Freitag, 22. Mai 2015

Japanische Kirsche

Der bekannte Schriftsteller Kunihiko Hidaka will etwas kürzer treten. Mit seiner Frau Rie möchte er eine Weile in Kanada leben. Ihre Sachen sind schon gepackt und verschickt, nur das Arbeitszimmer des Hauses ist noch eingerichtet, weil der Autor noch einige Seiten seines neuesten Fortsetzungsromans abliefern muss. Ein letztes Mal noch will er sich mit seinem Freund und ehemaligen Schulkameraden Osamu Nonoguchi treffen, der Kinderbücher schreibt. Nach dieser letzten Begegnung, bei dem auch Rie zugegen ist, gibt es noch ein allerletztes Treffen. Da jedoch kann Hidaka zum Entsetzen seines Freundes nur tot aufgefunden werden.

Kommissar Kaga ermittelt in seinem ersten Fall, der sich vielschichtiger darstellt als es zunächst den Anschein hat. Fast schon ein wenig zu schnell schießt sich der Ermittler auf einen Verdächtigen ein. Das der Roman dennoch seine Spannung hält, hat mit der raffinierten Komposition von Beweggründen, Manipulationen und falschen Fährten zu tun, mit denen Bilder gezeichnet werden, die zu Schlüssen verleiten, die in der Folge häufig widerlegt werden und so zu immer neuen Überraschungen und Deutungen führen. 


Nach einiger Leseerfahrung mit unterdessen mehreren unterschiedlichen japanischen Autoren, scheinen diese fast so etwas wie eine gemeinsame Sprachmelodie zu haben, die einem als Leser entweder liegt und gefällt oder auch nicht. Mit einem gewissen Faible für diese spezielle Ausdrucksweise ausgestattet, kann man diesem verschachtelten Kriminalroman eine Menge abgewinnen. Man wird in eine Kultur eingeladen, die zugleich fremd und vertraut ist. Menschliche Gefühle ähneln sich überall, da mag die Beschreibung anders verschlüsselt sein. Verschiedene geschickt gewählte Perspektiven geben ein rundes Bild des Ganzen und enthüllen einen perfiden Plan eines Mörders, der einen tiefen Groll hegt. Vermutlich hätte er sich ein anderes Leben gewünscht. Der nie nachlassende Eifer des Kommissars, der Sache auf den Grund zu gehen, tut ein Übriges, die Lektüre fesselnd und Gedankenspiele anregend zu gestalten. So ist dieser Roman ein schönes Beispiel dafür, dass japanische Autoren durchaus noch mehr Beachtung verdienen.

4 Sterne

Böse Absichten von Keigo Higashino
ISBN: 978-3-608-98027-1

Kommentare:

  1. Habe ich ebenfalls gelesen - die Rezi ist noch ausstehend!
    Ich fand das Buch wirklich interessant auch wenn ich weniger von japanischen Autoren lesen konnte mich Higashino überzeugen
    Liebe Grüße
    Janine

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    1. Lieben Dank für deinen Kommi, so viele japanische Autoren habe ich auch noch nicht gelesen, aber wenn, dann mochte ich die Bücher meistens. Bin gespannt auf deine Rezi.
      Liebe Grüße
      walli :-)

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