Freitag, 31. März 2017

Flynns Wahrheit

Der Literaturagent Peter Katz wird sehr neugierig als der Autor Richard Flynn ihm ein Exposé und die ersten Seiten eines Romans zukommen lässt. Darin geht es um einen Mord, der vor langen Jahren begangen wurde und in den Flynn verwickelt war. Bevor Katz jedoch mehr erfahren kann verstirbt Flynn an einer schweren Krankheit. Katz kann jedoch nicht von der Sache lassen und will nun selbst herausfinden, was Richard in seinem Manuskript zu sagen hatte. Die Suche nach der Wahrheit gestaltet jedoch völlig anders als erwartet.

Die Ereignisse aus der Sicht verschiedener Personen, x-mal das Gleiche lesen? Man könnte befürchten, dass es da zu Längen kommen kann oder gar muss. Doch weit gefehlt, zum Glück. Bei der Wahrheit aus verschiedenen Blickwinkeln kommen recht unterschiedliche Wahrheiten heraus, die sich überschneiden oder ergänzen und manchmal auch ähneln, die aber nie völlig gleich sind. Und das macht einen besonderen Reiz aus. Wie bei der Häutung einer Zwiebel entblättert sich nach und nach ein Gesamtbild, das irgendwie immer noch Rätsel aufgibt. Nicht alles wird komplett geklärt. Jede Wahrheit ist sehr von der Sicht auf die Wirklichkeit der Person geprägt, deren Gedanken gerade im Mittelpunkt stehen. Immer tiefer dringt der Autor in die verschiedenen Schichten vor und wirft dabei immer neue Fragen auf. Wahrhaft angefixt bleibt man an dem Roman kleben. Wenn man als passionierter Leser von Kriminalromanen vielleicht auch gerne eine komplette Aufklärung wünschte, so ist man doch fasziniert von dem geschickten Aufbau der Story, die hinter jeder Ecke eine neue Spur vermuten lässt.


Hervorragend ist hierbei auch die Produktion des Hörbuches, bei dem die unterschiedlichen Teile von unterschiedlichen Lesern vorgetragen werden. Diese wurden ausgesprochen passend für ihre Parts ausgesucht und malen mit ihren Stimmen ein lebendiges Bild der Szenerie. Ein sehr gelungenes Hörbuch für einen sehr gelungenen Roman.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Buch der Spiegel von E. O. Chirovici
ISBN: 978-3-844-52544-1


Donnerstag, 30. März 2017

Savior

Die bekannte Fernsehjournalistin Konstanze Friedrichs wird in einer Klinik als Patientin aufgenommen. Sie wird behandelt von Dr. Nadja Schönberg, die selbst ein traumatisches Ereignis überwinden musste. Doch Nadja fühlt sich gut und in der Lage die Behandlung der Promi-Patientin zu übernehmen. Sie ist überzeugt, Konstanze helfen zu können. Nadja ist um Neutralität bemüht und sie versucht deshalb, sich die Geschichte ihrer Patientin auch aus der Sicht der weiteren Beteiligten anzuhören. Dabei erlebt sie ein paar Überraschungen, die es ihr erschweren, sich voll und ganz auf Konstanze zu konzentrieren. Auch ein alter Fall lässt Nadja nicht los.

Unbedingt will Nadja Schönberg ihre Kollegin überzeugen, dass sie wieder ganz die Alte ist, dass sie in der Lage ist, einen schwierigen Fall zu übernehmen. Sie freut sich, dass ihr Vorgesetzter, ihr Vertrauen schenkt und ihr die Behandlung dieser außergewöhnlichen Patientin überlässt. Doch nach und nach muss Nadja feststellen, dass die Ereignisse von früher nicht jede Wirkung verloren haben. Etwas Bestimmtes darf sich nicht wiederholen und muss unbedingt verhindert werden. Es ist Nadjas Verantwortung und Nadja ist die Einzige, die die Rettung bringen kann. Immer tiefer versucht sie in die Psyche ihrer Patientin hinein zu fühlen, immer mehr beginnt sie aber auch nachzuforschen, wie deren Mitmenschen die Phase vor der Einlieferung in der Klinik erlebt haben. 


Ein besonderes Psychogramm zweier Frauen zeigt die Autorin hier auf. Zwei Menschen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben, die aber doch in Wechselbeziehungen stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Wie bei einem Thriller zu erwarten geschieht dies nicht immer zum Besten der handelnden Personen. Unweigerlich wird man von der Geschichte in den Bann gezogen. Was zunächst wie eine normale Behandlung psychischer Probleme beginnt, weitet sich zu einem Rätsel über mögliche Zusammenhänge, das bis zum Ende spannend bleibt. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Hinter allem könnte etwas Verborgenes stecken, eine kleine Manipulation hier oder dort entdeckt, könnte zu gegensätzlichen Schlüssen führen. Und so lässt man sich locken und folgt den Fährten, die die Autorin ausgelegt hat. Man wird feststellen, dass man nicht alles erahnen konnte und ein leises Frösteln bleibt zurück.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Seelenfeindin von Sabine Trinkaus
ISBN: 978-3-7408-0083-3



Dienstag, 28. März 2017

Genesis

Ende des 19. Jahrhunderts lernen sich die Jugendlichen Thomas und Charlie auf einem Elite-Internat kennen. Dort sollen sie lernen wie es ihrer Klasse geziemt, doch sie sollen auch lernen, den Rauch zu beherrschen. Kinder können es nicht, heißt es. Zu Beginn der Pubertät erlangen die Kinder langsam die Fähigkeit. Was aber ist der Rauch? Er entsteht bei jeder Gefühlsregung und scheint aus allen Poren zu quellen. Für die Jungen adliger Herkunft wird es allerdings nicht als angebracht angesehen, zu rauchen. Und so üben sie sich in Selbstbeherrschung und Kühle. Bei aller Beherrschung sind junge Menschen aber auch neugierig und sie wollen das Geheimnis des Rauchs ergründen.

Die so genannten einfachen Menschen dürfen rauchen, sie haben ja sonst nichts zu sagen. Für die vermeintliche Elite wird es allerdings nicht als angebracht angesehen. Und so wird er ein Zeichen der Trennung, dieser Rauch. Einher geht er mit einer Abschottung Englands nach außen. Die Menschen wissen nicht, wie es in anderen Ländern zugeht. Gibt es dort das Phänomen des Rauchs ebenso? Wie die Völker damit um? Sehen sie es als ganz normal oder ebenfalls als Zeichen der Sünde? Gibt es eine Heilung? Bedarf es dieser überhaupt? Nun, auch in England gibt es geheime Bewegungen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen. Doch haben diese nur lautere Ziele? 

Soll man dieses Buch einfach nur als Roman lesen oder mehr wie ein Gleichnis auf die heutige Gesellschaft? Jedenfalls finden Charlie und Thomas alsbald heraus, dass die Welt nicht so ist, wie es ihnen vorgegaukelt wird. Und das ist sicherlich in die heutige Zeit übertragbar. Es ist an einem selbst, zu überlegen, was man glauben soll oder besser was man glauben kann. Dazu bedarf es eigener Recherche aus verschiedenen Quellen, um einen Querschnitt zu bekommen, aus dem man für sich eine Quintessenz ziehen kann. So wie Charlie und Thomas sich aufmachen, nach der Wahrheit zu suchen und den Versuch starten, sich von der Bevormundung zu befreien, kann man es vielleicht selbst versuchen, getragen von der Hoffnung eine Verbesserung herbei zu führen, aber im Bewusstsein, dass dies nicht immer der Fall sein wird.


Ein packender Roman von Dan Vyleta, der eher von zeitgeschichtlichen Romanen bekannt ist. Auch mit diesem Werk, das vielleicht als Dystopie angesehen werden kann, schafft es der Autor eine düstere Welt erstehen zu lassen, die durchaus Parallelen zur in Teilbereichen nicht allzu schönen Gegenwart aufweist. Man beginnt zu hinterfragen, durch welchen Rauch oder dessen Beherrschung man selbst klein gehalten wird und was man dagegen unternehmen sollte.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Smoke von Dan Vyleta
ISBN: 978-3-570-58568-9




Montag, 27. März 2017

Die Liste

Detective William Fawkes wird zu einem Leichenfund gerufen, wer kaum zu ertragen ist. Was zunächst wie eine Leiche, die erhängt wurde, entpuppt als eine Art zusammengestückeltes Etwas, das an Schauderhaftigkeit kaum zu überbieten ist. Sechs Menschen wurden ermordet, um dieses Gebilde zu schaffen. Und wieso blickt das Fenster in Fawkes’ Wohnung genau auf diesen Fundort? Fieberhaft beginnt die Polizei mit ihren Nachforschungen.Die Opfer sind unbekannt und es scheint keine Verbindung zwischen ihnen zu geben. Als ob das nicht schon schlimm genug ist, taucht auch noch eine Liste auf, mit der weitere Todesfälle angekündigt werden. Und nun beginnt ein Wettlauf mit der Zeit zur Rettung der Menschen, deren Name auf dieser Liste steht.

Welch ein Szenario, schlimmer kann es kaum kommen, sechs unbekannte Tode und sechs Namen auf einer Liste, die sich vermutlich in größter Gefahr befinden. Die ermittelnden Beamten gönnen sich keine Ruhe und setzen ihre privaten Beziehungen aufs Spiel. Hintergründig sind teilweise auch die Beziehungen unter den Polizisten. So ist der leitende Ermittler William Fawkes aus einer Suspendierung zurückgekehrt. Er war in psychiatrischer Behandlung und es ist ungewiss, wie gut er die Erkrankung überstanden hat. Und auch scheinen die Kollegen nicht immer optimal zusammen zu arbeiten.


Mit seinem Erstlingswerk ist dem Autor ein ausgesprochen spannender Thriller gelungen, der einige sehr grausame Szenen aufweist. Ein besonderes Augenmerk wird zusätzlich auf die akribische Ermittlungstätigkeit gelegt, die das Buch sehr spannend macht. Doch manchmal sind die Szenenwechsel etwas abrupt, so dass man einen Moment innehalten muss, um sich kurz noch einmal zu orientieren. Die Namensgebung des leitenden Ermittler als William Oliver Layton-Fawkes kurz Wolf weist zwar zum einen einen gewissen Witz auf, zum anderen ist es aber nicht ganz leicht sich die verschiedenen Versionen seines Namens zu merken und diesen dann auch noch von dem Kollegen Finley zu unterscheiden. Und so ist es manchmal wirklich schwierig am Ball zu bleiben. Weiterhin ist die Handlung hin und wieder wie eine Tour de Force, mit der man sich anfreunden muss. Nicht jedem wird es gelingen. Es kann wohl sein, dass die Zumutung etwas groß gerät. Wieso nach diesem Start noch weitere Bände um Fawkes folgen sollen, bleibt unklar. Leider vermochte dieser zwar mit einer ausgesprochen fiesen und verwickelnden Geschichte punktende Thriller nicht völlig zu überzeugen.

2,5 Sterne (🐳🐳+)

Ragdoll von Daniel Cole
ISBN: 978-3-8437-1471-6


Sonntag, 26. März 2017

Hallo Leipzig 2017

Am Freitag, den 24.03.2017, ging es bei strahlendem Sonnenschein erst zum Zug und damit zur Leipziger Buchmesse. Dank des Sonderhaltes am Messe-Bahnhofs konnte ich mir die Straßenbahn der Ölsardinen sparen und kam sehr entspannt am Messegelände an. Man lernt ja jedesmal dazu und so bin ich diesmal auch gleich zum Presseeingang gegangen. Das ist immer wieder ein tolles Gefühl, wenn man als Blogger zur schreibenden Zunft gezählt wird. Bereits ein paar Tage vor dem Start hatte ich mir die Buchmesse-App vorgenommen und mir markiert, welche Verlagsstände ich gerne besuchen möchte und welche Veranstaltungen mich interessieren (Lob für die Macher der App, die ist sehr informativ). Zusätzlich hatte ich mir noch ein paar andere Termine gesetzt.


Zunächst ging es für mich zu den Aufbau-Verlagen, dort gab es ein paar tolle Bücher zu erfühlen und mit Blicken zu umschmeicheln. Ich freue mich schon sehr auf „Cyrus Doyle und der herzlose Tod“ von Jan Lucas, Start einer neuen Reihe, die auf Guernsey spielt. Die Kanalinseln möchte ich sehr gerne einmal bereisen, selbst wenn es nur literarisch ist. Eine kurze und sehr freundliche Begegnung hatte ich mit Frau Seiler, die beim Aufbau-Verlag unter anderem die Blogger betreut und diese Aufgabe immer mit ein paar persönlichen Worten ausgesprochen sympathisch erledigt. Gerne möchte ich auch „Sweetbitter“ von Stephanie Danler empfehlen, da machen schon die ersten Kapitel Appetit auf mehr.

Vor kurzem hatte ich die Gelegenheit „Billy the Beast“ von Jörg Menke-Peitzmeyer lesen zu dürfen.   Ein guter Anlass, sich auch die Lesung des Autors anzuhören. Bei dem Debütroman handelt es sich um einen Coming-of-Age Roman. Der wohlbeleibte Bert fühlt sich in seiner Haut nicht wohl und ist wohl nicht nur wegen seines Gewichts ein Außenseiter. Doch er sieht seine Lage mit Ironie und Humor und das hat der Autor bei seiner Lesung bestens zum Ausdruck gebracht. 





Weiter ging es für mich zu den Ständen bekannter und auch nicht ganz so bekannter Verlage, die ich neugierig beäugt habe. Es gibt einfach zu viele schöne Neuerscheinungen, die Augen möchten einem übergehen. Ich wünschte mir, die Tage hätten 48 Stunden mindestens und selbst das würde noch nicht reichen, um all den tollen Büchern gerecht zu werden. 

Sehr neugierig war ich auf eine Veranstaltung mit dem Titel „Der nasse Fisch“. Das kennst du doch, dachte ich. Und tatsächlich der erste Krimi um Kommissar Gereon Rath von Volker Kutscher wurde von dem Zeichner Arne Jysch in Comic-Bilder gekleidet. Autor und Zeichner gaben ein gemeinsames Interview. Mit großem Interesse lauschte ich, wie der Zeichner letztlich das ganze Buch auseinander genommen hat, um es als Comic wieder zusammen zu fügen. Wie gut sich Kutscher und Jysch verstanden und welche Hilfestellung der Autor leisten konnte. Auf die Frage zum Beispiel, ob der Comic nicht auch hätte in Farbe gedruckt werden können, kam zum einen die ehrliche Antwort, dass das eine Kostenfrage sei und anderen aber auch die ebenso ehrliche Antwort, dass es zwar durchaus schon etliche Photographien aus der Zeit gäbe, die aber sehr häufig in schwarz weiß seien. Das Buch scheint ausgesprochen gut in Bilder umgesetzt zu sein. Die ausgesprochen gute Krimi-Reihe um Gereon Rath verdient jede Aufmerksamkeit und eine Graphic Novel kann da genau das Richtige sein.


Nach der Mittagspause hatte ich mich noch mit der Autorin Ellen Dunne verabredet, die ich bisher nur aus dem großen weiten Netz und natürlich von ihren Büchern kannte. Besonders ihr erstes Buch „Wie du mir“, das in Nordirland spielt hat es mir angetan. Mitreißend und intelligent geschrieben erhält man einen Einblick in den Nord-Irland Konflikt. Fast tat es mir ein wenig leid, dass das zweite Buch für mich nur zweiter Sieger war. Interessant war dann Ellens Erfahrung teilen zu dürfen, dass es eben welche gab, die das erste Buch liebten und andere, denen das zweite am besten gefiel. Und nun bin ich sehr gespannt auf das kommende dritte Buch, bei dem es es sich um einen Krimi handeln wird. Ein Krimi - wie für mich gemacht. „Harte Landung“ wird er heißen um im August 2017 beim Insel Verlag erscheinen. Ein wunderbares Treffen, an das ich mich gerne erinnern werde, und eine Bekanntschaft, die sich hoffentlich über das Netz erhalten lässt. Während unseres Gesprächs stakste auch Jussi Adler-Olsen durch die Gegend, der wohl eine sehr anstrenge Signier-Runde und Foto-Session zu überstehen hatte.

Und noch einmal ging es weiter zu dem Lovelybooks Frage Freitag, bei dem der Autor Su Turhan zu Gast war. Er schreibt eine Krimi-Reihe um den Kommissar Zeki Demirbilek, einen Münchner Türken, der gar kein Chef sein möchte. Gerade an den letzten beiden Donnerstagen liefen die ersten Verfilmungen im TV, von denen ich zumindest die Gelegenheit hatte, den ersten Teil zu sehen, der mir sehr gut gefallen hat. Sympathisch und lebhaft gab der Autor zu den vielfältigen Fragen ausführlich und humorig Antwort. Auch ich hatte konnte die Gelegenheit wahrnehmen, eine Frage zu stellen. Das war dann gewissermaßen meine erste Interview-Frage, was mich durchaus zu der Überlegung verleitet, ob ich es nicht auch mal mit einem richtigen Interview versuchen könnte. Schaun wir mal. Teile der Veranstaltungen von Lovelybooks wurden im Übrigen aufgenommen und die Filme wurden auf fb geteilt. Wenn sich alle Gäste zu offen und freundlich geäußert haben, könnte es sich sicher lohnen, mal in die Filme hereinzuschauen.

Und natürlich gab es auch das obligatorische zufällige Treffen mit Sonja und Sina, immer wieder eine Freude.

Mit einem leckeren Frozen-Yogurt im Magen ging es dann auch schon wieder zum Bahnhof und zurück in die Heimat.



Samstag, 25. März 2017

Das Trauma unserer Zeit

Nach seinem Afghanistan-Einsatz soll der Soldat Romain Roller ein paar Tage auf Zypern entspannen. Ein Debriefing sozusagen, eine Verarbeitung. Dies allerdings erweist sich als unmöglich, denn Roller hat nur knapp überlebt während seine Kameraden schwer verletzt wurden oder starben. Wenn man sich schuldig fühlt, kann das Überleben zur Qual werden. Einzig das Zusammentreffen mit einer Journalistin, die er gerade kennengelernt hat, scheint ihm etwas Frieden bringen zu können. Die junge Frau ist jedoch mit einem bekannten französischen Manager liiert. Als dieser durch eine grobe Unachtsamkeit in Schwierigkeiten gerät, erhält er unerwartet Hilfe durch einen politischen Aufsteiger, der seinerseits zumindest zeitweilig die Gunst verloren zu haben scheint.

Journalisten, Krieger, Manager, Politiker - aus diesen Fäden webt die Autorin Karine Tuil ein dichtes Netz. Jeder scheint seinen eigenen Krieg zu führen, der mit rohen und aufwühlenden Worten geschildert wird. Es zeichnet sich ein Bild unserer Zeit, von Haltlosigkeit, Unruhe, Leere gekennzeichnet. Aufstieg und Abstieg sind in Null Komma Nichts möglich. Man wähnt sich sicher, sollte glücklich sein und ist doch nicht zufrieden. Man glaubt, die Gesellschaft stoße einen fort, und muss doch erkennen, dass sich die Meinung eben der Gesellschaft mitunter schneller ändert als der Wind wechselt. Eine heutige Welt, in der man weder sich selbst noch das Gefüge verstehen kann. Machtspiele geben sich den Anschein wichtiger zu sein als alles andere. Die Hauptpersonen sind mit sich selbst nicht im Reinen und die Umgebung sei es persönlich oder beruflich verschlimmert die Lage eher. Echte Hilfe scheint es nicht zu geben, echte Verarbeitung oder Selbsterkenntnis ebenfalls nicht. Wie Blättchen im Wind verändern sich die Situationen, beeinflusst von außen, kaum durch innere Stärke gesteuert. 


Dieser Roman zeichnet ein schwer verdauliches Bild unserer Zeit, traumatisierte Soldaten, selbstgefällige Unternehmer, wetterwendische Politiker, getriebene Journalisten. Starker Tobak, Rauch, an dem man sich wahrlich verschlucken kann. Ein Buch, das erschöpft und nachdenklich macht, das wenig Hoffnung lässt und den Leser mit ausgesprochen harten Szenen konfrontiert. Ein Buch, in dem ein Spiegel vorgehalten wird, dessen Bild sicher nicht jedem gefallen wird. Ein Bild, dessen Veränderung sicher in der Hand eines jeden selbst liegt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Zeit der Ruhelosen von Karine Tuil
ISBN: 978-3-8437-1557-7


Donnerstag, 23. März 2017

Catzinger

Die Mönche Bruder Nil und Bruder Andrei sind einem Geheimnis auf der Spur. Dabei ist Andrei der Gewitztere, allerdings verrät er nicht alles, was er weiß. Bald macht sich Andrei auf den Weg nach Rom, um weitere Spuren zu verfolgen. Doch er kommt nicht wieder zurück, seine Leiche wird neben den Bahngleisen gefunden und sein Tod wird als Selbstmord abgetan. Nil ist entsetzt und er trauert um seinen Freund. Sollte etwa die Ursache von Andreis Tod in seiner Suche zu sehen sein? Bruder Nil begibt sich auf die Spuren seines verstorbenen Mitbruders. Ungeachtet der möglichen Gefahren will er hinter das Geheimnis des 13. Apostels kommen.

Ist es wirklich so oder bildet es sich die Kirche nur ein? Sollte das Geheimnis um den 13. Apostel, dessen Existenz nicht wirklich nachgewiesen ist, tatsächlich den Bestand der Kirche wie wir sie kennen bedrohen? Natürlich ist einer der Grundpfeiler des Glaubens die Hoffnung auf die Wiederauferstehung und die Vergebung der Sünden. Aber geht es nicht auch um das Wort, die Nächstenliebe und die guten Taten, den Wunsch nach Frieden? Was wenn es zu Lebzeiten Jesu tatsächlich anders zugegangen als wir wie selbstverständlich annehmen? Was wenn die Apostel untereinander zerstritten gewesen wären, wenn es einen 13. Apostel gegeben hätte und wenn dieser eine andere Meinung vertreten hätte als Petrus?


Sehr interessant wie der Autor seine Geschichte aufbaut, er bringt Gedanken auf, die anders sind. Ein was wäre wenn, das ausgesprochen spannend und nicht belehrend geraten ist. Die Furcht der Kirchenoberen vor dem Verlust der Macht und was sie sie alles tun, nur um ihre Position zu erhalten, das kommt sehr gut und authentisch heraus. Ja, man traut es ihnen zu. Auch toll, mit welcher Hartnäckigkeit Nil die Wahrheit sucht, ohne dabei vom Glauben abzufallen. Seine Einsamkeit ist seine Zuflucht und Jesus bleibt sein Licht. Der Roman bietet einen fesselnden Denkansatz, der wenigstens einem Teil der heutigen Probleme der Religionen untereinander eine Lösungsmöglichkeit bieten könnte.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Geheimnis des 13. Apostels von Michel Benoît
ISBN: 978-3-404-92255-0


Mittwoch, 22. März 2017

Die Krankenschwester

Sophie Brinkmann kümmert sich um die Geschäfte von Hector Guzman, der nach einem Anschlag im Koma liegt. Ungewiss ist, ob er je wieder aufwachen wird. Doch Sophie tut ihr Bestes, um die Geschäfte am Laufen zu halten. Die Verhältnisse ändern sich als Hectors Bruder ermordet wird. Die Familie ist in Aufruhr, wer steckt hinter dem Attentat? Die Polizei kommt mit ihren Ermittlungen zunächst nur mühsam voran. Mehrere Fälle scheinen ineinander verwickelt zu sein. Und irgendwie ist Sophie zwischen die Fronten geraten.

Bei diesem Roman handelt es sich um den zweiten Teil der Sophie Brinkmann Trilogie. Da doch etliche Male Bezug auf die Vorgeschichte genommen wird, ist es wohl sinnvoll, zunächst den ersten Teil zu lesen. Der dritte Teil ist auf Schwedisch bereits erschienen. Ohne den Gesamtüberblick wirkt die Geschichte beinahe zwangsläufig etwas aus dem Zusammenhang gerissen. Zwar empfindet man Sympathie für Sophie Brinkmann, die eigentlich Krankenschwester ist und nun die Geschäfte des komatösen Drogenbosses führt. Doch manchmal wirkt sie doch recht hart. Und auch anderen Personen, die sich auf die richtige Spur begeben haben, ist ein schweres Schicksal beschieden. Nur scheibchenweise kommt eine Information zur anderen und langsam fügt sich ein Bild. Doch gelingt es nicht, sich in einen der Protagonisten besonders hineinzufühlen. Es mag wirklich zum Teil an der Unkenntnis des ersten Teils liegen, doch man wird nicht richtig warm mit der Story.

Dennoch ist die Lesung des Hörbuches durch Vera Teltz sehr gelungen. Sie haucht den Figuren mit warmer der beschriebenen Situation angemessener Betonung Leben ein und hält die Hörer bei der Stange. Leider ist bei dem Hörbuch von außen nicht sofort erkennbar, dass es sich um einen zweiten Teil handelt. Dieses Wissen hätte die Kaufentscheidung möglicherweise dahingehend verändert, dass man sich doch zunächst dem ersten Teil gewidmet hätte.


2,5 Sterne (🐳🐳+)

Der zweite Sohn von Alexander Söderberg
ISBN: 978-3-8695-2191-6


Sonntag, 19. März 2017

The Pain has Gone

Heute ist Hannah Gold eine bekannte Cellistin. Kurz vor dem Zusammenbruch der DDR war sie als Tochter eines hohen politischen Beamten in einer besonderen Situation. Im Jahr 1989 wurde ihre Kindheit jäh beendet. Ihr Vater geriet in die Fänge des Geheimdienstes und um ihm seine Geheimnisse zu entlocken, wurde die damals 7jährige Hannah vor seinen Augen gefoltert. Seit damals nimmt Hannahs Fähigkeit, körperliche Schmerzen zu  empfinden, immer mehr ab. 27 Jahre nach dem schrecklichen Ereignis taucht der totgeglaubte Vater plötzlich wieder in Berlin auf. Der abgehalfterte Journalist David Berkoff ist seit Jahren hinter einer bestimmten Story her. Ist jetzt seine Chance gekommen?

Wenn man eigentlich glaubt, man habe mit der Vergangenheit abgeschlossen, rechnet man keinesfalls damit, dass sie eines Tages vor der Haustür steht bzw. ein Konzert aufsucht. Doch genau das geschieht in Hannahs Leben. Völlig unerwartet besucht ihr totgeglaubter Vater eine ihrer Aufführungen. Nur wiederwillig trifft sich Hannah mit ihrem Vater. Sie will wissen, was damals wirklich geschah. Offensichtlich will auch ihr Vater etwas von ihr wissen. Doch für Hannah fühlt es sich so an als stünde ein Fremder vor ihr. Sie kann sich nicht überwinden, mit ihrem Vater zu sprechen. Just als sie beginnt ihren Entschluss zu hinterfragen, wird ihr Vater bei einem Anschlag getötet.

Eine Tochter auf der Suche nach der Wahrheit, ein Journalist auf der Suche nach der Wahrheit. Doch haben die beiden das selbe Ziel? Zunächst scheinen sie sich ergänzen zu können, doch jeder scheint auch ein eigenes Spiel zu spielen. Und mehr als nur ein Geheimdienst macht sich auf die Spur der Wahrheit. Werden Berkoff und Hannah Gold von den verschiedenen Diensten ausgenutzt und gegeneinander ausgespielt? Und schließlich ist es mit der Wahrheit wie mit den Geistern, die man rief und die man dann nicht mehr los wird? Äußerst spannend entwickelt sich die Jagd nach der Wahrheit. Berkoff muss dabei einiges mit seinem Gewissen ausmachen, schließlich sollte für die Story vielleicht doch nicht absolut jedes Mittel recht sein. Was aber, wenn man sich mit allen überworfen hat, die einem Arbeit verschaffen könnten. Und Hannah hat nach ihren schweren Erlebnissen eine besondere Persönlichkeit entwickelt. Schwer vorstellbar, keinen Schmerz empfinden zu können. Was im ersten Moment eine Erleichterung sein könnte, wird bald zu einer Unfähigkeit und einer Belastung. Schließlich sorgt ein Schmerz ja auch dafür, innezuhalten und einer Gefahr auszuweichen. Mit seinem Debütroman hat der Autor zwei ungewöhnliche Personen zu einem unfreiwilligen Team zusammengefügt, bei dem man sich fragt, ob und wie lange es funktioniert. Gepackt geht man dieser Frage nach und auch der Frage nach der Wahrheit. 


Ein fesselnder Thriller, der sehr  deutlich macht, dass die Vergangenheit viel länger wirken kann als einem mitunter lieb ist.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Nach dem Schmerz von Lucas Grimm
ISBN: 978-3-492-05778-3


Samstag, 18. März 2017

Schauspielerei

Der junge Marco ist tief betrübt als sein Ziehvater stirbt. Auf dem Landgut hat er es gut gehabt und er hätte sich hier noch eine glückliche Jugend erträumt. Doch Marco ist noch nicht volljährig und für den Fall des Falles hat Vittore den Prior und einen Advokaten als gemeinsamen Vollmund bestimmt. Und nun wird Marco ins Kloster gebracht, dort gefällt es ihm nicht so gut. Zusammen mit dem alten Vittore wollte er immer in die Stadt, es ist jedoch nicht mehr so weit gekommen. Jetzt steht auch noch zu befürchten, dass sich jemand sein Erbe unter den Nagel reißen will. Marco flieht aus dem Kloster und gerät an eine fahrende Schauspielertruppe, mit der er nach Padua gelangt.

Welch eine neue Welt, vom Land in die Stadt, vom Kloster ins Theater. So viele Eindrücke stürzen auf Marco ein. Er kann sich garnicht sattsehen oder fühlen. Der alte Intendant ist manchmal nicht mehr ganz Herr seiner Gedanken, aber er reimt begnadet aus dem Stehgreif und seine gewitzte Bauernschläue lässt ihn auch aus unangenehmen Situationen herauskommen. Auch wenn es so scheint als müsse man auf den Alten aufpassen, wird er doch eine Art väterlicher Freund für Marco. Seine Enkelin Elena entgeht Marcos Blicken beinahe, sie wirkt noch sehr jung. Catrina dagegen, die rassige Schöne, hat es Marco angetan.


Ein wenig vermischt sich die Handlung des Romans mit dem Schauspiel auf der Bühne. Das Theaterleben um 1594, das Schicksal des jungen Marco, das manchmal einem Stück zu gleichen scheint. Heiter wirkt dieser Roman durch die wohlgewählten Worte, die ihm diese Stimmung verleihen. Zwar gibt es auch ernste Momente, doch eher wird eine Komödie gegeben denn eine Tragödie. Und das ist ausgesprochen erfreulich, denn möchte man dem Alltag entfliehen und für ein paar Lesestunden ins Padua und Venedig des 16, Jahrhunderts eintauchen und etwas über die Commedia dell` Arte lernen, ist dieser Roman gerade das Richtige. Mit schönen Anspielungen auf den anscheinend damals auch schon über die Grenzen seines Landes hinaus bekannten Shakespeare, so dass man bei vielen Sätzen rätseln kann, auf welches Stück Bezug genommen wird. 

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Der König der Komödianten von Charlotte Thomas
ISBN: 978-3-431-03807-1


Donnerstag, 16. März 2017

Das Jahr Null

Eva Seger ist unsicher, soll sie ihrem Mann Hans sagen, dass sie schwanger ist. Eigentlich waren sie zufrieden damit, ihre Tochter Lea zu haben. Sie entschließt sich, erst zu sprechen, wenn Hans von seiner Geschäftsreise nach Schweden zurückgekehrt ist. Hans kann gerade noch mitteilen, dass er gut in Schweden angekommen ist, da bricht plötzlich das Telefonnetz zusammen. Und nicht nur das, der Strom ist weg und damit auch ein großer Teil dessen, was die Zivilisation zusammenhält. Schnell brechen Versorgung und Verkehrsnetze zusammen, jeder scheint sich selbst der Nächste zu sein. Und nicht wenige versuchen, ihren Willen mit Gewalt durchzusetzen. 

Der Gedanke an einen Totalausfall der Dinge, die unser heutiges bequemes Leben ausmachen, lässt einen Schaudern. Wie schnell geht die Zivilisation zugrunde? Gilt wirklich jeder gegen jeden? Oder kann es einen zwischenmenschlichen Zusammenhalt geben? Eine gegenseitige Unterstützung, die dabei hilft, die neue Welt anzunehmen? Wie weit ist es mit dem Glauben an die Menschheit? Soll man eher darauf hoffen, dass sich die Menschen schon zusammenraufen und wieder einen neuen Anfang wagen? Oder ist eine eher pessimistische Sicht wahrscheinlicher? Werden sich die  Menschen gegenseitig auch noch um das Letzte bringen, was ihnen verblieben ist? Blühende Landschaften oder verrottende Leichenberge?

Zum Glück haben mussten wir den Moment, in dem sich ein Schalter umlegt, noch nicht erleben. Örtliche begrenzte Katastrophen lösen häufe eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. So hofft man also so, dass auch eine umfassende Katastrophe irgendwie gemeistert würde. Aber kann man sicher sein? Eher nicht, und damit spielt der Autor. Er zeichnet ein eher pessimistisches Bild, bei dessen Anblick man beinahe die Hoffnung verliert. Und doch gibt es kleine Silberstreifen am Horizont. Zwar handeln viele je nach Situation, die sich ihnen stellt, mal mehr und mal weniger wie man es sich nach den heutigen Maßstäben erhoffen und erwarten würde, aber dennoch gibt es diejenigen, die die Zivilisation zusammenhalten können, die das Gut von Familie und Gemeinschaft hochhalten und verteidigen. Allerdings entsteht der Eindruck als wolle der Autor wirklich jede mögliche Facette der menschlichen Reaktionen auf die Katastrophe darstellen und so werden recht viele Personen eingeführt, was es manchmal etwas erschwert, den eigentlichen Handlungsfaden im Blick zu behalten. Auch wirken einige Beschreibungen schon etwas hart. Zum Glück kann man sich aber an die halten Personen halten, deren Verhalten Hoffnung auf einen Fortbestand weckt. Doch nachdenklich wird man schon, bei der Vorstellung wie schnell alles zusammenbrechen könnte.


Ein spannendes Werk über eine Zukunft, die wir so hoffentlich nie erleben werden.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Rattentanz von Michael Tietz
ISBN: 978-3-937357-44-7


Dienstag, 14. März 2017

Der Fremde daheim

Die 37jährige Sarah hat sich mit ihrem Sohn in ihrem Leben eingerichtet, dass so ganz anders geworden ist. Ihr Mann Phillip verschwand vor sieben Jahren während einer Geschäftsreise nach Südamerika. Und nun bekommt sie plötzlich die Nachricht, ihr Mann sei wieder aufgetaucht und werde mit dem nächsten Flug wieder in Hamburg ankommen. Sarah ist sehr unsicher, wie sie die Nachricht aufnehmen soll. Eigentlich ist es eine Freude, doch als sie ihrem Mann am Flughafen abholen soll, sieht sie einen Fremden. Einen Fremden, der ihr auch noch droht, ihn ja nicht auffliegen zu lassen. Sarahs Leben gerät zu einem Albtraum.

Man stelle vor, das Leben läuft wieder ganz gut. Der schwere Verlust ist langsam überwunden, man möchte nach vorne schauen. Und dann die Nachricht, mit der nach der langen Zeit nicht mehr zu rechnen war und das Entsetzen als ein Fremder vor einem steht. Einer, der einfach behauptet, der eigene Mann zu sein. Dieser Unglaube, der langsam im Gehirn verarbeitet werden muss. Als ob die Realität leicht verschoben ist. Irgendwie ist alles wie es sein soll, aber irgendwie fühlt es sich zehn Zentimeter daneben an. Sarah hat Angst vor dem Fremden, was will er in ihrem Leben. 


Sehr spannend aus Sicht Sarahs und des Fremden geschildert, zeigt sich nach und nach ein Bild von einem Ehepaar, das mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Fast schien es als sei das Losungswort vergessen. Wie geht man mit der Situation um, plötzlich einen Fremden im Haus zu haben. Jemanden, den man nicht einfach wieder los wird, es ist ja angeblich der eigene Mann. Mit leichter Hand geht die Autorin ein furchteinflößendes Dilemma an. Sie versteht es, die Phantasie anzuregen, über Sarahs Geschichte, die des Fremden und die einer Ehe. Man verschlingt die Seiten in Erwartung eines fulminanten Finales. Doch gerade als man eine spektakuläre Auflösung in Reichweite glaubt, präsentiert sich ein eher normales Ende, welches zwar etwas enttäuschend wirkt, schließlich aber genau dadurch doch wieder überrascht.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Wahrheit von Melanie Raabe
ISBN: 978-3-442-75492-2




Sonntag, 12. März 2017

Traum der Wissenschaft

Der Student Eli Wolf galt als Mathe-Genie, ein Unfall hatte in seinem Gehirn ungeahnte Kräfte freigesetzt, die er im Sinne der Wissenschaft nutzen wollte. Doch nun liegt der junge Mann erschossen in einem Waldstück. Detective Peter Decker und Tyler McAdams ermitteln. Zwar sieht es nach einem Selbstmord aus. Vielleicht steckt aber doch mehr dahinter. Jedenfalls kommen bei den Befragungen auffällig häufig Elis Forschungsergebnisse zur Sprache. Von den Mitstudenten bis zu den Dozenten scheinen viele ein großes Interesse an den Unterlagen zu haben. Hatte Eli eine besondere Entdeckung gemacht, die sich finanziell bezahlt machen könnte. Könnte da etwa ein Grund für seinen Tod zu sehen sein.

Tyler, der sich eigentlich auf eine Abschlussprüfung vorbereiten will, beteiligt sich mit Eifer an den Ermittlungen. Detective Decker gehört zu den Wenigen, von denen McAdams sich was sagen lässt. Er ist Tyler ein Vorbild und so zieht es Tyler eher zur Polizeiarbeit als zur Jurisprudenz. Ein Abschluss schadet aber nie und deshalb ermuntert Decker seinen Schützling wieder und wieder dazu, die Nase in die Bücher zu stecken. Mit jungendlicher Energie schafft es McAdams jedoch beides unter einen Hut zu bringen und neben der Büffelei nimmt er Anteil an den Ermittlungen. Gemeinsam versuchen Decker und McAdams Licht ins Dunkel zu bringen und entdecken dabei, dass der Wissenschaftsbetrieb nicht nur von der bloßen Forschung geprägt ist, sondern auch von Neid und Missgunst.


Mit Humor fechten Peter Decke, seine Frau Rina aber auch Tyler McAdams so manches Wortgefecht. Schlagfertig werfen sie sich die Wortbälle zu und brainstormen sich so zu Lösungsansätzen, die der näheren Betrachtung bedürfen. Mit menschlichem Einfühlungsvermögen, Witz und Intelligenz beflügeln sie sich gegenseitig. Je tiefer sie allerdings in die Abgründe des College-Betriebes eintauchen, desto mehr Ungereimtheiten fördern sie zutage. Es scheint ein Hauen und Stechen zu herrschen. Doch kann das ausreichend sein, um einen Todesfall herbei zu rufen? Mit leichter Hand beschreibt die Autorin den Verlauf der Ermittlungen. Bodenständige Polizeiarbeit verhilft den Ermittlern zu Erkenntnissen, die sie gemäß ihrem Alter mit Erfahrung und frischer Unvoreingenommenheit zusammen setzen. Ein klug konstruierter Plott fesselt dabei und die sympathischen Ermittler tun ihr Übriges, um die Lesezeit wie im Flug vergehen zu lassen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Am Anfang war dein Ende von Faye Kellerman
ISBN: 978-3-95967-632-8


Samstag, 11. März 2017

Outland

Eine Reiseberichterstattung über Marokko sollte es werden. In einem abgelegenen Grenzort allerdings geraten die Journalistin Sophie Schelling und ihr Begleiter in einen Hinterhalt. Viele Menschen kommen um und Sophie überlebt nur mit viel Glück und Hilfe von Unbekannten. Zurück in Berlin versucht sie die Erlebnisse zu verarbeiten, muss aber zu Ihrem Entsetzen feststellen, dass der Vorfall in der Presse völlig anders dargestellt wird als sie ihn erlebt hat. Sophie Schelling will nun die Wahrheit enthüllen. Konsterniert fühlt sie sich als ihr klar wird, dass nicht jeder an der Wahrheit interessiert ist. Nur nach und nach wird der Reporterin klar, dass sie sich durch ihre Nachforschungen in Gefahr begibt.

Nach den schrecklichen Ereignissen, mit denen dieser Roman beginnt, setzt sich die Handlung erstmal etwas gemütlich fort. Natürlich will Sophie Schelling berichten, dabei geht sie vorsichtig vor, um keine Angriffsfläche zu bieten. Wer legt sich schon gerne mit mächtigen Gegnern an. Doch nachdem sie mehr in Erfahrung gebracht hat und es Eingriffe in ihr eigenes Leben gab, spürt sie, dass sie eine Konfrontation nicht mehr vermeiden kann. Sophie überwirft sich dabei mit fast allen und kommt vielen anderen in die Quere. Sie versucht, sich selbst treu zu bleiben, ihr Durchhaltevermögen wird jedoch auf eine harte Probe gestellt. Ihre Gegner schrecken vor fast nichts zurück.

Immer steht während der Lektüre die Frage im Raum, wie nah an der Realität sich der Roman bewegt. Man befürchtet, es könne doch sehr nahe sein, obwohl man es lieber nicht glauben würde. So wie sich die Schlinge um Sophie Schellings Hals mehr und mehr zuzuziehen scheint, so bekommt man immer mehr ein Gefühl der Beklemmung. Gewisse Organisationen machen möglicherweise vor nichts halt, um ihre Ziele zu erreichen, und sei es nur das Ziel, gewisse Aktionen geheim zu halten. Je weiter man liest, desto mehr könnte man sich eine analoge Welt zurückwünschen, in der es doch etwas aufwendiger war, das Leben auch von unbescholtenen nur vielleicht unliebsamen Menschen negativ zu beeinflussen. 


Ein Buch, dass nach und nach immer mehr fesselt und verstört. In so einer Welt möchte man nicht leben. Oder lebt man etwa schon in so einer Welt?

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Never say anything von Michael Lüders
ISBN: 978-3-406-68892-8


Donnerstag, 9. März 2017

Spezialkommando

Zufällig befindet sich Luk Krieger, Mitglied einer Einheit zur Terrorbekämpfung, vor Ort als in einem Berliner Lokal eine Bombe gezündet wird. Sofort beginnen Spezialeinheiten der Polizei mit den Ermittlungen. Dabei wollen sie den Terrorismusexperten Krieger zunächst nicht dabeihaben. Krieger überzeugt die Leitende Kommissarin Cole mit seinen treffenden Analysen. Und schon bald führt eine Spur nach Köln. Das Entsetzliche kann jedoch nicht verhindert werden, in Köln geht eine zweite Bombe hoch. Man hofft allerdings, dem Täter auf der Spur zu sein, doch dieser wirkt sehr gut organisiert und informiert.

Dieser actionreiche Thriller ist ausgesprochen spannungsgeladen, kurze Kapitel, schnelle Szenenwechsel, man weiß manchmal nicht wo einem der Kopf steht. Fast schon überhöht wirken die beiden zentralen Ermittler Luk Krieger und Anna Cole, einfach zu perfekt vom Aussehen her, von dem Geschick bei den Ermittlungen, von ihrer Charakterstärke und den fehlenden Schwächen.   Mit der Schilderung der Anschläge wurde nach Auskunft des Autors eine Idee umgesetzt, die bereits im Jahr 2011 entstanden war und die natürlich vor dem Hintergrund der inzwischen tatsächlich verübten Anschläge eine besondere Aktualität erhalten hat. Die Ereignisse geben dem Buch einen unerwarteten Realitätsbezug. Krieger und Cole machen sich auf den Weg durch Deutschland, um den Attentäter zu stellen und möglicherweise noch Schlimmeres zu verhindern. 


Die Schilderungen des Autors zeichnen sich durch Detailkenntnis aus, die Art und Weise, wie in Behörden gearbeitet wird, erfährt eine Beschreibung, die von einem Insider kommen könnte. Zwar vermisst man manchmal die Aufklärung einiger Hintergründe oder auch eine Information darüber, wie gewisse Dinge durchgeführt wurden. Auch entwicklen die Personen eben weil sie so perfekt sind, nicht so viel Authentizität. Doch viel wird von dem rasanten Fortgang der Entwicklung aufgewogen ebenso von der Unterbreitung einer unerwarteten Wendung, bei der man sich gar keine Gedanken machen möchte, ob Ähnliches auch in der realen Welt geschehen könnte. Man traut einigen zwar einiges zu, aber man wünscht, dass es doch noch ein paar Grenzen geben möge.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Verraten von Florian Schwiecker
ISBN: 978-3-9553-0875-9


Dienstag, 7. März 2017

Das Schlimmste

Vor acht Jahren wurde die damals 13jährige Julie verschleppt. Nur mühsam haben sich die Eltern Anna und Tom und die jüngere Tochter Jane ein Leben ohne Julie eingerichtet. Zwar fällt es ihnen immer noch schwer aber irgendwie muss es ja gehen. Die Welt wird völlig auf den Kopf gestellt als Julie plötzlich wieder vor ihnen steht. Entgegen aller statistischen Wahrscheinlichkeit hat sie es geschafft, nach den langen Jahren zu ihrer Familie zurück zu kehren. Schon bald bemerkt Anna, dass Einiges, was Julie erzählt, schwer zu glauben ist. Schließlich meldet sich auch noch ein Privatdetektiv mit verstörenden Informationen.

Aus wechselnden Perspektiven wird geschildert was geschieht, nachdem Julie oder die, die behauptet Julie zu sein, heimgekehrt ist und was zu der Heimkehr geführt hat. Zunächst erscheint das teilweise etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn genau dieser ergibt sich erst, wenn man der Handlung weiter folgt. Allerdings muss man schon eine Weile ausharren, ehe sich die Handlung verdichtet und eine Ahnung entsteht, was Ursache und was Wirkung ist. Gut beschrieben ist dabei die wachsende Unsicherheit Annas über die Identität ihrer heimgekehrten Tochter. Mit ihr zweifelt man und begibt sich auf die Spur der vermeintlichen Tochter. Erst recht spät entwickelt die Story Tiefe und packt einen.

Zunächst zurückhaltend und nach und nach immer intensiver vorgetragen wird dieses Hörbuch von Anna Thalbach und ihrer Tochter Nellie. Man spürt die Atemlosigkeit, die die Mutter überfällt als ein Baustein zu dem nächsten kommt, die sich überschlagenden Gedanken, die Sorgen und Nöte, das wachsende Misstrauen. Immer näher kommt man auch der, die die Tochter zu sein scheint. Die an ihr Glück nicht glauben mag und die doch viel Schweres erfahren hat. 

Eine bestürzende Geschichte, die ihr wahres Potential allerdings recht spät entfaltet, den Leser dann aber vollends fesselt und beim Hören im Auto jede rote Ampel gerne in Kauf nehmen lässt. 


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Good as gone von Amy Gentry
ISBN: 978-3-8445-2540-3


Sonntag, 5. März 2017

Cool Jazz

Er hat gekündigt, seine Neugier ist allerdings ungebrochen. Der Journalist Harry Svensson kann also gar nicht anders als Nachforschungen anzustellen. Eher zufällig gerät er in eine Affäre um den ehemals bekannten Musiker Tommy Sandell. Svensson ist derjenige, der Sandell besoffen schnarchend in dessen Hotelbett findet. Neben dem Sänger liegt eine tote Frau. Wohl ein Horrorszenario für jeden, der einiges an Vorstellungskraft hat. Sandell wird zunächst ins Krankenhaus gebracht. Er hat einen Filmriss und kann sich nicht erinnern wie die Frau in sein Bett gekommen sein könnte und erst recht nicht erinnert er sich daran, wieso sie tot ist. Wirklich unheimlich wird es für Svensson als eine entfernte Bekannte von ihm selbst auf ähnliche Weise umkommt.

Die Ereignisse kann der Reporter nicht aus seinem Gedächtnis streichen. Zum einen hat ihm die Berichterstattung einiges an Ruhm und Verdienst eingebracht, zum anderen will er wissen, wer hinter den Taten steckt. Es lässt ihn nicht los, es nagt an ihm. Vage vermutet er, er könnte etwas mit dem Mörder gemeinsam haben. Ein unangenehmer Gedanke, der in immer tiefer graben lässt. Die Polizei scheint dabei weniger an der Aufklärung der Mordfälle gelegen zu sein, zu vielen wichtigeren Dingen wird der Vorrang gegeben. 

Eher kühl wirkt der Tonfall dieses Debütwerkes, wie Cool Jazz eben. Zu dieser Musik meint man Harry Svensson durch die Straßen schlurfen zu sehen, in eher regnerischem und düsteren Wetter. Zwar umfasst die Handlung den Zeitraum von über einem Jahr und somit auch Frühling und Sommer, doch diese Zeiten hinterlassen einen eher diffusen Eindruck von ein paar schönen Wochen auf dem Land, wo Svensson mit einem Freund ein Lokal betreibt. Intensiver sind die Spuren, die Herbst und Winter hinterlassen, die Zeit der Morde, des Verfolgens der Spuren, die verschwommen erscheinen und mit der Zeit und der freundlichen Hilfe des pensionierten Reporters Arne immer deutlicher werden. 


Mit dem Journalisten im Unruhestand Harry Svensson hat Mars Olsson eine Detektivfigur geschaffen, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Ist das gelungen, bietet sich ein interessanter Fall in einer Szene, die vielleicht nicht mehr so unbekannt aber doch fremd ist. Das Ende scheint da mehr wie ein Innehalten, ein Durchatmen einer Geschichte, die noch nicht fertig erzählt ist. Für einen Reihenbeginn durchaus nichts Ungewöhnliches. Für ein Wiederlesen mit Harry und Arne kann man also schon mal die richtige Musik bereitlegen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Demut von Mats Olsson
ISBN: 978-3-442-71464-3




Samstag, 4. März 2017

Lewisham Monster

Lewisham ist ein Stadtteil von London und hier führen die Polizisten Jane Bennett und Mike Lockyer ihre Ermittlungen durch. Nach dem vorherigen Fall ist Lockyer irgendwie noch nicht wieder auf der Höhe und die Verantwortung fällt Jane Bennett zu. Gerade jetzt verschwindet ein Kollege, der seit ein paar Jahren in Pension ist. Ein Ereignis, das für die Familie sehr belastend ist, aber auch für die Polizisten, schließlich kennen sie den ehemaligen Kollegen. Auf der Suche stoßen sie per Zufall auf die Leiche einer jungen Frau. Zwei Fälle, die die Ermittler aufs Äußerste fordern.

Bei diesem Band handelt es sich um den zweiten Band der Reihe um Mike Lockyer und Jane Bennett. Zu Beginn wird einige Male Bezug auf den ersten Fall genommen, auf eine Art, die es sinnvoll erscheinen lässt, zunächst den ersten Band zu lesen. Zum Verständnis des laufenden Falles ist es allerdings zum Glück nicht zwingend erforderlich. Obwohl die Ermittler noch mit der Verarbeitung des vorherigen Geschehnisse beschäftigt und auch in ihrem Privatleben eingespannt sind, müssen sie sich mit hundertprozentigem Einsatz den neuen Untersuchungen widmen. Die Art wie die junge Frau gestorben ist, schließt die Vermutung nicht aus, dass Ähnliches wieder geschehen könnte. Und der verschwundene Ex-Kollege könnte verletzt sein. Es ist also Eile geboten. Doch zunächst geht es nicht so schnell voran wie die Ermittler es sich wünschen würden.

Die Leiden der Ermittler zu Beginn des Romans sind etwas schwierig nachzuvollziehen, wenn man den Vorgängerband nicht kennt. Dennoch sind die Vorgänge fesselnd beschrieben und vor allen Dingen Jane Bennett wirkt sehr lebendig und authentisch. Sie muss die Verantwortung übernehmen und stellt fest, dass es auch nicht so einfach ist, Leiterin der Ermittlungen zu sein und die Fäden in der Hand zu behalten. Bei der Koordination der Nachforschungen geht sie klug und besonnen vor, obwohl sie manchmal an die Belastungsgrenze gehen muss. Es geht ihr wie vielen Familienmenschen, das schlechte Gewissen wegen der Zeit, die sie nicht mit der Familie verbringt, nagt an ihr. Trotzdem kniet sie sich voll in die Ermittlungen. Zwei Fälle, die die Aufmerksamkeit fordern, akribische Untersuchungen, packend geschildert. Ein wenig auffällig könnte sein, dass Kapitel manchmal mit einem Cliffhanger enden und die folgenden Ereignisse aus der Rückschau geschildert werden. Hier muss man selbst entscheiden, ob das gefällt. Insgesamt bietet die Autorin mit Lockyer und Bennett ein Ermittler-Duo, von dem man gerne mehr lesen möchte und einen fesselnden Kriminalfall, der einige Überraschungen aufweist.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Kein Sterbensort von Clare Donoghue
ISBN: 978-3-7325-4290-1


Donnerstag, 2. März 2017

Hochzeitshaus

Lorna und Jon wollen heiraten. Die Hochzeit soll an einem ganz besonderen Ort stattfinden und als diesen hat Lorna Percraw Hall ausgesucht. Ein altes Herrenhaus, das einen heruntergekommenen Charme ausstrahlt und das von seiner Verwalterin als Hochzeitslocation mit neuem Leben erfüllt werden soll. Sogleich fühlt sich Lorna wie zu hause während ihr Verlobter eher die Mängel sieht, die das abgelegene Haus bietet. Doch Lorna ist neugierig und auch berührt von der tragischen Geschichte der Familie Alton, die das Haus vor Jahrzehnten bewohnte. 

Zum einen wird im Buch von Lorna erzählt, einer Lehrerin, die eigentlich mit beiden Beinen fest im Leben steht und doch unsicher ist. Lorna ist auf der Suche und diese Suche scheint sie beinahe zufällig nach Pencraw Hall auch Black Rabbit Hall genannt geführt zu haben. Ihr Kontakt mit der jetzigen Mrs. Alton gestaltet sich dabei schwierig, denn die ältere Dame wirkt sehr verbittert und eines sperrigen Charakters. Zum anderen handelt die Geschichte von der Familie Alton, die in den 1960ern die Sommer regelmäßig auf Black Rabbit Hall verbrachte, glückliche Tage, die wie aus der Zeit gefallen waren. Bis zu jenem Jahr 1968, in dem das Unglück seinen Lauf nahm. Ein tragischer Unfall stellt den Zusammenhalt in der Familie vor eine harte Zerreißprobe, an der die Familie zu zerbrechen droht.

Betrachtet man diesen Roman nach der Lektüre hat man eine schöne stimmige und spannende Familiengeschichte. Zu Beginn jedoch entsteht zunächst der Eindruck, das Ganze könnte etwas sehr konstruiert worden sein, der Zufall etwas sehr weit hergeholt. Es lohnt sich aber durchzuhalten bis man einige Hintergründe klar werden und einige Geheimnisse gelüftet sind. Wenn sich langsam alles zusammenfügt wird auch langsam klar, welch mutige und kluge Frau Lorna mit Hilfe ihrer Familie und ihres Verlobten geworden ist. Die Strömungen in der Familie Alton, die diese auseinander getrieben haben, werden verständlich und damit gewinnt das Buch eine Abrundung, die die anfänglichen leichten Längen vergessen lässt.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Black Rabbit Hall von Eve Chase
ISBN: 978-3-641-12932-3






Mittwoch, 1. März 2017

Die ideale Klientin

Ein überzeugendes Argument hat Mrs. Rachel Bruner als sie Nero Wolfe engagieren will. Sie stellt einen Scheck über hunderttausend Dollar aus. Sie fühlt sich durch das FBI beobachtet, vielleicht wegen der zehntausend Bücher über die Methoden dieser Firma, das sie verschickt hat. Aber wie soll der exzentrische Privatdetektiv, der kaum jemals sein Büro verlässt, das zuwege bringen. Erstmal wird sein Mitarbeiter Archie Goodwin ausgesandt, um festzustellen, ob die Klientin tatsächlich unter Beobachtung steht. Mit der Zeit wächst das Misstrauen der Privatdetektive, besteht etwa die Möglichkeit, dass sie inzwischen selbst überwacht werden. 

Vielleicht erinnert man sich an eine der zahlreichen Verfilmungen der Geschichten um den smarten Detektiv und Orchideenliebhaber oder man kennt einige der Geschichten aus der Feder von Rex Stout, jedenfalls fühlt man sich mit diesem neuübersetzten Band mit seiner einnehmenden Ausstattung sofort wohl. Man hat teil an den Denkprozessen des Detektivs, die sich in seinen Lippenbewegungen ausdrücken und während derer er möglichst nicht gestört werden soll. Man folgt Archie Goodwin, wenn er die Fußwege für seinen Chef übernimmt und dabei nicht um eigene Gedanken verlegen ist. 


Auch wenn sich die Geschichte zu Beginn etwas langsam entwickelt, ist man doch ab einem gewissen Moment sehr gefesselt. Die damaligen Überwachungsmethoden wirken dabei fast etwas niedlich, können die Abhörer doch mit einem simplen Radio durcheinander gebracht werden. Aber dennoch an die Struktur des Überwachungsstaates war auch damals nicht viel anders als heute und damit bekommt diese eigentlich einfache und klar aufgebaute Detektivgeschichte eine enorme Aktualität. Wie im Nachwort erläutert wird hat sich der Autor mittels seiner Geschichten des öfteren brisanter tagesaktueller Themen angenommen. Geschickt spinnt Rex Stout seine Fäden und mit Intelligenz und Humor gelingt es ihm bestens zu unterhalten und er schafft es gleichzeitig die Staatsmacht bloß zu stellen, ohne allzu boshaft zu werden.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Es klingelte an der Tür von Rex Stout
ISBN:978-3-608-9811-7