Sonntag, 21. Mai 2017

Vertigo

Siebzehn Jahre ist es her seit Tess Williamson die Treppe zu ihrem Garten hinabgestürzt und dabei gestorben ist. Ihr Mann Tom hat nie an einen Unfall geglaubt, doch erst jetzt bittet er Superintendent Jury, sich der Sache noch einmal anzunehmen. Es ist die Unsicherheit, die Williamson nicht mehr ertragen will. Richard Jury begreift sofort, was den Witwer umtreibt und er will den Versuch starten nach den langen Jahren noch etwas herauszufinden. Der Weg an den Ort des Geschehens führt natürlich bei seinem Freund Melrose Plant vorbei. Und nach einem gemeinsamen Pubbesuch der Bande erhalten sie die Nachricht von einem Todesfall. Eine junge Frau ist von einem Turm gestürzt.

Unfall, Mord oder Selbstmord - alle drei kommen als Ursache für die Todesfälle in Betracht. Für Jury gilt es, das Unwahrscheinliche auszuschließen und das Wahrscheinliche zu ermitteln. Bei einem fast zwanzig Jahre alten Geschehen, dürfte das nicht so einfach sein. Können Zeugen sich noch erinnern, sind Beweisstücke oder Akten noch vorhanden? Bei dem aktuellen Fall gestaltet sich dies natürlich einfacher. Jury, für beide Untersuchungen eigentlich nicht zuständig, aber England scheint ein Dorf zu sein, in dem ein Polizist den nächsten kennt, beginnt mit den Nachforschungen. Melrose Plant steht im dabei mit Ideen zur Seite, die wegweisend sein können.

Bereits zum 23. Mal ermittelt Inspektor Jury, der im Laufe der Zeit zum Superintendent aufgestiegen ist. Bei den spärlichen Hinweisen auf den zeitlichen Rahmen fragt man sich, wie alt Jury wohl sein mag. Derartig langlebige Serien bieten da häufiger Anlass zu Spekulationen, da die Helden ja nicht zu schnell altern dürfen, schließlich müssten sie irgendwann in Pension gehen und dann würde dem Leser doch etwas fehlen. 


Auch nach einer längeren Pause findet man sich schnell wieder im Juryversum zurecht, gerade auch im Hinblick auf die kürzlich gesendeten Verfilmungen, die der Leser als zwar leichte, aber in gewisser Überzogenheit durchaus gelungene Inszenierung der skurrilen Ermittlungen des Inspektor Jury ansehen kann, der Kritiker aber gerne verreißen mag. Aus Zufällen, an die man glauben muss, obwohl es sie eigentlich nicht geben kann, webt Martha Grimes, eine Amerikanerin mit einem Faible fürs Britische, einen Fall, der mit Überraschungen gespickt in seinen Bann zieht. Meist geschickt konstruiert und mit lässiger Eleganz hin und wieder etwas im Ungewissen lassend.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Inspektor Jury und die Frau in Rot von Martha Grimes
ISBN: 978-3-442-31401-0




Samstag, 20. Mai 2017

Revolution

Junktown ist ein Musterbeispiel für eine Stadt der Zukunft. Nach der Revolution sind Drogen freigegeben worden und die Menschen frönen dem Konsum. Schöner Müll liegt in den Straßen und die Drei-Tage-Woche lässt genug Zeit für jedes Laster. Konsumnachschub wird in Brutmaschinen gezüchtet. Eines Tages jedoch wird eine dieser Brutmaschinen zerstört genauer gesagt getötet. Der heruntergekommene Polizist Solomon Caine, der nie verwunden hat, dass seine Frau den Weg des goldenen Schusses wählte, soll herausfinden, was geschehen ist. Schnell entdeckt er, dass die Brutmutter keines natürlichen Todes gestorben ist und dass der Vorstand der Anlage, in der sie installiert war, etwas zu verbergen hat.

Eine unheimlich schöne neue Welt, nicht mehr viel arbeiten zu müssen, freien Zugang zu Drogen und jedem anderen Konsumgut zu haben. Doch was, wenn man regelmäßig nachweisen muss, dass das Drogenniveau im Blut hoch ist. Wenn das High ausbleibt, weil die Gewöhnung einsetzt, wenn der Konsum schal wird und einem der Müll im Garten auf die Nerven geht. Solomon Cain, einst ein Führer der Revolution, ein erster des neuen Staates, hat Zweifel. Sein Status schützt und so kann er sich manches erlauben, wofür andere eine Herabstufung erfahren würden. Wird es ihm jedoch mit seinen unkonventionellen Methoden möglich sein, hinter das Geheimnis des Todes der intelligenten Brutmaschine kommen.

Solomons Welt ist nicht immer leicht zu ertragen, dass zu viel des Konsums, der Drogenzwang, die Kontrolle, die Manipulierbarkeit der Menschen, der Gesellschaft. Doch gerade darin kann man eine Warnung sehen, dass nicht jeder Konsum gut ist und die Manipulationen an den Konsumenten auch nicht erstrebenswert sind. Schon heutzutage ist man etlichen Dingen ausgesetzt, die auch im Buch beschrieben werden. Kaum jemanden wird es gelingen wahrhaft integer und über alles unparteiisch informiert zu sein. Und so hat man in der Beschreibung dieser Konsumstadt ein abschreckendes Abbild einer Zukunft, der wir möglicherweise entgegen sehen. Da sich beim Lesen der Beschreibungen des Lebens in Junktown ein gewisser Widerwillen einstellen kann, gerät das Buch hier mitunter ein wenig sperrig. 

Leichter hat man es da durchaus mit Inspector Solomon Cain und seiner Herangehensweise an den Fall. Mit seinen unkonventionellen Methoden versucht er, einen spannenden und vielschichtigen Fall zu lösen. Frech, intelligent und manchmal tragisch wirkt seine Figur. Vor seiner Hartnäckigkeit und Stärke als alter Revoluzzer kann man nur den Hut ziehen. 

Mit seinem Buch stellt der Autor eine düstere neue Welt vor, in der man nicht leben möchte, über die es jedoch nachzudenken und zu reflektieren gilt.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Junktown von Mathias Oden
ISBN: 978-3-453-31821-2




Donnerstag, 18. Mai 2017

Daunendrom

Vor langen Jahren hat der Schriftsteller Anthony Peardew einen kostbaren Gegenstand verloren, er gehörte seiner Verlobten Theresa, die kurz vor der Hochzeit plötzlich verstarb. Anthonys Leben war danach wie abgetötet. Nur langsam kam er aus diesem Tief empor, aber er war für immer verändert. Anthony begann verlorene Dinge zu sammeln, genau schrieb er auf, wo und wann er sie gefunden hatte. Und schließlich dachte er sich Geschichten der verlorenen Dinge aus. Langsam ist Anthony älter geworden und er nimmt die Hilfe seiner Assistentin Laura gerne in Anspruch. Die ist sehr froh, dass sie die Stelle bekommen hat. Nach einer schweren Scheidung ist ihr Selbstbewusstsein auf einem Tiefpunkt angelangt. Laura muss erst einmal wieder zu sich finden und genießt die ganz besondere Atmosphäre in Anthonys Haus mit dem wunderschönen Rosengarten.

Diesen Debütroman von Ruht Hogan durchwandert man als sei man auf einer Entdeckungsreise. Immer neue kleine Geschichten und Handlungsstränge kann man entdecken. Der liebenswert melancholische Anthony, der seiner zerrauften, aber ausgesprochen sympathischen Assistentin einen Start in eine bessere Zukunft sichern möchte. Laura, die sich zunächst überfordert fühlt und ihre Aufgabe schließlich annimmt. Sunshine, mit dem Daunendrom, die mehr Durchblick hat als alle anderen, auch wenn die Worte manchmal den Gefühlen hinterher rennen müssen. Freddy, der gut aussehende Gärtner, der mehr auf dem Kasten hat als den wunderbaren Rosengarten zu pflegen. Um sie ranken sich Geschichten und Geschichtchen, die mal belustigen, mal wehmütig, mal melancholisch stimmen. Über allem liegt aber die positiv anheimelnde Stimmung, die das Haus, in dem Anthony lebt, auszuströmen scheint.

Ein wenig scheinen die Personen aus dieser Welt gefallen zu sein, beinahe zu lieb, zu gut scheinen sie. Und dennoch fasziniert und fesselt ihre Geschichte und das Geheimnis, welches sie umgibt. Wohlig angerührt verschlingt man Seite um Seite, mal voller Wehmut, mal voller Hoffnung, mal voller Mitempfinden. Auch wenn es vereinzelt ein paar Zufälle gibt, die eigentlich nicht passieren können und man vielleicht auch ein paar Schwierigkeiten hat mit von innen verschlossenen Türen, im Großen und Ganzen überzeugt die Autorin mit ihren liebenswerten Charakteren und einer runden heimeligen und anrührenden Geschichte. Und Sunshine hätte durchaus eine eigene Geschichte verdient.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Mr. Peardews Sammlung der verlorenen Dinge von Ruth Hogan
ISBN: 978-3-8437-1470-9


Dienstag, 16. Mai 2017

Wer war es?

Kurz vor ihrer Hochzeit treffen sich Bräutigam, Braut und einige Freunde. Makoto ist ein bekannter Drehbuchautor und seine Verlobte Miwako hat einige Lyrikbände veröffentlicht, wobei ihr Glanz den Makotos überstrahlt. Allerdings hält Miwakos Bruder nicht viel von der Beziehung. Außer Miwako scheint niemand so richtig traurig zu sein als Makoto auf dem Weg zum Altar zusammenbricht und stirbt. Kurz nach dem tragischen Ereignis wird auch eine ehemalige Freundin des Autors tot aufgefunden. Was kann zu den beiden Todesfällen geführt haben? Kommissar Kaga beginnt mit seiner Untersuchung.

Aus der Sicht von Miwakos Bruder, der Lektorin und des Managers des Toten werden die Ereignisse geschildert. Allein schon dies macht den Roman von Keigo Higashino zu etwas besonderem. In einem Moment behaupten alle drei, sie hätten Makoto getötet, eine Lösung also, die keine ist. Und so ist es an Kommissar Kaga, die Geschehnisse und die verschiedenen Aussagen der Beteiligten aufzudröseln und den Täter zu ermitteln oder auch die auszuschließen, die für die Tat nicht in Frage kommen. Dabei stellt sich heraus, dass Makoto ein rechter Unsympath war, der seine jeweiligen Freundinnen ziemlich mies behandelte und entsorgte, wenn er ihm in den Kram passte. Man fragt sich, wieso er nun die zarte Miwako heiraten will. Geht es ihm mehr um das Ausnutzen ihres Potentials als Autorin? Die Schaffenskraft des Makoto scheint ihren Zenit überschritten zu haben.


Gespannt verfolgt man die Geschehnisse und versucht hinter das Rätsel zu kommen, wer hier was zu verbergen hat. Gerade wenn man glaubt, die Motive des vermeintlichen Täters entschlüsselt zu haben, ergibt sich wieder eine andere Wendung, die einen alles in Zweifel ziehen lässt. Und einen besonderen Kniff lässt sich der Autor schließlich einfallen, der das Ermittlerherz im Leser höher schlagen lässt, man wünscht sich, die Zeit würde ausreichen, das Buch ein zweites Mal zu lesen, um wirklich jede Einzelheit zu würdigen. Hat man die Gelegenheit, den Roman als ebook zur Verfügung zu haben, kann man auch den Nutzen einiger Links zu genießen. Eine kleine Narretei des Autors macht diesen klassischen Krimi mit liebevollen Reminiszenzen an Agatha Christie zu einer Spezialität des Genres.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Ich habe ihn getötet von Keigo Higashino
ISBN: 978-3-608-10928-3


Sonntag, 14. Mai 2017

Die Rheinbrücke

Der Polizeiseelsorger Martin Bauer wird zu einer Rheinbrücke in Duisburg gerufen. Ein Mann will sich von der Brücke stürzen. Bauer ist ungewöhnlichen Methoden gegenüber aufgeschlossen und manchmal ist eine Aktion besser als eine Reaktion. Und so springt Bauer als erster von der Brücke und wird von dem Mann gerettet, der eben noch seinem Leben ein Ende setzen wollte. Schon am nächsten morgen ist der andere tot, er war Polizist und gegen ihn wurde wegen Korruption ermittelt. Und nun hat er offensichtlich sein Vorhaben doch noch in die Tat umgesetzt. 

Nachdem Martin Bauer als Gemeindepfarrer nicht so gut angekommen ist, hat er als Polizeiseelsorger seine Bestimmung gefunden. Allerdings macht er es sich auch mit dieser Tätigkeit nicht leicht, er neigt dazu manchmal weiter zu gehen als es seine Jobbeschreibung eigentlich verlangt. Obwohl der Tod des Polizisten als Selbstmord zu den Akten gelegt werden soll, rumort es in Bauer. Der Sohn des Toten ist traumatisiert, sicher bedarf er der Hilfe eines kompetenten Partner und die Witwe wirkt sehr geschockt. Zwar schien die Familie nicht übermäßig glücklich, aber soll eine bloße Untersuchung der Internen jemanden in den Selbstmord treiben?

Mit diesem ersten Band um den Polizeiseelsorger Martin Bauer und die Kommissarin Verena Dorm  stellen die Autoren eine sehr ungewöhnlichen Ermittler vor. In seiner Hartnäckigkeit und des „Er kann´s nicht lassen“ könnte man sich zwar im ersten Moment an Pater Brown erinnert fühlen, der den Kollegen von Recht und Ordnung mal ins Handwerk pfuscht, doch Martin Bauer geht doch um einiges ernsthafter ans Werk. Sein Glauben gibt ihm Kraft und Zuversicht, doch dieser Fall verlangt ihm so viel ab, dass er beinahe ins Zweifeln kommt. Familienmensch, Pfarrer, Ermittler - eine interessante Kombination komplexer Eigenschaften, bei einem, der nachbohrt, der nicht locker lässt. Gebannt hängt man an den Seiten, mit jedem Blättern treten neue Einzelheiten zutage, die einen noch mehr fesseln. Geschickt jonglieren die Autoren mit den verschiedenen Hinweisen und schicken die Leser auf eine Reise, deren Ziel lange verborgen bleibt, um schließlich beim Herannahen des Ziels zu einem wahren Thriller zu werden. 

Die Kombination zwischen Glaube, Liebe und Tod ist hier ausgesprochen gelungen. 


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Glaube Liebe Tod von Peter Gallert und Jörg Reiter
ISBN: 978-3-8437-1474-7


Samstag, 13. Mai 2017

Raue Küste

Die Polizeistation von Kinloch an der schottischen Westküste scheint nicht ausreichend mit Personal und Material ausgestattet zu sein, um die Ermittlungen in einem Mordfall bewältigen zu können. Eine weibliche Leiche in desolatem Zustand wurde angespült und schon die Bergung gestaltet sich schwierig. DCI Jim Daley wird von Glasgow an den kleinen Küstenort beordert, um die Untersuchung zu unterstützen. Zunächst gilt es die Tote zu identifizieren und erste Informationen zu sammeln. Schnell stellt sich heraus, dass die Bewohner des kleinen Städtchens Fremden gegenüber nicht unbedingt offen sind. Daley scheint ungeachtet dessen doch Kontakt zu den Einheimischen zu finden.

Nach dem kleinen Teaser „Die Mädchen von Strathclyde“ ist dies nun Jim Daleys erster großer Fall, von dem Denzil Meyrick berichtet. Jahre sind vergangen und Daley hat sich in der Hierarchie hochgearbeitet, so dass er nun als leitender Ermittler in diesem schrecklichen Mordfall fungiert. Seine Ehe hat sich im Laufe der Jahre nicht ganz so positiv entwickelt wie erhofft, aber er kämpft um ihren Fortbestand. Treu an seiner Seite steht weiterhin DC Scott, der es vorgezogen hat an der Front zu ermitteln und so auf eine echte Karriere verzichten musste. Zu Beginn gestalten sich die Nachforschungen schwierig. Widersprüchliche Informationen geben kein schlüssiges Bild, doch Daley und Scott lassen nicht locker.

Intrigen und Ränke in den Rängen der Polizei, mäßig funktionierende Partnerschaften, humorvolle Szenen, eine gehörige Portion schottische Kultur und von Lokalkolorit geprägter Zungenschlag - aus diesen und anderen Zutaten strickt der Autor einen spannenden Krimi, bei dem man das Filmpotential sofort aufblitzen sieht. Allerdings wirken die verschiedenen Inhaltsstoffe mitunter etwas zusammengewürfelt und ergeben so nicht immer ein stimmiges Gesamtbild, entweder als habe Denzil Meyrick sich nicht entscheiden können, ob dieser Roman mehr von des Autors eigener Erfahrung als Polizist habe profitieren sollen oder von seiner Kenntnis von Land und Leuten, sollte es ein Lokalkrimi werden oder sollten die privaten Lebensumstände der Beamten ein wichtiger Bestandteil der Ermittlungen sein. Was in der oben erwähnten Vorgeschichte noch stimmig wirkte und nur wegen der Kürze zwangsweise etwas oberflächlich anmuten musste, erweckt hier den Eindruck als sei es das Bestreben gewesen jeden ansprechen zu wollen. Und so wechseln sich humoristische Szenen mit ausführlichen Beschreibungen des britischen Polizeiapparates. Schottisch geprägte Gespräche, die wahrscheinlich schwierig zu übersetzen sind, bilden einen Gegensatz zu den Beschreibungen. Und so bleibt man etwas unschlüssig, was für eine Art Krimi man hier hat. Zwar muss ein Roman nicht unbedingt einem bestimmten Genre zuordenbar sein, jedoch könnte hier der Eindruck entstehen, dass die die Teile nicht geschmeidig ineinander fließen, sondern einzelne Brocken zusammengestellt wurden. Dennoch gelingt es dem Autor sehr gut die raue Schottische Küste vor dem Auge des Lesers erstehen zu lassen und große Sympathie für den Menschenschlag zu wecken. Das Interesse an Jim Daley und seinen Mannen weckt dieser erste Band der Reihe mit Sicherheit und man darf gespannt sein, was die weiteren Bände bringen. Im englischen Original durfte DCI Daley immerhin bereits fünf Ermittlungen leiten.


3,5 Sterne

Tödliches Treibgut von Denzil Meyrick
ISBN: 978-3-959-67664-9


Donnerstag, 11. Mai 2017

Ein neues Leben

Durch einen unglücklichen Zufall hört die junge Novizin Ellin wie ein Mordkomplott geplant wird. Auf den Erzbischof von Köln geplant wird. Sie und ihre Mitschwester Jonatha werden entdeckt und müssen fliehen. Die bedauernswerte Jonatha wird von den Häschern gepackt und umgebracht. Ellin gelingt die Flucht. Ellin macht sich auf den beschwerlichen Weg nach Norden immer in großer Angst, sie Männer Friedrichs von Isenburg könnten sie einholen. Auf ihrer Flucht muss sie große Gefahren überstehen, doch sie ist auch mit Glück gesegnet, denn häufig begegnet sie Menschen, die ihr helfen und sie unterstützen.

Im Jahr 1225 wurde der Erzbischof von Köln tatsächlich überfallen und umgebracht. Um dieses geschichtlich belegte Ereignis spinnt die Autorin die Geschichte der Novizin Ellin. Diese ist durch ihre Entdeckung zwar sehr geschockt, aber dennoch erlebt sie außerhalb der Klostermauern eine völlig neue Welt. Eine Welt, in der sie sich als Frau relativ frei bewegen kann, in der sie etwas lernen kann, sogar einer Arbeit nachgehen kann. Zwar gibt es auch Einschränkungen, doch mit ihrem wachen Verstand saugt sie alles auf, was sie lernen kann. Schlimme Erlebnisse muss sie überstehen, keine Sicherheit scheint ihr beschieden.


Mit leichter Hand spinnt Caren Benedikt ihre Geschichte um die junge Ellin, die gezwungenermaßen das Kloster verlässt. Schlechten Gesellen begegnet sie, die ihr Böses wollen, weil sie verhindern wollen, dass die junge Frau den Mörder entlarvt. Doch sehr erhebend ist es, dass ihr auch viel Gutes beschieden ist. Immer wieder trifft sie auf freundliche Seelen, die ihr helfen. Die Erlebnisse der jungen Ellin sind sehr lebendig geschildert, so dass man sich bei manchen Szenen gut vorstellen kann, es in der damaligen Zeit zugegangen sein kann. Ellin ist eine liebenswürdige junge Frau, die es nicht leicht hat, die sich aber dennoch nicht unterkriegen lässt. Dabei verfolgt man mit Spannung, wie Ellin immer mehr lernt und selbstbewusster wird, und man kann sich gut in sie hineinversetzen. Zwar gewinnt man den Eindruck, dass hin und wieder eine kleine Straffung nicht schlecht gewesen wäre, aber insgesamt gewinnen Ellin und ihre Freunde viel Sympathie.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die Kerzenzieherin von Caren Benedikt
ISBN: 978-3-426-51294-4


Sonntag, 7. Mai 2017

Birds on a Wire

Keiner kann sie so richtig gebrauchen und so wird einfach eine neue Brigade gegründet. Dorthin werden alle die versetzt, die krank sind oder faul, die quer denken, die unangepasst sind. Angeführt wird die Einheit von Commisaire Anne Capestan, die nach einer Suspendierung wieder arbeiten darf, aber am besten so, dass sie keinem in den Weg gerät. Sie leitet eine Abteilung, in die nicht nur die Ermittler sondern auch die ungelösten Fälle entsorgt werden. Allerdings kommt es anders als gedacht, denn in dieser Geistereinheit tauchen doch einige Polizisten auf, die bereit und willens sind zu arbeiten, die pfiffig und intelligent, mit Witz und Hartnäckigkeit an die wenigen Fälle herangehen, die in dem ihnen zugewiesenen Ausschuss doch nach Aufklärung rufen.

Das ist schon eine seltsame Abteilung, die Anne Capestan, die eher mit ihrer Entfernung aus dem Dienst gerechnet hat, da anführen soll. Allerdings eine Entfernung aus dem aktiven Dienst ist es schon. Denn Fälle, die irgendjemandem unter den Nägeln brennen gibt es nicht. Und ihr Team, das immerhin aus vierzig Leuten bestehen soll, wird in einer Wohnung untergebracht, die zum einen als Büro nur bedingt geeignet ist und zum anderen für diese Anzahl von Leuten gewiss nicht genug Platz bietet. So befürchtet Anne schon eine Einheit, betreuen zu dürfen, die tatsächlich nur aus Abwesenden besteht. Doch nach und nach trudeln die Kollegen ein.


Eigentlich nicht so gute Voraussetzungen für einen spannenden Kriminalroman bietet die Autorin mit ihrer Truppe von lahmen Enten. Doch was sie daraus macht vermag zu überraschen und zu fesseln. Das langsame Zusammenwachsen der Einheit, zumindest des Teils der Einheit, der gewillt ist zu arbeiten, das Auffinden der wenigen interessanten Ermittlungsansätze, den Eifer, mit dem die Abgehängten zur Sache kommen, das ist sehr erfreulich zu lesen. Mit den sympathischen Ermittlern wird man schnell warm. Behutsam wird berichtet, wieso sie kalt gestellt wurden. Doch gerade ihr Abgehängtsein gibt ihnen auch die Freiheit intensiv zu ermitteln, auch wenn es nur „Cold Cases“ sind. Sie haben zwar keine große Unterstützung, sie haben aber auch keinen Druck. Wie sich aus dieser Grundkonstellation eine brisante und packende Geschichte entwickelt, ist eine Freude zu lesen. Dieser erste Band einer Reihe macht Spaß und fesselt mit einem Fall, der es in sich hat. Den Namen Sophie Hénaff wird man sich gerne merken.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Kommando Abstellgleis von Sophie Hénaff
ISBN: 978-3-570-58561-0




Freitag, 5. Mai 2017

Der Container

Die 10jährige Gitte Mikkelsen tot aufgefunden. Als wäre ein Mord an einem Kind nicht schon schlimm genug hat der Mörder nichts besseres zu tun gehabt als das Kind ausgerechnet in einem Abfallcontainer zu entsorgen. Wie menschenverachtend muss einer sein. Daran haben auch die ermittelnden Beamten zu knacken. Was bei den Polizisten, unter ihnen Rolando Benito, ebenfalls eine gewisse Missstimmung auslöst: Die Journalistin Anne Larsen und ihre Fotografin Kamilla Holm scheinen den Beamten häufiger einen Schritt voraus zu sein. Zu Beginn kommt die Untersuchung auch nur langsam voran, denn niemand scheint ein Motiv zu haben. Umso mehr geraten die Ermittler unter Druck als auch noch eine Freundin der Ermordeten spurlos verschwindet.

In seinem ersten Fall steht Rolando Benito, der dänische Polizist mit italienischen Wurzeln, nicht einmal besonders im Mittelpunkt. Die Reporterin Anne Larsen und ihre Fotografin sind des öfteren schneller als er mit dem Finden und Entschlüsseln von Hinweise. Die beiden Frauen setzen ihre Spürnasen mit großem Eifer dafür ein, die Hintergründe des grausamen Mordes zu entschlüsseln. Dabei kämpfen sie nicht nur um die Wahrheit, sondern sie kämpfen auch mit den Wunden, die ihre eigenen Leben bestimmen. So scheint Anne immer auf der Flucht zu sein und Kamilla muss den tragischen Unfall ihre kleinen Sohnes verkraften, der leider einen tödlichen Ausgang hatte.

Obwohl der Roman einen interessanten und spannenden Ansatz hat, bleibt gerade der Ermittler, nach dem die Reihe benannt ist, etwas flach und blass. Den beiden Pressemitarbeiterinnen und ihren privaten Traumata wird dagegen zumindest gefühlt mehr Platz eingeräumt. Dadurch wirken die beiden weiblichen Protagonistinnen viel lebendiger als der eigentliche Ermittler und sein Team. Etwas mühsam ist es bei den ausführlich geschilderten Problemen der Ermittler/Presseleute den eigentlichen Fall nicht aus den Augen zu verlieren. Zwar halten spannende und unerwartete Entwicklungen immer wieder bei der Stange und wecken die Neugier am Ausgang des Kriminalfalles, doch so ganz will der Funke nicht überspringen. Dennoch ein lesenswerter Krimi, der allerdings ein wenig mehr Tempo gebrauchen könnte.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)


Der Schrei der Kröte von Inger Gammelgaard Madsen (gelesen in der ebook-Fassung des SAGA-Egmont Verlages)

ISBN: 978-3-955-10106-0 (der Taschenbuchfassung des Osburg-Verlages)


Donnerstag, 4. Mai 2017

Der schöne Ludwig

Die Journalistin bei Tag 7 Ira Wittekind möchte auch einmal frei haben und so ist geplant, auf den Rehmer Markt zu gehen, eine kleine Kirmes im beschaulichen Bad Oeynhausen. Wie so oft kommt es jedoch anders. Die nahegelegene Friedhofskapelle am Mooskamp brennt und natürlich begibt sich Ira wie es der Beruf verlangt an den Ort des Geschehens. Was erst ein mysteriöser Brand zu sein scheint, entpuppt sich schnell als schlimmeres Verbrechen. In der Kapelle wird eine Leiche gefunden, die offensichtlich verbrannt ist. Hierbei soll es sich um den schon älteren und beliebten Apotheker Ludwig Hahnwald handeln. Für ihre Zeitung berichtet Ira Wittekind von den Ereignissen.

Jeder Mensch hat eine Geschichte, nicht immer ist es eine schöne Geschichte, doch beginnt man nachzufragen, wird man häufig herausfinden, dass hinter einer vermeintlich normal unauffälligen Fassade doch mehr verborgen sein kann. Eine Reporterin, die nicht auf die Lösung eines Falles beschränkt ist, kann sich Zeit nehmen, einem Menschen nahe zu kommen. Und so macht sich Ira Wittekind auf, Ludwig Hahnwalds Geschichte zu entdecken. Allgemein beliebt war der ältere Herr, doch auch Schicksalsschläge musste er erleiden. So ist sein Sohn an einer Erkrankung verstorben und auch seine erste Ehefrau verstarb früh. Nun hinterlässt er eine Witwe, die um etliches jünger ist als er. Und je weiter Ira recherchiert, desto mehr Details aus dem Leben des Apothekers erfährt sie.

In ihrem dritten Fall kommt die Journalistin Ira Wittekind einem ganz erstaunlichen Geschehen auf die Spur. Denn wer soll schon einen Grund haben, ein angesehenes Mitglied der Gemeinde vom Leben in den Tod zu befördern. Erst ruhig doch mit dem Fortschreiten der Ermittlungen immer spannender entwickelt sich die Recherche. Hinter der Fassade steckt mehr als man ahnt, das Leben des Apothekers war turbulenter und einige Charakterzüge werden ans Licht gefördert, die es durchaus erschweren den schönen Ludwig sympathisch zu finden. Umso sympathischer wirken dagegen die resolute Ira Wittekind und ihr Freund Andy. Und noch einige andere liebenswerte Charaktere sind in Iras Umgebung zu entdecken. Lediglich ein Nebenstrang lenkt etwas von der fesselnden Geschichte ab, was aber sicher beabsichtigt ist. Auch im schönen und beschaulichen Bad Oeynhausen ist man vor Verbrechen nicht gefeit. Mit feinem Lokalkolorit beschreibt die Autorin die Ereignisse und dies wird durch die wunderbare Lesung von Vera Teltz noch unterstrichen, ohne dabei zu übertreiben.

Ein sehr gelungener Kriminalroman, mit dem die Lokalreporterin Ira Wittekind, die die Leser sofort für sich einnimmt, einem größeren Publikum vorgestellt wird.


Sowie ersichtlich werden wird zumindest auch der erste Band der Reihe demnächst im Heyne-Verlag veröffentlicht, der zweite und dritte Band sind bei Graufisch Medien erschienen. 


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Mordkapelle von Carla Berling
ISBN: 978-3-837-13843-6


Montag, 1. Mai 2017

Alles wie es war

Bereits seit fünf Jahren scheint Commissario Michele Balistreri mit allem abgeschlossen zu haben. Kurz vor der Pensionierung mit kaputtem Knie schleppt er sich zwar noch jeden Tag zur Arbeit, viel mehr als Dokumente zu unterschreiben tut er aber nicht. Und so will er als Leiter der Mordkommission auch nichts mit dem vermeintlich erweiterten Selbstmord einer jungen Frau und ihrer kleinen Tochter nichts zu tun haben. Die Sache ist schließlich klar. Obwohl so klar ist sie wohl doch nicht. Die vierzigjährige Journalistin Linda Nardi beginnt mit Nachforschungen. Der Tot der jungen Frau und ihrer Tochter steht möglicherweise im Zusammenhang mit einer anderen Sache, der Linda auf der Spur ist. Überall tauchen die selben Leute auf.

Auch Commissario Michele Balistreri kann nicht mehr darüber hinwegsehen, dass es hier etwas aufzuklären gibt. Und wieder ergeben sich Hinweise auf eine Verbindung zu seiner eigenen Vergangenheit.In seiner Jugend lebte er mit seiner Familie in Tripolis und die ungeklärten Todesfälle in der Gegenwart rühren die Ereignisse von früher wieder auf. Nun heißt es, den Geheimnissen der Vergangenheit auf den Grund zu gehen, um in der Gegenwart überleben zu können. Balistreri muss sich mit den Geschehnissen von vor etwa vierzig Jahren endlich auseinander setzen, auch wenn er Angst vor dem hat, was er herausfinden könnte.

In diesem dritten Roman um Michele Balistreri, den römischen Kommissar, und seine Vergangenheit im fernen Tripolis fesselt Roberto Costantini mit fein ziselierten Zusammenhängen, die aufmerksam gelesen und bedacht werden wollen. Beziehungen zwischen den Drahtziehern in Libyen und Italien. Reiche, deren Ränkeschmieden an Frechheit kaum zu überbieten sind. Droht der arabische Frühling diesen Machenschaften ein Ende zu machen? Wie schon in den beiden Vorgängerbänden bestehen enge Verbindungen zwischen den Taten, die in der Gegenwart begangen werden und Micheles eigener Vergangenheit. Michele war nicht immer der ruhige besonnene Polizist und nun scheint es so als ob seine Vergangenheit ihn endgültig einholt. Intelligent und spannend verwebt der Autor die beiden Handlungsstränge, um endlich eine Wahrheit zu enthüllen, die perfide und nur schwer zu ertragen ist. Doch so wie alles in die Brüche geht, entwickelt sich auch etwas Neues. 


Eine Trilogie, die sowohl ein hervorragend inszeniertes politisches Komplott aufdeckt als auch mit immer gewagteren Enthüllungen über die Jugend des Commissarios aufwartet. Eine Trilogie, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Das Böse vergisst nicht von Roberto Costantini
ISBN: 978-3-570-10257-2




Sonntag, 30. April 2017

Das weiße Blatt

Nuri kommt aus Syrien. Mit ihrer Familie lebt sie in einem Flüchtlingsheim in der Einöde des Ostens. Sie geht zu Frau Silbermann, um zu erzählen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass sie dort auf Calvin trifft, in ihrem Alter, Deutsch, stramm rechts. Nuri, die eigentlich Nura heißt, beginnt ihre Geschichte zu erzählen. Und Calvin wird entführt, nach Syrien, nach Damaskus, in ein Land der Schönheit, in ein Land, in dem die Gefahr immer gegenwärtig ist, immer größer wird. Doch auch im grünen Deutschland gibt es Gefahren, die nicht unterschätzt werden dürfen. Die Asylanten sind nicht wohlgelitten und Calvin gehört zu denen, die man am besten meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Ausgerechnet bei Frau Silbermann, die Birkenau überlebt hat, treffen sich Nuri und Calvin. Nuri, die erzählen muss, um sich zu befreien. Und Calvin, der zunächst widerwillig zuhört und doch immer mehr in den Bann ihrer Geschichte gezogen wird. Calvin fängt langsam an zu begreifen, dass Nuri und ihre Familie wohl nicht ohne Grund geflohen sind. Nuri, die sieht, dass auch so fremdenfeindliche Typen wie Calvin ihre Erzählung der Flucht aushalten sollten. Doch kann das aufkeimende bessere Verständnis zwischen diesen beiden die Situation zwischen den Menschen, die in dem Asylantenheim leben, und denen, die in den Sozialwohnungen leben, entspannen. Eher bieten die beiden, für beide Gruppen einen Grund noch mehr aufeinander loszugehen.


Nach der Lektüre dieses aufwühlenden Romanes muss man erstmal innehalten und tief durchatmen. Eine ganze Weile sitzt man vor dem weißen Blatt bevor man beginnen kann, seine Eindrücke in Worte zu fassen. Der Autor berichtet in brutal offenen Worten von einer Wirklichkeit, von der man eigentlich nichts wissen will. Und dennoch saugt man die Worte auf, besonders die Nuris über das Leben in Syrien, wie der relative Frieden immer mehr zerbricht, wie es gefährlicher und grausamer wird. Vor Gewaltexzessen geflüchtet, landet Nuris Familie in dem so gelobten Deutschland gerade nicht in einer besseren Welt. Auch hier wird sie bedroht, auf eine brutale Art und Weise, die weit über bloßen Protest hinausgeht. In was für einem Land leben wir hier eigentlich? Natürlich geht es hier auch nicht jedem gut, doch wie kann das ein Grund sein, über andere, denen es noch schlechter geht, herzuziehen? Je weiter man liest, desto mehr ist man gebannt. Je weiter man liest, desto mehr zögert man. Es geht auf ein Ende zu, das man nicht kennen möchte. Und doch setzt man sich dem aus, um mit dem Denken fortzufahren, um endlich zu denken, sich zu informieren und zu begreifen, zu trauern und sich zu schämen. Dies ist eine Geschichte, die zwar nur ein Roman ist, in der aber so viel von unserer Wirklichkeit steckt, dass sie unbedingt gelesen werden muss.

5 Sterne (🐳🐳🐳🐳🐳)

Sommer unter schwarzen Flügeln von Peer Martin
ISBN: 978-3-7891-4297-0


Samstag, 29. April 2017

Die arme Tracy Greene

Erst vor einem guten Jahr die Ausbildung abgeschlossen geht Constable Jim Daley in Glasgow auf Streife. Als Neuling bekommt er oft die Nachtschicht und während dieser schlendert er an den Schaufenstern vorbei, in denen sich die andere Straßenseite spiegelt, so dass er einen besseren Überblick hat. Eines Abends greift er den Stadtstreicher Dandy auf, der immer mal wieder völlig abstürzt. Nichts ungewöhnliches passiert bis er zu einem Einbruch gerufen wird. Die Wohnung im 18. Stock ist aufgebrochen, ein Nachbar hat den Lärm bemerkt. Ein ungutes Gefühl beschleicht den jungen Beamten und es wird bestätigt als er in der Wohnung die junge Tracy Greene tot auffindet.

Back to the 80s, in denen ein VHS-Recorder das Neueste vom Neuen war. In diesem Kurzkrimi können wir Jim Daley auf seinen ersten Streifengängen begleiten. Eigentlich wollte er eher aufs Land, doch er ist in seiner Heimatstadt Glasgow gelandet. Man erfährt von den Machenschaften seiner Vorgesetzten, die nur an ihre eigene Karriere denken. Gleichzeitig lernt man auch aufrechte Beamte kennen, denen zum Glück auffällt, dass Daley einen Riecher hat, wenn es um das Finden von Hinweisen geht. Mit guter Kombinationsgabe erschließt er sich auch den Fall der armen Tracy Greene.

Natürlich geht in einem Kurzkrimi (ca. 70 Seiten) alles recht schnell, einige Hintergründe können nur angerissen werden und die Ermittlung wird nicht auf Abwege geführt. Ausgesprochen gut geschildert wird allerdings die Stimmung und die vorherrschende Tonlage. Rau, aber herzlich scheint der Umgang zu sein. Neugierig wird man, wie es mit Daleys Werdegang weitergeht. Dieser sympathische Constable und sein neuer Kollege bei der Kripo, welche Fälle werden sie zu lösen haben. Ein herziger kleiner Handlungsstrang um das Kennenlernen der ersten großen Liebe macht den guten Cop Jim Daley noch sympathischer. Sympathisch auch wie der Autor persönlich seinen ersten auf Deutsch erscheinenden Roman vorstellt. 



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Mädchen von Strathclyde von Denzil Meyrick
ISBN: 978-3-9596-7665-6


Freitag, 28. April 2017

Die Römische Cousine

Anfang der 1930er scheinen die Auswirkungen des ersten Weltkrieges noch nicht wirklich überwunden, aber es herrscht eine Art Normalität und das Leben wird wieder einfacher. Die Kinder Kitty und Thomas, deren Vater nach dem Tod seiner Frau nicht in der Lage war, sich selbst um die Kinder zu kümmern, dürfen zum ersten Mal mit ihrer Ziehmutter Nadine nach Italien. Die Kinder sind begeistert und sie finden ihre italienischen Verwandten echt klasse. Sie beginnen Italienisch zu lernen und wollen etwas über die Lebensart erfahren. Die Züge durch das Viertel mit ihrer Cousine Nenna sind das Größte. Es könnte in jedem Sommer so sein. Doch es kommt auch die Zeit, in der Briefe die einzige Möglichkeit bieten, den Kontakt aufrecht zu halten.

Die Zeit zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg wirkt wie ein Aufatmen, eine Erholung, die jedoch immer mehr in eine wachsende Sorge und die Angst vor einem neuen Krieg übergeht. Es ist aber auch die Zeit des Aufwachsens der Kinder Tom, Kitty und Nenna. Die kindliche Unbeschwertheit, die unbelastete frühe Jugend. Doch auch die langsam einsickernde Erkenntnis, dass einige Gewohnheiten der Erwachsenen nicht so leicht nachvollziehbar sind. Im Wechsel mit den Ereignissen, die das Leben der Daheimgebliebenen beeinflussen, bietet sich ein lebhaftes Bild dieser Jahre zwischen den Kriegen.

Bevor man mit der Lektüre dieses Bandes beginnt, sollte man sich vielleicht auch die beiden Vorgängerbände „Eins wollt ich dir noch sagen“ und  „Alles, worauf wir hofften“ anschauen, um die Geschichte von Peter, Riley und Nadine besser kennenzulernen. Ob es sich bei dem vorliegenden Band um einen Abschluss handelt oder ob weitere Bände folgen werden, kann nicht genau gesagt werden. Zwar ist die Lektüre wohl nicht zwingend notwendig, doch es werden so viele Hinweise auf die Vorgeschichte gegeben, dass man zumindest etwas neugierig wird. Obwohl die Ereignisse in ruhigen Worten geschildert werden, baut sich doch eine immer größere Anspannung auf. Die Erkenntnis, dass der Lauf der Welt in dieser Zeit keinen guten Weg nehmen wird, wird nach und nach immer deutlicher. Man spürt das herannahende drohende Unheil, man spürt die eigene Ohnmacht, des nichts ändern zu können, die verzweifelnden Versuche, die Bedrohung deutlich zu machen, das Unverständnis gegenüber der Entwicklung, das Kopf in den Sand stecken. 


Eine ruhige aber doch fesselnde Erzählung, die die Zeit zwischen den Kriegen lebendig werden lässt, die zeigt, dass es auch in diesen Jahren schöne Zeiten gab, die aber auch sehr deutlich macht, dass die Zeichen des herannahenden Unheils sehr wohl bemerkt werden sollten und dass man sein Möglichstes versuchen sollte, das Schlimmste zu verhindern.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Sommer, die wir hatten von Louisa Young
ISBN: 978-3-8437-1506-5


Dienstag, 25. April 2017

Kleine Maus

Kleine Maus musste Jesse die Kneipe im Eingangsbereich des Supermarktes nennen, weil Klaus Meine sich über die ursprüngliche Namensgebung beschwert hat. Die Songs von den Scorpions spielt er trotzdem rauf und runter. Wie seine Freundin Mona aussah, wenn sie glücklich war, daran erinnert er sich noch. Auch seine Jugend in Hamburg Rahlstedt ist ihm immer gegenwärtig. Seine Eltern hatten sich getrennt, genauer gesagt, die Mutter hat den Vater verlassen. Seine Elvis-Imitationen waren auch irgendwann nicht mehr attraktiv. Vielleicht waren sie es nie. Jesse war jedenfalls froh, nach Langenhagen abhauen zu können. So wurde er auch seinen Zwillingsbruder Aaron los.

Ist er ihn tatsächlich los? Nach vier Jahren als Kneipenwirt in der Einöde in der Nähe Hannovers sind Jesses Gedanken von Angst bestimmt. Will Aaron ihm sein Leben wegnehmen, seine Freundin? Oder entspringt vieles doch seinen alkoholbestimmten Phantasien. An manche Ereignisse erinnert er sich nicht so genau, etliches verschwimmt im Ungewissen. Mona war schon lange nicht mehr glücklich. Und die dauernde Berieselung mit den Liedern der Scorpions ist auch nicht immer leicht zu ertragen, auch wenn er sich diesen Teil selbst ausgesucht hat.

Etwas düster und klaustrophobisch ist die Stimmung, die beim Lesen dieses Romans entsteht. Neben einigen witzigen Nebenideen, die trotz der trüben Grundstimmung, zu einem Lächeln einladen, ist dieser Roman doch von der Unsicherheit und dem Alkoholismus seines Protagonisten geprägt. Seine traurige und einsame Kindheit, die Jugend mit der Trennung der Eltern. Und auch die Loslösung von dieser Vergangenheit wirkt schwierig. Man möchte ihm helfen, ihm sagen, befreie dich von deinem Ballast. Doch so recht will es nicht gelingen. Eher schafft es Jesse, den Leser mit seinen trüben Gedanken zu beschäftigen und sich der Frage zu widmen, inwieweit er vielleicht krank ist und professioneller Hilfe bedarf. Je weiter die Lektüre voranschreitet, desto mehr sperrt man sich gegen die vorgestellten Personen. Mit Mut lässt der Autor einiges offen, so dass es dem Leser überlassen bleibt, sich vorzustellen welches weitere Schicksal Jesse beschieden ist. 


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Superbuhei von Sven Amtsberg
ISBN: 978-3-627-00234-3



Sonntag, 23. April 2017

Sandberg

William Sandberg hält es in seinem Leben nicht mehr aus, seine Tochter ist gestorben, er ist geschieden, er versucht, sich umzubringen. Er kann gerettet werden und er verschwindet. Seine Ex-Frau Christina, eine Journalistin, macht sich auf die Suche nach ihm. An dem Ort, an den er gebracht wird, trifft er Janine Haynes, die bereits seit mehreren Monaten an dem verwunschenen Ort ist. Beide sind Wissenschaftler und in kleinen Einzelteilen erfahren sie, aus welchem Grund sie in diese abgelegene Anlage gebracht wurden. Es wurde eine Nachricht gefunden, die entschlüsselt werden soll. Unbekannt ist, wer die Nachricht verfasst hat und welchem Zweck sie dient.

Der eigentlich lebensmüde William Sandberg merkt in einem Moment wie sehr er doch noch am Leben hängt. Die tatsächliche Lebensgefahr bringt ihn zum Nachdenken und er beginnt, hart an der verlangten Aufgabe zu arbeiten. Die viel jüngere Janine steht ihm als Wissenschaftlerin in nichts nach und gemeinsam finden sie unglaubliche Hinweise über die Bedeutung der Nachricht. Von ihren Entführern erfahren sie weitere Zusammenhänge, die beinahe unglaublich sind. Erst als ihnen die Labore gezeigt werden, in denen frühere Wissenschaftler ihre Forschungen durchgeführt haben, wird ihnen die ganze Tragweite der Sache bewusst.

Ein fesselndes Szenario breitet Fredrik T. Olsson in seinem Roman aus. Schnelle Wechsel zwischen den verschiedenen Orten, immer unheimlichere Begebenheiten, schreckliche Bedrohungen geben der Handlung eine Geschwindigkeit, die kaum auszuhalten ist. Als Buch wäre man sicher geneigt, das Buch nach dem Aufschlagen der ersten Seite nicht mehr aus der Hand zu legen, weil man es einfach nicht abwarten kann, zu erfahren wie es weitergeht. Wahrscheinlich lag es in der Absicht des Autors, einige Fragen ungeklärt zu lassen. Doch die dargestellten Ereignisse nehmen einen so furiosen Verlauf, dass man kleine Unstimmigkeiten schnell verzeiht. 


Das hier vorliegende ungekürzte Hörbuch hervorragend vorgetragen von Uve Teschner macht es schon aufgrund der Länge doch ab und zu notwendig, eine Pause einzulegen. Doch nach jedem Absetzen ist man schnell wieder in der Handlung und die Neugier und die Spannung bleiben bis zum Schluss erhalten.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Der Code von Fredrik T. Olsson
ISBN: 978-3-869-52243-2


Samstag, 22. April 2017

Sechzehn, endlich

Im Jahr 1985 bekommt Renés Vater die Gelegenheit zu einer Konferenz in die Schweiz zu reisen. Sieben Wochen soll er weg sein, fast die ganzen Ferien. Zum erstem Mal ist René alleine, seine Mutter ist vor zwei Jahren gestorben und seitdem müssen sein Vater und er das Beste daraus machen. Im Osten Berlins zieht René mit seinen Freunden durch die Gegend, mit Walkman und schwarzen Klamotten. Gleich am ersten Tag erlebt René eine Enttäuschung, denn kaum einer scheint an seinen Geburtstag gedacht zu haben. Seine Freunde sind aber doch nicht die schlechtesten, denn am nächsten Abend bekommt er in der Disco ein richtig schön peinliches Ständchen.

Da wäre man doch gerne mal wieder sechzehn. Man sucht nach dem „Hell of a Summer“ und zu den Klängen der Triffids schwelgt man in den eigenen Erinnerungen und genießt die Lektüre. Da hingen sie im Osten genauso vor dem Radio, um die heißesten Hits aufzunehmen wie im Westen. Es wurden schwarze Klamotten getragen und die Haare aufgestellt, man hörte The Cure und Sisters of Mercy. Man ging in die Disco und hing mit Freunden ab. Und dann dieser erste Sommer ohne, ohne Vater, ohne Pflichten. Wie René sich treiben lässt, die Höhen und Tiefen der ersten Liebe durchmacht. Wie die Zeit gleichzeitig schnell und langsam vergeht, träge, langweilig und doch schön. Und wie er das Mädchen ohne Namen fast verliert. 


Der Sommer einer Jugend, eine Jugend im Sommer. Die Qualität eines Sommers, die man in der Jugend kaum erkennt und zu schätzen weiß. Ein Sommer, der in der Erinnerung einer der schönsten werden wird. Zeilen, die vorbeifliegen und eine Erinnerung zurücklassen, die ebenfalls eine der schönsten werden wird.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Skizze eines Sommers von André Kubiczek
ISBN: 978-3-87134-811-2


Freitag, 21. April 2017

Lebenslicht

Es ist aus, Bens Lebenslicht ist aus. Obwohl Kristina Mahlo als analytische Nachlassverwalterin sich normalerweise nicht von so etwas leiten lässt, ist sie doch sehr erschrocken. Die Kerze gab ihren Eltern Hoffnung, dass der damals 24jährige Ben, der seit sechs Jahren verschwunden ist, noch am Leben sein könnte. Verstohlen zündet sie die Kerze wieder an. Das kann kein Omen sein. Kurz darauf wird sie mit einem sehr eigenwilligen Testament zur Verwalterin eines nicht unbeträchtlichen Nachlasses eingesetzt. Die Erben sollen ihr Erbe nur dann antreten können, wenn Kristina nachweist, dass sie nicht der Mörder eines vor sechs Jahren umgebrachten Journalisten sind.

Welch eine ungewöhnliche letztwillige Verfügung. Kristina zögert, den Auftrag überhaupt anzunehmen. Doch dann taucht ein Hinweis auf ihren Bruder auf. Sollte die Chance bestehen, sein Schicksal endlich zu klären. Diese Möglichkeit kann Kristina einfach nicht außer acht lassen und sie beginnt, sich mit dem Nachlass zu beschäftigen. Die Erben sind dabei nicht eben hilfreich, ihnen geht es nur darum, möglichst schnell an die nicht unbeträchtliche Erbmasse zu gelangen. Doch Kristina ist eine, die ihre Aufträge erfüllt und die Sache erst freigibt, wenn alle Zweifel ausgeräumt sind. Und in diesem Fall hat sie ihr besonderes ureigenstes Interesse.

Diese erste Nachlass-Sache Kristina Mahlos, von der die Autorin Sabine Kornbichler berichtet, ist gleich eine sehr persönliche. Das ungeklärte Verschwinden ihres jüngeren Bruders hat die ganze Familie außerordentlich verändert. Die Eltern haben sich getrennt, Kristina hat ihr Jura-Studium geschmissen und ist zu ihren Eltern in das Randgebiet Münchens gezogen. Und ihrer aller Leben ist irgendwie auf Halt gestellt. Einen solchen Verlust kann man nicht einfach verwinden, schon garnicht, wenn völlig unklar ist, was geschehen ist. Und nun die Erblasserin, deren Mann zwar als Mörder des Journalisten verurteilt wurde, an dessen Unschuld sie aber nie gezweifelt hat. Zwei Sachen, die so unterschiedlich scheinen, dass ein Zusammenhang sehr unwahrscheinlich wirkt. Und dennoch, was wäre wenn und wie könnte es sein. Diese Frage packt einen. Man wird in die tragische Familiengeschichte Kristinas hineingezogen, grübelt, bangt und hofft. 


Ermittlungen in einem ungewöhnlichen Rahmen mit viel Drive, überraschend und fesselnd.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Verstummen der Krähe von Sabine Kornbichler
ISBN: 978-3-492-30203-6


Donnerstag, 20. April 2017

Spritzenphobie

Ihre Spritzenphobie hindert die Zahnärztin Dr. Leocardia Kardiff keineswegs an der Ausübung ihres Berufes. Sie geht nur in die Hypnosetherapie zu Herrn Sharif El Benna. Nach einer Sitzung kann nicht einmal der Gedanke an eine Spritze sie schocken. Anders sieht es allerdings aus als sie nach ihrer wöchentlichen Stunde die offene Tür der Nachbarwohnung entdeckt und nicht anders kann als diese zu durchschreiten. Auch eine Ärztin ist nicht dagegen gefeit beim Anblick eines Mordopfers einen gehörigen Schock zu erleiden. Und genau ein solcher Anblick bietet sich Dr. Leo nach ihrem Betreten der Wohnung neben der Praxis ihres Therapeuten.

Wieso bringt man denn eine vornehme alte Dame um? Das geht doch irgendwie nicht und dann noch so brutal. Sogar die Zahnbrücke wurde dem Opfer aus dem Mund gebrochen. Gerade das letzte Detail weckt Leocardias Neugier noch mehr als es eh schon der Fall ist, berufsbedingt. Als die Polizei dann nach ihrer Aussage noch einmal in ihrer eigenen Gemeinschaftspraxis auftaucht, stellt sich heraus, dass die Verstorbene Patientin ihres Seniorpartners war. Neben dem Bohren kann Leo auch das Denken nicht lassen, dass sie dabei der Polizei ins Handwerk pfuscht, ist ihr eigentlich ziemlich egal. Der ermittelnde Kommissar ist schließlich ziemlich sympathisch, der wird ihr wohl nicht dazwischen funken.


Ziemlich gut kann man sich bei der Lektüre das Kreischen des Bohrers vorstellen oder das Knirschen und Knarzen, mit dem sich ein Zahn beim Verlassen des Kiefers verabschiedet. Die humorige Krimihandlung, in deren Verlauf sich die freche blondgelockte Zahnärztin Mitte vierzig daran begibt, schlauer zu sein als die Polizei erlaubt, bildet einen ausgesprochen angenehmen Kontrast dazu und lässt den nächsten Zahnarztbesuch fast in einem milden Licht erscheinen. Dr. Leocardia Huberta Kardiff ist nicht nur mit einem außergewöhnlichen Namen beglückt, hat ihre Phobie soweit bekämpft, dass sie bei der täglichen Arbeit ihren Mann bzw. ihre Frau steht, beschäftigt ihre grauen Zellen mit den Überlegungen zu einem grausamen Mord und unterhält und fesselt damit die Leser, denen durch das Cover angelockt beim Gedanken an den Zahnarzt zunächst ein Schauer überläuft, nur um nach dem Aufblättern der ersten Seiten an den selbigen hängen zu bleiben im Versuch, den Fall zu lösen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Tote haben kein Zahnweh von Isabella Archan
ISBN: 978-3-95451-776-3


Dienstag, 18. April 2017

Benner

Martin Benner und Lucy Miller führen erfolgreich eine Anwaltskanzlei in Schweden. Sie müssen nicht jeden Auftrag annehmen. Als Bobby Tell im Büro auftaucht und Martin bittet, den Fall seiner Schwester zu übernehmen, ist Martin eher abgeneigt. Denn Sara Texas wurde beschuldigt, fünf Menschen umgebracht zu haben und nach einem Geständnis ist sie geflüchtet und hat sich umgebracht. Wer sollte also ein Interesse haben, den Fall wieder aufzurollen. Doch Bobby schafft es, Martin zu überzeugen, dass es da doch etliche Ungereimtheiten gibt, die weder die Polizei noch den ehemaligen Verteidiger veranlasst haben ordentlich zu ermitteln. Martins Neugier ist geweckt und er übernimmt die Sache.

Dieser Martin Benner ist schon ein wenig speziell. So leicht war es für ihn nicht, ohne Vater aufzuwachsen. Und auch sein Aufenthalt in Amerika hat nicht zu einem besseren Verhältnis zum Vater geführt, aber immerhin hat er dort eine Polizeiausbildung genossen. Aber immerhin ist er als Anwalt erfolgreich und Sympathiepunkte sammelt er ungemein damit, dass er seine kleine Nichte adoptiert hat, deren Eltern verstorben sind. Die vierjährige Belle erdet ihn manchmal, doch häufig ist Martin ein Hansdampf in allen Gassen. Wenn Martin allerdings eins geschafft hat, so glaubt er wenigstens, ist es, seiner Herkunft zu entkommen. 

Mit geradlinigen Worten erzählt Martin seine Geschichte, manchmal drückt er sich dabei sehr unanwaltlich deutlich aus. Und so muss man sich an seine Sprache etwas gewöhnen. Gut kann man mitverfolgen, wie er sich immer mehr in die Nachforschungen verbeißt. Sieht es zunächst so aus als sei die Schuld der Sara Texas erwiesen, kommen nach und nach Zweifel an der offiziellen Geschichte auf. Doch reicht das, um Bobbys Schwester rehabilitieren. 


Sie Autorin Kristina Ohlsson betritt mit „Schwesterherz“ Neuland. Mit Martin Benner und Lucy Miller stellt sie ein neues Duo vor, das sehr ungewöhnlich und dennoch sympathisch wirkt. Allerdings sollte man sich die hintere Klappe des Buches einmal genau anschauen. Dort wird nämlich darauf hingewiesen, dass es sich um eine zweiteilige Serie handelt. Man merkt demgemäß der Handlung auch an, dass sie in diesem ersten Band (der zweite erscheint am 13.06.2017) noch nicht auserzählt ist. Zum Glück erscheinen die beiden Bände in relativ kurzem Abstand, so dass man in Kürze selbst entscheiden kann, ob es nicht mehr Sinn macht, die Bücher direkt nacheinander zu lesen. Davon abgesehen fesselt diese Suche nach der Wahrheit sehr und bereits in diesem ersten Teil der Beschreibung der Ereignisse deutet sich ein unglaubliches Verbrechen an, von dem man nicht glauben mag, dass es im Bereich des Möglichen liegt. Im beschaulichen Schweden können schließlich keine amerikanischen Verhältnisse herrschen, oder? Das wird hoffentlich im Folgeband zu erfahren sein.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Schwesterherz von Kristina Ohlsson 
ISBN: 978-3-8090-2663-1




Montag, 17. April 2017

Seefestung

Nach seinem letzten Fall ist Dr. David Hunter gewissermaßen in Ungnade gefallen. Seine Dienste als forensischer Anthropologe werden von der Polizei kaum noch angefragt, möglicherweise ist sein Job in Gefahr. Das scheint sich allerdings noch nicht zu den Beamten herumgesprochen zu haben, die in einem Leichenfund ermitteln sollen. Hunter, der eigentlich zu einer Party eingeladen ist, auf die er keine Lust hat, nutzt diese willkommene Ausrede, um zumindest einen Umweg in die Backwaters und das kleine Städtchen Cruckhaven zu machen. Wie ihm gesagt wurde, ist sein Navi in der Gegend nicht sehr nützlich, trotzdem schafft er es rechtzeitig, um sich mit der Polizei zum Fundort der Leiche zu begeben.

Es scheint wie so oft alles ganz einfach zu sein. Ein so wie es heißt etwas durchgedrehter Sohn reicher Eltern wird seit einigen Wochen vermisst und sein Vater identifiziert die Kleidung des Toten als die seines verschwundenen Sohnes. Doch etwas nagt an David Hunter und in Gedanken versunken verfährt er sich in dem unwegsamen Gelände des von Prielen und Kanälen durchzogenen Marschlandes. Gerettet wird er letztlich durch die Mitglieder der Familie einer jungen Frau, die seit Monaten abgängig ist. Hier wird Hunter nicht sehr freundlich aufgenommen, denn die Familie wartet immer noch auf Nachricht und befürchtet, jeder Fremde könnte der Überbringer schlechter Nachrichten sein.


In seinem fünften Fall wird Dr. David Hunter wieder in eine ihm unbekannte Gegend gerufen, Marsch- und Wattland, Priele und Kanäle, Seefestungen, raue Seeluft und unwegsames Gelände bilden einen Hintergrund, der den Leser einlädt selbst ein wenig nachzuforschen, in was für eine Landschaft die Handlung hineingeschrieben wurde. Eine Kleinigkeit nur wirkt nicht passend und schon stellt sich der Leichenfund in einem anderen Zusammenhand dar als zunächst geglaubt. Angespannt verfolgt man nach, ob die nächsten Schlüsse zur Aufklärung führen. Nachdem jedoch immer neue Hinweise auftauchen gestaltet sich die Sache immer rätselhafter. Und so langsam merken auch die örtlichen Beamten, dass Hunters Ansehen gelitten hat und seine frisch geknüpfte Verbindung zu der Familie der Verschwundenen machen ihn eigentlich befangen, so dass er eigentlich aus den Ermittlungen herausgehalten werden müsste. Wären da nicht seine Spürnase, seine Erfahrung und Abwimmeln lässt er sich einfach nicht. Tief taucht man ein in eine Geschichte, die mit überraschenden Wendungen und einem tollen Setting überzeugt.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Totenfang von Simon Beckett
ISBN: 978-3-8052-5001-6


Sonntag, 16. April 2017

Der Richter

Der Gerichtsmediziner Dr. Leon Ritter hat es sich ganz gut eingerichtet in Südfrankreich. Er will das Leben genießen und ein wenig auf den Spuren seiner französischen Vorfahren wandeln. Der schöne allerdings trockene Frühling verspricht einen Sommer wie er im Buche steht. Und beim Boule lässt es sich gut entspannen und plaudern. Doch dann geht das Gerücht um, der angesehene Richter Lambert sei verschwunden. So recht nimmt das zunächst keiner ernst, schließlich kann er sich mit einer Geliebten eine kleine Auszeit genommen haben. Doch nur wenig später wird der Richter in desolatem Zustand mit zahlreichen Verletzungen gefunden. Bald verstirbt er an den schweren körperlichen Schäden, die er sich während seines Verschwindens zugezogen hat. 

Bereits zum dritten Mal wird der Gerichtsmediziner Leon Ritter zu den Ermittlungen der Polizei hinzugezogen. Ritter ist ein gewissenhafter und gründlicher Rechtsmediziner, der obwohl er ganz dem savoir vivre zugeneigt ist, auch seine deutschen Wurzeln nicht verleugnen kann. Da kann es passieren, dass er mit exakten Untersuchungsergebnissen, die er in den Zusammenhang stellt und dann noch überdenkt, eher aneckt als erfreut. Zum Glück ist er mit der stellvertretenden Polizeichefin des Ortes liiert, die ihm so manche Unterstützung gewährt, wenn die Herren Kollegen und die ganz Oberen mal wieder etwas unter den Tisch kehren möchten. 


Aus französischer Lebensart und deutscher Gründlichkeit wird hier ein unterhaltsamer Krimi gestrickt. Leon Ritter ist ein gutes Beispiel für ein Kind zweier Kulturen, die zwar ähnlich aber doch sehr unterschiedlich sind. Er möchte sich der Leichtigkeit Südfrankreichs anpassen, kann aber nicht verhehlen, dass er einige sogenannte deutsche Tugenden doch vermisst. Dennoch hat er sich in Frankreich verwurzelt und möchte überhaupt nicht mehr zurück. Damit und mit den lebendigen Beschreibungen des Lebens in der Provence weckt der Autor ein gewisses Fernweh. Gleichzeitig entwickelt sich eine packende Kriminalgeschichte, deren Spuren in die nähere Vergangenheit reichen. Man fragt sich, wer solch nie verzeihenden Hass empfinden kann, dass er Mensch auf ausgesprochen grausame Weise tötet. Darauf kann natürlich keine Obduktion eine Antwort geben. Auf die Frage, warum Menschen töten, antwortet Dr. Ritter, weil sie es können. Das klingt zunächst etwas lapidar, wenn man bedenkt, dass wir auch nur Tiere sind und uns vielleicht nicht so viel einbilden sollten, scheint aber doch was dran zu sein. Jedenfalls ist der Krimi klug komponiert und Leon Ritter wächst einem schon nach kurzem ans Herz.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Gefährlicher Lavendel von Remy Eyssen
ISBN: 978-3-8437-1517-1


Samstag, 15. April 2017

Grübchen

Erwin Düsedieker war noch nie verreist. Er braucht das auch nicht. Seine Freundin Lina möchte ihre Schwester Theresa besuchen, die auf einer Ostsee-Insel lebt. Erwin und Lina wollen in Kontakt bleiben. Weil Erwin auch kein Telefon hat, verspricht Lina, alle paar Tage einen Brief zu schicken. Schon nach dem ersten Brief folgen keine weiteren und Erwin beginnt sich Sorgen zu machen. Als in der Zeitung dann auch noch ein Bericht von Todesfällen auf der Insel erscheint, gibt es kein Halten mehr. Gemeinsam mit seinen Nachbarn Hilde und Arne und den Enten Lothar, Lisbeth und Albrecht macht er sich zum ersten Mal auf in die Ferne.

In diesem dritten Band um Erwin Düsedieker geht es wieder hoch her. Erwin, der als im Kopf eher langsam gilt, macht sehr deutlich, dass langsames Denken auch gründlich und methodisch bedeuten kann, besonders wenn man ein gutes Gedächtnis hat. Seine Art passt eigentlich gut zu der der Insulaner, aber trotzdem glaubt ihm zunächst niemand, dass seine Lina verschwunden ist und dass auf der Insel seltsame Dinge abgehen. Die Polizei untersucht nur die offensichtlichen Spuren. Doch schon bald nach einer Ankunft finden die Enten gemeinsam mit Erwin eine weitere Tote.

Auch Lina hat hier ihre Geschichte. Was als relativ simpler Vermisstenfall beginnt entwickelt sich zu einem Fall, der für etliche Personen recht bedrohlich wird. Man weiß ja nie, was sich hinter der Fassade verbirgt. Und so könnte man hier zunächst meinen, die Geschichte wirke etwas sehr weit hergeholt. Doch fügt sich schließlich alles so zusammen, dass für alles eine Erklärung geboten wird. Rausgerissen wird die Handlung jedoch von Erwin (Äwinn), Hilde und Arne und natürlich den Enten, die ihre neugierigen Schnäbel in jede Ecke stecken. Der kauzige Erwin im Gefolge seiner geliebten Enten stolpert über so manchen Hinweis, während die energische Hilde der Polizei erklärt, welchen Hinweisen sie nachzugehen hat. Und der gutmütige Arne braucht manchmal ein Schlückchen, um sein Denkorgan in Gang zu bringen. Und so mischen die Westfalen die Inselbewohner auf oder auch die Touristen oder wer ihnen sonst in den Weg gerät. 


Witzig und spannend.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Erwin, Enten & Entsetzen von Thomas Krüger
ISBN: 978-3-453-41876-9



Freitag, 14. April 2017

Als Diana starb

DI Alex Morrow muss in einem Prozess gegen Michael Brown aussagen. Dessen Fingerabdrücke werden während der Ermittlungen um den Mord an einem wohlhabenden Pakistaner aufgefunden. Eigentlich unmöglich, denn Brown befindet sich in Haft. Morrow will nicht, dass die Verhandlung platzt und beginnt nach Hinweisen zu suchen, die das Geschehen erklären könnten. Etwa gleichzeitig findet die Bestattung des angesehenen Anwalts Julius McMillan statt. In tiefer Trauer ist auch Rose Wilson, die als Nanny für Julius` Enkel angestellt ist. In der Nach als Prinzessin Diana starb, hat McMillan ihre Vertretung übernommen. Die damals erst 14jährige Rose wurde beschuldigt, einen jungen Mann getötet zu haben, der sie belästigte.

Alexandra Morrow ist eine gute aufrechte Polizistin. Obwohl ihr Halbbruder Verbindungen zu der Unterwelt hat, lässt sie sich nicht beirren. Ihre Position in der Truppe ist nicht die allerbeste, denn vor nicht allzu langer Zeit hat sie einen Korruptionsfall aufgedeckt. Davon unbeeindruckt versucht Morrow alles, um die Wahrheit ans Licht zu bringen. Schließlich ist es unmöglich, Fingerabdrücke an einem Tatort zu hinterlassen, wenn man hinter Gittern sitzt. Soll Brown eine weitere Tat untergeschoben werden? Oder ist einfach ein Fehler im System? Oder soll Verwirrung gestiftet werden, damit Brown seiner gerechten Strafe entkommen kann?


Auf zwei Zeitebenen kann man das Geschehen beim Lesen verfolgen. Zum einen wird von der Nacht berichtet, in der Diana starb, zum anderen befindet man sich in der Gegenwart und verfolgt wie DI Alex Morrow nach und nach hinter die Zusammenhänge kommt. Dabei wird der Eindruck erweckt, Glasgow sei durch das Verbrechen beherrscht und der Polizei kommt nur eine Rolle am Rande zu. Selbst welche Sachverhalte aufgeklärt werden, scheint nicht durch die Behörden gesteuert zu werden. Lange rennt Morrow deshalb scheinbar gegen Windmühlen an, bis sie schließlich die entscheidenden Schlüsse zieht. So entsteht ein betrübliches Bild einer verkommenen Gesellschaft, die sich mit einer schönen Urlaubsidylle nicht in Einklang bringen lassen will. Doch gerade aus diesem Widerspruch bezieht das Buch einen Großteil seiner Spannung. Wenn die Erkenntnisse doch erst relativ spät kommen und es somit gilt, am Ball zu bleiben, packt dieser Krimi mit seiner düsteren, eher hoffnungslosen Stimmung schließlich doch. 

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Das Vergessen von Denise Mina
ISBN: 978-3-453-41787-8




Mittwoch, 12. April 2017

Fab Five

Nach langer Zeit in London kehrt Cyrus Doyle nach Guernsey zurück. Er möchte sich mehr um seinen über 90jährigen Vater kümmern. Dass er leitender Ermittler bei der Kriminalpolizei werden soll, kommt ihm sehr zupass. Doyle bekommt kaum ein paar Minuten, um wieder anzukommen. Noch an der Fähre wird er zu einem Mordfall gerufen. Ein ehemaliger Polizist wurde ermordet und noch gibt es kaum einen Hinweis. Immerhin lernt Doyle sein Team kennen und er stellt fest, dass er einige noch aus seiner Anfangszeit bei der Truppe kennt. 

Eigentlich sollen Polizisten oder ehemalige Polizisten doch die Guten sein, also kann es doch im Grunde niemanden geben, der ihnen nach dem Leben trachtet. Und dennoch geschehen diese schrecklichen Taten. Die Beamten tappen zunächst im Dunkeln und haben gleich auch die Presse an den Hacken, die Stimmung macht. Pikant dabei, bei einem der Pressevertreter handelt es sich um Doyles Ex-Freundin, die ihm aus London nachgereist ist. Ihr Ziel, Doyle nach London zurück zu holen, erreicht sie nicht. Doyle steht zu seiner Entscheidung auf seine Heimatinsel zurück zu kehren. Er freut sich über jeden lichten Moment seines Vater und jedes gute Gespräch, dass sie führen können. Nur mit den Ermittlungen, die nicht so recht vorangehen wollen, ist er erst noch unzufrieden.

Mitunter wirkt dieser sympathische Kriminalroman fast wie ein Reiseführer mit einer Krimihandlung. Viele Sehenswürdigkeiten, Straßen und berauschende Aussichtspunkte werden sehr eingehend und bildhaft beschrieben. Man bekommt tatsächlich Lust, Guernsey einen Besuch abzustatten. Mildes Wetter, jedoch wechselhaft, malerische Landschaft. Eigentlich dürfte es in so einem Landstrich kaum Verbrechen geben. Dass dieser Schein trügerisch sein kann, erfährt Cyrus Doyle schon direkt bei seiner Ankunft. Gut beschrieben ist da die anfängliche Ziellosigkeit der Untersuchungen, man will schließlich in alle Richtungen ermitteln und keine noch so vage Spur außen vor lassen. Bedächtig schreitet Cyrus Doyle mit seinen Nachforschungen voran, nur um schließlich plötzlich einen Geistesblitz zu haben. 


Ein sympathischer neuer Ermittler in einer ansprechenden Umgebung, der mit seinem Sportwagen eine kleine Erinnerung an den Kollegen Bergerac von der Nachbarinsel Jersey aufkommen lässt. Gerne möchte man sich weitere Kriminalgeschichten über Cyrus Doyle zu Gemüte führen und weitere Landmarken seiner schönen Insel kennenlernen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Cyrus Doyle und der herzlose Tod von Jan Lucas
ISBN: 978-3-8412-1304-4


Sonntag, 9. April 2017

Die Wale

Schon seit ich meinen Blog habe, schaue ich auch immer mal bei anderen Bloggern vorbei. Viele haben ein eigenes Bewertungssystem und ich finde es echt super, mit wie viel Phantasie diese gestaltet sind. Ich habe es der Einfachheit halber bei den wohl bekannten Sternen belassen. Aber irgendwie habe ich mir gewünscht, auch ich hätte eine zündende Idee. 

Trotzdem habe ich lange nichts gefunden, was für mich passend und auch individuell gewesen wäre. Aber mit der fortschreitenden Emojionalisierung des Schreibens von SMS oder ähnlichen Nachrichten gab mir das Telefon den Gedanken. Denn wenn ich begann, meinen Namen zu schreiben, bildete das freundliche Mobile Phone einen Wal ab. Der erste Gedanke war dann, ich bin doch gar kein Wal. Nach und nach änderte es sich in, eigentlich ist er ja ganz niedlich der Wal. 

Und so setzte sich langsam die Idee fest, dass ich ja niedliche Wale vergeben könnte. Aber wie sollte ich das mit den halben Sternen umsetzen? Das übliche fünfer System ist mir zu ungenau, mit den zehn Stufen lässt sich besser ausdrücken, wie man ein Buch empfindet. Aber halbe Wale? Nee, erstmal die technische Umsetzung läge schon nicht im Bereich meiner Möglichkeiten - zum Glück, schließlich soll es hier kein Walgemetzel geben. Aber zehn Wale, da hätte ich hier ja eine Überschwemmung. Deshalb habe ich mich entschieden maximal fünf Wale zu verteilen und als Zwischenschritt gibt es ein Plus. 

Hier also endlich mein eigenes Bewertungssystem, das nicht ich gefunden habe, sondern das mich gefunden hat:


🐳🐳🐳🐳🐳 -genial

🐳🐳🐳🐳+ -sehr gut

🐳🐳🐳🐳 -gut

🐳🐳🐳-lesenswert

🐳🐳🐳 -okay

🐳🐳-kann man lesen, muss man aber nicht

🐳🐳 -für Fans

🐳+ -nur für eingefleischte Fans

🐳 -gibt es, glaube ich, nicht