Dienstag, 6. Januar 2015

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Nach einem aus Sicht seines Vorgesetzten missglückten Einsatz zieht Kommissar Adam Eisenberg in Erwägung sich versetzen zu lassen. Als er mit einem alten Studienkollegen über seine Unzufriedenheit spricht, schaut der, ob er was machen kann. Und tatsächlich ergibt sich ein ungewöhnliches Stellenangebot. In Berlin wird ein Gruppenleiter gesucht, der aus vier zusammengewürfelten Spezialisten ein Team machen kann. Die Abteilung hat bisher noch nichts vorzuweisen und unter Eisenberg soll sie die letzte Chance wahrnehmen nicht aufgelöst zu werden. Gleichzeitig beginnt die Studentin Mina Hinrichsen nach einem Kommilitonen zu suchen, den sie eigentlich eher aus einem Online-Computerspiel kennt, aber eben auch in der Realität. 

Ein Spiel mit oder in verschiedenen Realitäten. Der Autor greift die Thematik des Buches Simulacron 3 auf, das schon Grundlage für die Filme „Welt am Draht“ und „Matrix“ war. Denn in den virtuellen Welten, in denen sich Mina und viele andere bewegen, streut jemand das Gerücht, die reale Welt sei nur ein virtuelles Experiment. Geschickt werden dabei Zweifel an der realen Welt gesät und mit wissenschaftlichen Begründungen untermauert. Kommissar Eisenberg und sein ungewöhnliches Team untersuchen allerdings sehr reale Vermisstenfälle, wobei die Ermittlungen doch sehr irdisch ablaufen und die Polizei dem Täter immer näher zu kommen scheint. Es verdichten sich Hinweise, dass es sich um einen psychisch Kranken handelt, der meint, er lebe in einer virtuellen Welt und müsse, um die reale Welt kennenzulernen, unbedingt aufwachen. 


Vor dem Hintergrund der Vorlagen, wobei ich persönlich nur die Filme kenne, von denen mich „Welt am Draht“ beeindruckt und die Vorstellung, eine von anderen gelenkte Marionette zu sein, irgendwie schockierend war, während ich "Matrix" eher als spannenden Sci-Fi Thriller empfand, entwickelt der Autor seine Story. Doch wie schon bei den Vorläufern löst die Lektüre dieses Buches einiges Unbehagen aus. Könnte es tatsächlich möglich sein? Die Welt wie wir sie uns denken, ist nur ein Abbild dessen, was wir uns denken? Die echte Welt ist eine andere? Der Gedanke in dieser Welt zu verlöschen und in einer anderen aufzuwachen, kann zwar tröstlich sein, doch ist er nicht auch erschreckend? Was ist wahr und was ist eingebildet? Werden wir alle von fremden Einheiten gelenkt? Kann die Evolution nur durch Zufälle geführt worden sein oder muss es nicht etwas gegeben haben, das einen Plan hatte? Eine zwar anregende Thematik, über die man sich allerdings nicht allzu viele Gedanken machen sollte, da es keine neutral wahre Antwort geben kann. Die Antwort kann immer nur ein Abbild der eigenen oder ein Konglomerat vieler Gedanken sein. Da genieße ich doch lieber den spannenden Thriller, der schließlich einige Möglichkeiten offen lässt.

Delete von Karl Olsberg
ISBN: 978-3-8333-0939-7

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