Freitag, 6. Februar 2015

Kommissar a. D.

Im  Mai 1944 während die Stadt unter den Bombenangriffen der Alliierten fast zerbricht werden in Berlin seltsam hergerichtete und verstümmelte Frauenleichen gefunden. Die Untersuchungen zu den Todesfällen werden von Hauptsturmführer Vogler durchgeführt. Schnelle Ergebnisse sind gefragt, doch diese zeichnen sich nicht ab. Da erinnert man sich an den ehemaligen Kommissar Richard Oppenheimer, der wegen seiner Angehörigkeit zum jüdischen Glauben vom Dienst suspendiert wurde. Vogler bittet Oppenheimer an den Untersuchungen teilzunehmen, damit der Täter möglichst schnell entlarvt werden kann. Allerdings werden Oppenheimer nicht alle Informationen zur Verfügung gestellt. Überhaupt arbeitet es sich für einen Juden nicht leicht unter den Augen der herrschenden Klasse. Obwohl Oppenheimer sich jederzeit beobachtet und verfolgt fühlt und er jeden Schritt fast schon in der Gewissheit unternimmt, es könnte der letzte sein, ist er doch froh endlich einmal wieder seinem erlernten Beruf nachgehen zu können.

Schon wenige Seiten nach Beginn der Lektüre spürt man die Bedrückung und Bedrohung, die Oppenheimer umgibt. Als der Wagen Voglers neben ihm hält, glaubt Oppenheimer, die Zeit des Abtransports sei gekommen. Auch die Offenbarung seiner wirklichen Aufgabe bringt kaum Erleichterung, schließlich kann sie nur einen Aufschub bedeutet. Die gesamte Berliner Bevölkerung erlebt die ständige Anspannung in Erwartung des nächsten Bombenangriffs. Die Folgen der Angriffe sind unübersehbar, auch wenn man bemüht ist, die gröbsten Spuren zu beseitigen. Bereits am Tatort wird Oppenheimers Spürsinn geweckt. 


Die Stimmung in Berlin während des letzten Kriegsjahres wird in diesen Buch sehr gut eingefangen. Die Berliner sind des Krieges zwar überdrüssig, doch immer noch hoffen gerade die Jüngeren auf einen Sieg. Eigentlich müsste klar sein, dass dieser nicht mehr kommen wird. Die Unbelehrbaren scheinen aber in der Überzahl zu sein. Doch auch in dieser gebeutelten Stadt geschehen Verbrechen, doch da die normale Polizei nahezu nichts mehr zu sagen hat, sieht sich Vogler genötigt, den aus dem Dienst entfernten Juden Oppenheimer zu reaktivieren. Vom dem Spannungsverhältnis zwischen diesen beiden Personen lebt das Buch. Oppenheimer, der jederzeit befürchten muss, verhaftet zu werden, und Vogler, der allerlei unternimmt und erlaubt, um sich die Meriten für die Lösung des Falls anheften zu können. Ein Stück lebendige Geschichte um Kommissar a. D. Oppenheimer, die zu lesen lohnt. 

4,5 Sterne

Germania von Harald Gilbers 
ISBN: 978-3-426-51370-5

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