Samstag, 23. Mai 2015

Vetternwirtschaft

Wie kann das zugehen? Ein Berliner Senatsangestellter und ein Polizeihauptkommissar werden mit der selben Waffe erschossen. Die forsche Staatsanwältin Dagmar Wohlfrom-Kühn übernimmt die Leitung der Ermittlungen, obwohl diese Gemengelage schon ahnen lässt, dass dieser Fall einigen Staub aufwirbeln wird. Zur gleichen Zeit überfällt die junge Journalistin Karen Andermatt das unangenehme Gefühl, sie könnte beschattet werden. Sie beauftragt den nunmehr als Privatermittler tätigen ehemaligen Kommissar Hans Berndorf, herauszufinden, ob ihr Gefühl sie trügt. 

Zwei Handlungsstränge, die zunächst nichts miteinander zu tun haben, so scheint es. Eine mögliche Verbindung ergibt sich jedoch schon daraus, dass die Staatsanwältin und Karen sich über Karens Mann kennengelernt haben. Staatsanwältin Wohlfrom-Kühn hatte daraufhin die Idee, sich von der Journalistin für eine Weile begleiten zu lassen. Ein Projekt, aus dem ein Buch entstehen könnte, das wiederum nützlich für den kommenden Wahlkampf sein mag. Nach und nach entschlüsseln Polizei und Privatdetektiv immer mehr verborgene Details, die auf Verquickungen deuten, von denen eigentlich niemand etwas wissen möchte, die die Öffentlichkeit aber kennen sollte. Hans Berndorf scheint als Einziger der Wahrheit auf die Spur kommen zu wollen. 


Gut diesem Roman seine volle Aufmerksamkeit zu widmen, denn nicht ohne Brisanz ist das, was da mehr oder weniger klar angedeutet wird. Gerade wenn man vor kurzem eine Art Korruptionsbericht gelesen hat, bekommt man hier einen Hinweis wie es trotzdem geht und man fragt sich, wie die eigene Republik unter diesen Umständen als die am wenigsten korrupte gelten kann. Ausschreibung ist nicht gleich Ausschreibung und ein Zuschlag will noch lange nichts heißen. Böse sind da einige Entwicklungen, dennoch dürften sie einen nicht geringen Wahrheitsgehalt innewohnen haben. Um einige Illusionen ärmer, um einige Verdachtsmomente reicher, folgt man dem weißen Ritter Berndorf in seinem Kampf um die Wahrheit und hofft, es möge nicht alles unter den Tisch gekehrt werden. Eine Hoffnung, die eigentlich nur vergebens sein kann, so in etwa weiß man ja doch, wie es läuft und dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt ist auch hinlänglich bekannt. Die Ränkeschmiede, das Intrigenspiel zwischen Politik und Wirtschaft werden hier zu einem spannenden und boshaften Krimi verquickt, der sehr nachdenklich stimmt.

4 Sterne

Trotzkis Narr von Ulrich Ritzel
ISBN: 978-3-442-75298-0






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