Samstag, 8. August 2015

Der Tod steht heute vor mir

Seit zwei Monaten ist der Todesermittler Jakob Franck pensioniert. Doch die Toten haben ihn noch nicht verlassen. Meist war er derjenige, der den Familien die Todesnachricht überbracht hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen hatte er sich in diese wohl mit am Schwersten zu erfüllende Aufgabe hineingefunden. Vor mehr als zwanzig Jahren hat sich eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, im Park erhängt. Doch erst jetzt sucht der Vater den ehemaligen Kommissar auf und bittet darum, die Sache noch einmal aufzurollen. Seine Tochter kann sich nicht selbst getötet haben, doch den wenn auch nur geringen Hinweisen auf Fremdeinwirkung wurde nicht eingehend genug nachgegangen.

Der Schriftsteller Friedrich Ani ist für seine ungewöhnlichen Kriminalromane mit ihren besonderen Ermittlern bekannt. Und auch hier hat er in Jakob Franck eine neue Figur geschaffen, die man nicht so schnell vergisst. Einer der die Toten erfühlt, der mit ihnen spricht, der nicht davor zurückscheut, sich einzulassen auf die Geschichten der Menschen. Und so nimmt er im Fall des Todes der jungen Esther die Nachforschungen auf. Ohne jeden Druck, da er nicht mehr im Dienst ist, kann er sich die Zeit nehmen, die er braucht. Den alten Hinweisen nachgehen und vielleicht Neue finden und  so stößt Franck auf das, was nicht gesagt wurde, spürt der Sprachlosigkeit der Menschen nach, entdeckt so manche erschreckende Wahrheit hinter der Fassade des Schweigens oder der Unachtsamkeit. Eine Dunkelheit senkt sich herab, die vorher nicht zu erahnen war.


Mit Jakob Franck stellt er Autor einen sympathischen neuen Ermittler vor, der als Pensionär die Freiheit hat, sich von seinen Empfindungen leiten zu lassen in genau der Form und der Zeit, die er für notwendig und richtig hält. Er fühlt sich ein, er fühlt mit. Und doch braucht er Mut und Unvoreingenommenheit, um sich auf seine Entdeckungen einzulassen und mit den Ergebnissen zu leben. Ein ruhiger aber herausragender Krimi, der dadurch besticht, dass es gelingt, den Leser auf eine Reise ins dunkle Unbekannte mitzunehmen und eine Entwicklung in Gang zu setzen, die die Dunkelheit erhellt.

4,5 Sterne

Der namenlose Tag von Friedrich Ani

ISBN: 978-3-518-42487-2



Kommentare:

  1. Hallo liebe Walli,

    ich habe dieses Buch vor kurzem auch erst gelesen und rezensiert und ich hoffe, es ist für dich okay, dass ich deine Rezension in meiner unter der Überschrift "Weitere Rezensionen zu vorgestelltem Buch" verlinkt habe? Falls nicht, melde dich einfach kurz bei mir und ich lösche dich auf der Stelle raus, ja? ;)
    http://janine2610.blogspot.co.at/2015/08/rezension-der-namenlose-tag-friedrich.html

    Alles Liebe ♥,
    Janine

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    1. Hallo Janine, freut mich, dass du Friedrich Ani (grundsätzlich) auch magst, ich lese den Autor sehr gerne und habe auch etliche Bücher von ihm. Schade, dass dir dieses nicht so zugesagt hat. Ich musste mich auch erst in die Geschichte reinfinden, fand es dann aber sehr spannend. Ich freue mich, dass du meine Rezi mit verlinkt hast, danke dafür.
      Liebe Grüße
      walli :-)

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    2. Danke für deine Erlaubnis. :)
      Du glaubst ja gar nicht, wie schade ich es finde, dass ich nicht in das Buch reingekommen bin. Aber Anis Süden-Romane (7 habe ich schon gelesen) fand ich klasse. ;) Kennst du Tabor Süden?

      Alles Liebe ♥

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    3. Oh ja, Friedrich Ani lese ich sehr gerne. Ich glaube zwar, dass ich nicht alle seine Bücher habe, aber etliche sind es doch. Und Tabor Süden ist mir am liebsten. Ich glaube, das aktuelle Buch ist schon etwas speziell. Auf vorablesen sind die Leute entweder begeistert oder sie brechen es ab.
      Liebe Grüße
      Walli
      :-)

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    4. Stimmt, das ist mir auf vorablesen auch schon aufgefallen. ;)
      Aber je mehr ich mich mit Friedrich Ani beschäftige (habe erst ein Interview von ihm im Büchermagazin) gelesen, desto mehr bin ich der Ansicht, dass ich mit meiner Rezension so einem intellektuellen Werk wie Anis "Der namenlose Tag", gar nicht gerecht werden kann. Der Autor sieht/beleuchtet die Dinge gerne von einer anderen, nicht herkömmlichen Seite und das findet die eine Hälfte gut und die andere Hälfte nicht, da sie es nicht 'versteht'.

      Alles Liebe ♥

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  2. Huhu Walli,

    klingt richtig spannend, werde mir das Buch mal genauer ansehen :)

    Liebe Grüße,
    Tanja ♥

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    1. Liebe Tanja, die Bücher dieses Autors lese ich sehr gerne. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir gefallen wird.
      Liebe Grüße
      walli :-)

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