Sonntag, 6. November 2016

Von zwei Welten

Seit seine Schwester Hettie in der Alten Welt verschwunden ist, sucht ihr Bruder Bartholomew nach ihr. Im London der Dampfmaschinen wandert gleichzeitig Pikey Thomas umher, der Junge mit dem sehenden Auge. Mit diesem Auge kann er in die Alte Welt schauen und manchmal sieht er Hettie. Sie streckt die Hand nach ihm aus und kann ihn nicht erreichen. Doch Pikeys Leben ist hart, meist hat er nicht einmal genug zu essen und dann klaut er sich seine Tagesration zusammen. Natürlich fällt er auch wegen seiner Augenklappe auf, neugierige Gassenjungen wollen sehen, was darunter ist. Auf der Flucht kann Pikeys mitleidiges Herz es nicht ertragen, dass eine verletzte Fee Schmerzen leidet. Gutmütig renkt er ihren Flügel wieder ein. Als er die Belohnung, die sie ihm übergibt, im Pfandhaus versetzen will, landet er als Dieb im Gefängnis.

Bereits in seiner ersten Geschichte um Hettie und Bartholomew hat der Autor Stefan Bachmann seine Leser in seine Welten entführt. Eine Art England, in dem es Portale in die alte Feenwelt gibt. In diesem zweiten Band setzt Bartholomew die Suche nach seiner Schwester fort, die in die Alte Welt entführt wurde. Schon seit Jahren ist er erfolglos unterwegs. Erst seine Bekanntschaft mit Pikey lässt neue Hoffnung aufkommen, denn durch sein verletztes Auge sieht dieser Hettie in ihrer Gefangenschaft. Gemeinsam machen sich die beiden Jungen auf die Suche nicht nur, um Hettie zu finden, sondern auch um ihre Welt zu retten.


Obwohl dieser Roman für Kinder und Jugendliche geschrieben wurde, können sich auch Erwachsene in die Geschichte versenken. Mit Hettie ergeben sich Wanderungen durch die seltsame Feenwelt, die genauso dem Untergang geweiht scheint wie ein fast ebenso seltsames London. Bartholomew und Pikey suchen den Übergang in die Feenwelt, um Hettie zu befreien. Ihren mühsamen Weg begleitet man gefesselt. Mit manchmal recht brutalen Worten werden die mitunter grausamen Spielchen geschildert, die hier Feenwesen untereinander oder auch mit den Menschen treiben. Sehr düster wirken die gezeichneten Bilder, alles scheint auf eine Katastrophe hinauszulaufen, vor der es kein Entrinnen gibt. Dennoch hofft man auf eine letzte Wendung zum Guten und klebt förmlich an den Seiten, auf denen es dem Finale entgegen geht. Die Mischung aus Steampunk und Fantasy ist hier sehr gelungen und macht diesen Besuch in die Anderswelt zu einem echten Erlebnis.

4 Sterne

Die Wedernoch von Stefan Bachmann
ISBN: 978-3-257-06906-8


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