Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Meisterwerk!

Die Gestirne“ spielt in Neuseeland zur Goldgräberzeit im 19. Jahrhundert. In Hokitika stößt Moody auf eine Versammlung von 12 Personen. Thema sind ungelöste Kriminalfälle, zu denen jeder eine eigene Sichtweise hat. Vieles kommt dabei ans Licht und Moody steht vor der schwierigen Aufgabe, aus den vielen Erzählvarianten die Wahrheit herauszudestillieren. 
Eleanor Catton hat diesen Roman meisterhaft komponiert. Der Roman besteht aus 12 Teilen. Diese nehmen Bezug auf Planeten und Sternen, die am Nachthimmel von Neuseeland zu sehen sind und die als Vorlage für die Einteilung und Charakterisierung der Personen im Roman dienen. Sie entsprechen den 12 astrologischen Häusern der Tierkreiszeichen. Die Logik dahinter ist bestechend, wenn auch nicht immer leicht zu erkennen.Der Roman ist sehr anspruchsvoll und nicht leicht zu lesen. Moody und der Leser werden mit zahlreichen Detailinformationen gefüttert. Rund 1000 Seiten hat das Werk und doch wird es auf keiner davon langweilig. Die Geschichte war spannend und hat mich bis zum Schluss gefesselt, auch wenn ich die Logik der Autorin nicht immer vollständig erschließen konnte. Mich hat fasziniert, wie die einzelnen Puzzleteile zusammengetragen werden und am Ende eine stringente Auflösung ergeben. Als Buch für zwischendurch ist es nicht zu empfehlen, wohl aber allen, die anspruchsvollen, spannenden Lesestoff suchen.

© Britta Kalscheuer

4 Sterne

Die Gestirne von Eleanor Catton
ISBN: 978-3-442-75479-3



Verschlungene Gänge

Magda, die Tochter von Asa und Martin ist verschwunden. Die sofortige Suche der Eltern, der Nachbarn, der Polizei führt zu nichts. Das Mädchen ist wie vom Erdboden verschluckt. Schließlich geraten die Eltern in Verdacht, ihrem Kind etwas angetan zu haben. Gegen Martin läuft ein Ermittlungsverfahren, obwohl er immer wieder beteuert, dass er mit dem Verschwinden seiner Tochter nichts zu tun hat. Asa kritisiert die Arbeitsweise der Behörden, anstatt gegen Martin zu ermitteln, sollten sie doch lieber nach Magda suchen. Doch was haben Tom, Martins Assistent, und Katja, Toms Freundin, mit den Geschehnissen zu tun.

Aus Sicht dieser vier Personen werden die Vorgänge um Magdas Verschwinden geschildert. Sie berichten von dem Ereignis und von ihrem Leben davor und danach. Nicht erst durch die Abwesenheit des kleinen Mädchens werden Depressionen ausgelöst, sie scheinen bei allen handelnden Personen vorhanden zu sein. Martin, dessen Bruder in jungen Jahren verstarb und über dessen Tod er nie richtig hinwegkam. Asa, die sich früh von ihren Eltern gelöst hat und dies doch nicht richtig geschafft hat. Tom, dessen eigenartiges Elternhaus nur angedeutet wird und der nach Normalität strebt. Katja, die adoptiert ist und in der Schule eine Außenseiterin war. Langsam erschließt sich das Beziehungsgeflecht dieser Personen. Doch Magda bleibt da ein wenig auf der Strecke, sie scheint von ihren Eltern nicht wirklich wahrgenommen zu werden. 


Durch die Erzählung der Geschichte aus der Sicht von vier Personen, die unterschiedliche Kenntnisse der Vorgänge haben, entwickelt sich auch durch die unterschiedlichen Zeitebenen, aus denen erzählt wird, nach und nach ein Gesamtbild. Ein Beziehungsgeflecht, in dem alle verstrickt sind. Sehr ichbezogene Personen, die nur um sich selbst zu kreisen scheinen. Sie wurden von den Eltern und früheren Ereignissen geprägt und schaffen es nicht, ihrem Charakter zu entkommen. Dass sich darüber ein Kind in Luft aufzulösen scheint, erst durch verändertes Verhalten, dann tatsächlich, scheint ihnen in der ersten Phase völlig zu entgehen und auch später scheint nur langsam einzusickern, dass das Mädchen unwiderruflich fort ist. Durch die sehr persönlichen Schilderungen taucht man in die Charaktere ein, vermag allerdings nicht wahres Verständnis aufzubringen. Ein Kind ist verschwunden, ein Leser etwas befremdet.

3,5 Sterne

Das Labyrinth von Sigge Eklund
ISBN: 978-3-8321-9758-2


Mittwoch, 30. Dezember 2015

Vergangener Ruhm

Bei einer kurzen Begegnung haben sich Major Brendan Archer und Angela, die Tochter eines irischen Hotelbesitzers, verlobt. Während des ersten Weltkrieges erfolgte ein reger Austausch von Briefen. Nun kurze nach Ende des Krieges hat der Major die schlimmsten Traumata überwunden und reist zu seiner Verlobten, um um ihre Hand anzuhalten. Am „Majestic“, das allerdings nicht mehr so majestätisch ist, sondern eher heruntergekommen, angelangt ist der Major doch einigermaßen erstaunt, dass sich seine Verlobte ihm zu entziehen scheint. Doch bevor er sich diesem Problem eingehender widmet, beschäftigt er sich erstmal mit diesem Landsitz, der seine besten Tage schon hinter sich hat, aber dennoch einen eigenartigen Charme ausstrahlt.

Im Jahre 1970 veröffentlicht entfaltet auch dieser Roman einen gewissen Charme. Zwar schwankt man etwas zwischen dem Angewidertsein von diesem Hotel, in dem es an vielen Reparaturen und Modernisierungen fehlt, der undurchdringlichen Oberflächlichkeit seiner Bewohner, die immer noch so tun als lebten sie in einer heileren Welt und dem Ruck, der durch einige der Protagonisten geht, die sich um althergebrachte Gebräuche nicht mehr scheren. Etwas unverständlich zunächst die Geduld des Majors mit seiner Braut, die sich scheinbar unnütz ziert. Doch durch die plötzliche Erkrankung Angelas, die in einer späteren Erläuterung nicht mehr so plötzlich scheint, erklärt sich einiges. Allerdings bleibt es etwas unerklärlich, weshalb der Major in einem gewissen Moment nicht den Absprung schafft. 


Vor dieser Kulisse dieses heruntergekommenen Hotels, dessen Betrieb noch nicht einmal die laufenden Kosten deckt, ist die Beschreibung des erstarkenden Sinn Fein in Irland und der Niedergang des britischen Empire interessant beschrieben. Obwohl das Buch einige Momente des gefesselten Lesens beschert, vermag es aus der heutigen Sicht mit seiner altertümlichen Sprachweise und sehr betulichen Erzählform nicht ganz zu überzeugen.

3 Sterne

Troubles von J. G. Farrell
ISBN: 978-1-8579-9018-8


Dienstag, 29. Dezember 2015

Der Engländer

Robert Fossicks Mutter leidet schon seit längerem an Demenz, trotzdem kann sie es nicht lassen, das Unkraut zu zupfen, das sich durch die Fugen der Terrassenfliesen wagt. Eines Tages stürzt sie dabei so schwer, das sie stirbt. Ihr Sohn Robert ist bei ihr, kann das Unglück allerdings nicht verhindern. Kurz vorher hat ihm seine Mutter aufgetragen, er solle ein Päckchen an Mr. Satoshi schicken. Doch wer ist das überhaupt? Robert, der sich sehr zurückgezogen hat, weil er nach dem Unfalltod seiner Frau mit dem Leben nicht mehr klarkommt, beginnt fast widerwillig mit den Nachforschungen. Eigentlich möchte er seine Ruhe, aber er möchte auch den letzten Wunsch seiner Mutter erfüllen.

Kennt man das Leben seiner Eltern? Oder kann es nach dem Tod eines Elternteils noch Überraschungen geben. So langweilig das Leben in mittleren Jahren vielleicht zu werden beginnt, wenn man dann nicht gerade richtig durchstartet, so gab es vielleicht auch Zeiten, in denen die älteren auch einmal etwas erlebt haben. Zeiten, in denen ihnen ein ganz anderer Weg vorgezeichnet schien, ein toller Beruf, eine große Liebe. Und irgendwann ist man eine alte Dame, die sich genau daran kaum noch erinnern kann. Und man hinterlässt einen Sohn, in dessen Dasein alles geregelt schien und der nach diesem tragischen Ereignis für immer gezeichnet zu sein scheint. Roberts Mutter wünschte dem Mr. Satoshi aus ihrer Jugend noch ein Zeichen senden zu können und nun ist es Robert Aufgabe, das Päckchen zu überbringen. 


Es könnte eine einfache Briefzustellung sein, wenn man denn eine gültige Anschrift hätte. Doch wie Robert sich auf die Reise nach Japan und damit in die Vergangenheit seiner Mutter begibt, begibt er sich auch auf die Reise nach sich selbst und in seine Zukunft. Manchmal möchte man ihn aus seiner Lethargie schütteln, ihn aufrütteln, Robert jedoch braucht seine Zeit. Schritt für Schritt geht er seinen Weg und er nimmt die Leser mit auf eine Reise in ein fernes Land und in eine Welt, in der es Hoffnung gibt.

4 Sterne

Wer ist Mr Satoshi? von Jonathan Lee
ISBN: 978-3-442-75386-4



Montag, 28. Dezember 2015

Going Underground

Er ist ein netter Nachbar und er hilft wo er nur kann, Bäume beschneiden, Reifen wechseln. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine alt gewordenen Eltern. Wieso also wird Oliver Wiebusch im Elbtunnel mit zwei Schüssen in seinem Auto getötet. Adam Danowski nach seinem Pestschiff-Fall eigentlich auf dem Abstellgleis gelandet, muss mit seiner neuen Partnerin Meta Jurkschat nach einer Panne die Ermittlungen übernehmen. Im Kommissariat wird er wegen seiner Hypersensibilität fast schon gehänselt, sein alter Partner Finzi ist nach einer Art Alkohol-Rückfall im Pflegeheim. Danowskis Leben befindet sich im Umbruch und seine Nachforschungen führen ihn in den Untergrund Hamburgs.

Erstaunlich, was sich unter den Häusern und Straßen vieler Städte verbirgt. Ob London oder Berlin und nun eben Hamburg, irgendwie lässt sich darum immer ein spannender Krimi konstruieren. Dieses Geheimnisvolle der ungenutzten, verlassenen Gänge und Orte. Wenig bekannt in der Bevölkerung und dennoch die Neugier weckend. Was kann sich dort alles zutragen, schon die möglichen Fluchtwege regen die Phantasie an. Und wenn das auch noch das Opfer gleiche mehrere geheime Leben zu haben scheint, erwartet man gebannt eine Enthüllung nach der anderen. Diesen kommt Kommissar Danowski zwar nur langsam aber doch stetig näher, häufig mit sich selbst beschäftigt, mit seinem Ringen um Ruhe und Gelassenheit, gewinnt man doch den Eindruck, dass er zusammen mit den richtigen Partnern einfach nur Verbrechen bekämpfen möchte. Die Teilzeitschiene mag man ihm nicht so richtig abnehmen. Und so stellt er auch ein ums andere Mal mit der Ausrede des „Letzten Mals“ die Ermittlungen vor sein Privatleben. 


Etwas beklemmend, was sich da nach und nach vor den Augen des Lesers entblättert. Nicht nur die vielfältigen Möglichkeiten der Nutzung des Untergrunds, auch die Vielschichtigkeit des Opfers machen Nachdenklich. Schließlich sind Räume neutral, den Menschen kann man jedoch immer nur vor den Kopf gucken. Findet man heraus, was sie alles zu verbergen haben, können sich schon mal die Nackenhaare aufstellen. Dennoch kann es einen gerechten Mord nicht geben. Zwar gibt die internationale Komponente dem Fall eine Besonderheit, wirkt aber doch ein wenig fremd. Sei es drum, Adam Danowski, Finzi und Jurkschat möchte man gerne wieder begegnen. Und auch die mit Durchblick gesegnete Chefin sollte sich das mit dem Ruhestand noch mal genau überlegen, so leicht ist sie nicht zu ersetzen.

4 Sterne

Blutapfel von Till Raether
ISBN: 978-3-499-26709-3


Sonntag, 27. Dezember 2015

Der Kloß

Alles, was Cheryl nervt, sitzt ihr wie ein Kloß im Hals. Sie sucht deswegen sogar einen Arzt auf. Mit Anfang vierzig git es eine ganze Menge, was einen nerven kann. Aber ihren Haushalt hat Cheryl durchorganisiert. Da wird kein Besteckteil zu viel benutzt, kein Ganz umsonst gemacht. Welch Schreckensszenario bedeutet da das Konzept Besuch. Cheryl bekommt die 21-jährige Tochter ihrer Arbeitgeber aufgedrängt und wird dieses schreckliche, unsaubere und schlecht gelaunte Gör nicht wieder los. Eine grauselige Situation bis Cheryl entdeckt, dass die aggressiven Kabbeleien mit Clee den Kloß im Hals zum Verschwinden bringen. 

Durch positive Besprechungen neugierig geworden auf das Buch stellt sich die Frage, ob man positiven Besprechungen immer trauen sollte. Jedenfalls sollte man hier eine sehr offene und progressive Einstellung zum Lauf der Dinge mitbringen. Und selbst wenn man diese aufbringen kann und möchte, ist es schwierig hier irgendjemandem Sympathie entgegen zu bringen. Die Autorin, die wenn man die Veröffentlichen über sie richtig interpretiert, eigentlich mehr eine ganzheitliche Performance-Künstlerin ist, schöpft hier aus dem Vollen ihres Provokationspotentials. Zutage tritt ein großer Ideenreichtum, der aber leider einiges an Widerwillen und Ekel verursacht. Cheryl scheint eine gänzlich verfehlte Existenz zu sein, die es schließlich sogar schafft, auch Clee, eine widerwärtig Halberwachsene zu entsorgen, um schließlich zurück in ihre durchorganisierte Einsamkeit zu finden und dabei doch zu zweit zu sein. 


Man könnte dieses Buch als Fortschrittlich und Weltoffen ansehen, es könnte aber auch passieren, dass man durch die Seiten fliegt, um es möglichst schnell hinter sich zu bringen und dann sofort zu vergessen. 

2 Sterne

The first bad Man von Miranda July
ISBN: 978-1-78211-504-5


Samstag, 26. Dezember 2015

Illusion

Endlich steht er als König Lear auf der Bühne, doch lange kann er sein Glück nicht genießen. Noch auf der Bühne erleidet Arthur Leander einen Herzinfarkt und stirbt. Ein tragisches Ereignis, welches allerdings schon kurz darauf an Bedeutung verliert, denn aus Moskau landet ein Flugzeug mit Menschen, die mit der Georgischen Grippe infiziert sind. Dieser Virus ist eine wahre Geißel, innerhalb von Wochen ist der größte Teil der Menschheit ausgestorben. Die Zivilisation wie sie bekannt war, ist ausgelöscht. Die wenigen Überlebenden ziehen als Nomaden durchs Land oder siedeln in verlassenen Gebäuden. Zwanzig Jahre nach der Grippe befindet sich unter ihnen eine fahrende Schauspieler-Truppe, die Shakespeare-Stücke aufführt.

Sollte das der Menschheit bevorstehen? Der Ausbruch einer Krankheit, die ihre Wirte so schnell tötet, dass sie in kürzester Zeit ausgelöscht sind und mit ihr auch der Virus selbst? Immer geht es ums Überleben, auch ums Überleben der Viren. Aus dieser Sicht scheint das Szenario eher unwahrscheinlich, aber dennoch äußerst erschreckend. So sehr basiert das heutige Alltagsleben auf Energie und deren Selbstverständlichkeit, dass die Abwesenheit derselben nur katastrophale Folgen haben kann. Die westliche reiche Welt kann in dieser Situation nur kapitulieren, eine bessere Chance haben sicher die, die heute schon mit wenig auskommen müssen. Dies wird hier allerdings nicht beleuchtet, wäre aber eine interessante Frage. 

In ruhigem Fluss wird die durch verschiedene Zeitebenen etwas verschlungene Geschichte erzählt. Durch die oft beschreibende Wortwahl kann es ein wenig schwierig sein, sich der Handlung zu öffnen. Doch je länger man den Protagonisten folgt und langsam begreift über welchen Weg die einzelnen Handlungsstränge zu einem Höhepunkt zusammengefügt werden, desto fesselnder wird das Buch. Nichtsdestotrotz ist die Vermutung, dass die Zivilisation eher eine Illusion ist, die sehr schnell verschwindet, wenn eine tragende Säule wegfällt, wohl sehr realistisch, aber nicht sehr schön. Oder ist es ein Tief, das von der Menschheit überwunden werden kann.


3,5 Sterne

Station Eleven von Emily St. John Mandel
ISBN: 978-1-4472-6898-7


Freitag, 25. Dezember 2015

Einmal ohne

Bei den Ereignissen an den Reichenbachfällen in der Schweiz scheinen sowohl Professor Moriarty als auch Sherlock Holmes ums Leben gekommen zu sein. Der britische Inspektor Athelney Jones wird in die Schweiz geschickt, um eine an den Wasserfällen aufgefundene Leiche als die Moriartys zu identifizieren. In der kleinen schweizerischen Polizeistation trifft er auf den Pinkertonagenten Frederick Chase, der behauptet ein amerikanischer Gangster sei nach London übergesiedelt, um sich mit Moriarty zu verbünden. Deshalb sei es wichtig, heraus zu finden, ob der Tote etwas bei sich habe, was auf die Spur des Schwerverbrechers Clarence Devereux führen kann.

Ein Kriminalroman aus dem alten England, in der Tradition von Sherlock Holmes, der hier zwar eine gewichtige Rolle spielt, aber wenn lediglich verkleidet auftritt. Athelney Jones scheint allerdings Holmes´ würdiger Nachfolger zu sein. Ganz vertieft in des Meisterdetektivs Methoden, hat er alles aufgesogen, was er über sein Vorbild finden konnte. Und nun ist er bereit in die Fußstapfen des großen Polizeiberaters zu treten. Wie geschickt er Folgerungen zu ziehen vermag, ergibt sich schon bei seinem ersten Treffen mit Chase. Diesen erläutert er verschiedene Aspekte seiner Reise und seines Lebens und Chase muss gestehen, dass der Inspektor doch in vielem richtig liegt. Und so scheinen die beiden der Polizist und der Privatdetektiv ein ideales Gespann zu bilden, das sich hervorragend ergänzt.


Einen großen Teil seiner Spannung zieht der Roman aus der Frage, die man sich als Freund der Geschichten um Sherlock Holmes eigentlich sofort stellt: Wer ist der Tote? Und wenn es weder Moriarty noch Holmes ist, wovon man eigentlich ausgehen kann, wer ist es dann? Und natürlich wo sind Holmes und Moriarty? Und so sucht man während der Lektüre immer wieder nach Hinwiesen auf die genialen Widersacher. Dabei mag manche Ahnung stimmen und dennoch wird das Buch verschiedene Überraschungen bereithalten. Ein Detektivroman, der die detektivischen Fähigkeiten des Lesers anspricht, und in dem häufig doch alles anders kommt. 

4 Sterne

Der Fall Moriarty von Anthony Horowitz
ISBN: 978-3-458-17612-1


Donnerstag, 24. Dezember 2015

Überraschungspaket

Sein Vater ist schon vor über einem Jahr abgehauen, der beste Vater war er nie. Mit 13 Jahren verliert Theo tragischerweise auch seine Mutter. Bei einem Anschlag auf ein Museum, das Beide gerade besuchen, kommt seine Mutter um. Theo, der nur einen Moment auf sie warten sollte, muss das wohl traumatischste Erlebnis überstehen, das ihm je widerfahren wird. Er wird verschüttet und als er aus seiner Ohnmacht erwacht, hilft er einem älteren Mann, der leider nicht gerettet werden kann. Theo findet Halt in einem Bild, dem Lieblingsbild seiner Mutter, das er aus den Trümmern retten kann, das er allerdings vergisst zurückzugeben. 

Kein Wunder, dass dieses einschneidende Ereignis Theos Leben bestimmt. Niemand scheint ihn haben zu wollen, seine Großeltern nicht, sein Vater bleibt verschwunden. Endlich kommt er bei der Familie eines Klassenkameraden unter, die ihn von Andy abgesehen auch eher kühl behandeln. Die Therapie bei einem Psychologen schlägt nicht so recht an, verständlicherweise vermisst Theo seine Mutter aufs Äußerste. Und gerade als er beginnt etwas Hoffnung zu schöpfen und er es geschafft hat, eine Verbindung zu dem Mädchen, das ihn im Museum so verzaubert hat und das ebenfalls überlebt hat, aufzunehmen, taucht sein Vater wieder auf. Ein Vater, der immer noch kein guter Vater ist, der Besitz des Bildes, der weiter auf ihm lastet - Theo beginnt den Halt zu verlieren.


Einen umfangreichen Roman um ein real existierendes Meisterwerk präsentiert Donna Tartt ihren Lesern. Das ist man von ihr schon so gewöhnt, auch ihre geringe Produktivität ist bekannt. Man kann sich förmlich vorstellen wie sie jedes Wort abwägt, dreht und wendet bis sie es endlich in gemessener Form niederschreibt, an seinen Platz stellt. War man von ihrem Erstlingswerk „Die geheime Geschichte“ fasziniert und von dem Nachfolger „Der kleine Freund“ angeödet, geht man mit banger Erwartung an diesen neuen Roman heran, dessen Entstehung wieder ungefähr zehn Jahre in Anspruch genommen hat. Mit über tausend Seiten nicht gerade schmal türmt sich die Aufgabe vor dem Leser wie ein Berg. Erstaunlich schnell lässt sich dieser dann erklimmen. Zwar will er wohlmöglich ähnlich wie beim Schreiben Wort für Wort genommen werden, dennoch wirkt sein Bann. Auch wenn es kleiner Pausen bedarf, mag man schließlich von dem Buch nicht mehr lassen. Man folgt Theos Achterbahnfahrt durch seine Jugend, seine „aus der Bahn Geworfenheit“ stößt manchmal ab, häufiger aber berührt sie. An manchen Wendepunkten wünschte man ihm mehr Glück, mehr Durchblick. Man leidet mit, wenn sich beinahe ohne sein Zutun etwas zum Ungünstigeren wendet. Bald hofft, sein Leben möge doch eine ruhigere und positivere Fahrt aufnehmen. Auch wenn die Autorin für manchen Geschmack vielleicht hin und wieder zu weit ausholt, scheint doch letztlich kein Wort überflüssig. Wenn man sich auf die Lektüre einlassen kann und sich vornüber ins Vergnügen stürzt, hat man hier ein Werk, das jede Minute wert ist, die es beansprucht.

4 Sterne

Der Distelfink von Donna Tartt
ISBN: 978-3-442-31239-9




Dienstag, 22. Dezember 2015

Auf der Jagd

FBI-Agentin Ingrid Skyberg ist zu einer Schulung in London. Während einer träge verlaufenden Lehreinheit werden sie und  eine Kollegin plötzlich in die amerikanische Botschaft gerufen. Er geht um einen Job, für den Ingrid schließlich ausgewählt wird. Die Enkelin der US-Außenministerin ist aus Paris, wohin sie die Großmutter zu einer Konferenz begleitete, verschwunden. Die letzte Spur führt nach London. Gemeinsam mit dem Sicherheitsfachmann Nick Angelis macht sich Ingred auf die Suche nach der jungen Frau.

Was hat Rachel bewogen, ihren Bodyguard zu entwischen und nach London zu kommen? Handelt es sich um eine kleine Eskapade oder befindet sich die 18-jährige in Gefahr? Ingrid Skyberg  und Nick Angelis begeben sich auf die Spur des Mädchens und müssen doch neidlos zugeben, dass sie des Öfteren genarrt werden. Dennoch verdichten kleinste Hinwiese sich langsam zu einem Bild.

Als Prequel zu einer Reihe um Agentin Skyberg ist diese Geschichte gedacht. Relativ kurz aber prägnant wird Ingrid Skyberg vorgestellt. Ihre Kabbeleien mit ihrem Gegenpart Nick Angelis geraten dabei recht amüsant. Obwohl er Ingrid mit seiner großkotzigen Art zunächst nicht so sympathisch ist, erledigt er seine Aufgaben schnell und kompetent. Und wer Motorrad fährt kann so ganz schlecht auch nicht sein. In Kombination bilden die Stärken der Beiden eine gute Grundlage zur Lösung des Falles.


Spannend und leicht zu lesen ist dieser Kurzroman. Zwar nicht so verzwickt, dass er ewig nachhängt. Doch als Vorstellung der Protagonistin gerade recht und fesselnde Unterhaltung bietend.

3,5 Sterne

Run Girl von Eva Hudson
ISBN: 978-0-99326-790-1


Sonntag, 20. Dezember 2015

Lady Jane

Jane war noch ein Kind, da erkrankten ihre Eltern an der Cholera und starben. Ihr gütiger Onkel Lord Pembroke holte sie nach England und gab ihr ein zuhause. Nun soll sie in der Gesellschaft debütieren. Im Jahr 1860 braucht sie als Frau einen Ehemann, da sie kein eigenes Vermögen besitzen darf. Der alte Lord hat sein Möglichstes getan, um seine Nicht gut zu stellen. Sein leiblicher Sohn allerdings vergeht seit seiner Heirat vor Neid und möchte an Janes Geld. In dieser Situation bietet das Angebot Captain David Wescotts einen Ausweg. Er bietet Jane eine Ehe auf dem Papier an, von der beide profitieren können. 

Zum einen geht es hier um Lady Janes Wunsch nach Unabhängigkeit und die Möglichkeit sich gegen ihren nichtsnutzigen Cousin durchzusetzen. Zum anderen aber auch darum, das Schicksal eines Kindes aufzuklären. Das Mädchen tauchte während des Balls auf und verstarb in Janes Gegenwart. Offensichtlich sehr arm und halb verhungert war das Kind und Lady Jane verschafft ihm ein ordentliches Begräbnis. 

Die beiden Handlungsstränge ergänzen sich sehr gut. Jane ist ihrer Zeit voraus, mit ihren freiheitsliebenden Gedanken will sie ihrem Vertrags-Ehemann eigentlich keine Schwierigkeiten bereitet. Vom ihrem Landsitz, den sie durch die Heirat von ihren Eltern geerbt hat, sieht sie sich doch genötigt, ihren Ehemann um Unterstützung zu bitten. Und gemeinsam mit ihrem Mädchen begibt sie sich auch auf die Suche nach der Geschichte des Kindes. Mit Spannung kann man verfolgen, in welch große Gefahr Jane gerät. Natürlich eilt David ihr zur Hilfe. 


Eine prickelnde Idee, Eheleute, die nur auch dem Papier verheiratet sind, sich durch die Umstände bedingt aber doch zwangsweise näher kommen. Dazu ein fesselndes Kriminalstück, das es in sich hat. Allerdings beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, dass ein zu starkes Augenmerk auf die Kriminalistik und die Unabhängigkeit von Lady Jane gelegt wurde. Dabei kommt das Prickeln und der Wortwitz, den man bei der Ausgangslage zu erhoffen wagte, ein wenig zu kurz. Die Worte einer deutschsprachigen Autorin wurden hier von einem Muttersprachler ins Englische übertragen. Eine richtige Entscheidung, die nur in kleinen Teilen die Frage aufwirft, ob nicht eine Übersetzung auch zu Verlusten führen kann. Dennoch ein packender Krimi, der in einen interessanten historischen Rahmen gefügt ist.

3,5 Sterne

The Girl at Rosewood Hall von Annis Bell
ISBN: 978-1-5039-4475-6


Samstag, 19. Dezember 2015

Hawaii

Madeline lebt mit ihrer Mutter in Los Angeles. Madeline ist krank. Madeline ist 18. Madeline möchte leben. Doch sie ist allergisch gegen alles, ihre Welt besteht aus einem weißen Zimmer mit gefilterter Luft, ihrer Betreuerin Carla, ihrem Computer, ihrer Online-Schule, ihrer Mutter. Nebenan ziehen neue Nachbarn ein, Eltern und zwei Jugendliche, Bruder und Schwester. Einen Bruder hatte Madeline auch mal und einen Vater, doch die starben bei einem Unfall als Madeline noch ein Baby war und seitdem sorgt sich ihre Mutter um sie. Ihre Mutter hat es geschafft, Madeline am Leben zu halten, trotz aller Schwierigkeiten. Dieser Nachbarsjunge macht Madeline doch neugierig.

Wie ist es, wenn man wegen einer Krankheit ein so eingeschränktes Leben führen muss. Madeline ist zwar da, aber irgendwie doch nicht. Nachdem die halbe Familie gestorben ist, unternimmt ihre Mutter alles, um Madelines sehr fragile Gesundheit zu erhalten und sie doch irgendwie am Leben teilnehmen zu lassen. Doch es ist halt nur aus zweiter Hand, ein online-Leben, das keine Gefahr einer Allergie-Auslösung birgt. Aber reicht Madeline ihr Beobachterdasein, ihre gefilterte Welt ohne echten Kontakt. Madeline wird langsam erwachsen, sie hat Wünsche und Träume. Und ihre Betreuerin Carla hilft ihr. So lernt Madeline den Jungen von Nebenan persönlich kennen.


Wie viel ist es einem wert, zu leben. Möchte man sein Leben einsetzen, um einmal aus dem Vollen schöpfen zu können? Wie groß ist die Sehnsucht nach dem Draußen, nach der Liebe. Reicht ein Moment der Liebe, um einen ewigen Tod zu rechtfertigen. Was kann man riskieren. In dieser Geschichte ums Erwachsen werden und eine erste Liebe, geht es viel um Einsatz und Risiko. Und die Folgen. Und um einige Seltsamkeiten. Locker aus der Sicht von Madeline geschrieben mit Zeichnungen und e-mails, kurzen Kapiteln und längeren Kapiteln, liest sich der Roman sehr schnell. Leichtfüßig zwar und doch sehr nachdenklich stimmend. Man beginnt mit Unstimmigkeiten zu hadern und ist schließlich sehr berührt, wenn sich die Hinweise zusammenfügen. Ein Buch mit einem Nachhall über die Kraft des Lebens, die Kraft der Liebe.

4,5 Sterne

Everything Everything von Nicola Yoon
ISBN: 978-0-552-57423-5


Freitag, 18. Dezember 2015

Montagsplage

Der 12jährige Arthur Penhaligon leidet unter schwerem Asthma. Seine wirklichen Eltern sind bei einer Grippe-Epidemie gestorben. Mit seiner Adoptivfamilie hat Arthur großes Glück gehabt, sie behandelt ihn wie ein echtes Familienmitglied und Arthur vermisst seine leiblichen Eltern nur selten. An seiner Schule ist er eher ein Außenseiter und weil der Sportlehrer nicht weiß wie krank Arthur ist, zwingt er ihn an einem Wettrennen teilzunehmen. Das löst bei Arthur einen schweren Asthmaanfall aus, während dem Arthur eigenartige Personen zu sehen scheint, bevor Kameraden ihm helfen. Arthur möchte das gerne als Halluzination abtun, doch als seine Klassenkameraden von seltsamen Erscheinungen berichten, muss sich Arthur stellen.

Arthur im Wunderland - in einem manchmal etwas grausamen Wunderland, so könnte man sich den Fortgang der Handlung dieses ersten Bandes einer siebenteiligen Reihe vorstellen. Arthur ist ein normaler sympathischer Junge, der allerdings zum Außenseiter abgestempelt wird, wohl hauptsächlich wegen seiner schlechten Gesundheit. Doch gerade diese befähigt ihn, in dieses fremde Haus einzutreten und mit der Rettung der Welt zu beginnen. Im Haus, in dem eigentlich nur der Lauf der Dinge festgehalten werden soll, ist einiges aus den Fugen geraten. Die Bewahrer haben sich einiges angeeignet, das ihnen nicht zusteht. Sie haben Veränderungen herbeigeführt, die sich negativ auf die Welt auswirken. Sie müssen gestoppt werden.


Für mich als Erwachsene war der Roman manchmal ganz schön unheimlich. Ich fühlte mich neben Alice auch an die Stimmung in Coraline erinnert. Die spillerigen Figuren, die Düsternis, die Musik, die einen schaudern lässt. Vielleicht ist ja alles ganz anders gemeint, doch so wirkt es auf mich. Je weiter ich las, desto surrealer und unheimlicher wurde es. Doch vielleicht habe ich gerade als Erwachsene hier mehr an der Handlung zu knacken als ein Kind, das möglicherweise nur eine spannende Verfolgungsgeschichte liest, mit einem Ausgang, der erstmal aufatmen lässt.

3 Sterne

Mister Monday von Garth Nix
ISBN: 978-0-43985-626-3


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Im Verborgenen wirken

Schon als Kind sticht Harry Clifton aus der Masse hervor wie ein Leuchtfeuer. Lieber als die Schule  besucht er seinen Freund Old Jack Tar, der in einem ausrangierten 1. Klasse Bahnwagon wohnt. Dieser wagen steht auf dem Gelände der Handelsschifffahrtslinie der Barringtons. Erst als sich herausstellt, dass sich Harrys Stimme bestens als Solo-Stimme für den Chor eignet, die Chorleiterin aber nur Kinder, die Lesen und Schreiben können in ihren Chor aufnimmt, kann Harry überzeugt werden, in die Schule zu gehen. Von dort aus bekommt er wegen seiner Stimme und auch wegen seiner inzwischen außerordentlichen schulischen Leistungen ein Stipendium an einer weiterführenden Schulde. Dort lernt er Giles Barrington kennen, der sein bester Freund wird.

Natürlich ist Harry in allem eine Ausnahme, eine tolle  Stimme, seine Intelligenz, sein freundlicher Charakter. Trotz seiner einfachen Herkunft scheint ihm eine glänzende Zukunft vorbestimmt. Immer wieder finden sich Förderer, die sich seiner annehmen und  seiner Mutter ist kaum ein Opfer zu groß, um den Teil seiner Bildung zu finanzieren, der nicht durch Stipendien gedeckt ist. Dabei bleiben Harry und Giles treue Gefährten. Unerklärlich scheint,weshalb Giles´ Vater so eine starke Abneigung gegen Harry empfindet.


In den Jahren 1920-1939 angesiedelt fühlt man sich an die Bilder aus Downton Abbey erinnert. Die Zeit zwischen den Kriegen, in der althergebrachte Sitten langsam von neuen Ideen abgelöst werden. Standesunterschiede beginnen nach und nach ihre Bedeutung zu verlieren. Dennoch ein Prozess, der nur langsam vorangeht. Mit Begeisterung folgt man Harry durch seine Schulzeit bis zu seinem Weg nach Oxford. Manches mal fiebert man mit, wenn es um das Geheimnis um den Tod seines Vaters geht. Man empfindet mit ihm den süßen Schmerz seiner ersten großen Liebe und erträgt tapfer den Schicksalsschlag des Beginns des zweitens Weltkriegs, dessen Ausbruch alles ändert. Schon ist man durch diesen ersten Teil der Clifton-Saga geflogen. Ein Buch, von dem man sich nur ungern trennt und von dessen Fortsetzung man hofft, sie möge einen ebenso in den Bann ziehen wie dieses Werk. Im Übrigen ist die Reihe laut Autoren web.site auf sieben Teile angelegt, von denen bisher fünf erschienen sind. Man darf also gespannt sein, was der Autor für die Freunde von Harry und Giles noch in petto hat.

4,5 Sterne

Spiel auf Zeit von Jeffrey Archer
ISBN: 978-3-453-47134-4




Sonntag, 13. Dezember 2015

Linzer Torte

Seit Milan Dragovic umgebracht wurde, ist die Familie doch besorgt. Das Leben muss weitergehen, das aus dubiosen Quellen stammende Geld soll endlich weiß gewaschen werden. Dazu will man in Linz in ein großes Stadtteil-Entwicklungsprojekt investieren. Allerdings wird der Tod des Neffen nicht vergessen. Chefinspektor Tony Braun beginnt mit seinen Ermittlungen nachdem ein junges Fotomodell umgebracht wurde. Der Fall weist einige Parallelen mit dem Mord an Dragovic auf. Aber wo soll die Verbindung bestehen. Braun, der mit privaten Problemen zu tun hat und seinen früheren Erfolgen hinterherläuft, kniet sich mit vollem Einsatz in den Fall. 

Ein Ermittler, der zum einen gewieft an seine Arbeit herangeht und mit seiner Intuition schneller an der Lösung eines Falles ist als seine Kollegen, der zum anderen jedoch nichts anderes hat als seine Arbeit. Die Ehe geschieden, das Umgangsrecht mit seinem Sohn auf der Kippe, der Bierkonsum hoch genauso wie der Pegel des Selbstmitleids. Tony Braun lässt sich treiben und nur wenn er sich zusammenreißt blitzen seine Qualitäten auf. Dann klappt das Zusammenwirken mit den Kollegen im In- und Ausland. Kaum jedoch hängt er mal wieder durch, wird er angreifbar, was seine Gegner gerade in diesem Fall, wo durch die Politik einiges vertuscht werden soll, da man das Entwicklungsprojekt nicht gefährden will, gnadenlos ausnutzen. Natürlich nur mit der Wirkung, dass Braun jetzt erst recht angestachelt auf eigene Faust ermittelt.

Leider weckt Chefinspektor Tony Braun, der eigentlich ein Major oder ähnliches sein müsste, keine große Sympathie. Wenn er sich im Suff verliert, möchte man ihn schütteln, denn nüchterner lebt es sich besser. Sicher funktionieren etliche Thriller gerade wegen ihrer kaputten Protagonisten, doch allmählich sehnt man sich nach Normalität. Unvermittelte Wutausbrüche und Gekreisch passen da nicht. Wenn der Roman der echten und gradlinigen Ermittlungsarbeit gewidmet ist, kommt dagegen Spannung auf, die die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Als geübter Krimileser ahnt man vielleicht früh, wer der Täter sein könnte. Doch die Zusammenhänge sind so geschickt verknüpft und logisch konstruiert, dass man gefesselt bei der Sache bleibt. 


3 Sterne

Töten ist ganz einfach von B. C. Schiller
ISBN: 978-3-7368-6346-0


Samstag, 12. Dezember 2015

Bulletproof

Mit 87 gehört Buck Schatz noch lange nicht zum alten Eisen. Er ist nicht derjenige, der irgendwem Absolution erteilt. Und als sein alter Kriegskamerad Jim aus dem zweiten Weltkrieg ihm kurz vor seinem Tod gesteht, dass er einem Nazi-Verbrecher gegen einen entsprechenden Obolus geholfen hat, zu entkommen, ist Buck nicht geneigt, hier eine Ausnahme zu machen. Eigentlich will er das Ganze vergessen. Da jedoch alle auf einmal nach dem Gold suchen, dass der alte Nazi im Gepäck hatte, sieht Buck sich gezwungen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Gemeinsam mit seinem Enkel versucht er, den anderen um eine Nasenlänge voraus zu sein.

Ein grantelnder alter Griesgram als Held, kann das funktionieren? Es kann. Buck Schatz ist witzig auf eine trockene Art. Vor dem Alter möchte er gerne seine Augen verschließen, was natürlich in dem Alter nicht so ganz gelingt. Das Leben ist eben doch eins der Härtesten und auch ein Buck Schatz, eine Polizei-Legende, muss nach über dreißig Jahren Rente so langsam einsehen, dass es nicht ganz von der Hand zu weisen ist, dass man manchmal Hilfe braucht. Deshalb muss man aber noch lange nicht hilflos sein, auch wenn das Gedächtnis nicht mehr so 100%ig funktioniert. Im Vergleich mit vielen anderen ist Buck doch noch ganz schön helle. Und auch seine Frau und sein Enkel sind mit einiger Schlagfertigkeit gesegnet. 


Ob allerdings jeder mit einem Dollarzeichen in den Augen zum Irren mutiert, wie es hier bei der Aussicht auf Gold mit einigen geschieht, scheint etwas weit hergeholt. Doch wo die Kriminalstatistik etwas arg strapaziert wird, holt Buck Schatz die Eisen aus dem Feuer. Mit seiner Art, die Vergangenheit zu bewältigen und den Beweis anzutreten, dass man auch in höherem Alter noch mit beiden Beinen im Leben stehen kann, gibt der ewig grummelnde Buck den Lesern ein gutes Gefühl. Genau so einer kann ein Vorbild für seine Enkel sein. Und jene Couchpotatoes, die meinen, rumsitzen hilft, könnte er animieren, endlich in Bewegung zu kommen. Wie der Titel schon sagt: Werde bloß nicht alt. 

4 Sterne

Don't ever get old von Daniel Friedman
ISBN: 978-1-250-02982-1


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Vampirjägerin Junior

Victoria gehört zu einer alten Familie von Vampirjägern und nach zwei Trauerjahren um Vater und Großvater wird sie nun in die feine Londoner Gesellschaft eingeführt und auch in die Welt der Vampirjäger. Am Abend ihres Debüts soll sie ihren ersten Vampir töten, um ein Venator werden zu können. Ihre Mutter, die von Victorias geheimen Leben nichts ahnt, meint allerdings, Victoria müsse sich darum bemühen, den begehrtesten Junggesellen Londons zu umgarnen. Mit einiger Mühe gelingt Victoria beides und nun beginnt die Gratwanderung zwischen dem normalen Leben, das am ehesten aus der Suche nach einem passenden Ehemann besteht, und dem Leben immer auf der Suche nach dem Bösen.

Wie toll ist es schneller und stärker zu sein als die anderen jungen Frauen in London, denen der Sinn nur nach einer Kutschfahrt mit ihrem Beau steht. Das Böse zu bekämpfen, Vampire zu pfählen ist doch eine Aufgabe fürs Leben. Dieses Nachtleben muss doch mit einem Tagleben unter einen Hut zu bekommen sein. Victoria ist jung und mit Leichtigkeit widmet sie sich ihrer Aufgabe. Tante Eustacia und Cousin Max sind dabei eine große Hilfe. Und dann gibt es noch den geheimnisvollen Sebastian Vioget. Aber von ihrem Jugendfreund Philip Rockley kann und will sie nicht lassen. Nach und nach sickert in Victorias Gedanken und Gefühle die Erkenntnis ein, dass das alles doch kein Spiel ist.


Auch wenn einen das Buch vielleicht nicht zu 100% packt, ist die Beschreibung des langsamen Verlustes der jugendlichen Unschuld doch sehr berührend. So wie Victoria denkt man, es wird schon alles klappen. Doch schließlich muss man feststellen, dass sich nicht alles planen lässt und es nicht so einfach ist, mit der Lüge zu leben. Was kann die Familie aushalten. Fast könnte man es mit einem Geheimagenten vergleichen, der seiner Familie nicht von seiner Arbeit erzählen darf. Auch Victoria will ihre Lieben vor ihrer Welt der Nacht schützen und mit jedem Tag wird es schwieriger, sich plausible Erklärungen auszudenken. Diese langsame Erwachsen werden, dieses Erkennen, dass nicht immer alles so läuft, ist in dem Roman sehr gut beschrieben und lässt den Leser mitfühlen. 

3,5 Sterne

The Rest falls away von Colleen Gleason
ISBN: 978-1-93141-951-2


Mittwoch, 9. Dezember 2015

Windparkmord

Im idyllischen Westfalen leben die Schwestern Steif und Kantig, beide über sechzig Jahre alt, beide verwitwet, aber beide steif und kantig. In ihrem neuen Abenteuer beginnt alles mit einer Versammlung, während der über den Bau eines Windparks diskutiert werden soll. Natürlich sind sich die Bewohner des Dorfes nicht einig. Es spricht schon einiges für den Bau und doch sind viele dagegen. Als kurze Zeit später ein Journalist, der über den geplanten Bau kritisch berichtet hat, offensichtlich von einen Strommast gestürzt ist und stirbt, vermutet man, sein Tod sei ein Unfall. Eigentlich kommt dies Isabella Steif und Charlotte Kantig gleich eigenartig vor.

Vor dem Hintergrund des Dorflebens, das manchmal doch nicht so idyllisch ist, stecken die beiden Schwestern ihre Nasen in Dinge, die sie eigentlich nichts angehen. Gut so, denn mit ihren Spürnasen immer am Boden, finden sie tatsächlich hin und wieder eine Spur, die der Polizei entgeht. Manchmal weil sie einfach glauben, was die anderen als völlig aus der Luft gegriffen abwiegeln. Und so sind die beiden quicken Damen des öfteren auch mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort und können schließlich das Puzzle zusammensetzen. 


Ein Sommerkrimi wie man ihn sich wünscht. Die Sonne gleißt über den Feldern Westfalens, ein Badesee lädt zum Schwimmen ein und die Umgebung bietet sich für eine Radtour an. In diesen hellen Tagen kommt zunächst ein Journalist zu Tode und weckt mit der Neugier der Schwestern auch die Neugier des Lesers. Vielleicht wird der Zufall, der gerade den Schwestern die Informationen in die Hände spielt, ein wenig arg strapaziert, aber dennoch ist dieser Roman sehr kurzweilig. Das Thema des Baus von Windparks ist in einen Kriminalfall gekleidet, dessen Wurzeln wirklich tief gründen. Mit vielen Ermittlern können die sympathischen Schwestern locker mithalten.

3,5 Sterne

Landluft und Leichenduft von Gisela Garnschröder
ISBN: 978-3-95819-055-9


Sonntag, 6. Dezember 2015

Die weltoffene Woche

In der Schule des kleinen Minh wird kurz vor Weihnachten eine weltoffene Woche veranstaltet. Was ist das denn? Zu der Schule gehen Kinder mit einem Herkunftshintergrund verschiedenster Nationen und sie sollen etwas vorstellen, was typisch für die Kultur ihres Herkunftslandes ist. Ganz schön schwierig, etwas zu finden, denn es darf nichts zum Essen sein. Doch Minhs Großmutter hat eine tolle Idee, sie holt ihre Holzmarionette hervor, die sie selbst aus Vietnam mitgebracht hat. Mit dieser Puppe, die eigentlich zu einem traditionellen Wasserpuppentheater gehört, erzählt sie während der Schulveranstaltung eine Geschichte, die die Neugier der Kinder, Lehrer und Eltern weckt.

Angefangen mit den vietnamesischen Vertragsarbeitern der DDR bis zu den vietnamesischen Läden und dem Straßenhandel im heutigen Berlin schlägt dieses Buch eine wahre Brücke zwischen den Kulturen. Wie wenig weiß man im alltäglichen Leben doch von den anderen. Doch stellt dieser Roman einen Wunsch dar, von dem man hofft, er möge häufiger in Erfüllung gehen. Denn aus einer kleinen Idee des Schulleiters, die eigentlich eher widerwillig geboren wird, folgt eine Veränderung der näheren Umgebung. Haben sich die Leute vorher etwas abweisend gezeigt, wird durch die Schulveranstaltung das Interesse an dieser fernöstlichen Kultur geweckt. Und es scheint, dass ein Ruck durch den Stadtteil geht, dieser vielfältiger wird und seinen vietnamesischen Anteil als bereichernd empfindet. 

Wie schön wäre es doch, wenn es immer so wäre. Sowohl für Einheimische als auch für Fremde könnte das jeweils andere eine Bereicherung des Eigenen darstellen, ihm eine zusätzliche bunte Facette geben. Wie schön wäre es, wenn das gegenseitige Misstrauen zu einer gegenseitigen Neugier würde, zu einer Offenheit, die auf beiden Seiten nicht immer in dem Maße vorhanden ist. 

Der Roman wirkt wie eine wunderbare Utopie einer idealen Gesellschaft, die eine Integration schafft, wie man sie sich nur wünschen kann. Etwas, woran man sich im wahren Leben ein Beispiel nehmen sollte. 

4 Sterne

Sungs Laden von Karin Kalisa
ISBN: 978-2-406-68188-2

Samstag, 5. Dezember 2015

Mein Veilchen

Auch der zweite Fall von Valerie Mauser, Leiterin des LKA Innsbruck, hat es in sich. Allerdings fängt es relativ harmlos an, denn ein alternder Rockstar wird bedroht. Und bei einem ähnlichen Vorfall zu einem früheren Konzert, stellte sich heraus, dass die Aktion von seinem Manager gefakt war. Nun soll das große Abschiedskonzert auf dem Bergisel stattfinden. Aber was, wenn doch etwas dran ist an der Bedrohung? Vorsichtshalber beginnt die Polizei zu ermitteln. Zum einen geht es um eine Art Shitstorm auf Facebook, der immer groteskere Züge annimmt, zum anderen hat Wolf Rock Drohbriefe in altmodischer Papierform erhalten, in denen auf eine Schandtat von 1976 angespielt wird. Der Rockstar ist sich aber keiner Schuld bewusst.


Fast zwangsläufig beginnt der erste Teil der Ermittlungen eher ruhig, da niemand so recht an die große Bedrohung glaubt. Gemeinsam mit ihrem guten Freund Stolwerk, versucht Valerie Mauser herauszufinden, ob wirklich tiefer eingestiegen werden muss. Der exzentrische Rockstar ist dabei nicht sehr hilfreich, Sex, Drugs & Rock`n Roll - die 70er sind hinter einer Dunstwand aus eben diesen Komponenten verschwunden. Und so kommen die Nachforschungen nicht richtig voran. Doch eben als man meint, der Roman beginne etwas vor sich hin zu schwächeln, geht es dann doch noch richtig los. Sehr gekonnt beschrieben hat der Autor, die Vorbereitung des Konzerts und die immer unübersichtlicher werdende Lage. Man spürt förmlich wie etwas beginnt, sich zusammen zu brauen. Die Sicherheit des Konzerts scheint nicht mehr gewährleistet, eine Absage kommt aber nicht infrage. Und nachdem selbst kleinste Hinweise zusammengefügt werden konnten, ist auch klar, vor welchem Hintergrund die Bedrohungen ausgesprochen wurden. Im zweiten Teil wird Veilchens zweiter Fall dermaßen packend und feurig, dass man das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Schließlich hat sich Valerie Mauser wieder mit Feuereifer ins Zeug gelegt und beim Leser Neugier entfacht wie es mit ihr wohl weitergehen mag.

4 Sterne

Veilchens Feuer von Joe Fischler
ISBN: 978-3-7099-3678-8




Freitag, 4. Dezember 2015

Hat nicht jeder irgendwie ein Geheimnis?

Fergus erleidet einen Schlaganfall und kommt ins Pflegeheim. Seine Erinnerungen an sein Leben sind wie weggeblasen. Als seine Tochter Sabrina in seinen Kisten nicht nur eine Murmelsammlung sondern auch Archivierungslisten entdeckt, wundert sie sich über das ihr unbekannte Hobby. Einige äußerst wertvolle Murmeln fehlen und das nimmt Sabrina zum Anlass, dem Ganzen nachzugehen. Dabei stößt sie auf immer mehr Seiten ihres Vaters, die ihr völlig unbekannt sind. Es ranken einige Geheimnisse um seine Person. Sabrina muss das Bild, das sie bislang von ihren Vater hatte, aufgeben und revidieren....

"Der Glasmurmelsammler" greift ein eigentlich ernsthaftes Thema auf: den Schlaganfall und das große Vergessen als Folge desselben. Doch es geht um weit mehr: um Identität, Geheimnisse, Lebenslügen und wie all dies sich auf eine Vater-Tochter-Geschichte Beziehung auswirkt. Wie kann es sein, dass ein Vater seinen engsten Vertrauten zentrale Themen seines Lebens verschweigt? Wie sollen diese damit umgehen? Das ist ein Thema, das mich sehr angesprochen hat. Ich habe eine etwas ernster Geschichte mit Tiefgang und viel Gefühl erwartet. 

Diese Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt. Meiner Meinung nach erfährt der Leser viel zu wenig über den nun weitgehend gedächtnislosen Vater, seine Gefühle und Gedanken. Hingegen erfährt man in Rückblicke viel über seine Vergangenheit. Doch auch darüber, wie sich dies auf die Vater-Tochter-Geschichte Beziehung auswirkt, erfährt man meines Erachtens viel zu wenig. Ich hätte mir da mehr Vater-Tochter-Geschichte Szenen und Dialoge gewünscht. Dennoch ist es eine nette, gut lesbare Geschichte mit einer sympathischen Protagonistin. Die Wende am Ende hat mir auch sehr gefallen, auch wenn mir ein abschließendes Vater-Tochter Kapitel gefehlt hat.

© Britta Kalscheuer

3 Sterne

Der Glasmurmelsammler von Cecilia Ahern
ISBN: 978-3-8105-0152-3



Donnerstag, 3. Dezember 2015

Valeries Veilchen

Major Valerie Mauser tritt beim LKA Innsbruck ihre neue Arbeitsstelle an. Ihr Vorgänger wurde irgendwie frühpensioniert und ihr Vorgänger hatte einen Nachfolger. Dieser Nachfolger ist natürlich nicht Valerie Mauser, dieser Nachfolger ist sauer, dass er die Stelle nicht bekommen hat. Und auch viele der anderen Kollegen sind eher reserviert. Nur der IT-Spezialist Schmatz benimmt sich wie ein Kollege. Dennoch wird wird Valerie vom Landeshauptmann mit der Lösung einer komplizierten Aufgabe betraut, was allerdings nicht an die Öffentlichkeit dringen darf. Die kleine Tochter eines reichen Russen, der ein Hotel in der Gegend betreibt, ist entführt worden. Mauser soll alles versuchen, das kleine Mädchen heil zurück zu bringen.

Zum Glück kennt man die österreichische Kriminalterminologie schon aus dem TV, sonst würden die militärischen Bezeichnungen für den deutschen Leser etwas befremdlich wirken. Doch so kann man sich gleich auf den Fall konzentrieren und auf die Vorstellung eines neuen Ermittlerduos. Valerie Mauser und ihr Ex-Kollege Manfred Stolwerk, der inzwischen als Privatermittler arbeitet, bilden ein sehr spezielles Paar. Bei beiden hat die Vergangenheit Spuren hinterlassen, doch wenn es an das Lösen von Fällen geht, ergänzen sie sich prächtig. Unter Einsatz ihrer Gesundheit durchdringt Valerie Mauser das Problem, während Stolwerk subtiler vorgeht und so manchmal herausragende Ergebnisse erzielt. Und dieser Entführungsfall hat es wirklich in sich. Wie soll die Polizei ordentlich ermitteln, wenn die Entführer ein kleines Mädchen mit dem Tod bedrohen.


Sein gelungenes Krimi-Debüt mit dem zwei sympathische Ermittler vorgestellt werden und ein Einblick gegeben wird, wie man sich die Innsbrucker Polizeiarbeit vorstellen kann. So einige scheinbar beamtentypische Verhaltensweisen gibt es wohl überall. Vitamin-B, Dirndls, Geschaftlhuberei um nur einige zu nennen. Gleichzeitig gelingt es dem Autor seine Leser cool in die Irre zu führen und eine ganz unvermutete Lösung zu entwickeln. Und natürlich erfährt man auch, woher Veilchen ihren Spitznamen hat, dem sie auch hier gerecht wird.

4 Sterne

Veilchens Winter von Joe Fischler
ISBN: 978-3-85218-967-3


Dienstag, 1. Dezember 2015

Miss Naturphänomen

Auf dem Land außerhalb Londons sind zwei Kinder verschwunden, möglicherweise sogar entführt. Peter Grant wird von Nightingale entsandt, um festzustellen, ob das Geschehen etwas mit Magie zu tun haben könnte. Zwar kann Peter keine genaueren Hinweise finden, doch da die Polizei jede Hilfe bei der Suche nach den beiden Mädchen gebrauchen kann und wegen der Ereignisse, die ihm Leslie entrissen haben, bleibt Grant erstmal auf dem Land. Dort findet er recht schnell Anschluss. Er wird im abrissbedrohten Kuhstall der Mutter des Kollegen Dominic untergebracht und mit diesem gemeinsam trägt er zu den Ermittlungen bei. 

Der Zauberlehrling und Polizeianwärter von London findet sich nachdem er sich an die Hitze gewöhnt hat auch in der Provinz zurecht. Es sieht so aus als sei hier wirklich keine Spur von Magie zu finden. Die Polizeikräfte der ganzen Region wurden zusammengezogen, um die Mädchen zu suchen. Und auch viele Freiwillige helfen mit. Doch die Sache bleibt rätselhaft, keine Forderungen werden gestellt. Da sind die Begegnungen mit dem alten Zauberer Hugh Oswald ein Quell der Information, auch wenn der sehr betagte alte Magier manchmal seinen eigenen Worten nicht mehr folgen kann. Und als Beverly Brook am Ort des Geschehens auftaucht, ist dies eine Erfrischung für Peter Grant und auch eine Hilfe.


Eigentlich ein normaler Krimi - bis das magische Geschehen so langsam in die Handlung einsickert und dem Fall eine ganz andere, aber durchaus folgerichtige Richtung gibt. Peter Grant gibt sich die Ehre und Ehre verdient er auch. Und Beverly Brook fließt wie ein frischer lebhafter Fluss durch Peters Leben. Wie allerdings auch schon in den Vorbänden wären etwas eingehendere Informationen zur Rahmenhandlung wünschenswert. Hier verliert der Autor einzelne Sätze und man fragt sich, wo das hinführen soll. Eine endlose Serie etwa, bei der man die Hintergründe nie erfährt, oder wird es irgendwann ein heftiges Finale geben, wenn der Autor und seine Figur sich auseinander gelebt haben. Als Kriminalroman mit magischem Einschlag macht dieses Buch dennoch eine ganze Menge her.

4 Sterne

Fingerhut-Sommer von Ben Aaronovich
ISBN: 978-3-423-21602-9