Montag, 28. März 2016

Bloßgestellt

Vor Jahren wurde aus Lili die neue Lily, in den 1930ern ist ihre Mutter mit ihr nach England gegangen. Fortan war Lily keine Deutsche mehr. Und nun im Jahr 1960 ist sie mit einem Engländer verheiratet, der eine sichere Position im öffentlichen Dienst  innehat. Jedoch eines Tages hat ein Kollege Simons zu hause einen Unfall und er bittet Simon, eine Akte zurück ins Amt zu bringen. Dadurch wird eine Kette unglücklicher Ereignisse in Gang gesetzt, die Lilys Leben auf den Kopf stellen. Vorbei ist es mit allem, was sie sicher glaubte. Lily fühlt sich in ihre Kindheit zurück versetzt, wo sie in jedem Moment fürchten musste, von den Nazi-Schergen entdeckt zu werden.

In den Jahren des kalten Krieges waren die unterschiedlichen Nationen sehr an den Geheimnissen  der jeweils anderen interessiert. Die während der Kriegsjahre geknüpften Kontakte wurden genutzt, um Informationen weiterzugeben. Informationen, die in Simons Behörde zu erlangen sind. Informationen, die in gerade jener Akte enthalten sind, die Simon an sich genommen hat. Doch warum bringt Simon die Akte nicht zurück? Er erkennt zwar das Potential, das ihr Inhalt hat, aber will er die Geheimnisse schützen oder den, der die Akte offensichtlich entwendet hat. Simon ahnt nicht, was er seiner Familie durch sein Verhalten aufbürdet.

Aus ihrem Lebensidyll gerissen, müssen Lily und Simon mit ihrer veränderten Situation zurechtkommen. Welche Auswirkungen hat es, wenn plötzlich der Ehemann der Spionage verdächtigt wird. Wird sie ihre Arbeitsstelle verlieren, werden ihre drei Kinder gehänselt werden, wird das Geld reichen? Was, wenn sich der Verdacht erhärten sollte? Gleichzeitig entdeckt man die Erinnerungen der handelnden Personen, welcher Weg sie letztlich zu ihrer derzeitigen Position geführt hat. Nach und nach begreift man die feinen Schwingungen in diesem Roman, die sich immer mehr verdüsternde Stimmung. Die Lage scheint hoffnungslos, doch man erfühlt auch Lilys Kraft. Als habe ihr Schicksal in ihrer ehemaligen Heimat sie gelehrt, mit wenig auszukommen, Veränderungen anzunehmen und schließlich im geeigneten Moment aktiv zu werden. Während die meisten anderen eher schwach wirken, verströmt Lily Durchsetzungswillen und das unbedingte Bestreben, ihre Position zu verbessern und ihre eigentlich glückliche Ehe zu erhalten.

Ein eher ruhiger Spionageroman, der aus gerade dieser Ruhe seine Kraft zieht und den Leser an den beängstigenden Entwicklungen teilhaben lässt, zu denen der kalte Krieg geführt haben mag.


4 Sterne

Exposure von Helen Dunmore
ISBN: 978-0-091-95394-2


Kommentare:

  1. Spionage mal anders.
    Gefällt mir. Die Rezension auch.

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    1. Das Buch lässt einen nicht sofort los, dadurch gewinnt es an Qualität.
      :-)

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  2. Das klingt toll. Schöne Besprechung. Dein Blog gefällt mir liebe Walli. Da bleibe ich gleich mal als Leser und verlinke dich auf meinem Blog. Über einen Gegenbesuch würde ich mich freuen. Ich sehe, du liest "Das Lied meiner Schwester. Bin auf deine Meinung gespannt.

    Liebe Grüße, Gisela

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    1. Dankeschön, den Gegenbesuch werde ich dir gleich mal abstatten.
      Liebe Grüße walli :-)

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