Sonntag, 28. August 2016

Tequila Sunrise

Nur langsam erholt sich der 88jährige Buck Schatz von der Schussverletzung, die er während seiner letzten Verbrecherjagd erlitten hat. Sogar ihr geliebtes Haus mussten er und seine Frau Rose aufgeben, weil er doch mehr Hilfe im täglichen Leben braucht. So schlecht wäre es in der Wohneinrichtung für Senioren auch nicht, käme er alleine aus dem Bett, bräuchte er die Physiotherapie nicht, gäbe es Essen, dass nicht verbrannt und gefroren gleichzeitig wäre, würde sein Gedächtnis noch funktionieren wie früher. Was will dann dieser Geist aus seiner Polizistenvergangenheit? Elijah, mit dem er vor fünfzig Jahren schon einmal aneinander geraten war, bittet ihn um Hilfe, weil er sich bedroht fühlt.

Puh, alt werden möchten wir alle gerne, alt sein ist doch ganz schön schwer. Dabei geht es vielen Leuten in seinem Alter schlechter als Buck, vermutlich sind die meisten schon unter der Erde oder sie vegetieren in einem Pflegeheim. Buck Schatz kann seine Umgebung immerhin noch in den Wahnsinn treiben und nebenbei eine Drogengeschichte aufklären. Was er nicht vergessen will, schreibt er sich auf. Einfach ist es natürlich nicht, wenn man ohne Gehhilfe keine zwei Schritte gehen kann. Aber immerhin soweit hat er sich von der Schussverletzung doch erholt. Und grantig war er auch vor der Op schon. Dennoch fragt man sich, wie er es nur schaffen will, seinen alten Widersacher auszuschalten. 


Wer will es schon so genau wissen, wie es ist alt zu sein. Zumindest hat Daniel Friedman wie er im Nachwort bekannt gibt, bei der Entwicklung des Charakters von Buck Schatz an seinen Großvater gedacht, der im Alter von 97 Jahren verstarb. Knorrig und grantig, sich dem Alter wiedersetzend so gut es eben geht und doch zu akzeptieren, was nötig ist. So ist es schon ein schönes Denkmal, dass in einen bissigen Krimi gekleidet ist. Die Erinnerungen an die alten Zeiten sind manchmal näher als das, was eigentlich ins Kurzzeitgedächtnis gelangen sollte. Dennoch bleibt Buck Schatz ein energischer alter Knochen, der es mit dem Verbrechen noch immer aufnehmen kann. Möglicherweise hätte dem Buch etwas mehr Witz und Leichtigkeit gutgetan, schließlich spielt es in einer Welt, die sich die vermutlich meist jüngeren Leser wohl kaum vorstellen können.

3,5 Sterne

Der Alte, der die Rache liebte von Daniel Friedman
ISBN: 978-3-352-00670-8


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