Samstag, 22. August 2015

Zwischen den Stühlen

Anfang der 1920er Jahre geht es den Lauritzen-Brüdern gut. Lauritz führt eine gut gehende Baufirma und lebt mit seiner Familie in Stockholm. Oscar und Sverre leben in Berlin, wo Oscar dabei ist, ein Immobilien-Imperium aufzubauen und Sverres Werbeagentur prosperiert. Geschickt umschiffen die drei die politischen Klippen und schaffen es soweit es möglich ist, sich aus den herrschenden Strömungen herauszuhalten. Doch so ganz fern halten können sie sich nicht, sehen sie sich doch mit dem extremen Deutschtum Haralds konfrontiert. Lauritz`ältester Sohn macht aus seiner Bewunderung für die Rechten kein Hehl und Oscar, der während der Schulzeit Haralds in Berlin sein Ziehvater ist, hat Mühe das Schlimmste zu verhindern.

Ein interessanten Blickwinkel nimmt der Autor ein, um diese unheimliche Zeit der Anfänge des dritten Reiches zu beleuchten. Die Lauritzens eigentlich Außenstehende werden durch ihre beruflichen und familiären Verbindungen in die Entwicklungen hineingezogen. Wie viele andere scheinen auch sie nur teilweise zu erkennen, welches Unheil durch die politischen Entwicklungen droht. Auf die ein oder andere Art betroffen, scheinen sie zwar zu erahnen, was geschehen könnte, so ganz vermögen sie es jedoch nicht zu glauben und so veralbern sie manches bis sie hautnah erfahren müssen, mit was für einer Brut sie es zu tun haben.


Sehr eindrücklich wird das heraufziehende Unheil dargestellt, die immer stärker werdende Beklemmung und Bedrohung durch dieses Regime, das mit perfiden Mitteln seine Ziele durchzusetzen versucht. Wie ein Ring, der sich um das Herz zusammenzieht, wirkt die Lektüre. Eine verharmloste Bedrohung, zu spät erkannt, mündet im größten Verbrechen an der Menschheit. Wie so häufig bleibt die Frage, hätte man es verhindern können? Wie kann man derartige Entwicklungen verhindern. Eine Frage, die wohl immer auf der Tagesordnung sein sollte. Etwas unverständlich bleibt allerdings, das recht lasche Ankämpfen der Familie gegen Haralds Überzeugung und auch das Verhalten Sverres bei seiner Ausreise. Aus heutiger Sicht ist wohl Oscar, der trotz oder gerade wegen seiner Kriegserfahrung schnell und richtig handelt. Ein lesenswertes Buch über das Thema einer vergangenen Zeit, das leider nie an Brisanz und Aktualität verliert.

4 Sterne

Die Heimkehrer von Jan Guillou
ISBN: 978-3-453-26873-9





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