Sonntag, 18. Oktober 2015

Zicken halten zusammen

Vor einem Jahr wurde der Jugendliche Chris Harper auf dem Gelände der benachbarten Mädchenschule getötet. Noch immer ist nicht klar, wer den Mord begangen hat. Da wird der Dubliner Polizei ein Hinweis übergeben, der den Ermittlungen einen neuen Ansatz geben könnte. Detective Steven Moran sieht darin seine Chance, zur Mordkommission versetzt zu werden. Zunächst darf er jedoch nur an den aktuellen Untersuchungen teilnehmen. Seine Vorgesetzte Antoinette Conway versteht hervorragend auf das Spiel „guter Cop - böser Cop“. Beide begeben sich zu der Schule, um die Schülerinnen, denen ein Jahr zuvor nichts wirklich zu entlocken war, erneut zu befragen.

Während der Lektüre wirkt die Schule der Mädchen mehr und mehr wie ein Schlangennest. Besonders die im Internat untergebrachten Schülerinnen scheinen eng verbunden zu sein. Im gleichen Alter wie der Tote befinden sich unter den Mädchen zwei Gruppen, die sich spinnefeind sind. Zwei mal vier junge Frauen, aus deren Reihen die Karte stammen muss, auf der der geheimnisvolle Hinweis steht, und die sich gegenseitig beschuldigen und verdächtigen. Keine leichte Aufgabe für die Ermittler. Nur schwer lassen sich die Mädchen kleinste Informationen entlocken. Nach und nach entsteht ein Bild des vergangenen Jahres und auch der letzten Monate im Leben des Chris Harper.


Auf zwei Ebenen berichtet die Autorin von den Ereignissen. Hieraus entwickelt sich ein sehr spezielles Spannungsfeld und wenn man einzelne Teile der Geschichte langsam durchblickt, überläuft einem mehrfach ein Schauer. Wie Katzen umschleichen sich die Schülerinnen. Da kann es geschehen, das plötzlich die Krallen ausgefahren werden. Selbst als Leser kann man die geheimen Strömungen und Stimmungen spüren, die das Internatsleben der Mädchen bestimmen. Man lernt, dass hinter der glatten Fassade längst nicht alles so ist, wie Eltern und Lehrer vielleicht glauben mögen. Gerade wegen der besonderen Komposition bekommt dieses Buch etwas Einzigartiges. Doch verlangsamt dies auch die Entwicklungen und die spezielle Ausdrucksweise, die der Autorin eigen zu sein scheinen, verhindert das völlige Eintauchen in die ansonsten ausgesprochen intelligente und sich überraschend entfaltende Geschichte. Wer sich also auf die Art, wie sich die Autorin ausdrückt, einlassen kann, wird hier bestens unterhalten werden. Und auch die anderen werden zumindest ein gutes Buch zu lesen bekommen, auch wenn es in manchen Momenten ein wenig Überwindung kosten kann.

4 Sterne

The Secret Place von Tana French
ISBN: 978-1-444-75561-9


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