Sonntag, 22. März 2015

Berliner Gören

Nini und Jameelah sind beste Freundinnen. Es ist Sommer und gemeinsam gehen die 14jährigen durch dick und dünn. Alles wollen sie ausprobieren; Alkohol, Zigaretten, Sex. Und immer wieder die gefürchteten Briefe vom Ausländeramt, die im Briefkasten von Jameelahs Mutter landen. Doch erstmal beginnen die Sommerferien und es ist heiß. Die beiden Mädchen leben in den Tag hinein wie es viele nur in der Jugend können. An das Bedrohliche kann man auch morgen denken, heute wird Party gemacht. Doch manchmal wird morgen zu heute und es gibt kein Entkommen mehr.

Zwei junge Mädchen an der Schwelle zum erwachsen werden. Ganz leicht haben sie es nicht, Ninis Vater ist schon vor langem abgehauen. Jameelah und ihre Mutter sind nur geduldet, doch am liebsten würden sie Deutsche werden, um endlich bleiben zu können. Auch in der Nachbarschaft der jungen Damen herrschen teilweise raue Sitten. Kulturen prallen aufeinander, die nicht wirklich zueinander passen wollen. Dem oberflächlich zur Schau gestellten Frieden scheint doch eine unterschwellige Bedrohung innezuwohnen. Und immer noch sind Ferien, die die Jugendlichen eigentlich genießen wollen.

Die Welt einer Jugend in Berlin, die ein wenig an eine Welt der Jugend in Los Angeles erinnert. Eine Welt, die älteren Landpomeranzen doch sehr fremd erscheint. Wie idyllisch und friedvoll erscheint die eigene Jugend im Lichte des Gelesenen. Natürlich gab es ähnliche Katastrophen und  aufwühlende Ereignisse, was die Gedanken an bestimmte Jungs betraf, die Neugier, die harte Realität. Und dennoch welche problemlose Jugend hatte man doch im Vergleich zu Nini und Jameelah. Keine Freundschaft, über der das Damoklesschwert der Abschiebung schwebte, keine Freundschaft oder Feindschaft zwischen verschiedenen Kulturen, die in die eine oder andere Richtung zu eskalieren droht. Gefühle und Handlungen, vor denen man staunend und kopfschüttelnd steht, fast schon froh über den eigenen wohlbehüteten Spießerhintergrund, der einem gewisse Entscheidungen einfach nicht abverlangte.


Ein Buch, in dem vermutlich Wahrheiten über die Großstadtjugend von heute ausgesprochen werden, von denen man wissen sollte, die man aber vielleicht nicht wissen möchte. Ein Roman, der mitreißt, gleichzeitig abstößt und anzieht. Eine Lektüre, die bereichert, aber nicht erfreut und schon gar nicht belustigt. Lesenswert.

Tigermilch von Stefanie de Velasco
ISBN: 978-3-462-04753-0

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