Dienstag, 30. Juni 2015

Und noch einmal, einmal

Nach langer Zeit mit ihrem Privat Detektiv Partner Mattheus reist Cindy Blaine zurück in die USA. Wo sie steht, weiß sie nicht. Doch mit großer Freude erwartet sie die Ankunft in der Heimat, das Wiedersehen mit der Familie, besonders mit ihrer Schwester Anne. Ein wenig enttäuscht ist Cindy schon, denn Anne hat nur wenig Zeit. Gleich am folgenden Tag will sie mit ihrem Gatten zu einer Urlaubsreise aufbrechen. Völlig schockiert muss Cindy nur kurz darauf die Nachricht entgegen nehmen, dass Anne in ihrem Hotelzimmer ermordet aufgefunden wurde.

Der zehnte Fall, den Mattheus und Cindy gemeinsam lösen. Ihre persönliche Beziehung steht auf dem Prüfstand. Um ihre gemeinsame Entwicklung verfolgen zu können, würde es sicher Sinn machen, auch die anderen Fälle zu kennen. Die Begebenheiten des Mordfalles lassen sich ohne weitere Kenntnisse nachvollziehen. Neben diesem durchaus gut zu verfolgenden Krimi, lernt man Cindy und ihre Familie kennen. Was für eine eigenartige Familie, die Onkel bleiben blass, die Mutter wirkt wie eine fürchterliche Nervensäge, die es wagt, die eine Tochter auf sehr unmütterliche Art vorzuziehen, die Detektivin, die sehr heftig auf eigentlich recht normale Dinge zu reagieren scheint, Geschrei, Gekreisch, Geheul. Zusätzlich wählt die Autorin als Stilmittel die ausufernde Wiederholung einzelner Wörter oder Satzteile und das so häufig, dass es beinahe schwierig wird, sich in Erwartung der nächsten Wiederholung überhaupt noch auf die Handlung zu konzentrieren. 


Sollte man wirklich zehn weitere Bände (ja Teil 11 ist auch erschienen) hiervon lesen? Nun sicher hat die Autorin ihre Fans. Vielleicht sind diese eher unter Muttersprachlern zu suchen, die einiges besser einzuschätzen wissen, was die Autorin ausdrücken will. Nichtmuttersprachler laufen Gefahr genervt zu werden.

2 Sterne

Death by Betrayal von Jaden Skye
ASIN: B00K61S5VO



Sonntag, 28. Juni 2015

800 Seite Fantasy Spaß


Für Band eins dieser Fantasy-Saga eine Zusammenfassung zu schreiben, ist nicht möglich. Es gibt keine richtige Handlung. Mein Eindruck ist, die Protagonisten, ihr Umfeld und ihr Hintergrund sollen vorgestellt werden, um sie in den nächsten Bänden auf ihre gefährliche Reise zu schicken. 
Das hat für mich den Lesespaß nicht im Geringsten beeinträchtigt. Die Beschreibung von Glokta, dem Inquisitor, der früher mal ein wackerer Recke war und der in Gefangenschaft zum verdrehten Krüppel wurde, ist höchst amüsant. Wenn ich mir vorstelle, wie er den Gefangenen die Fingernägel und damit auch die Finger scheibchenweise kürzt, denke ich an rollende Möhrenscheiben - nicht dass ich das als Film sehen wollte, aber die Beschreibung war einfach witzig. 
Oder Jezal, der Hauptmann mit einer ungewissen Zukunft. Mit der unrechtmäßigen Unterstützung des ersten Magier gewinnt er einen Fechtkampf, wonach er ins Gefolge des Magiers muss. Sein Jähzorn, seine widerstreitenden Gefühle gegenüber Ardee, der Schwester seines Ausbilders. Und Ardee ist so ganz anders als alle anderen Frauen, sie flucht und trinkt. Aber in ihrem Elternhaus hat sie genug zu erleiden gehabt, so dass ich ihre Handlungen doch verstehen konnte. 
Und natürlich Bayaz, der erste Magier, der einfach wie ein etwas rüpelhafter älterer Mann wirkt, und dem niemand glaubt, dass er der erste Magier ist. Er muss erst sehr eindringlich beweisen, dass er mit Magie zu tun hat. Unter anderem fetzt er dem Oberinquisitor den Stuhl unter dem Hintern weg. Köstlich. 
Ich fand das Buch echt klasse, mal ein Fantasy-Roman, den ich innerhalb sehr kurzer Zeit durchhatte und der bei 800 Seiten kaum Längen aufwies. 

Ein intelligentes und witziges Buch, von dem ich hoffe, dass die Folgebände den Erwartungen, die der erste Teil geweckt hat, gerecht werden. 

4,5 Sterne

Kriegsklingen von Joe Abercrombie





Freitag, 26. Juni 2015

Changes

In einem behüteten Elternhaus wächst die 17jährige Lady Claire Trevelyan auf. Im Lyzeum nimmt sie lieber am naturwissenschaftlichen Unterricht teil als sich mit den damenhaften Künsten zu beschäftigen. Dabei kann dann schon mal ein Experiment schiefgehen. Doch ehe sie sich lange mit reuevollen Gedanken aufhält, braust sie lieber mit dem elterlichen dampfgetriebenen Landauer durch die Gegend. Nur ungerne beugt sie sich den Konventionen in Vorbereitung auf ihre Saison im Jahr 1889. Zu einer kleine Soiree bringt sie ihre Mutter dazu, auch Peony Churchill einladen zu dürfen, die mit ihrer Mutter aus Amerika kam. Doch nur zu bald gerät diese Idylle ins Wanken als sich herausstellt, dass eine Investition des Vaters verloren ist.

Als Beginn einer Reihe führt die Autorin ihre Leser in die Welt der Lady Claire ein. Ein junges Mädchen an der Schwelle des Erwachsen seins, das urplötzlich aus seiner heilen Umgebung herausgerissen wird und mit den Folgen dieser Veränderung umgehen lernen muss. Und mit ihrer ureigenen Intensität und ihrem nie verlöschenden Lebensmut nimmt Lady Claire ihre neue Situation an. Alles scheint zunächst verloren, doch unerwartet lassen sich Freunde in Umgebungen finden, wo nie mit ihnen zu rechnen war. 


Als Teaser ein durchaus schönes Stück Lesefreude, doch in dieser relativ kurzen Geschichte können Charaktere nicht so tiefgründig gestaltet werden, Erlebnisse nicht so eingehend geschildert werden wie man es sich vielleicht wünschen würde. Lady Claire ist möglicherweise schon altersbedingt noch unfertig und wirkt damit nicht immer ganz glaubhaft. Manchmal etwas sehr sprunghaft  und mit falschem Stolz schlägt sie Gelegenheiten aus, durch die ihr Leben erleichtert würden. Und so bleibt man bei einem interessanten und in etlichen Figuren auch sympathischen Ansatz doch unsicher, ob man die Reihe weiter verfolgen soll.

3 Sterne

Lady of Devices von Shelley Adina
ISN: 978-1-4635-4999-2


Dienstag, 23. Juni 2015

Maskerade

Im England des 19. Jahrhunderts leben die 17jährige Kitty und ihre 20jährige beste Freundin Mary Anne in einem Internat für junge Damen. Mary Annes Vormund lebt dabei gut von ihrem Geld und möchte sie am liebsten ewig dort festhalten und auch Kittys Tante hat andere Vorstellungen von einem ehrbaren Mädchen als die quirlige junge Halbspanien es darstellen kann. Kein Wunder also, dass die beiden jungen Frauen einiges daran setzen, ihre Situation zu verändern. Da werden zunächst eher harmlose Pläne geschmiedet, denn Mary Anne braucht ein Kleid für einen Ball, der heimlich besucht werden soll. Dass ihr auf dem Weg in den Ort ein neuer Stallbursche für Kittys Pferd vor die Füße fällt, ist schon eine besonders glückliche Fügung.

Und so reiht sich besonders zu Beginn dieses herzerfrischenden Ausflugs in die Vergangenheit eine humorige Episode an die nächste. Wahrhaft beflügelt von den Ereignissen wachsen die Mädchen über sich hinaus. In einer Epoche, in der sie als Frauen eigentlich nicht viel zu sagen haben, aber doch beginnen sich über genau diesen Umstand Gedanken zu machen, beginnen Kitty und Mary Anne ihre Fahrt ins Ungewisse und vielleicht sogar ins Glück. Schlagfertig und gedankenschnell schaffen sie es der Enge des Internats zu entfliehen und sich in heikle Situationen zu bringen. Doch glücklicherweise kann ihnen der erworbene Bursche hilfreich zur Seite stehen.

Ein kleines Feuerwerk an Ideen lässt die Autorin auf ihre Leserinnen einprasseln. Ihre blitzgescheiten Heldinnen lavieren sich in Situationen, nur um sich mit Witz und Einfallsreichtum wieder heraus zu lavieren. Da hüpft das Leserinnenherz, wobei der Vergleich mit ein heiteren und leicht frivolen Geschichten der Georgette Heyer durchaus berechtigt ist. Kein Wunder also, dass die Freundinnen nach einer turbulenten Reise durch England ihr Glück mit beiden Händen greifen können. Eine romantische Herzensverwicklung, die einem ein sonniges Lächeln beschert.

4,5 Sterne

Schneegestöber von Sophia Farago
ISBN: 978-3-955-30106-4

Montag, 22. Juni 2015

Der Camel-Club

Die Mitglieder des geheimnisumwitterten Camel-Club beobachten den Lauf der Welt. Über ihre Vergangenheit ist nicht viel bekannt und soll auch nicht viel bekannt sein. Sie sind sehr zurückgezogen und wollen eigentlich nicht in irgendwelche Ereignisse eingreifen. Doch ausgerechnet in der Nähe ihres Treffpunktes sind sie gezwungen einen Mord zu beobachten. Was kann dahinterstecken? Was können sie tun? Da es sich bei dem Aufenthaltsort um ein eher verbotenes Gelände handelt, ist eines sicher, sie können ihre Beobachtungen nicht direkt der Polizei melden. Im Verborgenen beginnen sie damit, Nachforschungen anzustellen. Währenddessen läuft auch die offizielle Maschinerie an.

Nach und nach wird hier ein Komplott offenbart, das seines gleichen sucht. Bis in höchste Kreise führen die Spuren. Ein unheimlich perfider Plan wird langsam zu Tage gefördert. Undurchsichtig zunächst, mit ruhigen Worten berichtet der Erzähler (K.Dieter Klebsch) vom Fortgang der Entwicklungen, um später in einen immer eindringlichen Tonfall fortzufahren, schließlich um die Stimme zu deutlichen Worten zu erheben. Und so wie der Vorleser seinen Tonfall ändert, so steigern sich Spannung und Anspannung. Kaum vorstellen kann man sich, was für Verbrecher hier am Werke sind, die vor Opfern nicht zurück schrecken und bereit sind harte Gegenmaßnahmen in Kauf zu nehmen. 


Wenn auch eine gewisse Konsequenz und Gradlinigkeit zu vermissen ist, so ist dieser erste Roman um den Camel-Club sehr hörenswert. Er lässt einen ob der präzisen Planung der Täter staunen, mit den Angehörigen der Opfer leiden und schließlich einige Folgen mit Erleichterung wahrnehmen. Getragen von der sehr gut passenden Stimme des Vorlesers ist packende Unterhaltung programmiert.

4 Sterne

Die Wächter von David Baldacci
ISBN: 978-3-7857-3357-8




Sonntag, 21. Juni 2015

Juliet Montague

Wie anders wäre ihr Leben verlaufen, wenn ihre Eltern sie Ethel genannt hätten, ein schön ordentlicher Name für das Kind jüdischer Eltern, die es rechtzeitig vor Generationen nach England verschlagen hat und die nicht zu den hippen Verwandten gehören. Doch in einem Anflug von Romantik hat die Mutter sie Juliet genannt. Und als 17jährige abenteuerlustige Romantikerin setzt Juliet alles daran, ihren Sehtest bei dem neuen Assistenten des Optikers George Montague durchführen zu lassen. Dieser verlässt sie allerdings nach ein paar Jahren, sie bleibt zurück mit zwei Kindern und ihrem tollen Namen, verheiratet und doch nicht verheiratet, beinahe das Schlimmste, was ihr in der jüdischen Gemeinschaft passieren kann, ist ihr Leben doch zum Stillstand verdammt. Mit dreißig jedoch entscheidet Juliet, so will sie nicht weitermachen und mit einem befreundeten Maler eröffnet sie eine Galerie.

Auch wenn die Geschichte erfunden ist, ist sie doch vom Leben der Großmutter der Autorin inspiriert. Auch diese wurde kurz nach dem Krieg von ihrem Mann verlassen und hat sich und ihren Kindern mit großer Zielstrebigkeit ein gutes Leben aufgebaut, alles daran gesetzt, den Kindern ein Besseres zu ermöglichen. Die Kraft und Energie, die die echte Großmutter dabei aufgebracht hat, spiegelt sich auch in der Gestalt Juliets wieder. Soweit es geht widersetzt sie sich der Enge der Gemeinschaft, in der sie nahezu wie eine Aussätzige behandelt wird, weil ihr Mann verschwunden ist. Sie soll ihn freundlich willkommen heißen, wenn er zurückkommt. Nur der Mann kann sich scheiden lassen. Welch eine Vorstellung in der heutigen Zeit. Doch Juliet beginnt in dem Moment ihr eigenes Leben zu führen als sie anstelle des Kühlschranks ein Portrait erwirbt. Die Liebe zur Malerei, die sie schon als Kind beflügelte, bricht sich nun die Bahn. 


Der Bruch mit den gesellschaftlichen Konventionen, eine Emanzipation zu einer Zeit und in einer Schicht, die es dieser wunderbaren Frau alles andere als leicht gemacht haben. Auch wenn Juliet nicht völlig ausbricht, erreicht sie doch so Manches, sie findet einen Beruf, den sie liebt, eine große Liebe und schließlich führt sie ein selbstbestimmteres Leben als es den Frauen normalerweise möglich war. Sie lässt sich nicht unterkriegen, sie gibt nicht auf - ein sympathisches Vorbild, dem man gerne nacheifern möchte.

4 Sterne

Die Galerie der verschwundenen Ehemänner von Natasha Solomons
ISBN: 978-3-463-40650-3


Samstag, 20. Juni 2015

Alte Kampfgenossen

Nach dem Urlaub muss Inspecteur Gilles Sebag seiner Tochter beistehen, während sie einen ersten schweren Gang antritt. Ein Schulkamerad des jungen Mädchens ist bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen und wird nun zu Grabe getragen. Auf Wunsch seiner Tochter will sich Sebag den Unfallhergang noch einmal genauer anschauen. Kaum wieder im Kommissariat steht jedoch eine Mordermittlung an, die wichtiger ist. Ein alter Mann ist erschossen worden und es scheint Verbindungen zur Gemeinschaft der Algerien-Franzosen zu geben. Doch wer kann da mehr als 50 Jahre nach der Unabhängigkeit Algeriens noch ein Interesse daran haben, einen Mord zu begehen.

Mit der recht plastischen Schilderung des Mordes an einem alten Mann startet dieser Kriminalroman, der dann mit sich eher langsam entwickelnden Ermittlungen weiter voranschreitet. Inspecteuer Sebag, der sich bisher kaum mit diesem Teil der französischen Vergangenheit beschäftigt hat, erteilt sich selbst und dem Leser eine kleine Geschichtsstunde und müht sich die Zusammenhänge zu verstehen. Welche Auswirkungen hat die Vergangenheit auf die Gegenwart, konnten die Menschen nicht loslassen. Doch ein Mitglied erklärt es recht gut, der Schmerz und die Sehnsucht hält die Gemeinschaft zusammen und er darf deshalb nicht vergehen. Doch welcher Schmerz treibt den Mörder an. Gilles Sebags Spürsinn beginnt zu arbeiten, wobei er auch den Wunsch seiner Tochter nicht außer Acht lässt. Doch oft genug wird er abgelenkt von seinen Eifersuchtsanfällen. Noch immer rätselt er, ob seine Frau eine Affäre gehabt haben könnte. Noch immer wagt er es nicht, direkt zu fragen, aus Angst der Verdacht könnte sich bestätigen.


Ein gewiefter Ermittler dieser Gilles Sebag, der seine Kollegen so manches Mal verblüfft und zur Verzweiflung bringt, da er mit seiner Intuition häufig schneller ist und Antworten parad hat, die die anderen in mühsamer Kleinarbeit gefunden haben. Ein sehr interessanter Krimi mit einem geschichtlichen Hintergrund, die dem Leser eine Thematik näher bringt, die hier vermutlich ebenso in Vergessenheit gerät wie in Frankreich oder sogar mehr noch, da keine direkte Betroffenheit besteht. Ein eher ruhiger Handlungslauf, der dennoch fesselt, lesenswert.

4 Sterne

Wetterleuchten im Roussillon von Philippe Georget
ISBN: 978-3-548-28615-0


Freitag, 19. Juni 2015

Ein geborener Tierpfleger

Nach ihrer Scheidung lebt Winnie mit ihrer 16jährigen Tochter Lacey weiter in ihrem Haus. Von der Trennung hat sich Winnie nie richtig erholt, so lebt sie vor sich hin und bemerkt nicht wie unzufrieden Lacey eigentlich ist. Eines Tages wird Winnie auf dem Weg in den Tennisclub entführt. Der Entführer versteckt sich nicht, es handelt sich um einen jungen Mann, der mit einem riesigen Leguan zusammenlebt. Winnie versteht nicht, wie es dazu kommen konnte, wieso hat er sie geschnappt, sie ist nicht reich, sie sieht normal aus. Die Reichen in der Familie sind ihr Ex-Mann und ihre Mutter, die Schönen ihre Mutter und ihre Tochter, die Berühmten ihre Mutter und ihr Ex. Wieso also Winnie.


Titel und Beschreibung versprechen entweder eine witzige, geheimnisvolle, vielleicht auch anrührende Geschichte oder einen rasanten Thriller von einer „Award-winning“ Autorin. Was man bekommt, ist schwer zu beschreiben. Mal wieder etwas, wo man an seinen Englischkenntnissen zweifelt. Bekommt man etwas nicht mit, versteht man die Nachricht nicht? Der Witz erschließt sich nicht, sympathisch ist niemand. Winnie keine Heldin, eher eine, die sich unnütz in Gefahr begibt, besonders nachdem der Entführer das erste Mal ausgerastet ist. Ihre Tochter ein verzogenes Blag. Ihr Mann ein gegen die Midlife-Crisis kämpfender etwas abgehalfterter Showman. Und der Leguan kann einfach nicht anders, er ist halt ein Leguan. Sicher gibt es viele Leser, denen genau dieses Konzept sehr gefällt, doch sicher gibt es auch andere, die im Laufe der Lektüre ins Kämpfen geraten um jede einzelne Seite, denen die Figuren mit jeder Wendung weniger sympathisch werden, der Verlauf der Handlung immer unverständlicher, die schließlich den Schluss mit Erleichterung genießen, weil sich doch irgendwie alles fügt und das Buch endlich beendet ist.

2 Sterne

The Care and Feeding of exotic Pets von Diana Wagman
ISBN: 978-1-935439-71-4

Donnerstag, 18. Juni 2015

Landreform


Zum Glück schon seit Längerem gibt es in Namibia keine Apartheid mehr. Doch immer noch sind es meist die Menschen der Urbevölkerung, die arm sind, während die anderen immer noch das Land besitzen. Um diesem Missstand zu begegnen, wurde seitens der Politik begonnen, einige der Farmer zu enteignen. Nicht alle nehmen dies gerne hin. Und so wird die Polizei eines Abend zu einem Toten gerufen, der offensichtlich erschossen wurde. Allem Anschein nach hat Georg Rodenstein eine Bande von Schwarzen erwischt als sie Teile seiner Sonnenkollektoren stehlen wollten und anstatt einfach nur zu fliehen, hat einer der drei Diebe den Farmer getötet. 

Vage schon einmal gehört, Enteignungen von weißen Farmen im Namibia. Eigentlich hört es sich ganz logisch an. Schließlich könnte man denken, die Weißen haben die Ländereien während der Kolonialzeit mehr oder weniger besetzt und in Besitz genommen. Es klingt nach Gerechtigkeit, wenn da ein Unrecht rückgängig gemacht werden soll und die ursprünglichen Bewohner des Landes ihr ureigenes Gebiet wieder einnehmen können. Doch Farmen die seit Jahrzehnten erfolgreich bestellt werden zu parzellieren und an Menschen zu vergeben, die mangels besserer Ausbildung eigentlich keine andere Chance haben, als das Land herunterzuwirtschaften, scheint auch nicht die optimale Lösung zu sein.

Um diese Problematik kreist dieser Roman. Die sympathische Polizistin Clemencia Garises ermittelt gewissenhaft und mit Intuition. Mühsam hat sie sich hochgearbeitet, farbige Polizistinnen sind doch noch ein eher seltener Anblick. Doch Clemencia passt zu ihrem Beruf, auch wenn sie gerade in diesem Fall beinahe schon persönlich betroffen ist, nimmt sie die Wanderung auf der Rasierklinge an und lässt nicht locker bis sie alle Puzzleteile zusammen hat. 


Enteignungen, Korruption, Verwandte, die einem das Leben auch nicht leichter machen, ergeben eine interessante Mischung mit viel Lokalkolorit. Man dringt tief in die Stimmungslage des Landes ein und kann schließlich mit Fug und Recht behaupten, ein klein wenig schlauer geworden zu sein. Allerdings erscheint die Darstellung gerade zu Beginn etwas trocken. Zwar packt der Krimi mehr und mehr je mehr sich die Bausteine zusammenfügen, doch so wahrhaft mitzureißen vermag das Buch nicht.

3,5 Sterne

Steinland von Bernhard Jaumann
ISBN: 978-3-463-40570-4


Dienstag, 16. Juni 2015

Vier Freundinnen sind wir

In Flagranti ertappt Claudia ihren Ehemann. Wutentbrannt erklärt sie ihre langjährige Ehe für beendet und kehrt zurück in ihre deutsche Heimat. Dort werden sie und ihr 15jähriger Sohn Mike mit offenen Armen empfangen. Beinahe scheint es als wäre sie nie fort gewesen. Die vier Mädels Hannah, Karin, Maria und Claudia sind ein Herz und eine Seele. Claudia wähnt sich sehr glücklich, eine schöne kleine Wohnung ist schnell gefunden, ein toller Job und der Chef ist auch nicht von schlechten Eltern. Doch weshalb will er die neue Liebe nicht öffentlich machen?

In diesem turbulenten Roman über eine sympathische Clique von vier Freundinnen passiert so einiges. Claudia, die Hauptperson muss einige Schicksalsschläge überwinden und auch im Leben ihrer Freundinnen gibt es einige Aufs und Abs. So hat Karin mit ihren fünf lebhaften Kindern gut zu tun, während es Marie manchmal sehr traurig stimmt, dass sie noch keine Kinder hat. Hannah, dagegen, ist die toughe im Bunde, die lieber eine Affäre genießt als sich fest zu binden. 

Diese quirligen jungen Damen, die bald ein mittleres Alter erreichen, machen ihren Lesern viel Freude. Wenn auch eher ein Buch des leichteres Genres, überzeugen die Freundinnen mit ihrer Warmherzigkeit und Lebendigkeit. Man sagt sich manchmal: Gute Entscheidung, dann wieder fragt man sich: Was macht sie denn nun? um schließlich zu kichern und zu grinsen. Nur am Schluss geht alles ein wenig schnell, so dass man sich herausgerissen fühlt aus dieser heimeligen Atmosphäre. 


In ihrer Danksagung schließlich lässt die Autorin ihre Leser teilhaben am Vorgang der Schöpfung, den sie gemeinsam mit ihrem Roman durchlebt hat und man gewinnt einiges an Verständnis dafür welch intensive Zeit und harte Arbeit zu dem Ergebnis eines fluffig amüsanten Werkes führt. 

4 Sterne

Auf die Freundschaft von Annika Bühnemann
ISBN: 978-3-8476-4574-0

Sonntag, 14. Juni 2015

Endreinigung

Die Saison neigt sich dem Ende zu, nachdem die letzten Mieter Gunnars Ferienwohnung verlassen haben, will er reinemachen, um das Haus für den Herbst zu schließen. Dabei geht er besonders gründlich zu Werke, auch die letzte Ecke soll sauber sein. Als er auf dem Dachboden einen seltsamen Geruch wahrnimmt, öffnet er auch die alte Truhe. Dort blickt ihm die Leiche einer wohl älteren Frau entgegen, die nicht erst seit gestern in der Truhe liegen kann. Entsetzt ruft Gunnar die Polizei.  Schon bald ist das gesamte Ermittlerteam vor Ort und Sven Lundquist beginnt mit dem Zusammentragen der Informationen. 

Sehr erschreckend, auf dem eigenen Dachboden eine Leiche zu finden. Wie kann sie nur dorthin gelangt sein. Schließlich war das Haus kaum je unbeaufsichtigt. Ob sogar die Feriengäste eine unliebsame Verwandte loswerden wollten. Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für den Teil der Presse, die ihrer Meinung nach zu vielen Fremden im Land skeptisch gegenüber steht, selbst wenn es nur Urlauber sind, die das Land doch eh wieder verlassen. Und so gestalten sich die Ermittlungen erstmal schwierig.

Spannend und nervenaufreibend beginnt dieser Krimi. Gleich zu Beginn wird man der Psyche des Mörders ausgesetzt und muss der Tat folgen. In der Folge erstaunlich, dass die Nachforschungen bei den Feriengästen mehr im Vordergrund zu stehen scheinen als die Ermittlungen am Fundort. Man fragt sich als Leser schon, ob der Schwerpunkt hier nicht doch etwas eigentümlich gesetzt wird. Hinzu kommt die Umwälzungen im Privatleben des Kommissars, Probleme tauchen auf, mit denen es umzugehen gilt. Doch wirkt die gesamte Komposition manchmal etwas sprunghaft. Zeit wird auf Nebenschauplätzen vertändelt und die Gradlinigkeit geht etwas verloren. 


Für ein recht preisgünstiges ebook eine unterhaltsame Lektüre, doch ist es eher fraglich, dass die Personen lange die Erinnerung bestimmen.

3 Sterne

Ferienhaus für eine Leiche von Franziska Steinhauer
ISBN: 978-3-938568-73-6


Freitag, 12. Juni 2015

Letzte Fahrt

1940 in Paris, der Orient-Express startet zu seiner vorerst letzten Fahrt. In seinen eleganten Schlafwagen und dem Speisewagen sind unterschiedlichste Gäste unterwegs. Angefangen bei König Carol von Karpatien bis zu Ingolf Helmbrecht, einem Deutschen, der nicht so deutsch erscheint. Unterschiedlichste Menschen auf einer gemeinsamen Reise unter der Bedrohung durch die Deutschen, die zu Beginn des Krieges alle Macht in Europa innehaben. Sogar Wagen der deutschen Bahn werden im Laufe der Reise an den Zug gehängt und so ist der Feind außerordentlich nah. Geheime Pläne werden geschmiedet, Komplotte vorbereitet, der Versuch von Rettungsaktionen gestartet. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern, etliche wohl gemeinte Aktionen drohen schief zu gehen. 

Eine Welt zwischen den Welten, in der sich Menschen treffen, die sich sonst kaum je begegnen würden, kaum je begegnen möchten. Nahezu jeder scheint neben dem offensichtlichen noch andere Ziele zu verfolgen. Während der Kriegswirren, die in Europa herrschen, bildet der Zug auf seiner Fahrt zu Beginn fast eine friedliche Sonderzone, der der Krieg draußen nichts anhaben kann, auch wenn er natürlich viele der Handlungen bestimmt. Vieles ist da nicht so wie es scheint, vermeintlich harmlose Reisende entpuppen sich als gefährlicher als es die täuschend echt zur Schau gestellte Maske vermuten lässt. 

Gemächlich beginnt der Zug seine Fahrt, nimmt Geschwindigkeit auf, wird schneller bis er schließlich kaum noch zu stoppen ist. Und so ähnlich könnte man auch den Gang der Geschichte beschreiben. Verwickelt und immer wieder überraschend bietet sie dem Leser eine beeindruckende letzte Fahr auf dieser Strecke. In Teilbereichen an geschichtliche Wahrheiten angelehnt entwickelt sie sich zu einem Lehrstück über einen kleinen Ausschnitt des Krieges. Empfehlenswert ist auch ein Besuch auf der liebevoll gestalteten web-site zu dem Buch. Der Abschluss wirkt dabei fast wie ein Neubeginn. 


Die Hörfassung des Romans wird mitreißend vorgetragen von Oliver Rohrbeck, der den handelnden Personen eine Stimme gibt. Die Ausstattung des Hörbuchs umfasst eine wunderbar gestalteten Folder, in dem die Route des Zuges, die Wagenaufteilung und die handelnden Personen vorgestellt werden.

4 Sterne

Welt in Flammen von Benjamin Montferat
ISBN: 978-3-89964-795-2


Mittwoch, 10. Juni 2015

Hätte mir noch mehr Tiefgang gewünscht (Gastrezension)

Ein überraschender Brief und zwei Steine bringen das Leben der TV-Moderatorin Hannah Farr gehörig durcheinander. Nach so langer Zeit bittet ihre ehemalige Schulkollegin Fiona Knowles sie um Vergebung für ihre damaligen Sticheleien und Hetzjagden. Doch auch nach all den Jahren tut sich Hannah noch schwer, ihr zu vergeben, denn Fiona hat durch ihr Verhalten damals ohne ihr Wissen Dinge in Gang gesetzt,die ihr Leben von Grund auf verändert haben. Nach und nach erst wird Hannah bewusst, dass die Dinge mitunter anders sind, als sie scheinen. Und so sind die von Fiona erhaltenen Versöhnungssteine für Hannah Anlass, sich auf ihr eigenes Leben zu besinnen und sich auf die Suche zu begeben: die Suche nach ihrer verloren geglaubten Mutter und sich selbst.
Spielmans Buch "Nur einen Horizont entfernt" ist eine anrührene Geschichte über eine Mutter-Tochter Beziehung sowie die Themen Schuld und Vergebung. Die Geschichte hat mich in ihren Bann gezogen und zum Nachdenken angeregt. Die Protagonisten sind plastisch beschrieben, so dass man sich mit einigen mehr (Dorothy), mit anderen weniger (MIchael, Claudia) anfreunden kann. Die Autorin hat zwar einige überraschende Wendungen eingebaut, doch ich fand die Geschichte insgesamt recht vorhersehbar. Dies hat den Lesegenuss etwas getrübt, zumal mir auch die Tendenz zu Schwarz-Weiß-Malereien nicht zugesagt hat. Dennoch freue ich mich auf das neue Buch der Autorin, das dann hoffentlich noch etwas mehr Tiefgang hat.

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Nur einen Horizont entfernt von Lori Nelson Speilman
ISBN: 978-3-8105-2395-2




Laura und Owen

Die McCarthys von Gansett Island sind eine große Familie. Eltern, Kinder, Cousins, Cousinen und auch ihre guten Freunde gehören zu ihrem Leben und ihrer Gemeinschaft. Schon seit einiger Zeit hat Owen, der eigentlich nie länger an einem Ort zu hause ist, das Gefühl, bei Laura möchte er bleiben. Dass sie das Kind eines anderen erwartet und mit diesem auch noch verheiratet ist - egal, sie ist die Eine. Auch Laura geht es nicht viel anders, ihr künftiger Ex-Mann hat sich gleich nach der Hochzeit mit anderen Frauen getroffen und die Ehe ist somit sehr schnell zerbrochen. Laura ist dankbar, dass ihr der attraktive Owen durch die erste schwere Zeit ihrer Schwangerschaft geholfen hat. 

Bei den Büchern um die McCarthys handelt es sich um eine Reihe, die unterdessen schon aus 12 Bänden besteht. Die Geschichten der verschiedenen Familienmitglieder und ihrer Freunde werden dabei warmherzig und fortlaufend erzählt. In jedem der Bücher tritt eines der Paare etwas mehr in den Vordergrund, doch auch die anderen werden nicht außer Acht gelassen. Deshalb mag es günstiger sein, die Bände in der vorgeschlagenen Reihenfolge zu lesen. Unterlässt man das, kann es geschehen, dass der Lauf der Geschichte etwas verworren wirkt. Vielen Pärchen und ihren Verwandten wird nahezu gleich viel Raum eingeräumt, wohingegen die vermeintlichen Hauptpersonen beinahe etwas zu kurz kommen. Ist man also nicht 100%ig in der Reihe drin, wird es doch eher unübersichtlich. Man fragt sich, wer sind die denn? Auch wenn manche sehr prickelnde Storys angerissen werden. 


Es bleibt die sehr schön warmherzige Art der Autorin zu schreiben, die einen die Bücher gerne lesen lassen. Leider blitzte manchmal etwas zu wenig davon auf. Nichtsdestotrotz bleibt die Lektüre sehr unterhaltsam und weckt den Wunsch auf Gansett Island einmal Urlaub zu machen, was nur leider nicht möglich ist, da dieser schöne Ort vor Amerikas Ostküste der Phantasie der Autorin entsprungen ist.

3 Sterne

Season for Love von Marie Force
ISBN: 978-0-9850-3412-2


Dienstag, 9. Juni 2015

Krass

Kann es Zufall sein? Innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums nehmen sich fünf Polizeibeamte verschiedener Inspektionen das Leben. Die BKA-Ermittlerin Johanna Krass wird gebeten sich die Todesfälle einmal genauer anzuschauen, nur um sicher zu gehen, dass nicht mehr dahinter steckt. Aus Wolfsburg stammend und nun in Berlin tätig ist sie besonders geeignet, die Fälle, die eben hauptsächlich an diesen Orten auftraten, zu bearbeiten. Die als mitunter unbequem bekannte Johanna Krass macht sich bald ans Werk und findet schnell einige Ansätze, die wegen der offensichtlichen Todesarten ursprünglich nicht weiter verfolgt wurden. Tatsächlich findet sie Gemeinsamkeiten unter den Todesfällen, die sie veranlassen, die Selbstmordthese abermals genau zu überprüfen.

Unglaublich, welcher Sache Kommissarin Johanna Krass da auf die Spur kommt. Durch geschicktes Nachfragen findet sie Dinge heraus, die sie nie wissen wollte. In dem meisten der Todesfälle deutet nichts im Leben der Verstorbenen auf eine Selbstmordgefährdung hin, im Gegenteil, es schien ihnen gut zu gehen. Nur zögerlich wird Krass von den örtlichen Kollegen unterstützt, doch auf ihre Kollegin Toni kann sie sich verlassen. Und mit jedem Hinweis findet sie langsam auf das Gehör einer Staatsanwältin.


Ebenso wie Kommissarin Krass möchte man als Leser auch einige Dinge nicht wissen, doch die Art und Weise, wie die Autorin ihre Leser mit ihrem Thema konfrontiert, wirkt sehr fesselnd. Man kann es kaum glauben, aber man kann das Buch auch nicht aus der Hand legen. Man wünscht sich einfach, dass ein solches Szenario nicht möglich ist und doch bestehen berechtigte Zweifel an der Unmöglichkeit. Gerade das macht den Reiz dieses Krimis aus. Man beschäftigt sich mit einem anderen Ansatz, man wird eingeladen mal anders zu denken, das Unglaubliche in Betracht zu ziehen. Zwar drängen sich gewisse Lösungsansätze auf und der Schluss kommt sehr realistisch daher, aber die Idee und die Schilderung der akribischen Ermittlungsarbeit bieten spannende Unterhaltung. Sehr guter Krimi, der ermuntert, nicht alles gleich zu glauben.

4 Sterne

Berlin Wolfsburg von Manuela Kuck
ISBN: 978-3-89705-981-8


Sonntag, 7. Juni 2015

Kaltes Frühjahr

Ein älteres Ehepaar wird tot in seiner Wohnung aufgefunden, beide weisen Schusswunden auf, es sieht so aus, als habe der Mann zunächst seine Frau umgebracht und dann sich selbst. Die Ermittlungsgruppe soll eigentlich nur feststellen, dass es sich tatsächlich um einen Selbstmord handelt. Doch bald tauchen Ungereimtheiten auf, die aus der Überprüfung einen Fall werden lassen. Alex Recht, Leiter der Gruppe, deren Fortbestehen auf der Kippe steht, sorgt sich um seine Mitarbeiter. Besonders die schwangere Fredrika Bergman behält er im Blick, ihre Schwangerschaft ist nicht leicht, sie ist kaum in der Lage zu arbeiten. Um ihre Situation zu erleichtern, gibt er ihr die Akte eines Unfallopfers.

Ganz harmlos fängt es an, zwei Ermittlungsaufträge, die eigentlich keine Fälle darstellen dürften, so als solle die Ermittlungsgruppe ihre eigene Überflüssigkeit feststellen. Von den eigenen Problemen und Befürchtungen abgelenkt, beginnen die Kommissare und Fredrika, die eine zivile Angestellte ist, eher lustlos mit den Nachforschungen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass die Ergebnisse vielschichtiger und wenige eindeutig sind als zunächst vermutet und der Eifer der Polizisten ist geweckt. Auch wenn sie vielleicht untereinander Konflikte zu lösen haben, sind sie nun mit der Hartnäckigkeit geschulter Spürhunde auf der Suche nach der Lösung.


Zu Beginn eher von den privaten Entwicklungen im Leben der jeweiligen Ermittler geprägt, entwickelt sich dieser Roman bald zu einem packenden Thriller. Mehrdimensionale Entwicklungen führen zu einem fulminanten und so nicht zu erwartenden Finale. Die vergeblichen Versuche etwas zu kitten oder auch nur aufzuhalten bringen Taten hervor, die nur in die Vorstellungswelt der behüteten Normalbürger passen. Viele Kleinigkeiten bilden schließlich ein erschreckendes Bild eines Tathintergrundes. Ein Thriller, der zu Recht hoch gelobt wird.

4 Sterne

Tausendschön von Kristina Ohlsson
ISBN: 978-3-8090-2592-4





Samstag, 6. Juni 2015

Tee Allerlei

Als Gastprofessor erhält Dr. Dr. Adalbert Bietigheim einen Ruf an die ehrwürdige Universität in Cambridge. So recht weiß er nicht, ob er sich darüber freuen soll oder ob er es eher mit der Angst zu tun bekommt, denn seine beiden Vorgänger wurden ermordet. In erster Linie jedoch ist seine Neugier geweckt und sein Wille das Rätsel um die Toten zu lösen. Nebenbei wird er natürlich noch ein paar Lektionen über die Teekultur erteilen. Doch zunächst einmal möchte er sich in der neuen Umgebung heimisch fühlen. Ausgerecht das wird ihm durch verleumderische Presseveröffentlichungen schwerer gemacht als erhofft. Diesen Schreiberling wird der Professor zwingen, die Dinge gerade zu rücken.

Mit erhellenden fast schon erleuchtenden Weisheiten den Tee betreffend, doch auch mit ganz irdischen Dingen erfreut dieser kulinarische Krimi seine Leser. Interessant, zu lesen, was es mit den unterschiedlichen Teesorten auf sich hat, welche Wirkung sie erzielen und was in Wahrheit gar kein Tee ist. Aufbauend auf diesen kleinen aber feinen Weisheiten kann der Leser dem urigen Prof. Dr. Dr. Bietigheim durch das englische Uni-Idyll folgen, unter dessen Oberfläche die Idylle schnell Risse bekommt. Wer hat da mit wem geforscht? Wer hat Neider? Wer ist Neider? Bietigheim sitzt zwischen allen Stühlen, doch sein analytisches Gehirn arbeitet fleißig und präsentiert so manchen Geistesblitz. Kumpel und Bodyguard des Professors Pit Kossitzke ist dann mehr fürs Handfeste zuständig. Und so erlebt der Professor seine Rückkehr nach Cambridge als aufregendes Abenteuer, das seinen Spürsinn auf die rechte Weise beschäftigt.


Ein Krimi, der einlädt, Urlaub zu machen. Man möchte die alte Universitätsstadt besuchen und auf des Professors Spuren wandeln. Gut vorstellbar, sich beim Lesen dieses unterhaltsamen Büchleins, mit einem der „Punts“ über die Cam staken zu lassen, allerdings nicht unbedingt während des häufig erwähnten sich auf verschiedenste Arten ergießenden Regens.

3,5 Sterne

Der letzte Aufguss von Carsten Sebastian Henn
ISBN: 978-3-86612-256-7

Freitag, 5. Juni 2015

Loneliness, Happiness

Auf Jahre verpflichtete sich Arthur Bowman bei der Ostindienkompanie. In Afrika und Asien verdingte er sich als Söldner, ein harter Hund, der beinahe mit Blicken töten konnte. Von seinen Vorgesetzten wird er auf eine Mission geschickt, die nur ein Todesurteil bedeuten kann. Eine Möglichkeit dieses hoffnungslose Unterfange abzulehnen besteht nicht und so begibt sich Bowman mit dreißig Männern auf eine Dschunke, die den Fluss Irrawaddy hinauf fahren soll. Es geht schief, was schief gehen kann und später im Jahr 1859 als Bowman bei der Londoner Polizei als Streifenpolizist tätig ist, ist er nur noch ein kriegsgeschädigtes drogen- und alkoholsüchtiges Wrack. Gerade Bowman jedoch findet eine schwer verstümmelte Leiche und er selbst gerät in Verdacht, den Mord begangen zu haben.

Was für eine Achterbahnfahrt bietet dieser Roman, man ist gezwungen in die gestörte Psyche eines abgehalfterten Soldaten einzutauchen, der doch in entscheidenden Momenten so etwas wie Mitleid zeigt, der die  Fähigkeit besitzt, Urteile nicht zu vollziehen, der für sich selbst auf die Suche nach einer Wahrheit ist. Er ist sich ziemlich sicher, dass er den Mord nicht begangen hat, doch er ist auch fast sicher, dass er den Mörder an der Art des Tötens einer bestimmten Gruppe, zu der er selbst gehört, zuordnen kann. Bowman folgt den Spuren, die diese Männer hinterlassen haben. Immer wieder seiner Sucht nachgebend, beinahe aufgebend und doch hartnäckig in dem Wunsch seine Unschuld zu beweisen. Einen kleinen Trost findet er in Thoreaus Walden, dessen Lektüre ihn zur Ruhe kommen lässt. 


Aufrüttelnde Schilderungen des Soldatenalltags, der Unfähigkeit der Kriegsheimkehrer, das Erlebte zu bewältigen, wechseln sich mit fast zarten Beschreibungen der Landschaft ab. Grausamkeiten, in aller Deutlichkeit dargestellt, stehen einer flirrenden Schönheit gegenüber. Gegensätze, die die Lektüre nicht leicht erträglich werden lassen, die aber außerordentlich fesseln. Eine Geschichte, in die man eintauchen kann, die einen die Hitze des Dschungels ebenso spüren lässt, wie die Kühle der Wälder, die einen die weiten Ebenen der Prärie ebenso sehen lässt, wie die Enge der Städte. Arthur Bowman ist kein Held, dem man sich leicht nähert, mit widersprüchlichen Charaktereigenschaften ausgestattet zeigt er dem Leser seine wahre Größe erst nach einer Durchwanderung der halben Welt. Seine Härte birgt Liebe und Verzeihen in sich und das macht ihn zu einem Helden, der beeindruckt.

4,5 Sterne

Die sieben Leben des Arthur Bowman von Antonin Varenne
ISBN: 978-3-570-10235-0





Donnerstag, 4. Juni 2015

Sarah vom Haus Longbourn

Glücklich und unbeschwert leben die Bennets im Haus Longbourn. Ob ihnen überhaupt bewusst ist, welche Last ihnen ihre wenigen Bediensteten abnehmen? Mr. und Mrs. Hill, die ersten der Diener, Sarah und Polly, die beiden Mädchen. Sie alle arbeiten schwer, von morgens bis zum Abend mühen sie sich, um das Leben der Bennets leicht zu machen und deren manchmal gedankenlos ausgesprochenen Wünsche zu erfüllen. Eine große Erleichterung bringt da die unplanmäßige Einstellung des jungen James Smith, der mit frischen Kräften einige der schwereren Tätigkeiten übernehmen kann. Doch James scheint ein Geheimnis zu umgeben und Sarah setzt Einiges daran, das Rätsel zu lösen.

Viele, die die Geschichte von Elizabeth und Mr. Darcy kennen, können sich mit Interesse diesem Roman zuwenden, in dem die Bennets lediglich den Rahmen bilden für den Einblick in das Leben und Erleben der Dienerschaft. Die, die üblicherweise Randfiguren bleiben, bekommen hier einen Teil der Aufmerksamkeit geschenkt, die ihnen wohl häufiger gebühren würde. Von der Herrschaft zwar nicht schlecht behandelt, müssen Sarah und die anderen Diener doch tüchtig schuften, ohne großen Dank erwarten zu dürfen. Aufgaben werden ihnen aufgebürdet, ohne dass darüber nachgedacht wird, wie das überhaupt zu schaffen ist. Es scheint als sei es den Herrn gleichgültig, dass auch die Diener ein Leben haben, Träume, Wünsche und Gefühle. Genau davon erzählt dieser Roman und lädt die Leser ein, denen die Aufmerksamkeit zu schenken, die sonst schnell vergessen werden.Dabei wartet die Autorin mit einigen Überraschungen auf, die die Protagonisten sehr menschlich und authentisch erscheinen lassen. So könnte es gewesen sein. Ein Haus voller Leben und der angerührte Leser mitten drin. Doch leider leider verändert die Autorin im Verlauf der Handlung ihren Kurs, Exkursionen und Zeitsprünge bringen Unruhe und Verwirrung fast als sei der Handlungsbogen etwas zerfasert, als sollte der Roman auf eben diese Art beschlossen werden, die letztlich nicht zu dem beschaulich und ruhig dahinfließenden Beginn passt.

Dennoch eine wunderschöne phantasieanregende Idee in eine mäandernde Handlung gegossen, zwar kein Muss, doch eine liebenswert abrundende Ergänzung zur Geschichte der Bennets von Longbourn Haus.

3,5 Sterne

Im Hause Longbourn von Jo Baker
ISBN: 978-3-8135-0616-7





Montag, 1. Juni 2015

School's out for ever

Bereits mitte Vierzig ist Willibald Adrian Metzger, man könnte also meinen, er habe die Schulzeit lange hinter sich gelassen. Diese war nicht gerade lustig für den damals dicklichen Metzger, der derjenige war, der in jede Mannschaft als Letzter erwählt wurde. Seltsam, dass ihn sein Arbeitsweg an seiner Schule vorbeiführt und als wollte sich die Zeit in Erinnerung bringen, stolpert der Metzger eines Abends über einen ehemaligen Klassenkameraden. Einen derer, die ihn am meisten drangsalierten. Doch damit ist es nun vorbei, denn der Dobermann ist tot. Entsetzt läuft der Metzger zur Polizei, um gleich die nächste unheimliche Begegnung zu erleben, ihm gegenüber steht sein alter Klassenkamerad Eduard Pospischill.

Nach einigen der Folgebände nun auch zum ersten Band der Reihe vorgedrungen, der bereits verfilmt und im Fernsehen ausgestrahlt wurde, könnte man einige Überraschung empfinden, ob der Schwermut, die die Lektüre verbreitet. Hat der Metzger insgeheim doch unter seiner Schulzeit gelitten, wird er nun in der Mitte des Lebens nochmals mit ihr konfrontiert. Im Guten sowie im Schlechten so scheint es, doch auf jeden Fall muss er sich damit beschäftigen. Mit seiner eigenen Herangehensweise lädt er seine ehemaligen Mitschüler zu einem Klassentreffen ein, anonym natürlich, denn würde er seinen Namen nennen, bestünde doch die nicht unerhebliche Gefahr, dass niemand den Termin wahrnimmt. Erst nach und nach weichen Schwermut und unangenehme Erinnerungen der intensiven Denkarbeit und der Hoffnung auf eine freundlichere Zukunft. Denn bei der Rückkehr in die Schulhallen begegnet er seine fast Jugendliebe Danjela wieder. Als junger Abiturient erschien sie ihm unerreichbar, verheiratet mit dem alten Hausmeister, doch nun verwitwet putzt sie immer noch getreu die alte Schule. Als habe sie dort auf den Metzger gewartet, dass er erscheint, um seiner Vergangenheit zu begegnen.


Es bleibt das Fazit, dass wer den neueren Metzger mit großer Freude und Vergnügen auf sein Lesesofa holt, möglicherweise den Älteren, der eigentlich der Jüngere ist, als etwas träge und gehemmt empfinden wird. Anderen, die die früheren Erlebnisse des Metzgers ergriffen haben, werden die Späteren vielleicht als zu leicht und humorig vorkommen. 

3,5 Sterne

Der Metzger muss nachsitzen von Thomas Raab
ISBN: 978-3-499-24773-6