Freitag, 27. Mai 2016

Literarische Gesellschaft

Die junge Lehrerin Ella kehrt für einen Aushilfsjob in ihre Heimatstadt zurück. Es ist nicht ganz leicht für sie, sich wieder in ihrem alten Zimmer und in ihr altes Leben einzufügen. Besonders weil ihr Vater durch die fortschreitende Demenz immer mehr von seinem Charakter verliert. Jedoch als ein Schüler in einem Aufsatz einen Klassiker falsch zitiert und dann noch behauptet, das sei so geschrieben, ist Ellas Neugier geweckt. Sie geht mit dem falschen Buch in die Bibliothek, um aufzuklären, wie es zu dieser falschen Ausgabe kommen konnte. Die Bibliothekarin entwindet Ella das Buch und gibt keine Erklärungen ab. Und dies ist Ellas erste Begegnung mit einem Mitglied der Literarischen Gesellschaft von Hasenhausen, einer kleinen Stadt in Finnland.

Ella wird das zehnte Mitglied der Literarischen Gesellschaft und im Rahmen der ersten Einladung, die sie als Clubmitglied erhält, verschwindet die Kinderbuchautorin Laura Hermelin im Schnee. Nun will Ella wirklich das Geheimnis um die Literarische Gesellschaft und ihr Das Spiel aufklären. Schritt für Schritt tastet sie sich in die Geschichte. Mit jeder Ungereimtheit, die sie klärt, tauchen neue rätselhafte Hinweise auf. Die Gesellschaft existiert schon seit der Kindheit ihrer Mitglieder und die Regeln sind von diesen Kindern geprägt, die heute älter sind als Ella. Wie konnte es bei allem, was rational erklärbar ist, zu dem seltsamen Verschwinden der literarischen Mutter der Kinder kommen, die heute zu den bekanntesten finnischen Schriftstellern zählen. Ellas Tisch im Café 10 ist noch leer, vielleicht wird die Geschichte ihrer Nachforschungen das erste Buch sein, das ihren Tisch ziert.

Beim Lesen hin und her gerissen zwischen „wie skurril und urig“ und „geht ja gar nicht“ versucht man zu rationalisieren. Kann das sein? Was ist Wahrheit, was ist Traum? Ebenso hartnäckig wie Ella versucht man zu ergründen, was geschehen ist, in der Vergangenheit und in der Gegenwart. Gibt es einen rechten Zeitpunkt zu verschwinden, wenn man genommen oder gegeben hat, was zu nehmen oder zu geben war. Ist man zerrauft am Ende glimpflich davon gekommen? Eine Handlung mit Ecken und Kanten, an denen man sich stößt. Stöße, die einem aus der angestammten Bahn werfen und so einen anderen Blickwinkel ermöglichen. 

4 Sterne

Lauras Verschwinden im Schnee von Pasi Ilmari Jääskeläinen
ISBN: 978-3-351-03411-5


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