Sonntag, 20. Dezember 2015

Lady Jane

Jane war noch ein Kind, da erkrankten ihre Eltern an der Cholera und starben. Ihr gütiger Onkel Lord Pembroke holte sie nach England und gab ihr ein zuhause. Nun soll sie in der Gesellschaft debütieren. Im Jahr 1860 braucht sie als Frau einen Ehemann, da sie kein eigenes Vermögen besitzen darf. Der alte Lord hat sein Möglichstes getan, um seine Nicht gut zu stellen. Sein leiblicher Sohn allerdings vergeht seit seiner Heirat vor Neid und möchte an Janes Geld. In dieser Situation bietet das Angebot Captain David Wescotts einen Ausweg. Er bietet Jane eine Ehe auf dem Papier an, von der beide profitieren können. 

Zum einen geht es hier um Lady Janes Wunsch nach Unabhängigkeit und die Möglichkeit sich gegen ihren nichtsnutzigen Cousin durchzusetzen. Zum anderen aber auch darum, das Schicksal eines Kindes aufzuklären. Das Mädchen tauchte während des Balls auf und verstarb in Janes Gegenwart. Offensichtlich sehr arm und halb verhungert war das Kind und Lady Jane verschafft ihm ein ordentliches Begräbnis. 

Die beiden Handlungsstränge ergänzen sich sehr gut. Jane ist ihrer Zeit voraus, mit ihren freiheitsliebenden Gedanken will sie ihrem Vertrags-Ehemann eigentlich keine Schwierigkeiten bereitet. Vom ihrem Landsitz, den sie durch die Heirat von ihren Eltern geerbt hat, sieht sie sich doch genötigt, ihren Ehemann um Unterstützung zu bitten. Und gemeinsam mit ihrem Mädchen begibt sie sich auch auf die Suche nach der Geschichte des Kindes. Mit Spannung kann man verfolgen, in welch große Gefahr Jane gerät. Natürlich eilt David ihr zur Hilfe. 


Eine prickelnde Idee, Eheleute, die nur auch dem Papier verheiratet sind, sich durch die Umstände bedingt aber doch zwangsweise näher kommen. Dazu ein fesselndes Kriminalstück, das es in sich hat. Allerdings beschleicht einen beim Lesen das Gefühl, dass ein zu starkes Augenmerk auf die Kriminalistik und die Unabhängigkeit von Lady Jane gelegt wurde. Dabei kommt das Prickeln und der Wortwitz, den man bei der Ausgangslage zu erhoffen wagte, ein wenig zu kurz. Die Worte einer deutschsprachigen Autorin wurden hier von einem Muttersprachler ins Englische übertragen. Eine richtige Entscheidung, die nur in kleinen Teilen die Frage aufwirft, ob nicht eine Übersetzung auch zu Verlusten führen kann. Dennoch ein packender Krimi, der in einen interessanten historischen Rahmen gefügt ist.

3,5 Sterne

The Girl at Rosewood Hall von Annis Bell
ISBN: 978-1-5039-4475-6


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