Montag, 1. Juni 2015

School's out for ever

Bereits mitte Vierzig ist Willibald Adrian Metzger, man könnte also meinen, er habe die Schulzeit lange hinter sich gelassen. Diese war nicht gerade lustig für den damals dicklichen Metzger, der derjenige war, der in jede Mannschaft als Letzter erwählt wurde. Seltsam, dass ihn sein Arbeitsweg an seiner Schule vorbeiführt und als wollte sich die Zeit in Erinnerung bringen, stolpert der Metzger eines Abends über einen ehemaligen Klassenkameraden. Einen derer, die ihn am meisten drangsalierten. Doch damit ist es nun vorbei, denn der Dobermann ist tot. Entsetzt läuft der Metzger zur Polizei, um gleich die nächste unheimliche Begegnung zu erleben, ihm gegenüber steht sein alter Klassenkamerad Eduard Pospischill.

Nach einigen der Folgebände nun auch zum ersten Band der Reihe vorgedrungen, der bereits verfilmt und im Fernsehen ausgestrahlt wurde, könnte man einige Überraschung empfinden, ob der Schwermut, die die Lektüre verbreitet. Hat der Metzger insgeheim doch unter seiner Schulzeit gelitten, wird er nun in der Mitte des Lebens nochmals mit ihr konfrontiert. Im Guten sowie im Schlechten so scheint es, doch auf jeden Fall muss er sich damit beschäftigen. Mit seiner eigenen Herangehensweise lädt er seine ehemaligen Mitschüler zu einem Klassentreffen ein, anonym natürlich, denn würde er seinen Namen nennen, bestünde doch die nicht unerhebliche Gefahr, dass niemand den Termin wahrnimmt. Erst nach und nach weichen Schwermut und unangenehme Erinnerungen der intensiven Denkarbeit und der Hoffnung auf eine freundlichere Zukunft. Denn bei der Rückkehr in die Schulhallen begegnet er seine fast Jugendliebe Danjela wieder. Als junger Abiturient erschien sie ihm unerreichbar, verheiratet mit dem alten Hausmeister, doch nun verwitwet putzt sie immer noch getreu die alte Schule. Als habe sie dort auf den Metzger gewartet, dass er erscheint, um seiner Vergangenheit zu begegnen.


Es bleibt das Fazit, dass wer den neueren Metzger mit großer Freude und Vergnügen auf sein Lesesofa holt, möglicherweise den Älteren, der eigentlich der Jüngere ist, als etwas träge und gehemmt empfinden wird. Anderen, die die früheren Erlebnisse des Metzgers ergriffen haben, werden die Späteren vielleicht als zu leicht und humorig vorkommen. 

3,5 Sterne

Der Metzger muss nachsitzen von Thomas Raab
ISBN: 978-3-499-24773-6

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen