgen um ihre Schwester, die einfach unauffindbar scheint und von der Story, die sie recherchierte ist auch nichts bekannt. Trotz ihrer Kabbeleien oder gerade deswegen bilden Alex und Jazz ein klasse Team, das seine Leser nicht enttäuscht. 


Gefühlvoll und packend, eine perfekt gelungene Mischung, auch für Leser, die eher andere Genres bevorzugen, sehr empfehlenswert. Mal etwas anderes, ansprechend und spritzig, ohne dabei zu plakativ zu werden.

Bullet Catcher Alex von Roxanne St. Clair
ISBN: 978-3-8025-8348-3

Sonntag, 4. Januar 2015

Eine schöne Aussicht

In Madelines Leben in San Francisco läuft alles rund, sie hat einen interessanten Job, liebenswerte Verwandte und der Hochzeitstermin steht. Doch Madeline stehen schwere Zeiten bevor, denn schon auf dem Weg zu ihr, aber noch bevor er London verlassen kann, wird er von einem Betrunkenen mit dem Auto angefahren und stirbt. Für Madeline ist nichts mehr wie es war, ihre Arbeit erledigt sie automatisch, doch ihr Leben scheint erloschen zu sein. Großmutter Isabella schickt Madeline auf eine Reise in die Toscana, wo sie ihre Wurzeln suchen soll. Dort stößt sie auf eine faszinierende Geschichte eines jungen Mädchens, dass gut eine Vorfahrin von ihr sein könnte.

Bei diesem Roman handelt es sich um das zweite Buch der Autorin, deren erstes Buch „Das Labyrinth der Rosen“ mir gut gefallen hatte. Mit diesem neuen Buch hat die Autorin sich wieder eines interessanten Themas gewidmet, dessen Idee wohl einen geschichtlichen Ursprung hat. Wieder ist die Handlung auf zwei Ebenen angesiedelt, zum einen in der Gegenwart und zum anderen im 14. Jahrhundert, wobei für mich der in der Vergangenheit angesiedelte Teil packender war. Hier geht es darum, dass eine Frau sich gegen die Bevormundung wehrt und auf der Flucht bei der Vorfahrin Madelines Unterschlupf findet. In der Gegenwart erlebt der Leser wie Madeline versucht, ihren großen Verlust zu überwinden und gleichzeitig für die Rechte der Arbeitnehmer eines Milliardenkonzerns kämpft, die durch ihre Arbeit schwer erkrankt sind. 


Während hier der geschichtliche Teil sehr fesselt und die Geschichte Mias und ihrer Gefährtinnen dramaturgisch sehr gut dargestellt wird, die Stellung der Frau, der Kampf gegen die Pest und die kleinen Siege und Niederlagen, das berührt. Der in der Gegenwart angesiedelte Teil erinnerte mich ein wenig an Erin Brockovich oder ähnliche Gerichtsdramen und auch Madelines Weg aus der Trauer wirkte auf mich etwas hölzern und so konnte ich mich auf diesen Teil der Geschichte nicht so gut einlassen. Ein sehr gut recherchiertes Buch, dass im geschichtlichen Teil allerdings für mich wesentlich überzeugender war als in dem der Gegenwart.

Haus des Sturms von Titania Hardie
ISBN: 978-3-453-35734-1

Samstag, 3. Januar 2015

Sprachgruppenzugehörigkeitserklärung

Als Eva von einer Geschäftsreise nach Südtirol zurückkommt erhält sie einen Anruf, mit dem sie nie gerechnet hätte. Die Geschichte ihrer Mutter Gerda ist von Not gekennzeichnet, denn sie wurde in eine Welt hineingeboren, deren Probleme man heute kam noch kennt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde Südtirol Italien zugeschlagen und eine Volksgruppe auseinander gerissen, die das nicht so wollte. Das machen die Mächtigen halt, man kennt es ja. Die Menschen sind es, die damit leben müssen. Und so ist ist es Gerdas Familie beschieden ein eher hartes Dasein zu führen, denn zunächst haben sie sich nach Bayern umsiedeln lassen, um dann später als arme Leute zurückzukehren. Damit war Gerda jegliche Zukunftsaussicht verbaut und als sie mit Eva ungewollt schwanger ist, ist ihr Ruf auch noch dahin.

Zum einen erfährt man durch die Erzählung viel über die Geschichte Südtirols, dessen deutschstämmige Bewohner eigentlich lieber zum österreichischen Teil Tirols gehören würden. Von Gewalt geprägt und der Unterdrückung der italienischen Zentralregierung entwickelt sich Südtirol doch zu einem durch den aufkommenden Tourismus wohlhabenden Landstrich. Vor diesem Hintergrund wird auf zwei Zeitebenen vom Leben und Erleben Gerdas in früheren Jahren und Evas in heutigen Tagen erzählt. Gerda durch ihr Elternhaus und die ungewollte Schwangerschaft geprägt handelt machmal etwas eigentümlich und nicht immer zum Wohle ihrer Tochter. Diese obwohl sehr intelligent hat auch ein paar sehr individuelle Lebensentscheidungen getroffen, teilweise ähnlich wie die Mutter teilweise auch konträr. 


Zwei kraftvolle Frauenpersönlichkeiten, abwesende Väter, tragische Familienereignisse und eine Zeit der politischen Veränderungen, die teilweise mit Gewalt durchgesetzt werden sollen, ergeben einen hochinteressanten und spannenden Roman, der dem Leser eine Zeit und einen Landstrich näher bringt. Fesselnd zu erfahren, dass es sich nicht nur um eine Region des Wintersports handelt, sondern um eine historisch Besondere, in der sich schicksalhafte Ereignisse abgespielt haben. In ruhigen Worten erzählt entwickelt sich ein vielfältiges, informatives und mitreißendes Zeitgemälde. 

Eva schläft von Francesca Melandri
ISBN: 978-3-89667-435-7

Freitag, 2. Januar 2015

Die Sehnsucht nach der Zukunft

Nach neurowissenschaftlichen Erkenntnissen kann man unter Medikamenteneinfluss seine Zukunft lesen. Letztlich macht Evelyn deshalb mit dem Musiker Adrian Schluss, sie hat eine eher deprimierende Zukunft gesehen. Godfrey dagegen glaubt, seine Traumfrau schon gefunden zu haben. Dazu muss er nichts über die Zukunft wissen, er weiß jetzt, dass er sich mit ihr verloben möchte. Seine Freundin Madge sieht das etwas vorsichtiger und schickt ihn zu dem Futuristen Dr. Chin. In dessen Praxis trifft Godfrey auf Evelyn und er sieht eine Zukunft mit Madge, die ihm nicht so erstrebenswert scheint wie erhofft. Doch wie Dr. Chin gewarnt hat, wenn die wahre Liebe dazwischen kommt,  funktioniert das System nicht und in Evelyns und Godfreys Systeme ist die Liebe geraten.

Manchen Menschen ist die Zukunft wichtig, anderen die Vergangenheit. Leben sollten wir doch eigentlich im Jetzt. Es scheint als seien Madge so auf die Zukunft und eine Sicherheit fixiert, dass sie das Jetzt nicht genießen können. Godfrey und Adrian machen sich diese Gedanken eigentlich nicht, sie leben mehr in den Tag hinein, zufrieden mit dem, was gerade da ist. Ist es ein mal wieder der Unterschied zwischen Männern und Frauen? Jedenfalls haben die Frauen was die Vergegenwärtigung der Zukunft angeht mit Sicherheit den größeren Forscherdrang. Doch zum Glück gibt es die wahre Liebe, die die Vorhersagen der Futuristen überflüssig macht.


Die Idee des Romans überzeugt. Wer hätte nicht gerne einen Sieg der Liebe und den Ausblick auf ein natürlich nicht perfektes aber doch erfülltes Leben. Wer würde nicht gerne mit der Verliebtheit im Jetzt beginnen. Allerdings manchmal in recht kühlen Worten schildert der Autor seine Phantasien und Träume und gibt der Liebe einen logischen Bezug. Es fehlt ein wenig der gefühlvolle Schmelz, die Süße der wahren Liebe, die nur in kleineren Passagen durchscheint. Ein Buch, das zwar zu gefallen versteht, dem jedoch manchmal das gewisse Etwas fehlt.

Ab morgen ein Leben lang von Gregory Sherl
ISBN: 978-3-8321-9746-9

Donnerstag, 1. Januar 2015

Neujahrskracher

Über Kinder haben sie noch nicht geredet, meint Don Tillman. Irgendwann soll es soweit sein, aber zunächst soll Rosie ihr Studium und die Facharztausbildung beenden. Da hat Rosie wohl etwas falsch verstanden, oder Don? Jedenfalls ist Rosie auf einmal schwanger. Dons ganzes Leben kommt durcheinander und die Ankunft seines Freundes Gene, der nach der Trennung von seiner Frau lieber in New York sein möchte, macht es auch nicht leichter. Denn Gene ist zwar der beste Freund von Don aber nicht von Rosie. Und kurzfristig umziehen mussten sie auch. Doch wie schon bei seinem Rosie-Projekt geht Don systematisch an die Sache heran.

Wem schon das Rosie-Projekt gefallen hat, wird auch dieses Buch Vergnügen bereiten. Nachdem Don und Rosie ihre Ehe ein Jahr lang in New York zelebriert haben, müssen sie sich der ganz neuen Situation von Rosies Schwangerschaft stellen. Wie nicht anders zu erwarten, schießt Don dabei über das Ziel hinaus und bringt seine und Rosies Welt tüchtig durcheinander. Natürlich ist Rosie nicht ganz unschuldig daran, denn sie hat Don mit der Schwangerschaft doch übertölpelt. Don stürzt in ein Wechselbad der Gefühle, dem er doch lieber mit rationalen und wissenschaftlichen Methoden begegnen möchte. Mit seiner Art alles ergründen und bestmöglich durchführen zu wollen, mutet er Rosie dann doch zuviel zu. Verständlicherweise ändert sich ja auch bei ihr einiges durch die Schwangerschaft.


Mit diesem Buch macht es Freude das neue Jahr zu beginnen. Don mit seiner speziellen Art stürzt hier in ein kleines Chaos und müht sich daraus empor zu steigen, wobei er noch das ein oder andere Problem löst, sachlich natürlich, das nicht das seine ist. Wunderbar zu lesen, wie seine Freunde, seine wirklich guten Freunde, ihn eher erkennen als er sich selbst und ihm hilfreich zur Seite stehen. Da kann Rosie doch kaum anders als ihn zu lieben und sich auf das gemeinsame Kind zu freuen. So und mit einer kräftigen Portion Optimismus und Sonnenschein möchte man das neue Jahr beginnen.

Der Rosie-Effekt von Graeme Simsion
ISBN: 978-3-8105-2258-0