Montag, 15. Februar 2016

Eine Liebe, die nicht sein darf

Im Mittelpunkt des Romans „Der goldene Sohn“ von Shilpi Somaya Gowda steht das Schicksal zweier Menschen, die einst durch das zarte Band einer Kindheits- und Jugendliebe verbunden waren: Anil und Leena. Doch ihre Liebe hat in der indischen Gesellschaft keine Zukunft. Ein jähes Ende findet ihr gemeinsamer Lebensweg, als Anil beschließt, seine Karriere in den USA voranzutreiben. Doch das Leben dort ist alles andere als leicht. Erschwerend kommt der Kulturkonflikt hinzu, dem Anil permanent ausgesetzt ist. Als Pendler zwischen den Kulturen bekommt er die Schattenseiten seines privilegierten Daseins deutlich zu spüren. Ferner erweisen sich die Fußstapfen, in die er nach dem Tod seines Vaters stapfen soll, als recht groß. Die von ihm erwartete Tätigkeit als Streitschlichter verlangt ihm viel ab. Doch auch Leena hat es nicht leicht; die harte Schule des Lebens in Indien bleibt ihr nicht erspart. Wie es die Tradition und Kultur Indiens verlangen, wird sie nach Kriterien der Mitgift verheiratet und muss sich dem ihr zugewiesenen Ehemann bedingungslos unterordnen. Sie spürt am eigenen Leib, was Frau-sein in der indischen Kultur bedeutet. Das ist nicht viel, denn dem westlich geschulten Auge erscheint dies als reine Sklaventreiberei. 
Mit ihrem Roman ist es der Autorin meiner Meinung nach hervorragend gelungen, ein authentisches Bild Indiens zwischen Tradition und Moderne zu zeichnen. Ferner spielen Kulturunterschiede ebenso wie kulturelles Grenzgängertum eine große Rolle. Anils und Leenas Geschichte erhält dadurch einen hohen Aktualitätsgrad. Ich konnte mich in die beiden Akteure gut hineinversetzen, habe mit ihnen gefühlt und gelitten. Dank des angenehmen Schreibtisch der Autorin war das Buch flüssig zu lesen. Ich bin nun sehr neugierig auf den Vorgängerroman, den ich recht bald lesen möchte. „Der goldene Sohn“ ist insbesondere allen Kulturinteressierten sehr zu empfehlen. 

4 Sterne

Der goldene Sohn von Shilip Somalia Gowda
ISBN: 978-3-462-04774-5


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