Freitag, 15. Januar 2016

Kähne und Kanäle

Die Polizistin Klaudia Wagner lässt sich nach einer unschönen Trennung aus dem Ruhrgebiet in den Spreewald versetzen. Sie hatte einen Hörsturz und leidet immer noch unter den Folgen, die neuen Kollegen sollen allerdings nichts merken. Besonders gut angekommen ist sie noch nicht. Die Kollegen haben sie nicht gerade mit offenen Armen aufgenommen. Schon kurz nach ihrer Ankunft wird in einem Wochenendhaus ein Toter aufgefunden. Ein Unternehmer, der sich von seiner Frau trennen wollte. Schnell finden die Beamten heraus, dass er eine Geliebte hatte, die auf Geschäftsreise in London sein soll. Zu erreichen ist sie aber nicht. 

Sollte man es nach einem Hörsturz nicht etwas ruhig angehen lassen, um weitere Folgen zu vermeiden? An einen solchen Rat, den ein Arzt möglicherweise gegeben hat, hält sich Klaudia Wagner nicht. Sie mischt mit und treibt die Untersuchungen voran. Ihre Kollegen scheinen dagegen manchmal etwas träge zu sein oder noch mehr mit ihren privaten Belangen beschäftigt als Klaudia. Diese sucht Anschluss in ihrer neuen Umgebung und in ihrem Bemühen scheitert sie zunächst. Was die sogenannten Kollegen da zu treiben scheinen grenzt schon an Mobbing. Der Chef tut nicht wirklich etwas, um die Situation zu bereinigen. 

Mehrere Fälle wirken hier zusammen. Die nicht verarbeitete Vergangenheit, die unsichere Zukunft, eine beschauliche Umgebung, von der man meint, kein Wässerchen könne sie trüben, sofern das bei einer Gegend möglich ist, das ergibt die Grundlage zu einem spannenden und verschachtelten Fall. Im Laufe der Ermittlungen gibt es so manche Überraschungen. Die Stimmungen und Strömungen unter den Kollegen und mehr oder weniger gegen Klaudia, deren Lage sich fast täglich zu verschlimmern scheint, wirken allerdings etwas dick aufgetragen. Vielleicht ist das zwar für die Geschichte notwendig, lenkt beim Lesen aber manchmal von der eigentlichen Krimihandlung ab. Zwar ist es immer interessant auch etwas vom privaten Umfeld der handelnden Personen zu erfahren, doch falls es sich hier um einen Serienstart handelt, wäre eine langsame Entwicklung dieser Begleitmusik angenehmer.


3,5 Sterne

Spreewaldgrab von Christiane Dieckerhoff
ISBN: 978-3-548-28760-7


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