Sonntag, 17. Januar 2016

Wahrheit

Der Privatdetektiv Georg Dengler bekommt zunächst ein Mobiltelefon, das nur einmal benutzt werden soll. Als nächstes erhält er einen Umschlag mit Geld, gerade so viel, dass er einen Teil seiner Schulden tilgen kann. Und dann kommt der Anruf, er solle doch die Todesumstände der Terroristen Mundlos und Bönhardt überprüfen. Was ist das denn für eine dämliche Frage, jeder weiß doch, was passiert ist. Trotzdem beginnt Dengler, sich die Informationen zu beschaffen, an die er so herankommen kann. Und er findet Ungereimtheiten, und er schreibt einen ersten Bericht. Als er jedoch seiner Freundin Olga von seinem Auftrag erzählt, ist diese entsetzt, er will doch nicht diese Täter zu Opfern machen? Olga haut ab und Dengler ist völlig von der Rolle. Dennoch bohrt er weiter.

Auch wenn man nicht alle Teile dieser hiermit acht Bände umfassenden Reihe kennt, kann man diesen Thriller mit großer Spannung lesen. Dengler ermittelt quasi nach, was die Polizei doch festgestellt haben sollte. Wieso kommt er zu ganz anderen Ergebnissen? Soll diesen Ausgesteuerten der Gesellschaft tatsächlich etwas untergeschoben werden? Verspricht sich die Überlebende etwas von ihrem Schweigen oder wurde ihr etwas versprochen? Gibt es auch in Deutschland eine Lizenz zum Töten? Wird die Öffentlichkeit, die negativen politischen Randerscheinungen, gar die Polizei und die Politik fremdgesteuert? Wacht der große Bruder, der hier über dem großen Teich zu suchen ist, immer noch über alles? 

Einen großen Teil der Grundlage zu diesem Roman bilden Berichte und Recherchen zu den tatsächlichen Ereignissen. Auch wenn, wie der Autor betont, Lücken mit Fiktion gefüllt werden, entsteht doch ein Bild, dass einen nicht gerade mit Freude auf diesen unseren Staat blicken lässt. Werden Unruhen geschürt, um bestimmte politische Ziele verfolgen zu können. Und wenn die vermeintlichen Täter exekutiert wurden, waren sie dann überhaupt die Täter. Wer steckt noch mit drin und wieso nur so laxe Ermittlungen von Ermittlern, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen. Sollte man den Behörden nicht vertrauen können? Ein Spiel scheint diese Gesellschaft zu spielen, bei dem grundsätzlich alle mitmachen und auch mitmachen müssen, sonst kann die Gesellschaft nur zerbrechen. Doch was, wenn die Behörden sich nicht mehr an die Regeln halten. Wenn Ziele verfolgt werden, die von Innen oder von Außen vorgegeben werden. 


Ein Buch, das eindeutig klarmacht, dass man die vorhandenen Tatsachen auch anders interpretieren kann, dass überhaupt nicht immer alles so sein muss, wie man es vorgegaukelt bekommt. Fehler, die man als Laie nicht bemerkt, Halbwahrheiten, die man glaubt, weil man dem Berichterstatter aufgrund dessen Position vertraut. Eigentlich haarsträubend, aber mega-spannend und sehr nachdenklich machend.

5 Sterne

Die schützende Hand von Wolfgang Schorlau
ISBN: 978-3-462-04666-3


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