Donnerstag, 12. März 2015

Räuberbande

Nach zehn Jahren kehrt Tom Sawyer nach St. Petersburg zurück, um Sids Einladung zur Hochzeit zu folgen. Der Bürgerkrieg ist gerade vorbei und Tom musste mit ansehen wie Präsident Lincoln umgebracht wurde. Eigentlich gehörte Tom zu Lincolns Personenschutz, doch an jenem Abend hatte er nach zwei Tagen ununterbrochen im Dienst frei. Als seine Ablösung jedoch nicht auftaucht übernahm Tom noch eine Wache und schlief ein. Und nun fühlt er sich mitschuldig am Tod des Präsidenten. Und seine einzige Chance in wenig Frieden zu finden, sieht er in der Rückkehr in die Heimat. Doch seine Ankunft gestaltet sich ganz anders als erhofft, denn er kommt nicht bei einer Hochzeit an, sondern bei der Beerdigung seiner lieben und gefürchteten Tante Polly und er erfährt, dass die nun verhinderte Braut Becky Thatcher heißt.

Mit Neugier und etwas Skepsis kann man diesem Roman begegnen. Wohl die meisten kennen die Geschichte von Tom Sawyer und Huck Finn. Wie soll man die Geschichte dieser beiden Lausebengel einfach so weitererzählen. Zum einen schafft der Autor durch die zehn Jahre, die er Tom durch die Weltgeschichte vagabundieren lässt eine gewisse Distanz. Tom und seine Freunde sind älter geworden, doch sie sind sich treu geblieben und damit gut wiedererkennbar. Und das ist das Schöne an Büchern dieser Art, man findet Gedanken ausgesprochen, die man sich vielleicht selbst schon gemacht hat. Was ist aus den liebgewonnenen Figuren der Bücher, die man als Kind oder Jugendlicher verschlungen hat, geworden. Wird man auch die Erwachsenen Toms und Beckys noch mögen. Genau diese Frage beantwortet der Autor auf sympathische und herzerfrischende Weise. Tom, gewitzt wie eh und je, setzt alles ein, um den Tod seiner Tante aufzuklären. Dazu sein zugelaufener Mischlingshund Hollis, der eine sehr eigene Geschichte hat. Und natürlich Becky, die jetzt Rebecca heißt. Man mag in dieser Welt versinken angespannt ob der verschiedenen Rätsel, die es zu lösen gilt und die doch etliche Gefahren bergen, und auch schmunzelnd ob dieses liebenswerten Wiederlesens alter Freunde.


Sehr erfreulich war dieses fesselnde, Erinnerungen weckende und gerade im richtigen Moment - wie der Autor so treffend im Nachwort bemerkt - endende Neuerleben der in der Jugend ans Herz gewachsenen Helden, die einem auch in deren und im eigenen fortgeschrittenen Alter eine großes Lesevergnügen bereiten.
4,5 Sterne

Der Mann, der niemals schlief von Simon X Rost
ISBN: 978-3-404-17008-1

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