Mittwoch, 23. September 2015

Das Buch Hiob

Der Lehrer an einer jüdischen Schule in Zürich wird  tot aufgefunden. Die Gemeindemitglieder sind entsetzt. Rabbi Klein muss sich einer Aufgabe stellen, von der er nie erwartet hätte, dass sie auf ihn zukommt. Lehrer Berger war beliebt, aber dennoch ohne Verwandte. Kommissarin Bänziger bedient sich seiner Sprachkenntnisse des Hebräischen, weil die amtliche Übersetzerin ausgefallen ist. Und so wird der Rabbi an den Ermittlungen beteiligt, zu denen er sich als Gemeindevorstand beinahe für besser geeignet hält als die Polizei. 

Tatsächlich erfährt der freundliche aber auch neugierige Rabbi einige Details aus dem Leben des Opfers, die bisher unbekannt waren. Allerdings erweckt er den Eindruck, als lasse seine bessere Kenntnis der internen Strömungen der kleinen Gemeinde ihn etwas selbstgerecht werden. Mit seiner Einmischung verhilft er Kommissarin Bänziger zwar zu einigen Erkenntnissen, doch verdreht er auch Details, was zu Entwicklungen führt, deren Ausgang das Gewissen des Rabbis belasten. 

Schon etwas enervierend wie besserwisserisch Rabbi Klein auftritt, anstatt offen mit der Kommissarin zusammen zu arbeiten, meint er den Fall selbst aufklären zu können, da er die Mentalität seiner Gemeindemitglieder besser einzuschätzen versteht als die Polizei. In Teilen mag das sicherlich stimmen, doch kann man auch den Eindruck gewinnen, ohne die zweifelhafte Mitarbeit des Rabbis hätte sich einiges verhindern lassen. Gewitzt ist er dieser Rabbi, eine gute Frau hat er und liebenswerte Töchter, doch lieber hätte er, wie es die Kommissarin bemerkt, kein Polizeibüro aufmachen sollen. 


Einen interessanten Einblick in das Wirken des Rabbis in seiner Gemeinde gewährt der Autor seinen Lesern. Seine große Kenntnis über das jüdische Zürich bereichert ungemein und auch die Aufklärung des Todesfalls gestaltet sich überraschend und spannend. Schwierig jedoch wird es für den unkundigen einigen Gedanken des Rabbis zu folgen. Am Ende wünscht man sich zwar, beim nächsten Mal möge er schlauer sein, man wünscht sich aber auch, es möge ein nächstes Mal geben.

3,5 Sterne

Kains Opfer von Alfred Bodenheimer
ISBN: 978-3-312-00628-1


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