Sonntag, 27. September 2015

Ouroboros

Matthew de Clairmont und seine Frau Diana Bishop sind wieder im Sept Tours der Gegenwart angekommen. Doch lange währt ihre Ruhepause dort nicht, schnell wird klar, dass Baldwin, der nun das Haus Clairmont führt, nicht hinter ihnen steht. Sie beschließen daher, die Geburt ihrer Kinder in Dianas Heimat zu erwarten. Es ist als habe das Bishoph Haus sie erwartet. Unerwartet schneit auch Besuch ins Haus, Chris Roberts ein Freund Dianas und Professor macht ihr große Vorwürfe, weil sie wie verschwunden war. Matthew und Diana, die nach einem geeigneten Labor suchen, um ihre Forschungen über ihre unterschiedlichen Genome fortführen zu können, lassen sich diese Gelegenheit nicht entgehen. Roberts erweist sich dabei als hilfreicher Freund und neugieriger Forscher.

Eine Beschreibung kann diesem Buch nicht gerecht werden. Zu viele unterschiedliche Themen sind mit feinster Balance vermengt. Man könnte fast an einen Teig denken, der die Grundlage eines perfekten Gebäcks ist. Die große Liebe zwischen Diana und Matthew schwebt über allem, doch ebenso die Liebe zu ihren Häusern mit ihren zahlreichen Mitgliedern. Die Erhaltung des althergebrachten und die gleichzeitige Formung von etwas Neuem. Die Forschung nach dem Genom und dem gebannten Buch liest sich fast wie ein Thriller. Mächte, die gegen Diana und Matthew wirken im Kampf mit ihren treuen Verbündeten. Die Suche nachdem Ursprung, nach dem Geheimnis ihrer Kinder. Eine unendliche Vielfalt, in der man nie den Überblick verliert, die einen jede Seite mit Spannung umblättern lässt, in Erwartung weiterer Enthüllungen.

Dieser Abschluss der „All Souls“ Trilogie ist mehr als gelungen. Ein Buch, in dem man versinken kann. Man wandelt auf Dianas und Matthews Pfaden, erlebt mit, wie sie die Welt weben. Kreativ und mutig überwinden sie Wiederstände und Hindernisse und schaffen Neues, ohne das Alte völlig zu zerstören. Wenn es doch nur im wirklichen Leben manchmal so zuginge. Ein inspirierendes Werk, dass gleichzeitig fesselt wie ein Thriller und berührt wie ein Liebesroman.


Und hier die Leseprobe der deutschsprachigen Ausgabe:



Freitag, 25. September 2015

Heartwood

Von Earl Deitrich herablassend behandelt wird Wilbur Picket auch noch bezichtigt, eine wertvolle Uhr und einige Aktien gestohlen zu haben. Sein Anwalt Billy Bob Holland versucht, ihn auf Kaution frei zu bekommen, denn Wilburs Frau ist seid ihrer Geburt blind und braucht seine Hilfe. Durch dieses Mandat erneuert Billy Bob die Bekanntschaft zu seiner Jugendliebe Peggy Jean, die inzwischen mit Earl verheiratet ist. Heikel wird die Sache nicht nur dadurch, sondern auch dadurch, dass nach und nach mehrere Zeugen in der Sache auf unnatürliche Weise zu Tode kommen.

Mit einem schlichten Diebstahl beginnt es doch recht harmlos, doch bald schon gibt es mehr Tote als man je erahnen konnte. Deaf Smith in Texas ist recht überschaubar, so dass jeder jeden kennt und beinahe jeder Verbindungen zu irgendjemandem hat. Für die Gesundheit gewisser Leute ist das nicht immer zuträglich, denn wenn einer seine Position bedroht sieht, findet er auch welche, die für ihn aufräumen. Und durch dieses Geflecht stolpert Billy Bob Holland, dessen Blick durch die wehmütigen Jugenderinnerungen und die vage Chance auf deren Auffrischung doch etwas getrübt ist. Je mehr er merkt, dass Peggy von heute nicht mehr die von damals ist, desto intensiver arbeitet er sich in die Verteidigung seines Mandanten ein. 


Zunächst etwas holprig nimmt dieser uramerikanische Krimi doch bald Fahrt auf. Ein Gemälde über die verkommenen Sitten einer kleinen Stadt im Süden von Texas, in der West End gegen East End ist, die Jugend der vermeintlichen Oberschicht verruchter als es eine gute Erziehung erlauben sollte. Banden, Mexikaner, Indianer und einige wenige Lichtgestalten, die einem den Glauben an das Gute erhalten können. Eine Gegend, in der die Anwälte mitunter noch zu Pferde unterwegs sind und dabei nicht fehl am Platze wirken. Menschen mit gewaltigen Rissen in der Seele, manche von ihnen sind verdammt, für manche kann es eine Rettung geben und manche bleiben einfach wie sie sind. Ein Buch, in das man sich hineinlesen muss, das dann aber mit einer Welt begeistert, deren Hitze man förmlich zu spüren meint.

4 Sterne

Feuerregen von James Lee Burke
ISBN: 978-3-95530-288-7


Mittwoch, 23. September 2015

Das Buch Hiob

Der Lehrer an einer jüdischen Schule in Zürich wird  tot aufgefunden. Die Gemeindemitglieder sind entsetzt. Rabbi Klein muss sich einer Aufgabe stellen, von der er nie erwartet hätte, dass sie auf ihn zukommt. Lehrer Berger war beliebt, aber dennoch ohne Verwandte. Kommissarin Bänziger bedient sich seiner Sprachkenntnisse des Hebräischen, weil die amtliche Übersetzerin ausgefallen ist. Und so wird der Rabbi an den Ermittlungen beteiligt, zu denen er sich als Gemeindevorstand beinahe für besser geeignet hält als die Polizei. 

Tatsächlich erfährt der freundliche aber auch neugierige Rabbi einige Details aus dem Leben des Opfers, die bisher unbekannt waren. Allerdings erweckt er den Eindruck, als lasse seine bessere Kenntnis der internen Strömungen der kleinen Gemeinde ihn etwas selbstgerecht werden. Mit seiner Einmischung verhilft er Kommissarin Bänziger zwar zu einigen Erkenntnissen, doch verdreht er auch Details, was zu Entwicklungen führt, deren Ausgang das Gewissen des Rabbis belasten. 

Schon etwas enervierend wie besserwisserisch Rabbi Klein auftritt, anstatt offen mit der Kommissarin zusammen zu arbeiten, meint er den Fall selbst aufklären zu können, da er die Mentalität seiner Gemeindemitglieder besser einzuschätzen versteht als die Polizei. In Teilen mag das sicherlich stimmen, doch kann man auch den Eindruck gewinnen, ohne die zweifelhafte Mitarbeit des Rabbis hätte sich einiges verhindern lassen. Gewitzt ist er dieser Rabbi, eine gute Frau hat er und liebenswerte Töchter, doch lieber hätte er, wie es die Kommissarin bemerkt, kein Polizeibüro aufmachen sollen. 


Einen interessanten Einblick in das Wirken des Rabbis in seiner Gemeinde gewährt der Autor seinen Lesern. Seine große Kenntnis über das jüdische Zürich bereichert ungemein und auch die Aufklärung des Todesfalls gestaltet sich überraschend und spannend. Schwierig jedoch wird es für den unkundigen einigen Gedanken des Rabbis zu folgen. Am Ende wünscht man sich zwar, beim nächsten Mal möge er schlauer sein, man wünscht sich aber auch, es möge ein nächstes Mal geben.

3,5 Sterne

Kains Opfer von Alfred Bodenheimer
ISBN: 978-3-312-00628-1


Sonntag, 20. September 2015

Die St. Louis

Der ehemalige Polizist Mario Conde, der sich als Antiquar betätigt, erhält den Auftrag, aufzuklären, wieso ein verschwunden geglaubtes Gemälde in London zur Versteigerung angeboten wird. Elias Kaminsky, der Sohn eines Exil-Kubaners, in dessen Familienbesitz sich das Gemälde, bei dem es sich um einen Rembrandt handeln soll, befand, will die Geschichte seines Vaters Daniel Kaminsky in Kuba erleben und den Weg des Bildes klären. Bei seinen Nachforschungen stößt Conde zunächst auf die Reise des Passagierschiffs St. Louis, das im Jahr 1939 mit über 900 jüdischen Flüchtlingen vor Havanna ankerte, denen schließlich die Einreise verweigert wurde. Unter diesen Passagieren befinden sich auch die Eltern Daniels, der bei seinem Onkel untergekommen ist.

In drei Teilen berichtet der Autor vom Schicksal des Bildes und vom Schicksal derer, die mit ihm auf verschiedensten Wegen in Berührung kamen. Da ist zunächst die ungeheure Geschichte der St. Louis, bei deren Lektüre man sich wieder einmal fragen muss, wann die Menschen je etwas lernen werden. Sicher wartet niemand auf Flüchtlinge, doch manche Handlungen sollten einfach von Menschlichkeit bestimmt werden. Es folgt eine Reise in die Vergangenheit, die Aufschluss über die mögliche Entstehung geben kann. Und schließlich bekommt es Conde mit einem Vermisstenfall zu tun, in dem überraschend wieder eine Beziehung zu dem Bild zutage kommt.


Sehr unterschiedlich sind die drei Romanteile und doch verbindet sie das Bild. Ein Kaleidoskop mit prächtigen, dramatischen und düsteren Anteilen entblättert sich vor dem Leser. Mitgerissen von der tragischen Geschichte der Flüchtlinge auf der St. Louis, hingerissen von der Leidenschaft des E. A. und schließlich betrübt über das Schicksal eines jungen Mädchen und man sich zunächst klar werden über dieses anspruchsvolle Werk. Es verlangt dem Leser einiges ab und gibt doch so viel mehr. Leonardo Padura fordert seine Leser mit teilweise etwas überbordenden Ergüssen, allerdings belohnt er sie auch mit herausragend komponierten Schicksalen, die sich in das Gedächtnis einbrennen und die man nie missen möchte.

4 Sterne

Ketzer von Leonardo Padura
ISBN: 978-3-293-00469-6


Samstag, 19. September 2015

Reapers Inc.

In der Unendlichkeit arbeitet Lana Harvey als Ernterin von Seelen, dass heißt, sie holt sie im Moment ihres Todes ab und bringt sie sicher in den Himmel oder wo auch immer der Bestimmungsort der Seele ist. Leider ist Lana nicht besonders gut in ihrem Job. Gemeinsam mit ihrer Freundin Josie geht sie auf Seelenfang, wobei Josie so manches Mal ausbügelt, was Lana durcheinander gebracht hat. Aber wieso wird dann Lana befördert und zum alljährlichen Dinner des Komitees eingeladen. Angespannt gehen Lana und ihre Freunde zu dem Essen.

Ein Ort zwischen Himmel und Hölle, ein Umschlagplatz der Seelen, das ist Limbo-City, dort lebt (oder wie man das nennen will) Lana. Sie hat ganz normale Vorlieben wie Shoppen oder John-Wayne-Filme schauen, wäre da nicht ihr Job, würde sie sich nicht von dir oder mir unterscheiden. Doch so bringt sie die Seelen der Verstorbenen an ihren Bestimmungsort. Je nach deren Glaubensrichtung gibt es unterschiedliche Paradise oder Unterwelten. Um an den jeweils richtigen Platz zu gelangen muss der See überquert werden und die Überfahrt ist nicht immer ruhig. Immer häufiger finden Angriffe von Dämonen statt. Mit dem ungestörten Partyleben scheint es langsam dem Ende entgegen zu gehen.


Eine Sensenfrau, die durch ihren Beruf stolpert und der ihre Freunde und ihre Freizeit wichtiger sind. Eine witzige Idee, die neugierig macht. Angehöriger verschiedenster Religionen müssen sich die Nachwelt teilen und kooperieren. Eine Verwaltung regelt die Verteilung der Seelen, die nicht immer so wollen, wie geplant. Dazu Lana eine fast normale Sensenfrau, mit Träumen und Wünschen, nicht mit Arbeit belastet. Hin und her gerissen ist man als Leser zwischen Gähnen, da einige Schilderungen etwas langatmig geraten sind und teilweise die Shoppingergüsse nicht erkennen lassen, wie hier eine Handlung vorangebracht wird, und Schmunzeln bei witzigen Dialogen, Spannung bei mitreißenden Kampfszenen, Rührung bei den Ernteszenen. Ein Buch, das zwar schon positiv ankommt, eine Reihe jedoch, die man nicht zwingend weiterverfolgen muss.

3 Sterne

Graveyard Shift (Reapers Inc. #1) von Angela Roquet
ISBN: 978-1-4800-0418-4


Freitag, 18. September 2015

So lala

„Oma lässt grüßen uns sagt es tut ihr leid“ erzählt die Geschichte einer einzigartigen Beziehung zwischen Oma und Enkel. Elsa ist 7 und ein besonderes Kind, nicht nur weil Oma ihr einziger Freund ist, sondern auch da sie eine wandelnde Wikipedia Enzyklopädie ist und Super Helden liebt. Gar nicht so einfach, als ihre Oma, ihre Heldin des Alltags stirbt. Zu Lebzeiten hatte sie ihre Enkeln mit Märchen aus dem Fast-noch-wach-Land Land verzaubert und für allerlei Aufregung und Abenteuer gesorgt. Doch Oma hinterlässt Elsa auch eine Schnitzeljagd, auf die Elsa sich willigt einlässt. 
Frederik Backmans Geschichte verwebt Märchen uns Realität auf einzigartige Weise. Von der Idee her, gefällt mir dies sehr gut. Leider aber, waren mir die Märchen zu fantasylastig, der Realitätsbezug blieb stets etwas rätselhaft. Auf diese Weise blieb mir das Fast-noch-wach-Land streckenweise sehr fremd, der tiefere Sinn blieb mir des Öfteren verborgen. Sehr gerne hätte ich mehr über Omas und Elsa Beziehung und deren Abenteuer gelesen. Diese Stellen haben mir besonders gut gefallen. Elsa erschien mir für ihr Alter zwar mitunter etwas unrealistisch weit voraus, dennoch fand ich viele ihrer Ausführungen erhellend, zumindest erfrischend. Einige Stellen haben mich ins Schmunzeln gebracht. 
Das Buch war okay konnte mich aber nicht begeistern. Vielleicht war es einfach die falsche Zeit für dieses Buch. Dem Vorgänger werde ich sicher noch einmal eine Chance geben. 

© Britta Kalscheuer

3 Sterne

Oma lässt grüßen und sagt, es tut ihr leid von Fredrik Backman
ISBN: 978-3-8105-0481-4


Der Anwalt

Für seine Eltern hat er nicht viel übrig, deshalb lebt der junge Anwalt Antoine Demarsand lieber in Kalifornien und blufft seine Gegner, um einen lukrativen Abschluss zu erzielen. Erst der Tod seiner Mutter führt ihn zurück in die Schweiz. Dort erwartet ihn seine Schwester Sofie, die einzige der Familie, der er etwas Sympathie entgegenbringt. Trauer empfindet Antoine nicht, umso überraschter ist er, dass er doch heftig reagiert, als ein Geschichtsprofessor ihn mit der Nachricht konfrontiert, sein Vater sein ein Kollaborateur der Nazis gewesen. Doch was für eine Bedeutung soll das fünfzig Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs noch haben. Antoine beginnt die Geschichte seiner Familie zu erforschen.

Zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechselt die Perspektive zu Beginn des Romans und auch im weiteren Verlauf wechseln sie Schauplätze mitunter so schnell, dass schon ein Blinzeln zu einer kleinen Irritation führen kann. Dennoch hat der Autor eine rasante Geschichte entwickelt, in der Vergangenheit und Gegenwart geschickt verknüpft sind. Gelöschte Konten der Schweizer Banken mit Guthaben, deren Herkunft zweifelhaft ist oder deren Auszahlung verhindert wird, weil es angeblich keinen Nachweis über die Rechtmäßigkeit der Forderungen gibt. Doch wie soll ein Nachkomme beweisen, dass ein lieber Verwandter im Konzentrationslager umgekommen ist. Allerdings geht es letztlich eher darum wie schmutziges, unrechtmäßig erworbenes Nazivermögen den Weg über den Krieg hinaus genutzt wurde. Um dieses Geheimnis zu bewahren, gehen die Beteiligten über Leichen.


Ob man die Entwicklung des strahlenden und doch arroganten Anwalts zum integren Bewahrer des Rechts, der keine gefährliche Situation scheut und jedem Angriff auf sein Leben knapp entrinnt, nachvollziehen kann, mag etwas dahingestellt sein. Unabhängig davon hat der Autor ein Thema aufgegriffen, dass nie an Brisanz und Aktualität verliert. Verschwundene Nazi-Reichtümer, die unrühmliche Rolle der Schweizer Banken, der Krake der Vergangenheit, der auch in der Gegenwart keine Ruhe lässt. Eine wahre Achterbahnfahrt aus Information und Aktion treibt den Leser durch die Handlung, die alles hat, was zu einem packenden Thriller gehört. Da möchte man gerne wissen, ob die Verhinderung gewisser Ereignisse gelingen kann.

4 Sterne

Im Namen des Blutes von Pierre Simenon
ISBN: 978-3-8090-2620-4





Donnerstag, 17. September 2015

TAG Books until the End

Hallo ihr Lieben,

letzen Freitag wurde ich von Kathi von http://lesendesfedervieh.blogspot.de/ zu dieser schönen Aktion getaggt. Leider fehlt mir ein wenig die Zeit für Teilnahme an regelmäßigen Aktionen. Doch wenn ich Urlaub habe, nehme ich mir gerne die Zeit. Vielen Dank, Kathi, dass du an mich gedacht hast.

Das Szenario:

Auf der Erde ist etwas Schreckliches passiert: Ein Asteroid schlägt auf die Erde ein. Da er mitten im Atlantischen Ozean landet, löst er riesige Flutwellen aus, die alles bis auf ein paar Gebirgsketten überfluten. Die Regierung hat vorsorglich Bunker gebaut. Du und deine Lieben werden ausgelost, einen dieser Bunker zu beziehen. Da ihr einen besonders kühlen Kopf in der Vorbereitungszeit bewahrt, ernennt man euch zum Kommandanten eurer Bunkerkolonie und ihr dürft einige wichtige Entscheidungen treffen.


Die Fragen:

*DER EINZUG*

1. Welche 10 Bücher/Buchreihen nimmst du mit in den Bunker um sie für die Nachwelt zu sichern? (Anm: Wichtige literarische Werke hat die Regierung schon in Sicherheit gebracht, es geht vornehmlich um Unterhaltungsliteratur)

Die Bücherdiebin von Markus Zusak
Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada 
Die Gesamtausgabe von Shakespeare 
Die Inspektor Linley Reihe von Elizabeth George
Die Jahrhundert-Trilogie von Ken Follett
Die Flavia de Luce Reihe von Alan Bradley
Alles Licht das wir nicht sehen von Anthony Doerr
Extinction von Kazuaki Takano
Wer die Nachtigall stört von Harper Lee
Das andere Ufer der Zeit von Jack Finney

2. Du darfst 5 Buchcharaktere aussuchen, die mit dir in den Bunker ziehen, wen nimmst du mit und wieso?

1. Juliette Nichols aus der Silo-Reihe von Hugh Howey, sie ist das Leben im Bunker gewöhnt und kann anderen ein Vorbild sein.

2. Scout Finch mit ihrer naseweisen Art schafft sie es Menschen für sich einzunehmen und hat manchmal mehr Durchblick als die meisten Erwachsenen.

3. Flavia de Luce, die erst Probleme findet, sie dann aber auch hervorragend lösen kann und immer unkonventionell ist.

4. Eric Northman, der kann für ein wenig Unsterblichkeit sorgen

5. Viola aus Was ihr wollt, die nicht um eine Verkleidung verlegen ist und deshalb Mut und Einfallsreichtum hat.

3. Welcher Buchcharakter würde unter keinen Umständen einen Platz in deinem Bunker bekommen? (Kann auch ein Bösewicht sein)

Moriarty, der ist so boshaft intelligent, dass er lieber nicht mitsollte

*DAS ÜBERLEBEN IM BUNKER* 
  
4. Wehmütig denkst du an deine ungelesenen Bücher, die du zurückgelassen hast. Um welche 3 Bücher deines SuBs tut es dir am meisten Leid, dass du sie noch nicht gelesen hast?

Der Ketzer von Leonardo Padura (das habe ich gerade angefangen und es wäre schade, wenn ich es nicht beenden könnte)
A Secret Place von Tana French
The Book of Life von Deborah Harkness (auch weils der letzte Teil ist)

5. Nach einigen Wochen ist die Stimmung im Bunker gedrückt, welches Buch würde dich nun wieder aufmuntern?

Ich bin eigentlich kein Mehrfach-Leser, aber als ich „Wer die Nachtigall stört“ wieder aus dem Regal geholt habe, war ich ganz versunken und gefangen. Es ist einfach so ein tolles Buch. Ich würde versuchen, das Gefühl noch einmal zu bekommen.

6. Die Ofenanzünder gehen euch aus, welche 3 Bücher aus deinem Regal könntest du am ehesten um ein paar Seiten erleichtern, damit ihr Papier zum anzünden der Heizöfen habt?

 Eigentlich keine. Selbst das Verbrennen von kleinen Teilen von Büchern finde ich schlimm. Ich würde, wenn es sein müsste versuchen, die Leerseiten oder die mit der Werbung zunehmen.

7. Immer nur die gleichen Menschen im Bunker um sich zu haben kann anstrengend werden. Mit welchem Charakter könntest du es am längsten aushalten?

Mit Linley und Havers, glaube ich. Die haben in den Büchern meist einen guten Draht zueinander, ich würde hoffen, dass ich mit ihnen eine gemeinsame Ebene finden würde.

8. Bei welchem Charakter würden schon nach kurzer Zeit die Fetzen fliegen? 

Ich glaube, das wäre Flavia de Luce. Weil sie so hochintelligent ist, vergisst man leicht, dass sie doch noch ein Kind ist. Da könnte man leicht zu viel von ihr erwarten, was zu Stress führen könnte.

*DER WIEDERAUFBAU*

9. In der neuen Welt ist von nun an alles möglich, nenne eine Fähigkeit eines Buchcharakters, die du gerne hättest um die neue Welt aufzubauen und/oder um damit eine andere/bessere Welt zu schaffen.

Das ist nicht einfach, wenn es eine echte Eigenschaft sein sollte, wäre ich gerne so intelligent wie Flavia. Dann würde mir hoffentlich etwas Gutes einfallen, wie die neue Welt aussehen könnte. Wenn es etwas Magisches sein dürfte, dann würde ich gerne zaubern können wie Harry Potter oder hätte unerschöpfliche Kräfte, damit die neue Welt schnell aufgebaut werden kann und mit gerade genug Magie versehen wird, dass sich die Menschen wohlfühlen.

10. Welcher Welt/Welchem System aus einem Buch soll die neue Welt auf keinen Fall ähneln? 

Der Überwachungsstaat aus 1984 würde mir überhaupt nicht gefallen.

11. Du darfst dir einen Autor aussuchen, der über den Weltuntergang, die Zeit im Bunker und den Wiederaufbau schreibt, wer sollte es sein?

Da würde ich Hugh Howey nehmen, der hat damit schon Erfahrung.

*WÄHRENDDESSEN IN EINEM ANDEREN BUNKER*

12. Bestimme (tagge) weitere Kommandanten für die anderen Bunker.

Hier die weiteren Kommandanten für die anderen Bunker:
Doreen von http://claudes-schatzkiste.blogspot.de/

Wie gefällt euch diese Aktion? Wie lauten eure Antworten? Ich bin schon sehr gespannt, aber natürlich ist Mitmachen keine Pflicht. Wenn es eure Zeit erlaubt, wäre ich neugierig auf eure Antworten.

Viele liebe Grüße 
von der Urlaubs-Walli, die die letzten freien Tage genießt


:-)

Der Nomade


Bull O`Kane, der Pate von Belfast, sitzt im Rollstuhl seit ein Mordanschlag auf ihn fehlschlug. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst und stinksauer;  er sinnt auf Rache. Gemeinsam mit seiner Tochter Orla beauftragt er den Killer, der sich der Nomade nennt, um offene Rechnungen zu begleichen. Nach den ersten Morden kommt Inspektor Jack Lennon auf die Spur des Nomaden, doch sogar von seinen eigenen Kollegen wird er in seinen Ermittlungen behindert. Absprachen zwischen verschiedenen Gruppen scheinen wichtiger als die Aufklärung der Verbrechen oder der Schutz möglicher künftiger Opfer. Lennon lässt nicht locker, besonders als er befürchten muss, dass seine kleine Tochter in Gefahr schweben könnte.

Rücksichtslos und hart gehen die Beteiligten miteinander um, ein Menschenleben gilt nicht viel. Um das größere Ziel zu erreichen, werden kleinere Morde skrupellos unter den Teppich gekehrt. Wer trifft da Vereinbarungen mit wem, die Grenzen zwischen Gut und Böse, Polizist und Verbrecher sind da eigentümlich fließend. Da wirkt Jack Lennon fast schon wie ein weißer Ritter, obwohl auch er es versteht manchmal hinzulangen. Zwar hat er das Wohl seiner kleinen Tochter im Sinn und versucht alles, um sie zu schützen, doch auch er lebt über seine Verhältnisse und gibt so einige Rätsel auf. 


Nordirland mit seinen unter der Oberfläche schwelenden Konflikten bietet einen interessanten Hintergrund zu diesem brutalen Thriller. Ein Cop, dessen Familie ihn verstieß, nur weil er seinen Beruf erwählte. Eine junge Frau, deren Familie sie verstieß, weil sie ihren Liebhaber wählte. Gefühllose Killer, die mitunter nicht so gefühllos sind. Ein Ein Pate, der auf Rache aus ist. Eine Mischung schneller Szenenwechsel und Erläuterungen einiger Hintergründe, eine atemberaubende Jagd, um dem Killer zuvor zu kommen. Die Sorge eines Vaters um sein Kind. Daraus ergibt sich ein mitreißender Thriller, den man verschlingen muss.

4,5 Sterne

Blutige Fehde von Stuart Neville
ISBN: 978-3-352-00839-9

Das Cover ist das der Taschenbuchausgabe.




Mittwoch, 16. September 2015

Willa Wild

Schon in ihren Kindertagen waren Willa und Seamus unzertrennlich. Ihr Leben hätte so weitergehen sollen, Reisen, Klettertouren, Abenteuer. Bei der Besteigung des Kilimandscharo stürzt Willa ab, sie ist schwerverletzt und nachdem es Seamus geschafft hat, sie zu einem Arzt zu bringen, sieht er keine andere Chance, um ihr Leben zu retten, stimmt er der Amputation ihres Unterschenkels zu. Willas Leben ist gerettet, doch ihre Liebe ist vergangen. So trennen sich die Wege der beiden. Über die Liebe ihres Lebens kommen sie jedoch nie hinweg. Noch am Vorabend des ersten Weltkrieges treffen sie sich wieder, Seamus ist inzwischen verheiratet, und können nicht voneinander lassen.

In diesem dritten Band der Rosen-Trilogie wartet die Autorin noch einmal mit ihrem ganzen Können auf. Das Augenmerk liegt diesmal auf Willa und Seamus, doch auch die aus den vorherigen Bänden lieb gewonnenen Charaktere kommen weiterhin zu ihrem Recht. Fiona, die Teerose, und India, die Winterrose, müssen einiges erleiden, hauptsächlich bedingt durch die Kriegsgreuel, die niemanden unbeteiligt lassen. Doch immer wieder darf man Willa und Seamus bei der Durchwanderung ihres tiefen Tals begleiten. Welch schweres Schicksal steht ihnen bevor. So glücklich begann das Leben, so abrupt endete die schöne Zeit mit dem schweren Unfall. Im festen Glauben, sich gegenseitig zu zerstören, wollen sie ein ruhiges Leben mit anderen Menschen finden. Ein unmöglicher Vorsatz wie sich herausstellt.


In eine geschichtlich interessante und gleichzeitig harte Zeit hineingestellt entwickeln sich die Ereignisse mit einer Dramatik, die beim Lesen außerordentlich fesselt und einen in kürzester Zeit durch den Roman eilen lässt. Gebannt kann man kaum von der Lektüre lassen. Die Folgen des Krieges, die Leiden der Soldaten, die kaum mit ihrem Leben zurückkehren, die Leiden der Familien, die ihre Lieben verlieren oder als leere Hüllen zurückbekommen eingebettet in die sehr persönliche und mitreißende Geschichte der drei Frauen, machen dieses Buch zu einem Erlebnis, dass dem Leser die damalige Zeit nahebringt und ihn berührt.

4 Sterne

Die Wildrose von Jennifer Donnelly
ISBN: 978-3-492-30038-4


Dienstag, 15. September 2015

Der Stein des Abschieds

Winter herrscht über dem Land, die Jahreszeiten schreiten voran, doch es bleibt kalt. In dieser unwirtlichen Zeit tun Simon und seine Freunde ihr Möglichstes, um die Welt zu bewahren. Das Ziel soll ein Ort sein, der „Stone of Farewell“ genannt wird. Der Weg dorthin ist beschwerlich und birgt große Gefahren. Es ist nicht sicher, dass sie alle gemeinsam diesen Ort erreichen, um Prinz Josua in seinem Kampf gegen das böse Reich zu unterstützen. 

Mit seiner Saga um die drei Schwerter hat Tad Williams eine von Krieg und Untergang bedrohte Welt geschaffen. In diesem zweiten Band der Reihe befinden sich Simon und seine Freunde auf dem Weg. Dazu müssen sie unterschiedlichste Pfade beschreiten und große Gefahren bestehen. Manchmal werden sie direkt angegriffen, manchmal geht es eher darum, das Geheimnis ihrer wahren Identität zu bewahren. Wie ein magischer Anziehungspunkt und Ort der Hoffnung wirkt dabei der Stein des Abschieds. Es scheint so als würden alle auf dem Weg ihre Kräfte sammeln, um den bevorstehenden Kampf zu überstehen.


Wie es bei Büchern, die eine Wanderschaft beschreiben, schon mal sein kann, passiert nicht viel mehr als das eben diese Wanderung aus verschiedenen Blickwinkeln beschrieben wird. Zwar gibt es Passagen, die einen gefangen nehmen, doch man fragt sich, wieso diese Hindernisse im Gesamtzusammenhang des Geschehens sein müssen. Dienst es dazu, den Roman überhaupt mit Handlung zu versehen, oder hat es im gesamten Zusammenhang eine Bedeutung, die sich jetzt noch nicht entschlüsseln lässt. Genau so etwas ist es, das die Neugier auf die Folgebände weckt, obwohl es in diesem Buch vermeintlich nicht viel zu entdecken gibt. Vielleicht kommt da ja noch was, dass alles schlüssig werden lässt. Es ist ein Kreuz mit diesen Reihen.

3 Sterne

Stone of Farewell von Tad Williams
ISBN: 978-1-84149-840-9




Montag, 14. September 2015

Das Hiller Moor

In einer Berliner Bahn wird eine junge Frau, die einem Afrikaner zur Hilfe eilt, von geistig verirrten großmannssüchtigen Jugendlichen brutal zusammengeschlagen. Die herbeigerufenen Polizisten erkennen entsetzt, dass es sich um die Frau ihres Ex-Kollegen Alexander Rosenbaum handelt. Dieser weiß zunächst nicht, wie er mit der schrecklichen Nachricht umgehen soll, schließlich hatten er und Olga sich schon vor längerer Zeit getrennt. Zur selben Zeit wird im Hiller Moor eine männliche Leiche gefunden. Ein Unfall kann es nicht gewesen sein, da an dem Toten Kampfspuren festzustellen sind. Sofort beginnen Kommissar Rosenbaum und seine Kollegen mit den Befragungen.

Die vermeintlich beschauliche Provinz hat es mal wieder in sich. Ein toter Geschäftsmann, für dessen Ermordung zunächst kein Motiv zu finden ist. Ein Kommissar, dessen Privatleben durch die tragischen Ereignisse aus der Bahn gerät. Ein lieb gewonnener Kollege, der der Pension entgegenblickt. Ein Freund, der an seiner Arbeit erkrankt ist. Ein Fall, der sich im Verlauf der Ermittlungen in eine ganz andere Richtung entwickelt als zu vermuten gewesen wäre. Es ist viel los in dem kleinen Städtchen am Wasserstraßenkreuz. 


Wie bereits in den vorherigen Bänden bietet die Autorin eine vergnügliche Mischung aus Regionalkrimi und detailreich erzählten Beschreibungen von Land und Leuten. Für Ortsfremde gibt es Unbekanntes zu erfahren, Ortskundige finden ihr Wissen schmunzelnd bestätigt oder können es sogar vertiefen. Kommissar Rosenbaum allerdings bekommt durch die Umstände des tragischen Geschehens in Berlin einiges aufgebürdet. Er müht sich darum, sich bei seiner Arbeit nicht ablenken zu lassen. Doch verständlicherweise will ihm das nicht so ganz gelingen. Allerdings gerät hier der Fall umrahmt von einigen Nebenhandlungen, die teilweise nur kurz angerissen werden, etwas ins Hintertreffen. Obwohl beim Lesen durchaus anheimelnde Gefühle auslösend, sind einige Entwicklungen nicht völlig nachvollziehbar. Eine kleine Rolle mag dabei spielen, dass der Leser nicht genau erfährt, über welchen Zeitraum sich die Handlung erstreckt. Davon ausgehend, dass im Buch gesagt wird, der Täter sei relativ schnell gefunden worden, sind hier Ereignisse, die sich durchaus über Monate oder ein Jahr erstrecken können, in eine wesentlich kürzere Zeitspanne gepackt worden, wodurch die Handlungen der Charaktere zum Teil ein wenig sprunghaft erscheinen. Dennoch ein schöner Regionalkrimi mit sympathischen Protagonisten.

3,5 Sterne

Tödliche Begegnung im Moor von Andrea Gerecke
ISBN: 978-3-8271-9428-2


Sonntag, 13. September 2015

So eine Schule

Flavia de Luce wurde verbannt! Sie muss Buckshaw verlassen, um ein Mädchenpensionat in Toronto zu besuchen. Viel weiter weg von ihrem beschaulichen Heim in England geht es nicht. Das Heimweh plagt Flavia und ihre Begleiter auf der Reise, die zu den Geschäftsführern der Schule gehören, sind ihr reichlich unsympathisch. Sie gönnen ihr nicht einmal eine Nacht der Ruhe und liefen Flavia spät abends in der Schule ab. Noch nicht richtig angekommen sinkt Flavia in Schlaf und wird rüde durch eine Mitschülerin rüde geweckt. Eine Verwechslung wie sich herausstellt, die jedoch die Direktorin auf den Plan ruft. Geschwind versteckt sie die Mitschülerin im Kamin, nur um Minuten später herauszupurzeln und mit ihr purzelt eine mumifizierte Leiche.

Leichen pflastern Flavias Weg, in England wich sie dem nicht aus und wieso sollte sie es in der Fremde anders halten. Zwar könnte sie die Polizei ihre Arbeit machen lassen, doch das entspricht einfach nicht ihrer Natur. Hinzu kommt das Rätsel um die verschwundenen Schülerinnen und die Frage, welchem Zweck diese Schule dient. Flavias Forschergeist arbeitet auf Hochtouren, handelt es sich doch um die Schule, die auch ihre geliebte verstorbene Mutter besucht hat. Obwohl ihr Heimweh nie nachlässt, lässt auch Flavias Eifer nie nach und ein Code nach dem anderen wird entschlüsselt. 


Langsam findet man sich ein in dieser ganz neuen Welt für Flavia de Luce. Was für ein schreckliches Gefühl muss es sein, von daheim fortgeschickt zu werden. Fast wirkt es, als sei man daheim nicht mehr mit ihr klargekommen und versuche nun, die Entwicklung ihrer Persönlichkeit den Lehrerinnen des Internats zu überlassen. Doch Flavia bleibt sich selbst treu und nichts ist es mit der Erziehung zur höheren Tochter. Flavia zieht einen in ihren Bann, ihre Trauer um ihre Abwesenheit von daheim zerreißt einem fast das Herz. Man möchte sie mit allem unterstützen, damit sie sich in der Fremde einleben kann und man versteht ihre nie nachlassende Neugier. Mit ihr geht man den Dingen auf den Grund und kommt zu dem Schluss, dass ein Ende auch ein Anfang sein kann. Ein herausragendes Abenteuer, welches eine gespannte Erwartung der nächsten Kapriolen Flavias schürt.

4 Sterne

As Chimney Sweepers come to dust von Alan Bradley
ISBN: 978-0-8129-9923-5


Samstag, 12. September 2015

Gerechtigkeit

Zum ersten Mal seit Jahren hat Dr. Robert Hunter ein Flug in den Urlaub gebucht. Bevor es jedoch losgehen kann, bekommt er einen Anruf. Sein Zimmerkamerad und Freund aus Uni-Zeiten ist unter einem unglaublichen Verdacht verhaftet worden und will nur mit Hunter sprechen. Zunächst sieht es so aus als brauche Lucien Hunters Hilfe, um seine Unschuld zu beweisen. Doch nachdem er Hunter und die FBI-Agentin Courtney Taylor an einen Ort geleitet hat, an dem verschiedene Hinweise zu finden sind, wird klar, dass Lucien Folter eine schieren Horror verbreitende Mordserie begangen hat.

Ein Fall, der Dr. Robert Hunter in seinem Innersten trifft. Kaum zu glauben, dass jemand, den man für einen Freund gehalten hat, sich so radikal verändern kann. Äußerst manipulativ und mit extremen schauspielerischen Können lenkt Folter die Ermittlungen. Die grausamen und ekelhaften Details, die nach und nach zu Tage kommen, lassen einen erblassen. Nicht nur Hunter kommt an die Grenze dessen, was noch erträglich ist. Konfrontiert mit seiner eigenen Vergangenheit muss er die wohl schwierigste Entscheidung seines Lebens treffen. Eine Entscheidung, vor die niemand gestellt werden sollte.


Der nunmehr sechste Fall um Dr. Robert Hunter nimmt einen anderen Beginn als die bisher bekannten. Der Killer ist von Beginn an bekannt und bereits verhaftet. Fast zwangsläufig fühlt man sich an Hannibal Lecter erinnert, auch wenn hier der Täter selbst Hinweise auf seine Taten gibt. Doch auch hier gibt es das größenwahnsinnige Mitteilungsbedürfnis eines irren Killers, der seine Taten auf perfideste Art rechtfertigen will. Ein Mordwissenschaftlicher wie es ihn noch nie gab, wie er unerträglicher kaum sein könnte. Durch seinen Bezug zum privaten Dr. Hunter bekommt die Ermittlung noch etwas besonders erschütterndes und tragisches. Ein extremer Thriller, der sich nicht in einem Stück lesen lässt. Hin und wieder bedarf es einiger Erholungspausen ob der sprechenden Schilderungen, die dem Leser einiges abverlangen. Ausgesprochen spannend wie man es von Chris Carter gewöhnt ist, trifft er hier den Nerv seines Ermittlers und auch seiner Leser. Ein Roman, aus dem man reichlich durchgerüttelt wieder auftaucht und sich fragt, ob es solche Schlechtigkeit geben kann. Der Hinweis des Autors zu Beginn, große Teile der Handlung beruhten auf Tatsachen, macht es da nicht besser. Fesselnd ohne Ende, aber auch kaum erträglich.

4,5 Sterne

Die stille Bestie von Chris Carter
ISBN: 978-3-548-28712-6


Freitag, 11. September 2015

Unkonventioneller Thriller mit Sogwirkung

„Totenhaus“ ist der zweite Band der Trilogie rund um die Bestatterin Blum. Es empfiehlt sich, den Vorgänger „Totenfrau“ zuvor zu lesen, da der 2. Band an das Geschehen dort anknüpft. Wesentliches wird zwar zusammengefasst, aber es fällt sicher leichter, sich in Blum hineinzudenken, wenn man die Vorgeschichte kennt. Ohne Kenntnis derselben könnte die Protagonistin etwas blass, der Plot vielleicht etwas dünn erscheinen. 
Nachdem ich schon von „Totenfrau“ begeistert war, hat mich auch der zweite Band aus Aichners Feder wieder fasziniert. Der Schreibstil ist etwas ungewöhnlich, doch genau dies gefällt mir ausgesprochen gut. Ich war gleich in der Geschichte drin. Der Prolog beschreibt eine scheinbar aussichtslose Situation Blums und ich hatte gleich richtig vermutet, dass die Geister der Vergangenheit dahinter stecken. Blum hat nämlich 5 Menschen auf dem Gewissen, deren sterbliche Überreste sie Särgen Verstorbener beigelegt hat. Bei einer Exhuminierung auf dem Innsbrucker Friedhof werden in einem Sarg 2 Köpfe und 4 Beine gefunden. Nach Blum wird gefahndet und sie sucht Unterschlupf in einem Hotel, das seine ganz eigene Geschichte hat. 
Mehr möchte ich hier gar nicht verraten, da die Gefahr besteht, zu viel preiszugeben – gerade auch wenn der 1. Band nicht bekannt ist. Ich kann nur sagen, dass mich Aichners Thriller wieder einmal restlos begeistert hat und ich nun dem Erscheinen des dritten Bandes ungeduldig entgegen hibbel. Die Spannung baut sich etwas langsamer auf als gewohnt, dennoch konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Das Geschehen hat mich ganz in seinen Bann gezogen. Mit der Bestatterin Blum hat Aichner einen eigenwilligen und recht schrägen Charakter geschaffen, der gleichzeitig fasziniert und abstößt. 
Gerne empfehle ich das Buch weiter, an dem Thrillerfans mit einer gewissen Offenheit für Unkonventionelle sicher ihre wahre Freude haben werden. 

© Britta Kalscheuer

5 Sterne

Totenhaus von Bernhard Aichner
ISBN: 978-3-442-75455-7



Dat Hus is min

Nach dem zweiten Weltkrieg kommen Vera und ihre Mutter ins Alte Land. Besonders willkommen sind sie dort nicht, zwar froh nicht mehr in der Baracke wohnen zu müssen, ziehen sie in das alte Herrenhaus. Doch die Hausherrin lässt sie sehr deutlich spüren, dass sie nicht froh ist über diese Einquartierung. Einige Zeit später kehrt der Sohn des Hauses kriegsversehrt zurück, nie wird er sich von den Folgen des Krieges erholen, dennoch heiratet er Veras Mutter und adoptiert das Kind. Die Mutter geht, Vera bleibt. Und Vera erlebt etwas Ähnliches wie einst die Stiefgroßmutter. Die Tochter ihrer Halbschwester quartiert sich nach der Trennung mit ihrem Sohn bei der unbekannten Tante ein.

Ein ruhig erzählter Roman über Flüchtlinge, die nach dem Krieg nach Westdeutschland kamen, die nichts mehr hatten, ihre Heimat verloren, denen vielleicht ein Kind gestorben war, die mit Null anfangen mussten und denen doch nicht sehr viel Mitleid oder Hilfe entgegen gebracht wurde, von denen, die vielleicht nicht ihr Haus und Hof verloren, aber doch Söhne und Töchter, die nicht viel zu geben hatten, die zum Geben gezwungen wurden. Aus welcher Sicht man es noch nachvollziehen mag, aus der der Flüchtlinge oder derer, die die Einquartierung zu ertragen hatten, die Autorin hat ein Thema aufgegriffen und mit unaufgeregter Hand geschildert, das nicht aus der Erinnerung verschwinden sollte. Gerade brandaktuell hat sie den Nerv der Zeit getroffen und man kann sich überlegen, wie man heute mit Menschen umgehen möchten, die vermutlich eher weniger freiwillig alles aufgeben und schwere Wege auf sich nehmen, um im vermeintlich gelobten Land mit einer unerwarteten Realität konfrontiert zu werden.


Gerade in den plattdeutschen Passagen sehr authentisch und berührend gelesen von der großen Hannelore Hoger.

4 Sterne

Altes Land von Dörte Hansen
ISBN: 978-3-8371-3089-8





Leos Gelage

Still ruht der Wald, könnte man meinen. Allerdings hält die Ruhe nicht lange an. Nach einem seiner üblichen Saufgelage kommt Wachtmeister Leo Kreuthner auf die Idee, man könnte den sturzbetrunkenen Bestattungsunternehmer Florian Scheffler in sein Auto setzen und dieses so an den Fluss stellen, dass der Insasse morgens erstmal ein frisches und unfreiwilliges Bad nehmen muss. Man kann sich die diebische Freude von Kreuthner und seinen Kumpanen vorstellen, bei dem Gedanken; allerdings auch das Entsetzen als Scheffler an nächsten morgen tot in seinem Wagen gefunden wird. Hat Kreuthner es diesmal zu weit getrieben? Und was hat das Verschwinden von Bianca Stein damit zu tun?

Schlimmer als die Polizei erlaubt ist dieser Wachtmeister Kreuthner. Und doch geschieht es immer wieder, dass gerade seine Eskapaden die Ermittler bei der Lösung eines Falles voranbringen. Kommissar Wallner kann sich auf seine Truppe verlassen. Doch frisch getrennt und häufiger mit den Eigentümlichkeiten seines Großvaters Manfred beschäftigt, ist Wallner etwas abgelenkt. Nur nach und nach kann entschlüsselt werden, was geschehen ist. Zur großen Unterhaltung und Belustigung tragen Kreuthner und Manfred bei, die sich mehr als ein Kabinettstückchen leisten. Pfiffig und gewitzt stolpern sie durch den Fall und trampeln eher versehentlich auf den richtigen Pfad.


Ein sehr persönlicher Fall für Wallner. Ein Fall, dessen Wurzeln weit in die Vergangenheit reichen. Familienoberhäupter, die dem Namen keine Ehre machen. Nachkommen, deren Auflehnung doch ins Leere zu gehen scheint. Humor und Spannung sind sehr gelungen durchmischt. Wie man es aus den früheren Büchern um Kommissar Wallner schon kennt, Lokalkolorit kommt nicht zu kurz und doch entwickelt sich ein Fall mit weiterreichenden Folgen. Einfach gute Unterhaltung, für nicht so sprachgewandte Leser mit einigen Erläuterungen versehen. Eine Reihe, mit der man nichts falsch machen kann.

4 Sterne

Wolfsschlucht von Andreas Föhr
ISBN: 978-3-426-51704-8


Donnerstag, 10. September 2015

Einhüten

Es beginnt mit einem angenehmen Flug von London in eine Stadt des ehemaligen Ostblocks. Dort soll er für ein paar Tage Oskars Wohnung und seine beiden Katzen hüten. Eine leichte Aufgabe, sollte man meinen, fast wie Urlaub. Gäbe es da nicht den wundervollen Parkettboden, auf den kein Kratzer kommen soll. Wie die Katzen mit ihren Samtpfoten versucht auch Oskars Freund, keine Spuren zu hinterlassen. Er scheitert jedoch schon am ersten Abend, ein kleiner Rand von einem Tropfen Wein, der am Glas herunter geronnen ist. Man kann sich das Entsetzen vorstellen, ein Fleck, wo man besonders achtgeben wollte.

Wer braucht schon Freunde wie Oskar? Kaum jemand. Zettel hinterlassend mit Anweisungen und Anmerkungen, sind Unfälle doch schon vorprogrammiert. Auch Tiere in der Wohnung, so lieb und anhänglich sie sein können, prädestinieren für kleinere und größere Schäden. So bekommt der Freund, den man auch nicht als solchen haben möchte, eine fast unlösbare Aufgabe gestellt. Häufig betrunken, verschlimmert er selbst kleine Kratzer zu nie verschwindenden Scharten. 


Auf dem Flug durch das Buch sucht man die mit herzlichen Lachern kombinierte Schadenfreude, die der Aufdruck auf dem Cover verspricht. Man muss wohl besonderen Geistes sein, um sie zu finden. Aus einem kleinen Fleck wird ein großes Chaos, eine kleine Ursache mit unerträglichen Auswirkungen. Unsympathische Mitwirkende, die eigentlich kaum Freunde genannt werden können, eine zunächst anödende, dann anekelnde Handlung. Suffkopf und Pedant, sie passen nicht zueinander, sie passen sicher auch nicht zu jedem Leser. Vielleicht bedarf es einer gehörigen Portion britischen Humors, um hier lachen zu können.

2 Sterne

Care of Wooden Floors von Will Wiles
ISBN: 978-0-00-742444-3


und hier die Leseprobe zur deutschsprachigen Ausgabe:





Mittwoch, 9. September 2015

WASP

Der Wissenschaftler Frans Balder kehrt aus Amerika nach Schweden zurück. Mit der amerikanischen Art des Arbeitens und Forschens konnte er sich nicht abfinden. Seine Forschungsergebnisse über die Künstliche Intelligenz sollten doch ihm gehören. Wieder in der Heimat angekommen holt Frans seinen autistischen Sohn August zu sich, obwohl er nicht das Sorgerecht besitzt. Frans hat den Eindruck gewonnen, dass es dem Jungen bei seiner leiblichen Mutter und dem Stiefvater nicht gut geht. Die Zeitschrift Millenium steht unter Druck, sie soll modernisiert werden und ihr einstmals bester investigativer Reporter Mikael Blomkvist stellt dabei eher ein Hindernis dar. An einer neuen Story scheint er kaum interessiert, erst als er hört, dass eine junge Hackerin involviert sein könnte, beißt er an.

Da sind sie wieder: Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander. Blomkvist ist an einer Geschichte dran, die es in sich hat. Künstliche Intelligenz, Industriespionage, ein Netz von Intrigieren, das durchdrungen werden muss. Gibt es überhaupt jemandem, dem zu trauen ist. Salander und Blomkvist bündeln ihre Kräfte, ohne sich wirklich zu begegnen. Nach und nach decken sie eine Story auf, die wie ein Spinnennetz die halbe Welt zu umspannen scheint. Lisbeth versucht dabei alles, um den kleinen August zu schützen, der durch eine Beobachtung, von der er nicht berichten kann, in große Gefahr gerät. Und Mikael unternimmt alles, um Lisbeth vor Unheil zu bewahren, denn er erkennt eine durchaus persönliche Komponente.


Hätte das Buch überhaupt geschrieben werden dürfen? Darüber scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Wenn man jedoch bedenkt, dass der Weg von Salander und Blomkvist noch nicht zu Ende war als Stieg Larsson leider viel zu früh verstarb, kann man doch eher froh sein, wieder von den Beiden zu lesen. Es weht ein Hauch von Larsson durch dieses Buch, anders aber doch nicht so anders. Eine Meinung zu diesem Thema der Weitererzählung wird jeder Leser oder auch entschiedene Nichtleser selbst finden müssen. Unabhängig davon kredenzt der Autor einen mitreißenden Thriller zu der aktuellen und brisanten Thematik von Spionage, Daten- und Ideenklau. Als Leser darf man in ein bekanntes Universum zurückkehren und bekommt eine beinahe zarte Lisbeth Salander präsentiert, von der man sonst nie erfahren hätte. Ein Thriller zum Verschlingen und ein Drumherum, das eigentlich die Erben unter sich ausmachen könnten.

4,5 Sterne

Verschwörung von David Lagercrantz nach Stieg Larsson
ISBN: 978-3-453-26962-0




Dienstag, 8. September 2015

Gefährlich oder gefährdet

Bevor es ans College geht verbringen die sechs Freunde Ridley, Link, Lena, Ethan, Liv und John einen letzten gemeinsamen Abend. Um immer verbunden zu bleiben, sprechen sie einen Zauber aus, nach dem sechs Ringe erscheinen, die sie als Zeichen ihrer ewigen Verbundenheit tragen wollen. Am nächsten Tag zerstreuen sich ihre Wege, Ridley und Link machen sich auf Richtung New York. Ach, wenn Link nur wüsste, was Ridley getan hat. Sein Traum ist es als Drummer in einer Band zu spielen. Er ahnt nicht, wie nah er dessen Erfüllung ist und was der Grund dafür ist.

Die Autorinnen Kami Garcia und Margaret Stohl haben mit diesem ersten Band einer Reihe einen Ableger zu ihrer Beautiful Creatures Reihe geschaffen. Wobei es nicht zwingend ist, die erste Reihe gelesen zu haben, es wegen der in gewissen Umfang vorhandenen Bezüge aber Sinn machen könnte, auch die Ursprünge zu kennen. Doch auch ohne weitere Kenntnisse versteht man nach und nach, weshalb Ridley und Link nach New York gelockt werden, was das Naheliegende ist und man erahnt das größere Ganze. Neben dem begegnet man einer jungen spritzigen Handlung in der New Yorker Szene, in die sich ein jugendlicher Leser vielleicht besser hinein versetzen kann als ein älterer.


Spannend und emotional entwickelt sich die Story von Ridley, die in festem Glauben aufgewachsen ist, dass sie ein schlechtes Mädchen ist und dass sie auch nur so handeln kann und muss. Schwer zu ertragen für ihre Freunde, die sich ein ums andere Mal hinters Licht geführt fühlen müssen. Doch sollte Ridley von Nox ihre eigene Medizin zu schmecken bekommen. Es ist nicht alles wie es scheint und die Story wartet immer wieder mit Überraschungen auf. Lesenswert und fesselnd, atemberaubend aber vielleicht doch eher für jüngere Leser.

3,5 Sterne

Dangerous Creatures von Kami Garcia und Margaret Stohl
ISBN: 978-0-316-40545-4


Montag, 7. September 2015

Der Kreis

Nur schwer hat Bedwyn Stort es überwunden, den Stein des Herbstes an die Schildmaid abgeben zu müssen. Und immer noch fehlt ein Stein. Der des Winters muss gefunden werden, sonst könnte die Welt wie sie bekannt ist untergehen. Gemeinsam mit seinen Freunden beschreitet Stort seinen schweren Weg. Auch wenn sie dabei manchmal auf unterschiedlichen Pfaden wandeln, so treffen sie sich doch wieder, um ihre Aufgabe zu vollenden. Prüfungen kommen auf sie zu, traurige Ereignisse ebenso wie fröhliche. 


Mit Wehmut gilt es Abschied zu nehmen von Bedwyn Stort, von Jack und Katherine, von Mr. Barklice, von Bratfire. Sie auf ihrem letzten Abenteuer zu begleiten, bringt Freude und Hoffnung auf ein gutes Ende, aber auch Trauer über den Verlust so mancher lieb gewonnener Gefährten. Doch so ist der Lauf der Dinge, ein ewiges Werden und Vergehen, Finden und Verlieren. Mit der Suche nach dem Stein des Winters schließt sich der Kreis um die vier Jahreszeiten, die in der Welt der Hydden erfahren werden konnten. Mit einem Ziehen im Herzen bleibt man als Leser zurück. William Horwood ist es wirklich gelungen, ein packendes und berührendes Finale für seine herausragende Phantasie-Geschichte zu schaffen. Humor gepaart mit Ernsthaftigkeit und eine stimmige Storyline machen das Werk zu einem wunderbaren Beispiel für abwechslungsreiche und lesenswerte High-Fanstasy. In die Geschichte abgetaucht, ist man am Ende überrascht, dass es schon vorbei ist und man wünschte, es könnte noch ein wenig weitergehen. Beinahe möchte man wie Jack und Katherine auf dem wunderschön gestalteten Cover voller Hoffnung und frohen Mutes ins Licht wandern.

4,5 Sterne


Hyddenworld - Der Winter von William Horwood
ISBN: 978-3-608-94641-3


Sonntag, 6. September 2015

Schottenrock

Ein Obdachloser wird schwerkrank in die Klinik von Glasgow eingeliefert. Immer wieder verlangt er nach Jack Laidlaw. Doch als der Polizist das Krankenhaus erreicht ist es fast schon zu spät, Eck, wie der Alter genannt wurde, kann ihm nur noch ein paar schwer verständliche Worte zu stammeln bevor er verstirbt. Sollte zwischen diesem Todesfall und einem weiteren Opfer, das mit mehrfachen Stichverletzungen aufgefunden wurde, ein Zusammenhang bestehen. Laidlaw hegt jedenfalls den Verdacht, dass der alte Mann keines natürlichen Todes starb und ordnet eine Obduktion an. Doch was sollen diese Ereignisse mit dem Verschwinden des Studenten Tony Veitch zu tun haben.

Glasgow in den 1980ern, modern und doch schon wieder altmodisch. Fast vermisst man mobile Telefone, Forensik und andere moderne Ermittlungsmethoden, die heute so selbstverständlich erscheinen. Anstatt dessen trifft man auf verqualmte Bars, Telefonhäuschen und hartnäckig nachbohrende Polizisten. Wie seltsam das heute anmutet und doch irgendwie retro spannend. Detective Jack Laidlaw ist einer, der sich an seinem Beruf aufreibt, der nicht locker lassen kann, der sich in die Fälle verbeißt und die Wahrheit finden will. Eine Lösung, die sich auf dem Silbertablett kann da nicht die wahre sein. Lügen, die ihm aufgetischt werden, müssen entlarvt werden. Doch kann Jack Laidlaw auch zu weit gehen.


Kühl und verregnet erscheint diese Stadt, zugeknöpft und knorrig seine Bewohner. Dennoch oder gerade dadurch fesselt dieser bereits im Jahr 1983 geschriebene zweite Teil der Jack Laidlaw Trilogie. Der schottische Singsang tönt leise durch die Handlung und bringt eine Seite zum Klingen, weckt sie Sehnsucht, die Orte zu besuchen, die Sprache zu hören. In seiner Handfestigkeit manchmal etwas schwer erträglich bringt dieser Kriminalroman auf seine altmodische Art eine andere Sicht und erscheint so doch wieder nicht altmodisch sondern neuartig und düster. In eine Zeit hinein geschrieben, die fast schon vergessen ist, werden Erinnerungen geweckt und Facetten aufgezeigt, die packen und das Verlangen nach mehr wecken.

4 Sterne

The Papers of Tony Veitch von William McIlvanney
ISBN: 978-1-609-45224-7


Samstag, 5. September 2015

Der Wald spricht

Nach zwanzig Jahren kehrt Anja Grimm zurück an den Ort, an dem sie mit ihren Eltern die Sommerferien verbrachte. Sie studiert Forstwirtschaft und macht ein Praktikum beim naheliegenden Forstamt. Mit einem Kollegen ist sie dabei, den Wald zu kartieren und Bodenproben zu entnehmen. Anja stellt bei der Untersuchung der Bodenkerne fest, dass der Waldboden anders aussieht als sie es in einer eng umgrenzten Region erwarten würde. Kann es sein, dass ihr Vater, der vor zwanzig Jahren hier verschwand, auf der Lichtung begraben wurde. Das Schicksal ihres Vaters möchte sie aufklären und gerät in einen Wald aus dunklen Geheimnissen.

Kurz vor der Jahrtausendwende beginnt die Handlung dieses Romans und reicht weit in die Vergangenheit zurück. Die knapp dreißigjährige Anja und ihre Mutter haben den Verlust des Vaters und Ehemannes nie verwunden. Besonders schwer wiegt die Ungewissheit, die sein Los umgibt. Hat er sie verlassen? Wurde er Opfer eines Unfalls oder gar eines Verbrechens? Nicht ganz zufällig ist der Ort des Praktikums gewählt. Und so kann sich der Leser mit Anja auf eine Entdeckungsreise begeben, die zunächst mit recht harmlosen Erkenntnissen und kleinen Ungereimtheiten beginnt und schließlich zu immer beklemmender werdenden Nachforschungen führt. 


So wie sich die Ereignisse langsam entwickeln, so langsam entwickelt sich auch die Lektüre. Von einem zunächst mäßig interessanten Ausflug in die Forstwirtschaft zu einem ausgesprochen spannenden Krimi, mit dem sehr klar wird, dass die deutsche Vergangenheit noch lange nicht verarbeitet ist und immer noch gerne verleugnet wird. Die Reaktion der Vertuschung scheint auch heute noch gang und gäbe zu sein. Wo sind die aufrechten Aufklärer? Wie viele Generationen braucht es, um die Schuld nicht mehr unter den Teppich zu kehren. Ein sehr gelungenes Werk der Mahnung und auch der Hoffnung. Gerade in der heutigen Zeit, wo es dafür Sorge zu tragen gilt, dass sich Geschichte nicht wiederholt.

4,5 Sterne

Schweigend steht der Wald von Wolfram Fleischhauer
ISBN: 978-3-426-30410-5


Mittwoch, 2. September 2015

Verschwunden

Eine Lücke, die sich nicht schließen lässt, hinterließ der 19jährige Felix als er vor über zehn Jahren verschwand. Seine Eltern sind inzwischen geschieden, das Leben seiner Schwester dümpelt ziellos vor sich hin, sein bester Freund Paul hat sein Studium gerade abgeschlossen und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Einer dieser Jobs verschlägt Paul nach Prag, wo er sich plötzlich einem jungen Mann gegenüber sieht, der Felix ausgesprochen ähnlich zu sein scheint. Kann das wirklich sein, sollte Paul Felix gefunden haben, ohne ihn zu suchen? Der Fremde jedenfalls nennt sich Ira Blixen und hat nach eigenen Angaben wegen eines Unfalls keine Erinnerung an die ersten zwanzig Jahre seines Lebens.

Sehr neugierig macht die Beschreibung dieses zweiten Romans von Katharina Hartwell, die mit ihren Debütroman „Das fremde Meer“ zu begeistern verstand. Ein ungelöstes Geheimnis um das Verschwinden eines geliebten Menschen. Was mag ihn bewogen haben, zu verschwinden, ist es überhaupt freiwillig geschehen oder wurde ein Verbrechen nicht aufgeklärt. Wie hat die Familie es überstanden, plötzlich ohne Felix zu sein, kann sie es überhaupt verwinden. Ist es wirklich möglich, dass es sich bei Blixen um Felix handelt. Voller Vorfreude kann die Lektüre begonnen werden. Gerade zu Beginn ist es möglich sich in die Handlung einzufühlen, man hofft mit den handelnden Personen, ihr Leben möge wieder heil werden. 


Leider jedoch hält der Roman nicht, was sein Beginn verspricht. Wo sich bei ihrem wirklich hinreißenden Debüt eine Handlung ergibt, die den Leser dahinschmelzen lässt, zerfasert dieses neue Buch zu Stimmungsfetzen, die kein stimmiges Ganzes ergeben wollen. Nach einer Erklärung suchend bleibt der Leser etwas ratlos mit dem Gedanken, den Sinn nicht verstanden zu haben. Sprachlich gewannt verpackt mit einer fesselnden Idee versehen, wandelt sich die anfänglich sehr schön entwickelte Handlung in etwas undurchschaubar Seltsames, das die Erleuchtung für sich behält. Etwas sehr den eigenen Lösungsansätzen überlassen, wünschte man sich einen kleinen Epilog, der mit dem Pfad einer kleinen Erkenntnis lockte.

3,5 Sterne

Der Dieb in der Nacht von Katharina Hartwell
ISBN: 978-3-8270-1279-1


Dienstag, 1. September 2015

Das erste Jahr

Endlich ist er da! Süß schlummert Felix in seinem Bettchen und Mia, die frischgebackene Mama kommt sich etwas vernachlässigt vor, weil die zahlreichen Besucher nur Augen für den Kleinen haben. Wieder daheim wird es auch nicht viel besser, denn Mias Mutter nistet sich im neuen Heim der kleinen Familie ein. Nicht um zu helfen, das wäre ja schön, sondern eher, um besserwisserische Ratschläge von sich zu geben, die der noch unerfahrenen jungen Mutter das Leben eher schwerer machen. Was also tun? Bei einem chaotischen ersten Weihnachtsfest in großer Runde, einen Gutschein für eine Partnervermittlung für ältere Menschen aus dem Hut zaubern.

Endlich ist er da! Der Nachfolgeband von „Klapperstörche und andere schräge Vögel“, dort war die Zeit der Schwangerschaft Mias mitzuerleben und nun erfahren wir, was nach der Geburt geschieht. Denn sie leben nicht immer nur glücklich und zufrieden. Nach der Geburt muss Mia ihr neues Leben kennenlernen, die störende Mutter, Krabbelgruppe, Babyschwimmen und was sonst noch dazu gehört. Mit ihrer enthusiastischen und fröhlichen Art nimmt sie die Aufgabe an und lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. Auch wenn ihr kleiner Felix manchmal ein kleiner Kotzbrocken und Brüllaffe ist und auch mächtig viel von Stinkbomben versteht, so macht er doch seinem Namen alle Ehre, wenn er mit seinem meist sonnigen Gemüt alle für sich einnimmt. Wenn sich Molly und Mia dann noch daran begeben, einen Schwindler zu entlarven, kann sich die ganze Mischung nur zu einer turbulenten und heiteren Geschichte fügen.


Wahre Worte in eine lustige und ereignisreiche Handlung verpackt, die dem Leser mehr als einen lauten Lacher entlockt, so manches Schmunzeln und häufiges Kopfnicken. Was könnte man sich mehr von einem Roman wünschen. Ausgesprochen unterhaltsam beschreibt die Autorin Mias und Nils erstes Jahr mit ihrem kleinen Sohn. Viel Trubel und auch einige ruhige Momente, nie weiß man, was der nächste Moment bringen wird. Immer nah am wirklichen Leben fühlt man sich am Ende dieser kleinen Familie fast schon zugehörig und würde gerne erfahren, welche Erlebnisse ihnen in den nächsten Jahren noch bevor stehen.

4 Sterne

Om, es ist nur eine Phase von Vanessa Richter
ISBN: 978-9-9635-2181-6