Sonntag, 9. September 2018

Elite


Seine Eltern versterben früh und seine Tante in England nimmt ihn nicht zu sich. Warum also sollte Hans nach Jahren im Internat in Cambridge studieren, um seiner Tante einen Gefallen zu tun. Allerdings ist sie seine einzige Verwandte. Und so landet Hans schließlich doch in England, um in der altehrwürdigen Universität im Auftrag seiner Tante einem geheimen Bund auf die Spur zu kommen. Bei seinen ersten Schritten auf dem fremden Gebiet hilft ihm die Doktorandin Charlotte. Das Ziel ist: Hans soll in den elitären Pitt-Club aufgenommen werden. Vielleicht kann seine Liebe zum Boxsport dabei hilfreich sein.

Schon als Jugendlicher allein auf der Welt, alles andere als leicht für den jungen Hans. Da ist es natürlich nicht schwer, ihn zu überreden, nach England zu gehen, obwohl er der Schwester seiner Mutter nicht wirklich verziehen hat. Wahrscheinlich hofft er, in ihr doch noch eine Art Familie zu finden. Doch ihr oberstes Ziel ist es, ihren Neffen in den Club einzuschleusen, um ein Verbrechen aufzuklären, das nie an die Öffentlichkeit gelangt ist. Hans ist hin und hergerissen, zum einen hat er doch den Wunsch dazu zu gehören und sei es in einem Elite-Club, zum anderen möchte er seiner Tante den Gefallen tun, doch dafür muss er gegen den Club arbeiten. 

So wie Hans mit einer schwierigen Situation konfrontiert wird, ist schon speziell. Doch seine Reaktion aus Hilfsbereitschaft und Eigennutz lässt ihn sehr authentisch wirken. Wer würde nicht Mitglied in einem Elite-Club werden wollen. Doch je mehr Hans klar wird, dass diese Verbindung eher aus Nutzen oder Ausnutzen besteht, desto mehr besinnt er sich auf echte Freundschaft. Und er beginnt nachzuforschen, ob es die Club-Mitglieder mit einigen Riten nicht zu weit treiben. Und so kommt er zum Kern der Sache, wann kippt eine vielleicht Gute oder zumindest gut gemeinte Organisation ins Gegenteil. Wann ist es Zeit, die geheimen Machenschaften ans Licht zu bringen, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Zwar kann Networking in Clubs durchaus Sinn machen, aber sich selbst für etwas Besseres zu halten und eine Gruppe zu gründen, nur um andere außen vor zu halten, kann sicher nicht das Ziel sein. Doch wer steht auf, wer hat den Mut oder auch die Distanz, Tacheles zu reden. Manchmal bedarf es eines Fremden, der anderen die Augen öffnet, der zeigt, dass ein Verbrechen ein Verbrechen bleibt und dass auch in elitären Club bei weitem nicht alles erlaubt ist.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Der Club von Takis Würger
ISBN: 978-3-0369-5753-1


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