Mittwoch, 8. Juli 2015

Die Fischer

Eines Morgens sagt der Vater, er müsse in die nächste Stadt ziehen, um seine Arbeit zu behalten. Zwar ist die Mutter, die die fünf Söhne und die kleine Tochter dann alleine hüten muss, nicht einverstanden, aber es hilft nichts. Und ohne die gerechte Strenge des Vaters kommen die Jungen, die zwischen 16 und neun Jahren alt sind, auf dumme Gedanken, wie es in diesem Alter schon mal sein kann. Sie fangen an im Fluss, zu angeln, die Älteren fangen, an zu streiten, der Älteste fängt an, sich gegen die Mutter, den Vater und auch die Geschwister aufzulehnen.

Aus hiesiger Sicht  eine ganz normale Geschichte könnte man meinen, denn wer kennt es nicht, das Alter, in dem man gegen alles rebelliert, rebellieren muss. Doch im Nigeria des Jahres 1996 entwickelt sich der Weggang des Vaters aus der wirtschaftlichen Not geboren zur Katastrophe. In einem Lebensabschnitt wo die jungen Rebellen eine Reibungsfläche brauchen, um sich zu formen, kann die Mutter alleine dies nicht bietet. Die Jungen, für die der Vater hochfliegende Träume von akademischen Berufen hegt, fangen an, im naheliegenden Fluss zu fischen. Schon nach kurzer Zeit werden sie erwischt und vom Vater während seines Wochenendbesuchs bestraft. In seiner Enttäuschung über die vermeintliche Wahl dieses einfachen und traditionellen Berufs fällt die Strafe etwas hart aus. Zu spät erkennt der Vater das, denn der Älteste Sohn hat sich nun gegen die Familie gewandt. 


Ein eher harmloses Ereignis, durch welches letztlich ein Unheil nach dem anderen heraufbeschworen wird. Westliche Werte vermischen sich mit ursprünglichem Aberglauben an Flüche und Prophezeiungen, wobei letztlich nicht von beiden Welten das Beste bleibt, sondern eher im Gegenteil der Kampf der Traditionen zu großem Unglück führt. Alle Träume sind zerplatzt, die Hoffnung auf eine bessere Zukunft liegt in Scherben. Die Geschichte einer Familie, die wie ein Gleichnis auf eine Gesellschaft wirkt, in der ein Umbruch zunächst einmal in eine dunkle Epoche mündet. Eine Story, die verstört und schwer zu ertragen ist, aber die dennoch fesselt.

4 Sterne

Der dunkle Fluss von Chigozie Obioma
ISBN: 978-3-351-03592-1


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