Samstag, 7. Januar 2017

Marsfalle

Die 28jährige Fiona Yu hat in Yale Jura studiert, sie rackert in einer Kanzlei in San Francisco. Und es könnte ihr relativ gut gehen, wenn nicht ihr Vater der Meinung wäre, sie müsste so langsam mal heiraten. Fionas Eltern leben nach einem eher traditionellen chinesischen Weltsicht und Fiona, die durch ihr Leben im liberalen San Francisco die Freiheit der eigenen Meinung und des eigenen Willens erschnuppert hat, möchte dem Bild ihrer Eltern eigentlich nicht mehr entsprechen. Das hindert ihren Vater, der ihren ehrlichen Aussagen gegenüber völlig taub ist, überhaupt nicht daran, ihr ein Date nach dem anderen zu besorgen. Und jeder dieser chinesischen Loser ist schlimmer als der vorherige. Einiges jedoch ändert sich als Fiona ihren Schulfreund Sean wieder trifft.

Allein schon der Anfang dieses Buches ist des Lesens wert. Auf so eine durchgeknallte Idee muss man erstmal kommen. Zwar folgt kein Feuerwerk weiterer irrwitziger Ideen, aber der Widerspruch zwischen Fionas Leben als Anwältin, die ihre Frau steht, und ihren traditionellen Elternhaus, in dem sie lächeln und dumm sein soll, wird sehr klar und humorvoll dargestellt. Zugegeben, manchmal bleibt einem das Lachen im Halse stecken, besonders wenn man langsam herausfindet, wie Sean in seiner Jugend war und was er heute neben seinem Beruf als Schönheitschirurg noch so erreicht hat. Soll sich Fiona an Sean ein Beispiel nehmen? Da gerät sie schon sehr in Versuchung. Oder soll sie versuchen, ihre Eltern zu überzeugen, dass Ehe und Kinder doch nicht alles sind. Besonders dann nicht, wenn sie zwar mit guten Absichten, aber eben nicht nach den Wünschen der Kinder von den Eltern arrangiert werden. Fiona möchte keine Greencard-Braut sein, auch wenn es dafür Geld gibt. Geld ist schon gar keine Garantie für ein gutes Leben. 


Schauderhaft witzig ist dieser Debütroman von Angela S. Choi, die selbst einmal als Anwältin gearbeitet hat. Gnadenlos führt sie die Zerrissenheit ihrer Heldin vor, beschreibt ihren Widerwillen gegen die Tradition und die manchmal etwas kläglichen Versuche, auszubrechen und sich gegen die Eltern durchzusetzen. Als bös-humorvolle Satire gelesen bringt dieser Roman einiges an Spaß, auch wenn man manchmal heftig schlucken muss.

3,5 Sterne

Hello Kitty muss sterben von Angela S. Choi
ISBN: 978-3-442-74126-7



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