Freitag, 14. Oktober 2016

Eines dieser Bücher

Eva Kluge ist die unglückliche Postbotin, die dem Ehepaar Quangel diesen Brief übergeben muss. Otto, der einzige Sohn der Quangels, ist gefallen, ihre Zukunft ist vorbei. Otto Quangel, der Vater, kommt ins überlegen. Ist es nicht eher Hitler, der die Zukunft des Landes vernichtet. Die Quangels ziehen sich von den wenigen Ämtern zurück, die sie doch bisher mit einiger Überzeugung ausgeübt haben. Otto Quangel beschließt, er muss einfach etwas tun. Etwas tun heißt für ihn, Postkarten mit Botschaften zu schreiben und an öffentlichen Orten abzulegen, um den Mitmenschen die Augen über das Nazi-Regime zu öffnen. Immer sind sich die Quangels dabei der Gefahr bewusst, die ihnen von allen Seiten droht.
Quasi über das Ausland ist dieses Boot Jahrzehnte nach seinem Erscheinen nach Deutschland zurück gekommen. Ein Roman über das Leben der einfachen Menschen im Berlin der beginnenden 40er. Der Krieg ist in vollem Gange, noch hat das Regime Siege zu verzeichnen. Und da streut so ein kleines Ehepaar Sand ins Getriebe. Zwar vermögen die beiden leider nicht viel zu bewirken. Die Angst in der Bevölkerung ist doch zu groß, doch wenigstens versuchen sie es. Sehr beklemmend ist die Stimmung. Da misstraut jeder jedem. Immer steht zu befürchten, dass einer den anderen denunziert. Schon das Nennen eines Namens reicht, um jemanden ins Gefängnis zu bringen oder gar umzubringen. Sogar unter den Beamten der Gestapo gibt es keine Sicherheit wie einer der vermeintlich großmächtigen Kommissare erfahren muss. Doch so schnell man mit eingeschlagenen Zähnen im Keller landet, so schnell kann man wieder oben sein. Und der Umgangston untereinander oder auch den Gefangenen gegenüber ist wahrlich menschenverachtend. Da war ich während des Lesens ungläubig, bestürzt, manchmal angewidert. Die Angst, das Gefühl des Beobachtetwerdens, die eingebildeten und tatsächlichen Denunzianten, hervorragend hat der Autor die Stimmung und das Geschehen beschrieben, wobei Letzteres auf Ereignissen beruht, die wirklich stattgefunden haben. Nein, ich mag und kann mir nicht vorstellen, wie furchtbar das Leben damals gewesen ist. Doch einen kleinen Eindruck gewann ich beim Lesen dieses Buches. Wie viele einfach den Kopf einzogen, vielleicht weil ihnen keine andere Wahl blieb, wie wenige Aufrechte gab es, die ihre Aufrichtigkeit auch noch mit dem Leben bezahlen mussten. Wieder einmal bin ich mit außerordentlich großer Dankbarkeit erfüllt, das ich heute in einem Land leben darf, dass mir im Rahmen gewisser Grenzen die das Zusammenleben in einer Gemeinschaft einfach vorgibt, größtmögliche Selbstbestimmtheit und Freiheit erlaubt, ohne dass ich mich bei jedem Wort oder sogar bei jedem Gedanken sorgen muss, welche Auswirkungen das auf mein Überleben haben könnte.Unbedingt lesen!

5 Sterne

Jeder stirbt für sich allein von Hans Fallada
ISBN: 978-3-351-03349-1




1 Kommentar:

  1. Das Buch habe ich schon vor ein paar Jahren gelesen, die Leseempfehlung gilt wie eh und je. Und die Neuverfilmung in diesem Jahr nehme ich mal als Anlass, die Rezi hier einzustellen.
    :-)

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