Sonntag, 5. Februar 2017

Mordsenten

Erwin Düsedieker hat bald Geburtstag und eine Überraschungsparty ist so ziemlich das Letzte, was er sich wünscht. Deshalb macht er sich eines Morgens im Nebel auf den Weg, um einige Sachen im Nachbarort zu besorgen. Mit ihm unterwegs sind seine Enten Lothar, Lisbeth und deren Sohn Alfred. Gemeinsam durchwaten sie den Bach, der durch die Unterführung der Bundesstraße plätschert. Unbemerkt belauscht Erwin hier einen Streit, der sich auf der Straße abspielt. Allerdings kann Erwin nicht alles verstehen, was gesprochen wird. Doch nur kurz darauf wird Bürgermeister Kleinebregenträger ertrunken in eben jenem Bachlauf aufgefunden. Erwin überläuft es heiß und kalt, sind etwa er und seine Ermittlungsenten wieder gefragt?

So ein wenig führt der Autor den Leser mit seinen Ortsangaben in die Irre, aber dennoch kann man sich die Gegend, in der Erwin Düsedieker seine Untersuchungen betreibt, gut vorstellen. Da gibt es viel Land und wenig sonst. Und vermutlich durch die Eingemeindungen gehören hier zwei Winzlingsdörfer zusammen, die durch die Bundesstraße getrennt nicht viel verbindet. Man könnte sagen, die einen sind eher die Großkopferten und die anderen die armen Geschwister, vielleicht sind sie sich sogar spinnefeind. Aber natürlich nur im Verborgenen. Und Erwin, früher als Dorfdepp verschrieen, muss manchmal noch gegen alte Vorurteile ankämpfen. Andere haben es da leichter, sie können schnell mal ein Gerücht in die Welt setzen. Doch mit dem Tod des Bürgermeisters, der auch als Unfall erklärt werden könnte, hat es sicher etwas auf sich. Etwas schwerfällig zwar, aber hartnäckig und zielstrebig setzt sich Erwins Denkapparat in Gang.

Der vorliegende Roman ist bereits der vierte um Erwin Düsedieker und seine Enten. Es ist für das Verständnis des Falles nicht notwendig, die vorherigen Bände zu kennen. Dennoch könnte die Lektüre sich lohnen, um Erwins Vorgeschichte noch besser ausloten zu können. Die Namensgebung, die der Autor seinen Schöpfungen angedeihen lässt, zeugt von einigem Lokalkolorit und auch genauer Kenntnis der örtlichen Gegebenheiten. Man schmunzelt, wenn man daran denkt, dass solche Namen in gewissen Gegenden wirklich existieren und der Autor sich mit leichten Abwandlungen hat inspirieren lassen. Und mit den Namen kommen auch die Charaktere, die das dörfliche Leben so gut widerspiegeln. Die Bauernschläue, die Ränkeschmiede im Gegensatz zu denen, die die Gemeinde zusammenhalten, die sich kümmern. Die feuchtfröhlichen Abende und die arbeitsreichen Tage. Originale sind sie irgendwie alle, die hier auftauchen. Zwar benötigt man als Städter vielleicht ein paar Seiten, um sich mit dem Landleben zu akklimatisieren, doch wenn man das geschafft hat, verschaffen einem Erwin und seine Enten ein paar äußerst vergnügliche Stunden, in denen man einem hinterlistig geschmiedeten Komplott auf die Schliche kommt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Erwin, Enten, Präsidenten von Thomas Krüger
ISBN: 978-3-453-41981-0






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