Samstag, 9. Juli 2016

Die Lüge

Mit ihrem Mann und ihrer Tochter führt Sandra ein glückliches Leben. Sie arbeitet als Therapeutin und auch Ben ist erfolgreich in seinem Job. So erfolgreich, dass er für die Familie ein großes Architektenhaus am Hügel außerhalb der Stadt errichten konnte. Sandra wäre lieber in der Stadt geblieben, durchsetzen konnte sie ihren Wunsch allerdings nicht. Auch Ivy, die mit 15 mitten in der Pubertät steckt, fühlt sich in der Einsamkeit nicht recht wohl. Irgendetwas stimmt allerdings mit der Idylle nicht. Sehr erschrocken, reagiert Sandra als Ivy sie der Lüge bezichtigt. Die Situation droht zu eskalieren, weil zwei Fremde am Haus auftauchen. Offensichtlich entflohene Sträflinge, die nichts Gutes im Schilde führen.

Auf der kleinen Bühne des durchgestylten Familienheim entspinnt sich ein Drama. Was geschieht, wenn Fremde einfach einbrechen, Geiseln nehmen und die Sicherheit, die man im eigenen Haus eigentlich fühlt, rüde zerstören. Wie interagiert man mit den Gangstern? Hat man eine Chance zu entkommen oder auch nur die Situation zu überstehen. Was kommt über einen selbst ans Tageslicht. Wächst man über sich hinaus. Oder verrät man alles, was einem lieb ist, um selbst zu überleben. Sandra wird hart geprüft.

Ein Geflecht aus Beziehungen, von denen die meisten belastet erscheinen. Personen, die wirken als hätten sie vor Jahren oder Jahrzehnten eine Therapie gebraucht, die vielleicht zu mehr Klarsicht geführt hätte. Der Ausspruch „Kinder brauchen Grenzen“ scheint hier mit viel Gehalt ausgefüllt zu werden. Man fragt sich, wie weit die Reihe der Mütter, die schuld sind, zurückreicht. Denn jede Mutter, die Schuld ist, hat eine Mutter, die vermutlich Schuld ist. Kann man eine solch fatale Reihe durchbrechen und wahrhaft etwas besser machen. Man selbst ist nicht frei von seiner Herkunft. 


Ein Roman, der aufwühlen kann und manchmal anwidert. Packend in seinem Verlauf, aber in seiner Ausführung doch sehr extrem. Mal wieder bekommt man das Gefühl, dass gerade in den vermeintlich normalen Haushalten der USA zu viele Waffen im Umlauf sind, auf die Menschen Zugriff erhalten können, in deren Händen sie absolut nichts zu suchen haben. Und so entwickeln sich die tragischen Ereignisse immer schlimmer und als Leser fühlt man sich mitunter gezwungen eine Achterbahnfahrt mitzumachen. Durch die teilweise unterschiedlichen Perspektiven bekommt man zudem hin und wieder den Eindruck, dass der Zeitablauf nicht stimmig ist und das manche Informationen irgendwie im Ungeklärten verschwinden. Und so könnte ein wenig Unentschlossenheit zurückbleiben. 

3,5 Sterne

As Night Falls von Jenny Milchman
ISBN: 978-0-553-39482-5


und auf Deutsch:


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