Mittwoch, 26. Oktober 2016

Buchmesse Frankfurt 21.10. und 22.10.2916

Auch in diesem Jahr war ein Besuch bei der Frankfurter Buchmesse fest eingeplant, Hotel und Zug gebucht, habe ich mich mit Freude und voller Erwartung auf den Weg gemacht. Im Gegensatz zu den Vorjahren habe ich mich dank der hervorragenden Buchmesse App bereits im Vorfeld informiert, welche Angebote für mich von Interesse sein könnten. Bei dem übergroßen Angebot
hilft allerdings noch nicht einmal dieser Filter, viele Termine überschneiden sich und es gilt, die Entscheidung zu treffen, was man wirklich erleben möchte. Neben den herausgefilterten Veranstaltungen stand die diesjährige Messe besonders unter dem Motto „Treffen mit alten und neuen Bekannten“. Noch am Vorabend wurden über Facebook ein paar Treffpunkte vereinbart. Zu einem ersten persönlichen Kontakt kam es gleich zu Beginn mit Marion und Anja, die ich zwar schon seit Buchgesichter-Zeiten also seit Ewigkeiten, aber vorher eben doch nur online kannte. Ein kurzer Schnack, ein Austausch über Bücher natürlich und die Feststellung, dass der Buchgeschmack doch sehr
unterschiedlich ist. Und dann ging es auf getrennten Wegen bei der einen mehr in die Historienabteilung, während sich die andere eher in Sachen Krimi auf den Weg machte.
Allerdings führte der Weg zum Kriminalroman zunächst zu einem Interview bei der FAZ. Dort wurde „Hool“ von Philipp Winkler vorgestellt. Ein Roman, das mich trotz einiger - mit solchen Themen beschäftige ich mich eigentlich nicht - Vorbehalte nach der Lektüre durch Sprache, Inhalt und Komposition fast völlig überzeugt hat. Neugierig folgte ich den Worten des Autors über sein Studium, die Recherche zum Buch und seine nächsten Pläne. Das nächste Werk wird wieder ein Roman, man darf sich also freuen. Allerdings kann sich der Autor auch vorstellen, mal einen Band mit Kurzgeschichten oder einen Comic zu veröffentlichen. 
Nach diesem ersten positiven Eindruck wurde Halle 3, in der sich die Stände der meisten gängigen Verlage befanden, unsicher gemacht. Ein bereits in Leipzig geknüpfter Kontakt beim österreichischen Haymon Verlag (das sind die mit den coolen abgerundeten Ecken)
aufgefrischt. Bei Fischer ein paar Fotos geschossen, der bereits gelesenen tollen Bücher und der Bücher, die noch zur Zukunft bzw. auf die Wunschliste gehören.
Dann aber war endlich die Krimi-Zeit gekommen. Im ARD-Forum stellte Miroslav Nemec mit einem sehr humorigen Interview seinen ersten Fall „Die Toten von der Falkneralm“ vor. Die Chemie zwischen dem Fragesteller und seinem Interviewpartner stimmte. So kennt Miroslav Nemec den Verleger und in vielen Gesprächen entwickelte sich die Idee eines Krimis, der aber einen besonderen Kick haben sollte. Und deshalb geht Nemec nicht als Batic auf Verbrecherjagd sondern als Nemec. Interessant auch, dass es eine kleine Gratwanderung ist, einen Roman über sich selbst zu schreiben, in dem man schon authentisch sein möchte, aber dennoch das Private im Privaten lassen möchte. Eine kurze Lese-Einlage brachte Szenenapplaus und einen Eindruck von dem Hörbuch, dass Miroslav Nemec selbst eingelesen hat. Die bunt markierten Seiten vermittelten etwas von der akribischen Planung bei der Erstellung des Hörbuchs, man fragt sich ja manchmal, wie es ein Leser schafft, bestimmte Tonlagen für bestimmte Personen während der gesamten Lesung beizubehalten - Textmarker! Diese Buchvorstellung habe ich sehr genossen.
Es folgte die nächste Krimi-Vorstellung. Beim Spiegel-Verlag sprach Arne Dahl über sein neuestes Werk „Sieben minus Eins“. Da ging
es einmal um Sinn oder Unsinn von Pseudonymen, denn auch Arne Dahl ist ein Pseudonym. Der Autor hat vor Jahren zunächst in anderen Genres veröffentlicht, so dass die Meinung aufkam, bei einem Genrewechsel könne die Verwendung eines Pseudonyms Sinn machen. Irgendwann war Dahl allerdings froh, dass das Pseudonym gelüftet war. Warum sollte er seine überaus erfolgreichen Krimis auch verstecken? Kriminalromane können viel transportieren, Kenntnisse von einem Land, politische Strukturen, intelligent konstruierte Fälle. Arne Dahl gehört in diesem Bereich zu den Besten, jedenfalls bei denen seiner Kriminalromane, die ich bereits gelesen habe. Der Autor lebt im Übrigen zeitweilig in Berlin und so bedurfte er für das Interview keines Übersetzers.
Etwas später am Nachmittag traf ich mich mit meiner lieben Bücherfreundin Tanja, die ganz bei mir in der Nähe wohnt. Aber so ist es zu Messe-Zeiten, man trifft sich dort knapp 400 km entfernt, anstatt daheim 20 km zu fahren. Wir waren uns einig, das soll anders werden und es war schön mal wieder miteinander zu plaudern. 
Der erste Messetag fand dann seinen Ausklang mit einem Gang zum Italiener, den eine in Frankfurt wohnende Freundin im letzten Jahr entdeckt hatte und den wir beide für gut befunden hatten. Dass das Essen dort lecker ist, hatten allerdings inzwischen auch die Frankfurter entdeckt und so bekamen wir den Katzentisch neben dem Klo. Machte nichts, das Essen war trotzdem lecker und die Unterhaltung lebhaft.
Nach einem kleinen Ausflug in Halle 4 begann Tag zwei mit einem vorablesen-Gewinn: Ein „Meet & Read“ mit der ausgesprochen
sympathischen Melanie Raabe. Die Bücher der Autorin kannte ich bisher noch nicht, aber nun besteht eine nicht geringe Wahrscheinlichkeit, dass ich sie kennenlernen werde. Der Ausschnitt aus „Die Wahrheit“, den die Autorin gewählt hat, war mitreißend und gefühlvoll vorgetragen, das verlangt nach mehr. Schön war es auch, dass die Autorin noch etwas Zeit zur Beantwortung von Fragen aus dem Publikum mitgebracht hatte. Sie schilderte anschaulich, dass auch bei ihr nicht alles sofort geklappt hat. Bereits vor dem Erscheinen ihres ersten veröffentlichten Romans „Die Falle“, hatte sie einige Bücher mit viel Einsatz und Herzblut geschrieben, die von den Verlagen abgelehnt wurden. Wieder und wieder hat sie sich aufgerafft bis sie schließlich erfolgreich war. Nun läuft es ausgesprochen gut, aber sie will die Zeit davor nicht vergessen. Es kam auch die Frage auf, ob Autoren vom Schreiben leben können. Das sei meist nicht der Fall, jeder der Schreiben wolle, solle seinen normalen Job auf keinen Fall aufgeben. Melanie Raabe hat vor ihrem Erfolg als freie Journalistin gearbeitet, damit kann sie glücklicherweise jederzeit wieder anfangen, doch im Moment ist sie in der Lage von ihrem Schreiben zu leben. Man wünscht der liebenswerten jungen Frau, dass es noch lange so bleibt und dass sie uns mit weiteren spannenden Schmökern erfreut. Bei dieser
Veranstaltung hatte ich mich mit meiner Gastrezensentin Britta verabredet. Sie kenne ich schon seit längerem hauptsächlich von Lovelybooks und vor zwei Jahren habe ich sie zum ersten Mal persönlich getroffen, natürlich während der Messe, wo wir uns kurz aber lebhaft austauschen konnten. Mel.E, mit der ich bereits im letzten Jahr ein schönes Gespräch beim Lovelybooks-Treffen hatte, war auch dabei. Gemeinsam ging es in die Mittagspause, die wir mit einem anregenden Gespräch verbrachten. Danach flanierten wir noch ein wenig durch Halle 3, bis uns unsere unterschiedlichen Interessen auf unterschiedliche Wege führten.
Ich machte mich auf zu einer Veranstaltung des deutschen Buchpreises, wo Bodo Kirchhoff und sein Verleger Joachim Unseld sich den Fragen stellten. Ein wenig schien es, als habe Kirchhoff sich erst in die Rolle desjenigen hineinfinden müssen, der den Preis gewonnen hat, den er einst selbst mitentwickelte. In seinem Buch „Widerfahrnis“, ein Wort, das (noch) nicht im Duden steht, schildert der Autor eine Begegnung zwischen zwei Menschen, die sich plötzlich auf dem Weg nach Italien befinden und die sich mit Gedanken darüber konfrontiert sehen, inwieweit man einschreiten darf. Ich hatte das Buch
bereits kurz vor Messe und Preisverleihung gelesen und mir macht die witzige sinnreiche Schreibweise des Autors immer viel Freude, wobei nicht nicht behaupten darf, dass ich alle seine Bücher kenne. Dennoch gewährte mir das Interview ein paar Einblicke in den Schreibprozess und die Intentionen, die der Autor hatte. Zwar habe ich nicht alle Bücher lesen können, die die Buchpreis-Jury auf ihre Liste gesetzt hat, aber von denen, wo ich es geschafft habe, ist ein sehr positiver Eindruck geblieben. Ich glaube, wenn durch einen solchen Preis die Aufmerksamkeit auf Bücher gelenkt wird, die einem sonst entgehen würden, hat der Preis seinen Zweck erfüllt.
Nach dieser Veranstaltung traf ich mich mit meiner Freundin Dagmar, die nach Jahren mal wieder die Zeit und Muße zu einem Messebesuch gefunden hatte. Nach einem kleinen Kaffee und einem Snack machten wir uns gemeinsam auf zur
Open Stage wo die Autoren Michael Kobr und Volker Klüpfel ihren neuen Kluftinger vorstellten. Bei
dem „Himmelhorn“ handelt es sich um einen echten gefährlichen Berg, auf dem dann prompt jemand zu Tode kommt. Natürlich bin auch ich gespannt, wie es mit Klufti weitergeht, ich kenne alle Bände der Reihe. Wenn man solch humorige Krimis mit 
einem grantelnden Sympathen als Kommissar mag, kommt man an Kluftinger fast nicht vorbei. Während des Interview wurden die Autoren auf die Verfilmungen ihrer Romane angesprochen. Mit der Antwort taten sie sich tatsächlich ein klein wenig schwer, durch die Blume gestanden sie aber doch, dass die Interpretation durch die Filmbranche nicht ganz ihren Vorstellungen entsprach. Als ich die erste Verfilmung sah, ging es mir ähnlich. Ich hatte von Klufti einfach eine andere Vorstellung und gerade bei dem ersten Film, den ich gesehen hatte,
fehlte mir der Humor, der die Bücher so lesenswert macht. Auch diese beiden Autoren haben das Glück, von ihrem Schreiben leben zu können und zudem haben sie die Möglichkeit, ihre Tätigkeit daheim auszuüben. Das wiederum führt mitunter zu der Frage von den Kindern, ob sie denn überhaupt Arbeit haben. Doch sonst leben sie ganz normal, schließlich werden sie außerhalb der Lesungen auf der Straße kaum erkannt. Wobei - sie standen am Sonntag auf dem Nebengleis. Nach einem Tag habe ich sie dann schon noch erkannt, einen Moment lang zog ich tatsächlich in Erwägung, ein Gespräch zu suchen. Ich ließ ihnen aber die Illusion, schließlich wollen Autoren nach einer anstrengenden Messe sicher auch mal Feierabend haben.
Der zweite und leider schon letzte Messe-Tag wurde mit einem üppigen Mal beschlossen und am anderen Vormittag ging es nach einem etwas wehmütigen Blick aus dem Hotelfenster mit vielen tollen Eindrücken (und einer dicken Erkältung) im Gepäck wieder auf Richtung Heimat.


Aber nach der Messe ist ja bekanntlich vor der Messe.




Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht, der einen guten Eindruck der auf der Messer verlebten Tage wiedergibt. Danke dafür! (Und gute Besserung! ☺) LG Anne

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    1. Danke, liebe Anne, so langsam bin ich mit der Erkältung, glaube ich durch. Morgen gehe ich wieder arbeiten und den Brückentag am Montag habe ich frei, da kann ich mich noch etwas ausruhen. Schön, dass ich dir einen kleinen Eindruck von der Messe vermitteln konnte. Du schriebst irgendwann mal, dass dich Messen nicht so reizen. Es wäre allerdings eine gute Gelegenheit, sich mal zu treffen, wo wir uns doch schon so lange "kennen". Aber auch so bleiben wir per Netz in Kontakt.
      Liebe Grüße
      Walli :-)

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  2. Hallo Walli,
    da hast du ja wirklich sehr viel auf der Messe erlebt. Den Autor von Hool habe ich auch kurz beim Interview zugehört. Das vollständige Interview konnte ich dann auf der Heimfahrt im Radio nachhören.

    Ein sehr schöner Messebericht.

    Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Dankeschön, es waren auch sehr erlebnisreiche Tage.
      Liebe Grüße walli :-)

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