Sonntag, 30. Dezember 2018

Ghostwalker


Weil Duncan McCallum seinen Großvater versteckt hat, wurde er von den Engländern verurteilt. Im Jahr 1759 ist er mit einem Gefangenenschiff auf dem Weg in die amerikanischen Kolonien. Während der Reise begehen einige der Gefangenen Selbstmord, zumindest scheint es so. Ducan, der bei einem Arzt in Stellung war, findet heraus, dass einige Todesfälle fremdverschuldet sein müssen. Obwohl er nur ein einfacher Gefangener ist, wird er gebeten, die Todesfälle genauer zu untersuchen. Dabei findet es seltsame Figuren und Zeichen, die nicht britischen Ursprungs sein können. Außerdem beginnt er sich zu fragen, wer die offensichtlich schwer erkrankte junge Frau ist, die er nach einem Sturz ins Meer gerade so retten kann.

Eliot Pattison ist ein Schriftsteller, mit dessen Büchern sich der „Sub“ gut aufbauen lässt. Wenn man seine Bücher um den chinesischen Tibeter Shan kennt, ist man fast sicher, dass man auch mit Duncan McCallum nichts falsch machen kann. Außer das fünfte Buch zuerst zu kaufen und dann festzustellen, dass man die vorherigen vier auch unbedingt lesen muss. Zwar gibt es ein paar Ähnlichkeiten, ebenso wie Shan ist McCallum ein Gefangener, der den Dingen auf den Grund geht, doch ist das Setting so unterschiedlich, dass man doch in eine ganz andere Welt eintaucht. Im siebenjährigen Krieg in Nordamerika (1754-1763), der auf Englisch „French and Indian War“ genannt wird, angesiedelt, sind die Abenteuer, die Duncan McCallum zu bestehen hat, geprägt von schottischen und indianischen Einflüssen. Sowohl Schotten als auch Irokesen, um die es hauptsächlich geht, sind etwas spezielle Volksgruppen, bei denen mystische Ereignisse viel Beachtung finden. Kein Wunder, dass Duncan zu der indianischen Lebensweise einen gewissen Zugang findet. Auch die Ghostwalker, so werden Menschen genannt, die von Indianern entführt wurden und nach Jahren in die Kolonialwelt zurückkehren, finden Verständnis bei dem jungen Engländer. 

Ein tolles Buch, dass einen in ein sehr ursprüngliches Nordamerika entführt. Man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Anne Rose auf den Wellen tanzt, wie Duncan immer neue Rätsel entschlüsselt, wie die Männer an Lagerfeuern sitzen und wie Duncans Verständnis für die indianische Lebensweise wächst. Gleichzeitig ist man gefesselt von den verwickelten Geheimnissen um die Todesfälle. 


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Bone Rattler von Eliot Pattison
ISBN: 978-1-593-76185-1


Freitag, 28. Dezember 2018

Roter Stern


Vor zwölf Jahren verschwand ihre Zwillingsschwester in Südkorea. Da sie sich sehr nah waren, hat Dr. Jenna Williams die unfreiwillige Trennung nie überwunden. Schweren Herzens hat sie den Tod der Schwester akzeptiert. Die Albträume haben sie aber nie verlassen. In einer TV-Sendung wird berichtet, dass japanische Kinder von nordkoreanischen Militärs entführt wurden und sich der sozialistische Staat dafür entschuldigt hat. Dadurch gewinnt Jenna neue Hoffnung und sie lässt sich von der CIA als Agentin anwerben. Die Ausbildung ist sehr hart, so manches Mal denkt, Jenna daran aufzugeben. 

Drei unterschiedliche Menschen sind die Hauptpersonen in diesem interessanten Roman. Zum einen die amerikanisch geprägte Wissenschaftlerin Dr. Jenna Williams, die sich nach ihrer verschollenen Zwillingsschwester verzehrt. Als nächstes der nordkoreanische Parteikader Cho, der obwohl als Kind adoptiert, eine herausragende Karriere im Staatsapparat hingelegt hat. Und schließlich Moon, eine einfache Frau, aus dem Norden Nordkoreas, die Händlerin werden möchte. 
Da die Nordkoreanische Staatsgrenze fast wie eine Mauer wirkt, hinter die kaum jemand blicken kann, sind die Machenschaften der herrschenden Klasse schier unglaublich, auch wenn der Autor im Nachwort durchaus glaubhafte Quellen als Hintergrund für seine Romanhandlung anführt. Mit einer eher freiheitlich demokratisch geprägten Erziehung fällt es doch sehr schwer, sich in dieses krude System hineinzuversetzen. Mit Hilfe der spannenden Geschichte der Zwillingsschwestern Williams bekommt man zwar einen kleinen Einblick in das raue Leben der Nordkoreanischen Bevölkerung, richtig vorstellen kann man es sich aber nicht.

Perfide, mit welch ausgeklügelten Plan die Nordkoreaner klein gehalten werden, immer glaubend, dass ihr liebenswerter Vorsitzender der einzig Wahre ist und dass es gilt, danach zu streben ihm zu dienen. Die Unternehmungen der CIA beeindruckend dagegen mit ihrer plumpen Direktheit, auch wenn Dr. Jenna Williams als hochintelligent beschrieben wird. Die Beschreibung des Nordkoreanischen Überwachungs- und Desinformationsstaates ist bemerkenswert und beklemmend. Auch wenn die Landschaften Nordkoreas durch ursprüngliche Schönheit bestechen, hat man nach der Lektüre nicht den Eindruck, dass sich das Land als Urlaubsziel empfiehlt.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Stern des Nordens von J. D. John
ISBN: 978-3-8052-0032-5


Donnerstag, 27. Dezember 2018

Locked Room


Anfang der 1980er brechen mehrere IRA Terroristen aus einem Gefängnis aus. Etliche werden wieder gefasst, viele bleiben verschwunden. Man vermutet sie in Libyen. Unter ihnen ist auch ein ehemaliger Schulkamerad des Polizisten Sean Duffy. Dumm nur, dass Sean aus dem Polizeidienst ausgeschieden ist. Allerdings schafft es der MI5 Duffy zu überzeugen, wieder in den Dienst zurückzukehren. Doch leicht hat es auch Sean Duffy nicht, den Verschwundenen ausfindig zu machen. Er beginnt mit Befragungen von Freunden und Verwandten des Gesuchten, rennt aber erstmal gegen eine Mauer des Schweigens. Erst die ehemalige Schwiegermutter des Abgängigen erklärt sich unter einer Bedingung bereit, den möglichen Aufenthaltsort bekannt zu geben.

Die Nordirlandfrage schien doch geklärt. Nach der Brexitabstimmung müssen sich die Beteiligten allerdings neu finden und Nordirland geht einer Zeit der nicht unbeachtlichen Unsicherheit entgegen. Im Jahr 2014 als dieser Roman geschrieben wurde, ging der Autor noch von einer anderen künftigen Lage aus. Möglicherweise träumte er sogar von einem vereinigten Irland. Zur Zeit, in der sein Roman angesiedelt ist, war davon noch nichts zu spüren. Der Terror herrschte im Land, es war jederzeit mit Anschlägen zu rechnen. Das Misstrauen war groß. Der katholisch-britische Polizist sitzt zwischen allen Stühlen und ist mit sich selbst nicht im Reinen. Dennoch versucht er, seine Fälle aufzuklären. In diesen Momenten ist er eher unpolitisch, er will einfach die Wahrheit finden. Zu Beginn dieses seines dritten Falles hat er sich in eine Situation manövriert, in der seine Vorgesetzten endlich eine Möglichkeit sehen, ihn aus dem Dienst zu entfernen. Welch eine Genugtuung für Sean als er gefragt wird, ob er nicht wieder einsteigen möchte. Endlich einmal kann er Bedingungen stellen, wenn auch nicht alle erfüllt werden. 

Gerade in der heutigen Lage hat dieser Nordirland-Krimi eine große Aktualität. Zumindest in dem Gedanken, dass man die damalige Situation nicht wieder haben möchte und dass man sich doch an die damalige Zeit des Terrors erinnern sollte, um wenigstens Schlimmeres zu verhindern. Sean Duffy steckte in den 1980ern mitten drin, sein Leben in Gefahr. Vielleicht ist er nicht so ein lauterer Beamter, aber er ist ein authentischer manchmal zerrissener Mensch, der einmal auf einen Fall angesetzt nicht mehr locker lässt. Die beklemmende politische Situation wird beim Lesen sehr deutlich, doch die Untersuchung eines Todesfalls wird von ihr nicht erdrückt, sondern eher intelligent eingerahmt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die verlorenen Schwestern von Adrian McKinty
ISBN: 978-3-518-46595-0



Mittwoch, 26. Dezember 2018

Solo für Heller


Dresden 1951: Zwei Gefangene sind in ihren Zellen fast gleichzeitig gestorben. Das kann einfach kein Zufall sein. Kommissar Max Heller, dessen Frau Karin die Erlaubnis erhalten hat, den in Köln lebenden Sohn zu besuchen, beginnt mit seinen Nachforschungen. Er hat noch nicht einmal richtig angefangen, da wird von seinen Vorgesetzten angedeutet, es sei am Besten, er ermittle etwas, finde aber nichts weiter heraus. Das lässt sich Heller natürlich nicht zweimal sagen. Natürlich führt er seine Untersuchung ordentlich durch. Schon bald allerdings gibt es weitere Tote und die Lage wird immer verworrener.

In den frühen Jahren der DDR ist das System noch sehr von der Sowjetunion gelenkt, doch so langsam bilden sich eigene Strukturen heraus. Immer gegenwärtig ist die drohende Gefahr von westlichen Geheimdiensten, derer man meint, sich erwehren zu müssen. Es installiert sich ein Kontrollsystem, das letztlich die eigenen Leute bei der Stange halten soll, auch wenn dazu Mittel von Kontrolle und Bespitzelung verwendet werden. Heller, der bisher keiner Partei zugehörig ist, ist nun in Gefahr, in diese Maschinerie hineinzugeraten. Hinzu kommt noch, dass seine Karin sich nicht meldet und zumindest die Nachbarn schon vermuten, sie werde im Westen bleiben. Doch Nichts kann Heller davon abhalten, den Todesfällen auf den Grund zu gehen.

Inlandsgeheimdienst, russischer Geheimdienst, der Chef - es kommt schon ganz schön dicke für Kommissar Max Heller und seine Kollegen Oldenbusch und Salbach. Sie wollen doch nur aufklären, wie und wieso die beiden Gefangenen zu Tode gekommen sind und stechen dabei in ein Wespennest aus verschiedenen Diensten. Es scheint beinahe so als müssten die Beamten bei ihren Untersuchungen immer auf der Hut sein, um niemanden in die Quere zu kommen. Etwas, das nicht machbar ist. Doch wenn man Max Heller kennt, weiß man, er wird jeder Spur nachgehen, er wird sich nicht ablenken lassen und er wird seine Ziehtochter Anni auch ohne seine Frau gut versorgen. Eigentlich eine Quadratur des Kreises, doch machbar.

Die Stimmung in den frühen Jahren der DDR ist hier anschaulich und authentisch geschildert. Beim Lesen denkt man, genauso könnte es gewesen sein. Vielleicht dient es sogar der Authentizität bei der Lösung eines Kriminalfalls, dass nicht jede Frage beantwortet wird. Es fängt relativ harmlos an und wächst sich zu etwas Größerem aus. Ein packender Krimi, gleichzeitig eine lebendige Geschichtsstunde.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Roter Rabe von Frank Goldammer
ISBN: 978-3-423-26209-5


Dienstag, 25. Dezember 2018

Haus von Rauch


Etwas seltsam sind die Verhältnisse in der Familie Baker. Doch Auskunft darüber geben kann der alte Norman Baker am Ende seines Lebens nicht mehr. Seine 23jährige Tochter Penny, die nach der Ausbildung noch keine Arbeitsstelle hat, pflegt ihn an seinem Sterbebett. Der Tot des alten Mannes hat allerdings zur Folge, dass Penny ihr Apartment verliert, das ihr Vater gemietet hatte. Nun ist sie nicht nur arbeitslos und auch obdachlos. Eher durch Zufall erfährt sie, dass sich das Elternhaus von Norman Baker noch im Besitz der Familie befindet. Dieses ist jedoch von einer Kommune besetzt und heißt jetzt Nikotin. 

Ein uriges Haus, das von den Besetzern einigermaßen instand gesetzt wurde. Durch diese Instandbesetzung und die Benennung des Mottos (Schutz der letzten noch verbliebenen Raucher), haben die Besetzer ein Aufenthaltsrecht erlangt. Eigentlich soll Penny im Auftrag der Familie für die Räumung des Hauses sorgen. Sie ist aber von der Idee und einem der Bewohner so begeistert, dass sie lieber in der Kommune mitmischen möchte. Im Haus Nikotin ist im Moment kein Zimmer frei, doch es gibt Auswahl genug an Kommunen in der Umgebung. Ihrer Familie wird Penny schon eine Geschichte auftischen, weshalb es mit der Räumung nicht vorangeht.

Mit Penny, deren Mutter aus den Slums von Cartagena stammt, und Rob, der sich als asexuell bezeichnet, hat die Autorin ein interessantes Paar geschaffen. Ein Paar allerdings, dem man sich nicht so leicht nahe fühlt. Vielleicht ist die Fülle dieses Romans zu groß. Liebesgeschichte, Familiengeschichte, Gesellschaftssatire. Pennys familiären Verhältnisse sind doch sehr eigenartig. Und um die Belange, die sich auf die Hausbesetzerszene, den Schamanismus und Normans Lebensgeschichte beziehen, sind möglicherweise für die Leser nicht so gut nachvollziehbar, die sich mit den Verhältnissen in Amerika nicht so gut auskennen. Der Roman ist damit zwar etwas schwergängig, aber durchaus humorvoll, bissig und ironisch.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Nicotine von Nell Zink
ISBN: 978-0-00-817921-2


Sonntag, 23. Dezember 2018

Mississippi


Als Jugendlicher war Larry Ott mit dem fast gleichaltrigen schwarzen Silas Jones befreundet. Nachdem er Silas seine Waffe geliehen hatte, sein Vater Carl dahinterkam und ihn zwang, sie zurückzuerobern, war es mit der Freundschaft vorbei. Dann verschwand eine 16jährige aus der Nachbarschaft und Larry war der Letzte, der mit ihr unterwegs war. Den Verdacht, dass er etwas mit ihrem Verschwinden zu tun hatte, wurde er nie los. Noch 25 Jahre später ist Scary Larry ein Außenseiter, während Silas eine angesehene Position bei der örtlichen Polizei innehat. Und wieder verschwindet eine junge Frau und wieder gerät Larry in Verdacht.

Zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart pendelt die Handlung hin und her. Wie so häufig kann man die Gegenwart nur verstehen, wenn man die Vergangenheit kennt. So mutet es schon seltsam an, dass Larrys Vater den jungen Silas und seine Mutter im Auto mitnimmt. Ende der 1970er Anfang der 1980er war das in Mississippi alles andere als selbstverständlich. Auch für Larry war es nicht nachvollziehbar und seine Mutter sorgte auch bald dafür, dass es sich nicht wiederholte. Und dennoch kommt Silas besser zurecht, er ist sportlich und spielt in der Mannschaft mit. Larry dagegen ist ein Bücherwurm mit schwächlicher Gesundheit und zeitweiligem Stottern. Wie schnell wird man da zum Außenseiter und bleibt es auch. 

Ungewöhnlich wie hier die Rollen verteilt sind, Larry wehrt sich während der ganzen Jahre nicht. Er akzeptiert einfach, dass keiner etwas mit ihm zu tun haben will. Silas dagegen steht mit beiden Beinen im Leben, als Polizist will er weiterkommen und er schafft es auch. Diese beiden gegenläufigen Charaktere bilden einen fesselnden Hintergrund für eine Handlung die zum Teil ein Krimi ist zum Teil aber auch eine Entdeckungsreise, während der die Vergangenheit zum Schlüssel für die Gegenwart wird. Nur aus der Vergangenheit versteht man die Handlungen von Silas und Larry in der heutigen Zeit. Mit jedem Einzelteilchen erhöht sich die Einsicht, dass Vieles nicht so ist wie es scheint. Dass dabei einige Ansätze im Ungewissen bleiben mindert den Reiz der Geschichte nicht. Diesen Entwicklungsroman mit Krimianteilen liest man gebannt und mit großer Neugier.



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Crooked Letter, Crooked Letter von Tom Franklin
ISBN: 978-1-4472-7171-0


Samstag, 22. Dezember 2018

Sunday


Nach ihrem letzten Fall arbeiten Eden und Frank Bennett eigentlich nicht so gut zusammen, vor allem weil Frank den Tod seiner Freundin noch längst nicht überwunden hat. Die Stunden bei der Psychologin Dr. Stone ignoriert Frank regelmäßig. In der Stadt sind drei junge Frauen verschwunden. Bisher hat die Polizei keine heiße Spur und Eden wird als verdeckte Ermittlerin bei einer Gruppe Verdächtiger eingeschleust. Gemeinsam mit dem jungen Kollegin Juno soll Frank ihren Einsatz absichern. Dazu reicht seine Zeit jedoch kaum, denn auch Hades hat einen Auftrag für ihn. Hades wird bedroht und daran wird sich nur etwas ändern, wenn er herausfindet, was mit seiner Jugendfreundin Sunday geschehen ist.

In diesem zweiten Teil der Reihe um Eden und Frank geht es viel um die Vergangenheit von Hades, der Eden großgezogen hat. Frank macht sich auf die Suche nach Sunday, eine Suche, die er eher inoffiziell gestalten muss, fast wie ein Privatdetektiv. Deshalb ist er auch nicht immer vor Ort, um Edens Einsatz zu überwachen. Juno dagegen gerät schnell in Edens Bann, wobei natürlich fraglich ist, ob das unter Kollegen so gut ist. Wer Eden kennt so wie Frank zum Beispiel wird Juno davon abraten, sich zu sehr mit Eden zu beschäftigen. Aber Juno ist jung und wer lässt sich in dem Alter schon was sagen. 

In diesem zweiten Teil geht es über etliche Strecken recht ruhig zu. Eden scheint sich in ihrer Rolle als verdeckte Ermittlerin fast wohl zu fühlen. Franks Widerstand gegen die Hilfe der Psychologin wird fast slapstickhaft. Und Hades Geschichte fast zu grausam, dass der bedroht wird fast normal, auch wenn er das nicht gewohnt ist. Wenn der Autorin nicht ein geradezu furioses Finale gelungen wäre, würde man diesen Mittelband für einen eher mäßigen Übergang vom Beginn zum Abschluss halten. So habe bleibt man starr vor Spannung und kann es kaum erwarten zu erfahren, ob es für alle Beteiligten eine Art gutes Ende geben kann.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Eden von Candice Fox
ISBN: 978-3-518-46714-4


Freitag, 21. Dezember 2018

Halleluja


Anfang des Jahres 1988 betreibt Frank in England einen Plattenladen. Von den aufkommenden CDs will er nichts wissen. Vinyl ist das einzig Wahre. Sein Shop befindet sich in der Unity Street einer heimeligen kleinen Sackgasse. Auch dort ist Mauds Tattooshop, Bruder Anthonys Andenkenladen, ein Bestattungsunternehmen. Sie bilden eine Gemeinschaft, die zusammenhält. Eines Tages fällt die junge Deutsche Ilse Brauchmann vor Franks Laden in Ohnmacht. Frank ist außer sich, vor allem als ihm die junge fragile Schönheit erzählt, sie höre keine Musik. Das muss Frank ändern, Musik ist für ihn alles. Er hat ein Gespür dafür, welche Musikstücke für die Menschen bestimmt sind, die in seinen Shop kommen. 

Frank und seine Mutter Peg, Frank und seine Musik, Frank und Ilse, Ilse und die Musik. Und Kit und Maud und Bruder Anthony. Sie könnte ihre kleine Insel bilden in einer nicht ganz so freundlichen Welt. Doch ist es ihnen vergönnt gegen eine Immobilienentwicklungsfirma zu bestehen, die ein Haus nach dem anderen aufkauft und seinem Schicksal überlässt? Und wie steht es mit Frank und Ilses eigenem Leben? Haben sie das notwendige Vertrauen zueinander, um als Paar bestehen zu können? 

In Rückblenden kann man miterleben, wie Peg ihrem Sohn die Liebe zur Musik gibt, ihre Erzählungen, ihr Wissen ist unerschöpflich. Doch sonst gibt sie Frank nicht viel. So bleibt Frank die Musik, durch sie spricht er zu den Menschen. Er hilft wo er kann, ohne selbst etwas zu erwarten. Gerade das braucht Ilse, die eine Art Flucht aus Deutschland angetreten hat. 

Diese wunderbar melancholisch-süße Geschichte um Frank und Ilse zieht einen sofort in ihren Bann. Man lauscht der Musik, die man im eigenen Herzen hat. Man beschäftigt sich mit der Musik, von der Frank erzählt. Man wünscht sich, dass Frank und Ilse ein Herz und eine Seele sind. Dass ihre Seelen im Gleichklang schwingen. Man hat förmlich die Bilder für den nächsten Weihnachtsfilm im Kopf, für den diese wundersame Story die Grundlage bilden kann. Obwohl dieser Roman nicht zur Weihnachtszeit erschienen ist, passt er doch bestens in diese Jahreszeit. Tatsächlich ist er komponiert wie eine einzigartige Filmmusik, die einen zum Träumen bringt. Die passende Playlist ist zum Beispiel auf YouTube zu finden.

4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

The Music Shop von Rachel Joyce
ISBN: 978-1-7841-6383-9


Donnerstag, 20. Dezember 2018

Das Leck


Sie waren beste Freunde. Die Geheimagenten des MI6 Solomon Vine und Gabriel Wilde. Bis Wilde sich vor Jahren an Vines Freundin herangemacht hat. Nun sollen sie eine Operation in Istanbul führen. Das Verhör eines Überläufers geht fürchterlich schief und der zu Verhörende bleibt schwer verletzt zurück. Alle Indizien sprechen gegen Vine, der vom Dienst suspendiert wird. Allerdings bittet ihn sein alter Mentor Newton um Hilfe. Vine soll herausfinden, ob an dem Gerücht, dass es ein Leck im Geheimdienst ihrer Majestät gibt, etwas dran sein könnte. Obwohl noch immer suspendiert, beginnt Vine mit eigenen Nachforschungen.

Wie muss man sich fühlen, wenn einem eine Tat untergeschoben wird, die man nicht begangen hat. Wenn aber die Beweise eine so deutliche Sprache gegen einen sprechen, dass es kaum eine andere Erklärung geben kann. Die bei einer derart offensichtlichen Sachlage auch keiner sucht. Schon aus dieser Lage heraus gibt es kaum eine andere Chance als selbst nach der Wahrheit zu suchen. Auf wen kann da nur der Verdacht fallen? Wenn nur eine andere Person an der Operation beteiligt war? Eine glückliche Ablenkung bietet der Auftrag von Newton, der noch einen viel größeren Verdacht hegt. Wenigstens einer, der noch Vertrauen hat. 

Rasant beginnt dieser Roman, um dann erstmal in ruhigere Fahrwasser zu gleiten. Doch gerade die unaufgeregte Art Vines, seine zielstrebige Suche nach der Wahrheit, um sich selbst reinzuwaschen, aber auch um den Umtrieben im Geheimdienst auf die Spur zu kommen, führt dazu, dass man immer gebannter liest. Vine als studierter Mathematiker geht mit bestechender Logik voran. Auch wenn ihm die Hinweise und Andeutungen nicht gefallen, er macht weiter. Hinter jeder Ecke kann einer lauern, dem er nicht trauen kann. Wie unheimlich, wenn es sich dabei um Arbeitskollegen handeln kann. Ein Plan, der sich nach und nach entfaltet und der am Glauben an das eigene Weltbild zweifeln lässt. In Vines Haut möchte man nicht stecken, doch verfolgt man gefesselt jedem seiner Schritte, immer in der Furcht, dass er eine noch aufrüttelndere Entdeckung macht. 


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Niemand kennt deinen Namen von Matthew Richardson
ISBN: 978-3-499-27408-4


Mittwoch, 19. Dezember 2018

Bootsfahrt


Nun ist Flavia de Luces Vater schon ein halbes Jahr tot und unter den Schwestern geht es drunter und drüber. Alle drei sind noch sehr jung, viel zu jung, um Waisen zu sein. Wirklich helfen kann da auch der treue Dogger nicht. In der Hoffnung, dass sich die Wogen etwas glätten, unternimmt er mit den Mädchen eine Bootsfahrt. Doch wenn man Flavia kennt, ahnt man schon, dass sie nicht einfach eine Hand durchs Wasser gleiten lassen kann. Was wohl bei allen anderen gut ginge, führt bei Flavia dazu, dass ihre Hand an einem Hindernis hängen bleibt, genau genommen an dem offenen Mund einer Leiche. 

Man mag es sich nicht vorstellen, schließlich würde man ja an fremden Zähnen hängen bleiben, brrr. Flavia ist glücklicherweise abgebrühter und gemeinsam mit Dogger bringt sie die Leiche ans Ufer. Die günstige Gelegenheit muss genutzt werden, solange die Polizei noch nicht vor Ort ist, untersucht Flavia die Leiche. Und sofort fallen ihr einige Ungereimtheiten auf, die später genauer untersucht werden müssen. Für ein paar Tage müssen die de Luces und Dogger am Ort bleiben, bis der Todesfall genauer geklärt ist. Für Flavia ist es eine willkommene Ablenkung von ihrer Trauer, eigentlich wollte sie sterben, doch mit dem rätselhaften Todesfall kommt wieder Leben in ihr Herz.

Der Mensch ist doch ein sehr anpassungsfähiges Wesen, auch wenn er meint, nach einer Katastrophe kann es nicht mehr weitergehen, wird er doch erfahren, dass nach einer gewissen Zeit der Trauer und des Stillstands ein Licht am Horizont auftaucht, durch welches die alten Lebensgeister wieder erweckt werden. Das in Flavias Fall das Licht in Form einer Leiche daherkommt, ist schon etwas speziell, typisch Flavia eben. Man ist richtig froh für Flavia, wie sie ihre chemischen Untersuchungen durchführt und mit den Ergebnissen ein paar Denkübungen macht, wodurch sich tatsächlich ein anderer Ansatz für den Leichenfund offenbart als der Unfall, zu dem er durch die Polizei gemacht werden soll. Dogger ist dabei eine große Hilfe, seine denkerischen Fähigkeiten stehen Flavias in nichts nach und sogar ihre Schwestern erweisen sich als hilfreich. Flavia müht sich mit dem schmerzlichen Verlust und mit dem Erwachsen werden, doch wie auch schon in ihren vorherigen Auftritten müht sie sich leichtfüßig und sympathisch.

Flavia de Luce, 12 Jahre, eine außergewöhnliche Ermittlerin, der man gerne bei der Entwicklung vom naseweisen Kind zur integren Jugendlichen zuschaut. 


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

The Grave's a fine and private Place von Alan Bradley
ISBN: 978-1-9848-1732-7


und die deutschsprachige Ausgabe sieht so aus:


Dienstag, 18. Dezember 2018

Meeresbraut


Anscheinend hat die junge Amanda Selbstmord begangen. Wie hingesunken lag sie am Strand. Ihre Eltern wussten von ihren Problemen und konnten doch nichts tun. Und nun machen sie sich Vorwürfe. Die Journalistin Jenny, erst kürzlich vom Festland nach Guernsey zurückgekehrt, hat eigentlich kaum eine Story, jedenfalls keine, die den Chefredakteur interessiert. Bis ein junger Mann davon erzählt, wie er im Feenkreis eine Strohpuppe gefunden hat, die auf ihre raue Art der Toten sehr geähnelt habe. Nun ist Jennys Reporterinstinkt geweckt. Möglicherweise ist doch mehr dran an der Geschichte der jungen Frau. Wurde sie etwa bedroht? 

Auf der britischen Kanalinsel Guernsey leben ca. 64.000 Einwohner, in den einzelnen kleinen Orten kennt also jeder jeden. Etwas, das die junge Jennifer Dorey nicht vermisst hat als sie nach Hackney, London, gegangen ist. Nachdem sie sich dort zu sehr bei einer Reportage engagiert hat und kurz darauf auch noch ihr Vater starb, hat sie bei der heimatlichen Zeitung eine Stelle angenommen. Und nun hat sie wieder eine Witterung aufgenommen. Sie glaubt einfach nicht, dass die Verstorbene sich einfach so umgebracht hat. Und tatsächlich stößt Jenny auf Hinweise, die weitere Nachforschungen erforderlich erscheinen lassen. Dabei teilt sie ihre Informationen auch mit DCI Michael Gilbert, der als Polizist nach einem Ereignis ein Außenseiter geblieben ist, sich nach einer familiären Tragödie jedoch als gewissenhafter und akribischer Polizist arriviert hat.

Zunächst geht es recht langsam los. Die Journalistin Jenny glaubt zunächst, dass sie zwar traurige aber eben doch alltägliche Geschichte über einen Selbstmord schreibt. Doch es passiert, was in einem Kriminalroman passieren muss, eigentlich wegen einer Kleinigkeit, die nicht passt, beginnt Jennifer Dorey nachzuforschen, ob denn tatsächlich alles so war wie es sich dargestellt hat. Und nach und nach meist im Zusammenspiel mit DCI Gilbert stößt sie auf eine größere Geschichte. So geschickt wird die Spannung gesteigert, dass man es zunächst kaum bemerkt. Man reflektiert etwas über das Leben auf der zweitgrößten Kanalinsel und denkt, dass man dort einmal Urlaub machen könnte. Und plötzlich steckt man mitten in einem packenden Insel-Krimi, der sich ganz anders entwickelt als man zu Beginn annimmt. Dieser Krimi kann durchaus auch ein Aushängeschild für Guernsey sein, gleichzeitig erfährt man, dass auch in so einem kleinen Umfeld, wo fast jeder jeden kennt, das Verbrechen manchmal näher liegt als man vermuten würde.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das tote Mädchen vom Strand von Lara Dearman
ISBN: 978-3-442-48667-0


Sonntag, 16. Dezember 2018

Durchkommen


Archie Ferguson ist der Enkel eines Einwanderers, der Anfang des 20. Jahrhunderts an der Freiheitsstatur ankommt. Er wird im Jahr 1947 geboren. Sein Vater ist Sam Ferguson, einer von drei Brüdern. Rose, seine Mutter, ist Fotografin. Archie selbst ist ein gewitzter Junge, der in Schule und Ausbildung überzeugt.

Mit diesen trockenen Worten kann man den Rahmen umschreiben, der den Hintergrund dieses Romans bildet. Eigentlich geht es um vier mögliche Leben, von denen eines dem echten am nächsten kommt. Vier Archies, deren Familien an gewissen Wendepunkten in unterschiedliche Bahnen gelenkt werden. Mal gerät die Familie fast in Armut, mal hat der Vater eine glückliche Hand. Mal wird Archie, der in jedem Fall interessiert ist auch ein guter Sportler, mal wird die sportliche Laufbahn jäh gestoppt. Mal zieht es Archie mehr zum Journalismus, mal eher zur künstlerischeren Art des Schreibens. Mal wird steht sein Leben auf dem Spiel, mal ist es ihm vergönnt, ein Buch gedruckt zu sehen. Mal wird aus der Freundin eine Stiefschwester, mal wird aus der Jugendfreundin eine erste Freundin. Vier unterschiedliche Lebenswege in den ersten Kinder-, Jugend- und Erwachsenenjahren. 

Diese Idee ausgehend von der Geburt des Archie Ferguson vier unterschiedliche mögliche Lebenswege zu beschreiben ist schon genial. Der Witz des Anfangs ist der Witz am Ende und dazwischen liegt eine reiche Welt, in der man seine Sympathien verteilen kann. Jede Inkarnation eines Archie hat etwas, in teilweise sehr emotionalen Szenen taucht man in die verschiedenen Leben ein. Am herzzerreißensden sind dabei die freien Stellen, die Platz lassen für die Phantasie, aber auch das Bedauern, über das, was nicht geschrieben wurde. Vier Archies, von denen einer dem Schreibenden am nächsten kommt, vier Archies, die alle für sich einnehmen können. Leben mit Höhen und Tiefen, die abschrecken oder auch bezaubern können. 

Nicht immer ganz einfach zu lesen ist dieser für Ideen sprühende Roman, lässt man sich jedoch darauf ein, hat man ein Leseerlebnis, das man sicher in Erinnerung behalten wird.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

4 3 2 1 von Paul Auster
ISBN: 978-1-250-16548-7

Samstag, 15. Dezember 2018

Schneebedeckte Berge


In einem Skiresort in Kanada trainieren sie alle, die Einheimischen, die aus dem Nachbarort, die Deutschen, alle eben. Nicht gut für die Reputation des Ortes ist da natürlich, wenn bei Training ein Unfall passiert. Die neue Sicherheitschefin Kalin, die Pistenbereiter, das Hilfspersonal, alle im Resort versuchen für das Wohlergehen der Sportler zu sorgen. Schon zu Beginn der Trainingssaison allerdings stürzt Steve McKenzie, einer der unbeliebtesten aber auch einer der besten Fahrer. Vielleicht empfindet da mancher etwas Schadenfreude, doch als sich herausstellt, dass der Sportler den Sturz nicht überlebt hat, ist das Entsetzen groß. Neben der Polizei versucht auch Kalin herauszufinden, wie es zu dem schweren Unfall kommen konnte.

Gerade passend für die Jahreszeit ist dieser Winterkrimi. Kalin Thompson, gerade erst zur Sicherheitschefin befördert, muss gleich zu Beginn ihrer Laufbahn ermitteln, wie ein junger Sportler während des Trainings zu Tode kommen konnte. Schnell stellt sich heraus, dass es bei dem Unfall nicht mit rechten Dingen zuging. Dadurch kommt Kalin, die einfach ins kalte Wasser gestoßen wurde, noch mehr unter Druck. Sie kann sich nicht den kleinsten Fehler leisten, schließlich geht es neben der Klärung der Todesumstände auch um den Ruf der Ski-Anlage, die mit guten Ski- und Trainingsangeboten schließlich ihr Geld verdient. 

Abfahrt, Super-G, etc. Wer den Skisport mag und sich gerne in eine winterliche Landschaft versetzen lässt, wird an diesem Krimi sicherlich viel Gefallen finden. Die sympathische Kalin Thompson und ihr Freund, der Feuerwehrmann Ben, halten fest zusammen. Als sogenannte Minipolizeichefin ermittelt Kalin zwar nicht wie die Polizei, doch auch sie stellt Nachforschungen an, schließlich will auch der Chef über alles, was in seinem Laden vorgeht, informiert sein. Damit ist dieser Krimi sowohl vom Setting her als auch von der Ermittlerin her etwas anders angelegt als üblich. Das gibt einen besonderen Reiz, der das Buch von der Masse abhebt. Ebenfalls spannend ist es, einen kleinen Einblick zu gewinnen, wie es während verschiedener Trainingslager in einem Skiresort zugeht.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Abwärts von Kristina Stanley
ISBN: 978-3-9583-5235-3


Donnerstag, 13. Dezember 2018

Sieben Dämonen


Er, Jack Price, ist eigentlich nichts als ein ehrenhafter Drogenhändler, etwas schlauer als die anderen, aber mehr eben auch nicht. Als eine alte Dame, die in seiner Nachbarschaft wohnt, ermordet wird, löst das eine gewisse Unruhe aus. Jack Price fängt an sich zu fragen, wer einen Grund gehabt hätte, eine zwar nicht unbedingt nette aber doch harmlose alte Frau zu beseitigen. Da ihm keine geeignete Antwort einfällt, kommt er auf die  Idee, der Mord könnte etwas mit ihm selbst zu tun haben. Will etwa jemand in sein Revier eindringen? Price beginnt nachzubohren und zieht damit erst recht die Aufmerksamkeit derer auf sich, die er garnicht kennenlernen möchte.

Jack Price ist schon eine rechte Kodderschnauze. Er meint, er ist der Beste, als Drogenhändler jedenfalls. Als er jedoch auf einmal eine Gruppe von Auftragskillern an den Hacken hat, die ihm nach dem Leben trachten (eigentlich hätte er diese Mörder, die sich die „seven Demons“ nennen, lieber selbst engagiert, um die vermeintliche Konkurrenz aus dem Weg zu räumen), läuft Price zu Hochform auf. Schließlich ist einem das eigene Leben doch am meisten wert und so fällt ein menschliches Hindernis nach dem anderen den Umtrieben von Jack Price zum Opfer. Da müssen sich die Dämonen mal warm anziehen.

An so einen Helden muss man sich erstmal gewöhnen. Das freche Mundwerk des Jack Price bringt der Sprecher dieses Hörbuchs, Carsten Wilhelm, sehr gut rüber. Man kann sich beinahe vorstellen, wie Price an einer Wand lehnt und von seinen Abenteuern erzählt. Wie er einen nach dem anderen übers Ohr hat und seine Situation langsam doch sehr prekär wird. Nach und nach fragt man sich, wie Jack Price seinen Häschern noch entkommen will. Belustigt hört wie er einen Haken nach dem nächsten schlägt und nach mehr als einer eigentlich ausweglosen Lage doch irgendwie noch auf seinen Füßen steht. 

Aberwitzig und skurril mutet dieser Krimi an, in dem schon mal einer durch einen abgetrennten Kopf sein Leben verlieren kann. Das muss man eben abkönnen, wenn man sich von Jacks Frechheit unterhalten lassen will.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Fuck you very much von Adain Truhen
ISBN: 978-3-9615-4040-2

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Tasmanien to go


In Windy Mountain, einem kleinen Ort in Tasmanien mit 3003 oder 3004 Einwohnern, je nachdem, aus welcher Richtung man in das Städtchen kommt, wird ein Bewohner festgenommen, weil es Männern zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang nicht erlaubt ist, in Frauenkleidern rumzulaufen. Eigentlich war der Gute nur zu einer Verkleidungsparty. Das ging dann wohl schief. Und es gibt noch mehr, was schief gehen kann. Denn plötzlich will der Bürgermeister den örtlichen Apfelbaumhain abholzen, der doch die Lebensgrundlage für etliche Dorfbewohner bietet. Schon deshalb ist der ganze Ort in Aufruhr. Und als dann auch noch eine Gruppe Motorradrocker auftaucht, wird es auch nicht besser.

Erstaunlich, wie sich unter 3003 oder 3004 Einwohner so viele skurrile Persönlichkeiten einschleichen konnten. Der beinahe schon despotische Bürgermeister, dem man eine Abreibung durchaus gönnt. Oder der ehemalige Trunkenbold der Stadt, dem nicht geglaubt wird, dass er einen Tasmanien Tiger gesichtet hat. Zwar ist das Tier offiziell 1036 ausgestorben als das letzte Weibchen in einem Zoo starb, doch gibt es immer wieder angebliche Sichtungen. Und die Grünen des Ortes, die etliches verhindern wollen, worüber sie sich nicht einigen können - bis der Tasmanische Tiger kommt. Und der Rocker, der gegen seinen Willen im Krankenhaus liegt und gegen die Oberschwester den Kürzeren zieht.

Es dauert eine Weile bis man sich als nicht Muttersprachler sowohl an die Ausdrucksweise als auch die Charaktereigenschaften der Einwohner von Windy Mountain gewöhnt hat. Doch wenn man langsam einen gewissen Durchblick gewinnt, bekommt der Roman einigen Charme. Die Bewohner sind wirklich etwas speziell, doch wie sie ihren selbstherrlichen Bürgermeister zur Räson bringen hat schon was. Und so manche kleine Nebengeschichte löst zusätzliche Lacher aus. Hinzu kommen noch sinnvolle und nützliche Informationen über den Tasmanischen Tiger, den man nicht mit dem Tasmanischen Teufel verwechseln sollte, der immerhin noch ein irdisches Dasein fristet. Auch wenn es nicht Muttersprachlern einige Schwierigkeiten bereitet, ist dieses humorvolle Buch durchaus lesenswert.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Who knew Tasmanian Tigers eat Apples von John Martin
ISBN: B01MZIMXOS



Dienstag, 11. Dezember 2018

Ausgrabung


Matt Turner, Mitte 20, ist dabei seine brandneue Wohnung zu beziehen. Er ist zu Geld gekommen und glaubt, endlich sei er frei. Doch weit gefehlt, seine Fähigkeiten sind weiterhin gefragt und sein ehemaliger Auftraggeber wird zu seinem neuen Auftraggeber. Matt hat die Gabe, mitzuerleben, was Besitzer von Gegenständen erlebt, erlitten haben, wenn er diese Gegenstände berührt. Für ihn ist es Segen und Fluch zugleich, denn so müssen seine eigenen Sachen immer neu und unberührt sein. Und die Besitzer der Gegenstände, deren Hintergrund er bestimmen soll, haben häufig keine schönen Erlebnisse hinter sich. Matt erleidet die Leben der anderen. Und doch lässt er sich breitschlagen, ein besonderes Artefakt zu berühren.

Zum einen istMatt Turner  noch ein junger Schnösel, zum anderen allerdings hat er in seinem Leben schon eine Menge mitgemacht. Sein Vater, ein Polizist, hat seine Gabe während Matts Kindheit ausgenutzt, um Kriminalfälle zu lösen, ohne dabei zu bedenken, dass Matt in die Opfer eintaucht, wenn er deren Besitzgegenstände berührt. So ist es wohl schon eine ausgleichende Gerechtigkeit, wenn Matt jetzt auf eigenen Füßen steht und mit dem Geld rumprotzt. Das neue Artefakt, das an einer Ausgrabungsstätte in Kenia gefunden wurde, kann es eigentlich nicht geben. Nach den technischen Altersbestimmungen ist es älter als jede je da gewesene Zivilisation. Nach heutigem Kenntnisstand unmöglich. Und so soll Matts Gabe dabei helfen, das wahre Alter zu bestimmen oder herauszufinden, ob es schon vor den Menschen intelligente Wesen gegeben haben kann.

Das Gedanken-Experiment einer früheren Zivilisation ist schon bestechend. Das Rumgezerre derer, die Matts Gabe nutzen wollen, ist glaubhaft geschildert. Doch Matt als großes Kind, noch nicht ganz erwachsen, mit 25 sollte er doch schon etwas weiter sein. Zu Beginn wird diese Seite Matts beschrieben, während im Mittelteil sehr fesselnd geschildert wird, wie Matt sich dem Artefakt hingibt und wie die Informationen aufgenommen werden. Zum Schluss hin, ist Matt etwas abgeschnitten von den Ereignissen, so dass auch der Leser gewisse Dinge quasi aus zweiter Hand erfährt. Diese Art der Aufteilung mag nicht jedem gefallen, doch insgesamt unterhält Abenteuerroman mit Bezug zur Vorgeschichte doch sehr gut.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)


The Dig von Michael Siemsen
ISBN: B0045Y1N12


Montag, 10. Dezember 2018

Unruhige Vergangenheit


Der Polizist Jaxon Jennings behandelt den Fall eines aufgefundenen Hundekörpers nicht mit allergrößter Aufmerksamkeit. Dies ändert sich jedoch als nahezu an gleicher Stelle ein Junge unter dem Eis eines Pools aufgefunden wird. Doch es scheint unmöglich, den Jungen zu identifizieren. 
Dass die Beamten nicht weiterkommen, liegt vielleicht auch daran, dass ihnen die jugendliche Besitzerin des Hundes und ihre Freunde nicht alles erzählen. Ellie, Luke und ihre Kameraden werden von einem unheimlichen Fremden bedroht. Als jedoch eine Weile nichts mehr geschieht, hoffen und glauben sie, dass die Gefahr gebannt sein könnte. Diese Hoffnung erweist sich als trügerisch. 

Die Jugendlichen sind so um die 15 Jahre und für dieses Alter handeln sie relativ erwachsen. Obwohl sie beinahe direkt bedroht werden, begegnen sie dem sehr umsichtig. Ob es allerdings längerfristig sinnvoll ist, vor der Polizei Informationen zurückzuhalten, wird sich zeigen. Die Beamten dagegen tappen eine Weile im Dunkeln, bis sie doch mit Hilfe der jungen Leute eine heiße Spur haben. Die Ermittlungen dort haben jedoch einen fatale Ausgang und alles steht wieder auf Anfang.

In diesem Fall greift alles ineinander, das Leben und das Umfeld der Jugendlichen, die Untersuchung der Polizei und die Umstände des privaten Lebens der Beamten. Geschickt und packend ist alles verwoben. Allerdings erscheinen einige Kniffe etwas erzwungen und einige Zusammenhänge etwas weit hergeholt. Dass die Jugendlichen in Teilbereichen schlauer sind als die Polizei oder auch die besseren Kontakte haben ist manchmal nicht so leicht nachvollziehbar. Darüberhinaus kann man schon den Eindruck gewinnen, dass das Maß an notwendiger Gewalt überschritten ist. Positiv ist hervorzuheben, dass dieser Thriller spannende Unterhaltung bietet. Man sollte es einfach genau als das nehmen - spannende Unterhaltung.


3 Sterne (🐳🐳🐳)

Frozen Past von Richard C. Hale
ISBN: B01FGP7SZ8

Sonntag, 9. Dezember 2018

Union Girl


Die Freiheitsstatur in Sicht. Auch wenn sie sich nicht kennen, kommen sie im Jahr 1917 gemeinsam in den USA an. Lena und Daniel, junge Menschen, die die große Freiheit vor Augen. Natürlich relativiert sich das in den Büros der Einwanderungsbehörde. Doch zum Glück verlieren sich die Beiden nicht aus den Augen, auch wenn sich ihre Lebenswege in getrennte Richtungen entwickeln. Daniel nimmt Gelegenheitsjobs an, um die Abendschule absolvieren zu können. Er hofft auf die Möglichkeit, studieren zu können. Lena dagegen findet eine Anstellung als Näherin und gleich am ersten Tag wird sie von der quirligen Sophie unter deren Fittiche genommen.

Während sich Lena und Sophie in der Gewerkschaftsarbeit organisieren und ihre Arbeitsumstände verbessern wollen, nimmt Daniel den Weg einer gründlichen Ausbildung. Auch er möchte die Situation der Menschen verbessern. Allerdings ist es ein Ziel, ein Anwalt der kleinen Leute zu werden. Sophies Freund Jake engagiert sich als Gewerkschaftsführer. Das Auge, welches er auf Lena geworfen hat, muss ein geheimes bleiben. Schließlich ist Loyalität gegenüber Sophie gefragt. In ihrer Jugend kommt der eher ruhige Daniel bei Lena nicht zum Zuge. Als Lena und Sophie bei einem katastrophalen Brand in der Näherei fast ums Leben kommen, erweist sich das als schicksalsbestimmend für ihrer aller Leben.

Über mehrere Jahrzehnte wird der Lebensweg von Lena, Sophie und ihren Familien geschildert. Gerade nach der Dramatik am Anfang stellt sich der Mittelteil mit einer eher ruhigen Erzählung dar, in dem ein Überblick über die verstreichenden Jahre gegeben wird. Auch hier gibt es einschneidende Ereignisse und Entdeckungen, doch entwickeln sich die Protagonisten eher langsam. Im abschließenden dritten Teil wird die Fahrt gebremst und die Spannung gesteigert. In diesem Familienroman wird ein interessanter Abriss über die Geschichte der Arbeiterbewegung in den USA geboten. Gleichzeitig wird ein Akzent auf die beginnende Befreiung der Frau gelegt, die nicht mehr nur still hinter ihrem Mann steht. Die Kombination aus Familiengeschichte mit gesellschaftspolitischen Entwicklungen der Zeit macht diesen Roman zu einer interessanten und auch emotionalen Lektüre.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

The Garment Maker's Daughter von Hillary Adrienne Stern
ISBN: 978-0-9982-4160-9



Samstag, 8. Dezember 2018

Deal or no Deal


Nach seinem letzten Fall ist der Anwalt Nicolas Meller richtig auf die Füße gefallen. Er hat Büroräume in einer guten Lage gemietet, eine Büroleiterin und eine Anwältin angestellt. Mit seiner Freundin Nina ist er zusammengezogen. Auch für neue Mandanten ist er offen. Überrascht ist er allerdings als er von einem Adeligen darum gebeten wird, einen Bekannten in Moskau aus der Haft zu holen. Eine weitere allerdings unangenehme Überraschung gibt es, ein Paketbote wurde umgebracht, der Meller ein Päckchen zustellen sollte. Ein Päckchen, das Meller nicht angekündigt wurde und zu dem er somit auch keine Auskunft geben kann.

In seinem zweiten Auftritt ist Nicolas Meller dabei, sich zu finden. Er steht ein wenig vor der Entscheidung, ob er sich den Reichen und den Schönen zuwenden soll oder ob er eher bei seinen Wurzeln bleiben soll oder auch irgendwo dazwischen. Obwohl der seine neue Stellung genießt, merkt er bald, dass er sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen kann. Seine Position ist keinesfalls gesichert und so kann es schnell mal heißen, wie gewonnen, so zerronnen. Umso verlockender ist daher das Angebot eines ortsansässigen Baulöwen, dessen anwaltliche Vertretung zu übernehmen. Doch was hat dann die Sache mit dem in Moskau Einsitzenden zu tun, der den Beteiligten bekannt ist.

Auch wenn in diesem Fall etliche Menschen bedauerlicherweise ihr Leben lassen müssen, so wird Nicolas Meller nicht in einen reinen Mordfall verwickelt. Die Todesfälle sind eher eine Nebensache. Worin Meller wirklich hineingerät, sind Machenschaften, die die Bauwirtschaft in etlichen Bereichen bestimmen. So manches Mal kommt man auf die Idee, das könnte auch hier in der Zeitung gestanden haben. Und man fragt sich, wie Meller aus diesem Sumpf wieder herauskommen will. Doch wie seine Freundin Nina bemerkt, ist er ein guter Anwalt mit einem guten Gespür, mit dem er nicht nur seinen Mandanten auf die Sprünge hilft, sondern manchmal auch sich selbst. Am Ende ist realistischerweise nicht alles so wie gewünscht, aber eine Entwicklung in eine gute Richtung hat die Anwaltskanzlei Meller genommen.

Ein packender zweiter Auftritt von Nicolas Meller, der am Ende insbesondere im Umfeld lockere Fäden aufweist, von denen man wissen möchte, wie sie sich neu verknüpfen lassen.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Blutacker von Lorenz Stassen
ISBN: 978-3-453-43944-3


Freitag, 7. Dezember 2018

Verdacht


Sie sind starke Frauen. Janet, die ihren Mann verlässt, nachdem er sie betrogen hat. Ellen, die sich wieder einen Job sucht, nachdem sie erfahren hat, dass sie keine Kinder bekommen kann. Francis, die nach ihrer Scheidung durchstartet. Laura, erfolgreich im Nachrichten TV. Maddie, erfolgreich als Kolumnistin. Sie sind auch sehr unterschiedliche Frauen, die einen sehen mehr den beruflichen Erfolg, während andere sich eine Familie wünschen. Und dann ist da noch Lauras Wohnungspartnerin und Kellnerin Angie, die eigenartigerweise gerade die Ehemänner einiger der anderen besser kennt. Ausgerechnet sie ist in der Gesellschaft eines dieser Ehemänner, als dieser bei einem Unfall mit einem Grill zu Tode kommt.

Kleine Rückblicke in die Vergangenheit schüren einen Verdacht. Sie sind jedoch so geschickt eingestreut, dass eine vermeintlich klare Sache mit immer größerer Unsicherheit betrachtet wird. Wer sind die Frauen? Worauf gründet ihre Freundschaft oder auch ihre Feindschaft? Nicht alle sind miteinander befreundet. Welcher Art sind die unterschwelligen Beziehungen? In welche Richtung gehen die oberflächlichen Strömungen? Männer sind da häufig echt einfacher gestrickt, sie geben eine klare Kante. Die Metamitteilungen zwischen Frauen sind dagegen manchmal schwer zu lesen.

In ihrem bereits 2012 erschienen Roman macht es die Autorin den Lesern nicht ganz leicht. So richtig sympathisch werden ihre Heldinnen bis auf wenige Ausnahmen nicht. Und die Männer kommen noch schlechter weg, denn meist wirken sie wie Frauenverächter, die schließlich nur auf Sex aus sind. Man ist geneigt, sich doch wieder auf die Seite der Frauen zu schlagen, denen man etwas besseres wünscht. Aber sollten sie da nicht selbst aktiv werden? Aufstehen? Offen und ehrlich und nicht nur hintenrum und Strippen ziehend? So wie man es häufiger antrifft zieht sich dieses Buch am Anfang etwas, doch man sollte nicht aufgeben, denn je weiter man liest, desto mehr genießt man das Verwirrspiel, dem einen die Autorin unterzieht. Möglicherweise möchte man nur wenige der Akteure näher kennenlernen, doch diesen durchaus ansprechenden Thriller wird man schon in positiver Erinnerung behalten.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

All the Difference von Kaira Rouda
ISBN: 978-0-9849-1511-8


Donnerstag, 6. Dezember 2018

Buchsalat


Nach schweren Schicksalsschlägen und einer Erbschaft kehrt Addie an den Heimatort ihrer Familie zurück. Wobei sie sich allerdings nicht erinnert, ob sie schon einmal dort gewesen ist. Ihre verstorbene Großtante hat ihr ein herrschaftliches Haus und eine Sammlung von Büchern vererbt. Addie, die bis dahin, für ein Museum gearbeitet hat, wo sie nach verlorenen oder seltenen Büchern gesucht hat. Wegen der vielen ererbten Bücher, unter denen sich auch Sammlerstücke befinden, aber auch die ganz normalen Bücher, die häufig nur einmal gelesen werden, kommt Addie auf die Idee, einen Laden für gebrauchte Bücher zu eröffnen. Schon am Eröffnungstag wird ihr kleiner kuscheliger Buchladen beobachtet und es gibt einen Einbruchsversuch.

Bei diesem Roman handelt es sich um den Beginn einer Reihe um die Buchhändlerin Addie Greyborne, deren zweiter Teil bereits angekündigt ist. Um Addie, die Gründe für ihren Umzug und die Einführung in das Örtchen, welches ihre Vorfahren gegründet haben, einzuführen, lässt die Autorin etwas viel auf Addie einstürzen. Auch scheint es fast so, als zöge mit ihr das Verbrechen in das kleine Neu England Städtchen. Zum Glück lernt Addie schon am Tag der Eröffnung ihres Ladens die Besitzerin des Teeladens kennen, der neben ihrem liegt. Die beiden jungen Frauen sind sich sofort sympathisch und auch Serenas Bruder Marc, der örtliche Polizeichef, ist ein zuverlässiger Helfer. Er wird nach dem ersten Einbruchsversuch schnell gebraucht.

Wegen der Ereignisse vor Addies Ankunft, müsste sie eigentlich in tiefe Depressionen verfallen. Ihr hat die Autorin etwas zu viel aus dem Vollen geschöpft. Doch schon bald gewinnt der Roman mit Hilfe der quirligen Serena und der unermüdlichen Addie. Beide haben mit den unheimlichen Begebenheiten zu kämpfen, die nach Eröffnung von Addies Laden geschehen. Wenn dann die Einzelheiten des großen Ganzen zusammen gepuzzelt werden und die Amateurdetektivin dem Fachmann in Nichts nachsteht, inhaliert man jedes weitere Kapitel mit Neugier und kommt so tatsächlich größeren Verbrechen auf die Spur und erfährt gleichzeitig etwas über eine Welt, in der Buchraritäten hochgehandelt werden.

Ein sehr unterhaltsamer Häkelkrimi, der zu empfehlen ist, wenn man gerne über Buchwelten liest.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Murder by the book von Lauren Elliott
ISBN: 978-1-4967-2022-1



Dienstag, 4. Dezember 2018

Dog House


Wenn der Killer sich nicht an die Anweisungen hält, ist er tot. Als Raeseng dem alten Mann und seinem Hund eine gewisse Gnade erweist, muss er also fürchten, selbst zum Abschuss freigegeben zu werden. Doch zunächst sind einige andere dran. In der sich ändernden Lage in Korea besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Macht der Plotter vergeht, zu denen auch Raesengs Ziehvater Old Raccoon gehört. Wird Raeseng der Gefahr trotzen können? Mühsam ist jedenfalls sein Weg und ungewiss ist, ob er am Ende noch Herr über die Waffe in seiner Hand sein wird.

Mit Raeseng, dem Auftragskiller, begegnet man hier einem Helden der anderen Art. Und dieser bewegt sich in einer ganz anderen Welt. Hier sind Auftragsmorde an der Tagesordnung. Wer im politischen System aneckt oder auch sonst eine unliebsame Person ist, wird schnell mal vom Leben in den Tod befördert. Verwandten bleibt dabei das Rätsel, was mit ihren Lieben wirklich geschehen ist. Über Jahre und Jahrzehnte lief dieses System in ruhigen Bahnen. Allerdings ist den Killern keine hohe Lebenserwartung beschieden. Den Tod seines Freundes und Mentors Chu hat Raeseng nicht verwunden. Er will dessen Tod rächen. Dass er dabei zwischen die Fronten verschiedener Gangs geraten könnte, ficht ihn nicht an.

Aus europäischer Sicht sind asiatische Länder doch eher unbekannt, wobei man über Korea und die dort herrschenden Zustände möglicherweise noch weniger weiß. So ist es dann auch wie ein Eintauchen in fremde Gewässer, wenn man beginnt diesen Roman zu lesen. In seiner eigenen Naivität mag man zunächst nicht glauben, dass der freundliche alte Man wirklich sein Leben lassen muss, nur um seine Meinung zumindest in gewissem Umfang zu revidieren, wenn man erfährt, wer der alte Mann in jüngeren Jahren war. Gibt es eine Gerechtigkeit? Kann es gerechtfertigt sein, aufzuräumen? Doch auch dieser Krieg zwischen den verschiedenen Organisationen des Tötens, sind es die Aufrechten, die ihn anzetteln? Auch wenn man mit europäisch gepoltem Verständnis nicht alles nachvollziehen kann, wird man doch in den Bann dieses skurril verdrehten Thrillers gezogen.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Die Plotter von Un-Su Kim
ISBN: 978-3-95890-250-3


Montag, 3. Dezember 2018

Verschwunden


Die junge Mitarbeiterin des Berliner Außenministeriums Anna Hartmann ist verschwunden. Der Privatdetektiv Georg Dengler erhält den Auftrag, nach ihr zu suchen. Ein Fall, der zunächst eher unspektakulär erscheint. Als jedoch eine Aufzeichnung einer Handykamera nahelegt, dass Hartmann möglicherweise entführt wurde, gewinnt die Suche an Brisanz. Dengler beginnt sich mit Annas Arbeit zu beschäftigen. Sie war für die Troika tätig, die die Griechenlandhilfen verteilen und kontrollieren sollte. Hat Anna etwa begonnen, an ihrer Arbeit zu zweifeln? Was hat sie über die Wege des Geldes herausgefunden, dass eigentlich die griechische Wirtschaft stützen sollte oder auch den Griechen zugute kommen sollte.

In seinem neunten Fall kommt der Privatdetektiv und ehemalige Polizist Georg Dengler mit einem Vorgang in Berührung, der sich ganz anders entwickelt als zuerst vermutet. Soll er auftragsgemäß nur das Verbleiben einer Mitarbeiterin des Auswärtigen Amtes aufklären? Wieso überhaupt kommt der Auftrag nicht aus der Familie? Hat sich die junge Frau mit der Durchführung ihrer Aufträge etwa Feinde gemacht? Es herrscht Stille, eine Lösegeldforderung geht zunächst nicht ein. Dengler beginnt, tiefer zu graben. Könnte das Ganze tatsächlich mit den Griechenlandhilfen zusammenhängen? Doch so groß war die Bedeutung von Hartmanns Tätigkeit eigentlich nicht.

Natürlich könnte man sich über Denglers neue und erste Mitarbeiterin Petra Wolf amüsieren, die ihn in die Tiefen oder Untiefen einer ordentlichen Kalkulation einweiht und gleich die entsprechenden Rechnungen schreibt. Doch das Amüsement vergeht einem bald, wenn man die die Ausführungen zur Griechenlandkrise liest. Auch dies ist eine Sichtweise, die mehr als nur eine gewisse Plausibilität beinhaltet. Und man sollte ob dieser möglichen Sichtweise mal wieder in sich gehen und überlegen, ob so manche unbedachte Äußerung nicht doch fehl am Platze sein könnte. Schließlich geht es wie so oft um Menschen, die der Raffgier der Mächtigen geopfert werden. Wie man es von dem Autor schon gewohnt ist, öffnet er einen anderen Blickwinkel auf ein bekanntes Thema und regt damit zum Nachdenken an, ob das, was einem so vorgegaukelt wird, einer Überprüfung standhalten würde. Einige der literarisch verarbeiteten Ideen und Recherchen sind jedenfalls erschreckend plausibel und logisch. Vielleicht sollten sich einige doch bescheiden und mal eine ehrliche Rechnung aufmachen.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Der große Plan von Wolfgang Schorlau
ISBN: 978-3-8398-1578-6


Sonntag, 2. Dezember 2018

Abschluss


Seit der Trennung von ihrem Ex, die schon ein Jahr her ist, hat sich Tara noch nicht richtig erholt. Und um dem Übel auch noch die Krone aufzusetzen, verlobt der Fiesling auch noch mit ihrer Cousine und tritt zur Bürgermeisterwahl an. Taras Freundinnen Nat, Elaine und Gloria stehen ihr eng zur Seite. Allerdings sind die drei so langsam der Meinung, dass die Zeit der Trauer so langsam mal vorbei sein sollte. Als sie in einer Zeitschrift einen Artikel über die „sieben Schritte um über ihn hinweg zu kommen“, ist der Plan gefasst. Tara muss diese Schritte durchlaufen, damit sie endlich neu starten kann.

Recht harmlos beginnt es mit den Schritten, die wohl viele kennen, erstmal eine neue Frisur und eine neue Garderobe. Auch das neue Hobby ist noch machbar. Doch dann kommt die erste Hürde, der bedeutungslose Sex ist zu absolvieren, bevor ein Urlaub an einem exotischen Ort angetreten werden kann. Man merkt jedoch, dass jeder kleine Schritt eine gewisse Bedeutung hat. So wie der miese Ex Taras Selbstbewusstsein mit seinen blöden egoistischen Äußerungen dezimiert hat, muss sie selbst sich wieder zusammenraufen und befreien. 

Zum Glück handelt es sich bei diesem Roman nicht um ein trockenes Selbsthilfewerk. Auch wenn sicher ein paar Weisheiten dargelegt werden, passiert dies doch in sehr amüsanter Form. Schon zu Beginn, wenn Tara ihrem frechen sprechenden Kakadu den Mund verbieten möchte, kommt man aus dem Lachen nicht heraus. Solche Szenen genialer Lustigkeit ziehen sich durch das ganze Buch. Natürlich gibt es auch ernstere und romantische Momente. Herrlich, wie man seinem Widerwillen gegen den Ex freien Lauf lassen kann, wie Tara von ihrer Mutter immer wieder mit psychisch gestörten Tieren versorgt wird, wie sie sich durch die sieben Schritte kämpft, immer in der Hoffnung zu sich selbst zu finden. 

Dieses witzige Selbstfindungsbuch kann wirklich jedem empfohlen werden, dem es nach ein paar Stunden lustiger, aber auch gefühlvoller Unterhaltung gelüstet.



4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

The seven steps to closure von Donna Joy Usher
ISBN: 978-0-987-32070-4


Samstag, 1. Dezember 2018

Aus der Welt


Im Jahr 1867 ist die junge Gouvernante Konstanze Vanholst mit ihrem Mündel Clarissa unterwegs nach Passau. Die Eltern des Mädchens sind tot und die beiden sind vor dem Onkel auf der Flucht, der sich das Erbe unter den Nagel reißen will. Auf dem Weg lauern mannigfaltige Gefahren, die nicht alle von dieser Welt sind. Schon nach kurzer Zeit werden Konstanze und Clarissa getrennt. Clarissa wird entführt und Konstanze, die eigentlich im Fluss entsorgt werden sollte, wird von einem seltsamen Wesen gerettet, das gegen die Hilfe einen Gefallen einfordert. Der junge Ian McMullan landet mit seinem Meister in eben jenem Bordell, in das Clarissa entführt wurde.

Die Wanderungen durch den düsteren bayrischen Wald bekommen bald etwas Mystisches. Verschiedene Gruppen mit unterschiedlichen magischen Fähigkeiten treffen hier aufeinander und nicht alle haben hehre Ziele. Die junge Clarissa ist in ihrer Unschuld in großer Gefahr. Konstanze, nicht so viel älter, will ihren Zögling schützen. Dass sie dafür möglicherweise ihr Leben riskieren muss, war allerdings nicht geplant. Die Begegnung mit dem eigenartigen Rabenmann ist sehr beängstigend und auch der auf den ersten Blick freundliche Richard hat eine geheimnisvolle zweite Seite. Ordensbrüder, die sich als Hexenjäger aufführen, sind dagegen immer mit Vorsicht zu genießen.

Obwohl dieses Buch in sich abgeschlossen ist besteht doch eine gewisse Verbindung zu einigen weiteren Büchern der Autorin. In ihren Schauerromanen entwickelt sie ein eigenes Universum, wobei nicht ganz gewiss ist, ob es besser ist, die zeitliche Reihenfolge einzuhalten. Dieser Band ist zeitlich jedenfalls wenige Jahre später angesiedelt als die anderen Bände. Mit Interesse beginnt man die Lektüre, die mit der Vorstellung der jungen Frauen auf der Flucht beginnt. Immer wieder bedarf es Konstanzes Einfallsreichtum, um den Verfolgern zu entkommen. Mit Witz wird beschrieben, wie Konstanze immer wieder dem einem oder anderen knapp von der Schippe springt. Und auch die Wanderungen durch den düsteren Wald und die Begegnung mit seltsamen Wesen vermögen sehr zu fesseln. Doch andere Passagen eher surrealer Art vermögen sicher manchen Leser zu überzeugen, doch vielleicht nicht jeden. Wenn sich jedoch am Ende die Teile zu einem Ganzen fügen, schließt man das Buch zufrieden, eine gute Schauergeschichte präsentiert bekommen zu haben.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Schwingen aus Stein von Ju Honisch
ISBN: 978-3-426-45220-2


Freitag, 30. November 2018

YouTuberin


Beim letzten Fall ist nochmal alles halbwegs gut ausgegangen. Hauptkommissar Adam Danowski ist wieder bei der Fallanalyse. Meta Jurkschat und Finzi sind wieder zusammen. Und Meta hat sogar die Leitung einer Sondereinheit erhalten, in welche sie ihre beiden ehemaligen Partner anfordert. Es könnte für Danowski also ein schöner Ausflug mit seiner Tochter in ein nahegelegenes Erlebnisbad werden. Jäh gestört wird die Badefreude jedoch als sich ein Tumult an einer der Rutschen ereignet und währenddessen die junge YouTuberin Billi Swopp aus dem Schwimmbad entführt wird. Danowski, der sein Mundwerk nicht zurückhalten kann, wird beinahe von der Polizei Schleswig-Holsteins verhaftet, hätte ihn nicht ein Kollege erkannt.

Die YouTuber sind schon ein Völkchen für sich. Mit ihren vermeintlich authentischen Kanälen geben sie Ratschläge für alle Lebenslagen, mit coolen Bilden und manchmal gerappt. Gerade der richtige Fall für Adam Danowski. Seine Töchter sind genau im richtigen Alter, um sich in der YouTuber-Szene auszukennen, obwohl sie natürlich keine Fans sind. Und so kommt Danowski bald auf die Idee, die ganze Entführung könnte vorgetäuscht sein, weil die Klicks auf Billis Kanal sinken und sich so kein Geld verdienen lässt. Doch kann er der jungen Frau wirklich unterstellen, sie würde für den schnöden Mammon wirklich die ganze Welt an der Nase herumführen?

In seinem fünften Fall hat Hauptkommissar Danowski sein Leben immerhin so halbwegs im Griff, auch wenn sich mal wieder alles eintrübt. Durch seine Töchter hat er seinen Kollegen einiges voraus, was die YouTuber und ihre Sprache angeht. So kann er sich zwar gut in Billi hineinversetzen, doch ob das in Bezug auf ihr Verschwinden immer hilfreich ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Und doch ist der Ausflug in die inszenierte Welt der Internetstars und Sternchen sehr interessant und wirkt sehr glaubhaft. Man kann sich gut vorstellen, dass es tatsächlich so ablaufen könnte. Wenn auch zu Beginn die Elbe etwas langsam durch die Stadt fließt und diesmal die Entwicklungen im persönlichen Umfeld etwas zurückhaltend gestaltet sind, so ist der leicht humorige Tonfall sehr angenehm und das gewählte Thema aktuell und überzeugend. 


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Unter Wasser von Till Raether
ISBN: 978-3-499-29150-0


Donnerstag, 29. November 2018

Emma rennt


Seit er vor etwa einem Jahr in einen Kriminalfall verwickelt war, will der ehemalige Journalist Harry Svensson eigentlich nichts als seine Ruhe haben und seine Teilhaberschaft an einem Restaurant lieber an den Gästetischen genießen. Eines Nachts jedoch hämmert ein kleines Mädchen an seine Tür, dass offensichtlich sehr verstört ist. Die Kleine versteckt sich unter dem Bett. Harry steht noch in der Nähe eines offenen Fensters, da bemerkt er wie zwei zwielichtige Gestalten um sein Haus schleichen. Selbstverständlich versteckt er seinen Gast und auch sich selbst. Schon am nächsten Tag bringt er das Kind zu seinem Freund Arne, wo er sie in Sicherheit hofft. Harry selbst dagegen kehrt heim, um herauszufinden weshalb das kleine Mädchen, das nicht redet, solche Angst hat.

Einmal Journalist, immer Journalist. In diesem Fall kann und  will Harry es nicht lassen. Er muss einfach herausfinden, wieso die Kleine so verstört ist. Er kennt sie aus dem letzten Sommer. Hier und dort beginnt Harry nachzubohren. Viele Ansatzpunkte hat er dabei nicht, eigentlich hauptsächlich nur die zwei Gestalten, die er schemenhaft gesehen hat und deren Auto, einen großen SUV. Und gerade hier spielt ihm Kommissar Zufall in die Hände, denn an mehreren Stellen wird der Wagen gesichtet. Und so bekommt Harry eine Spur zu den Reichen und Schönen, die aus Stockholm heraus im Sommer an der Küste einfallen.

Auch in seinem zweiten Auftritt gewähren die Nachforschungen Harry Svenssons wieder einen Einblick hinter die Kulissen der malerischen schwedischen Küstenregion und ihrer Bewohner. Wie in jeder anderen Gegend auch, gibt es die treusorgenden Familienväter, aber auch richtige Schurken. Harrys Griff in ein Wespennest zeigt, dass gerade Letztere manchmal nicht fern sind und eine vermeintliche Idylle sehr trügerisch sein kann. Wie sich die Schlechtigkeit durch alle Gesellschaftsschichten frisst, ist sehr eindringlich geschildert. Wie viel Misstrauen gegenüber den vermeintlich integren Unternehmern ist angebracht, wie viel Vertrauen gerechtfertigt? Haben sie etwa alle Dreck am Stecken? Oder gibt es auch die Ordentlichen, die sich an die Regeln halten? Nun, nach der Lektüre dieses spannenden Romans wird wieder einiges an Misstrauen gesät sein.

Packende Unterhaltung mit einem investigativen Journalisten der besonderen Art.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

In den besten Kreisen von Mats Olsson
ISBN: 978-3-442-71558-9


Dienstag, 27. November 2018

Bürgermeisters Garten


In den Straßen New Yorks achten die Menschen nicht so sehr auf die anderen. Beinahe fällt es nicht auf, dass plötzlich mehrere Menschen wie von der Straße gepflückt sind. Wenig später tauchen vier Leichen im Garten den Bürgermeisters auf. Unter den Toten befindet sich eine junge Frau, die erst vor einigen Jahren in ein Kloster eingetreten ist. Vermisst gemeldet ist auch ein 11jähriger Junge, der schon bei seiner Geburt blind war. Die ermittelnde Beamtin Kate Mallory, die selbst eine schwierige Kindheit hatte, schöpft schnell Verdacht, dass hier überhaupt nicht alles so ist wie es scheint. 

Eine Cop-Heldin mit dem ausgefallenen Hintergrund, die ihren Käfer mit Porschemotor schon mal auf mehr Sachen beschleunigt als die Polizei erlaubt, macht sich hier nicht nur auf die Suche nach einem Mörder, sondern auch auf die Suche nach einem möglicherweise noch lebenden blinden Kind. Wie auch in ihren anderen Fällen lässt sich dabei ihre Spürnase die Richtung vorgeben. Wieso reagiert zum Beispiel der Bürgermeister so eigenartig auf die Leichenfunde. Weiß er mehr über die Toten oder kennt er sogar den Grund, weshalb sie auf seinem Grundstück gelandet sind. Was kann so ein psychopathischer Killer, der seinen Opfern die Herzen herausgeschnitten, veranlasst haben, die Toten ausgerechnet dort abzulegen. 

Kate Mallory geht eigene Wege. Sie ist hochintelligent und verlangt, dass man ihren Gedankengängen aufmerksam folgt. Wo ihre Schlüsse herkommen, wird man vielleicht nicht immer nachvollziehen können. Ihre humorigen manchmal leicht gemeinen Spitzen verursachen dagegen schon so manches Schmunzeln. Ihre Suche nach dem Täter und den Hintergründen der Tat ist geschickt aufgebaut, so dass es nicht nur eine Überraschung gibt. Mit Fingerspitzengefühl erspürt sie die Umstände und die geheimen Winkelzüge der Übeltäter. Was sie dabei erfühlt, öffnet einem wieder mal die Augen über die Schlechtigkeit, die in verschiedenen Menschen stecken kann oder auch die Güte von ganz unvermuteter Seite. 

Ein ausgesprochen spannender Thriller, dessen feine psychologischen Finten einen völlig gefangen nehmen.



4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Blind Sight von Carol O'Connell
ISBN: 978-3-442-71642-5


Sonntag, 25. November 2018

Gutes Haus


In einem kleinen Ort im Taunus findet die Postbotin den ehemaligen Unternehmer Theo Reifenrath tot auf. Der Tote muss schon einige Tage vorher verstorben sein, so dass die Todesursache nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Kommissarin Pia Sander wird zum Ort des Geschehens gerufen. Schnell bemerkt sie, dass eine genauere Besichtigung der Örtlichkeiten notwendig ist. Dabei entdeckt sie in einem Hundezwinger einen Hund, der so gerade noch am Leben ist. Das bedauernswerte Tier konnte nur deshalb so lange durchhalten, weil es ein paar Knochen abnagen konnte. Nach ersten Feststellungen handelt es sich um menschliche Überreste. Sofort beordert Pia Sander ihre Kollegen herbei, um das Grundstück absuchen zu lassen.

In ihrem neunten Fall arbeiten Pia Sander (Kirchhoff) und Oliver von Bodenstein wieder zusammen. Ungefähr zwei Jahre sind seit dem letzten Fall vergangen. Und hier nun stoßen sie auf mehrere weibliche Leichen, die offensichtlich schon seit langen auf dem Besitz des Theo Reifenrath verborgen waren. Dem Rechtsmediziner gelingt es, einige der Leiche zu identifizieren. Und so stellt sich heraus, dass Pia und Oliver auf eine Mordserie gestoßen sind, die bereits in den späten 1980ern begonnen hat. Die Umstände lassen darauf schließen, dass noch nicht alle Opfer gefunden sind. Ob die Gefahr besteht, dass weitere Morde geschehen, ist unklar. Schließlich kommt der Verstorbene als Täter in Betracht.

Eine ganze Weile musste gewartet werden, um wieder etwas Neues von Pia Sander und Oliver von Bodenstein zu erfahren. Es ist eine Art Cold Case, in dem die beiden hier ermitteln. Dieser allerdings könnte sich zu einem heißen Fall entwickeln, wenn die Mordserie noch nicht beendet sein sollte. Spannend wie die Ermittler nach und nach mehr über die Vergangenheit des Verstorbenen herausfinden. Dieser war durchaus nicht immer ein netter alter Opa. Eifrig versucht man mitzuraten, warum die Tötungen ausgerechnet um die Zeit des Muttertages durchgeführt wurden. Mit Entsetzen verfolgt man das Wühlen der Kommissare in der Vergangenheit der Beteiligten. Sollte mit den Seelen Schutzbefohlener wirklich so achtlos umgegangen worden sein? Doch nicht jeder, der vor langer Zeit nicht gut behandelt wurde, entwickelt sich zum Mörder. Was bringt einen Menschen dazu, zu töten? 

Mit Freude liest man wieder von Pia und Oliver. Wenn auch zunächst in eher ruhiger Art die Zusammenhänge erforscht werden, so entwickelt sich der Fall doch so fesselnd, dass man das Buch je weniger aus der Hand legen mag, desto mehr man vorangeschritten ist. Vielleicht nicht der mitreißendste Band der Serie, aber ein sehr guter.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Muttertag von Nele Neuhaus
ISBN: 978-3-8437-1880-6