Sonntag, 8. März 2015

Narreteien

Nachdem ihre Mutter bei einem Autounfall gestorben ist, weiß Camille vor lauter Trauer nicht ein noch aus. Doch als sie zwischen den vielen Kondolenzbriefen Schreiben wie Auszüge aus einen Tagebuch findet, kann sie zunächst nicht glauben, dass sie die wahre Empfängerin sein soll. Es wird eine Geschichte aus den Jahren von Camilles Geburt erzählt. Die Erzählung beginnt vor dem Krieg und beschreibt eine Zeitspanne von mehreren Jahren. Was kann das mit Camille zu tun haben. Camille beginnt nach dem Schreiber und dem Wahrheitsgehalt der Geschichte zu forschen. Soll ihr als Verlagsmitarbeiterin etwa ein Manuskript untergeschoben werden?

Im Jahr 1975 angesiedelt, was Camilles Forschungen um einiges erschwert, da sie sich nicht auf die heute selbstverständliche Hilfe des Internets stützen kann, entwickelt dieser Roman eine ganz besondere Spannung. Was kann die alte Erzählung mit Camilles leben zu tun haben? Welchen Grund sollte jemand haben, ihr diese extreme Geschichte aufzutischen. Eine Freundschaft zwischen zwei Frauen, die so optimistisch beginnt und so tragisch endet. Wie schwierig es in der Kriegszeit war, sich mit einem sich nicht erfüllenden Kinderwunsch abfinden zu müssen, wo die Gesellschaft nach Kindern verlangt, um die verlorene Generation des ersten Weltkrieges zu ersetzen. Wie schmerzlich muss es sein, das Gefühl des Versagens. Wie drängend der Wunsch nach Vollständigkeit der Familie. Welch krude Ideen ruft es hervor. Narreteien der Jugend und der Verzweiflung könnte man sie nennen, sprächen nicht die letztlich krassen Auswüchse und die Tragik der Ereignisse dagegen. Eine vermeintliche Freundschaft, die im Nichts endet. 

Viele Jahre umspannt die Handlung zu einem fesselnden in immer feineren Einzelheiten klar werdenden Bild, um dann jedoch etwas abrupt beendet zu werden. Dennoch ein Roman, der einen in seinen Bann zieht, der mit dem langsamen Begreifen immer bewegender wird und schließlich Camille auf eine unerwartete Art beschenkt.
4,5 Sterne

Das geheime Prinzip der Liebe von Héléne Grémillon

ISBN: 978-3-426-51381-1


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