Dienstag, 28. Februar 2017

Amazing Amy

Sie ist weg, seine Frau Amy ist verschwunden. Zu jedem Hochzeitstag haben die Beiden eine kleine Schnitzeljagd veranstaltet, um sich noch einmal die schönen Momente des Jahres in Erinnerung zu rufen. Doch an ihrem fünften Hochzeitstag verschwindet Amy Elliot Dunne. Ihr Mann Nick ist wie vor den Kopf gestoßen. Natürlich meldet er sie als vermisst. Die Polizei findet allerdings schnell einige Verdachtsmomente, die Nick in einem sehr schlechten Licht dastehen lassen. Kann es wirklich sein, dass er etwas mit dem Verschwinden Amys zu tun hat. Zu Beginn der Suche erhält er wenigstens die Unterstützung seiner Schwiegereltern. 

Berichtet wird sowohl aus Sicht von Nick als auch von Amy, wobei Amys Aufzeichnungen in der Vergangenheit beginnen und Nicks zum Zeitpunkt des Verschwindens einsetzen. Es entwickelt sich ein Bild von einer Ehe, die wohl anders war als es nach außen schien. Wie viele Ehen wurde sie im Himmel geschlossen, aber auf Erden gelebt. Vielleicht ist es gerade so, wenn am Anfang vieles ideal schien, dass das Ankommen im Alltag schmerzlich und enttäuschend ist. Wieso ist Amy verschwunden, trägt ihr Mann wirklich die Schuld daran? 

Von Matthias Koeberlin und Christiane Paul hervorragend in Szene gesetzt ist dieses Spielchen zwischen Eheleuten, die sich auseinander gelebt zu haben scheinen. Eine Beziehung, die sich entblättern lässt wie eine Zwiebel. Immer neue Facetten treten zutage, die Amy und Nick nicht gerade sympathischer wirken lassen. Nick, der nie erwachsen wurde und der seinen Jobverlust nicht verwinden kann. Und die reiche verwöhnte Amy, die daran scheitert so sein zu wollen, wie sie meint, dass Männer es wünschen. Wie ein Kartenhaus bricht alles zusammen. Und doch nehmen sich die beiden nicht viel in ihrer Geschicklichkeit, den anderen in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. Zwar kommt es zu einem sehr überraschenden Finale, aber für diese Art Thriller muss man schon gestrickt sein. Spannend ist das Ehedrama der Beiden schon, doch irgendwie kriegt man den Dreh nicht hier irgendjemanden zu mögen und damit fällt es auch schwer, das Buch zu mögen. Einen Vorteil bringt die Lektüre den Lesern/Hörern, denen die Beschäftigung mit der Geschichte nicht so zugesagt hat, allerdings, man kann sich das Schauen der Verfilmung sparen. 


Eine verzwickte Geschichte, die sicher etliche Leser fesselt, aber nicht alle zu begeistern versteht.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Gone Girl von Gillian Flynn
ISBN: 978-3-8398-9237-4


Sonntag, 26. Februar 2017

It-Girl

Sie ist ein Star, Carola Martins, sie hat aus Nichts etwas gemacht, sie hat die besten Kontakte, sie gibt die tollsten Partys. Doch es kostet eine Menge Disziplin und Berechnung, ihren Stern vorm Untergang zu bewahren. Die sozialen Netzwerke sind da wie ein Stimmungsbarometer, dass es zu beeinflussen gilt. Es kann daher nichts Schlimmeres geben als miese Kommentare und Hetze im ach so schnellen Internet, das nichts vergisst. Jetzt, wo eine wichtige Vereinbarung vor dem Abschluss steht, kreuzt Carola die Klingen mit den Konkurrentinnen, wenn auch auf subtile Art. Ein Todesfall war nicht im Plan inbegriffen. Und es bleibt nicht bei einer Leiche, beinahe scheint es als sei es gefährlich zu Carolas Bekanntenkreis zu gehören.

Wie ein Diamant wirkt Carola, hart, geschliffen, strahlend und funkelnd. Was irgendwann einmal hinter der Fassade war, weiß kaum jemand. Am ehesten noch ihre Freundin aus Kindertagen Bianca. Immer ein Lächeln auf den Lippen, zielstrebig und nach außen hin von den Ereignissen unberührt, versucht Carola ihre Reputation zu retten. So langsam, aber sicher bekommt sie es mit der Angst zu tun. Durch die Todesfälle ist ihre Geschäftsgrundlage und damit auch ihre Existenz bedroht. Und Carola will nicht in die kleinen Verhältnisse zurück, aus denen sie kommt. Woher aber kommt die Gefahr und wieso ist sie in die Schusslinie geraten. 


Aus den sozialen Medien kann Positives entstehen, aber sie können auch ausgesprochen negative Auswirkungen haben. Die Anonymität, die vermeintliche Straflosigkeit, mit der Äußerungen getätigt werden können, verleitet Menschen dazu, auf eine Art zu kommentieren, die sie im persönlichen Kontakt meist scheuen würden. Wenn man wie Carola die Wirkungen kennt, die geschickt platzierte Nachrichten oder spitze Kommentare haben können, kann man das Netz sicher für eigene Zwecke ausnutzen und manipulieren. Wenn dann noch das Sehen und Gesehen werden auf Carolas Partys hinzukommt, der Wunsch auf die Gästeliste zu kommen oder der Hass, wenn man von ihr runtergeflogen ist, dann kann man sich gut vorstellen, welche Stimmung in Carolas Kreisen herrscht, nachdem es die ersten Todesnachrichten gegeben hat. Mit Spannung verfolgt man, wie Carola und ihre Freundin Bianca selbst versuchen, den Hintergrund der Morde zu durchleuchten. Carola, immer darauf bedacht, ihre Geheimnisse zu schützen. Und Bianca, wie ein treuer mausgrauer Schatten ihre Freundin unterstützend. Lange ist man unschlüssig, wen man verdächtig finden soll, zieht wahrscheinliche und unwahrscheinliche Lösungen in Betracht und lässt sich gefesselt in Carolas schillernde Welt hineinziehen, die fremd und einerseits abstoßend ob ihrer Gefühlskälte und doch auch reizvoll erscheint. 

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Gästeliste von Sanne Averbeck
ISBN: 978-3-7363-0240-2


Samstag, 25. Februar 2017

Ganesha Baby

Nach langen Jahren im Polizeidienst wird Inspector Chopra krankheitsbedingt frühpensioniert. Und nun? Was soll er eigentlich mit seiner Zeit anfangen? Er hat viel Glück gehabt im Leben, eine tolle Frau und auch mit seiner Tätigkeit war er immer sehr zufrieden. Ja, vielleicht wäre es schön gewesen, ein paar Kinder zu haben, aber doch, er ist zufrieden. Während er noch dabei ist, seine Sachen in der Wache zusammen zu packen, hört er das Klagen einer Frau. Mitfühlend fragt er, was ihr denn fehle. Ihr Sohn sei tot und niemand wolle die Sache untersuchen, sie seien eben arm, da könne man nichts besseres erwarten.

Auch wenn er Polizei-Inspector i. R. ist, diese Klage einer Mutter lässt Chopra keine Ruhe. Er war immer ein Gerechter und Ermittlungen haben ohne Ansehen der Person oder deren Stellung zu erfolgen. An dem Tod des jungen Mannes kommt Chopra tatsächlich einiges eigenartig vor. Und daheim erwartet ihn ein Geschenk seines Onkels, ein kleiner Baby-Elefant, der den Namen Ganesha trägt. Momentan ist es noch ein Elefant von einer traurigen Gestalt, der zudem die Nahrungsaufnahme verweigert. Ganeshas Anblick rührt Chopras Herz und er will dafür sorgen, dass es dem Tier besser geht. 

Schon das farbenfrohe Cover mit dem niedlichen kleinen Elefanten darauf ist ein echter Hingucker, der einen verführt, das Buch aus dem Regal zu nehmen. Und auch der Inhalt hat einiges zu bieten. Der Lokalkolorit einer indischen Großstadt wird ausgesprochen gut getroffen. Auch wenn man Bilder vielleicht nur aus Nachrichten oder Fernsehberichten kennt, kann man sich anhand der lebendigen Beschreibungen das Gewusel auf den Straßen, den Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen Moderne und Tradition sehr gut vorstellen. Fast hört man das Tröten der Motorradhupen, fast sieht man die Kühe auf der Straße liegen. Und auch der angedeutete Schnurrbart auf dem Titel verschafft eine ungefähre Vorstellung des liebenswerten und aufrechten Inspectors. So schnell kann er von seiner Berufung nicht lassen und natürlich will er wissen, weshalb der junge Mann sterben musste. Das der kleine Elefant sich dabei als unerwartete Hilfe erweist gibt dem Roman noch eine besondere Note. 


Ein Roman, dessen Cover Aufmerksamkeit erregt und der dieser Aufmerksamkeit mit einer spannenden und interessanten Geschichte völlig gerecht wird. Ein Blick auf die web.site des Autors lässt Vorfreude auf weitere Abenteuer des braven Inspectors i. R. und seines kleinen Elefanten aufkommen.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Ein Elefant für Inspector Chopra von Vaseem Khan
ISBN: 978-3-8437-1400-6


Freitag, 24. Februar 2017

Seine Lawine

Tom Winter, ein ehemaliger Polizist, arbeitet als Sicherheitschef einer Schweizer Bank. Zwischen den Tagen hat er knapp einen Lawinenabgang überlebt und trotz des komplizierten Armbruchs geht er arbeiten. Es scheint auch ganz einfach zu sein. Eine betagte Kundin der Bank ist nicht zu einem Termin erschienen und Winter soll nur herausfinden, ob es der alten Dame gutgeht. Es steht mit ihrer Gesundheit nicht zum Besten, im Gegenteil, Winter findet Frau Berger tot in ihrer Wohnung, offensichtlich ermordet. Sie hinterlässt ein stattliches Vermögen, allerdings soll das ihrer Kinder, welches schuld am Tod ihres zweiten Mannes ist, leer ausgehen. Und bevor nicht festgestellt wurde, wer der oder die Schuldige unter den drei inzwischen natürlich erwachsenen Kindern ist, kann das Testament nicht eröffnet werden. 

Tom Winter hat also einen Auftrag, dazu muss er zunächst einmal die drei Hinterbliebenen ausfindig machen. Sein Weg führt ihn dabei durch halb Europa. Er spürt eine Familiengeschichte auf, die wahrlich nicht neidisch macht. Undurchsichtig ist zunächst, was der sudanesische Bekannte der Toten, der hin und wieder mal beim Einkauf geholfen hat, mit der Sache zu tun hat. Oder ist er aus ganz anderen Gründen verschwunden? Winters Neugier ist geweckt und er macht sich nicht so sehr daran, die Vorgaben seines Arbeitgebers zu erfüllen, sondern er will der Wahrheit auf den Grund gehen. 


Nach Beendigung der Lektüre dieses zweiten Bandes um den Sicherheitschef Tom Winter fragt man sich zwar, welche Bedeutung der Titel hat oder ob man etwas verpasst hat (ein Blick auf die web.site des Autors kann hier hilfreich sein), zum Glück beeinflusst das nicht die Enträtselung dieses Falles, bei der einen der Autor an die Hand nimmt und es schafft, ohne einen in die Irre zu leiten, am Ende doch eine Überraschung zu bieten. Gefesselt verfolgt man die Spuren, die die alte Dame und ihre Kinder hinterlassen haben. Auch wenn Tom Winters Gesundheit manchmal etwas arg strapaziert wird, bewundert man seine Hartnäckigkeit und empfindet Sympathie in den Momenten, in denen er seine empfindsame Seite zeigt. Ein Roman wie eine Sphinx, die Reisende erwürgte, wenn sie ihre Rätsel nicht lösen konnten. Glücklicherweise wird hier das Rätsel auf sehr zufriedenstellende  und packende Weise in einem fulminanten und rasanten Finale gelöst und wie am Schluss angedeutet, steht schon die nächste Aufgabe für Tom Winter bereit. 

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Korrosion von Peter Beck
ISBN: 978-3-7408-0040-6



Donnerstag, 23. Februar 2017

Cowboy ohne Fehl

Tanner arbeitet als Vormann auf der Three Bar C Ranch. Er will zwar nicht sesshaft sein, doch mit seiner Chefin Abby versteht er sich gut. Leider verstirbt die über 80jährige und vererbt die Ranch an die junge Lehrerin Maggie MacLeod. Die wird sich ja wohl nicht allzu oft auf der Farm blicken lassen, oder? Dann kann Tanner schalten und walten wie er es Abigail versprochen hat. Doch meist kommt es im Leben anders als man denkt. Maggie hat Interesse an der Farm und möchte sich dort ein Heim schaffen. Natürlich laufen sie und Tanner sich andauernd über den Weg.

Tanner, der sich mehr als rastlosen einsamen Wolf sieht und nur noch wegen seines Versprechens der verstorbenen Abigail gegenüber die Ranch beaufsichtigt, ist der totale Gegensatz zu  Maggie, die auf dem Hof heimisch werden möchte. Sollte Abby da einen Plan gehabt haben? Jedenfalls kann sich Tanner Maggies Reizen nicht so ganz entziehen. Wissbegierig und mit glänzenden Augen saugt sie auf, was es über das Leben als Hüterin von Haus und Hof zu lernen gibt. Tanner, der meint, für eine feste Beziehung nicht geeignet zu sein, übt sich in Distanz und Zurückhaltung. Er übt sich …..


Zu Beginn dieser Liebesromanze reiht sich ein funken sprühender Schlagabtausch an den nächsten. Die Atmosphäre zwischen Tanner und Maggie prickelt nur so, die Anziehung zwischen den Beiden ist spürbar und hat genau die richtige Balance zwischen Hingabe und Zurückhaltung. Allerdings steigert sich das Ganz so, dass die Wirkung einer gewissen Übertreibung erzielt wird. Wo man also gerne dahin geschmolzen wäre, hegt man eher den Gedanken des too-much. Obwohl die Autorin ihre handelnden Personen sympathisch darstellt, greift sie doch etwas tief in den Schmalztiegel. Man wünschte sich, die prickelnde Leichtigkeit des Beginns wäre bis zum Schluss beibehalten worden.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Cowboys don't cry von Anne McAllister
ISBN: 978-1-944925-27-7


Dienstag, 21. Februar 2017

Zielperson

Als Freiberufler reist Nio Schulz nach China, um einen Auftrag für seine Chefin zu ergattern. Am Ankunftstag wacht er seltsam desorientiert auf. Nach mehreren Ungeschicklichkeiten schafft er es wenigstens ordentlich gekleidet in den Frühstücksraum. Es ist sein Geburtstag und wie in jedem Jahr versucht seine Mutter, die erste zu sein, die ihm gratuliert. Leicht zeitversetzt, ist aus Berichten des BKA und einer europäischen Anti-Terroreinheit zu entnehmen, dass Nio Schulz verschwunden ist. 

In der nicht mehr ganz so fernen Zukunft des Jahres 2055 wirkt Nio Schulz wie ein von sozialen Medien und den Informationen seiner Glass-Brille abhängiger Mitläufer. Zwar ist er im Auftrag seines Arbeitgebers unterwegs, aber allzu leicht scheint er sich ablenken zu lassen. Seine Gedanken flirren unsicher umher. Kleinste Reize lösen ein Gedankengewitter aus, das durch die Einspielungen der Brille und der nur halbrealen Umwelt beeinflussbar scheint. Hat Nio Schulz ein Ziel, hat er überhaupt eine Persönlichkeit? Die Gedanken seiner Freundin Sabena hinsichtlich der Gründung einer Familie erschrecken ihn eher. Seine Mutter geht ihm auf die Nerven und seinen Vater hat er nie richtig kennengelernt. Nio Schulz erweckt zwar den Eindruck, er sei kurz vor der Explosion, als stehe er vor einer großen Veränderung. Doch wieso sollte er seine Aggression überhaupt gegen andere richten? Vermutlich ist es sein ausgesprochen unerwartetes Verschwinden, das die Ermittlungen auslöst.


Inwieweit werden wir heute und mehr noch in der Zukunft durch unsere Spuren in sozialen Medien überwach- und kontrollierbar. Durch welche Filter laufen die Informationen und wie werden sie gedeutet? In der Gegenwart, wo wir hoffentlich noch am Anfang dieser Möglichkeiten stehen, ist das durchaus eine Frage, mit der man sich beschäftigen kann. Auch fragt man sich, wer kontrolliert den Kontrolleur? Nach wie vor: das Internet ist eine Postkarte und man sollte sich immer selbst überlegen, was man äußert. Nio Schulz wirkt diesbezüglich etwas gedankenlos, er lässt sich treiben bis er an den Punkt kommt, an dem er ausbricht. Man wünscht sich, er möge sein Ziel finden, sofern er eines hat. Unheimlich ist es, von den Ermittlungen zu lesen, verwirrend Nios Gedanken zu folgen. Man sucht den Zusammenhang, das Ziel, eine Auflösung. Fraglich, ob die Suche von Erfolg gekrönt sein kann, doch zum Nachdenken ist man angeregt, zum Überdenken des eigenen Verhaltens und man empfindet eine Besorgnis ob der schönen neuen Welt, die einem möglicherweise entgegen wächst.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Follower von Eugen Ruge
ISBN: 978-3-498-05805-0


Sonntag, 19. Februar 2017

Billy-Bert

In seiner Kindheit war Bert eigentlich nicht so dick, wenn er sich die alten Fotos so anschaut, doch nun mit 16 hat er die 100 Kilo geknackt. Irgendwie futtert und futtert er, von seiner Mutter gefüttert, mit den Gerichten, die sie für ihre wechselnden Liebhaber kocht oder auch mit seinen Lieblings-Schokoriegeln, die er massenweise unter dem Bett deponiert. Seine Mitschüler nutzen jede Gelegenheit, ihn zu drangsalieren. Dann bietet sich Bert eine Gelegenheit, im Ganzkörperanzug als Maskottchen aufzutreten. Einmal darf er im Tigerkostüm zu der Berliner Eishockey-Mannschaft, den Ice-Tigers, wie passend. Und unerwartet schlägt seine Performance dort ein wie eine Bombe, im positiven Sinne natürlich. 

Wie man sich vorstellen kann, genießt es Bert mal der Held zu sein. Hinzu kommt noch, dass der Anzug zum einem die Nahrungsaufnahme behindert und zum anderen die Schweißproduktion anregt, das heißt Bert nimmt ab. Und das, obwohl es in seiner Familie unter den Männern als unangebracht gilt, unter 100 Kilo zu wiegen. Selbst sein Opa, der bald 80 wird, ist noch ein stattlicher Mann und leitet ein Restaurant für westfälische Küche. Was aber, wenn man sich in seiner Haut einfach nicht mehr wohl fühlt, wenn einem die Hänseleien der sogenannten Klassenkameraden langsam auf den Keks gehen und wenn bei den Ice Tigers so bemerkenswerte Cheerleader herumlaufen, besonders eine.

Mit westfälisch-berliner Schnauze umschreibt der Autor Berts Kampf gegen die Pfunde, dem der Anzug dabei eher zufällig zur Hilfe kommt. Mal witzig, mal nachdenklich, mal forsch, mal kurz vor dem Aufgeben, die Jugend ist zwar die schönste, aber sicher nicht die einfachste Zeit. Man kann sich vorstellen wie Bert schwerfällig durch sein Leben tapst und sich nicht richtig wehren kann. Natürlich gefällt ihm nicht alles, aber irgendwie bekommt er immer wieder das Maul gestopft oder er stopft es sich selbst mit Süßigkeiten voll. Nur langsam kann er sich ein wenig freischwimmen. Es hat schon was, im Tigerkostüm das erste Mal mit Schlittschuhen aufs Eis zu steigen und nicht völlig unterzugehen. Humorvoll mit ein paar ernsten Tönen unterhält dieser Coming of Age Roman sehr gut.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Billy the Beast - Ein Traum von einem Tiger von Jörg Menke-Peitzmeyer

ISBN: 978-3-548-28911-3


Samstag, 18. Februar 2017

Wo bist du?

Der 13jährige Sam hat seinen Vater Henri nie kennengelernt, etwas, das er unbedingt ändern will. Er schreibt ihm, doch der Vater taucht nicht auf. Sam erfährt, dass sein Vater einen schweren Unfall hatte und im künstlichen Koma liegt. Jeden Tag besucht Sam seinen Vater und im Krankenhaus trifft er auf Eddie, die früher mit Henri zusammen war. Eddie, die Henri nie ganz loslassen konnte, obwohl er ihr das Herz gebrochen hat. Gemeinsam betreuen sie Henri im Krankenhaus und haben Hoffnung, dass er bald wieder gesund wird. Doch als sich die Ärzte entschließen, Henri aus dem künstlichen Koma zu wecken, erleidet er einen Herzstillstand, nach dem er dann tatsächlich ins Koma fällt.

Was geschieht, wenn man so zwischen Leben und Tod ist? Gibt es da überhaupt irgendetwas? Wer kann das so genau sagen? Ist es eher ein traumloser Schlaf, wie an- und ausgeknipst, wie eine Narkose? Oder betritt man eine andere Welt, die da ist, der man aber nicht entfliehen kann? Wie viel Kraft und Willen braucht es, um zurück zu kommen. Können die Liebsten merken, wenn man da ist und doch nicht da? Wie schwer fällt es, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen? Fragen, über den Tod und das Sterben, denen man nicht entrinnen kann. Jeder erlebt den Moment, in dem ein lieber Mensch stirbt. Manchmal früher, manchmal später, aber keinem bleibt die Erfahrung erspart. Welche Vorstellung von dem davor, dem danach oder dem dazwischen hat man oder möchte man haben. Dem Toten schließlich sieht man an, dass die Seele nicht mehr da ist. Hat sie sich in nichts aufgelöst oder bleibt sie und kann sie etwas mitnehmen?


Gefühlvoll und mitreißend beschreibt Nina George die Zeit nach Henris Unfall jeweils aus der Perspektive der beteiligten Personen. Sie malt deren Gedanken, Wünsche, Gefühle und Hoffnungen. Der 13jährige Sam ist eine ganz besondere Persönlichkeit, außerordentlich intelligent und empfindsam. Man wünscht sich, ein wenig so zu sein wie er. Man wünscht sich, so kämpfen zu können wie er. Man wünscht sich eine zweite Chance für Eddie und Henri. Man saugt den Inhalt der Seiten des Buches auf. Man spürt den Schmerz und die Hoffnung. Eigentlich möchte man, dass jeden Tag die Sonne scheint. Man bleibt ergriffen und nachdenklich zurück.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Traumbuch von Nina George
ISBN: 978-3-426-65385-2



Freitag, 17. Februar 2017

Spur der Schmetterlinge

In Brest, wohin Louis Marais strafversetzt wurde, wütet im Jahr 1805 die Pest. Obwohl er seine Frau in sein Haus auf dem Land gebracht hat, fallen sie der Seuche zu Opfer. Bevor ihn die Verzweiflung übermannen kann, wird Marais nach Paris zurückberufen. Dort wurde die verstümmelte Leiche eines jungen Mädchens gefunden, die offensichtlich kurz vor ihrem Tod ein Kind geboren hat. Eifrig trommelt Marais sein altes Team zusammen. Er befürchtet, es könnten weitere Morde geschehen. Gleichzeitig erhält der Marquis de Sade von seinem im Sterben liegenden ehemaligen Gönner eine seltsame Liste. Nicht lange dauert es bis die beiden ungleichen Sucher nach der Wahrheit wieder aufeinander treffen.

Nachdem der Polizist Marais bei der Lösung des Falles des Mörders Lasalle schon auf die etwas widerwillige Hilfe des Marquis zurückgreifen konnte, werden die beiden hier wieder zusammen geführt. Der Fall erscheint zunächst äußerst rätselhaft. Wer könnte schließlich ein Interesse am Tod eines jungen Mädchens haben, gerade wenn es sich bei dieser auch noch um eine Mutter handelt. Und was geschah mit dem Kind, von dem keine Spur gefunden wurde. Sollten die angesehenen Bürger der Stadt Paris, die es auf die ominöse Liste geschafft haben, eine Art Geheimbund bilden. Es dauert jedenfalls nicht lange bis auch das politische Paris beginnt, sich in die Ermittlungen einzumischen.

Dieses unheimliches Geschehen bedrückt den Polizisten Marais. Tief betrübt über den Verlust seiner Familie sieht er in der Lösung dieses Falles eine Art Erlösung. Konzentriert wandert er durch die Gassen der Stadt, manchmal abgelenkt, manchmal unterstützt durch den Marquis. 


Gekonnt wird das Leben im Paris des napoleonischen Zeitalters eingefangen. Sowohl das Leben der einfachen Leute als auch das der gehobenen Schichten wird auf eine Art dargestellt, dass man glauben kann, es könnte sich so abgespielt haben. Die Unterschiedlichkeit der Einstellung und des Hintergrundes von Marais und de Sade und deren Zusammenarbeit, bei der Marais mutig vorweg schreitet und de Sade eher wiederwillig murrend aber doch kluge Schlüsse ziehend folgt, bilden den Mittelpunkt dieses historischen Krimis. Zur Lösung ihres gemeinsamen Falles kombinieren sie ihre Fähigkeiten und schaffen einen packenden Einblick in einen kniffligen Fall, bei dem es wahrhaft um Alles zu gehen scheint. Manche Schilderungen wirken fast wie aus einem Buch de Sades entsprungen. Da möchte man sich das Geschehen lieber nicht allzu bildhaft vorstellen. Dennoch bilden Marais und de Sade ein beinahe geniales Gespann, das mit einem unterschwelligen Humor unterhält und einen verzwickten Fall löst.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Fest der Finsternis von Ulf Torreck
ISBN: 978-3-453-67713-5



Donnerstag, 16. Februar 2017

Hangar 885

Kommissar Erlendur steht noch am Anfang seiner Karriere. Fälle von Vermissten haben es ihm angetan und er hat gerade begonnen, den Fall der jungen Dagbjört noch einmal aufzurollen, die vor über zwanzig Jahren auf dem Weg zur Schule verschwand. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marian ermittelt er auch in dem Fall eins Toten, der von einer jungen Frau in einem See gefunden wurde. Der Tote trug Kleidung aus amerikanischer Herstellung. Sollte es sich gar um einen Amerikaner handeln oder doch ehr um einen Isländer, der auf dem US-Stützpunkt beschäftigt war?

Die Reihe um Kommissar Erlendur umfasst mit diesem neuesten Roman inzwischen über zehn Bände und zum zweiten Mal geht es in die Vergangenheit. Die späten 1970er sind die Gegenwart dieses Falles und das Verschwinden Dagbjörts hat bereits in den 50ern Stattgefunden. Zeiten, in denen der US-Stützpunkt einen Ort der unerfüllten Träume markierte. Sei es nach gut und in Dollar bezahlter Arbeit, nach Kleidung, Alkohol oder gar Drogen. Alles scheint auf dem Stützpunkt leicht und billig zu haben zu sein. doch welches Schicksal hat der junge Mann erlitten, der tot aufgefunden wurde. Ist er dem Reiz des Verbotenen erlegen? Erlendur und Marian ermitteln unaufgeregt aber zielstrebig. Haben sie auch nur die kleinste Witterung aufgenommen, lassen sie sich durch keinen Widerstand abschütteln. Jede Information wird gewogen und eingeordnet bis sich schließlich ein Bild rundet. Dies gilt gleichermaßen für den Tod des jungen Mannes als auch für das vor Jahren verschwundene Mädchen.


Dem Autor gelingt es dabei ausgesprochen gut ein Bild der Zeit zu zeichnen. Kleine Hinweise auf die Tagespolitik, aber auch einfach die Beschreibung des Lebens, der Menschen, der Orte lassen die 70er lebendig werden. Die stete Gegenwart der Amerikaner, die Stützpunkte als exterritoriales Gebiet ansehen. Die Beschaulichkeit des Alltags, die Unaufgeregtheit. Und doch auch in diesem Idyll gibt es Geheimnisse und Verbrechen, Menschen oder Organisationen, die etwas zu verbergen haben. Äußerst filigran verwebt der Autor seine Handlungsstränge, weckt Wissbegier und steigert geschickt die Spannung, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte bis das vorletzte Geheimnis gelüftet ist. Die allerletzte spur darf nicht gefunden werden, was genau der Zeit entspricht, in der der Roman spielt. Was allerdings in letzter Konsequenz wohl auch heute nicht anders wäre.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Tage der Schuld von Arnaldur Inđridason
ISBN: 978-3-7325-2949-0


Dienstag, 14. Februar 2017

Garten der Nacht

Gemeinsam mit ihrem Vater lebt Olivia Pennywort auf der Farm. Diese ist umgeben von einem bemerkenswerten Garten und einem Labyrinth. Nur der innerste Teil des Labyrinths darf nicht betreten werden. Doch in die anderen Teile des Gartens strömen die Besucher von Nah und Fern. Der Garten scheint etwas besonderes zu bieten, eine Rückzugsmöglichkeit, eine Möglichkeit innezuhalten. Instand gehalten wird der Garten von Olivia und anderen Frauen, die eine Zuflucht suchen und eine Einkehr. Obwohl Olivia anders ist als alle anderen, ist sie relativ glücklich. Allerdings ist sie allein und sie sieht keine Möglichkeit, etwas daran zu ändern. Bis Sam van Winkle heimkehrt, mit dem sie in ihrer Jugend befreundet war.

Wie zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen können, so scheinen Olivia und Sam zu sein. Sam, der an Allergien leidet, und Olivia das genaue Gegenteil. Kann sie sogar gefährlich für ihn sein? Auf keinen Fall will Olivia Sam in Gefahr bringen, vielleicht ist es besser, sie bleiben einander fern. Sam, der einen Flugzeugabsturz knapp überlebt hat, will davon nichts wissen. Schon damals war Olivia sein ein und alles und heute will er endlich mit ihr zusammensein. Und der ganze Ort beobachtet das Geschehen. 


Mit zartem Schmelz beginnt die Lebens- und Liebesgeschichte von Olivia und Sam. Schritt für Schritt wird dabei ein Teil von dem Geheimnis um Olivias Zustand gelüftet. Sams intensives Werben gerät dabei nicht zu schmalzig, er kann auch mal klare Worte sprechen. Auch wenn die Ereignisse gegen Ende hin etwas zu sehr ins märchenhafte abgleiten, hat die Autorin doch eine wunderschöne Idee verarbeitet. Dabei versteht sie es mit großen Teils wirklich mitreißenden Beschreibungen und Schilderungen zu begeistern. Man ist ganz bei den handelnden Personen und möchte, dass sie glücklich leben bis an ihr seliges Ende.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

The Night Garden von Lisa Van Allen
ISBN: 978-0-345-53757-7


Sonntag, 12. Februar 2017

Schweizer Exil

Im Frühjahr 1938 flieht der österreichische Journalist Albert Trebla mit seiner Frau in die Schweiz. Doch auch in dem vermeintlich neutralen Land fühlt er sich nicht sicher. Zwar lernen die Eheleute schnell neue Menschen kennen und treffen alte Bekannte. Doch schon bald nach der Ankunft bekommt Trebla das Gefühl, er werde von zwei Blonden beschattet. Und bald darauf verstirbt ein Jurist, mit dem Trebla sich anzufreunden begann. Die Meldungen aus der alten Heimat stimmen auch nicht eben fröhlich, der Krieg schickt seine Boten voraus, die Gefahr scheint immer näher zu kommen. 

Wem kann man noch trauen in dieser verrückten Zeit? Hilfe kommt manchmal ebenso unerwartet wie eine Bedrohung von einer Seite, die man sicher glaubte. Auf der Flucht ist auch das Geld verdienen keine leichte Aufgabe, will der Journalist Trebla etwas veröffentlichen, braucht er eine Erlaubnis, für eine Erlaubnis braucht er einen gültigen Ausweis. Doch er hat nur Papiere eines Landes, das es seit kurzem so nicht mehr gibt. Dauernde Geldsorgen, das Gefühl der Bedrohung, die Sorge um die Gesundheit seiner Frau. Wie eine Schlinge, die sich langsam zuzieht, scheint sich das Schicksal um Treblas Hals zu legen. Schlechte Nachrichten aus der Heimat tun ein Übriges dazu, Treblas Nervenkostüm aufzureiben.


Am Vorabend des zweiten Weltkrieges angesiedelt ist dieser Roman ein bedrückendes Dokument, dass Flüchtlinge damals ebenso wie heute nicht freudig empfangen wurden. Mit Mühe finden die Eheleute Trebla Unterschlupf, eher noch bei Ihresgleichen. Widersinnig wirkt so manches fröhliches Beisammensein vor dem Hintergrund der politischen Lage. Doch vielleicht bedarf es einfach der Ablenkung, ein stundenweises Kopf in den Sand. Denn die Gefahr lauert. Die Flucht will organisiert sein, sie macht Wege notwendig, das Herauswagen aus dem Bau, der auch nicht sicher ist. Das Gefühl der Bedrohung, des Unwillkommenseins, der Angst vor schlechten Nachrichten ist immer gegenwärtig. Wie ein Tanz auf der Rasierklinge wirkt Treblas Weg durch die unsichere Zeit. Wenn auch dieser Roman in manchen Belangen undurchsichtig bleibt, so fesselt er in besonderem Maße durch die Beklemmung, die er bei dem Gedanken an ein Flüchtlingsschicksal auslöst. Wobei hier der Flüchtling Trebla durch seine Beziehungen und seine gewisse Bekanntheit noch begünstigt wirkt. Wie mag es da erst jenen ergangen sein oder ergehen, auf die tatsächlich niemand wartet?

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Murmeljagd von Ulrich Becher
ISBN: 978-3-442-74192-2




Samstag, 11. Februar 2017

Gurkendynastie

Noch hat die Kommissarin Klaudia Wagner mit den Folgen ihres letzten Falles zu kämpfen. Jede Ablenkung, die ein wenig Vergessen bringen könnte, wird dankbar angenommen. Eine Tanzveranstaltung mit der Kollegin Wibke ist eine willkommene Abwechslung, wenn auch Klaudia nicht jede Sekunde genießen kann. Der Schreck ist allerdings groß als am nächsten Morgen die Leiche eines jungen Mannes gefunden wird, bei dem es sich vermutlich um einen der vielen Erntehelfer handelt, die während der Gurkenernte den Spreewald bevölkern. Doch wer könnte etwas gegen den Jungen gehabt haben. Zumindest war er ein Liebling der Frauen. Ist er vielleicht Opfer eines eifersüchtigen Dritten geworden.

In ihrem zweiten Fall hat Klaudia Wagner die tragischen Ereignisse, die zur Lösung des vorherigen Falles führten noch nicht überwunden. Die Bilder stehen ihr noch lebhaft vor Augen und auch ihr Tinnitus macht sich wieder bemerkbar. Die Krönung ist natürlich, dass sie auch noch mit dem Kollegen Demel zusammenarbeiten muss, der für den erkrankten Thang eingesprungen ist. So sind die äußeren Umstände zu Beginn der Untersuchung nicht die allerbesten. Und die Befragten schweigen beharrlich oder geben nur Halbwahrheiten preis. Trotz aller Widrigkeiten machen sich die Beamten mit großem Eifer daran, das Rätsel um den Verstorbenen zu lösen.


Ruhig aber zielstrebig macht sich Klaudia daran hinter das Geheimnis um den Tod des jungen Erntehelfers zu kommen. Immer noch fühlt sie sich wie eine Fremde, die die aus dem Ruhrgebiet stammende ja auch ist. In Lübben und Lübbenau scheint jeder jeden zu kennen, aber nicht unbedingt mag jeder jeden. So ist der Heimkehrer aus Berlin, bei dem einige der Erntehelfer arbeiten, nicht so wohlgelitten. Klaudia beschäftigt sich mit dem Beziehungsgeflecht, dass in den kleinen Spreewald-Orten gesponnen ist. Einerseits froh, den Touristenströmen zu entkommen, ist Klaudia andererseits noch nicht völlig heimlich in der Gegend der Spreewald-Gurken. Nicht alle Kollegen sind dabei eine große Hilfe, aber es kristallisiert sich doch heraus, dass Klaudia sich auf einige derer verlassen kann. Ihr langsames sich einleben in der fremden Umgebung mit den nicht so offenen aber doch herzlichen Einheimischen, macht einen erheblichen Teil des Reizes aus, den dieser geradlinige Krimi verströmt. Der eigentliche Fall dagegen wird erst gegen Ende richtig spannend und auch überraschend. So wie man allerdings zurzeit den Sommer herbeisehnt, ein wenig davon kann man bei der Lektüre dieses unaufgeregten aber dennoch fesselnden Sommer-Krimis schon jetzt erahnen. Und wie es sich bei einer Reihe gehört, bleiben genug Fragen offen, um Vorfreude auf den nächsten Band wecken  zu können.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳)

Spreewaldtod von Christiane Dieckerhoff
ISBN: 978-3-8437-1383-2


Donnerstag, 9. Februar 2017

Die Profis

Seit ihr Freund Karlo Leinemann bei den Bayern ist, hat sich Sarahs Leben sehr verändert. Aus dem beschaulichen Mönchengladbach nach Münden ist eine totale Veränderung. Sarah fühlt sich als Spielerfrau nicht sehr wohl. Und Karlo benimmt sich als Fußballprofi mit Ruf zur Nationalmannschaft so als wäre bei ihm ein mittelschwerer Größenwahnsinn ausgebrochen. Sarahs fast Stief-Schwiegermutter Mavie geht es nicht viel besser. Alles hat sie ihrem Mann Serge Leinemann geopfert. Immer einen halben Schritt hinter dem Ex-Profi, immer schön, immer schick. Und nun hat Serge eine andere, nicht zum ersten Mal, aber diesmal scheint es ihn wirklich erwischt zu haben. Und endlich nach Jahren des Stillhaltens beginnt Mavie ihre Situation zu überdenken.

Man muss sich schon ein wenig an Sarah und Karlo, Mavie und Serge gewöhnen. Sie leben doch in einer Welt, die man sich als Normalo kaum vorstellen kann. Doch die Autorin hilft dem Leser dabei einen spannenden Eindruck zu gewinnen. Da ist viel Schein und nicht immer viel dahinter. Karlo dreht durch seinen Aufstieg ziemlich ab und Serge hat auch irgendwie den Bezug zur Realität verloren. Sarah ist zwar einigermaßen auf dem Teppich geblieben, doch sie leidet unter den Veränderungen in ihrem Leben. Ihr hat das beschauliche Mönchengladbach völlig gereicht. Mavie dagegen nimmt endlich ihr Leben in die Hand, schließlich hat sie früher ein Studium angefangen. Und wenn sie schon alleine ist, dann kann sie sich schließlich auch dem Lernen widmen.


Diese fremde Welt des Profifussballs, in dem Geld die Welt regiert und die Spieler alle recht abgehoben und gefühlskalt scheinen, ist nicht so leicht zu ertragen. Doch mit viel Geschick schafft es die Autorin Verständnis für zumindest einige der handelnden Personen zu wecken. Zwar bleiben einige holzschnittartig fies, doch andere werden mit der Zeit quasi zum Leben erweckt. Besonders Mavie, die sich am eigenen Schopf aus der Misere zieht, weckt Sympathie. Sie wird von der Spielerfrau, die nur dekorativ rumsteht, zu einer echten Persönlichkeit. Sarah dagegen lässt ihrem Karlo vielleicht etwas zu viel durchgehen, bis sie anfängt ihren eigenen Weg zu suchen. Und Karlo wirkt echt zu dümmlich arrogant, man fragt sich, ob es für ihr ein Erwachen geben kann. Tja, Serge scheint nie den Schuss gehört zu haben, dass man sich im gesetzteren Alter vielleicht auch etwas angemessener benehmen kann. Oder er will es nicht. Obwohl man leichte Unsicherheit empfinden kann, wie man diesen Roman einschätzen soll, so wird er doch mit vorangehen der Handlung doch immer gewinnender.

3,5 Sterne (🐟🐟🐟)

Nachspielzeit in Sachen Liebe von Meike Werkmeister
ISBN: 978-3-9582-4502-0


Dienstag, 7. Februar 2017

Fußball ist sein Leben

Der Trainer Scott Manson ist arbeitslos oder besser gesagt auf der Such nach einem neuen Verein. Ein vermeintliches Engagement in Shanghai entpuppt sich als Falle und bevor es mit Scott völlig den Bach runtergeht, erhält er eine Anfrage vom FC Barcelona. Dorthin sollte der junge Spieler von PSG ausgeliehen werden. Über die Weihnachtsfeiertage entschwand dieser in seine karibische Heimat und ward seitdem nicht mehr gesehen. Die Vereine wollen nun wissen, was mit ihrem wertvollen Jungspieler geschehen ist. Und Scott Manson, der schon ein paar Geheimnisse in der Welt des Fußballs entschlüsseln konnte, scheint genau der richtige Mann für diese Aufgabe. 

Zwar sieht Manson sich nicht als Detektiv, doch irgendwie ist er schon mehrfach in solche Geschichten hineingeschlittert. In seinem dritten Fall nimmt er die Aufgabe an, weil er gerade nichts anderes zu tun hat. Natürlich interessiert ihn das Schicksal des jungen Spielers Jerome Dumas und er beginnt die Wege des jungen Mannes nachzuverfolgen. Sein Weg führt ihn dabei zunächst nach Paris und schließlich auf einige karibische Inseln. Mit seinem Näschen fürs Detail bekommt Scott nach und nach ein Gefühl für den Spieler und immer mehr fragt er sich, was dazu geführt haben kann, dass Dumas einfach nicht zu seiner Arbeit erschienen ist.

Mit vielen Details über die Welt des Fußballs wartet dieses dritte Buch um Scott Manson auf. Wie vielleicht so man älterer Fußballliebhaber schon erkannt hat, so sagt es auch Scott, es geht eigentlich alles nur ums Geld. Und ums Geld ranken sich etliche der Hintergrundinformationen. Erst nach einer Weile, die allerdings durchaus sinnvoll ausgefüllt ist, kommt es zu dem Suchauftrag, bei dessen Ausübung Scotts wahres Talent amüsant und vielschichtig zutage kommt. Gewieft durchdringt er das Gewirr von Informationen um den jungen Spieler, mit großem Einsatz umgarnt er oder lässt er sich umgarnen und mit äußerster Aufmerksamkeit und großem Einfühlungsvermögen geht er kleinsten Informationen nach. Fast scheint es so als könne er die Seele des Fußballers durchdringen und so den Hintergrund des Verschwindens durchleuchten. 
Was zuerst für den Fußballunkundigen etwas zu ausufernd wirkt, entwickelt sich schließlich zu einer spannenden Story, die ein paar Erkenntnisse über das Geschehen im Rahmen einer der wichtigsten Sportarten bringt und eine mit der findigen Geschichte eines Fußballers überaus fesselt.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die falsche Neun von Philip Kerr
ISBN: 978-3-608-10025-9


Sonntag, 5. Februar 2017

Mordsenten

Erwin Düsedieker hat bald Geburtstag und eine Überraschungsparty ist so ziemlich das Letzte, was er sich wünscht. Deshalb macht er sich eines Morgens im Nebel auf den Weg, um einige Sachen im Nachbarort zu besorgen. Mit ihm unterwegs sind seine Enten Lothar, Lisbeth und deren Sohn Alfred. Gemeinsam durchwaten sie den Bach, der durch die Unterführung der Bundesstraße plätschert. Unbemerkt belauscht Erwin hier einen Streit, der sich auf der Straße abspielt. Allerdings kann Erwin nicht alles verstehen, was gesprochen wird. Doch nur kurz darauf wird Bürgermeister Kleinebregenträger ertrunken in eben jenem Bachlauf aufgefunden. Erwin überläuft es heiß und kalt, sind etwa er und seine Ermittlungsenten wieder gefragt?

So ein wenig führt der Autor den Leser mit seinen Ortsangaben in die Irre, aber dennoch kann man sich die Gegend, in der Erwin Düsedieker seine Untersuchungen betreibt, gut vorstellen. Da gibt es viel Land und wenig sonst. Und vermutlich durch die Eingemeindungen gehören hier zwei Winzlingsdörfer zusammen, die durch die Bundesstraße getrennt nicht viel verbindet. Man könnte sagen, die einen sind eher die Großkopferten und die anderen die armen Geschwister, vielleicht sind sie sich sogar spinnefeind. Aber natürlich nur im Verborgenen. Und Erwin, früher als Dorfdepp verschrieen, muss manchmal noch gegen alte Vorurteile ankämpfen. Andere haben es da leichter, sie können schnell mal ein Gerücht in die Welt setzen. Doch mit dem Tod des Bürgermeisters, der auch als Unfall erklärt werden könnte, hat es sicher etwas auf sich. Etwas schwerfällig zwar, aber hartnäckig und zielstrebig setzt sich Erwins Denkapparat in Gang.

Der vorliegende Roman ist bereits der vierte um Erwin Düsedieker und seine Enten. Es ist für das Verständnis des Falles nicht notwendig, die vorherigen Bände zu kennen. Dennoch könnte die Lektüre sich lohnen, um Erwins Vorgeschichte noch besser ausloten zu können. Die Namensgebung, die der Autor seinen Schöpfungen angedeihen lässt, zeugt von einigem Lokalkolorit und auch genauer Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten. Man schmunzelt, wenn man daran denkt, dass solche Namen in gewissen Gegenden wirklich existieren und der Autor sich mit leichten Abwandlungen hat inspirieren lassen. Und mit den Namen kommen auch die Charaktere, die das dörfliche Leben so gut widerspiegeln. Die Bauernschläue, die Ränkeschmiede im Gegensatz zu denen, die die Gemeinde zusammenhalten, die sich kümmern. Die feuchtfröhlichen Abende und die arbeitsreichen Tage. Originale sind sie irgendwie alle, die hier auftauchen. Zwar benötigt man als Städter vielleicht ein paar Seiten, um sich mit dem Landleben zu akklimatisieren, doch wenn man das geschafft hat, verschaffen einem Erwin und seine Enten ein paar äußerst vergnügliche Stunden, in denen man einem hinterlistig geschmiedeten Komplott auf die Schliche kommt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Erwin, Enten, Präsidenten von Thomas Krüger
ISBN: 978-3-453-41981-0






Samstag, 4. Februar 2017

Magisches Wasser

Die 17jährige Emma muss immer häufiger schwimmen. Nach außen hin ist sie eine ganz normale Schülerin, allerdings ohne viele Freunde. Nur ihre Freundin Heather hält zu ihr. Das größte Geheimnis behält Emma jedoch für sich. So wie ihre Großmutter ihr es erklärt hat, sie wandelt sich vom Menschen zur Meerjungfrau und dann kann sie nicht mehr an Land leben. Ihre Adoptiveltern wissen nichts davon und auch nicht ihr Bruder Keith, der allzu schnell Freundschaft schließt und den falschen Leuten vertraut. Doch dann kommt ein Neuer an die Schule. James. Und Emmas Wunsch doch an Land bleiben zu können wird immer größer.

Beim Lesen der Beschreibung denkt man natürlich sofort an das Märchen von der kleinen Meerjungfrau und ist neugierig, wie das Thema auf moderne Art umgesetzt werden könnte. Emma wurde dem Meermann Merrick versprochen, der immer eindringlicher auf sein Recht pocht. Und zu James fühlt sich Emma gleichzeitig sehr hingezogen, aber in dem Wissen, ihm ihr Geheimnis nicht anvertrauen zu können, schreckt sie davor zurück, James näher an sich heran zu lassen. Hinzu kommt Emmas Sorge um Keith, die man wegen einer leichten geistigen Behinderung kaum alleine lassen kann. Und dann ist da das Bedürfnis sich immer länger im Wasser aufzuhalten. Emma hat es wirklich nicht leicht.


Wohl als Beginn einer Reihe gedacht beginnt die Autorin mit der Vorstellung von Emma und ihrer Geschichte etwas über ein Jahr vor dem vermuteten Verschwinden der jungen Frau im Meer. Das macht einige Zeitsprünge nötig, die den Verlauf der Handlung etwas abgehackt erscheinen lassen. Dadurch wird es etwas schwierig, sich in Emmas Gefühlswelt hineinzuversetzen. Zwar kann man nachvollziehen, dass Emma kaum jemanden an sich heranlässt. Schließlich weiß sie und damit auch der Leser, dass sie bald nicht mehr da sein wird. Doch ihr Dilemma, der Drang zum Meer, dem sie eigentlich nicht folgen möchte, und der Schmelz einer neuen Liebe, der sie sich nicht hingeben darf, bleibt ohne große Wirkung. Man folgt Emmas letzten Monaten an Land doch recht distanziert. Die Neugier, die der Plot weckt, wird sicher nicht für jeden Leser befriedigt.

2,5 Sterne (🐳🐳)

Water so deep von Nichole Giles 
ISBN: 978-1-63034-014-8


Freitag, 3. Februar 2017

Chet, Ted und Brad

Während eines Rückfluges nach Boston lernt Ted Severson die attraktive Lily kennen. Erst seit kurzem hegt Ted den Verdacht, dass seine Frau eine Affäre hat. Da ist ein kleiner Flirt natürlich genau die richtige Ablenkung. Mehr durch Zufall kommt das Gespräch darauf, dass Miranda Teds Frau es eigentlich nicht verdient hat weiterzuleben. Ted und Lily schmieden einen Plan. Wieder in Boston angekommen, scheint das eher unwirklich, doch Lily hält an der Sache fest. 

Kann so ein Plan gelingen? Und wie kommt Lily überhaupt darauf? Im ersten Teil dieses Hörbuchs wird aus Sicht Teds und Lilys vorgetragen. Ted erzählt wie er seiner Frau auf die Schliche gekommen ist. Lily dagegen erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, von Erlebnissen, die es nachvollziehbar erscheinen lassen, dass man zumindest der Idee nachhängen kann, Menschen zu richten könne auch eine Lösung sein. Je länger sie ihre Ränke schmieden, desto mehr verfestigt sich in Ted die Idee, der Plan muss eher deshalb weiter verfolgt werden, um die Bekanntschaft mit Lily fortsetzen zu können. Ein Gedanke, dem Lily eher weniger nachhängt, sie ist einfach nicht jemand, der andere nahe an sich heranlässt. 


Beim Hören dieser Geschichte ist man hin und her gerissen. Mitreißend und gut gelesen werden die verschiedenen Personen, aus deren Perspektive berichtet wird. Und die Handlung wartet mit Wendungen auf, mit denen man überhaupt nicht rechnet, was natürlich dazu beiträgt, dass man gefesselt vor dem Abspielgerät hängt bis einem ein letztes Auflachen entlockt wird. Doch beginnt man zu überlegen, ob man nicht selbst zu spießig ist, um die Story richtig gut zu finden. Eine Lily, eine Lilith, kann man die gut finden? Findig ist sie zumindest, sie versteht es die Gelegenheiten, die sich bieten, zu nutzen. Und Halbwahrheiten so zu drehen, dass sie in günstigem Licht dasteht. Dagegen nimmt sich Ted wie ein Unschuldslämmlein aus, dem ein Mord eher ein Gedankenspiel ist als etwas, das tatsächlich passieren soll. Und man bleibt unschlüssig, was man von Lily halten soll. Und von allen anderen Personen, für die spricht, dass sie vielschichtiger sind als es zunächst scheint. Gerade das ist es, was schließlich doch an das Hörbuch fesselt.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳)

Die Gerechte von Peter Swanson
ISBN: 978-3-8371-3721-7


Donnerstag, 2. Februar 2017

Immobilienhaie

Endlich wird sie ihn los, denkt Cornelia. Endlich soll die Scheidung von Hans ausgesprochen werden. Morgen schon will sie mit ihrer sechsjährigen Tochter Astrid dieses Unglückshaus verlassen und ihn ihre eigene Wohnung ziehen. Doch am Morgen des Auszugs muss ausgerechnet Astrid ihren Vater tot in dem Bett findet, das er im Gästezimmer aufgeschlagen hat. Cornelia ist entsetzt, aber auch erleichtert, denn nun ist sie ein für alle mal vor Hans` Übergriffen sicher. Der Kommissarin Emma Sköld wird die Leitung der Ermittlungen in diesem Fall übertragen. Sie weiß seit kurzem, dass sie schwanger ist. Das soll ihre Untersuchung allerdings genauso wenig beeinflussen wie die Tatsache, dass ihre Schwester Josefine mit der Frau des Opfers befreundet ist.

Mit ihren Debütroman ist Sofie Sarenbrant eine fesselnde Beschreibung der Nöte einer jungen Frau gelungen. Man kann die Erleichterung nachempfinden, die sie über den Tod ihres Mannes, der sie jahrelang gequält hat, fühlt. Man begleitet die Ermittlung der Polizistin Emma, die in einer noch neuen und dem Anschein nach eher unsicheren Beziehung lebt. Und man bedauert die gestresste Josefine, die sich um ihre Kinder kümmert und deren Mann irgendwie abwesend wirkt. Zunächst mit Sorge muss man mitansehen, wie sich die Ermittlung nach und nach immer mehr gegen sie wendet. Doch mit der Zeit beginnt man selber, die Verdachtsmomente zu sehen. Hat sie tatsächlich alles inszeniert, um ihren Mann loszuwerden?


Der Roman ist in relativ kurze Kapitel untergliedert, wodurch die Handlung eine Geschwindigkeit und Spannung bekommt. Gut gelungen ist die Streuung der kleinen Informationen, die schließlich dazu führen, dass der Verdacht um Cornelia sich mehr und mehr verdichtet. Man fängt selbst an zu zweifeln und fragt sich, ob ihre Lage in ihrer unglücklichen Ehe sie nicht vielleicht doch dazu gebracht haben könnte, sich und Astrid endgültig in Sicherheit zu bringen. Man möchte es nicht glauben und wird doch dahin geleitet. Kann es nicht doch noch andere Spuren geben? Die Verquickung der Geschichten der Hauptpersonen ist überraschend. Man fragt sich, ob Emma im wirklichen Leben auch in einem Fall ermitteln dürfte, der das Leben ihrer Schwester und damit auch ihr eigenes berührt. Und ein weiterer Handlungsstrang erweckt den Eindruck, er sei etwas weit hergeholt. Doch gerade die Schilderungen um Cornelia wirken sehr authentisch und lebensnah. Dies zusammen mit der angenehm zu lesenden Sprache und den schnell wechselnden Schauplätzen verleiht dem Roman seinen Reiz. Es ist zwar noch Luft nach oben, doch als Debüt ist dieser Kriminalroman sehr ansprechend und lesenswert.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Der Mörder und das Mädchen von Sofie Sarenbrant
ISBN: 978-3-8412-1276-4



Mittwoch, 1. Februar 2017

Jugendfreunde

So treffen wir sie wieder die Paare Mathilde und Max, Alice und Adrien, Lucie und Christophe, Éva und Vincent und natürlich auch Jacques und Fred, die im Leben zweier der Damen kräftig mitmischen. Diesmal aus Sicht der Männer berichtet dürfen wir an einem Jahr aus dem Leben dieser Gruppe von Freunden teilhaben.

Gleichzeitig erschienen sind die beiden Bände „Fast perfekte Heldinnen“ und „Männer von fast perfekten Heldinnen“. Und wenn das eine Buch Interesse und Begeisterung wecken konnte, sollte das andere im zeitlichen Zusammenhang gelesen werden. Denn erneut stürzt man in das turbulente Miteinander oder Gegeneinander, das Zerfallen alter Beziehungen und die Anbahnung neuer zarter Bande. In diesen beiden Büchern wird vielleicht jeder eine andere Lieblingsgeschichte finden und unterschiedliche fast perfekte Heldinnen oder Helden werden Sympathie wecken.

Die Idee einer solch parallelen Erzählung in zwei getrennten Bänden gibt dem Komplex einen besonderen Reiz. Natürlich wäre es möglich gewesen, die Perspektive während der Handlung fortlaufend zu wechseln. Allerdings wirkt die Konzentration jeweils auf Heldinnen oder ihre Männer auf mich mitreißender und dem Geschlecht zugewandter, das gerade die Hauptrolle einnimmt.

Dieses Roman-Duo entführt in eine lebendige Metropole voller Menschen, die man zwar mal mehr oder mal weniger mag, die jedoch den ganzen Facettenreichtum heutiger Beziehungen unaufdringlich zeigen und in angenehmer Weise nachempfindbar machen. Obwohl mir die Heldinnen etwas besser gefallen haben als die Männer, fand ich die Idee, über den selben Zeitraum von unterschiedlichen Personengruppen berichten zu lassen, sehr ansprechend und fesselnd.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳)

Männer von fast perfekten Heldinnen von Adèle Bréau

ISBN: 978-3-548-61326-0