Sonntag, 30. August 2015

Achterbahn

Der Stern der einstmals so bekannten Fotografin Rebecca Winter ist am verblassen. Die Tantiemen fließen nicht mehr so, doch die Kosten fallen nicht. Deshalb vermietet die 60jährige Rebecca ihr Apartment in New York und zieht aufs Land. Es soll nur für eine Übergangsfrist sein. Allerdings kann Rebecca es nicht ganz vermeiden, die Bewohner des kleinen Ortes kennenzulernen, an den es sie verschlagen hat. Da ist zunächst der Dachdecker Jim, der ihr hilft, den Waschbären loszuwerden, und Sarah, die Inhaberin des lauschigen Cafés, deren Mundwerk manchmal nicht stillsteht und die doch so warmherzig ist.

Durch eine wohlwollende Besprechung war die Neugier geweckt und die Ankunft dieses Buches mit Spannung erwartet. Die Lektüre entwickelte sich dann zu einer kleinen Achterbahnfahrt zwischen etwas öde und grandios. Momente recht trockener Beschreibungen wechseln sich ab mit Szenen großer Emotionen. Zu Beginn scheint Rebecca fast mit ihrer Kunst abgeschlossen zu haben, nicht in der Lage ihre berühmteste Serie aus frühen Zeiten in irgendeiner Form neu zu erschaffen. Sehr unwohl fühlt sie sich in dem kleinen Häuschen, wo alles knackt und knirscht. Nur langsam erschließt sie sich ihre Umgebung und nimmt dabei auch die Kamera zur Hilfe. Doch wenn es richtig ist, sieht man es und zunächst ist nicht viel zu sehen. Mit der Zeit beginnt Rebecca, sich auf den Ort und seine Menschen einzulassen und als ob der Ort etwas zurückgeben wollte, zeigt er ihr ein Motiv.


Und so entwickelt sich schließlich eine etwas bittersüße Wandlung einer fast vergessenen Fotografin in eine in sich ruhende Persönlichkeit, die wieder wirkungsvolle Fotos hervorbringt. Ein spätes Glück, das Hoffnung auf einen überdauernden neuen Anfang macht. Ein neuer Anfang, der Zeit benötigt und die Fähigkeit Verluste betrauern zu können, ohne in der Trauer zu versinken, den Mut, die Wärme des Neuen zu empfangen und im richtigen Moment festzuhalten. 

4 Sterne

Still Life with Bread Crumbs von Anna Quindlan
ISBN: 978-0-099-59169-6


und hier die Leseprobe zur deutschsprachigen Ausgabe:





Samstag, 29. August 2015

Neun Monate

Die Schwestern Rosalind, Bianca und Cordelia sind in einem ruhigen Universitätsstädtchen in Ohio aufgewachsen. Ihr Vater ein Literaturprofessor, der wie an ihren Namen unschwer zu erkennen ist, ein Faible für Shakespeare hat, scheint immer die Nase in einem Buch zu haben. Doch in einem Jahr, die Schwestern sind so um die dreißig Jahre, wird bei ihrer Mutter Krebs entdeckt. Rose, deren Freund nach seinem Abschluss ein Stipendium in England angetreten hat, zieht wieder bei den Eltern ein. Bianca kommt aus New York zurück, beladen mit einer Last, von der sie niemandem erzählen möchte. Auch Cordelia kehrt heim, allerdings nicht unbedingt, um der Mutter zu helfen, sondern weil sie selbst ziemlich fertig ist und schwanger.

Die Schwestern hadern mit ihrem Leben, ihren Eltern und der Bürde ihrer großen Namen, denen sie mehr oder weniger gerecht werden. Jede hat ihre eigenen Probleme, Träume, Wünsche und Unzulänglichkeiten, mit denen sie fertig werden muss. Überschattet werden die kleineren oder größeren Baustellen der jungen Frauen durch die schwere Krankheit der Mutter. Diese muss einen harten Kampf um ihre Gesundheit ausfechten, mit Demut und Mut nimmt sie ihren Weg an. Der Vater gerät dabei ein wenig zu einer verschwommenen Nebenperson, die mit Shakespeare-Zitaten die Stichworte gibt. Doch auch die Geschichten der Schwestern wirken nebeneinander her, jede scheint in ihren eigenen Gedanken versponnen, es scheint wenige Gemeinsamkeiten zu geben. Dennoch macht jede eine Entwicklung zu einem erwachseneren Ich durch.


Durch die eigenartig persönlich unpersönliche Erzählperspektive hält die Autorin ihre Leser auf Distanz. Man gewinnt den Eindruck, der Erzählung einer der Schwestern zu lauschen, doch wird nie offenbart, welche der Drei es sein könnte. Das mögen verschiedene Leser unterschiedlich empfinden. Es erschwert es jedoch, sich auf die einzelnen Persönlichkeiten einzulassen, man schafft es kaum, sich für sie zu erwärmen. So bleibt zwar eine schöne Idee, die allerdings zu einer recht kühlen und befremdlichen Ausführung gelangt ist, die trotz des Wachsens und Zusammenwachsens der Schwestern, eher kalt lässt. 

3 Sterne

Die Shakespeare Schwestern von Eleanor Brown
ISBN: 978-3-456-35835-0


Donnerstag, 27. August 2015

Die Rose von Cimarron

Roseanne Hazlitt wird schwer misshandelt aufgefunden und stirbt im Krankenhaus. Ihr Freund Lucas, mit dem sie an ihrem letzten Abend gesehen wurde, wird des Totschlags verdächtigt und gefangen genommen. Texanische Gefängnisse sind nicht schön und nicht nur deshalb engagiert Lucas` Vater Vernon den Anwalt Billy Bob Holland. Holland, der ehemalige Ranger und Bundesanwalt, macht sich auf die Suche nach der unschönen Wahrheit. Lucas kann zu so einer Tat eigentlich nicht fähig sein. Doch die Indizien sprechen gegen ihn. Erst die neu Polizistin Mary Beth gibt Holland einen Tip, der ihn bei seinen Nachforschungen weiterbringt.

Nach dem Roman „Regengötter“, der im Jahr 2014 auf Deutsch erschienen ist, den Autor James Lee Burke bekannt gemacht oder auch wieder ins Gedächtnis gerufen hat, handelt es sich hier um ein etwas älteres Werk des Autors. Es ist der Beginn einer Reihe um Billy Bob Holland, der schwer an seiner Vergangenheit trägt, aber dennoch nicht davon lassen kann, den Schwachen oder vermeintlich Schwachen zu helfen. Hollands eigene Geschichte spielt in die des Verdächtigen hinein. Verwickelte Beziehungen bestehen zwischen nahezu alles Personen, die in diesem Roman auftreten. Personen, denen es an Boshaftigkeit nicht mangelt, die alkohol- oder drogengeschädigt zu Dingen bereit sind, die normalen Menschen noch nicht einmal einfallen würden. Dabei haben sie nicht im geringsten ein schlechtes Gewissen. Ganz im Gegensatz zu Billy Bob, der an seiner Schuld fast zerbricht.


Mit der nun schon bekannten trockenen Art und teilweise harten Ausdrucksweise entführt der Autor in eine Art des Wilden Westens der heutigen Zeit. Schießereien, Korruption, Körperverletzung, Drogenhandel - wie Geschosse prasseln die Verbrechen auf den Leser ein und erstaunen dabei, wie wenig geahndet wird. Mit leichter Ironie versehen zeichnet James Lee Burke ein für einen Europäer vielleicht nicht ganz verständliches Bild von Texas und seinen Bewohnern, gleichzeitig jedoch zeichnet er ein Gemälde, das zu betrachten sich als sehr lohnend erweist und das  mit innerer Spannung zu überzeugen weiß. Einmal an die Schreibe des Autors gewöhnt, möchte man auf weitere Übersetzungen nicht mehr verzichten.

4 Sterne

Dunkler Strom von James Lee Burke
ISBN: 978-3-442-44376-5


Montag, 24. August 2015

Milton

Der Camel Club hat wieder zu tun. In dem vorherigen Band hat Annabelle Conroy den Casino-Besitzer Jerry Bagger um eine menge Geld erleichtert und nun ist er ihr auf den Fersen. Ein Freund Annabelles wurde fast zu Tode gefoltert und er hat sie verraten. Doch auch Oliver Stone, für den Annabelle fast so etwas wie eine Tochter geworden ist, hat seine Probleme. Ehemalige Kollegen von ihm wurden umgebracht und es scheint so als stünde seine Tarnung kurz davor aufzufliegen. Können er und seine Freunde des Camel Club auch diesmal alle Probleme lösen?

Auch im dritten Fall um den Camel Club verknüpft der Autor zwei Handlungsstränge auf packende Art und Weise. Annabelle und Oliver werden mit ihrer Vergangenheit konfrontiert, was ihnen und dem Leser einiges abverlangt, denn sie haben es nicht immer leicht gehabt. Zwar war manches ihre eigene Wahl, die Konsequenzen jedoch häufig unerwartet und mitunter tragisch. Und nun kommt die Zeit der Abrechnung oder der Wiederannäherung. Werden beide die Anforderungen, die das Schicksal an sie stellt, meistern können?


Ausgesprochen spannend und wieder hervorragend vorgetragen von K. Dieter Klebsch bietet dieses Hörbuch hervorragende Unterhaltung. Geschickt werden die Handlungsstränge gesponnen, verwickelt und gelöst, wobei einem beim Zuhören so manches Mal der Atem stockt. Gut so, denkt man oder: oh, nein, doch immer ist man mitten im Geschehen. Man folgt den Protagonisten auf ihren Wegen, die gerade in diesem Band mit einigen spitzen Steinen bepflastert sind. Da der Roman schon vor einigen Jahren erschien, hat man sicher auf der web-site des Autors oder irgendwo sonst gesehen, dass die Reihe aus bisher fünf Teilen besteht. Ohne dieses beruhigende Wissen, würde einem der Autor doch einiges an Sorgen bereiten. Man mag sich kaum vorstellen, wie es den Hörern oder Lesern ergangen ist, die unvorbereitet waren.


4 Sterne

Die Spieler von David Baldacci
ISBN: 978-3-7857-4153-5

Sonntag, 23. August 2015

Gleiche Brüder

Die Zwillinge Dima und Jarik haben wie fast alle Kinder eine schöne Kindheit. Unzertrennlich wie sie sind, ergänzt einer den anderen, erleben sie gemeinsame Abenteuer. Jäh wird ihre Idylle zerstört als ihr Vater im See ertrinkt und die Mutter in ihrer großen Trauer ein Jahr in einem Sanatorium verbringen muss. Ihr Onkel versucht, ihnen die Eltern zu ersetzen. Jahre später schon längst erwachsen hat sich ihre Heimat Russland zu einer Oligarchie entwickelt, in der Produktivität alles ist was zählt. Große Spiegel wurden ins All geschossen, um den Tag zu verlängern und den Ertrag zu erhöhen. Unabhängigkeit von den Jahreszeiten soll ein riesiges Gewächshaus bringen. 


Beeindruckt von einem Aufenthalt in der Sowjetunion, den er als Jungendlicher im Rahmen eines Schüleraustausches erleben durfte, wuchs in Josh Weil die Idee zu diesem Roman. Immer wieder verändert, über Jahre hin schließlich zu dem vorliegenden Buch gereift. Es erzählt die Geschichte der Zwillingsbrüder Dima und Jarik, die zunächst fast wie zwei Hälften eines Ganzen scheinen. Im Aufwachsen jedoch und dann zu Beginn der Zeit der Spiegel entfernen sich ihre Wege nach und nach. Jarik heiratet und bekommt zwei Kinder und Dima wohnt gemeinsam mit der Mutter in einer kleinen Mietwohnung. Auf ihre gemeinsamen Ideen können sie nicht aufbauen. Sie erregen die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten und durch die Verlegung ihrer Schichten, bleibt ihnen nicht mehr viel gemeinsame Zeit. Wer durchschaut das Regime der Oligarchen besser, der der mit den Wölfen heult oder der Rebell wider Willen. Eine Frage, die offen bleiben muss, die aber dennoch den Kern dieses Romans auszumachen scheint. Unentschieden bleibt man da auch als Leser. Teilweise versenkt man sich in die Handlung, teilweise sträubt man sich. Es kann kein Besser oder Schlechter geben. Es gibt einfach nur die Geschichte zweier Brüder, die so gleich und doch so unterschiedlich sind. Nach der Lektüre glaubt man, einen Ausflug in die russische Seele unternommen zu haben, häufig fremd und doch vertraut. Lesenswert!

4 Sterne

Das gläserne Meer von Josh Weil
ISBN: 978-3-8321-9797-1



Samstag, 22. August 2015

Zwischen den Stühlen

Anfang der 1920er Jahre geht es den Lauritzen-Brüdern gut. Lauritz führt eine gut gehende Baufirma und lebt mit seiner Familie in Stockholm. Oscar und Sverre leben in Berlin, wo Oscar dabei ist, ein Immobilien-Imperium aufzubauen und Sverres Werbeagentur prosperiert. Geschickt umschiffen die drei die politischen Klippen und schaffen es soweit es möglich ist, sich aus den herrschenden Strömungen herauszuhalten. Doch so ganz fern halten können sie sich nicht, sehen sie sich doch mit dem extremen Deutschtum Haralds konfrontiert. Lauritz`ältester Sohn macht aus seiner Bewunderung für die Rechten kein Hehl und Oscar, der während der Schulzeit Haralds in Berlin sein Ziehvater ist, hat Mühe das Schlimmste zu verhindern.

Ein interessanten Blickwinkel nimmt der Autor ein, um diese unheimliche Zeit der Anfänge des dritten Reiches zu beleuchten. Die Lauritzens eigentlich Außenstehende werden durch ihre beruflichen und familiären Verbindungen in die Entwicklungen hineingezogen. Wie viele andere scheinen auch sie nur teilweise zu erkennen, welches Unheil durch die politischen Entwicklungen droht. Auf die ein oder andere Art betroffen, scheinen sie zwar zu erahnen, was geschehen könnte, so ganz vermögen sie es jedoch nicht zu glauben und so veralbern sie manches bis sie hautnah erfahren müssen, mit was für einer Brut sie es zu tun haben.


Sehr eindrücklich wird das heraufziehende Unheil dargestellt, die immer stärker werdende Beklemmung und Bedrohung durch dieses Regime, das mit perfiden Mitteln seine Ziele durchzusetzen versucht. Wie ein Ring, der sich um das Herz zusammenzieht, wirkt die Lektüre. Eine verharmloste Bedrohung, zu spät erkannt, mündet im größten Verbrechen an der Menschheit. Wie so häufig bleibt die Frage, hätte man es verhindern können? Wie kann man derartige Entwicklungen verhindern. Eine Frage, die wohl immer auf der Tagesordnung sein sollte. Etwas unverständlich bleibt allerdings, das recht lasche Ankämpfen der Familie gegen Haralds Überzeugung und auch das Verhalten Sverres bei seiner Ausreise. Aus heutiger Sicht ist wohl Oscar, der trotz oder gerade wegen seiner Kriegserfahrung schnell und richtig handelt. Ein lesenswertes Buch über das Thema einer vergangenen Zeit, das leider nie an Brisanz und Aktualität verliert.

4 Sterne

Die Heimkehrer von Jan Guillou
ISBN: 978-3-453-26873-9





Freitag, 21. August 2015

Verloren

Hochgelobt tritt Detektive Max Wolfe seine neue Stelle bei der Mordkommission an, dabei hat er kaum Zeit anzukommen, denn schon wird er zu dem ersten Mordfall gerufen. Ein Bankier ist auf brutale Weise vom Leben in den Tod befördert worden. Unvorstellbar, wer einen solchen Groll gegen ihn gehegt haben kann. Zwar kommen ein paar Details über den feinen Banker zutage, die ein paar Risse in der Fassade entstehen lassen, eine Erklärung bietet das jedoch nicht. Schwierig gestaltet sich auch die Suche nach der Tatwaffe. Man tritt also auf der Stelle bis es ein weiteres Todesopfer gibt, wodurch ein Zusammenhang erkennbar wird.

Schon mit den ersten Kapiteln werden die Nerven des Lesers auf eine Zerreißprobe gestellt. Ausgesprochen spannend wird geschildert, was schließlich zum Wechseln Max Wolfes zur Mordermittlung führt. Und auch dort entwickelt sich die Detektivarbeit zu einem packenden Wechselspiel aus akribischer Fußarbeit und atemberaubenden und gefährlichen Szenen, in denen die Ermittler dem wahren und nicht immer schönen Leben doch sehr nahe kommen. Dabei lernt man auch das bitter-süße Familienleben des Max Wolfe kennen, der seine kleine Tochter alleine erzieht. Eine halbe Familie, die das Fehlen der Mutter nach lange nicht verwunden hat. 


Packende Schilderungen über das langsame sich Annähern an den Täter, über Missverständnisse und Fehleinschätzungen und den schließlich doch untrüglichen Instinkt, der irgendwann in die richtige Richtung führt. Die Arbeit unter erschwerten Umständen, die latente Schwermut, mitunter während der Tätigkeit die Bedrohung des eigenen Lebens - das Alles macht diesen Kriminalroman zu einem fesselnden Ausflug in die Welt der Londoner Polizei. Wenn auch einige Fragen und Ungereimtheiten bleiben und die Bereitschaft Wolfes, seine eigene Versehrtheit in Kauf zu nehmen, etwas übertrieben scheint, so hat man hier doch ein Werk, dass derart fesselt, dass man es einmal begonnen kaum aus der Hand legen mag vor lauter Wissbegier ob der weiteren Ereignisse.

4 Sterne

The Murder Bag von Tony Parsons
ISBN: 978-1-4481-8572-6

Montag, 17. August 2015

Geister

Die starke Polizistin Annie Graham ist am Boden, schwer verletzt ist sie einem Angriff ihres Mannes entkommen. Um Abstand gewinnen zu können, hat sie ihrem Bruder zugesagt, sich um seinen Hund zu kümmern und das alte Haus. Dieses Haus strömt jedoch eine  ganz eigenartige Stimmung aus. Und Annie weiß nicht wie es kommt, sie findet ein altes Tagebuch, in dem eine junge Frau ihre Geschichte erzählt. Zur gleichen Zeit verschwindet im Ort ein junges Mädchen und die Polizei sucht fieberhaft nach ihr. Annie hat nicht mit ihrem Kollegen Will gerechnet, der zwar den Fall lösen möchte, aber auch alles unternimmt, um Annie näher kennenzulernen.

Eine schwere Zeit hat Annie in ihrer Ehe durchgemacht und nun endlich soll alles besser werden. Doch das unheimliche Haus zieht Annie magisch an, wieso nur ist es so kalt dort, wieso meint Annie auf einmal, sich in einem alten Schulzimmer zu befinden. Es kann doch nicht sein, dass es spukt. Wer glaubt denn heute noch an Geister. Unheimlich wird es, der Geist der jungen Frau scheint in Annie hineinzuschlüpfen. Eine Seele, die keine Ruhe findet. Sind sie sich etwas ähnlich? Die junge  Frau von heute und die, welche vor 100 Jahren ein schweres Schicksal erlitt.

Eine moderne Geistergeschichte gepaart mit einem erschreckenden Kriminalfall, ein wenig Romantik dazu und schon hat man eine lesenswerte Geschichte, die es zu fesseln versteht. Geister, die an ein altes Haus gebunden sind und sich mit modernen Menschen umhüllen, können einen Schauer nach dem anderen auslösen. Mädchen, die verschwinden, bereiten große Sorgen. Und Annie Graham ist mitten drin im Geschehen. Misshandelt von ihrem Mann stolpert sie in ihre erste Geisterstunde. Ob Spukgeschichten etwas für jedermann sind, mag dahingestellt sein. Dieses Buch jedoch bietet gute Unterhaltung.


3 Sterne

The Ghost House von Helen Phifer
ISBN: 978-1-472-01806-9


Sonntag, 16. August 2015

Die Mordgruppe

Noch bevor die Hochzeit richtig angefangen hat kommt die Schreckensnachricht: Der Egger-Hof brennt und die bettlägerige Oma ist noch drin. Leider kann sie nicht mehr gerettet werden. Der kommissarische Leiter Gregor Wolf der Mordgruppe Graz beginnt mit den Ermittlungen. Schnell stellt sich heraus, dass Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden kann. So recht kommen die Nachforschungen nicht voran, denn Wolf ist bei den Kollegen zu Recht nicht sehr beliebt. Baumgartner, ihr eigentlicher Chef, bleibt allerdings zunächst verschwunden. 

Ganz eigene Ermittler tummeln sich hier. Wolf, der sich mit seiner rechten Gesinnung nicht wohl zu fühlen scheint und dennoch nicht ausbricht. Baumgartner, verschwunden und plötzlich wieder da, reichlich derangiert und von der Trennung von seiner Frau gezeichnet. Geheimnisvolle Hinweise, schwache Indizien und mehr und mehr Handlungsstränge, die sich anfangs nicht fügen wollen. Doch schnell wird die etwas skurrile Art der Beschreibungen sympathisch und man beginnt, sich in die Geschichte hinein zu fühlen. Irgendwann erahnt man einen Zusammenhang und mit immer größerer Anspannung erwartet man die weiteren Entwicklungen. Man leidet mit den Charakteren, man ist erleichtert, wenn sie gewissen Drogen entsagen, man ist ergrimmt, wenn sie es bei anderen nicht so gründlich tun, man hofft, dass der Fall eine Aufklärung erfahren wird und keine Fragen offen bleiben.


Letztere Hoffnung wird schon fast natürlich enttäuscht, da es sich auch hier um einen Reihenband handelt. Das mag man dem Autor aber nicht übel nehmen, schließlich hat er mit diesem Fall überzeugt und es verstanden einen so an diesen Roman zu fesseln, dass man bedauert, ihn schon ausgelesen zu haben. Möge Herr Kleindl seinen Lesern noch ein paar weitere packende Abenteuer seines Inspektors Baumgartner bescheren.

4 Sterne

Baumgartner und die Brandstifter von Reinhard Kleindl
ISBN: 978-3-7099-3653-5


Samstag, 15. August 2015

Fifi-TV

In der Provinz will er eigentlich zur Ruhe kommen, nach dem letzten Fall in Wien glaubt Major Schäfer, das auch nötig zu haben. So ganz gefällt ihm die ländliche Stille dennoch nicht. Als er während eines abendlichen Spaziergangs beinahe hautnah miterleben muss wie ein junges Mädchen vom Zug überrollt wird und ihr nicht mehr helfen kann, übernimmt er die Ermittlungen in dieser Selbsttötung. Das deutsche Filmteam, das in der Gegend einen Krimi drehen will und dazu seine Expertise erbittet, lässt ihn eher kalt. 

Ein Selbstmord wie aus dem Nichts, ein junges Mädchen, er Pubertät noch nicht ganz entwachsen, aber nicht depressiv. Wieso landet sie auf den Gleisen? Schäfer, der sich in vorherigen Fällen als pressetauglicher Ermittler hervorgetan hat, folgt seinem Instinkt. Er beginnt, im Umfeld des Mädchens Fragen zu stellen. Nur selten gestört von der Frau, die schon seit zehn Jahren auf der Suche nach ihrem ist und darüber ihren Verstand aber nicht ihre Stimme verloren hat. Am wenigsten gestört von der alten Katze, die in seinem Garten auftaucht und sich mit dem Raben anfreundet. Major Schäfer schleudert durch sein Leben und durch den Fall, gezeichnet von seiner Arbeit und seiner Einsamkeit. Und doch folgt er seinem untrüglichen Instinkt und setzt sich auf die Spur, die die Erklärung bringen soll, weshalb ein Mädchen tot ist. 


Wiener Schmäh aufs Land verpflanzt, vielleicht sollte man die vorherigen Bände der Reihe um Major Schäfer kennen, um zu verstehen, wieso er in der Provinz gelandet ist. Unabhängig davon aber steigt man hier in einen nervenaufreibenden Fall ein, der einen vor das Rätsel stellt, was manchmal in der menschlichen Seele vorgeht, wenn eben einer tot ist. So wie man selbst es nicht fassen kann, steht auch der Major davor und weiß manchmal keinen anderen Rat als sich ein Glas Wein einzuschenken. Spannend wie es sich für einen Krimi gehört, schräg wie es Kommissare hin und wieder so an sich haben. Die Namen des Major Schäfer und seines Erfinders sollte man sich merken.

4 Sterne

Es wird Tote geben von Georg Haderer
ISBN: 978-3-7099-7049-2


Freitag, 14. August 2015

Lake Superior

Auf einem Camping-Platz am Lake Superior findet der Polizist Lance Hansen einen verwirrten jungen Mann, der über und über mit Blut bedeckt und ansonsten keine Kleidung anhat. Er stammelt norwegische Worte wie Lance an einem Wort erkennt. In der Nähe wird ein weiterer grausam zugerichteter Jüngling gefunden. Wie sich herausstellt war es der beste Freund des anderen und sie waren gemeinsam auf einer Camping-Tour. 

Lance, der eigentlich mehr ein Parkranger als ein Mordermittler ist, muss den Fall schon bald ans FBI abgeben, da der Tote auf Bundesgebiet gefunden wurde. Dennoch lässt ihn der Anblick des Toten nicht los. In seiner Gegend, wo es doch noch nie einen Mordfall gab, passierte nun diese abscheuliche Tat. Viel lieber würde Lance sich mit seinem Geschichtsarchiv beschäftigen, denn wie viele in der Gegend ist auch Lance norwegischer Herkunft. So wandelt er zwischen seiner Beschäftigung mit der Vergangenheit und den Ereignissen in der Gegenwart, wo er den Ermittlern zur Seite stehen soll. 


Eine ungekürzte Lesung, die sehr gelungen ist, mit angenehmer Stimme vorgetragen von Jürgen Holdorf, der sich damit wärmstens für weitere Hörbücher empfiehlt. Allerdings kann auch er nicht verhindern, dass die Handlung des Buches doch manchmal etwas träge geraten ist. Man möchte den Autor hin und wieder zu klaren Aussagen drängen. Vieles anzudeuten und Entscheidungen dem Leser zu überlassen wirkt bei einem Krimi nicht immer fördernd. Zwar sind die Beschreibungen über das Leben damals und heute in der Gegend des Größten der fünf großen Seen im Grenzgebiet zwischen Amerika und Kanada durchaus interessant und hörenswert. Sie nehmen der Krimihandlung allerdings einiges an Spannung, ob das Gefallen findet, ist eine Entscheidung, die jeder Leser selbst treffen muss.

2,5 Sterne

Traumland von Vidar Sundstøl
ISBN: 9783-8368-0592-6



Donnerstag, 13. August 2015

Ötzis Geheimnis

Commissario Grauner wäre manchmal lieber Bauer in seiner Heimat Südtirol, dann müsste er sich auch nicht mit seinem neapolitanischen Saltapepe herumplagen. Wie kann sich einer in den Bergen nur weigern, Winterreifen aufzuziehen. Doch als der Skipisten Toni eine Leiche findet, ist Grauner sofort in seinem Element. Ein Einsiedler des Dorfes hat einen Pfeil im Halse stecken. Unvorstellbar, dass jemand einen Grund gehabt haben soll, diesen bedauernswerten Kerl, der nichts mehr hatte, umzubringen. 

Grauner und Saltapepe granteln sich durch ihren ersten Fall, jeder überzeugt, dass die eigenen Methoden die einzig richtigen sind. Sooft sie anderer Ansicht sind, ergänzen sie sich bei der Lösung dieses Falles ausgesprochen gut. Nach und nach schaffen sie es die Geheimnisse, die der Tote verborgen hatte, aufzudecken. Das Leben des Einsiedlers war reicher als gedacht, er war einmal ein normaler Bürger des Ortes. Wieso änderte sich sein Leben so radikal. Kleinste Teilchen müssen zusammengefügt werden bis das Bild sich rundet. Dabei bleiben Grauner mit seiner pubertierenden Tochter und Saltapepe mit seiner Sehnsucht nach Neapel menschlich und sympathisch. Wenn Grauner seine Kühe beim Melken mit klassischer Musik berieselt und sein Kompagnon seine Leidenschaft für Eros Ramazotti pflegt, gerät das zu einem Running-Gag, der die Vorstellung von den beiden ungleichen Polizisten abrundet. 

Gefesselt ist man vom Geschehen, das sich schließlich zu einem Fall, der größere Bedeutung hat als es so ein einzelner Toter vermuten lässt, entwickelt. Manchmal gewitzt, manchmal nachdenklich hin und wieder grüblerisch vertieft sich Grauner in die Ermittlungen. Stimmig in die Seelenwelt der Südtiroler Bergbauern eingebettet bietet dieser packende Krimi um ein Ermittlerteam, von dem man gerne mehr lesen möchte, kurzweilige und ausgesprochen spannende Unterhaltung.


4 Sterne

Der Tote am Gletscher von Lenz Koppelstätter
ISBN: 978-3-462-04728-8


Montag, 10. August 2015

Schottlands Beste

Pippa Bolle ist glücklich für ihre Freunde Duncan und Anita. Diese haben Pippa zu ihrer Hochzeit nach Schottland eingeladen. Als halbe Engländerin fühlt sich Pippa auch in Schottland pudelwohl. Schon während der Überfahrt zu ihrem Ziel lernt sie die ersten Bewohner der Halbinsel Kintyre kennen. Überhaupt scheint dort jeder jeden zu kennen. Und Pippa ist gleich mitten im Geschehen. Schnell merkt sie jedoch, dass Duncan, der inzwischen die Whiskey-Brennerei übernommen, nicht so einen guten Stand hat. Vor kurzem erst gab es einen Unfall in der Brennerei, den ein Mitarbeiter nur knapp überlebt hat.

Wieder mal ist Pippa Bolle auf Reisen und sie hat sich ein echtes Sehnsuchtsziel ausgesucht. Die Halbinsel Kintyre und ihre Bewohner bilden einen pittoresken Rahmen für Pippas Abenteuer. Endlich scheint sie die Trennung von Leo überwunden zu haben. Mit ihren Übersetzungen und ihrer Housesitter-Agentur hat sie endlich eine gesicherte Grundlage. Und so kann sie sich auch mit dem Gedanken an eine neue Beziehung befassen, auch wenn die Scheidung noch nicht endgültig durch ist. Würde Pippa nicht mitten in den Ermittlungen über eine Schmugglerbande stecken, könnte Morris Tennant gerade die richtige Gelegenheit für eine neue Liebe bieten. 


Natürlich geht nicht immer alles glatt und Pippa versucht alles, um mögliche Aufregungen von ihrer Freundin Anita fern zu halten. Doch obwohl die Autorinnen ihr eine tolle Szenerie und einen möglichen neuen Partner schenken, lässt dieser Fall ein wenig die Leichtigkeit der vorherigen Erlebnisse Pippas vermissen. Glücklicherweise blitzt Pippas fröhliches und gewitztes Wesen hin und wieder auf. Sympathisch wie immer stolpert sie von einer ungewöhnlichen Lage in die andere und mit Hilfe ihrer zahlreich versammelten Freunde schafft sie es, alles zum Guten zu wenden und die Vorfreude auf das nächste Abenteuer zu wecken.

3,5 Sterne

Tote trinken keine Whiskey von Auerbach & Keller
ISBN: 978-3-548-61117-4


Sonntag, 9. August 2015

Mauerblümchen blühen anders

Charlie fürchtet sich ein wenig vor der Zeit der Highschool. Mit 15 ist das Leben eh nicht leicht und dann noch der Schulwechsel. Ein Mitschüler, mit dem Charlie viel abhing, hat sich das Leben genommen, ohne eine Erklärung zu hinterlassen. Und so muss Charlie die ersten Schritte im neuen Schuljahr nicht nur alleine tun, er wird auch zum Außenseiter, der sich schwer tut, neue Kontakte zu knüpfen. Erst nachdem er Sam und ihren Bruder Patrick kennenlernt, die etwas älter sind, wird es besser und Charlie beginnt mehr und mehr sich auf eigene Füße zu stellen.

Aufmerksam geworden den Film „The Perks of being a Wallflower“ wollte ich mir nun auch das Buch zu Gemüte führen. Die Verfilmung, in die ich eher per Zufall reingeschaltet hatte, zog mich nach und nach in ihren Bann, so dass ich mich schließlich voll darauf einließ und das Coming-of-Age von Charlie und seinen Freunden mitempfinden konnte. Gespannt, ob das Buch mich ebenso mitnehmen würde, las ich die ersten paar Seiten und musste mich zunächst daran gewöhnen, dass es sich um einen Briefroman handelt. Nichte gerade meine bevorzugte Art der Lektüre, doch schon nach einigen wenigen Briefen, konnte ich mich überzeugen, dass dies für Charlies Mitteilungsbedürfnis genau das richtige Medium ist. Ein wenig fühlte ich mich selbst wie der unbekannte Freund, dem Charlie sein Herz öffnet. Mehr und mehr konnte ich in die Handlung eintauchen, Charlies Empfindungen und Sehnsüchte nachfühlen, die seltsame Mauer erspüren, die er um sich errichtet hat. Manchmal scheint es, als ob er nie ganz dabei ist, als ob er derjenige ist, der einen Hauch abseits steht. Etwas, das seine Freunde unterschwellig erspüren, etwas, mit dem sie ihn sein lassen, und trotzdem Freunde bleiben, auch wenn es mal schwierig wird.


Die Pubertät, gleichzeitig oft die schönste und auch die schwierigste Zeit im Leben, man ist froh, sie hinter sich zu haben, sehnt sich aber oft zurück. Dieses herausragende und mitreißende Buch bringt ein wenig von der Zeit zurück und ist wohl für Leser aller Altersklassen eine wunderbar berührende Lektüre. Schließlich ergänzen sich Buch und Film bestens und so ist es bei ausreichendem Zeitabstand meiner Meinung nach egal, in welcher Form man die erste Begegnung mit Charlie wählt.

4,5 Sterne

The Perks of being a Wallflower von Stephen Chbosky
ISBN: 978-1-4516-9620-2


und die Leseprobe zur deutschen Ausgabe:






Samstag, 8. August 2015

Der Tod steht heute vor mir

Seit zwei Monaten ist der Todesermittler Jakob Franck pensioniert. Doch die Toten haben ihn noch nicht verlassen. Meist war er derjenige, der den Familien die Todesnachricht überbracht hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen hatte er sich in diese wohl mit am Schwersten zu erfüllende Aufgabe hineingefunden. Vor mehr als zwanzig Jahren hat sich eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, im Park erhängt. Doch erst jetzt sucht der Vater den ehemaligen Kommissar auf und bittet darum, die Sache noch einmal aufzurollen. Seine Tochter kann sich nicht selbst getötet haben, doch den wenn auch nur geringen Hinweisen auf Fremdeinwirkung wurde nicht eingehend genug nachgegangen.

Der Schriftsteller Friedrich Ani ist für seine ungewöhnlichen Kriminalromane mit ihren besonderen Ermittlern bekannt. Und auch hier hat er in Jakob Franck eine neue Figur geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Einer der die Toten erfühlt, der mit ihnen spricht, der nicht davor zurückscheut, sich einzulassen auf die Geschichten der Menschen. Und so nimmt er im Fall des Todes der jungen Esther die Nachforschungen auf. Ohne jeden Druck, da er nicht mehr im Dienst ist, kann er sich die Zeit nehmen, die er braucht. Den alten Hinweisen nachgehen und vielleicht Neue finden und  so stößt Franck auf das, was nicht gesagt wurde, spürt der Sprachlosigkeit der Menschen nach, entdeckt so manche erschreckende Wahrheit hinter der Fassade des Schweigens oder der Unachtsamkeit. Eine Dunkelheit senkt sich herab, die vorher nicht zu erahnen war.


Mit Jakob Franck stellt er Autor einen sympathischen neuen Ermittler vor, der als Pensionär die Freiheit hat, sich von seinen Empfindungen leiten zu lassen in genau der Form und der Zeit, die er für notwendig und richtig hält. Er fühlt sich ein, er fühlt mit. Und doch braucht er Mut und Unvoreingenommenheit, um sich auf seine Entdeckungen einzulassen und mit den Ergebnissen zu leben. Ein ruhiger aber herausragender Krimi, der dadurch besticht, dass es gelingt, den Leser auf eine Reise ins dunkle Unbekannte mitzunehmen und eine Entwicklung in Gang zu setzen, die die Dunkelheit erhellt.

4,5 Sterne

Der namenlose Tag von Friedrich Ani

ISBN: 978-3-518-42487-2



Donnerstag, 6. August 2015

Tod in der Provence

Zwar ist Pierre Durant freiwillig in sein neues Domizil in der französischen Provinz gezogen, dennoch vermisst er seinen ehemaligen Job als Kommissar. Nur noch als eine Art Dorfpolizist unterwegs, kann er das Ermitteln doch nicht lassen. Bei eigentlich klaren Zuständigkeiten ist dies nicht so einfach. Denn als der Dorfcasanova in einem Weinfass ertrinkt, muss Durant den Fall an den zuständigen Kommissar abgeben. Natürlich geht ihm das mächtig gegen den Strich und er findet einen Weg, sich in die Ermittlungen einzumischen. Gemeinsamen mit seinem übereifrigen Assistenten Luc begibt er sich daran, den Mordfall aufzuklären.

Ein heiterer Grundzug beherrscht diesen weiteren Provence-Krimi, der mit sympathischen Akteuren punktet. Pierre Durant, mehr oder weniger aus freien Stücken auf dem Land, hat dort seine Heimat gefunden. Als gewiefter Ermittler durchschaut er Rätsel manchmal schneller, ganz im Gegensatz dazu, Luc, der hin und wieder etwas schwerfällig und verbohrt wirkt und schließlich mit einer gewagten Aktion doch für sich einnimmt. In diesem ersten Fall wird Pierre Durant von seiner Freundin verlassen und auf sich allein gestellt, merkt er, dass das führen eines Haushalts doch mit Arbeit verbunden sein kann. Reuevoll möchte er seiner Ex ein schönes Mahl bereitet. Eine Idee, bei deren Ausführung die schöne Köchin Charlotte helfen soll. Eine Verquickung mit dem Fall ergibt sich, als festgestellt wird, dass der Tote auf eine Art und Weise „zubereitet“ wurde, die Charlotte auch in ihren Rezepten darstellt.


Mit einem Schmunzeln folgt man Durant auf seinem Weg zur Lösung des Rätsel. Mit leichter Ironie geht er gelassen ans Werk, um sich doch immer im richtigen Moment in die Arbeit zu knien oder im nächsten richtigen Moment, einen Kaffee einzunehmen oder einfach einmal die schöne Landschaft zu genießen. So ganz verliert er den Fall nie aus dem Blick, seinem Bauchgefühl folgend, steht er zu Freunden und Kollegen und kommt nach und nach hinter eine Intrige, die zunächst nicht zu erahnen war. Spannende Unterhaltung gepaart mit dem Eintauchen in schöne Landschaftsbilder, ein sympathischer Ermittler mit Ecken und Kanten, dessen Leben sich verändert - das zusammengenommen wirkt wie ein provenzalisches Rezept zum interessanten und kurzweiligen Zeitvertreib. 

4 Sterne

Provenzalische Verwicklungen von Sophie Bonnet
ISBN: 978-3-7341-0162-5





Montag, 3. August 2015

Astbury Hall

Rebecca Bradley bekommt einen Vertrag für einen Dreh in einem alten Herrenhaus in England. Gespannt macht sie sich auf den Weg, um die neue Aufgabe zu bewältigen. Ihr Schauspielerkollege und Freund Jack hat ihr gerade einen Heiratsantrag gemacht, doch Rebeccas Herz ist nicht so recht bei der Sache und sie kann nicht aus vollem Herzen zustimmen. Deshalb ist sie mehr als froh, ins ferne Europa zu reisen. Allerdings hat es die Nachricht von der angeblichen Verlobung der bekannten Schauspielerin auch schon in die britische Presse geschafft. Das Angebot Lord Astburys, während der Dreharbeiten im Herrenhaus zu wohnen, nimmt Rebecca erleichtert an und beginnt die Ruhe zu genießen.

Lucinda Riley ist für ihre gefühlvollen und dramatischen Geschichten bekannt. Und auch in dem vorliegenden Roman verknüpft sie die Geschichte der handelnden Personen über mehrere Generationen zu einer emotionalen Familien-Saga. In Indien Anfang des letzten Jahrhunderts nimmt die Handlung ihren Lauf. Die junge Anahita wird Gesellschafterin der Tochter einer fortschrittlich denkenden Maharani, die die jungen Mädchen in England auf die Schule schickt. Im alten Europa lernt Anahita die Liebe ihres Lebens kennen und eine tragische und bittersüße Beziehung entfaltet sich, die noch in der Gegenwart ihre Auswirkungen spüren lässt.


Beginnend mit einer ruhigen Schilderung zum Teil in Tagebuch Aufzeichnungen Anahitas, nimmt die eigentliche Handlung eher langsam an Fahrt auf. Nach und nach kann der Leser sich auf die Geschichte einlassen und Sympathien für die handelnden Personen entwickeln. Lange fragt er sich, wie die Fäden zusammengefügt werden mögen. Doch kann man der Autorin voll und ganz vertrauen und sich in die emotionale und berührende Lebensgeschichte Anahitas versenken. Träumend entschlüsselt man schließlich das Geheimnis um die Mitternachtsrose, die Tragik, die die Menschen erfuhren. Ein gelungenes Werk einer Autorin, die es versteht, ihre Leser anzurühren.

4 Sterne

Die Mitternachtsrose von Lucinda Riley
ISBN: 978-3-442-47970-2





Sonntag, 2. August 2015

Nur eine gute Tat

Vor einiger Zeit fiel dem Photografen Mark Taylor eine alte Kamera in die Hände. Obwohl es sich um ein gutes altes Stück handelt, wird Mark nicht glücklich damit. Denn so oft er auch wunderbare Bilder mit dem Apparat schießt, immer wieder findet furchteinflößende Abzüge, an deren Entstehung er sich nicht erinnern kann. Noch beängstigender werden für Mark die Träume, die er nachdem er die Fotos gemacht hat, im wahrsten Sinne des Wortes erleidet. Zusammen mit der Kamera kann er Ereignisse vorhersehen, die meist nicht gut ausgehen. Als Mark merkt, dass er die Ereignisse verhindern kann, wenn er rechtzeitig eingreift, opfert er dieser Lebensaufgabe fast alles. Richtig schlimm für ihn ist, dass er den Anschlag auf die Zwillingstürme nicht verhindern kann. Im Gegenteil, er gerät in Verdacht, in das Attentat involviert zu sein.

Nach der Lektüre dieses Romans, habe ich geschaut, ob es sich bei dem Autor um einen Mann oder eine Frau handelt. Überrascht hat es mich dann schon, dass ich es mit einer Autorin zu tun hatte. Durch den Verdacht, in den er geraten ist, wird Mark so etwas wie der Staatsfeind Nr. 1. Und die Autorin lässt ihre Leser bis in kleine Details daran teilhaben, wie die USA Menschen behandeln, die scheinbar als Gefahr für das amerikanische Volk identifiziert wurden. Szenen spielen sich ab, von seelischen und körperlichen Folterungen, intensiven Befragungen, schlechter Unterbringung und einem unstrukturierten Tagesablauf. Das alles ist schon beim Lesen schwer zu ertragen und ich zog tatsächlich in Erwägung, die Lektüre abzubrechen. Erst in der zweiten Hälfte des Buches erschließt sich, welchen Weg die Autorin für Mark Taylor vorgesehen hat. Dennoch bleibt der Beginn des Romans am Rande des Erträglichen. Und die Auseinandersetzung damit, was eine solche Behandlung mit einem Menschen anstellen kann, ist auch nicht einfach. Ich hatte an dem Geschehen zu knacken.


Ein spannender Thriller zwar, dessen Lektüre allerdings besonders zu Beginn eine Qual werden kann. 

3 Sterne

No good deed: Book One in the Mark Taylor Series von M. P. McDonald
ISBN: 978-1-47512107-0