Sonntag, 23. August 2015

Gleiche Brüder

Die Zwillinge Dima und Jarik haben wie fast alle Kinder eine schöne Kindheit. Unzertrennlich wie sie sind, ergänzt einer den anderen, erleben sie gemeinsame Abenteuer. Jäh wird ihre Idylle zerstört als ihr Vater im See ertrinkt und die Mutter in ihrer großen Trauer ein Jahr in einem Sanatorium verbringen muss. Ihr Onkel versucht, ihnen die Eltern zu ersetzen. Jahre später schon längst erwachsen hat sich ihre Heimat Russland zu einer Oligarchie entwickelt, in der Produktivität alles ist was zählt. Große Spiegel wurden ins All geschossen, um den Tag zu verlängern und den Ertrag zu erhöhen. Unabhängigkeit von den Jahreszeiten soll ein riesiges Gewächshaus bringen. 


Beeindruckt von einem Aufenthalt in der Sowjetunion, den er als Jungendlicher im Rahmen eines Schüleraustausches erleben durfte, wuchs in Josh Weil die Idee zu diesem Roman. Immer wieder verändert, über Jahre hin schließlich zu dem vorliegenden Buch gereift. Es erzählt die Geschichte der Zwillingsbrüder Dima und Jarik, die zunächst fast wie zwei Hälften eines Ganzen scheinen. Im Aufwachsen jedoch und dann zu Beginn der Zeit der Spiegel entfernen sich ihre Wege nach und nach. Jarik heiratet und bekommt zwei Kinder und Dima wohnt gemeinsam mit der Mutter in einer kleinen Mietwohnung. Auf ihre gemeinsamen Ideen können sie nicht aufbauen. Sie erregen die Aufmerksamkeit der Vorgesetzten und durch die Verlegung ihrer Schichten, bleibt ihnen nicht mehr viel gemeinsame Zeit. Wer durchschaut das Regime der Oligarchen besser, der der mit den Wölfen heult oder der Rebell wider Willen. Eine Frage, die offen bleiben muss, die aber dennoch den Kern dieses Romans auszumachen scheint. Unentschieden bleibt man da auch als Leser. Teilweise versenkt man sich in die Handlung, teilweise sträubt man sich. Es kann kein Besser oder Schlechter geben. Es gibt einfach nur die Geschichte zweier Brüder, die so gleich und doch so unterschiedlich sind. Nach der Lektüre glaubt man, einen Ausflug in die russische Seele unternommen zu haben, häufig fremd und doch vertraut. Lesenswert!

4 Sterne

Das gläserne Meer von Josh Weil
ISBN: 978-3-8321-9797-1



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