Sonntag, 29. Januar 2017

Mindreader

Plötzlich bemerkt der Streifenpolizist Jared Snowe, dass er die Gedanken anderer Menschen hören kann. Das gibt es doch gar nicht, oder doch? Jedenfalls hilft es ihm, Fälle zu lösen. Er ist der neue Superbulle. Die Sache hat allerdings nicht nur gute Seiten, bei den Frauen weiß er nun sofort, dass er sowieso keine Chance hat. Als eine Bundesagentin mit ihm Kontakt aufnimmt, ist er schon beinahe nicht mehr erstaunt. Irgendwie ist man auf seine Fähigkeiten aufmerksam geworden und nun soll er einen entflohenen Sträfling aufspüren, um ihn zurück in die Todeszelle zu bugsieren. Aber wie konnte der Verurteilte überhaupt entkommen?

Was bewirkt so eine Veränderung, die aus dem Nichts zu kommen scheint. Ungläubiges Staunen zunächst, Pläne, die Sache auszunutzen natürlich möglichst zum Guten. Doch schnell empfindet Jared auch, dass ihm die dauernde Berieselung mit fremden Gedanken, die oft nicht sehr schlau sind, auf die Nerven geht. Er fängt an, sich zurückzuziehen. Fast schon froh ist er als die Bundesbehörde in anfordert, dort braucht er seine Fähigkeit wenigstens nicht zu verbergen. Abgespeist wird er zwar bei der Frage, weshalb er die ihm zugeteilte Agentin nicht hören kann, aber sonst scheint er ein ehrenwerter Auftrag zu sein, einen Mörder zu fangen.


Wie ein Erwachen wirkt die neue Fähigkeit des einfachen Polizisten Snowe. Nur langsam gewöhnt er sich an seine Veränderung. Und ebenso langsam setzt die Handlung ein. Doch langsam aber sicher gerät man als Leser in einen Bann. Je mehr man über die einzelnen Personen erfährt, desto mehr verändert sich der Eindruck, den man anfangs von ihnen hat. Jared Snowe wirkt wie ein treuer Staatsdiener, der unbestechlich seine Aufgaben erfüllt, der Mörder Brooks Denny so wie man sich einen Polizistenmörder eben vorstellt und die Agentin Terry Dyer scheint eine gute Führungskraft zu sein. Je weiter man liest, desto weniger sicher kann man sich sein, dass die Ausgangslage wirklich den Tatsachen entspricht. Nach und nach entdeckt man Verbindungen, die in die Vergangenheit führen. Was sich zu Beginn vielleicht etwas zäh zu entwickeln scheint, wird im Laufe der Lektüre mit jedem Kapitel spannender und haarsträubender. Vor dem Hintergrund des Wissens, dass bestimmte Strukturen in Ländern keine Grenzen zu kennen scheinen, bekommt das Ganze zudem einen nicht zu übersehenden Realitätsbezug. Wenn es auch hoffentlich wirklich nicht möglich ist, Gedanken zu lesen, so ist das System, das Auslöser der Fähigkeit sein könnte, wieder erkennbar. Mit seinem bis zu einem fulminanten Finale stetig ansteigenden Spannungsbogen und der kruden aber intelligenten Geschichte fesselt dieser Roman bis zur letzen Seite.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Gedankenjäger von Iain Levison
ISBN: 978-3-552-06328-0


Kommentare:

  1. Lässt mich neugierig werden!
    Liebe Grüße,
    Anne

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    1. Ich könnte mir vorstellen, dass es dir gefallen könnte.
      Liebe Grüße Walli :-)

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