Sonntag, 4. Oktober 2015

Kochduell

Ungefähr zur Zeit des ersten Weltkriegs fährt der Schiffskoch Carl Juniper auf einem Frachtschiff. Irgendwo zwischen South Georgia und den Falklandinseln im Südatlantik erwischt ein schlimmer Sturm das herunter gekommene Schiff. Allein Carl überlebt den Untergang, nur um wiederum dem Untergang geweiht zu sein. Dem Tode nah verliert er das Bewusstsein und erwacht plötzlich an einem fremden Strand. Dort wird er von einem Arbeiter namens Bren aufgelesen. Beinahe unglaublich ist Carl in einer Art London angekommen, zwar eine Stadt, doch völlig anders als die Bekannte. Arbeiten ist alles, was zählt, das Leben ist straff durchorganisiert und anstelle von Mahlzeiten gibt es Einheiten, die wohl nahrhaft und doch ausgesprochen fad sind. Fast wie ein Wunder erscheint es Carl als er auf heimliche Köche stößt.

Wie gelangt Carl in diese so andere und doch ähnliche Welt? Ist sie wirklich? Ein Glückskind scheint Carl zu sein, denn sogar in dieser fremden totalitären Stadt trifft Carl auf freundliche Geister und kleine Rebellen, die ihm helfen und ihn vor Entdeckung schützen. Sein Dasein als Arbeitsameise stellt ihn nicht zufrieden. Obwohl er seinen Freunden sehr dankbar ist, nutzt er die Gelegenheit in den Untergrund zu gehen als er entdeckt, dass es selbigen gibt. 


Eine wunderbare kleine Phantasie reizt das Gehirn des Lesers, sich auf sie einzulassen. Soll man über Ecken und Kanten, kleine Unstimmigkeiten nachdenken oder das Ganze wie eine gelungene Dystopie einfach auf sich wirken lassen. Zwar bleiben einige Beschreibungen etwas verschwommen, was ein wenig verunsichert. Zwar bleiben ein paar Fragen ungeklärt, was in der heutigen Zeit, in der aus fast allem eine Reihe gemacht wird,worauf es hier allerdings keinen direkten Hinweis gibt, nicht wirklich überrascht. Zwar geraten einige Bilder etwas zu gemalt. Doch insgesamt wurde eine Hommage ans Kochen unterhaltsam verpackt und mit einer Rahmenhandlung verwoben, die zwar das richtige Maß an Gedanken anregt, zu der es doch ein paar weitere Sätze hätte geben können. So manches mal sieht man sich in eine Küche versetzt und vermeint, den Köchen bei ihrer kreativen Tätigkeit über die Schulter schauen zu können. Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen, man glaubt zu schmecken und zu riechen, die Hitze des Ofens zu spüren. Gerade das ist es, was die kleinen Ungereimtheiten zeitweise vergessen lässt.

3,5 Sterne

Die Stadt der verschwundenen Köche von Gregor Weber
ISBN: 978-3-8135-0605-1





Kommentare:

  1. Huhu ^^

    die Idee ist wirklich gut, schade das es in der Geschichte noch ein paar Unstimmigkeiten gibt. Werde mal hineinlesen ;-)

    Liebe Grüße,
    Tanja

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    1. Ja, als ich die Beschreibung las, war ich ganz begeistert von der Idee und auch das Cover hat es mir angetan. Das Buch lässt sich auch gut lesen, doch einige Szenen wirkten auf mich etwas aufgesetzt. Aber natürlich ist es am besten, wenn sich jeder selbst eine Meinung bildet. Hab lieben Dank für deinen Kommi.
      Liebe Grüße
      Walli :-)

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