Samstag, 31. Dezember 2016

Tell your Story

Die Menschheit ist vom Aussterben bedroht. Den Ausbruch des Virus haben nur wenige überlebt und noch weniger den Kampf mit den Zwölf. Seit etlichen Jahren scheint jedoch der Kampf zum Halten gekommen zu sein. Die Überlebenden haben begonnen sich zu sammeln und fangen an, sich wieder zu organisieren, ihre Welt zu bevölkern und Hoffnung zu spüren. Der Frieden allerdings ist trügerisch. Was wenn das Böse noch irgendwo lauert, wenn der erste Wirt noch wartet? Es mehren sich die Anzeichen, dass die Gefahr noch lange nicht gebannt ist. Die Wenigen, die die Zeichen erkennen, machen sich auf, nach einer Lösung zu suchen.

Wird irgendwann der Tag oder der Virus kommen, der die Menschheit auslöscht? Oder wird es immer ein paar Überlebende geben, die es schaffen, einen Neustart zu beginnen? Man fühlt sich an die Bibel erinnert, an die Geschichte der großen Flut, hier sind die Menschen vom Virus der Boshaftigkeit befallen und Gott reut es, sie geschaffen zu haben, nur Noah ist ein Gerechter, er wird gewarnt und darf seine Arche bauen und damit überleben. In diesem dritten Band der Passage-Trilogie geht es nun ums nackte Überleben. Ist das Virus gebannt? Sind die Virals vernichtet? Oder könnte es sogar eine Weiterentwicklung geben, so eine Art geläutertes Virus oder vermenschlichtere Virals? 


Gerade zu Beginn dieses dritten Bandes, wenn man noch nicht ahnt, welchen Weg die Erzählung einschlägt, könnte es etwas schwierig werden, am Ball zu bleiben. Zwar sind die Erläuterungen wichtig für die weiteren Ereignisse, da man das allerdings erst später merkt, wirkt der Beginn dieses Buches etwas langatmig. Sobald jedoch einige Informationen ihren Sinn offenbaren, wird das Buch sehr spannend. Der Kampf der Menschheit gegen die Ausrottung, die Erkenntnis über die Ursache der Krankheit machen einen etwas sprachlos. Wenn sich langsam ein Verdacht herausbildet, was die Katastrophe heraufbeschworen hat, schwankt man zwischen Verstehen und Abscheu. Wenn man den Kampf der Gerechten miterlebt, beginnt man die Daumen zu drücken, dass das Vorhaben gelingt. Man fühlt jeden Fortschritt und jeden Rückschlag mit. Man hofft und bangt. Ein Buch, das es einem nicht ganz leicht macht, das aber schließlich ein sehr würdiges Finale einer herausragenden Trilogie bildet.

4 Sterne

The City of Mirrors von Justin Cronin
ISBN: 978-1-101-96583-2



und auf Deutsch




Freitag, 30. Dezember 2016

Ruskin Hospital

Eines Abends wird Dr. Harry Kent als medizinischer Berater zu einem Polizei-Einsatz gerufen. Er ist nicht wenig erstaunt als er die Natur seiner Aufgabe erfährt. In einem Imbiss hat ein Jugendlicher Geiseln genommen und offensichtlich braucht dieser junge Mann medizinische Hilfe. Kent lässt sich auf die Sache ein und findet schnell heraus, dass der Jugendliche schwer krank ist. Wieso also die Geiselnahme? In dem Moment, in dem Dr. Kent hofft, die Kontrolle zu haben, wird das Lokal gestürmt und der Geiselnehmer angeschossen. Mit schwersten Verletzungen kommt er in das Krankenhaus, in dem auch Dr. Kent arbeitet. Mit viel Mühe wird der junge Solomon Idris am Leben gehalten

Die Frage, was Idris veranlasst hat, ein Verbrechen zu begehen, lässt Dr. Kent nicht los. Idris kann darauf momentan keine Antwort geben. Harry Kent, der während seiner Militärzeit nur knapp dem Tod entronnen ist, muss daher selbst einen Lösungsansatz finden. Nur eine vage Spur scheint ein Hinweis auf einen Selbstmord eines jungen Mädchens zu sein. Als dann auch noch wichtige Daten aus Idris’ Krankenakte verschwinden, steigt Kent mit voller Kraft in die Ermittlungen ein. Obwohl er nur Berater der Polizei ist, bemüht er sich an deren Untersuchungen teilzuhaben. Allerdings laufen die Ermittlungen nicht so geradlinig wie erhofft, möglicherweise legen sich verschiedene Abteilungen gegenseitig Steine in den Weg.


Mit diesem Erstlingswerk von Rob McCarthy erhält man einen spannenden Einblick in den britischen Klinik- und Polizeialltag. Die Strukturen sowohl des Krankenhauses als auch des Polizeiapparates sind undurchsichtig und verwickelt. Verschiedene Zuständigkeit scheinen eine Quelle für Fehler und Ungenauigkeiten zu sein. Gleichzeitig scheint der kleine Mitarbeiter hin und wieder gegen die sprichwörtlichen Glasdecken zu stoßen, wenn er doch eigentlich nur seine Arbeit korrekt erledigen will. Wenn Dr. Kent sich einmal in den Kopf gesetzt hat, jemanden zu retten, ist er nicht so leicht von seinem Ziel abzubringen, insbesondere dann nicht, wenn er Anzeichen findet, dass dieser jemand sehr ungerecht behandelt wurde. Ein wenig scheint Solomon Harry daran zu erinnern wie seine eigene Jugend war, vielleicht hat Harry einfach nur mehr Glück gehabt. Dennoch ist Harry Kent nicht ohne Trauma aus dem Einsatz zurückgekommen, behandelt zwar, aber irgendwie doch nicht überwunden. Und auch diese alten Wunden spielen eine Rolle in Kents Leben und in diesem Fall. Vielleicht wurde hier dem Ermittler etwas viel aufgebürdet, aber dennoch fesselt dieser Kriminalroman mit seinen detaillierten Schilderungen und einem perfiden Geschehen.

4 Sterne

The Hollow Men von Rob McCarthy
ISBN: 978-1-473-61762-9


Donnerstag, 29. Dezember 2016

Guide Gabin

Die Lebensgefährtin des Luxemburger Kochs Xavier Kieffer hat geladen. Als Erbin der Herausgeber des Restaurantführers Guide Gabin will sie neue Wege gehen. Zum ersten Mal soll es eine Geschäftsstelle des traditionsreichen Giude geben. Zur Eröffnung sind illustre Gäste angekündigt und die Vorbereitungen sind kompliziert. Ein Ziel war es, von jeder bisher veröffentlichen Ausgabe, eines in die Ausstellung zu bekommen. Besonders die Vorkriegsausgaben sind selten und extrem schwierig zu finden, war die Ausgabe von 1939. Ausgerechnet diese verschwindet bei einem Zwischenfall während der Eröffnungsfeier. Wenig später wird ein Bibliothekar ermordet und Xavier Kieffer beginnt mit den Nachforschungen darüber, was diese Ausgabe des Guide Gabin so einzigartig macht.

Schon in einigen Kriminalromanen hat der Autor Tom Hillenbrand seinen Luxemburger Koch und Restaurantbesitzer Xavier Kieffer auf die Reise geschickt, um verzwickte Fälle zu lösen. Kieffer, der hauptsächlich in Luxemburg residiert, sich aber auch häufig in Paris bei seiner Lebensgefährtin aufhält, gerät hier zufällig in diese Verschwörung. Seine Neugier und sein Wille, der Sache auf den Grund zu gehen, bringen ihn ein ums andere Mal in Gefahr. Schwierig, sich vorzustellen, was einen nach herrschender Meinung eher harmlosen Restaurantführer, so begehrenswert machen kann, dass Menschen dafür töten würden. 


Schon im ersten Kapitel bekommt zwar den Hauch einer Ahnung, doch die Geschichte, die Tom Hillenbrand um den Guide Gabin seiner Phantasie hat entspringen lassen, hat es wirklich in sich. Wie gebannt hängt man an den Seiten des Buches, wenn nach und nach das Geheimnis entblättert wird, weshalb so viele verschiedene Gruppen hinter dieser speziellen Ausgabe von 1939 hinter her sind. Mehrfach hält man den Atem an, wenn Kieffer oder einer seiner Freunde sich nahezu ausweglosen Situationen gegenübersehen. Wird die Anspannung allzu groß, kann man sich immer mal wieder mit Xavier Kieffers Küchenlatein entspannen, mit dem er einem die Luxemburgische regionale Küche näher bringt oder auch einen kleinen interessanten Ausflug in die Geschichte des Kochens unternimmt. Dieser Kriminalroman fesselt mit seiner ausgeklügelten Geschichte und kommt zum Glück auch ohne problembehafteten Ermittler aus. Egal ob man der fleischlastigen deftigen Küche huldigt oder nicht, hier bekommt man leckere Krimiunterhaltung.

4 Sterne

Gefährliche Empfehlungen von Tom Hillenbrand
ISBN: 978-3-462-31598-1


Dienstag, 27. Dezember 2016

Nimags

Den junge Alexander Kent hat es nach einer Partynacht in etwas desolatem Zustand auf einen Friedhof verschlagen. Deshalb glaubt er zunächst kaum, dass dieses grüne Ding, welches auf ihn zu raste, wirklich sein könnte. Doch schon bald wird er in den Unterschlupf der Lichtkämpfer gebracht, wo er über die Veränderungen aufgeklärt wird, die er erfahren hat. Ein Magier ist gestorben und Alex ist auserwählt, sein Erbe anzutreten. Zwar wird Magie nur noch im Verborgenen gewirkt, doch es scheint ein ewiger Kampf zu herrschen zwischen Licht und Schatten. Trotz der Querelen herrscht ein Gleichgewicht und genau dieses scheint durch die aktuellen Ereignisse bedroht.

Nachdem die Ausgangslage grob umrissen ist, geht es gleich sehr actionreich los. Mit dramatischen Worten wird der Tod des Lichtkämpfers Marc Fenton beschrieben und die Hilflosigkeit seiner Team-Partnerin Jen, die machtlos zu sehen muss wie Marcs Leben verlischt. Alex, der als normaler Mensch aufgewachsen ist, als Nichtmagier (Nimag), hat einige Probleme sich bei den Lichtkämpfern anzupassen. Seine frotzelnde Sprache will nicht so recht zu der der anderen passen. Und zunächst schlägt er mehr über die Stränge als das er irgendwie als Unterstützung gelten könnte. Doch hin und wieder blitzt bereits etwas seiner Fähigkeiten auf.

Mit seinem geschickt zusammengewürfelten Personal schafft es Andreas Suchanek, seine Leser sofort zu fesseln und zu überraschen. Schnelle Szenenwechsel, eingestreute Informationssplitter, die die Geheimnisse zunächst noch geheimnisvoller erscheinen lassen, ermöglichen es, sich in diese Fantasy-Welt hinein zu denken. Neugierig blättert man von Seite zu Seite, um zu ergründen, wie die Dinge zusammenhängen könnten. Bei dem vorliegenden Band handelt es sich dabei um den ersten einer sechsteiligen Reihe von Kurzromanen, die die Tradition der Heftromane wieder aufleben lassen. Die Seitenzahlen der einzelnen Bände bewegen sich um etwas über hundert Seiten und der Erscheinungsturnus ist recht kurz. Wenn man also ein Anhänger solcher Serien ist, wird man hier gut bedient. Bevorzugt man allerdings kürzere Reihen oder Standalones, könnte man versucht sein, auf eine Gesamtausgabe zu warten. Unabhängig davon unterhält dieser Serienstart bestens mit einer spannenden Story und sympathischen Protagonisten.

4 Sterne

Das Erbe der Macht Band 1: Aurafeuer von Andreas Suchanek

ISBN: 978-3-95834-217-0


Montag, 26. Dezember 2016

Die Nacht des Todes

Der junge Mykar macht sich auf den Weg nach Donost, so wie er es versprochen hat. Er ahnt nicht, wie beschwerlich und lang die Reise werden wird. Seine Freunde Scara, Vanice und Justinius müssen zur gleichen Zeit ganz andere Aufgaben bewältigen. Justinius will den Vater seiner verstorbenen Verlobten warnen und ihn beschützen. Vanice kämpft gegen ihre eigenen Dämonen und sucht nach ihrem Weg. Scara kämpft überhaupt nicht mit ihrem frechen Mundwerk, aus dem doch auch manch wahrer Spruch kommt. Sie alle jedoch fürchten das Böse, dass sich in der Welt breit zu machen scheint. 

Bei diesem Roman handelt es sich um den zweiten Band der Skargat-Trilogie. In ihm wird die Geschichte von Mykar und seinen Freunden weiter erzählt. Fast scheint es als würden die Figuren wie auf einem Schachbrett verschoben, um zu dem zu erwartenden Finale am richtigen Platz zu sein. Bei ihren Wanderungen zu ihrer Position haben die Protagonisten allerlei unheimliche Abenteuer zu bestehen und berichten, was sie auf ihren bisherigen Weg gebracht hat. Sie kämpfen dabei nicht nur mit äußeren Gefahren, sondern auch mit dem, was sie werden ließ wie sie sind. Mitunter waren sie nachlässig oder gierig, manchmal herrschte Kälte in ihren Herzen. Doch die Bedrohung durch das Böse schweißt sie zusammen. Sie wollen ihre Welt nicht dem Übel überlassen. Allerdings hat es zunächst den Anschein als würden Probleme, die gelöst werden können, nur noch schlimmere Gefahren zutage bringen.


In Teilbereichen entfalten die Schilderungen des Autors echte Sogwirkung. Man möchte nur fünf Minuten lesen und zack - ist eine Stunde um. Zwar entsteht schon der Eindruck, dass die Formation fürs Finale gefunden wird, aber auf sehr interessante und packende Art und Weise. Mit diesem Band werden die handelnden Personen in Situationen zurück gelassen, deren Aufklärung man unbedingt mit erleben und erlesen möchte. Ein sehr gelungener zweiter Band der Skargat-Trilogie, der den dritten Teil mit Spannung erwarten lässt.

4 Sterne

Skargat - Das Gesetz der Schatten von Daniel Illger
ISBN: 978-3-608-94696-8


Sonntag, 25. Dezember 2016

Die wahren Zeichen

Das Tierkreiszeichen der Geburt bestimmt das Leben. Schon seit Jahrzehnten ist das Leben in San Celeste darauf ausgerichtet. Den Steinböcken ist das Herrschen ebenso vorbestimmt wie den Widdern das Verbrechen. Die Stiere sind loyal und zuverlässig, viele von ihnen arbeiten bei der Polizei. Unter ihnen der Ermittler Jerome Burton. Nachdem er einen spektakulären Fall gelöst hat, muss er nun die Untersuchung des Mordes an einem hochrangigen Polizisten übernehmen. Ihm zur Seite gestellt wird die astrologische Profilerin Lindi Childs. Es gibt nur wenige Spuren in dem Mordfall Williams, die vielversprechendste scheint zu sein, dass eine Putzhilfe verschwunden ist. Sie könnte den Mörder nach Beendigung der Tat überrascht haben.

Eine interessante aber auch unheimliche Vorstellung, dass ein Tierkreiszeichen, dem man grundsätzlich eher zufällig angehört, das Leben bestimmen soll. Kaum zu glauben, dass man durch die Geburt in einem bestimmten Monat zum Verbrecher oder Aufwiegler wird. Parallelen zur wirklichen Welt, in der man abgestempelt wird, wegen Umständen, für die man nichts kann und für die man auch nicht verantwortlich ist, sind sicher beabsichtigt. Die Welt, die Sam Wilson in seinem ersten Roman entwirft, wirkt recht düster und wenig hoffnungsfroh. Welche Bestrebungen nach Macht gibt es, welche Gruppierungen halten die Fäden in der Hand. Kann es überhaupt eine Möglichkeit geben, dieser engstirnigen Erklärung der Gesellschaft zu entrinnen oder ein besseres und freieres Weltbild zu entwickeln. Die Ermittlung des Cops Burton, die relativ normal beginnt, nimmt bald recht seltsame Züge an. Wird Burton irgendwie fremd gesteuert? Und hat er überhaupt die Unterstützung seiner Dienststelle? Lindi Childs, die zunächst hofft, der Auftrag könne ihre Reputation verbessern, hilft ihm später fast widerwillig.

Welche Auswirkung die Formung von Menschen nach einem holzschnittartig vorgeformten Bild haben kann, wird in dieser Thriller-Dystopie sehr deutlich gemacht. Menschen werden teilweise sehr hart angefasst, um unter ihr Zeichen zu passen. Anhand der sehr spannenden Mordermittlung wird man zum Nachdenken geleitet. Vielleicht ist man in einer freiheitlichen Gesellschaft, die keine ganz strengen Regeln vorgibt, nicht vielleicht doch besser aufgehoben als in einer, in der eine Gruppe zum Sündenbock gemacht wird? Sollte man sich überhaupt wundern, wenn diese sich einmal wehren? Und wenn sie sich wehren, geben sie damit denen recht, die es ja schon immer gesagt haben. Gefesselt möchte man dieses Erstlingswerk in einem Rutsch verschlingen, sich schütteln über die Gemeinheiten, die im Namen der herrschenden Ordnung geschehen, die doch nur aufgepfropft ist, um schließlich die Hoffnung zu hegen, dass doch alles gut wird, oder nicht?

4,5 Sterne

Im Zeichen des Todes von Sam Wilson

ISBN: 978-3-7645-3173-7




Samstag, 24. Dezember 2016

Ex-Bulle

Zweimal ist einmal zu viel. Robert Fallner hat den Polizeidienst verlassen. Die Therapie hat irgendwie nichts gebracht und Fallner ist froh, dass er in dem Privatermittlungs- und Sicherheitsdienst seines älteren Bruders anfangen kann. So viel anders ist das auch nicht, denn viele Ex-Bullen arbeiten da. Die Trennung von seiner Freundin hat er ebenfalls noch nicht verschmerzt. Da kommt die Sache mit der abgehalfterten Softpornodarstellerin genau richtig. Die Schauspielerin fühlt sich von einem Stalker verfolgt. Allerdings ist die Beweislage so unklar, dass die Polizei nicht wirklich eingreifen kann. Fallner bekommt den Auftrag zugewiesen, die Diva zu beschützen und gleichzeitig zu versuchen, den Stalker dingfest zu machen.

In diesem zweiten Roman um Robert Fallner lässt Franz Dobler seinen Helden an einem Tiefpunkt ankommen. In düsterer und mit den Jahren heruntergekommener Umgebung lässt er Fallner  wandeln. Die Wohnung halbleer, die Kneipen nicht mehr das, was sie mal waren, die Zeit des Punk auch irgendwie vorbei. Genau in dieses Bild passt die ältliche Schauspielerin, deren so genannte Karriere auch schon bessere Tage gesehen hat. So richtig glaubt ihr niemand, dass tatsächlich eine Bedrohung besteht. Fallner versucht zunächst, sich darüber klar zu werden, ob er sich hier einer übersensiblen Person gegenüber sieht, die vielleicht wegen des früheren Rauschmittelkonsums, zu viel in harmlose Dinge hinein interpretiert oder ob die Schauspielerin einer echten Bedrohung ausgesetzt ist. So lange die Firma für den Auftrag bezahlt wird, kann Fallner seine Nachforschungen anstellen.

Unverblümt schildert Dobler Fallners Erleben nach dem Absturz, sein Hadern mit sich  und dem Rest der Welt, die Umgewöhnung vom Staatsdienst zum privaten Ermitteln, seine Beschäftigung mit der Lebensgeschichte der Schauspielerin und mit seiner eigenen Vergangenheit und Gegenwart. Plakative Sprache, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Man fühlt sich mittendrin in Fallners Welt, erspürt seine Ängste, seine Zerrissenheit, aber auch seinen knochentrockenen Humor. Ein ums andere Mal scheint er die Distanz zu seinem Fall aber auch die zu seiner Ex-Freundin zu verlieren. Und dennoch lässt es ihn nicht los, er will einfach wissen, was hinter den Übergriffen steckt, denen sich die Klientin ausgesetzt sieht. Und mit ihm wissbegierig bleibt der Leser, der manchmal verblüfft stutzt ob dieses Krimis, der sehr hard boiled daherkommt, gleichzeitig bissig und witzig.

4 Sterne

Ein Schlag ins Gesicht von Franz Dobler
ISBN: 978-3-608-50216-9

ebook: 978-3-608-10034-1


Freitag, 23. Dezember 2016

Leben oder Überleben

Die Nazis sind in Frankreich eingefallen und halten große Teile des Landes besetzt. Die junge Isabelle Rossignol wird gegen ihren Willen von ihrem Vater zu ihrer Schwester aufs Land geschickt. Nach dem frühen Tod der Mutter hat sich der Vater von beiden Schwestern abgewandt. Isabelle hat dagegen rebelliert und musste mehrere Internate verlassen. Ihre Schwester Vianne musste sehr jung heiraten und hat inzwischen schon eine achtjährige Tochter. Bereits auf der beschwerlichen Reise in die Provinz bekommt Isabelle Kontakt mit dem Widerstand, doch noch erscheint sie den Kämpfern zu jung. Kaum bei Vianne angekommen, wird deren Ehemann eingezogen. Und nach der Besatzung müssen die beiden Schwestern die Einquartierung eines deutschen Offiziers ertragen. 

Was bringt der Krieg für Leid über die Menschen. Und wieso wird die Menschheit nicht mal schlau? Besonders im zweiten Weltkrieg zeigte sich eine Nation von ihrer hässlichsten Seite. An dieser dramatischen Geschichte über die Besetzung Frankreichs lässt sich ausgesprochen gut nachvollziehen wie schon durch die Verluste des ersten großen Krieges geprägt das Unheil der nächsten Konfrontation langsam über die Menschen hereinbricht. Scheint es zunächst auf dem Land noch halbwegs sicher zu sein, ändert sich die Situation schnell. Bei ihrer Ankunft wirken die deutschen Soldaten noch wie junge Kerle, die ein wenig fremde Luft schnuppern und sonst kaum jemanden etwas zuleide tun. Doch schon bald werden Listen erstellt, über Juden, Kommunisten oder Freimaurer. Man weiß zu welcher Katastrophe das geführt hat. Der Krieg ist eine Katastrophe, das sollte nie vergessen werden. Das übergroße Leid, das er bringt, sollte eigentlich jedem, der meint darüber Entscheidungen treffen zu können, deutlich vor Augen stehen und zum Innehalten führen. 


An dem facettenreichen Schicksal der beiden Schwestern Vianne und Isabelle, die so unterschiedlich und doch so ähnlich sind, wird einem die Härte und Grausamkeit der Zeit des zweiten Weltkrieges deutlich gezeigt. In ihrem Kampf umeinander und gegen die Nazis erleiden die Zwei fast mehr als sie ertragen können, doch immer wieder glimmt auch ein Fünkchen Hoffnung auf. Vielleicht ist Widerstand doch nicht umsonst, vielleicht können sie etwas bewirken. Vielleicht können sie in ihrem Kampf ums Überleben auch ein bisschen leben. Die Geschichte von Isabelle und Vianne geht zu Herzen. Auch wenn man sich als Leser möglicherweise einige Ereignisse anders wünscht oder mitunter ein Teil der Historie etwas überzeichnet wirkt, so taucht man doch ein in die düstere Welt eines kriegsgebeutelten Landstrichs und seiner Menschen. Fast kann man die Greuel mitempfinden, die dieser Krieg mit sich gebracht hat, die Verluste und doch auch den Mut derer, die es wagten in den Untergrund zu gehen und taten, was sie konnten, um wenigstens manche zu retten, die sonst verloren gewesen wären. Mit ihrem Roman hat Kristin Hannah ein mitreißendes Werk geschaffen, dass sehr stark mahnt, dass ein Krieg noch nicht einmal die allerletzte Option sein sollte. 

5 Sterne

The Nightingale von Kristin Hannah
ISBN: 978-1-250-10468-7


und auf Deutsch von Rütten & Loening 
Die Nachtigall 
ISBN: 978-3-352-00885-6


Donnerstag, 22. Dezember 2016

Undercover

Die Drogenfahnderin Annie Blake hat schon mehrere undercover Einsätze hinter sich. Sie ist eine gute Agentin, deren Arbeit häufig von Erfolg gekrönt ist. Allerdings hat Annie ein kleines Problem, sie fasst die zukünftigen Gefangenen manchmal etwas roh an und das kann die Verhandlung eines Falles schon mal erschweren. Und nun hat ihr Chef genug, Annie wird von Miami strafversetzt in eine Kleinstadt in der Provinz. Sie soll dort als eine Art Ansprechpartnerin für die Schüler arbeiten und gleichzeitig herausfinden, wer der Boss des Drogenringes ist, der auch in dieser Stadt sein Unwesen treibt. Schnell gerät Annie mit dem Coach der Schulmannschaft aneinander, der ausgesprochen attraktiv ist.

Annie, deren Mutter früh verstorben ist, ist teilweise in Heimen aufgewachsen. Sie hat gelernt, dass es besser ist enge Beziehungen zu vermeiden. So macht es ihr auch nichts aus, an anderen Orten eingesetzt zu werden. Das Leben in der Kleinstadt ist ihr fremd, jeder scheint jeden zu kennen. Und als schon bald Wetten auf ihr Hochzeitsdatum mit dem Coach abgeschlossen werden, findet sie das doch sehr seltsam. Cade, der gerade erst angefangen hat, die Schulmannschaft zu trainieren, ist dagegen ein richtiger Familienmensch. Er hat mehrere Geschwister und seine Eltern sind richtig stolz auf ihn. Und manche Frauen sind hinter ihm her. Annie ist da ganz anders, sie hält ihn auf Abstand. Was mag wohl ihr Geheimnis sein.


Drogenmissbrauch an einer Schule, der aufgeklärt werden muss, und eine anheimelnde Liebesgeschichte machen aus diesem Roman eine kurzweilige Unterhaltungslektüre. Zwar erscheint Annie manchmal etwas überirdisch, wenn sie mehrere Unholde niedermacht und ihren Cade mal wieder retten muss. Und die Drogengeschichte wirkt manchmal etwas sprunghaft und manches mal fragt man sich, wie es denn nun zu diesem oder jenem Ereignis kommt. Doch insgesamt fühlt man sich nach dem Lesen des Buches wie nach einem kleinen Abenteuerurlaub mit Happyendgarantie - erholt und lächelnd.


3 Sterne

Bluegrass Undercover von Kathleen Brooks
ISBN: 978-0-988-21083-7


Sonntag, 18. Dezember 2016

Die Wahrheit

Der reiche Roberto Vanussi ist ermordet aufgefunden worden, anscheinend war er schon eine Weile tot. Sein psychisch kranker Sohn Javier gesteht die Tat und wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Ermittlungen in dem Fall werden daraufhin eingestellt. Dennoch taucht bald darauf die Schwester des Beschuldigten bei dem bekannten Psychologen Pablo Rouviot auf. Sie bittet Rouviot darum, ein Gutachten über den Geisteszustand ihres Bruders zum Tatzeitpunkt zu erstellen, denn sie zweifelt an dessen Schuldfähigkeit. Pablo Rouviot setzt daraufhin all sein Können ein, allerdings nicht nur, um seinen Auftrag zu erfüllen, nein, er will auch die ganze Wahrheit finden.

Will man die Wahrheit immer erfahren? Was, wenn eine Wahrheit ans Licht kommt, die besser im Verborgenen geblieben wäre? Wer hat Interesse an der Wahrheit oder eben daran, dass sie nicht gefunden wird? Und wer hat die Fäden in der Hand? In Unwissenheit all dieser Gedanken, begibt sich Pablo Rouviot daran, mehr über Javier und seine Familie zu erfahren. Schnell jedoch merkt er, dass es mit einer bloßen Sichtung der Akten, sofern er überhaupt Zugang dazu erhält, nicht getan ist. Fast schon detektivisch beginnt er, die Menschen aus Javiers Umgebung zu befragen. Wie waren Javiers Lebensumstände? Kann er wirklich zu einem Tötungsdelikt fähig sein? Sollte er Rouviot ein Gutachten erstellen, darf es keinen Zweifel geben.


Mit seinem Debütroman ist Gabriel Rolón ein ausgesprochen fesselndes Kriminalstück gelungen. Sein Hauptdarsteller, der Psychologe Pablo Rouviot erforscht die Wahrheit mit großer Akribie. Unabhängiger als die Polizei, die manchmal Anweisungen auszuführen hat, gräbt Roviot nach jedem Hinweis. Je weiter er allerdings sucht, desto Anzeichen treten zutage, dass er vielleicht in ein Wespennest gegriffen hat. Mit den Erkenntnissen Pablos wächst sein Unbehagen über den Hintergrund der Tat. Und wie Pablo ergeht es auch dem Leser. Die Zweifel an der Notwendigkeit des Hervorbringens der absoluten Wahrheit wachsen. Die Analyse der Tat und des offensichtlichen Täters ergibt keine Lösung im üblichen Sinne. Wer, was womit zu tun hat bleibt ungewiss. Die letzte Wahrheit wird nicht offenbart. Und dennoch wird genug enthüllt, um den Leser auf jeder Seite zu fesseln. Zum Ende des Romans könnte man zu dem Gedanken verführt werden, Pablo Rouviot solle noch weitere Fälle lösen, doch der Internetauftritt des Autors lässt dazu keine weiteren Rückschlüsse zu. Allerdings gibt es einen Hinweis auf die Verfilmung des Roman, auf die man dann vielleicht auch hier gespannt sein darf. So bleibt eine leicht unvollendete Story, die einem allerdings einen packenden mitunter verstörenden Ausflug in die Tiefen der menschlichen Seele erlaubt. Lesenswert.

4,5 Sterne

Der Psychologe von Gabriel Rolón
ISBN: 978-3-442-74456-5




Samstag, 17. Dezember 2016

Ruhekissen

Wenn die Jüngste ihren vierzigsten Geburtstag feiert, so hat es der Vater verfügt, sollen alle Kinder zu gleichen Teilen aus dem Treuhandvermögen bedacht werden. Bis dahin entscheidet die Mutter über die Verwaltung. Durch kluge Investitionen noch aus Vaters Zeiten hat sich eine nicht unbedeutende Summe angesammelt. Nicht so, dass es für immer reicht, aber doch so, dass es wie eine Beruhigung wirkt und etwas, mit dem man den einen oder anderen Kredit zurückzahlen könnte. Doch schon die Verwalterin ist nicht ganz so sorgsam mit dem Vermögen umgegangen. Und dann kommt der Tag, an dem Leo mit der Kellnerin von der Familienparty verschwindet und mit ihr im Auto einen Unfall hat. Die Folgen des Unfalls lassen das Vermögen zu einem kleinen Rest dahin schwinden.

Die drei Geschwister stehen nun ohne ihre Rückversicherung da und müssen sich in ihrem Leben stark umorientieren. Von Leo erwarten sie eigentlich, dass er das Geld irgendwie aufbringt. Doch dieser Bruder Leichtfuss scheint kaum ein schlechtes Gewissen zu haben. Er kommt einfach bei seiner ehemaligen Freundin unter und führt allem Anschein nach ein recht unbeschwertes Leben. Jack, Bea und Melody, die man könnte sagen um ihr Erbe geprellten Geschwister, haben auf das Versprechen der Auszahlung Schulden gemacht, die sie nun nicht begleichen können. Sie alle haben eine echte Wut auf Leo, wie konnte er nur so gedankenlos und dämlich sein. 


Kann eine solche Geschwistergeschichte spannend sein? Vier über Vierzigjährige, die vom Leben und einem aus ihrer Mitte ins kalte Wasser gestoßen werden, denen die sicher geglaubte Rückversicherung genommen wird. Nun müssen sie die Suppe auslöffeln, die Leo ihnen eingebrockt hat und sogar noch darüber nachdenken, ob sie nicht zum Teil selbst schuld an der Misere sind, schließlich haben sie ein Versprechen beliehen. Ob das so klug war, darf sicherlich bezweifelt werden. Auch wenn es natürlich verständlich ist, schließlich möchte man in jungen Jahren investieren, in die Ausbildung der Kinder, in eine Ehe oder ein Haus. Die Auszahlung schien ja sicher. Erstaunlich wie der Autorin es gelingt sowohl die Geschichten der vier Brüder und Schwestern als auch die der weiteren Beteiligten zu einem Ganzen zusammen zu fügen. Man fragt sich zunächst, was die etwas vereinzelt dastehenden Kapitel sollen. Doch nach und nach erhalten die einzelnen fast wie Kurzgeschichten wirkenden Episoden ihren Sinnzusammenhang. Und genau das bewirkt Spannung und macht neugierig auf jedes weitere Kapitel. Mal steht man auf der Seite eines der Geschwister mal auf der eines anderen, keiner ist nur sympathisch oder unsympathisch. Auch wenn man sich der Illusion hingibt, man würde es selbst viel besser machen und nicht so sorglos Geld ausgeben, beginnt man doch darüber nachzudenken, ob man im Vertrauen auf die Zukunft nicht ähnlich handeln würde und dann auch ähnlich dämlich dastünde. Schließlich ist es eine Familiengeschichte, die fesselt und einen beim Lesen mancher Teile förmlich in die Handlung hineinsaugt. 

4 Sterne

Das Nest von Cynthia D’Aprix Sweeney
ISBN: 978-3-608-10015-0 (ebook)
ISBN: 978-3-608-98000-4 (Buch)


Freitag, 16. Dezember 2016

Wie lange noch


Der Auftragsaufräumer Roy Cady bekommt die Diagnose Lungenkrebs. Eigentlich könnte ihm also alles egal sein. Trotzdem will er nicht gerade jetzt sterben als ihm sein Boss, weil Roy angeblich ein Auge auf dessen Freundin geworfen haben soll, ein Falle stellen lässt. Letztlich überlebt Roy das Massaker und mit ihm eine junge Frau, die den Fallenstellern auf anderen Wegen zu Diensten sein sollte. Die beiden entfernen sich vom Ort des Geschehens. Roy weiß nicht warum, aber er erzählt von seiner Krankheit und Rocky macht den Vorschlag, sie könnten doch zusammen bleiben. Nicht, weil er sie braucht, aber vielleicht könnte er sie mal brauchen. Gewöhnt allein unterwegs zu sein, ist Roy unsicher, wie er sich zu diesem Vorschlag stellen soll. Als Rocky ihn überredet, ihre kleine Schwester abzuholen, möchte er allerdings am liebsten abhauen.

Besonders zu Beginn überzeugt dieser Roman wegen seines ungewöhnlichen Ansatzes. Natürlich, denkt man, kann ein Verbrecher nicht sympathisch sein, aber so eine Diagnose ist auch für so einen nicht einfach zu verarbeiten. Und dann kommt so ein Mädchen daher, die fast wie eine Rettung erscheint vor der Aussicht, alleine sterben zu müssen. Wie lange hat er noch? Lohnt es sich überhaupt, sie auf die Bekanntschaft mit Rocky einzulassen. Oder soll er sie lieber gleich alleine lassen, schließlich wird er bald nicht mehr da sein. Die Gespräche Roys mit der jugendlich frischen Rocky, die ihn aufrütteln und seine eingefahrenen Gedanken durcheinander bringen, haben etwas Spezielles, welches einen großen Teil des Reizes des Buches ausmacht. Auch wie Rocky ihm die kleine Tiffany unterjubelt, ist mit Witz und Verve dargestellt. Je weiter allerdings die Handlung voranschreitet, desto mehr verliert sich dies und die Story wird zum einen ernster aber auch lückenhafter. Irgendwie bekommt man den Eindruck, dass Roy sich bei seinem Ritt auf der Rasierklinge geschnitten hat. Zwar ist er schließlich schon ein anderer Mensch geworden, dennoch wirkt er unvollendet.


Vorgetragen wird dieses sehr gute Hörbuch von Walter Kreye, der die handelnden Personen mit seiner wandelbaren und sonoren Stimme zum Leben erweckt.

4 Sterne

Galveston von Nic Pizzalotto
ISBN: 978-3-8623-1434-8




Dienstag, 13. Dezember 2016

Erschreckender Wissenschaftsthriller

In seinem Wissenschaftsthriller „Helix“ widmet Marc Elsberg sich dem aktuellen Thema der Genmanipulation. Es geht um Nutzpflanzen und -tiere, die in Brasilien, Tansania und Indien auftauchen, die es aber eigentlich nicht geben dürfte. Einen US-Außenminister, der während eines Staatsbesuches in München stirbt und auf dessen Herz ein Totenkopf erscheint. Schließlich geht es um Helen und Greg, die sich nach vergeblichen Bemühungen um eine Schwangerschaft an eine Kinderwunschklinik in Kalifornien wenden und Teil eines Forschungsprogramms werden, das sonderbegabte Kinde hervorzubringen verspricht. Diese unterschiedlichen Erzählstränge werden von Elsberg zusammen geführt, doch wie, das wird hier natürlich nicht verraten. 


Helix ist das erste Buch von Elsberg, das ich las. Die kurzen Kapitel beschleunigten einerseits den Lesefluss, andererseits erschwerten sie aber auch den Überblick aufgrund der stetig wechselnden Perspektiven. Mir fiel es auch etwas schwer bei den genannten Organisationen, Wissenschaftstermini und Abkürzungen den Überblick zu behalten. Die Thematik ist hochaktuell und auch spannend. Streckenweise entwickelt sich die Story zu einem Action Thriller, was mir persönlich nicht so zusagte, unter anderen auch deswegen weil das Geschehene mitunter recht unrealistische Züge annahm. Die Grundidee fand ich aber sehr spannend und auch erschreckend realitätsnah. Allein deswegen erwies sich die Lektüre für mich als lohnend, auch wenn ich das Buch leider nicht uneingeschränkt weiter empfehlen kann. 

3 Sterne

© Britta Kalscheuer

Helix von Marc Elsberg
ISBN: 978-3-7645-0564-6



Sonntag, 11. Dezember 2016

Wir sind Borg

Britt-Marie hat immer gearbeitet, sie hat die Kinder ihres Mannes versorgt und ihm den Haushalt geführt. Irgendwie wollte sie auch mal eine Stelle annehmen, aber das Zuhause war dann doch wichtiger. Aber nun will sie es wagen, Britt-Marie sucht eine Anstellung. Pünktlich zu ihrem Termin geht sie zum Arbeitsamt. Dort soll sie sich registrieren lassen und Auskunft geben über ihre Fähigkeiten. Es endet damit, dass ihre Bearbeiterin mit den kurzen Haaren, ihr einen Job vermittelt in einem Ort, aus dem so viele fortgegangen sind, dass er kaum noch existiert. Und so kommt Britt-Marie nach Borg, obwohl sie nicht gerne verreist.

Wieder hat Fredrik Backman mit Britt-Marie eine Persönlichkeit geschaffen, der man es erst nach einer Weile anmerkt, dass sie eigentlich sehr liebenswert ist. Sie wird schon mal „Meckerziege“ genannt und mit ihrem Putzfimmel kann sie auch nicht bei jedem Punkten. Allerdings kam sich Britt-Marie schon als Kind wie die falsche Tochter vor. Und wenn sie schon nicht schön und richtig war, so wollte sie es doch wenigstens schön und richtig machen. So gut ausdrücken kann sie sich damit allerdings nicht. Ihr Ehemann Kent hat das einfach so hingenommen und sich von ihr versorgen lassen. Doch die Kinder sind schon lange aus dem Haus und Kent ist auch alt genug, um für sich selbst zu sorgen. Also könnte Britt-Marie doch auch mal an sich selber denken. Der Job in dem vor der Schließung stehenden Jugendzentrum von Borg entwickelt sich allerdings ganz anders als Britt-Marie erwartet hat. Macht nichts, sie macht erstmal sauber.

Die nervt doch, mit ihrer rechthaberischen und etwas altjüngferlichen Art, denkt man am Anfang und bedauert die Mitarbeiterin des Arbeitsamtes, die sich mit ihr abgeben muss. Doch man gewinnt Respekt vor Britt-Marie, die in dem Job klarkommt, den es eigentlich nicht gibt. Wie sie das ganze Dorf aufmischt, hat schon was. Wenn sie wieder mal daherkommt als hätte sie einen Stock verschluckt, möchte man die Augen verdrehen vor so viel Steifheit. Doch meist schmunzelt man im nächsten Moment, wenn ihre Aufgabe annimmt und den Dorfbewohnern zu einigen Einsichten verhilft und den Kindern zu ihrer Fussballmannschaft. Witzig und komisch, klug und warmherzig wirbelt Britt-Marie durch Borg. Dabei wächst sie besonders auch in den tragischen Momenten über sich selbst hinaus und bleibt sich dennoch treu. Außerdem - wer einen ordentlichen Besteckkasten hat, kann schließlich kein schlechter Mensch sein.


4,5 Sterne

Britt-Marie war hier von Fredrik Backman
ISBN: 978-3-810-52411-9


Samstag, 10. Dezember 2016

Sandwood Bay

Es fehlt niemand im Pub, deshalb sind die Besucher überrascht als sich die Tür öffnet und ein weiterer Gast den Raum betritt. Es ist der Deutsche Julian Tahn, er berichtet, seine Frau Laura sei verschwunden. Die Polizei wird benachrichtigt und schon bald kommt der Verdacht auf, Laura Tahn könne tot sein. Einige Ungereimtheiten in Julians Aussagen kommen mit einigen Funden im Gepäck der Eheleute zusammen und Julian wird vorläufig festgenommen, obwohl er beteuert, er habe Laura nicht getötet. Dieser erste größere Fall nach seiner Beförderung führt Detective Sergeant John Gills von Inverness zurück an den Ort seiner Kindheit und Jugend.

Karg und weit macht sich das Land um die Sandwood Bay in Schottland aus. Gegen Ende des Sommers bevölkern nur noch wenige Touristen die Gegend. Was mag das Ehepaar Tahn dazu bewogen haben, sich gerade diese zwar malerische aber doch einsame Gegend für einen mehrtägigen Stop ausgesucht zu haben. Seht gut kann man sich Wanderungen an dem kilometerlangen menschenleeren Strand vorstellen. Aber was kann passiert sein, weshalb ist die junge Frau verschwunden. Ein Bootsführer und Hafenarbeiter hat das Paar zu einen Bootsausflug mitgenommen und dabei einen heftigen Streit der Beiden mit anhören müssen. Allerdings verstand er nicht worum es ging, schließlich wurde der lautstarke Disput auf Deutsch geführt.

Ein wenig unwirtlich und düster wirkt die Gegend zumindest in der Phantasie des Lesers, der das Land noch nicht bereist hat. Geheimnisumwittert scheint auch die Ehe von Julian und Laura Tahn zu sein. Gespannt verfolgt man wie Julian Tahn nach und nach gezwungen ist, das eine oder andere preiszugeben. Es kommt keine fröhliche Geschichte zutage, aber reicht das als Motiv, seine Frau verschwinden zu lassen? Der frischgebackene Detective Gills scheint zwar einerseits durch seine Ortskenntnis und Herkunft bestens geeignet für die Ermittlungen, doch manchmal wirkt er auch gerade durch seinen persönlichen Hintergrund abgelenkt. Dennoch verfolgt er hartnäckig jeden Hinweis. 


Ein Kriminalroman, der einen langsam in seinen Bann zieht, dann mit einer überraschenden Wendung zu verblüffen versteht und schließlich das Mysterium der Sandwood Bay für sich behält.

3,5 Sterne

Wenn du mich tötest von Karen Winter
ISBN: 978-3-426-30512-6


Freitag, 9. Dezember 2016

Die Themse

Vor einem Jahr wurde Jude Shelley überfallen und schlimm verstümmelt, noch immer konnte sie das Krankenhaus nicht verlassen. Und noch immer ist der Täter nicht gefunden. Die Psychologin Alice Quentin wird von der Mutter des Opfers gebeten, den Fall noch einmal zu durchleuchten. Hat die Polizei vielleicht einen Hinweis übersehen? Das schwere Schicksal der jungen Frau nimmt Alice Quentin mit, deshalb versucht sie dem Opfer und seiner Familie zu helfen. Allerdings stößt die gerade bei jenen, denen sie helfen will auch auf Wiederstand. Die Shelleys scheinen etwas zu verschweigen. Und schon kurz nachdem Alice mit ihren Nachforschungen begonnen hat, gibt es ein weiteres Opfer.

Dr. Alice Quentin steht auch in ihrem vierten Fall der Polizei zur Seite. Leitender Ermittler ist Don Burns, mit dem Alice einmal mehr verband als nur eine kollegiale Freundschaft. Allerdings wählte der Detective damals seine Frau und seine Kinder und deshalb muss Alice sich sehr bemühen, ihre professionelle Distanz zu wahren. Der jungen Jude Shelley möchte sie jedoch sehr gerne helfen. Zwar kann dieser niemand ihr ehemals schönes Gesicht wieder geben, aber vielleicht bringt es eine gewisse Genugtuung, wenn der Täter gefasst wird. Da Judes Vater ein Politiker mit einem Ministeramt ist, sollen die erneuten Untersuchungen nicht an die Öffentlichkeit gelangen.


Auch in ihrem vierten Roman um die Psychologin Dr. Alice Quentin hat Kate Rhodes eine bedrückende Ausgangssituation geschaffen. Das Opfer hat den schlimmen Überfall nur knapp überlebt, Alice erholt sich von einer privaten Enttäuschung und erlebt zum ersten Mal, dass ihre Mutter nicht so stark ist. Zu Beginn der Lektüre muss man sich ein wenig in die Handlung hineinfinden, ist des doch schon eine Weile her seit der letzten literarischen Begegnung mit der sympathischen Psychologin. Doch nach und nach gewinnt der Fall an Spannung und man beginnt sich zu fragen, welches das große Geheimnis der Familie Shelley ist und warum mehrere Menschen aus ihrem Umfeld sterben mussten. Besonders berührt auch das Schicksal der jungen Jude, die eine so zähe Kämpferin ist und doch auch Rückschläge hinnehmen muss. Eine sehr lesenswerte Weiterentwicklung der Story um die Psychologin Alice Quentin.

4 Sterne

Grabeskind von Kate Rhodes
ISBN: 978-3-8437-1396-2


Donnerstag, 8. Dezember 2016

Das ist meine Welt

Sie kann von ihren Büchern leben, die bekannte Autorin Linda Conrads. Doch ihre Welt ist eine ganz andere als man es vermuten würde. Lindas Schwester Anna wurde vor etwa zwölf Jahren umgebracht und der Mörder wurde nie gefunden. Nach dem Verbrechen hat sich Linda immer mehr zurückgezogen, seit Jahren hat sie das Haus nicht mehr verlassen. Zwar hat sie sich in ihrem Leben eingerichtet, doch sie spürt die Enge ihrer Welt. Zufällig sieht sie während einer Fernsehsendung das Gesicht, das sie seit Jahren verfolgt, das Gesicht des Mörders. Kann das wirklich sein? Wie lässt sich die Wahrheit herausfinden? 

Schon bei der ursprünglichen Mordermittlung hatte Linda das Gefühl, dass die eine Polizistin ihr nicht glaubte. Dass die Beamten nicht intensiv genug ermittelten. Kann sie sich also nun der Polizei mit ihrem Verdacht anvertrauen? Dem Kommissar, von dem sie nie wieder etwas gehört hat? Sie muss Beweise finden, sie muss eine fertige Lösung präsentieren. Sorgfältig schmiedet Linda einen Plan, wie sie den vermeintlichen Täter in die Falle locken will. Sie beginnt einen neuen Roman zu schreiben und dafür recherchiert sie intensiv. Recherchen, die sich nicht nur zum Erzählen von Geschichten nutzen lassen. 

Lange wurde über dieses Buch gesprochen und nach Lesen des Klappentextes war ich eigentlich zu dem Schluss gekommen, dass die Ausgangssituation nichts für mich ist. Nach einer ausgesprochen ansprechenden Vorstellung ihres neuen Buches durch Melanie Raabe, reifte der feste Entschluss, sich doch mit ihren Büchern zu befassen. Als mir nun im Jokers-Laden ein Exemplar von der „Falle“ vor die Augen kam, war es genau die Gelegenheit, auf die ich gewartet hatte. 


Nachdem die Einführung und die Erläuterung der Ausgangssituation mich noch nicht völlig überzeugten, geriet ich bei der Beschreibung einer Konfrontationstherapie das erste Mal außer Atem. Die Schilderung war so eindringlich, dass das Kopfkino anging und ein leichte Gänsehaut auf meinen Armen sichtbar wurde. Je länger ich las und in die Geschichte eintauchte, desto mehr war ich angetan von der Art der Schilderung. Geschickt spielt die Autorin mit der Phantasie der Leser, sie erzeugt Unsicherheit und Rätselraten. Ich selbst war lange unschlüssig, was in der Mordnacht tatsächlich geschehen sein könnte. Misstrauen wird gesät, Gedanken kommen auf, die ich ich selbst für unmöglich gehalten hätte. Ein toller und ausgesprochen packender Roman, in dem zwei Hauptpersonen sich nichts schenken. Psychospiele, die einen immer im Zweifel lassen, was wirklich ist und was Phantasie. 

4,5 Sterne

Die Falle von Melanie Raabe
ISBN: 978-3-442-75491-5




Dienstag, 6. Dezember 2016

Miranda Frosts Katzen

Eines Tages möchte Abby sich bei ihrem Nachbarn Simon eine Dose Tomaten leihen. Denn Tomatensauce ohne Tomaten geht einfach nicht. Die Tür der Nachbarwohnung ist nicht richtig verschlossen und Abby findet Simon tot im Sessel. Sie benachrichtigt die Polizei und geht zurück in ihre eigene Wohnung zu Beck, ihrem Freund, mit der Dose Tomaten. An diesem Tag geschieht etwas mit Abby, nicht zum ersten Mal, aber dieses Mal scheint es gravierend zu sein. Abbys oberflächlich betrachtet so normales Leben gerät aus den Fugen. In ihrem Beruf als freie Journalistin schafft sie es einen bemerkenswerten Artikel über die Poetin Miranda Frost zu schreiben.

Wie schon in seinem ersten Buch konfrontiert Gavin Extence die Leser mit einer ungewöhnlichen Persönlichkeit. Abby, deren Eltern sich getrennt haben als sie noch ein Teenager war, ist eine intelligente junge Frau mit einer guten Ausbildung. Allerdings lebt sie unter den heute viel beschriebenen prekären Verhältnissen. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Beck teilt sie sich eine kleine Wohnung. Eigentlich könnten die beiden sehr zufrieden sein, auch wenn sie kein luxuriöses Leben führen. Nachdem Abby ihren Nachbarn gefunden hat wird ihr Leben irgendwie kompliziert. Sie scheint gleichzeitig sowohl ein Hoch zu empfinden als auch immer chaotischere Entscheidungen zu treffen. Ihre bipolare Störung, von der sie dachte, sie habe sie unter Kontrolle, scheint aus dem Ruder zu laufen.


Gavin Extence, der laut Klappentext ebenfalls an einer leichten Form einer bipolaren Störung leidet, erzählt mit wissenden Worten von Abby, deren Leben nach dem Tod des Nachbarn aus den Fugen gerät. In einigen Momenten kann Abbys Verhalten nicht ganz nachvollziehbar sein, wenn man selbst keine derartigen Störungen hat. Dennoch gelingt es dem Autor eben dieses Verständnis zu wecken soweit es eben möglich ist. Man nimmt an Abbys Schicksal teil und folgt ihren Narreteien ebenso wie ihrem Versuch wieder Boden unter den Füßen zu bekommen. Zwar gelingt es nicht immer, sich in sie hineinzufühlen. Gerade wenn sie ihren Halt verliert, fragt man sich, wie kann das sein. Nur die Erklärung, sie ist halt krank, kann weiterhelfen. Erst wenn Abby beginnt, an ihre vorläufige Gesundung zu glauben, fällt es leichter. Beinahe als sei man selbst mit ihr durchs Tal gewandert und beginne mit dem Wiederaufstieg. Möglicherweise könnte man anhand des Klappentextes ein leichteres und weniger ernsthaftes Buch erwarten. Dann wird man sich mit der vorgestellten Handlung etwas schwer tun und erst nach und nach Verständnis für die Geschichte und ihre Charaktere entwickeln. Hat man dieses kleine Hindernis überwunden, bekommt man einen bemerkenswerten Roman, der einem eine fremde Gefühlswelt auf sympathische Weise näher bringt.

3,5 Sterne

Libellen im Kopf von Gavin Extence
ISBN: 978-3-8090-2634-1




Sonntag, 4. Dezember 2016

Graubart

Mit seinen 73 Jahren gehört Tom Knight überhaupt noch nicht  zum alten Eisen. Er steht noch voll im Leben und arbeitet als Privatdetektiv. Nur an der Frauenfront ist es in letzter Zeit eher ruhig. Nun, das soll geändert werden. Voller Enthusiasmus beantwortet Tom die Anzeige von Fran, die einen Mann im Alter von bis zu 59 Jahren suchte. Um ins Profil zu passen, schummelte Tom bei der Altersangabe geringfügig über zehn Jahre weg. Natürlich fliegt der Schwindel beim ersten Treffen sofort auf und Fran will nichts mehr von Tom wissen. Dann jedoch werden in dem Altersheim, in dem Fran arbeitet, drei alte Damen ermordet. Fran gerät unter Verdacht und Tom Knight zeigt vollen Einsatz, um ihre Unschuld zu beweisen.

Das Alter schützt vor Torheit nicht und das ist auch gut so, könnte man sagen. Mit Tom Knight ist dem Autor Charles Hodges ein Charakter gelungen, der die Leser für sich einnimmt. Wie Tom den Unannehmlichkeiten des Alters oder des Alterns trotzt, hat schon was für sich. Zum Glück ist ja nicht alles vorbei, wenn der übliche Broterwerb aus Altersgründen beendet wird. Natürlich muss man sich lange vorher überleben, was man machen möchte. Vor dem Fernsehgerät sitzen und warten, dass die Zeit vergeht, ist sicher nicht der richtige Ansatz. Da kann man sich bei Tom Knight gleich ein paar Tips abholen. Um seine Rente aufzubessern, übernimmt er hin und wieder mal einen Fall. Die Sache mit Fran hat selbstverständlich einen anderen Hintergrund. Nach dem gescheiterten Date, will Knight nichts mehr als den Fall aufzuklären, schließlich könnte die Hoffnung bestehen, dass Fran ihre Meinung ändert. 


Im Laufe der Ermittlungen weiß Tom Knight wieder und wieder zu überzeugen, auch wenn immer mehr seiner Knochen auf die Versehrtenliste kommen. Die geschundenen Gelenke werden in den Dienst gezwungen, doch der Geist ist wach. Hartnäckig und mit außerordentlichen Fähigkeiten als Maskenbildner macht sich Tom auf die Suche nach dem wahren Täter. Wahrhaft gerne folgt man den Ausführungen von Charles Brauer, der Tom Knight und seiner Geschichte Leben einhaucht und ihr eine wunderbar angenehme Stimme verleiht. Sollte dies tatsächlich nicht der letzte Fall für Tom Knight sein, sollte man sicher auch weiterhin nach den Namen des Privatdetektivs und seines Schöpfers Ausschau halten.

4 Stene

Alte Schule von Charles Hodges
ISBN: 978-3-837-13631-9




Samstag, 3. Dezember 2016

Moderne Jugend

Während eines Staatsbesuchs in München verstirbt der amerikanische Außenminister überraschend. Fieberhaft wird nach der Todesursache geforscht. Gleichzeitig werden in verschiedenen Teilen der Welt vermutlich genmanipulierte Pflanzen und Tiere entdeckt, die es nach dem derzeitigen Stand der Technik nicht geben dürfte. Auch hier machen sich Organisationen auf, nach der Ursache zu forschen. In Amerika versucht derweil ein kinderloses Ehepaar, sich den sehnlichen Wunsch nach einem Kind zu erfüllen. Zu allem Überfluss verschwindet ein eigentlich gut bewachtes junges Mädchen vom Campus in Boston. Scheinbar zufällig finden diese Ereignisse beinahe gleichzeitig statt, jedes für sich genommen könnte durchaus relativ harmlos sein.

Fast gegen ihren Willen wird Jessica Roberts aus dem Stab des verstorbenen Ministers zum Mittelpunkt der Nachforschungen. Bei der Obduktion des Verstorben wurde unheimliche Veränderungen entdeckt, die sich nur durch einen genveränderten Virus erklären lassen. Und damit ist der erste Zusammenhang mit der Genforschung hergestellt. Doch wer könnte das Wissen besitzen, um die komplizierten Bausteine des Lebens neu zusammenzusetzen. Jessica, die sich nach der Reise eigentlich wieder ihrer Familie widmen möchte, wird durch ihre neue Aufgabe sehr gefordert. Zwangsläufig leidet ihr Familienleben darunter. Dennoch ist der Auftrag so groß, dass sie ihn unmöglich ablehnen kann.


An Schauplätze über die ganze Welt verteilt führt dieser spannende Wissenschaftsthriller. Die Möglichkeiten der Genmanipulation und wie weit sie gehen darf sind hier das große Thema. Mit Hilfe einer fesselnden Story wirft Marc Elsberg verschiedene Fragen auf, die nicht so einfach zu beantworten sind. Denn, was ist, wenn die Manipulation besser ist als die Natur? Dürfen so durchgreifende Veränderungen vorgenommen werden? Was kann zum Wohle der Menschheit zum Beispiel, um den Hunger zu stillen, durchgeführt werden? Oder könnte selbst das vermeintlich Gute später so schlimme Folgen haben, dass man sich wünschte, man hätte die Büchse der Pandora nie geöffnet? Wer entscheidet überhaupt, was besser ist? Natürlich kann auch der packendste Roman solche Fragen nicht beantworten. Nachdenklich macht es dennoch, denn auch der schlaueste oder gewiefteste Mensch kann nicht alle Folgen überblicken und alle Reaktionen vorhersehen. Und wird nur die Hoffnung auf die Vernunft bleiben können, nach der vielleicht nicht allem experimentiert werden sollte, was möglich scheint. Werden sie uns also tatsächlich ersetzen?

4 Sterne

Helix - Sie werden uns ersetzen von Marc Elsberg
ISBN: 978-7645-0564-6





Freitag, 2. Dezember 2016

Das Weihnachtsfenster

Zu Weihnachten dekoriert die Witwe Crackpickle gemeinsam mit ihren beiden Söhnen immer das schönste Schaufenster. Die Menschen, die in dem Armenviertel Old Nichol in London wohnen, freuen sich beinahe während des ganzen Jahres auf diesen erwärmenden Anblick. Doch in diesem Jahr erhält die Witwe die schreckliche Nachricht, ihre beiden Söhne seien bei einem Schiffsunglück ertrunken. In ihrer großen Trauer gibt sie ihrem Ladenmädchen, der 10jährigen Irin Anna die Schuld daran, obwohl das Mädchen nur das Pech hat, die Nachricht zu überbringen. Auch dem 12jährigen Bruder der Kleinen ergeht es schlecht. Mit einem Schuhschwärzerkasten will er sich und seiner Schwester zu genug Geld verhelfen, um nach Australien auswandern zu können. Doch er hat nicht damit gerechnet, dass die Erfolg versprechenden Plätze schon unter den Schuhschwärzern der Gilde vergeben sind. 

So manchem ist der Autor Raymond A. Scofield vielleicht besser bekannt von seinen Romanen, die in Asien angesiedelt sind. Hat man diese spannenden Werke verschlungen, kann man von der hier vorliegenden Geschichte schon überrascht werden. Eine Weihnachtsgeschichte? Kann das gelingen? Sich vergegenwärtigend, dass man die anderen Bücher des Autors teilweise verschlungen hat, macht man sich mit großer Neugier an die Lektüre. Wie wird es den Geschwistern Anna und Benjamin ergehen, die in tiefer Armut leben? Werden sie ihr Schicksal wenden können? Werden sie Hilfe erhalten oder wird sich alles gegen sie verschwören? Zu Beginn scheint für die beiden Kinder wirklich alles schief zu laufen. Anna verliert ihre Anstellung und Benjamin verliert seine Geschäftsgrundlage, für die er sich auch noch Geld geliehen hat.

Tatsächlich könnte der Ort der Handlung einem Roman des großen Charles Dickens entsprungen sein. Dennoch haucht der Autor ihr ein eigenes Leben ein. Schnell werden einem Anna und Benjamin sympathisch. Gerade Anna, die obwohl jünger, doch etwas mehr Durchblick hat als ihr Bruder, der sich ehrenwert aber etwas naiv in Schwierigkeiten bringt, macht es einem leicht sie zu mögen. Überhaupt wünscht man den Geschwistern, die schließlich nur noch sich haben, nur das Beste. Ob das Daumenhalten während des Lesens hilft, muss natürlich jeder selbst herausfinden. Dennoch gibt es bei aller Tragik auch glückliche Momente für die Kinder. Und manchmal scheint es so als halte ihre verstorbene Tante aus dem Jenseits eine schützende Hand über sie. 


Eine anheimelnde und herzerwärmende Weihnachtsgeschichte, die man an jedem Weihnachtsabend wieder hervorholen kann, um sie vielleicht gemeinsam mit den Lieben zu lesen.

4 Sterne

Das Weihnachtswunder von Old Nichol von Raymond A. Scofield
ISBN: 978-3-8412-1168-2


Dienstag, 29. November 2016

Der Club

Detective Max Wolfe muss immer wieder mit ansehen und miterleben wie die Opfer von Verbrechen zu kurz kommen. Die Verbrecher scheinen der gerechten Strafe zu entgehen. Doch die Taten des sogenannten Clubs der Henker übersteigen jegliche Vorstellungskraft. Da haben Unbekannte es sich zur Aufgabe gemacht, die vermeintlich zu leicht davon gekommenen zu richten. Das Team um Max Wolfe beginnt mit den Ermittlungen. Zunächst allerdings sind kaum Spuren zu finden. Einzig die abgelegten Leichen bieten einen Ermittlungsansatz. Warum wurden gerade sie ausgewählt? Doch auch eines Gedanken kann sich Max nur schwer erwehren, was wäre, wenn er selbst betroffen wäre, wenn in seinem persönlichen Umfeld ein Verbrechen verübt würde, dessen Sühne unwahrscheinlich wäre.

Wie schon in seinen beiden vorherigen Fällen begeistert Tony Parsons mit seinem sympathischen Ermittler Max Wolfe, allein erziehender Vater, alleinstehender Ex-Ehemann, hartnäckiger Mordermittler. Gleich zu Beginn liest er seinen ältesten Freund, den er schon seit Jahren nicht gesehen hat, von der Straße auf und erlaubt diesem vorübergehend bei ihm zu wohnen. Und auch seiner Chefin steht er zur Seite als ein tragisches Ereignis sie aus der Bahn wirft. Und auch dieser Fall von Selbstjustiz hat es in sich. Natürlich vertritt Wolfe die Auffassung, dass die Polizei nach den Mitgliedern dieses unheimlichen Clubs suchen muss, um sie ihrer Strafe zuzuführen. Dennoch kann er sich des Gedankens nicht erwehren, dass das Rechtssystem manchmal als ein wenig zahnloser Tiger erscheint. 

Gebannt erlebt man einen neuen Aspekt der Londoner Vergangenheit, der alten Hinrichtungsstätten, der vergangenen Gebäude, der gewesenen Rechtspraktiken. Ein spannender Einblick in die Geschichte der Verbrechensbekämpfung, bei der auch der obligatorische Besuch im Crime-Museum nicht fehlen darf. Die Entwicklung des Falles nimmt einem manchmal fast den Atem. Gleichzeitig freut man sich, Max Tochter Scout aufwachsen zu sehen, die nach den Sommerferien nicht mehr die Kleinste ist. Fein ausgewogen ist die Balance zwischen einem mitreißenden Fall und dem Zusammenleben Wolfes mit seiner sympathischen kleinen Familie. Auch die zurückhaltenden Versuche, den Wunsch nach einer neuen Partnerin zu erlauben geben diesem Krimi eine weitere Facette. In dem Moment, in dem die Ermittlungen für Detective Wolfe eine ganz persönliche Note bekommen, klebt man wirklich wie gebannt an den Seiten und spürt sein Herz entsetzt klopfen. 


Mit Detective Max Wolfe hat der Autor eine Figur geschaffen, mit der man noch etliche weitere Fälle erleben möchte.

4,5 Sterne

Wer Furcht sät von Tony Parsons
ISBN: 978-3-7325-2959-9


Samstag, 26. November 2016

Wir bauen ein Theater

Deprimiert kehrt Romy zurück in ihren sächsischen Heimatort. Sie war ausgezogen, um eine große Schauspielerin zu werden. Geschafft hat sie es zur Souffleuse und auch diesen Job hat sie verloren, nachdem man ihr während der Vorstellung mitgeteilt hat, dass ihre liebe Großmutter verstorben ist. Romy möchte sie nur noch verkriechen. Dennoch ist sie ziemlich geschockt als sie mitbekommt, dass die lieben Menschen, unter denen sie aufgewachsen ist, kaum noch einen anderen Gedanken hegen, als den, wer eines der letzten drei Grabplätze auf dem örtlichen Friedhof einnehmen wird. Oma Lene hat den Anfang gewagt und sich einfach den drittletzten Platz gesichert. Das Dorf stirbt aus, es wohnen nur noch alte Menschen dort.

Romy kann es kaum glauben, wie sich die einst heimelige Stimmung in ihrer alten Heimat verändert hat. Die Einwohner trachten nach ihrem eigenen Tod. Es ist wie ein Wettlauf auf die beiden noch verbliebenen Gräber. Der Tod kommt sowieso, ändern kann man nur das Leben davor. Wie kann Romy die Stimmung im Dorf verändern? Und wie ihr eigenes Scheitern überwinden? Romy hat die geniale Idee die alte Scheune in ein elisabethanisches Theater umzubauen. Und das ganze Dorf soll mitmachen. Es wäre doch gelacht, wenn das nicht gelingen sollte. 

Man spürt den Ruck, der durch das Dorf geht. Manchmal zwar eher zögernd oder gar widerwillig beschäftigen sich die alten Leute mit der Idee, an diesem gemeinsamen Projekt mitzuwirken. Vielleicht merken sie selbst zunächst kaum wie sie sich verändern. Doch ein Ziel vor Augen zu haben, gibt ihnen einen Teil ihrer jugendlichen Energie zurück. Es wird begonnen aufzuräumen, zu messen, zu sägen und zu hämmern. Mit Freude betrachtet man wie es mit dem Umbau vorangeht. Und Romy nutzt die Zeit, sich wieder zu hause in ihrer Dorffamilie zu fühlen. Ihr ehemaliger Kollege Ben, der früher etwas mehr als ein Kollege war, wird schließlich auch Teil des Plans. Werden sie es wirklich schaffen, in der tiefsten Provinz die Aufführung von „Romeo und Julia“ zu stemmen?

Es ist nicht nur der Bau des Theaters und das Einüben des Stücks, jede der handelnden Personen bekommt ihre Geschichte, sei sie tragisch oder melancholisch, dramatisch oder komisch oder eine Mischung aus alledem. Und so werden sie sympathisch, diese Leutchen mit ihren Fehlern und Schrullen und Wünschen und Träumen. Wenn auch vielleicht etwas zu viel hineingepackt ist an Tragik und Dramatik, so bleibt doch genug Freude am erhofften Gelingen des gemeinsamen Vorhabens. Und schließlich auch an der Liebesgeschichte, die sich fast hintenrum einschleicht und eigentlich mit dem Ende erst beginnt.


4 Sterne

Romeo & Romy von Andreas Izquierdo
ISBN: 978-3-458-36141-1



Mittwoch, 23. November 2016

Heimkehr

In ihrer 15jährigen Ehe hat sich Stella rundgefuttert, mit viel Einsatz hat sie ihren Mann Holger umsorgt und verwöhnt. Stella fällt aus allen Wolken als Holger sie verlässt, genauer gesagt, sie aus dem Haus wirft. In ihrer Not lädt Stella ihre Sachen ins Wohnmobil und macht sich auf den Weg in ihren Heimatort an der Nordseeküste. Sie liest den Anhalter Hauke auf, der auch nach Norden möchte, um sich um seine Großmutter zu kümmern. Hauke erweist sich als ausgesprochen guter Reisegefährte, der Stella in einer schwierigen Situation beisteht. Zuhause angekommen, fühlt sich Stella zwar noch sehr durch den Wind aber doch viel Wohler. Ihr Bruder bereitet ihr ein herzliches Willkommen und auch der Tierarzt Michael, den sie aus der Schulzeit kennt, scheint sehr erfreut über ihre Ankunft.

Nachdem sie ihre eigenen Wünsche während ihrer Ehe immer hintenangestellt hat, soll nun Stella selbst zum Zuge kommen. Sie möchte die Zeit in der Heimat nutzen, um ihre eigenen Wünsche kennenzulernen, für sich selbst zu sorgen und sich eine finanzielle Lebensgrundlage zu schaffen. Mit Enthusiasmus und Energie geht Stella ans Werk. Ihr liebenswertes Auftreten öffnet ihr viele Türen. Und immer wieder zieht es sie zu Spaziergängen an ihr geliebtes Meer. Schnell fühlt sich Stella wieder ganz heimisch im hohen Norden, sie möchte gerne für immer mit ihrem Bruder zusammen auf dem Elternhof bleiben. 

Schon nach wenigen Seiten merkt man, wie gerne die Autorin ihre Heimat mag. Die Beschreibungen vom Meer lesen sich echt nach mehr. Mit sehr gefühlvollen Worten schildert sie die Erlebnisse ihrer Stella. Eine heimelige Geschichte hüllt einen beim Lesen ein und gerne sieht man Stella aus sich heraustreten und entwickeln. Nicht selten jedoch geraten die Gefühle in Überschwang und allzu aufjauchenzd oder schluchzend verläuft der Gang der Handlung. Für einen  Leser von Kriminalromanen, der sich gerne mal eine Abwechslung gönnt, ist dieser Roman mit der an sich sehr schönen Grundidee nur bedingt geeignet.


3 Sterne

Leuchtturmtage von Anni Deckner
ISBN: 978-3-95818-122-9


Dienstag, 22. November 2016

Street fighting years


Sebastian Rudd, Anwalt, arbeitet alleine. Vater ist er aus Versehen, dennoch versucht er eine Beziehung zu seinem Sohn aufzubauen, der bei Rudds Ex-Frau lebt. Ein richtiges Büro hat er nicht, nur einen umgebauten Van. Nur einen Mitarbeiter hat er, der fast so etwas wie ein Freund ist und Bodyguard und Chauffeur. So ziemlich jeden Fall nimmt Rudd an, den des unter Mordverdacht stehenden Gard, den des braven Hausbesitzers, dessen Haus von einem Swat Team unter Beschuss genommen wurde. Und immer der Streit mit seiner Ex um das Umgangsrecht mit seinem Sohn. 

Was treibt ihn an, möchte man sich fragen. Etwas haltlos wirkt er, einzig auf die Tätigkeit als Anwalt konzentriert. Ohne Illusionen, was das amerikanische Rechtssystem angeht. Da wird eher gelogen als ermittelt, was wirklich gesehen ist. Selbst die Polizei oder die Staatsanwaltschaft schreckt nicht davor zurück, das Recht zu biegen oder gar zu brechen, wenn es darum geht einen Fall vor Gericht zu bringen. Ein Urteil, irgendein Urteil, das scheint das einzige Ziel zu sein. Kein Wunder, dass Rudd sich befleißigt fühlt, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und meist macht er seine Sache gut, selbst wenn er persönlich in Gefahr gerät oder bedroht wird. Doch besteht nicht die Gefahr, das ein Fall im das Genick bricht.


An einen Charakter wie Sebastian Rudd muss man sich erstmal gewöhnen. Er wirkt recht kühl und von seinen Fällen erzählt er recht distanziert. Nach und nach aber gewinnt man mehr Verständnis für die Art des Anwalts. Wenn kein anderer bereit steht, versucht er das beste für seine Klienten heraus zu holen. Verschiedene Verhandlungen werden nacheinander abgehandelt und erst nach einer Weile kristallisiert sich die eigentliche Handlung heraus, um dann gegen Ende wieder ein wenig zu zerfasern. Und so bleibt ein ungewöhnlicher Anwalt und nicht ganz einfacher Charakter mit teils ausgesprochen spannenden und interessanten Fällen, und ein Verlust jeglicher Illusion, die man über das amerikanische Rechtssystem in seiner praktischen Ausführung gehabt haben könnte.

4 Sterne

Rogue Lawyer von John Grisham
ISBN: 978-1-473-62290-6


und auf Deutsch



Montag, 21. November 2016

Mörderisches Wochenende

Der bekannte Tatort-Kommissar Ivo Batic oder besser gesagt sein Darsteller Miroslav Nemec wird für eine Krimi-Matinee gebucht. Stattfinden soll das Ereignis in einem neu renovierten Hotel in den Bergen gelegen und am besten mit einer Seilbahn erreichbar. Ein Journalist und ein echter aber inzwischen pensionierter Kommissar sollen die Gesprächspartner sein. Das Wochenende verspricht eine unterhaltsame Abwechslung zu bringen. Allerdings verlaufen die Tage völlig anders als geplant. Es zieht ein Sturm herauf, der bei einem Teil der Gäste verhindert, dass sie überhaupt anreisen können und die anderen unter ihnen auch Miroslav Nemec sitzen fest. Die Hotelbetreiber versuchen das Beste daraus zu machen und die Gäste zu verwöhnen. Doch als einer der Gäste tot im Pool gefunden wird, ist auch der letzte Rest von guter Stimmung dahin.

Der pensionierte Kommissar Mees und Miroslav Nemec beginnen sich über die Szenerie Gedanken zu machen. Doch alles sieht wie ein bedauerlicher Unfall aus. Fast könnte man zur Tagesordnung übergehen, gäbe es nicht kurze Zeit später einen weiteren Todesfall zu beklagen.


Herr Nemec schreibt einen Roman, in dem er als er selbst in einen Kriminalfall gerät, der vielleicht nur aus einer Reihe von Unfällen besteht. Kann diese Idee funktionieren? Und wenn er das Hörbuch dann auch noch selbst liest? Hätte der Autor im Rahmen der Buchmesse nicht ein so mitreißendes Interview gegeben, während dessen er einen kleinen Teil des Buches zum Besten gab, wäre das Hörbuch möglicherweise nicht im CD-Player gelandet. Do so hat es seinen Weg in  die Ohren der Hörerin gefunden und sie zu mehr als einem Auflachen animiert. Ja, zumindest in diesem ersten Fall funktioniert die Begegnung des Miroslav Nemec mit sich selbst ausgesprochen gut. Gelungen ist die Gratwanderung sich selbst als authentische Person darzustellen und dennoch das Private privat sein zu lassen. Humorvoll und amüsant die Beschreibungen um die Verwechslungen des Menschen Nemec mit der Rolle Batic, Fehler die wohl jedem TV—Seher unterlaufen können, der ja tatsächlich nur die Figur aus der Flimmerkiste kennt, die bei einer so lange laufenden Serie durchaus mal wie ein alter Bekannter wirken kann. Kurzweilig schildert Miroslav Nemec wie sein Alter Ego so etwas wie kriminalistischen Spürsinn entwickelt, wie im Tatort erlernte Vorgehensweisen im wirklichen Leben zur Anwendung kommen. Ein Glück, dass der Autor den Verleger kannte und dass er diese witzige Idee sich selbst einen Krimi erleben zu lassen in Buch und Hörbuch umgesetzt hat. Man wünscht sich eine weitere herausragende Idee, damit Herr Nemec zu einem weiteren Fall kommt und seinen Lesern ein weiteres Lese- und Hörvergnügen bereiten kann.

4 Sterne

Die Toten von der Falkneralm von Miroslav Nemec
ISBN: 978-3-844-52330-0