Dienstag, 25. Oktober 2016

Der Ruf der Eule

Erschöpft ist Mia Krüger, doch die Auszeit, die ihr verordnet wurde, hilft ihr nicht besonders. Dem Therapeuten will sie sich nicht anvertrauen und die Sehnsucht nach ihrer verstorbenen Zwillingsschwester ist immer gegenwärtig. Dann wird ein junges Mädchen in seltsamer Position aufgebahrt gefunden, offensichtlich ist sie keines natürlichen Todes gestorben. Mias Spürsinn ist gefragt, so sieht es jedenfalls ihr Vorgesetzter Kommissar Holger Munch. Zunächst einmal muss die Identität der Toten ermittelt werden. Schnell stellt sich heraus, dass die junge Frau in einem Heim untergebracht war. Eine Vermisstenanzeige wurde zurückgezogen, die Tote galt als sehr freiheitsliebend und eine SMS schien ausreichend als Erklärung für ihre Abwesenheit.

Womit haben die Ermittler es hier zu tun? Könnte es sich um einen Serientäter handeln, der irgendwelche Rituale vollzieht? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, jemanden auf Federn zu betten. Mia Krüger, die selbst eher labil ist, versucht alles, um den Täter ausfindig zu machen. Doch zunächst tappen die Ermittler samt und sonders im Dunklen. Teils scheinen sie mehr mit ihren privaten Problemen befasst als mit der Suche nach dem Mörder. Nach und nach ergeben sich dennoch einige Hinweise, die ein neues Blickfeld eröffnen.

Manchmal gewinnt man hier den Eindruck, dass der Alkohol nicht nur Mia das Gehirn vernebelt. Tabletten und Alkohol, selbst bei allem Verständnis, dass man für ihre Trauer und Verlorenheit hat, sich in Sucht und Selbstmitleid zu versenken, muss nicht unbedingt hilfreich sein. Nicht einmal ihr väterlicher Freund und Kollege Holger Munch kann ihr wirklich helfen. Er verarbeitet die Ankündigung seiner Ex-Frau, dass sie ihren neuen Partner heiraten wird. Das so gelobte Team scheint ein wenig in Auflösung begriffen. Doch kann man davon ausgehen, dass der mutmaßliche Mörder untätig bleibt?


Ein wenig zu lange widmet sich der Autor möglicherweise den Problemen und Problemchen der Ermittler. Zwar ist der immer stärker werdenden Aufbau der Spannung im Verlauf der Ermittlungen sehr gelungen, so dass man beim Erreichen des Finales doch nach Luft schnappt. Allerdings sind Motivationen vieler der handelnden Personen besser nachzuvollziehen als die des Täters. Und schließlich fragt man sich, ob hier den Ermittlern nicht etwas zu viel aufgeladen wird. Eine größere Konzentration auf die Ermittlung und Mia Krügers Einfühlung in die Vorgänge würde aus einem guten Thriller durchaus einen sehr guten machen.

3,5 Sterne

Federgrab von Samuel Bjørk
ISBN: 978-3-442-20525-7




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