Samstag, 28. Februar 2015

Geistgeflüster

Die Journalistin Jilian Noble bringt ein Buch über ihre Erfahrungen mit dem Medium Gabriel Lafayette heraus. Bei einer zufälligen Beschwörung, bei der der Meister eher geschwächt ist und nicht mit einem Kontakt zu rechnen war, ist die Stimme der verstorbenen Frau des Millionärs Bryant Lemuel zu hören. Obwohl Jilian eigentlich nicht an diese Phänomene glaubt, bringen die Ereignisse in Glassfort Hall sie dazu ihren Glauben nochmal zu überdenken. Bryant Lemuel ist so dankbar, die Stimme seiner geliebten Hilda ein letztes Mal gehört zu haben, dass er erwägt einen Lehrstuhl für Übersinnliches an einer Universität in Schottland zu stiften.

Schön schräg erscheint die Idee, diverse Lebende und Tote von ihren Erlebnissen berichten zu lassen, die schließlich zu einen überraschenden Finale führen. Gerade der eben erst zum Uni-Rektor gewählte Jack Parlabane, der in seinem Leben schon einiges erlebt hat und der eigentlich nur ein Zählkandidat war, mit seinem schottischen Akzent, bringt viel Leben in die Handlung. Dagegen sind die Berichte der weiteren handelnden Personen manchmal etwas trocken. Möglicherweise ein Ausdruck des schottisch geprägten satirischen Humor des Autors, der für einen Nichtmuttersprachler nicht leicht zu deuten ist. Zwar zeigt Christopher Brookmyre seine Meinung über ein angebliches Medium recht deutlich und schafft es gleichzeitig mittels sehr geschickter Schachzüge, den Leser lange im Unklaren zu lassen, ob der Kontakt nicht doch echt sein könnte, aber gerade zu Beginn überzeugt die Handlung nicht. Erst nach und nach baut sich Spannung auf, die das anfangs etwas rätselhafte Buch zu einem sehr spannenden Thriller werden lässt.


Ein Roman, in dem ein sehr spezieller Humor beschrieben wird, dennoch ein Autor, den man sich vielleicht merken sollte.

3,5 Sterne

Attack of the unsinkable Rubber Ducks von Christopher Brookmyre
ISBN: 978-0-349-11881-9

Freitag, 27. Februar 2015

Cormoran strikes again

Als Cormoran Strike eines Morgens nach einer durchwachten Nacht ins Büro kommt, nimmt er sich spontan einer neuen Kundin an, ohne zu ahnen, was auf ihn zu kommt. Der Autor Owen Quine ist verschwunden und seine Frau Leonora möchte, dass Cormoran nach ihm sucht. Doch warum geht sie nicht einfach zur Polizei? Der gute Owen hat sich solche Eskapaden schön häufiger geleistet, Leonora meint daher, die Polizei würde ihrer Anzeige keine große Bedeutung beimessen. Doch diesmal ist er schon so lange fort, dass sie doch langsam besorgt ist. Bei dem Gesuchten handelt es sich um einen eher weniger bekannten Autor, der gerade sein neuestes Werk vollendet hat, das eher versehentlich an den Verlag gegangen ist.

Ein klassischer Krimi wie er im Buche steht. Cormoran Strike und seine Assistentin Robin Ellacott ermitteln zum zweiten Mal. Im Umfeld des Verlagswesens angesiedelt, ergibt sich ein packendes Rätsel um dem verschwundenen Autor, hinter dessen Verschwinden mehr steckt, als sich anfangs ahnen lässt. Cormoran, der nach einem Riesen benannt ist, wittert auch hier schnell wieder mehr hinter der Sache und er soll recht behalten. Bei seinen Ermittlungen steht ihm Robin hilfreich zur Seite. Sie möchte eigentlich eine Ausbildung bei ihm machen und nicht nur das Büromäuschen bleiben, deshalb ist sie etwas unzufrieden mit dem Job. Natürlich versteht sie es als Frau dies auch deutlich zu machen. Wenn aber Not am Mann ist, kann nichts Robin halten und sie eilt ihrem Chef zur Seite. 


Die Stimmung eines Crime Noir, die auch der erste Band hervorrief, kommt auch in diesem neuen Buch sehr gut zur Geltung. Obwohl das Buch zur Zeit der Verlobung von William und Kate spielt stellt man sich die Szenen doch eher im Schwarz Weiß der 50er Jahre vor. Verstärkt wird diese Vorstellung noch, weil Cormoran seine Ermittlungen mehr auf klassische Befragungen, sein gutes Gedächtnis und Nachdenken stützt als auf hypermoderne technische Hilfsmittel. Wie auch im letzten Band wirkt der Detektiv älter als er ist, was vielleicht etwas seinen Kriegsverlust geschuldet ist, der ihn langsamer und unbeholfener macht als er unter anderen Umständen wäre. Doch gerade dies wie auch seine gescheiterte Beziehung zu der exzentrischen Charlotte machen Cormoran Strike sehr sympathisch und lassen auf weitere Fälle spekulieren. Hier passt alles zusammen: cooler Fall, sympathische Ermittler, ausgewogene Mischung zwischen der Ermittlung und dem persönlichen Leben der Protagonisten. Da ist man direkt neugierig wie es weitergehen mag.

4,5 Sterne

The Silkworm von Robert Galbraith
ISBN: 978-0-7515-4926-3

Donnerstag, 26. Februar 2015

Ein langer Weg

Nach vielen Abenteuern sind der Reiter Eragon und sein Drache Saphira ein echtes Team geworden. Sie ergänzen sich in allen Dingen und sie bereiten sich auf die letzte Schlacht gegen den selbsternannten Kaiser Galbatorix vor. Seine Freunde und Mitstreiter, unter ihnen Nasuada, Arya und Cousin Roran, tun alles, Eragon zu unterstützen. Sie ziehen alle Kräfte zusammen, denn nur gemeinsam sehen sie eine geringe Chance. Unheimliche Kräfte arbeiten gegen die Freunde und auch nur kleine Breschen in die Linien des Feindes zu schlagen, kostet Leben und Kämpfer, auf die man nicht verzichten kann.

Was ist von diesem vierten und abschließenden Band der Bücher um Eragon zu erwarten? Mit über 1.000 Seiten steht einem zunächst mal eine ganz schöne Leseaufgabe bevor, die einen zunächst mal etwas abschreckt. Doch die Neugier auf den Fortgang der Ereignisse ist natürlich da. Einmal in Angriff genommen, zieht einen das Buch in seinen Bann. Nachdem etwas gemächlichen Beginn überrascht der Autor mit Ideen, die man selbst nicht im Geringsten in Betracht gezogen hätte. Es reißt einen hin und es reißt einen auch mit. Man fühlt sich wie in Mitten des Schlachtengetümmels, man hört das Aneinanderkrachen der Waffen, das Trappeln der Pferdehufe, die Schreie der Kämpfer. Man sieht Saphira durch die Lüfte schweben, geschickt und leicht schwingt sie sich mit ihrem Reiter in ungeahnte Höhen. Nichts kann sie und Eragon aufhalten, so scheint es. Doch die Feinde ruhen nicht, schließlich ist Murtagh, Eragons Halbbruder in Galbatorix´  Gewalt und er hat Eragon schon einmal besiegt.


Dieser vierte Band der Reihe kann durchaus als Höhepunkt der Reihe gelten. Der Autor wartet mit einer sehr lesenswerten Geschichte auf, die ausgesprochen fesselnd ist und damit einen Gegensatz zu etlichen mehrbändigen Stories bietet, bei denen die Folgebände einen guten Beginn nicht mehr gerecht werden. Hier jedoch schreibt der Autor auf ein fulminantes Finale hin, das der Handlung wirklich gerecht wird. Toll.

Inheritance von Christopher Paolini
ISBN: 978-0-307-97664-2

Mittwoch, 25. Februar 2015

Schön war die Zeit

Wie soll man es benennen? Eigentlich läuft Rachels Beziehung zu Rhys echt gut, demnächst sollen die Hochzeitsglocken läuten. Aber irgendetwas stimmt doch nicht, nur was. Als das Paar im verflixten 13. Jahr die Entscheidung treffen muss, ob bei der Hochzeit lieber ein DJ oder Rhys´ Band für die Musik sorgen soll, kommt es zum Eklat und Rachel beendet die traute Zweisamkeit. Natürlich ist sie unsicher, ob das denn der richtige Entschluss war. Die Musik ist schließlich nur der letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Der Gedanke an ihren Studienfreund Ben hat Rachel nie ganz verlassen. Ben, der beste Kumpel auf der Welt. Gerade jetzt zehn Jahre nach dem Studium überbringt Rachels Freundin Caroline die Nachricht, Ben sei wieder in Manchester, sie habe ihn in der Bibliothek gesehen. Ob sie sich begegnen werden? Da muss man dem Zufall doch etwas auf die Sprünge helfen und ihre Besuche in der Bücherei werden deutlich häufiger.

Kennt man das nicht? Was wäre gewesen wenn? Eine Jugendfreundschaft, die einem nicht aus dem Kopf geht, aus der aber nie mehr werden sollte? Mit dieser manchmal etwas wehmütigen Sehnsucht spielt die Autorin auf amüsante und witzige Art. Nur Freunde, das waren Rachel und Ben. Wie schön diese Freundschaft wieder aufleben zu lassen, gerade jetzt wo Rachel wieder solo ist. Ist da nicht ein Kribbeln zu spüren? Doch will man eine tolle Freundschaft aufs Spiel setzen für etwas, von dem man nicht einmal weiß, ob es da ist? Da lässt man sich vielleicht lieber mit jemand anderem verkuppeln, oder? Gerade wenn die Bekanntschaft einem im Job weiterhelfen könnte. Als festangestellte Gerichtsreporterin muss Rachel die Gier nach Stories befriedigen und da will sie der neuen Kollegin ein gutes Beispiel geben.


Ein Weilchen dauert es, bis die Geschichte ihren Weg nimmt. Doch nachdem einem anfänglich nicht so wirklich das Herz aufgehen möchte, spürt man nach und nach doch den Schmelz, die Sehnsucht, die Romantik. 

Wir in drei Worten von Mhairi McFarlane
ISBN: 978-3-426-51453-5

Dienstag, 24. Februar 2015

Sieben Brücken musst du bauen

Den drei Fischersöhnen Lauritz, Oscar und Sverre stirbt der Vater auf See. Ende des 19. Jahrhunderts ist dies ein besonders tragisches Ereignis, da ihre Mutter kaum die Möglichkeit hat, den Lebensunterhalt zu sichern. Sie schickt ihre Söhne zu ihrem Onkel nach Bergen, wo sie eine Seilerlehre beginnen sollen. Die Jungen erweisen sich als geschickte Handwerker, mit größerem Forschergeist als eigentlich erwünscht. Als sie heimlich ein Schiffsmodell bauen und dafür Material und Werkzeuge borgen, werden sie mit Schimpf und Schande nach hause geschickt. Für die Drei ergibt sich jedoch eine glückliche Wendung, denn ein Mitglied einer wohltätigen Organisation erkennt das große Talent der Jungen und ermöglicht ihnen eine schulische Ausbildung und ein Ingenieurstudium in Dresden. Im Jahr 1901 bestehen sie ihre Prüfungen, doch nicht wie geplant alle drei gehen nach Norwegen zurück, um eine Bahnlinie zu erbauen. Nur Lauritz macht sich auf den Weg, während Oscar in Afrika landet und es Sverre nach England verschlägt.


Angewandte Ingenieurskunst im kalten Norwegen und im heißen Afrika, genau das wird zu einer spannenden und historisch interessanten Geschichte um hauptsächlich zwei der drei Brüder verwoben. Die industrielle Revolution, die langsam auch in den abgelegensten Gegenden ankommt und nicht immer offen und mit Freude in Empfang genommen wird. Standesdünkel drohen so manche Entwicklung zu verhindern. Mit ihrer großen Hartnäckigkeit schaffen sich die Brüder Lauritzen jedoch ganz unterschiedliche Existenzen, die in Anbetracht ihrer ärmlichen Herkunft eine wahrhaft herausragende Leistung darstellen. Ihre Entwicklung auf beruflicher Ebene fesselt und ihr Schicksal im privaten Bereich berührt. Zum Ende jedoch überstürzen sich die Ereignisse, was den Eindruck erweckt als könnte einiges zu kurz gekommen sein.

Ein packender historischer Roman, der zunächst eher durch eine den Blick einfangende Covergestaltung auffällt, aber beim Lesen dann auch vom Inhalt her herausragende Unterhaltung bietet. Der Autor manchen vielleicht eher als Kriminalschriftsteller bekannt zeigt sich hier sehr eloquent von einer anderen Seite. Erwähnt werden sollte wahrscheinlich, dass es sich bei diesem Roman um den ersten Band einer Trilogie handelt. 


Die Brückenbauer von Jan Guillou
ISBN: 978-3-453-41077-0


Montag, 23. Februar 2015

Träume sind Schäume

Einen Traum hat sich der Held verwirklicht. Nach einem Studium in Mailand und der anschließenden Rückkehr nach Deutschland, hat er nun eine Heimat in Italien gefunden. Er ist dabei, eine alte Mühle zu renovieren und dafür ist er bei dem ehemaligen Eigentümer sehr gut angesehen. Häufiger treffen sich die beiden zu feucht fröhlichen Runden. Einmal wohnt Don Pascale Nichte Charlotta einer dieser Runden bei, Charlotta, die den Helden förmlich aus den Socken haut. Und es könnte kaum besser kommen, denn die Sympathie beruht auf Gegenseitigkeit. Ja, wenn, wenn nur der Held sich am nächsten Tag noch an die Einzelheiten erinnern könnte.


Kurz und knapp wie ein Rausch entblättert sich die Geschichte und doch scheint nichts zu fehlen. Doch was geschieht eigentlich? Ist es ein Blick in den Abendhimmel, der den Autor zu einem leicht surrealistischen Traum verleitet, den er niedergeschrieben hat, um seine Leser zu verwöhnen? Oder soll die Geschichte so sein, wie eine Mahlzeit, die der Held nicht verträgt und die zu verworrenen Träumen führt? So ganz sicher kann man vielleicht nicht sein, möglicherweise ist genau das die Intention. Trotz aller Unsicherheit fühlt man sich die schöne italienische Landschaft entführt, erlebt eine Hitzewelle mit, wie man sie hier gerne mal hätte und wundert sich über die Fähigkeiten des Helden, sein Telefon zu schrotten. Amüsant, schnell und wenn es um die Trippa geht manchmal etwas eklig kann man die Lektüre empfinden, die mit einer Einladung zu einem tatsächlich eher leckeren Essen endet.

Henkersmahlzeit und andere Delikatessen von Franco Bollo


Sonntag, 22. Februar 2015

Der Pinguin

Mit den Füßen zuerst kommt der kleine Mykar auf die Welt und damit ist sein Schicksal besiegelt, denn er gilt als Wechselbalg als Ausgeburt des Bösen. Seine Eltern geben ihm nur das Nötigste und  als ihnen nach acht Jahren Zwillinge geboren werden, ist Mykar nahezu völlig außen vor. Auch im Dorf geht es ihm nicht besser, er ist der Außenseiter und Sündenbock für alles. Nur Cay, der wenige Jahre ältere Sohn des Priesters, betrachtet Mykar als Freund. Als Cays Freundin Alva grausam geschändet und ermordet wird, wird Mykar für die Tat verantwortlich gemacht und von den Dorfleuten zu Tode geprügelt. Dass zumindest glauben alle, doch als Cay sieben Jahre später des Mordes angeklagt wird, macht sich Mykar auf den Weg, seinem einzigen Freund zu helfen.

Sehr passend zum Thema Außenseiter, Vorurteile oder Vorverurteilungen sah ich heute einen kleinen Ausschnitt aus einem Stück des Autors Dr. Eckart von Hirschhausen, in dem er einen Pinguin beschreibt, der sich an Land doch recht hilflos und unbeholfen bewegt, eine Fehlkonstruktion, denkt von Hirschhausen, bis er den kleinen Pinguin elegant ins Wasser gleiten sieht, dort, in seinem Element ist nichts mehr von der Unbeholfenheit zu spüren. Man solle die Menschen doch nicht beurteilen, wenn man nur eine ihrer Seiten kennt, man solle lieber die Stärken erspüren als auf den Schwächen herum zu reiten. Genau das würde sich bestimmt auch Mykar wünschen, schließlich kann er nichts dafür, mit den Füßen zuerst geboren zu sein. Doch in seinem Dorf hat er keine Chance. Erst als die schwierige Aufgabe, seinen Freund zu retten, auf ihn zukommt, ist er in seinem Element und wächst über sich hinaus. Endlich findet er Gefährten, die auf ihre Art selbst Außenseiter sind. Gerade dadurch scheinen sie die richtigen Gefährten zu sein, die sich gegenseitig aufs Trefflichste ergänzen. Und so entspinnt sich ein spannendes Abenteuer um Freundschaft, Gefahr und dunkle Mächte, die nach der Herrschaft streben.


Ein Vergnügen für jeden Fantasy-Liebhaber und gewiss noch so manchen anderen Leser. Der Autor nimmt einen mit in ein verwickeltes Puzzle aus Gut und Böse, gewürzt mit Blut und Humor, und Menschen, die noch so eben welche sind oder auch nicht. Und am Ende bleiben genug Gedankenansätze über, die den Gedanken an weitere Bände schüren.

Skargat - Der Pfad des schwarzen Lichts von Daniel Illger
ISBN: 978-3-608-94642-0

Samstag, 21. Februar 2015

Einkehr

Um die Schildmaid zufrieden zu stellen und ihr auf ihrem Weg zu helfen, muss der dritte Stein, der Stein des Herbstes gefunden werden. Dazu müssen sich die Freunde Jack, Bedwyn Stort und Katherine auf den Weg nach Brum begeben, denn nur dort, glaubt Bedwyn, lässt sich die Spur des Steins finden. Ein Mission, die sch als schwierig erweist, da die Fyrd eine Invasion der Stadt vorbereiten. Professor Foale, der sehr um seine verstorbene Frau trauert, hat dagegen ganz andere Probleme. In der Menschenwelt soll er einem ehemaligen Studenten und jetzigem Wissenschaftler helfen, das Rätsel der Zeitverschiebungen zu lösen. Gleichzeitig macht sich Ex-Kaiser Sinistral auf den Weg zur Ernte und auch sein Nachfolger Nicolas Blut begibt sich auf den Weg.

Der Herbst, eine Zeit des Nachdenkens und der Einkehr. Es kann die Ernte eingebracht werden, doch auch die Reflexion beginnt, was hat man ausgesät und was kann man nun ernten. Welche Fehler sind einem unterlaufen, was hat man gut gemacht. Welche Entwicklungen haben zu der Ernte geführt, kann man zufrieden sein, hätte man es besser machen können. Und so ist auch dieser dritte Teil der Reihe von einem Bezug zur Vergangenheit der Protagonisten geprägt, was ihm einen eher ruhigen Verlauf gibt. Einige vorher unbekannte Wahrheiten werden enthüllt, etliche Erklärungen geliefert, weshalb die Helden so handeln. Immer wieder wechseln diese Passagen mit solchen großer Spannung, in denen man Jack und seine Gefährten auf ihrem Weg auf der Suche nach dem Stein des Herbstes begleiten kann, den Blick voller Sorge auf die beginnende Invasion Brums. 


Für mich eher ein Buch der Sorge, des Zweifels, der Unsicherheit, ob die Aufgabe gelöst werden kann. Es fehlt - vielleicht sogar der Jahreszeit angemessen - der heitere Optimismus der vorherigen Bände. Hier muss natürlich jeder Leser selbst entscheiden, wie er damit umgeht. Ich persönlich fand diesen Band etwas schwächer und erwarte nun mit Spannung, ob der Autor seinen Lesern mit seiner Interpretation des Winters eine frohere Fortführung der Reihe genießen lässt.

3,5 Sterne

Hyddenworld Die Ernte von William Horwood
ISBN: 978-3-608-94640-6

Donnerstag, 19. Februar 2015

Die Kreatur

Unbesorgt aufgewachsen nimmt der junge und hochintelligente Victor Frankenstein seine Studien in Ingolstadt auf. Schon bald rätselt er über die Entstehung des Lebens, aus alten Quellen bildet sich die Idee der Schaffung eines belebten Wesens. Fieberhaft arbeitet er an seinen Forschungen, die schließlich tatsächlich ein  Wesen hervorbringen, das aus von Frankenstein zusammengefügter Materie entstanden ist. Leider jedoch ist dieses Wesen nicht so lieblich und auf den ersten Blick freundlich wie erhofft. Frankenstein flieht entsetzt vor seiner Schöpfung und verkriecht sich schwer fiebernd. Sein guter Freund Henry Clerval, der seit Längerem eine Nachricht vermisst, eilt zu Frankenstein und pflegt ihn gesund.

Nur selten hat man das Vergnügend ein in der englischen Sprache vorgetragenes Hörbuch zu bekommen. Umso mehr erfreute mich das Geschenk dieser ungekürzten Lesung, die mich den Roman neu und ganz anders erfahren ließ. Ganz dem Schauerroman angemessen mit immer variierendem Tonfall jagt einem der Leser so manches eiskaltes Frösteln über die Haut. Besonders interessant dabei, obwohl doch vor Jahren schon auf Deutsch gelesen, bringt dieses Hörbuch doch ein echtes Neu-Erleben dieses Buches. Vage Erinnerungen kommen so langsam wieder, doch eher an einen düsteren schwarz-weiß Film als an die tatsächliche Lektüre. Handlungsstränge, die in der Versenkung des scheinbar nicht vorhandenen Gedächtnisses verschwunden waren, werden wie zum ersten Mal gehört. Die Vermessenheit des jungen Wissenschaftlers, der vor seiner eigenen Kreatur, die eigentlich ein wenig wie sein Kind sein sollte, kläglich versagt. Das unwissende Wesen, das in seinem Bemühen um Liebe zum Scheitern verurteilt ist, da es dem Schöpfer nicht gelungen ist, ihm ein angenehmes Äußeres zu verschaffen. Welche eine Tragik in der Geschichte, die dem Wesen auch den letzten Wunsch nach einer Gefährtin nicht gewährt und damit zur gänzlichen Katastrophe führt. 

In anspruchsvollem und der Entstehungszeit entsprechenden Englisch geschrieben, ist vielleicht nicht jedes einzelne Wort zu entschlüsseln. Dennoch wird man von der dramatischen Tragödie mitgerissen und schließlich etwas erschöpft und betrübt an einen Strand gespült, an dem das Wort „Ende“ mit jeder Welle ein wenig mehr vergeht.

Frankenstein von Mary Shelly
ISBN: 9783865055057


Zur Information: Ich bin nicht sicher, ob die angegebene ISBN meiner Fassung des Hörbuches entspricht, das es sich um ein Geschenk handelte, konnte ich das nicht sicher recherchieren.

Sonntag, 15. Februar 2015

Der Valentinscoup

Am Valentinstag zu lesen begonnen führte dieses Buch zurück in die Vergangenheit. Über eine Zeitspanne von etwas über zehn Jahren beginnend 1958 kann man die Geschichte Antonios und Robertos verfolgen. Antonio wird mit vierzehn Zeuge eines Überfalls, auch wenn die Polizei ihn nicht beachtet, so beobachtet er doch das Handeln der Beamten. Sein Entschluss steht fest, er wird Bulle, egal, was seine Eltern dazu sagen. Ganz anders Roberto, dessen Herz eher den Gangstern zufliegt und der aufgrund eines Dummejungenstreichs schon im Alter von nur acht Jahren zum ersten Mal im Knast landet. Im laufe der Jahre kommt es immer wieder zu kurzen Begegnungen zwischen den Beiden. Antonio muss sich der auch nicht immer schönen Realität des Polizistendaseins stellen, während Roberto seine Verbrecherkarriere hegt und pflegt.

Mailand, den weit entfernt lebenden Menschen eher als Modemetropole bekannt, wird hier auch als ein Ort der Kriminalität beschrieben. Raubüberfälle, Einbrüche, Gaunereien, denen die Polizei manchmal machtlos gegenübersteht. Teilweise werden die Räuber von den Armen verehrt, weil sie einen gewissen Ehrenkodex einhalten, während die Polizei mitunter nicht viel Rückhalt in der Bevölkerung hat. Dennoch soll Recht und Ordnung hergestellt werden und den gewieften Ermittlern gelingt es doch zumindest einige der Verbrecher festzusetzen.


Historisch fundiert beschrieben gibt der Roman einen Überblick über die Geschichte einer unbekannten Stadt. Gesellschaftliche Umbrüche, Armut, Verbrechen spielen eine herausragende Rolle in diesem Buch. Es scheint, als dienten die Protagonisten oder Antagonisten eher der Verdeutlichung der Gegensätze, für die sie stehen, als dass sie ein wahrhaftes Schicksal erfahren. Das macht zwar die Schilderung der Geschichte sehr anschaulich, allerdings den Roman als solches auch etwas trocken. Interesse an diesem Stück italienischer Historie wird ohne Zweifel geweckt, große Gefühle allerdings nicht ausgelöst. Der Autor hat eine Art des Ausdrucks gewählt, die zwar angenehm zu lesen ist, jedoch sicher nicht jeden Leser gefangen nehmen wird. 

Milano Criminale von Paolo Roversi
ISBN: 978-3-550-08875-9

Samstag, 14. Februar 2015

Die junge Schildmaid

Als Jack und die schwangere Katherine aus der Hyddenworld zurückkehren setzen kurz bevor sie zu hause ankommen bei Katherine die Wehen ein. Sie bringt ein kleines Mädchen zur Welt, das von seinen Eltern auf den Namen Judith getauft wird. Wird die Kleine tatsächlich die künftige Schildmaid sein? Schnell stellt sich heraus, dass sich das kleine Mädchen schneller entwickelt als andere Kinder. Trotzdem versuchen Jack und Katherine ihr die kurze Kindheit so normal und schön wie es nur geht zu bereiten. Bedwyn Stort macht sich inzwischen auf den Rückweg nach Brum. Zerstreut wie er ist, begibt er sich dabei in Gegenden, in die kein anderer sich in der Dunkelheit wagen würde. Er findet den Stein des Frühlings und nur mit Mühe und an Leib und Seele erkrankt kann er ihn nach Brum bringen.

Die Erde bebt, nur durch den Schleier der Unwissenheit getrennt existieren die Hyddenworld und die Welt der Menschen nebeneinander. Um die Erde vor dem Untergang zu bewahren, müssen die Steine der Jahreszeiten wieder zusammengefügt werden. Die Geschichte um Jack, den Wanderer zwischen den Welten, und seine Freunde wird in diesem zweiten Band der Hyddenworld Reihe spannend und mit Dramatik weitererzählt. Das Leben wie die Jahreszeiten nimmt den Beginn im Frühling, erblüht im Sommer, geht nieder im Herbst und stirbt im Winter. So jedenfalls steht zu vermuten, wenn man sich die Folge von Band eins und zwei vor Augen hält. Mit schönen und eindringlichen Worten beschreibt der Autor die Kindheit und Jugend der Schildmaid, die sich in großen Schritten ihrer Bestimmung nähert. Ihre Gefährten, deren Zeit anders verläuft, können ihr nicht wirklich nahe sein, sie ist allein. Im Gegensatz dazu versuchen Jack und seine Freunde gemeinsam, den Kampf aufzunehmen. Sie stehen und streiten zusammen. Auch wenn sie auf ihrem Weg Verluste zu beklagen haben, sind sie doch meist zuversichtlich bei der Erfüllung ihrer Aufgabe.


Ein kraftvoller, manchmal melancholisch stimmender, und doch Hoffnung ausstrahlender zweiter Band einer Fantasy-Reihe, deren dritter Band schon auf seine Entdeckung wartet.

Hyddenworld - Das Erwachen von William Horwood
ISBN: 978-3-608-94639-0

Freitag, 13. Februar 2015

Ein anderer Mr. Darcy

Als die 18-jährige Mary Harland den Selfmade-Man Jake Darcy kennenlernt ist sie völlig hingerissen. Gerade erst von der Schule in Amerika zurück, möchte sich Mary eigentlich wohltätigen Organisationen widmen. An Liebe hat sie nicht gedacht. Jake geht es da nicht viel anders. Er will viel Geld machen, um seine unklare Herkunft zu vergessen. Und Frauen sind ja auch nicht zu verachten. Die junge unschuldige Mary passt so gar nicht in sein Leben. Oder sollte sie die eine sein. Schon am Abend ihrer ersten Begegnung geschieht, was so manchmal geschehen muss.

Liebe auf den ersten Blick, kann das gut gehen? Mary und Jake müssen jedenfalls eine Menge teilweise gefährlicher Abenteuer bestehen ehe sie ein Antwort auf die Frage erhalten. Drei Jahre vergehen allein nach ihrem ersten Treffen bevor ihnen ein Wiedersehen vergönnt ist. Eine lange Zeit, in der Mary sich doch sehr stark verändert hat. Unterhaltsam doch manchmal etwas sprunghaft verläuft die Geschichte von Mary und Jake. Manche ihrer Gefühle, Handlungen und Beweggründe erschließen sich sofort, manche jedoch wirken etwas eigentümlich. Jake, der Filou, und Mary, die Unschuld, hin und wieder scheint es als müsse Jake sie überzeugen, dass er es ehrlich meint. Manchmal scheint es, als könne Mary ihm nicht glauben, als sei sie innerlich verhärtet. Nur manchmal gelingt es dabei den Leser zu überzeugen. Leider nimmt die Handlung einen nicht wirklich mit. Ein zartes Erblühen von Gefühlen da und dort steht doch mitunter hölzernen Aktionen gegenüber.

Gute Unterhaltung für die Mittagspause, aber leider nicht völlig überzeugend.


Wicked Mr. Darcy von Iris Johansen
ISBN: 978-3-345-54557-7

Donnerstag, 12. Februar 2015

Das blaue Sofa

Auf einem blauen Sofa wurde die Idee zu diesem Roman geboren. Eine sehr schöne Idee. 

Als Journalist ist Paolo erfolgreich, seine Freundin lässt sich richtig gut vorzeigen und die Wohnung ist einfach klasse. Es könnte nicht besser sein, bis, ja, bis er seine Freundin mit seinem Chef im Bett - in seinem Bett - erwischt. Paolo stürzt fürchterlich ab, im wahrsten Sinne des Wortes, er fällt von der Terrasse eines Cafés auf einen Kleinwagen, der ihm buchstäblich das Leben rettet. Als Paolo nach Wochen aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist nichts mehr wie es war. Wenigstens ein neuer Job bietet sich, allerdings nicht bei einem renommierten Wirtschaftsmagazin, sondern bei einer Frauenzeitschrift für Männer. Paolos erster Auftrag: der Besuch eines Anmachkurses.

Wenn Männer romantisch schreiben, wirkt das Geschriebene manchmal erst etwas steif. Doch wenn sie dann richtig loslegen, gibt es Geschichten zum Dahinschmelzen. Und so auch hier, der Beginn mutet etwas trocken an. Paolo kommt mit dem Verlust seiner Freundin nicht klar und Ciro, sein einziger Kumpel ist eine männliche Schreckschraube, um mit den Worten des Autors zu sprechen. Fast gegen seinen Willen erlernt Paolo die Kunst der Anmache. Tricks, die es zu beherrschen gilt und die, um ebenfalls den Autor zu zitieren, tatsächlich funktionieren. Nach und nach entwickelt sich zu einem gewieften Aufreißer, der seine Tips in einer Kolumne an seine neue Leserschaft verteilt. Dabei ist seine Ex-Freundin immer in seinen Gedanken, nur sie will er zurückgewinnen. 


Ein romantischer Typ, der die Kunst der Anmache lernt, und dennoch ein romantischer Typ bleibt. Wie süß, so ein Roman macht gute Laune und beim Lesen fängt man im Geiste an, die Rollen für den Film zu besetzen. Die visuelle Freude, die der Autor dabei bietet, sollte bei der Besetzung nicht außer Acht gelassen werden, ist er doch hauptberuflich ein in Italien sehr beliebter Schauspieler. Nach dieser sehr schönen Lektüre kuschelt sich Frau in ihr Sofa oder an ihren romantischen Typen und schmunzelt im Gedanken an die gewonnenen Erkenntnisse.

Verliebt in sieben Stunden von Giampaolo Morelli
ISBN: 978-3-552-06281-8

Dienstag, 10. Februar 2015

Die M und Ms

Mia wohnt mit ihrem Mann Nils in der Stadt, sie sind glücklich dort. Auf keinen Fall möchte Mia mit ihrer Schwester Molli tauschen. Molli liebt das Landleben, gemeinsam mit Hauke hat sie schon zwei Jungs. Auch Mia und Nils denken daran, dass sie gerne ein Kind haben möchten. Doch so recht will es nicht klappen mit dem Schwanger werden. Schon bald folgen auf die fröhlichen Versuche, das leicht gequälte es-per-Terminplanung-darauf-anlegen. Mia deckt sich mit Ovulations- und Schwangerschaftstests ein und dann wird Molli ungeplant schwanger. Das ist doch nicht gerecht. Doch als ob es ein Einsehen gäbe, klappt es nun auch bei Mia und Nils. Allerings wird die Freude getrübt, denn in ihrer Abwesenheit brennt es bei einem Nachbarn und ihre schöne Stadtwohnung wird unbewohnbar. Sie müssen für die Übergangszeit bis sie etwas Neues gefunden haben, zu Mias Mutter aufs Land.

Offen und heiter beschreibt die Autorin die freudigen, dann vergeblichen und schließlich von Erfolg gekrönten Versuche des jungen Paares schwanger zu werden. Die turbulente Zeit der Schwangerschaft mit ihren Höhen und Tiefen, die die Schwestern Molli und Mia gemeinsam durchleben. Schwangerschaftsvorbereitung, Übelkeit, Launen und doch auch schöne Momente. Die Gemeinsamkeit mit Molli und auch das Leben auf dem Land, das Nils mehr begeistert als erhofft. Mia geht in ihrer Freude auf, auch wenn die Hormone manchmal verrückt spielen. 


Auch wenn man keine Kinder hat, macht dieser humorvolle Roman einfach Spaß. Man freut sich mit Mia über die Schwangerschaft, man leidet mit ihr, wenn sie der Toilette ihren Morgengruß übergibt. Man grübelt mit ihr, wenn die Schwangerschaft echte oder eingebildete Probleme bereitet, man geht mit banger Erwartung mit ihr zu ihrer etwas exzentrischen Frauenärztin und erträgt die verbalen Eskapaden ihrer Mutter. Ein wenige schräg - wie schon der Titel andeutet - sie nahezu alle der Protagonisten dieses Romans, doch gerade die Überzeichnung macht Mia und ihre Lieben noch sympathischer. Eine wunderbar unterhaltsame Lektüre, die einen perfekten Feierabend noch perfekter macht.

Klapperstörche und andere schräge Vögel von Vanessa Richter
ISBN: 9789963525430

Sonntag, 8. Februar 2015

Der lange Arm

Nach seinem Sabbat-Jahr hat sich Kommissar Henning Zapotek wieder in den Dienst eingelebt. Sein privates und dienstliches Leben geht seinen ruhigen Gang. Bis eines Tages Margitta Klöver, die ihren Mädchennamen Kowalewski wieder angenommen hat, in Hamburg vor der Dienststelle auftaucht. Gitti, mit der er in seiner Heimatstadt Klonkenzin zu tun hatte, bittet ihn verzweifelt um Hilfe. Einer ihrer geliebten Königspudel wurde entführt und der Entführer fordert eine Menge Geld. Geld, das es eigentlich nicht geben dürfte. Zapotek, der sein altes Zuhause sowieso häufiger aufsucht, um seine Wochenendbeziehung zu seiner Jugendfreundin Ulrike zu führen, macht sich auf den Weg in den Osten. 

Etwas bequem hat es sich Zapotek gemacht, Veränderungen sind nicht geplant, es läuft doch alles gut. Die berufliche Tätigkeit in Hamburg, Ulrike in Klonkenzin, das gibt jeweils genug Nähe und Abstand, um es sich gutgehen zu lassen. Ob sein Umfeld besonders Ulrike damit so ganz einverstanden ist, könnte möglicherweise fraglich sein. Doch im Moment läuft alles in ruhigen Bahnen. Genau diese ruhigen Bahnen bringt Gitti durcheinander, zumal Zapotek mit seinen Nachforschungen mehr aufrührt als gedacht und gewollt. Einige der Ereignisse von vor zwei Jahren, die eigentlich im Sande verlaufen sollten, müssen nun doch aufgerollt und geklärt werden.


Gewitzt und doch gemessenen Schrittes führt die Autorin ihre Leser durch die Geschichte. Den sympathischen Protagonisten stehen echte Schurken gegenüber. Auch wenn die Amtspersonen das Recht manchmal etwas biegen müssen, sind die Absichten doch positiv zu sehen. Auch die persönliche Entwicklung der handelnden Personen kommt nicht zu kurz. Wobei in diesem Roman genau das richtige Maß eingehalten wird zwischen Beruf und Gefühl. Einige Entwicklungen, die am Anfang etwas einfach erscheinen, bekommen im Verlauf doch eine tiefgreifendere Bedeutung, so dass dieser ruhige Krimi nie langweilig wird. Beim Lesen wird man gepackt und beinahe nebenbei werden Sommergefühle geweckt und Sehnsucht nach einem Urlaub an der Küste entsteht. Hoffentlich ist die Geschichte von Hennig, Ulrike und Gitti noch nicht zu Ende erzählt.

Zapotek und die schlafenden Hunde von Claudia Rusch
ISBN: 978-3-86648-207-4

Freitag, 6. Februar 2015

Kommissar a. D.

Im  Mai 1944 während die Stadt unter den Bombenangriffen der Alliierten fast zerbricht werden in Berlin seltsam hergerichtete und verstümmelte Frauenleichen gefunden. Die Untersuchungen zu den Todesfällen werden von Hauptsturmführer Vogler durchgeführt. Schnelle Ergebnisse sind gefragt, doch diese zeichnen sich nicht ab. Da erinnert man sich an den ehemaligen Kommissar Richard Oppenheimer, der wegen seiner Angehörigkeit zum jüdischen Glauben vom Dienst suspendiert wurde. Vogler bittet Oppenheimer an den Untersuchungen teilzunehmen, damit der Täter möglichst schnell entlarvt werden kann. Allerdings werden Oppenheimer nicht alle Informationen zur Verfügung gestellt. Überhaupt arbeitet es sich für einen Juden nicht leicht unter den Augen der herrschenden Klasse. Obwohl Oppenheimer sich jederzeit beobachtet und verfolgt fühlt und er jeden Schritt fast schon in der Gewissheit unternimmt, es könnte der letzte sein, ist er doch froh endlich einmal wieder seinem erlernten Beruf nachgehen zu können.

Schon wenige Seiten nach Beginn der Lektüre spürt man die Bedrückung und Bedrohung, die Oppenheimer umgibt. Als der Wagen Voglers neben ihm hält, glaubt Oppenheimer, die Zeit des Abtransports sei gekommen. Auch die Offenbarung seiner wirklichen Aufgabe bringt kaum Erleichterung, schließlich kann sie nur einen Aufschub bedeutet. Die gesamte Berliner Bevölkerung erlebt die ständige Anspannung in Erwartung des nächsten Bombenangriffs. Die Folgen der Angriffe sind unübersehbar, auch wenn man bemüht ist, die gröbsten Spuren zu beseitigen. Bereits am Tatort wird Oppenheimers Spürsinn geweckt. 


Die Stimmung in Berlin während des letzten Kriegsjahres wird in diesen Buch sehr gut eingefangen. Die Berliner sind des Krieges zwar überdrüssig, doch immer noch hoffen gerade die Jüngeren auf einen Sieg. Eigentlich müsste klar sein, dass dieser nicht mehr kommen wird. Die Unbelehrbaren scheinen aber in der Überzahl zu sein. Doch auch in dieser gebeutelten Stadt geschehen Verbrechen, doch da die normale Polizei nahezu nichts mehr zu sagen hat, sieht sich Vogler genötigt, den aus dem Dienst entfernten Juden Oppenheimer zu reaktivieren. Vom dem Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Personen lebt das Buch. Oppenheimer, der jederzeit befürchten muss, verhaftet zu werden, und Vogler, der allerlei unternimmt und erlaubt, um sich die Meriten für die Lösung des Falls anheften zu können. Ein Stück lebendige Geschichte um Kommissar a. D. Oppenheimer, die zu lesen lohnt. 

4,5 Sterne

Germania von Harald Gilbers 
ISBN: 978-3-426-51370-5

Donnerstag, 5. Februar 2015

Ben, nee, Bart, nee, Blake, oder?

Nachdem Daemon sie geheilt hat, will Katy nicht nur deswegen mit ihm verbunden sein. Das sind ja keine echten Gefühle nur ein Band aus einer Vermengung von DNA. Deshalb ist Katy eigentlich froh als dieser neue Mitschüler auftaucht, Blake aus Kalifornien, ein Surfertyp. Ein paar mal geht Katy mit ihm aus, doch eher zieht es sie zu Daemon. Daemon, dessen Anwesenheit sie spürt wie ein Kribbeln im Nacken. Doch Blake scheint mehr zu wissen über die Luxen, die Mutanten, den DOD. Katy, die ihren Gefühlen für Daemon nicht traut, wählt die Nähe zu Blake. Sehr zum Ärger von Daemon, der sich Bens? Barts? Biffs? Namen einfach nicht merken kann.

Ruhig beginnt dieser zweite Band um die Luxen. Katy schwankt zwischen Daemon und Blake. Sie erfährt um ihre Umwandlung und zunächst ungeordnet, was damit einhergehen könnte. Doch sie ist auch neugierig, mehr über die Luxen, die Gewandelten und den DOD zu erfahren. Nach und nach kommen einige echte Überraschungen ans Licht. Bald jedoch werden die Emotionen intensiver und die Entdeckungen scheinen echte Gefahren zu bergen. Gefühlvoll und actionreich schreitet die Handlung voran. Der Leser gerät in ein Wechselbad aus schnellen und packenden Szenen, die sich mit hinreißenden Liebesplänkeleien abwechseln. Wunderbare Andeutungen der aufkeimenden Gefühle lassen den Leser schwelgen, während im nächsten Moment spannungsgeladene Momente den Atem stocken lassen.


Der zweite Teil einer sehr gelungenen Jugend-Fantasy-Reihe, für Genreliebhaber sicher fast schon ein Muss.

Onyx von Jennifer L. Armentrout
ISBN: 978-1-62266-718-5


Sonntag, 1. Februar 2015

Liebster Award

Huch, was ist das denn? Eine Mail für mich von  der lieben Angelika. Eine Nominierung? Da muss ich doch gleich mal lesen, was es damit auf sich hat.  Der „Liebster Award“ soll kleine und neue Blogs mit weniger als 200 Followern bekannter machen. Das ist ja mal eine schöne Aktion, die ich gerne einmal mitmache. Meinen Blog habe ich seit Oktober letzten Jahres. Hauptsächlich geht es dabei um die Veröffentlichung meiner Rezensionen, doch so nach und nach sollen auch ein paar zusätzliche Berichte oder Geschichten dazu kommen, bei denen sich natürlich auch das Meiste um die Bücher oder verwandte Themen drehen wird. Vielen lieben Dank für die Nominierung, da nehme ich gerne an.

Auch Surya hat mich für den Liebster Award nominiert. Leider kenne ich noch nicht so viele Blog, die ich nominieren könnte, doch Suryas Fragen habe ich unten beantwortet und ihren Blog hier verlinkt.



Hier kommen jetzt die Regeln zu diesem Award:

Verlinke die Person, die dich nominiert hat. (siehe oben )

Beantworte die Fragen, die dir gestellt wurden


1 Wann hat deine Leidenschaft für Bücher begonnen?

In der Grundschule, in der dritten oder vierten Klasse, das weiß ich nicht mehr so genau. Im Klassenzimmer hatten sie einen doppeltürigen Schrank, in dem Unterrichtsmaterialien aufbewahrt wurden und eben auch ein paar Bücher, die wir Kinder ausleihen durften.

2 Welches Buch war der Auslöser dafür?

Jim Knopf war meine erste Ausleihe.

3 Wer ist dein Lieblingsautor?

Ich habe keinen bestimmten Lieblingsautor. Gerne probiere ich mal was Neues aus und wenn ein neuer Autor empfohlen wird, schnuppere ich gerne mal in ein Erstlingswerk rein.

4 Gibt es ein Lieblingsgenre?

Oh ja, am liebsten lese ich Krimis und Thriller.

5 Lieber Hardcover oder Taschenbuch?

Ist mir eigentlich egal, ich nehme alles, was ich zwischen die Finger bekomme.

6 Worauf achtest Du beim Buchkauf? Preis oder Cover?

Inzwischen kaufe ich nicht mehr so viele Bücher, da meine Regale doch schon recht voll sind. Ich gehe gerne in die Bücherei. Wenn ich doch mal in einem Buchladen lande, dann entscheide ich eher spontan nach Klappentext oder Cover.

7 Was hast du außer dem Lesen und Bloggen noch für Hobbys?

Ich habe einen netten Freundeskreis, in dem ich häufiger unterwegs bin. Und als Ausgleich zur Büroarbeit und dem Lesen, gehe ich gerne ins Fitness-Studio

8 Besitzt du einen Ebook-Reader?
Ich lese zwar immer noch lieber Printausgaben, doch für unterwegs habe ich meinen Reader inzwischen schätzen gelernt.

9 Wie hoch ist dein SUB?

Ich war über den Weihnachtsurlaub fleißig und konnte meinen Sub wieder auf 10 reduzieren, eigentlich soll er sich so zwischen 1-10 bewegen.

10 Gibt es ein Genre an das du dich bislang noch nicht rangetraut hast?
Mir fällt da im Moment keins ein. Sachbücher lese ich nur selten.

11 Liest du lieber dünne (bis 350 Seiten) oder dicke (ab 350 Seiten) Bücher?

Früher konnte mir ein Buch gar nicht dick genug sein. Heute sehe ich das etwas anders. Ich habe den Eindruck, dass die Bücher, die mich interessieren, meist schon über 350 Seiten liegen.


Denk dir 11 eigene Fragen für die Nominierten aus.

1 Wann hast du zum ersten Mal ein Buch vollständig selbst gelesen?

2 Um welches Buch hat es sich dabei gehandelt?

3 Welches sind deine All-Time-Favorites?

4 Welche Gefühle lösen Bücher in dir aus oder liest du lieber sachlich?

5 Welche Buchverfilmungen haben dir besonders gut gefallen?

6 Hast du eher einen Sub, Rub oder sogar ein Zub? 

7 Bevorzugst du deutschsprachige Autoren oder dürfen es auch fremdsprachige Autoren sein?

8 Liest du hin und wieder auch fremdsprachige Bücher? Was wären deine Tipps, für Leser, die es auch mal probieren möchten?

9 Wie entscheidest du, welches Buch einen Platz in deinem Regal bekommt?

10 Wo ist deine Lieblings-Leseecke?

11 Hast du immer ein Buch dabei?


Nominiere 11 Blogs, die unter 200 Follower haben.











Ich stelle gerade fest, dass ich nicht so viele Blogs kenne, die unter 200 Follower haben und nicht gerade schon nominiert wurden. Man möge es mir bitte nachsehen. Ich gehe eh davon aus, dass die Teilnahme freiwillig ist. Für mich war es eine sehr schöne Aktion und ich bedanke mich bei Angelika, dass sie an mich gedacht hat.


Hier die Antwort auf Suryas Fragen, die ich natürlich auch gerne beantwortet habe.


1. Was hat in deinem Leben den Ausschlag dafür gegeben, Büchern einen solchen Stellenwert einzuräumen?

Da ist mir nichts direkt bewusst, ich kann mich aber erinnern, nachdem ich zu Schulzeiten schon begonnen hatte zu lesen, dass die Mutter einer Freundin im Wohnzimmer ein eigenes Buchregal hatte. Das fand ich toll und so etwas wollte ich auch haben.

2. Was ist für dich der eigentliche Grund, warum du bloggst, während du stattdessen in dieser Zeit locker ein Buch lesen könntest?

Ich möchte auf dem Blog hauptsächlich meine Rezis einigen Lesern näherbringen und wenn ich die Zeit finde (das wird dann eher während des Urlaubs oder am Wochenende sein) auch mal die eine oder andere kleine Geschichte erzählen. Und gerade die kleinen Geschichten finden in einem Blog eher eine Heimat als in anderen Foren.

3. Hast du einen Lieblingsbuchblog? Weshalb? 

Ich blogge noch nicht so lange und kenne deshalb auch noch nicht so viele Blogs. Die ich mag und schön gestaltet finde, sind eigentlich auch die, die ich nominiert habe.

4. Welche Bereiche eines Buchblogs interessieren dich am Meisten?

Ich hole mir gerne Buchempfehlungen und deshalb schaue ich, was die Blogger so rezensieren.

5. Schaust du dir auch booktuber an? Wenn ja, welche zB.?

Nee, da kenne ich mich nicht so aus.

6. Wo und in welchem Shop kaufst du deine Bücher am häufigsten?

Ich kaufe nicht mehr so viele Bücher, eher gehe ich in die Bücherei. Wenn ich doch mal im Buchladen lande, ist es die Filiale einer Kette, da es am Ort leider nicht mehr viele unabhängige Buchhandlungen gibt. Im Netz mopse ich meist.

7. Wieviel Geld gibst du monatlich in etwa für Bücher aus?

Keine Ahnung, manchmal nichts, manchmal können es auch 50,- € werden.

8. Verwaltest du deine Bücher (zB. auf lovelybooks, buechertreff, bookcook, excel etc.)?

Ich habe ein Programm dafür gekauft, mit dem ich mir merke, welche Bücher ich habe, bzw. gelesen habe, ursprünglich um Doppelkäufe zu vermeiden.

9. Hast du auch außerhalb des www. Bücherfreak-Freunde?

Ja, ein paar Freundinnen und Kollegen lesen auch gerne, allerdings beschäftigen sie sich insgesamt weniger mit Büchern als ich.

10. Welches Buch würde deiner Meinung nach jeden Nichtleser zum Lesen verführen?

Generell weiß ich nicht, ich wurde von Jim Knopf verführt.

11. Wer ist aus welchem Grund dein Lieblingsautor/deine Lieblingsautorin?

Ich habe keinen Lieblingsautor,  einige Reihen habe ich schon vollständig, Inspector Linley zum Beispiel, aber richtig beeindruckt hat mich oft nur ein Buch eines Autors. „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak hat mich viel mehr beeindruckt als „Der Joker“ und so geht es mir häufiger.


Und noch eine liebe Nominierung von Simone , deren Fragen ich mich ebenfalls gerne gewidmet habe.


1. Warum dreht sich bei dir alles ums Schreiben? Was liebst du so sehr daran?
Ich muss zwar beruflich schreiben, da dreht es sich allerdings eher um trockene Berichte. Das Schreiben der Rezensionen ist deshalb ein schöner Ausgleich und gleichzeitig ein Ausflug in eine andere Welt.
2. Was finde ich auf deinem Blog? Warum sollte ich ihn besuchen?
Jede Menge Buchtips, von denen ich hoffe, dass für jeden etwas dabei ist. Und hin und wieder mal etwas anderes, damit es nicht zu einseitig wird.
3. Schreibst du darüber hinaus selbst Bücher? Wenn ja, in welchem Genre? Und warum genau dieses?
Nein, Bücher zu schreiben kann ich mir nicht vorstellen. Ich habe großen Respekt vor den Autoren, die Romane schreiben. Ich befürchte, mit fehlt dazu die Phantasie und auch die Ruhe, mich so einem tollen Projekt voll und ganz zu widmen.
4. Könntest du dir vorstellen, auch mal etwas anderes zu schreiben, also das Genre zu wechseln oder tust du das vielleicht sogar?
Ich versuche mich hin und wieder mal an kleinen Berichten, so ein besonderes Händchen dafür habe ich, glaube ich, nicht.
5. Wie reagierst du auf sehr kritische Leserstimmen, ob nun auf deine Blogartikel oder deine Bücher? Verwirfst du dein Konzept oder nimmst du es nur zur Kenntnis? Oder ist es dir ganz egal?
Während der letzten Buchesse in Frankfurt habe ich mitbekommen, wie zwei Autorinnen unabhängig voneinander sagten, sie verstünden nicht, wie einige Kritiker so hart sein könnten, sie (die Autorinnen) seien doch auch Menschen. Ich selbst gebe nach Möglichkeit keine negativen Kommentare ab und versuche auch Kritik sachlich und freundlich zu formulieren. Hin und wieder habe ich schon weniger nette Kommentare erhalten. Das tut mir, ehrlich gesagt, auch weh, denn ich gebe mir schon Mühe mit meinen Rezis. Allerdings hole ich dann tief Luft und lasse jedem das Recht auf seine Meinungsäußerung und ignoriere die Beiträge. Bisher sah ich mich glücklicherweise nicht genötigt, etwas zu löschen.
6. Bist du jemand, der „aus dem Bauch heraus“ schreibt oder orientierst du dich an einem Plot?
Ich schreibe meine Rezis meist so schnell wie möglich nach Beendigung der Lektüre und dann unter dem direkten Eindruck, den das Buch bei mir erweckt hat.
7. Wenn du nichts schreibst / bloggst, was machst du dann? Gibt es vielleicht noch andere künstlerische Interessen?
So besonders künstlerisch veranlagt bin ich nicht. Zum Ausgleich für das viele Lesen und schreiben treffe ich mich gerne mit Freunden oder gehe zum Sport.
8. In welcher Ecke einer Buchhandlung (auch online) finde ich dich, wenn du dir selbst Bücher zum Lesen aussuchst?
Das ist einfach - in der Krimi- und Thrillerecke.
9. Verlässt du die Buchhandlung immer mit einem Buch oder reicht es dir, zu stöbern?
Mir fehlen inzwischen die unabhängigen Buchhandlungen und deshalb gehe ich nicht mehr so häufig in eine Buchhandlung. Wenn ich ein schönes Stöbererlebnis haben möchte, gehe ich in die Bücherei und da komme ich eigentlich immer mit einen Buch raus.
10. Welches Buch (Bücher) liest du derzeit?
Im Moment lese ich "Ketzer" von Leonardo Padura. Den Autor mag ich sehr gerne, er versteht es geschichtliche Ereignisse und das Leben auf Cuba mit spannenden Kriminalgeschichten zu vermischen. Das gefällt mir sehr gut.
11. Nach deiner Schulzeit hast du dir eine Liste gemacht mit 10 Wünschen, die du dir im Leben erfüllen möchtest. Du hast keine solche Liste? Dann machen wir jetzt eine kurze: Welchen Wunsch oder Traum willst du dir in naher Zukunft erfüllen?
Eine Liste habe ich nicht. Ein großer Wunsch von mir war immer, mal während der Fachbesuchertage zur Frankfurter Buchmesse zu fahren. Dies konnte ich mir nun als Blogger erfüllen und darüber habe ich mich sehr gefreut.




Nord und Süd

Wegen einer Eskapade mit einer Frau hat Nathaniel Starbuck seine Ausbildung zum Pastor abgebrochen. Sein Vater, ebenfalls Theologe, ist nun überhaupt nicht gut auf seinen Sohn zu sprechen. Und so will Nathaniel lieber zum Elternhaus seines besten Freundes Adam reisen. Dass Adam aus den Südstaaten kommt und Nathaniels Vater vehement gegen die Sklaverei predigt, stört Starbuch nicht weiter. Lieber will er für die Konförderierten kämpfen als bei seinem Vater zu  Kreuze zu kriechen. Doch kaum angekommen im Süden wird Starbuck als Spion verdächtigt und nur durch eine glückliche Fügung wird er vom Vater seines Freundes gerettet.  Dieser, Washington Faulconer, ist sehr wohlhabend, sogar reich genug, um ein eigenes Regiment aufzustellen. Faulconer bietet Nathaniel einen Offiziersposten an, welchen dieser zunächst recht unbedarft auch annimmt.

Der Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs wird hier erzählerisch beleuchtet. Nathaniel Starbuck ist schon ein ziemlicher Haudegen. Zweifelhaft, ob er sich viele Gedanken um die Politik gemacht hat, als er in Faulconers Regiment eintritt. Nicht unbedingt denkt er, dass diese kleine Privatarmee wirklich ins Kriegsgeschehen eingreifen wird. Und  so ein paar kleine Scharmützel wird man schon überstehen können. In seiner recht ungewöhnlichen Situation als Bostoner auf Seiten der Konförderierten kämpfen zu wollen, schlägt sich Nathaniel Starbuck zunächst recht gut und gewinnt das Vertrauen Faulconers. Doch schnell kommt es auch zu schwierigen Situationen.


Teilweise sehr spannend schildert der Autor die Anfangsphase des Bürgerkrieges. Wie unbedarft die Beteiligten zunächst mit dem Krieg umgehen. Fast noch in Schussweite wird getanzt, könnte man sagen. Teilweise aber auch sehr gemächlich schreiten die Ereignisse voran. Kleine Nebenhandlungen werden eingeflochten, die es manchmal etwas erschweren, die Orientierung zu behalten. Dennoch sobald der Autor zum Höhepunkt des Romans, der ersten Schlacht von Manassas oder Bull Run, kommt, zieht er den Leser mitten ins Schlachtgetümmel. Der 21.07.1861 ist ein markantes Datum des amerikanischen Sezessionskrieges, denn der Sieg der Konförderierten hat zu einer Verlängerung der Auseinandersetzungen geführt, von denen man meinte, sie könnten Ende des Jahres abgeschlossen sein. Deutlich wird auch hier die Grausamkeit des Krieges. Den Soldaten wird alles abverlangt, der Kampf Mann gegen Mann wird schonungslos geschildert. Als erster Teil einer Trilogie um den amerikanischen Bürgerkrieg bietet dieser Roman einen vielversprechenden Anfang, der das Interesse an den weiteren Erlebnissen des Nathaniel Starbuck weckt.
3,5 Sterne

Starbuck Der Rebell von Bernhard Cornwell
ISBN: 978-3-499-26699-7