Samstag, 20. Februar 2016

Schuld

Kurz vor Weihnachten ist der Urlaub von Pia Kirchhof und Christoph Sander geplant. Drei Wochen Sonne, was will man mehr. Doch viele Kollegen sind krank oder ebenfalls in Urlaub. Deshalb kann und will Pia nicht nein sagen als sie zu einem Tatort gerufen wird. Eine Spaziergängerin ist scheinbar willkürlich einem Mord zum Opfer gefallen. Niemand kann sich vorstellen, dass sie absichtlich ausgewählt wurde. Eine unbescholtene Frau, die bei allen beliebt war. Diese Vermutung wird dadurch gestützt, dass nur kurz danach ein ähnlich sinnloses Verbrechen geschieht. Sollten Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhof es mit einem Serientäter zu tun bekommen? Schweren Herzens entschließt sich Pia, den Urlaub nicht anzutreten.

So wie die Ermittlungen zunächst auf der Stelle treten, kann man beim Lesen nachempfinden, wie frustrierend das sein muss. Kleinste Hinweise zusammen zu tragen, die erstmal zu nichts führen. Das nahende Weihnachtsfest, eine Zeit, während der man wahrlich lieber mit etwas anderem beschäftigt wäre als eine Mördersuche. Ein eilig herbeigerufener Fallanalytiker, der angesichts der dünnen Personaldecke dankbar empfangen wird, bringt Unruhe und mit seiner selbstgefälligen Art zieht er sich den Unmut seiner Kollegen zu. Nichts geht voran, kein Durchbruch wird erzielt. Wie ein Ruck geht es allerdings durch die Mannschaft nachdem Schriftstücke, die als Todesanzeige aufgemacht sind, auftauchen. Diese öffnen dem Fall eine ganz neue Dimension.

Welches Bild sich hier nach und nach ergibt, scheint kaum vorstellbar. Menschen, die mit ihrer Schuld hadern, nahezu an ihr zerbrechen, lösen eine Entwicklung aus, wodurch ungeahnte Dinge ans Licht der Öffentlichkeit dringen könnten. Sehr subtil werden Fährten ausgelegt. Steinchen für Steinchen werden die Einzelheiten zusammengefügt. Auch wenn Presseberichte nahelegen, dass der Hintergrund des Falles nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, mag man es doch kaum glauben. Eine Institution, der man vertrauen können sollte, beschäftigt Menschen, denen man nicht vertrauen kann. Doch was, wenn es um Leben und Tod geht. Immer brisanter wird die Handlung, immer näher kommt die Polizei dem Täter. Immer mehr hält man den Atem an. Förmlich abgetaucht in die Welt der Ermittler, fühlt man die Fallbearbeitung bis zur letzten Sekunde mit. 


Ein Bestseller, zurecht!

4,5 Sterne

Die Lebenden und die Toten von Nele Neuhaus
ISBN: 978-3-548-28776-8


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