Donnerstag, 30. April 2015

Nur ein Spiel

Im letzten Schuljahr wird gespielt, Panic heißt das Spiel, dass eigentlich nur ein Spiel ist und dennoch Panik verbreitet. Mutproben gilt es zu bestehen, Ängste zu überwinden und manchmal schießen die Jugendlichen über das Ziel hinaus. Gespielt wird trotzdem, denn den Pott will man gewinnen. Er stellt eine Chance dar, die Kleinstadt zu verlassen oder an Ort und Stelle ein besseres Leben zu gewinnen. In diesem Jahr ist es Heather, die gewinnen will. Sie schließt einen Pakt mit ihren Freunden Dodger und Natalie, sie wollen sich helfen und den möglichen Gewinn teilen. Die drei Freunde und auch die anderen Mitspieler haben ihre Gründe, aus denen sie am Spiel teilnehmen.

Relativ harmlos fängt es an, es gilt von einer Klippe zu springen. Auch wenn so manchen diese Aussicht nicht sehr fröhlich stimmt, ist es doch etwas, was zu schaffen ist. Mit jeder Aufgabe allerdings steigt der Schwierigkeitsgrad und die Angst. Dies ist beim Lesen deutlich zu spüren und auch die Frage danach, wer sich so etwas ausdenkt, stellt sich immer deutlicher. Keiner wird zu irgendetwas gezwungen und doch steigen nur wenige einfach aus. 

Während des Lesens steigt die Anspannung ob der beängstigenden und manchmal unheimlichen oder gar gefährlichen Aufgaben. Man lernt die Jugendlichen besser kennen, ihre unterschiedlichen Beweggründe, die sie davon abhalten aufzuhören in Momenten, wo man selbst schon sagen würde, es reicht. Jeder auf seine Art ist überzeugt, nur durch diesen Gewinn kann sich die Situation verändern. Und das obwohl sich die Dinge manchmal einfach so ändern oder ganz andere Einflüsse zum Tragen kommen. Eine gewisse Verzweiflung wird deutlich, das Spiel wird als letzte oder einzige Möglichkeit gesehen. Es werden alle Hoffnungen und Wünsche hineingelegt. 


Ein sehr gutes Jugendbuch, das fesselt und einem die Gedankenwelt der jungen Menschen auch als Erwachsenen noch einmal nahebringt. Dass es sich wohl um einen Einzelband handelt, ist durchaus positiv hervorzuheben.

3,5 Sterne

Panic von Lauren Oliver
ISBN: 978-0-06-201455-9

Dienstag, 28. April 2015

Irgendwo in Panama

Nachdem Odette de Valois´ Mann in Südamerika verstorben ist, trägt die junge Witwe Trauer. Zwar war sie nie ein Kind von Traurigkeit und ihre Affäre mit dem Buchhändler Victor Legris ist ebenso wenig lange vorüber wie die Weltausstellung in Paris, doch nun ist sie wie ausgewechselt. Sogar ein Medium bemüht sie, um in Kontakt mit dem Toten zu treten. Aus dem Totenreich heraus beordert ihr Mann sie zu seinem Grabmal, sie soll ihm ein Bild bringen, das er ihr aus Panama geschickt hat. Gemeinsam mit ihrem Hausmädchen nimmt sie eine Droschke und fährt zum Friedhof. Dort verschwindet Odette und ihre Hilfe Denise weiß sich keinen anderen Rat, als Victor aufzusuchen und ihn zu bitten, ihre Herrin zu finden.

In diesem zweiten Band der Reihe um den Pariser Buchhändler Victor Legris, der den Dingen gerne auf den Grund geht und sich nicht nur hinter seinen Büchern verschanzt, erleben wir ein Paris des Jahres 1890. Das Autorenduo, welches aus den Schwestern Liliane Korb und Laurence Lefèvre besteht, zeichnet ein lebendiges Bild eines Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Ein Gemisch aus wohlsituierten aber auch vielen unter Armut leidenden Menschen wandelt über die Boulevards der Stadt. Victor und sein japanischer Ziehvater Kenji Mori führen ihre Buchhandlung gemeinsam mit ihrem Gehilfen Joseph. Eher ruhig könnte ihr Leben verlaufen, wären da nicht ihre Liebeleien mit verschiedenen Frauen und Victors unendliche Neugier, die ihn häufiger auf gefährliche Wege führt. Während seiner Ermittlungen um Odettes Verschwinden kann Kenji keine Hilfe sein, da dieser sich auf dem Weg nach England befindet. Und so muss Victor sich mitunter auf Joseph verlassen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, einen Roman zu schreiben, in der Art der Kriminalgeschichten, die gerade so in Mode kommen.

Die geschichtlich genaue und feine Zeichnung des Milieus macht den Charme der Erzählungen um Victor Legris aus. Das Erzähltempo ist dabei der Zeit, in der die Handlung angesiedelt ist, angepasst. Einige Dinge gehen einfach nicht so schnell wie heutzutage. Doch gerade das bringt die besonderen Eigenschaften des Buchhändlers Victor Legris hervor. Er muss sich auf sich selbst und seine Spürnase verlassen und so findet er immer wieder die kleinen aber wichtigen Hinweise. Hin und wieder vergisst er dabei seine eigentliche Arbeit und auch seine Liebe. Doch soeben schafft er es meist, seine Lieben nicht vor den Kopf zu stoßen und seinen Fall zu lösen.


Ein kurzweiliger ruhiger historischer Krimi, der jedem geschichtlich Interessierten eine lehrreiche und unterhaltsame Lektüre bieten dürfte.

3,5 Sterne

Ruhe sanft, mein Herz von Claude Izner
ISBN: 978-3-492-30121-3

Sonntag, 26. April 2015

Schulmördchenreport

Die Rattenplage in New York sollte an sich ausgeräuchert werden, die anpassungsfähigen Ratten fliehen jedoch relativ unversehrt und aggressiver als vorher. Am helllichten Tage durchströmen sie den Central Park. Im Zuge der Geschehnisse erleidet die ältliche Leiterin einer Kindergartengruppe einen Schlaganfall und die Kinder sind in alle Winde zerstreut. Glücklicherweise können alle gesund wieder gefunden werden. Schließlich jedoch wird sogar ein Kind zu viel gefunden. Wie ein kleines Feenmädchen wirkt es, seine verworrene Geschichte und Blutflecken auf seinem T-Shirt rufen dann doch die Mordkommission auf den Plan. 

Detective Kathy Mallory - nach einer Auszeit zurückgekehrt  und erstmal zum Schreibtischdienst verdonnert - übernimmt mit ihren Partner Riker die Ermittlungen. So unglaublich die Geschichte des kleinen Mädchens klingt, so weiß Mallory doch bald, dass eingehende Nachforschungen notwendig sind. Schließlich führen die Erzählungen des Kindes zu einer Leiche.

Mit ihrer eigenwilligen Heldin Kathy Mallory, die von allen nur Mallory genannt werden möchte, nimmt die Autorin ihre Leser mit auf den Weg einer verzwickten Ermittlung, die ihre dunklen Geheimnisse nur in verdaulichen Häppchen preisgibt. Teilweise schwer zu ertragen, was das Leben - hier zum Glück nur in der Fiktion - manchen Menschen zumutet. Je tiefer Mallory in das Gestrüpp eindringt, desto unheimlicher und düsterer wird es. Dennoch bleibt dieser eigenartig witzig verdrehte Stil, der den Leser fasziniert und bei Laune hält. So wird die Dunkelheit oft gerade im richtigen Moment von einer Portion Humor aufgehellt, ein Moment des Aufatmens, in dem man sich vor dem nächsten Unheil wappnen kann. Verschiedenste kleine Spuren verdichten sich allmählich zu einem Ganzen, über das man nicht zu viel nachdenken möchte.


Ein Wiederlesen mit der sehr speziellen Kathy Mallory, welches fesselt und neue Facetten ihrer undurchsichtigen Persönlichkeit zu Tage bringt, die die junge Frau sympathischer erscheinen lassen. Trotz allem Kathy Mallory behält die Fäden in der Hand. Und in der Hand des Lesers bleibt ein nervenaufreibender Thriller, der am besten ohne größere Ablenkung in einem Rutsch gelesen werden kann.

4 Sterne

Kreidemädchen von Carol O'Connell
ISBN: 978-3-442-74741-2






Samstag, 25. April 2015

Train spotting

Vor einigen Jahren wurde die etwas über 30jährige Rachel geschieden. Weil sie während der Arbeitszeit getrunken hat und ausfällig geworden ist, hat sie ihren Job verloren. Eine eigene Wohnung kann sie sich nicht leisten, doch ihrer Vermieterin und Freundin hat sie nicht einmal erzählt, dass sie arbeitslos ist. Jeden Morgen besteigt sie den Zug nach London, den der mitten auf der Strecke hält, in der Nähe ihres alten Hauses. Doch nicht nur dieses beobachtet Rachel. Ein paar Häuser weiter lebt ein junges Paar, das ihre Phantasie anregt. Sie malt sich aus, welch ein glückliches Leben die beiden führen, gibt ihnen Namen, wünscht sich, sie würde selbst ein glückliches Leben führen und nicht von einem Alkoholrausch zum Nächsten stolpern. Doch dann verschwindet die junge Frau.

Nicht gerade sehr sympathisch wirkt die Alkoholikerin Rachel, die ihre Tage mit dem Gedanken an das, was verloren ist vertut, anstatt sich etwas Neuem zuzuwenden. Mit einigem Widerwillen liest man die Zeilen über ihr Gejammer, ihre Vergangenheitsbezogenheit, ihre alkoholgeschwängerten Ergüsse. Warum schließt sie nicht mit der Vergangenheit ab, mit ihrem Ex-Mann Tom, der doch offensichtlich nichts mehr mit ihr zu tun haben will. Er hat schließlich eine neue Frau und ein Kind. Nur nach und nach gehen einem einige der Hintergründe auf, die mit dazu beigetragen haben, dass aus Rachel die wurde, die ohne Ziel und Zweck mit dem Zug fährt. Erinnerungslücken, schlechte Träume und doch das Gefühl, etwas beitragen zu müssen, führen Rachel zur Polizei, wo jedoch schnell erkannt wird, wie wenig glaubhaft sie als Zeugin ist.


So wie die Handlung nur langsam voranschreitet, so langsam geht einem als Leser auf, was mit Rachel geschehen ist. Und so wie Rachel nicht nur die Person ist, die sie am Anfang zu sein scheint, treiben auch die meisten anderen handelnden Personen ihre verborgenen Spiele. Mit jedem Wechsel der Perspektive erfährt der Leser eine neue Facette dieser sich langsam zum Thriller entwickelnden Geschichte. Mit fast unheimlicher Anspannung verfolgt man den Gang der Ereignisse, spürt die unbekannte Gefahr hinter jeden Ecke lauern. Ein psychologischer Spannungsroman, der einen nach und nach packt und schließlich nicht mehr loslässt. 

4 Sterne
The Girl on the Train von Paula Hawkins
ISBN: 978-0-857-52232-0


Ich füge das deutsche Cover hinzu, das Buch erscheint im Juni 2015





Freitag, 24. April 2015

Der Trupp

Innerhalb kurzer Zeit sind in Berlin neun Kinder verschwunden. Die wenigen Hinweise deuten auf Entführungen hin. Um die örtliche Polizei zu unterstützen, wird ein Spezialtrupp in die Hauptstadt entsandt. Deren Chefin, die ausgesprochen intelligente Jenny, übernimmt die Leitung der Ermittlungen. Nach Außen jedoch tritt Wilfried auf, der Leiter der örtlichen Abteilung. Zunächst scheinen die Nachforschungen keine Ergebnisse zu bringen, es ist einfach kein Zusammenhang zu finden. Wäre da nicht die außerordentliche Intelligenz Jennys und die hervorragende Geschultheit ihres Teams, gäbe es wohl kaum eine Chance, die Kinder zu befreien. 

Einfache Entführungen, die sich doch als ein Teil eines größeren perfiden Plans herausstellen. Ein Ortspolizei, die nicht weiß, wie ihr geschieht. Und ein Team von Spezialisten, das es wirklich in sich hat. Daraus ergibt sich eine brisante Mischung, die eine spannende Lektüre fast garantiert. Zwar stellt sich beim Lesen schon die Frage, ob es derart herausragende Intelligenzen gibt, die nicht nur geistig, sondern auch körperlich überlegen sind. Und sicher fragt man sich, ob die Methoden zur Entspannung immer in jeder Form angebracht sein mögen. Und schließlich mag man zweifeln, ob das große Ganze nicht etwas zu groß ist. Dennoch gestaltet sich die Lektüre ausgesprochen kurzweilig und spannend. Besonders herauszuheben ist hierbei, dass das ganze Kabinettstückchen in weiten Teilen tatsächlich in der Lagezentrale abgehandelt wird. Dies gibt der Handlung eine besonders dichte Atmosphäre und lässt den Leser beinahe an ein Theaterstück denken. Eine Besonderheit, die zu gefallen weiß und nur ganz selten zu einer gewissen Enge gerät. 

Ein fast unglaublicher Thriller, dessen Lektüre Möglichkeiten offenbart, die man kaum für gegeben hält und die die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantastik in Frage stellen. Packend und schlüssig gelöst.


3,5 Sterne

Der Marionettenspieler von Senta Meyer
ISBN: 978-3-943-16869-3

Donnerstag, 23. April 2015

Der Unbekannte

Er hat keinen Namen, nur Pseudonyme und er räumt auf, wenn etwas schief gegangen ist. So auch nach diesem Überfall auf ein Casino in Atlantik City. Die Räuber wurden schon beim Verlassen des Kasinos unter Beschuss genommen. Einer starb, einer entkam mit dem Geld. Dies zu suchen ist genau die richtige Aufgabe für den Unbekannten. Jede Persönlichkeit kann er annehmen, sein Aussehen verändern, sogar seine Stimme. Gelernt hat er seine Fähigkeiten bei der besonderen Angela, mit der er sein Meisterstück abliefern wollte.

Zwischen den Erinnerungen an seinen ersten Überfall und den Begebenheiten um das jetzige missglückte Verbrechen wechselt die Handlung hin und her. Man erfährt, dass der Unbekannte seine Fähigkeiten im Laufe der Zeit sehr verfeinert und perfektioniert hat, dass er der ideale Mann zum Aufräumen ist. Doch welches Spiel spielt er? 

Anschaulich dargestellt durch den Vorleser kann man der Handlung folgen, teilweise etwas grausame Szenen wechseln sich mit einer Handlung ab, die fast an eine ebensolche Ermittlungsarbeit erinnert wie sie die Polizei leisten würde, wenn sie denn einen Auftrag hätte. Nur zu töten, wenn es absolut nicht zu vermeiden ist, lautet eine der Maximen des Unbekannten, dennoch hat er keine Hemmungen auf mitunter recht brutale Weise zu töten, wenn er es für notwendig erachtet. Aus seiner kühlen Abgeklärtheit und vorausschauenden Überlegung im Gegensatz zu der schnellen Durchführung der notwendigen Tötungen und mitunter mitfühlenden Handlungen entsteht ein Spannungsfeld, das den Zuhörer wenn auch nicht gebannt vor dem Lautsprecher sitzen lässt, so doch mit Interesse weiterverfolgen lässt, wie schließlich eine Art Aufklärung über die Beweggründe des Unbekannten entwickelt wird. 

Diese ungekürzte Lesung von Sascha Rotermund lässt einen Roman lebendig werden, der etwas eigen zwar daherkommt, aber doch auf intelligente Art Fragen offen lässt.


3,5 Sterne

Ghostman von Roger Hobbs
ISBN: 978-3-8445-1123-9






Dienstag, 21. April 2015

Welch ein Paar

Dr. Anton Kronberg arbeitet als Bakteriologe in einer Londoner Klinik. Seine Arbeit ist sein Leben und er setzt alles daran, dass niemand hinter seine Maske schauen kann. Eines Tages im Sommer 1889 wird er zu einem Leichenfund gerufen. Er soll sicherstellen, dass das Londoner Trinkwasser nicht kontaminiert ist. Genau an diesem Ort taucht auch dieser Detektiv auf, der Kronberg sofort durchschaut. Wer könnte es anders sein als Sherlock Holmes, der jede Verkleidung durchschaut und der innerhalb von Minuten merkt, was Dr. Kronberg seit Jahren erfolgreich verbirgt. Weil es Frauen nicht erlaubt ist als Medizin zu studieren oder als Arzt tätig zu sein, hat sich Anna Kronberg schon vor Jahren in Dr. Anton Kronberg verwandelt. Und nun versucht sie gemeinsam mit Holmes, das Geheimnis um den Toden zu lüften.

Ein tolles Paar sind die beiden, hochintelligente Menschen, die sich in nichts nachstehen, die sich intellektuell zum Vergnügen des Lesers aneinander reiben können. Wie Magneten sind sie voneinander angezogen oder stoßen sich ab. Das hindert sie in keiner Weise daran, ihre geistigen Kräfte zu bündeln und die Machenschaften einer geheimen Gruppe zu entschlüsseln, die in ihrer Perfidität kaum zu überbieten sind. Kronberg und Holmes ergänzen sich hervorragend, denn auch Anna ist eine Wissenschaftlerin von Format. In den Anfängen der Mikroskopie gibt es auf der Ebene der Kleinstlebewesen viel zu entdecken, zu isolieren, Impfstoffe zu entwickeln. Mit welchen Schwierigkeiten und manchmal auch Ungeheuerlichkeiten diese Forschung einherging, wird auf packende Art anschaulich dargestellt. Wie wenig doch die Armen der Welt galten, wie schwer es Frauen hatten. Gerade auch Anna, die sich auflehnt und für ihren Lebenstraum einiges ihres Selbst verbirgt, nahezu aufgibt. Ein reicher Krimi, dessen Lektüre fesselt und der dem Leser zugleich Vorfreude auf die nächsten Fälle von Anna/Anton Kronberg und Sherlock Holmes bereitet.

4 Sterne

Teufelsgrinsen von Annelie Wendeberg
ISBN: 978-3-426-04643-4


Montag, 20. April 2015

Ruf der Heimat

Vor knapp zwanzig Jahren verschwand der 15jährige Josh Hobbs, sein zwei Jahre älterer Bruder Oren folgte ihm in den Wald und kehrte allein zurück. Kurz darauf wurde Oren auf ein Internat geschickt und dann verpflichtete er sich bei der Army und kehrte nie zurück. Nun jedoch hat er sich auf den Rückweg gemacht. Die Briefe, die ihm die Haushälterin seines Vaters geschickt hat, scheinen Unheil anzukündigen. Der ehemalige Richter Henry Hobbs findet alte Knochen auf seiner Veranda und der Gedanke drängt sich auf, Joshua könnte nach hause kommen. Oren, der in der Army als Ermittler gearbeitet hat, beginnt Nachforschungen anzustellen, was damals tatsächlich mit seinem Bruder geschehen sein könnte.

Der Name der Autorin ist von ihrer Kate Mallory Reihe bekannt, wenn es auch schon etwas länger her ist, dass etwas von ihr zu lesen war. Nicht jede Serie kann bis ins Einzelne verfolgt werden. Bei dem vorliegenden Band handelt es sich nicht um einen Teil der Reihe. Dennoch weckt die Lektüre Erinnerungen. Mit ihren schrulligen Charakteren, die in dem kleinen Örtchen Coventry in Kalifornien leben, versteht es die Autorin sofort ein Band zwischen Lesern und handelden Personen zu knüpfen. Man fühlt sich sofort heimisch, auch wenn man sich fragt, ob denn in so einer kleinen Gemeinde wirklich alle eine Macke haben müssen. Die tragischen Ereignisse der Vergangenheit drängen ausgelöst durch Orens Heimkehr wieder ans Licht. Endlich soll das Verschwinden von Josh geklärt werden. Wie ein Netz durchziehen Joshs Spuren das Dorf. Mit seiner Kamera scheint er überall gewesen zu sein, immer auf der Jagd nach dem einen Foto. Und einen Blick für Motive hatte der Junge, dabei konzentrierte er sich auf die Menschen und ihre Geheimnisse. So hatte dann auch so Mancher, der eine Entdeckung fürchtete, einen Grund, dem Jungen nach dem Leben zu trachten.

Wenn auch zu Beginn durch die Vielzahl von auftretenden Personen und ihre verschiedenen Schrullen etwas unübersichtlich erscheint, entwickelt sich der Roman doch zu einem spannenden Rätsel mit einem großen und einem kleinen Finale, wobei der Leser schließlich durch die hintersinnigen Verknüpfungen zwischen den handelnden Personen überrascht wird und das Buch aus der Hand legt, nachdem er einige unterhaltsame Lesestunden genießen durfte.


3,5 Sterne
ISBN: 978-3-442-75341-3




Sonntag, 19. April 2015

Nutze deine Chance

Als Julia noch viel jünger war ging sie mit ihrem Freund Marcus nach Berlin. Sie lebten und liebten frei und ungestüm. Kurz vor dem endgültigen Absturz ergriff Julia ihre zweite Chance, sie ließ sich von Hugh zurück nach London holen. Schon bald kamen sich die beiden näher und heirateten. Nach einiger Zeit adoptierten sie den Sohn von Julias Schwester Kate, die in Paris lebt. Als Kate auf unnatürliche Art zu Tode kommt, gerät Julias heile Welt ins Wanken. Mit den ungewöhnlichen Mitteln, die sie anwendet, um die Umstände des Todes der Schwester zu klären, bringt sie sich in große Gefahr.

Der erste Roman des Autors war ein atemberaubendes Erlebnis. Etwas womit sich sicher jedes zweite Werk nur schwer messen können wird. So versucht man nicht zu viel zu erwarten und sich auf die Geschichte einzulassen. Wieder wartet der Autor mit einer psychologischen Ausnahmesituation auf. Durch den Tod der Schwester und die ihrer Meinung nach mangelhafte Aufklärungsarbeit der französischen Polizei sehr mitgenommen, befindet sich Julia in einem besonderen emotionalen Zustand. Erinnerungen werden geweckt, fast schon vergessene Verhaltensweisen wieder aktiviert. In dieser Lage werden ihre Handlungen getrieben von dem Wunsch nach Aufklärung aber auch Veränderung getriebener und unnachvollziehbarer.


Julia bleibt eine Figur, in die man sich nur schwer hinein versetzen kann. Warum macht sie bestimmte Dinge, warum überlässt sie Ermittlungen nicht einfach der Polizei, warum kann sie die Situation nicht einfach akzeptieren, warum ist sie so verbohrt. Warum ist das Verhältnis zwischen ihr und ihrem Ehemann so wie es ist. Langsam entwickelt sich die Geschichte, die zwar ein packendes Finale bietet, aber vorher leider auch viele Gelegenheiten, das Buch beiseite zu legen. Mit Freude und Neugier in Empfang genommen war dieses Buch doch eine Enttäuschung.

2,5 Sterne

Second Life von SJ Watson
ISBN: 978-0-857-52020-3

Samstag, 18. April 2015

Leuchtturm

Wie ein sicherer Hafen wirkt das Haus, vor dem der Briefkasten in Form eines Leuchtturms mit einem Gesicht steht. Das junge Mädchen und der Mann, der offensichtlich nicht hören kann klopfen verzweifelt an die Tür. Im Haus wohnt Martha, eine ehemalige Lehrerin, die nun mit 70 nicht auf die Ankunft von Fremden vorbereitet ist. Dennoch öffnet sie die Tür, diese jungen Menschen wirken so bemitleidenswert, sie können nichts Böses wollen. Martha, die doch sehr erschrickt als die merkt, dass das Paar ein Neugeborenes dabei hat, gibt ihnen zunächst frische Kleidung und sie will ihnen auch etwas zu essen bringen. Doch schon hämmern die Vertreter des Staates an die Tür. Das Mädchen wird abgeführt, der Gehörlose verschwindet. Mit flehendem Blick kann das Mädchen Martha gerade noch zu verstehen geben, sie möge das Kind verstecken.

Welch eine anrührende Geschichte. Wie in vielen Ländern gab es auch in den USA Häuser, die sich Schulen nannten, in welche Arme, Behinderte oder sonst irgendwie gestrandete Kinder und Jugendliche aufnahmen. Allerdings leider nicht, um sie zu fördern und ihnen eine Zukunft zu geben, sondern eher wie reine Verwahranstalten, in denen die Insassen fast wie in einem Gefängnis gehalten wurden. Hierhin wurde das Mädchen bereits als Kind gegeben, weil die Familie entschied, dass ein behindertes Kind mehr sei als man ertragen könne. Hier lernte sie den tauben schwarzen jungen Mann kennen, der auf der Straße aufgegriffen sich nicht verständlich machen konnte. Kinder, die in einem solchen Heim geboren wurden, war oftmals kein fröhliches Schicksal beschieden. Beim Lesen fühlt man die Kraft des Mädchens, dass zwar vielleicht nicht ganz so intelligent wie der Durchschnitt dennoch die Weisheit besitzt, für ihr kleines Mädchen etwas Besseres zu wollen und es dem Zugriff des Staates zu entziehen. Man könnte fast glauben, es sei ein von Gott gelenkter Zufall, der ihre Schritte zu Marthas Pforte führt. 


Wunderbar ausgeführt sind die Lebenswege der handelnden Personen. Glück und Leid erfahren sie, doch nie geben sie auf. Sie kämpfen um ein Ziel, eine schönere Welt, sie erfahren, dass es nie zu spät ist für Veränderungen. Verschlungene Wege, die sich schließlich zu einem Hoffnung verheißenden Finale runden. In diesem Roman ist ein Kleinod zu finden, das Beachtung verdient.

Die Geschichte eines schönen Mädchens von Rachel Simon
ISBN: 978-3-746-63030-4

Dienstag, 14. April 2015

Lebendiger Geschichtsunterricht


Zuvi Marti wird von seinem Vater auf die Klosterschule der Karmeliter geschickt, denn aus ihm soll ein ehrbarer Bürger hervorgehen. Zuvi hat dort allerdings nur ein kurzes Gastspiel, dann geht er nach Frankreich, wo er beim berühmten Festungsbauer in die Lehre geht. Zuvi erweist sich als sehr wissbegieriger und gelehriger Schüler, dessen Ziel es ist, es seinem Meister gleichzutun und 10 Punkte zu erlangen. Ein ehrgeiziges Ziel und ein harter Weg dorthin. Nach dem Tod Vaubans versucht Zuvi sein erworbenes Wissen im spanischen Bürgerkrieg anzuwenden. Hin und hergerissen zwischen den Fronten, entscheidet er sich doch am Ende dafür, zu seinen Lieben zurückzukehren und seine Heimatstadt Barcelona zu stärken...

"Der Untergang Barcelonas" ist ein sehr informativer und gut recherchierter Roman über den spanischen Bürgerkrieg. Für Historienfans sicher ein Muss! Andere werden sich vielleicht eher ein wenig von der Schwere der Fakten erschlagen fühlen, auch wenn diese in einer gut verständlichen Sprache dargeboten und durch Illustrationen ergänzt werden. Geschichtsbeschreibungen sind sehr detailliert, die Romanhandlung tritt dahinter zurück. Humororistische Szenen gibt es immer wieder, ich hätte mir noch mehr davon gewünscht. Ein großes Historienepos, das den geschichtlich interessierten Leser sicher begeistern wird. Zuvis Entwicklung habe ich interessiert verfolgt, die Geschichte als Ganzes konnte mich hingegen leider nicht fesseln.


3 Sterne

Der Untergang Barcelonas von Albert Sánchez Piñol



© Britta Kalscheuer

Montag, 13. April 2015

Kriegserinnerungen

Die Hochzeitsvorbereitungen von Gereon Rath und Charlie Ritter laufen. Doch vorher ist Rath froh nochmal in seine Heimatstadt Köln fahren zu können, um seinen Freund Paul zu besuchen und Karneval zu feiern. Es wird ein heftiger Junggesellenabschied, der jäh unterbrochen wird. Der Reichstag brennt und eine sofortige Urlaubssperre wird verhängt. Charlie steckt mitten in der Ausbildung zur Kommissarin. Nur leider darf sie als Frau nicht in jeder Abteilung arbeiten, für sie ist  die Jugendkriminalität kaum mehr als ein Jugendamt und ihre Chefin ist dem neuen Regime doch sehr zugetan. Gereon indessen soll den Tod eines Obdachlosen untersuchen, der anscheinend nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr ins Leben zurückfinden konnte und nun erstochen wurde.

Vor dem Hintergrund der unschönen politischen Entwicklungen des Jahres 1933 wird die Geschichte von Gereon Rath und Charlie Ritter weitererzählt. Die Stimmung der einzelnen Akteure wird dabei durch den Vortrag von David Nathan ausgesprochen gut dargestellt. Es überschauert einen, wenn man miterlebt, wie sogar die Polizisten nicht vor den Anhängern der Nazis sicher sind, wie das Politische sich in den Polizei- und Lebensalltag der Menschen hereindrängt und mehr und mehr bestimmend wird. Selbst die Bearbeitung eines Mordfalles wird in gewisse Richtungen gelenkt, die die Ermittlungen eigentlich nicht hergeben. Gereon Rath kann nicht glauben, dass diese Entwicklungen lange anhalten werden, er nimmt die Zeichen etwas leicht. Noch scheint es ihm nicht bedenklich, dass er eigentlich in seiner Arbeit behindert wird und sich beinahe auf eigene Faust an die Lösung seines Falles begeben muss. Charlie ist wesentlich besorgter, sie weiß nicht, wie lange sie noch für eine Polizei arbeiten kann, die auf Teufel komm raus Jagd auf alles machen muss, was einen Gegenpol zur herrschenden Meinung bilden könnte. 


Die beklemmende Machterweiterung der Partei, dies Hereindrängen ins Leben der Menschen, die beginnende und steigende Bedrohung der Deutschen jüdischen Glaubens. Die authentische Darstellung der Aufs und Abs in der Beziehung zwischen Gereon und Charlie machen dieses Hörbuchs sehr bemerkenswert. Fast schon mit Sorge muss man voranblicken und auf die Fälle warten, die Gereon Rath noch lösen wird. 

Märzgefallene von Volker Kutscher
ISBN: 978-3-8398-1335-5

Sonntag, 12. April 2015

Sad Song

Beim ersten Mal glaubte Rabbit Hayes, der Krebs sei besiegt. Das zweite Mal war ein Schock, ein Schock, der nie endete. Aber so schnell soll der Tod sie nicht kriegen. Rabbit will leben, für ihre zwölfjährige Tochter Juliet, für ihre Eltern, ihre Geschwister. Rabbit wird sterben, auf ihren eigenen zwei Füßen geht sie ins Hospiz und sie möchte diejenige sein, die es auf wieder verlässt. Die Ausnahme, Ausnahmen sind allerdings selten. 

Es sind nur noch Tage, die ihr bleiben. Der Leser weiß es, wenn er den Titel liest. Umso schmerzlicher ist die Lektüre. Wo für Rabbit und ihre Mutter Molly, eine echte Kämpfernatur, zu Beginn noch ein Hauch von Hoffnung besteht, muss der Leser schon beginnen Abschied zu nehmen. In ihren Träumen erlebt Rabbit ihre Jugend wieder, ihre große Liebe zu Johnny, dem Sänger. In den manchmal kurzen Momenten, in denen sie wach ist, wächst in ihr die Einsicht, dass es Zeit wird, zu gehen. Aus Sicht der Familienmitglieder erlebt man die Tragik dieses Geschehens mit, das Vermeiden, die Wut, den Unglauben, die trügerische Hoffnung, schließlich die Akzeptanz des Unvermeidlichen. Etwas, was uns alle erwartet, den einen früher, den anderen später. Rabbit Hayes’ volles Leben im Kreise einer tollen, chaotischen und warmherzigen Familie sollte einfach noch nicht enden müssen. 

Doch ab der ersten Seite heißt es Abschied nehmen, von einer Figur, die man mit jeder Seite lieb gewinnen muss, die es nicht ganz einfach hatte im Leben, die jedoch das Beste draus gemacht hat, die nie loslassen konnte und die nun heimkehrt. Ein Buch, auf das man sich möglicherweise nicht leicht einlassen kann, das als Geschenk ins Haus kam und das man freiwillig nie gekauft hätte. Froh, die Lektüre hinter sich gelassen zu haben und doch reicher an Gedanken und Dankbarkeit für die, die noch da sind.


Ausnahmsweise ohne Bewertung

The Last Days of Rabbit Hayes von Anna McPartlin
ISBN: 978-0-552-77374-4

Samstag, 11. April 2015

Auch das ist England

Der Jüngste der drei Lauritzen-Brüder, Sverre, folgt nach dem Studium in Dresden seiner Liebe. Nicht ahnend, dass es sich bei seinem Liebsten Albie um einen englischen Lord und Titelanwärter handelt. Unbeschreiblich der Moment als Sverre zum ersten Mal das Herrenhaus der Manninghams sieht. Nach außen hin treten Albie und Sverre als Kollegen auf, die gemeinsam ein Ingenieurbüro führen, und so können sie auch eine gemeinsame Wohnung beziehen. Was unter dem Mäntelchen der Verschwiegenheit verdeckt wird, wird geduldet, wenn auch nicht unbedingt gut geheißen. Schließlich ist es Albies Pflicht, irgendwann für einen Nachfolger auf den Titel zu sorgen. Doch zunächst genießen er und Sverre eine unbeschwerte Zeit.

Bei diesem zweiten Band um die Erlebnisse der Lauritzen-Brüder aus Norwegen wird das Leben des jüngsten Bruders Sverre beschrieben. Parallel zu den Ereignissen um Lauritz und Oscar, von deren Wegen sich Sverre nach dem Studium getrennt hat, werden ungefähr die ersten zwanzig Jahre nach Abschluss der Ausbildung beschrieben. In der Zeit zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die Homosexuellen als Sodomiten bezeichnet. Das Gerichtsverfahren gegen Oscar Wilde war ein Anlass für Albies Vater, den Sohn zum Studium der Ingenieurwissenschaften nach Dresden zu schicken. Bei der Rückkehr nach England haben sich die Verhältnisse nicht wesentlich gebessert. Dennoch beginnt eine Zeit der relativen Freiheit und des Aufbruchs. Albie und Sverre erlangen etliche Fortschritte im landwirtschaftlichen Betrieb des Gutes, sie bewegen sich in Künstlerkreisen und Sverre kann sich als Maler entwickeln. Doch je näher der erste Weltkrieg heranrückt, desto größer werden die Repressionen.


In meist sehr beschreibender Form lässt der Autor das Leben seiner Protagonisten durch die unwirtliche Gesellschaft gleiten. Ihr kleines Glück wird in einigen Zeiten so gerade toleriert und in dem Moment, wo die Möglichkeit besteht, sogar angegriffen. Die gemeinsamen Erlebnisse und Reisen verblassen zu Erinnerungen. Ihre Bohemien-Kreise können letztlich keine Hilfe sein, ihr Unwille, sich der Konvention zu beugen, ist zwar bewundernswert, führt aber leider nicht zur Befreiung. Leider beinhaltet dieses Buch nicht die Lebensfülle des ersten Bandes. Dennoch handelt es sich gerade wegen der aufgegriffenen Thematik der Homosexualität und wie ihr zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts begegnet wurde um ein lesenswertes Buch. Auch wenn die heutige Situation in weiten Bereichen glücklicher ist, gibt es sicher noch viel zu verbessern.

3,5 Sterne

Die Brüder von Jan Guillou
ISBN: 978-3-453-26840-1





Freitag, 10. April 2015

Das Jahrhundert der Mörder

Eines Abends wird die fast 105jährige Rose auf dem Heimweg von ihrem Restaurant von einem Jugendlichen überfallen. Allerdings ist Rose keine alte Dame, die so ein Erlebnis aus der Bahn wirft. Lieber hält sie dem jugendlichen Verbrecher ihre Glock unter die Nase und verhilft ihm zur Flucht. Wohlbehalten daheim angekommen surft sie noch ein wenig durch die Partnerbörsen. Meist belässt sie es allerdings bei den virtuellen Bekanntschaften, da sich herausgestellt hat, dass man es doch merkt, wenn sie bei der Altersangabe zu sehr untertrieben hat. Und nun ist Rose bereit, ihre Memoiren niederzuschreiben. 

Ein Kaleidoskop des letzten Jahrhunderts öffnet sich vor den Augen des Lesers. Roses außergewöhnliche Biographie beginnt mit dem Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 als ihre gesamte Familie umgebracht wird und Rose nur mit zweifelhaften Glück in einem Harem unterkommen kann. Doch schon in dieser Phase ihres Lebens zeigt sie ihre herausragende Stärke, die sie während ihres ganzen Lebens nicht verlässt. Gestählt durch die Ereignisse geht Rose ihren Weg, halbe Sachen kennt sie nicht. Ihre Gefühle sowohl Liebe als auch Hass sind immer groß und echt. Noch in jungen Jahren landet sie in Frankreich wo sich die Liebe zum Kochen ihre Bahn bricht. Mit Erfolg führt sie verschiedene Restaurants der provenzialischen Küche. Nie jedoch vergisst sie, was ihr oder ihren Liebsten angetan wurde. Ihr Schwert der Rache ist durchaus scharf und kann das Leben so mancher Übeltäter kosten. 


Auch mit über Hundert noch eine Frau mitten im Leben, die eine Menge zu erzählen hat. Mit Witz und großer Energie nimmt Rose die Leser für sich ein. Schon nach den ersten Worten wünscht man sich so in vollem Saft alt zu werden. Klein und gehässig, fast kann man sie sich vorstellen. Und dennoch mit großer Leidensfähigkeit, von Liebe, Hass und Rache beseelt führt Rose durch das Jahrhundert der Mörder. Eine kraftvolle Persönlichkeit, die an einige weniger bekannte Aspekte des zwanzigsten Jahrhunderts heranführt und schonungslos schildert. Ein Buch, das zu weiterführender Lektüre anregt und auch zum Ausprobieren der Rezepte, die am Schluss angefügt sind.

4,5 Sterne

Ein Diktator zum Dessert von Franz-Olivier Gisbert
ISBN: 978-3-570-58538-2




Donnerstag, 9. April 2015

Auf der Flucht

Nathan ist auf der Flucht, so gerade konnte er den Huntern entkommen. Nun hat er sich in den Wald geflüchtet, um auf Gabriel zu warten, von dem er hofft, dass er überlebt hat. Gleichzeitig muss Nathan sich an seine Gabe gewöhnen. Wie sein Vater kann er eine andere Gestalt annehmen. Doch was geschieht, wenn er als Tier durch die Wälder streift? Nathan hat weder die Umwandlungen unter Kontrolle noch kann er sich an die Zeit als anderes Wesen erinnern. Als er sich auf die Such nach dem Fairborn macht, begegnet er Nesbitt. Dieser gesteht, dass er das Messer hat, er hielt Nathan für Tod und brachte das Messer zu seiner Partnerin Van. Dort befindet sich auch Gabriel.

Nach Half Bad geht Half Wild sehr spannend weiter. Nathan muss sich mit seiner neuen Gabe auseinander setzen. Diese scheint ihn fast zu überwältigen, es mangelt ihm an Kontrolle darüber. Nach und nach versucht Nathan Strategien zu finden, die Verwandlung selbst auszulösen oder zu verhindern. Eine beinahe glückliche Zeit verbringt er dabei mit Gabriel in Vans Unterkunft. Lange wusste Nathan nicht, ob Gabriel überlebt hat. Die gemeinsame Zeit, die die beiden haben, festigt ihre Freundschaft, allerdings verunsichern Gabriels mehr als freundschaftliche Gefühle Nathan.


Neben ruhigen Momenten, in denen Nathan sein neues Wesen kennenlernt, gibt es für Nathan große Umwälzungen zu bestehen. Ihm wird fast mehr abverlangt als selbst ein Jugendlicher mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten zu ertragen in der Lage ist. Auch jugendliche Hexer sind Jugendliche, die zwar meist sehr widerstandsfähig sind, doch nicht über alle Grenzen hinaus. So ein wenig entsteht der Eindruck, die Autorin mute ihrem Helden jedes Problem zu, dass einen jungen Menschen nur treffen kann. Im Vergleich zur Frische des ersten Bandes wirkt dieser sehr durchgeplant und vollgepackt. Dennoch beinhaltet er viele schöne Szenen gerade zwischen Nathan und Gabriel. Natürlich weckt er Neugier auf den dritten Band, mit dem Nathans Geschichte hoffentlich zu einem erhebenden Ende geführt wird.

3,5 Sterne

Half Wild von Sally Green
ISBN: 978-0-141-35088-2

Mittwoch, 8. April 2015

Schnecken im Licht

Mit seiner jüngeren Schwester Jutta wächst Werner Hausner in den 1930er Jahren in einem Kinderheim im Ruhrgebiet auf. Werner ist ein überaus begabter Techniker, der schon als Kind Radios repariert. Natürlich hat er für sich und Jutta einen eigenen Empfänger gebaut. Gebannt lauschen die Kinder den Klängen aus der fernen Welt, besonders Sendungen über Physik haben es ihnen angetan. Etwa zur gleichen Zeit wächst Marie-Laure Leblanc in Paris auf. Schon als Kind ist sie erblindet, doch ihr Vater erklärt ihr die Welt so gut er es kann. Er ist der Herr der Schlüssel im Naturkunde-Museum und er genießt das Vertrauen des Kurators. Für seine Tochter baut er ein genaues Modell der Umgebung ihrer Wohnung, damit sie sich auch alleine zurechtfinden kann und keine Angst mehr haben muss, die Wohnung zu verlassen.

Über die Jahre begleitet der Autor seine beiden Helden, die eigentlich nie zu Helden bestimmt schienen. Die zunächst noch relativ ruhigen beinahe glücklichen Zeiten, die nach und nach das Licht verlässt. Immer mehr Einschränkungen gilt es auszuhalten, Entbehrungen zu überstehen. Näher und näher rückt der Krieg, der Marie-Laure nach St. Malo führt, und Werner nach seiner abgebrochenen Schulzeit in einer Napola-Schule in Schulpforta nach Russland. Beide Jugendliche haben Unsägliches auszuhalten, sei es die Ungewissheit über den Verbleib der Lieben oder die Gewissheit über die Zerstörung eines Freundes. Marie-Laure geht dabei den Weg des Lichts, obwohl sie das Licht nicht sieht. Sie wirkt rein und unberührt, manchmal kurz vor dem Verzweifeln, findet sie den Weg. Werner dagegen scheint der Dunkelheit anheim zu fallen, mit Eifer besucht er die Schule, Wissen in sich aufsaugend und seinem einzigen Freund dort nicht beistehend. Nur langsam fast zu spät schleicht sich die Erkenntnis ein, dass Juttas Warnungen eine Wahrheit in sich trugen.


Mit zauberhaft berührenden Worten beschreibt der Autor Anthony Doerr die Welt der beiden Jugendlichen. Viel zu früh gezwungen, erwachsen zu werden, wissen sie die kurzen Augenblicke des Einsseins mit der Welt zu schätzen. Müssen aber auch die Schlingen aushalten, die sich durch die Entwicklung der Zeit immer enger um sie zu ziehen scheinen. Genauso eng wird es dem Leser ums Herz, wenn er Marie-Laure zurufen möchte, halte durch!, wenn er Werne wünschen möchte, Fange an, zu denken!, bevor es zu spät ist. So viel Leid bringt der Krieg, so viele Unschuldige müssen ihr Leben lassen. Anlässlich einer Lesereise besuchte der Autor die Stadt St. Malo, deren historischer Kern an drei Seiten vom Wasser umspült ist. Er erfuhr von der Bombardierung durch die Amerikaner im August 1944, bei der die Stadt in großen Teilen zerstört wurde. Und so entstand der Grundgedanke, die Idee zu diesem wunderbaren Roman, der mit Wehmut daran denken lässt, was hätte sein können, was zurückbleibt, was zerstört wird und welche Hoffnung bleibt, wenn Menschen vielleicht auch gestärkt aus dem Leid hervorgehen. Ein Buch in dem man eintauchen kann, dass man erfühlen kann. Eine herausragende Lektüre, ein Leseerlebnis, das nachwirkt und in dem kein Wort verschwendet ist.

5 Sterne

Alles Licht das wir nicht sehen von Anthony Doerr
ISBN: 978-3-406-68063-2

Dienstag, 7. April 2015

Halbling

Keiner hat ihn gewollt. Noch nicht einmal in seiner Familie. Seine Mutter hat sich seinetwegen umgebracht, meint er. Seine älteste Schwester wird zur Jägerin. Nur seine Gran und seine Halbgeschwister Deborah und Arran sind auf seiner Seite. Und so wird Nathan das schwarze Schaf unter den weißen Hexen, denn er ist ein Mischling, halb weiße Hexe, halb schwarze Hexe. Immer strengere Regeln werden den Mischlingen auferlegt, sie werden vermessen, befragt und kontrolliert. Die Schikanen machen auch vor ihren Familien nicht halt. Nathan ist sehr unsicher, wo soll er sich zugehörig fühlen. Er meint sein Körper sei der einer schwarzen Hexe, sein Geist eher weiß. Schließlich hat er die Fähigkeit, sich selbst zu heilen und das ist doch eindeutig weiß.

Im ersten Moment mag man sich in Bezug auf die Hexen an den Zauberer von Oz erinnert fühlen, doch ist dies eine ganz andere Hexengeschichte. Zunächst einmal sind die Hexen (im Original witches) nicht zwingend weiblich, auch die männlichen Hexen werden so bezeichnet. Die weißen Hexen in der Mehrzahl üben die Kontrolle aus, die Schwarzen werden gejagt und am meisten gejagt wird Nathans Vater, den er nie kennengelernt hat und der so zu einer Sehnsuchtsgestalt wird. Weniger angesehen noch als die schwarzen Hexen sind aber die Mischlinge. Auf der untersten Stufe stehend ist Nathan schlimmen Erziehungsmaßnahmen ausgesetzt. In der Schule erstrahlt seine Mitschülerin Annalise wie ein Licht in seinem Leben. 


Teilweise recht grausam kommt es einem vor, wie die Kerkermeister Nathan behandeln. Im Namen einer guten Erziehung, die ihm helfen soll, den rechten Weg zu finden, wird er gequält und seinen wenigen Lieben entfremdet. Und doch kann er seinem Erbe nicht entfliehen. Man leidet mit Nathan und begehrt mit ihm auf. Man schreckt zurück vor den Hindernissen, die sich Nathan in den Weg stellen, und ist erfreut, wenn er doch hin und wieder Hilfe erhält. Auch wenn noch nicht endgültig erkennbar ist, wohin Nathans Reise gehen wird, ist dieser erste Band einer Trilogie sehr spannend erzählt und entführt einen in ein etwas anderes England der Kontrolle und Ausgrenzung, das fast einen Bezug zum wirklichen Leben haben könnte. 

4 Sterne

Half Bad von Sally Green
ISBN: 978-0-141-35086-8

Montag, 6. April 2015

Außer Fassung

Bei einem schweren Unfall zwischen einem Auto und einem Buggy der Amish finden drei Menschen den Tod. Nur ein kleiner Junge überlebt schwer verletzt. Der Fahrer des Kraftfahrzeugs begeht Fahrerflucht. Kate Burkholder, die in ihrer Jugend selbst zu den Amish gehörte steht fassungslos an der Unfallstelle. Die Mutter und Ehefrau war ehemals Kates beste Freundin. Schweren Herzens macht sich Kate auf den Weg zu Mattie, um ihr die herzzerreißenden Neuigkeiten zu überbringen. 

Was für ein fürchterlicher Aufhänger, zumal sich schnell herausstellt, dass der Unfall möglicherweise absichtlich herbei geführt wurde. Kate versucht ihr Möglichstes, den Unfallhergang zu ermitteln. Leicht hat sie es dabei nicht, denn ein sehr unschönes Ereignis aus ihrer Vergangenheit droht sie einzuholen und auch ihre Beziehung zu John Tomasetti kommt an einen Wendepunkt und Kate ist sehr unsicher, welchen Weg sie einschlagen soll. 

In ihrem fünften Fall wird Kate Burkholder mit ihren Amish-Wurzeln und auch mit ihrer Vergangenheit konfrontiert. Die Handlungsstränge sind verwickelt und doch sehr gut mitzuerleben. Die Autorin schafft es, dass man sich ganz nah bei Kate fühlt und sich mit ihr in die Ermittlungen kniet. So ein schrecklicher Unfall darf eigentlich nicht geschehen. Wer nur kann etwas davon haben, den ehrbaren Familienvater zu töten. Reich sind die Amish nicht. Den Tod unschuldiger Kinder in Kauf zu nehmen, ist eigentlich unvorstellbar. Nur langsam ergeben sich kleine Hinweise, die die Ermittlungen voranbringen. Je näher das Ende rückt, desto mehr überschlagen sich die Ereignisse.


Der Roman lebt von den Beschreibungen der unterschiedlichen Kulturen der Amish und der modern lebenden Menschen. Die Abgeschiedenheit der Amish, ihre Regeln, ihr Verzicht, doch auch ihr Drang in der heutigen Zeit mitmischen zu wollen. Kates besonderes Verständnis und ihre Einsicht in die Dinge geben der Handlung ihren gewissen Touch. Die Entwicklung des Geschehens lässt einen jedoch etwas ratlos zurück, das Maß des Begreifens wird etwas überstrapaziert.

4 Sterne

Her Last Breath von Linda Castillo
ISBN: 978-1-447-20216-5

Sonntag, 5. April 2015

Zerschmettert

Endlich hat Kyla Teile ihres Gedächtnisses wieder gewonnen, nach und nach sind einige Erinnerungen zurückgekehrt. Doch das bringt sie in Gefahr und mit einer neuen Identität sucht sie ein hoffentlich sicheres Versteck auf. In einem Mädchenhaus soll sie unterkommen, bei Stella Connor, die sie als vermisst gemeldet hat. Kyla, die sich jetzt Riley nennt, hofft, sie wird ihre Mutter wieder erkennen. Doch zunächst einmal durchstreift sie den Ort im Lake District und tatsächlich erscheint ihr dieser vertraut. Enttäuscht ist sie allerdings als sie Stella zu ersten Mal sieht, Stella bleibt Stella. Stella, die Hausmutter, die ihre Elevinnen streng kontrolliert, immer in Angst, eines ihrer Schäfchen könnte verloren gehen.

Nach und nach kommt Riley Teilen ihrer Vergangenheit auf die Spur. Doch ob sich daraus ein Ganzes formen lässt bleibt zunächst ungewiss. So wie Stella in ihrem kleinen Bereich ein Kontrollsystem aufgebaut hat, so ist es das totalitäre System der Lorder, dass die größere Gefahr bedeutet. Die Gefahr der Entdeckung scheint immer vorhanden, ein Verrat immer im Bereich des Möglichen. Wem kann Riley überhaupt vertrauen? Wie soll sie sich ihr weiteres Leben gestalten? Kann es eine Flucht aus dem System geben?


Zum Abschluss der Trilogie um das Mädchen, dem die Erinnerung genommen wurde, gelingt es der Autorin mit packenden Überraschungen und Erklärungen aufzuwarten. Dabei ist ihrer jungen Heldin nur wenig Ruhe vergönnt. Bedrohliche Entdeckungen und Zweifel, wem sie trauen kann, lassen sie immer auf dem Sprung erscheinen. Verzweifelt auf der Suche nach ihrer wahren Identität, doch auch das Ergebnis ihrer Suche fürchtend. Entdeckungen ausgesetzt, die an die Öffentlichkeit gebracht werden sollten, die jedoch eigentlich lieber anderen überlassen hätte, belastend wie sie sind. Wie konnte das staatliche System nur solche Auswüchse hervor bringen. Sollte der Staat nicht eher dem Volk dienen und das Volk dem Staat nur, wenn es unumgänglich ist. Der Abschluss einer Dystopie, die wachrüttelt, die zeigt, dass man nicht allem trauen kann und die einen mit jeder Seite mehr fesselt.

4 Sterne
Shattered von Teri Terry
ISBN: 978-1-408-31950-5

Samstag, 4. April 2015

Leben lassen

Mit Anfang zwanzig ist Dorte bereits mehrmal umgezogen. Gerade jetzt hat sie wieder ein neues Heim, ein kleines Häuschen bei den Bahngleisen. Es gehört ihrer Tante Dorte, nach welcher die Jüngere benannt ist, weil die Ältere keine Kinder bekommen kann. Doch die junge Dorte fühlt sich nicht sofort wohl in ihrem Haus, sie schläft schlecht, sie lässt sich treiben, sie tut nur so als studiere sie. Ziellos und haltlos wandert sie von einer Bekanntschaft in die nächste. Die vergangenen Jahre seit der Schulzeit immer im Gedächtnis wo es begann, zunächst mit einem festen Freund und dann eher lockeren Beziehungen. Eine der wenigen Konstanten bleibt dabei Dorte die Ältere.


Beim Lesen wird man durch Dortes Gedankenwelt gewirbelt und findet ebenso wenig Halt wie die junge Frau. Ohne Plan und ohne Ziel lebt sie dahin wie es wohl am ehesten die Jugend kann. Doch leider wirkt es nicht wie ein glückliches sich Treiben lassen mit einem Lächeln auf den Lippen, eher wie ein depressives den Wunsch nach Hilfe und Halt nicht ausdrücken können. Beziehungen letztlich ohne wirkliche Bedeutung, teilweise den Partner verletzend, teilweise vom Partner verletzt werdend, vertut Dorte ihre Zeit in großer Lethargie. Kann sie nicht anders oder will sie es nicht? Schließlich lässt man sich durch diesen Roman treiben wie sich Dorte durch ihr Leben treiben lässt. Man bleibt etwas ratlos zurück. Schön zwar, aber nicht hilfreich, dass der Titel wörtlich vom Dänischen ins Englische übersetzt wurde.

3 Sterne

This should be written in the Present Tense von Helle Helle
ISBN: 978-1-846-55805-4


Freitag, 3. April 2015

Über den Regenbogen

An einem eisigen Wintermorgen muss Kommissar Lutz Gehring zu einem Leichenfund. Es ist ein Morgen, an dem man lieber daheim bleiben möchte. Der Hund eines Jägers hat ein menschliches Skelett aufgestöbert. Schnell ist klar, dass es sich um die Leiche eines Kindes handelt, die schon seit längerem dort liegen muss. Gehring erinnert sich an einen alten Fall, der nie gelöst werden konnte. Und tatsächlich handelt es sich um das Kind, dass damals als vermisst gemeldet wurde. Nun muss der Kommissar den Eltern die traurige Nachricht überbringen und er holt die Kommissaranwärterin Sanela Beara dazu, weil er hofft, dass sie mit ihren kroatischen Wurzeln eine Hilfe sein könnte, stammen die verwaisten Eltern doch ebenfalls vom Balkan.

Nach ihrem ersten Einsatz hat Sanela Beara tatsächlich den Schritt gewagt, das Studium für den gehobenen Polizeidienst zu beginnen. Zu Beginn des Studiums hat sie im Einsatz eigentlich nichts zu suchen, doch nur zu gerne folgt sie dem Ruf des Kommissars, dem sie in oberflächlicher, aber gründlicher Abneigung verbunden ist. Immer noch hat sie Minderwertigkeitskomplex, die sich in besonderer Hartnäckigkeit, Aufmüpfigkeit, großem Starrsinn äußern. Regeln widerstreben ihr und so setzt sie sich häufiger mal darüber hinweg. Das scheint Kommissar Gehring häufiger an den Rand der Weißglut zu treiben, dennoch muss er zugeben, dass Sanela einen echt guten Riecher hat und ihre quergedachten Ideen häufiger zu Ergebnissen und Schlussfolgerungen führen als man es bei einer Anwärterin annehmen könnte.


Auch in ihrem zweiten Fall kommt Sanela Beara einem komplexen Fall auf die Spur, der mit der normalen Sicht aus einer ereignislosen Spießerperspektive kaum zu begreifen ist. Ein Kind ist umgekommen, aus einfachen Verhältnissen zwar, doch hoffentlich geliebt und betrauert. Schon vor Jahren mussten die Eltern beginnen Abschied zu nehmen. Doch nun stirbt auch noch die letzte Hoffnung. Das einzige, was die Polizei oder die Gesellschaft noch zu geben vermag, ist die Lösung des Falles. Eine Lösung, deren Ermittlung den Kommissaren besonders der jungen Anwärterin beinahe das Äußerste abfordert. Nach und nach wird das Dickicht durchdrungen, mit jedem Puzzleteilchen, dass sich an seinen Platz fügt, steigt die ungläubige Spannung in diesem ungewöhnlichen Krimi mit einem ungleichen Ermittlerduo, dem man wünscht, dass es sich noch besser kennenlernt.
4 Sterne

Der Schneegänger von Elisabeth Herrmann
ISBN: 978-3-442-31386-0