Freitag, 30. April 2021

Eingedenk der Kinder

Vor Jahrzehnten verschwanden in der Schweiz mehrere Kinder. Ein Täter wurde gefasst und verurteilt, obwohl er behauptete für einen Teil der Taten nicht verantwortlich zu sein. Und nun in der Gegenwart ist wieder ein Kind verschwunden. Der sechsjährige Fabio Della Fortunata ist auf dem Weg zum Kindergarten verschwunden. Sandro Bandini, Leiter der Dienststelle, fährt persönlich zu den Eltern, um die ersten Informationen einzuholen. Natürlich erfährt auch seine Freundin Milla Nova von der Tat, von ihrem Chef bekommt sie den Auftrag, einen Bericht zu dem Fall zu machen. Bei Sandro kommt das nicht so gut an, ihrer beider Berufe bergen doch einiges an Konfliktpotential.


Bei diesem Roman handelt es sich um den dritten Auftritt von Milla und Sandro. Auch Millas Kumpel Nathaniel und seine Blindenhündin Alisha sind wieder mit von der Partie. Das Verschwinden des kleinen Fabio erinnert Sandro an die Fälle der vor Langem verschwundenen Kinder. Kann es Parallelen geben? Der Täter wurde doch verurteilt. Zur selben Zeit reist die Rechtsmedizinerin Irena Jundt zurück in ihren Heimatort. Ihr Vater ist verstorben. Kontakt hat sie keinen mehr, zu viel ist in der Vergangenheit passiert. Das Verschwinden ihres damals 11jährigen Bruders Beni hat die Familie zerstört.


Spannung, Humor und so manche fiese Cliffhanger am Ende einiger Kapitel. Das macht diesen fesselnden Kriminalroman aus, in dem vielleicht etwas viel gestorben wird. Wunderbar ist ein Wiederlesen mit Milla Nova, Sandro Bandini und ihren Freunden und Kollegen. Die Balance zwischen Privatem und Beruflichen wird gut gehalten. In Millas und Sandros nicht ganz einfacher Beziehung knistert es. Und auch bei Nathaniel gibt es neue Entwicklungen, die sich sehr schön an den letzten Fall anschließen. Hauptsächlich geht es um die verschwundenen Kinder, ein Motiv, das wohl einen realen Hintergrund hat. Und dieses Thema ist ausgesprochen packend aufbereitet.  Manchmal denkt man, mit ihrer Kombinationsgabe wäre Milla besser bei der Polizei aufgehoben, besonders wenn sie dieser mal wieder einen Hauch voraus ist. Ein Kriminalroman mit einer fast perfekten Mischung der Zutaten. Wenn man seine Nase einmal hineingesteckt hat, um mitzuschnüffeln, mag man kaum noch aufhören.


4,5 Sterne



Der Bruder von Christine Brand

ISBN: 978-3-7645-0745-9




Sonntag, 25. April 2021

Papierflieger

Das Wetter ist schön und die Bürger von Wildbad haben etwas Besseres zu tun als ihre Polizei zu beschäftigen. So kommt es, dass ein Papierflieger durch das Fenster der Wache entflieht. Zum Glück können die Kommissare ihre Anzeige retten. Bald wird die Ruhe gestört, denn einem Böblinger Anwalt sind die Reifen seines Sport SUV zerstochen worden. Es ist bekannt, dass Streitigkeiten zwischen ihm und dem örtlichen Schnapsbrenner bestehen. Kein Wunder, dass die ersten Ermittlungen zur Brennerei mit den neuen Verkostungsräumen führen. Willi Hauck streitet jedoch jede Beteiligung an der Tat ab, die für ihn kaum mehr als ein Bubenstreich ist.


In seinem zweiten Fall ermittelt der Schwarzwaldbulle Justin Schmälzle, dessen leibliche Mutter aus Haiti stammt, gekonnt. Mit dem Dialekt der Ortsansässigen tut er sich noch schwer, aber manchmal kann er seinen Kollegen und Postenleiter Scholz mit seinen Sprachkenntnissen überraschen. Ja, Schmälzle wird sich einleben. Schließlich muss auch noch der erworbene Bungalow renoviert um nicht zu sagen saniert werden. Eine Aufgabe, die sich gut aufschieben lässt, die Arbeit geht schließlich vor. Wie allerdings sind die beiden Kontrahenten aneinander geraten? Sowohl die geplante Ferienanlage als auch der neue Brennereianbau könnten zur Touristenattraktion werden. Wären da nur nicht die Grundstücksgrenzen, die sich nicht an die Vorstellungen der Eigentümer halten.


Auf spannende Weise werden hier Vergangenheit und Gegenwart verwoben. Schmälzle setzt seinen Ehrgeiz daran eine alte Sache aufzuklären, ohne zu ahnen wie sehr das in den neuen Fall hineinspielt. Als Leser ist man gepackt und neugierig auf die Entdeckungen, die einem bevorstehen. Wenn die Charaktere der Ermittler noch etwas klarer herausgearbeitet sein könnten, so erfährt man doch genug, dass einem beide Kommissare auf andere Art sympathisch werden. Auch wird durch einige Andeutungen das Interesse an einem möglichen nächsten Fall geweckt. Doch zunächst bleibt man gefesselt von dieser Handlung und genießt das Drumherum des Schwarzwalds, welches sicher mal zu einer Reise einladen könnte.


4 Sterne


Schwarzwälder Morde von Linda Graze

ISBN: 978-3-499-00208-3




Samstag, 24. April 2021

Das Geschenk

Daphne und ihr Mann Francis wollen den Morgen bei einem Sonnenaufgang an Land’s End genießen. Doch die Freude und Ruhe währen nicht lange. Zunächst stößt der Vogelbeobachter Eddie zu ihnen, der sich an dem Picknick gütlich tut. Und dann ruft Daphnes Cousine Annabelle an. Vor ihrer Haustür liegt die Leiche des ungeliebten Nachbarn, der Annabelle und nicht nur ihr das Leben schon seit längerem schwer gemacht hat. Selbstverständlich eilt Daphne sofort zurück nach Fowey, um ihrer Cousine beizustehen. Francis nimmt wieder daheim einen Termin bei Lady Wickelton, um mit ihr über das Hafenmuseum zu sprechen, das möglicherweise in ihrem Landsitz errichtet werden soll.


Bereits zum dritten Mal trägt Daphne Primrose, die ihren Namen der zu Lebzeiten in der Nähe ansässigen Daphne du Maurier verdankt, nicht nur Post aus. Diesmal ist es ihre Cousine Annabelle, die zwar unverschuldet, aber doch logischerweise unter Verdacht gerät und vor der Verhaftung bewahrt werden muss. Und das obwohl DCI Vincent ihr verbietet rumzuschnüffeln. Als ob Daphne eine Aufforderung gebraucht hätte. Selbstverständlich wird sie herausfinden, wie der Tote in Annabelles Garten gelandet ist und das noch als Geschenk verschnürt. Leider hätte Annabelle, die von dem Nachbarn wirklich drangsaliert wurde, damit ein Motiv gehabt.


Die Cornwall-Krimi Reihe von Thomas Chatwin lädt immer zu unterhaltsamen Lesestunden ein. Natürlich hat man die Bilder vor Augen, die man aus TV-Filmen kennt und vielleicht ist man im Geiste auch schon dabei, die Rollen zu besetzen. Schlägt man das Buch auf, ist es schon ein wenig wie nach hause kommen. Daphne ist eine gewitzte Detektivin, die sich als Postbotin natürlich bestens in Fowey auskennt. Im Gegensatz dazu liegt DCI Vincent mit seinen Einschätzungen manchmal oder auch häufiger mal falsch. Diesmal ist der Fall für Daphne nicht so ganz einfach, weil es sie doch auch persönlich betrifft. Jedenfalls ist es regelmäßig ein Vergnügen Daphne und ihren Freunden literarisch zu begegnen, mehr über Cornwall zu erfahren und wenigstens gedanklich in die Ferne zu schweifen.


4 Sterne


Mord frei Haus von Thomas Chatwin

ISBN: 978-3-499-00397-4




Freitag, 23. April 2021

Trauerjahr

Seit einigen Jahren sind Paula und Mauro verheiratet. Paula ist glücklich in der Ehe und auch mit ihrer Arbeit als Ärztin auf der Frühchenstation. Eines Mittags treffen sich die Beiden zum Essen und Mauro sagt, er wolle sich trennen. Paula fällt aus allen Wolken. Kurz darauf kommt Mauro bei einem Unfall ums Leben. Wie soll Paula nun weiterleben? Wie soll sie trauern, wo sie doch eigentlich getrennt war? Und wer ist die andere? Kann sie sich überhaupt jemals wieder öffnen? Eine Stütze ist Paula ihre Arbeit mit den Frühgeborenen. Auch hier ist es nicht immer einfach, aber wenn es eines der Kleinen schafft, ist es einfach das Beste.


Zwei Schicksalsschläge so kurz nacheinander sind nicht leicht zu verarbeiten. Wie kommt Paula damit klar? Vielleicht sucht sie nach der anderen, vielleicht streift sie durch die Wohnung, erinnert sich. Oder sie stürzt sich in die Arbeit. Vielleicht findet sie Halt bei ihrer Familie oder der von Mauro. Vielleicht bietet sich ein Abenteuer eine Ablenkung. Möglichkeiten gibt es genug. Manchmal kann sie der Schwere einfach nicht entfliehen. Sie ist traurig und verletzt und sieht natürlich anfangs kein Licht am Ende des Tunnels.


Nach der Beschreibung hofft man auf einen ansprechenden Roman, in dem es um die Bewältigung der beiden Schicksalsschläge geht. Man denkt vielleicht, es wird mehr zu den Gründen für die Trennung geben. Oder Mauro hätte noch etwas zu verbergen gehabt. Irgendwie war ein Wunsch da, Paula möge aktiver sein. Aber irgendwie trauert sie als hätte die Trennung keine Bedeutung. Und damit geht möglicherweise die Idee oder der Ansatz des Buches verloren. Wenn man einfach über eine trauernde Frau hätte lesen oder wie hier hören wollen, hätte man jedes Buch über eine trauernde lesen können. Fesselnd wäre gewesen zu erfahren, inwieweit die vorherige plötzliche Trennung einen Unterschied macht. Man kommt zu dem Schluss, in diesem Fall gar keinen. Zum Glück kann man Hörbücher auch beim Spazieren hören, so dass die Zeit gut verbracht ist.


2,5 Sterne


Der Moment zwischen den Zeiten von Marta Orrilols

ISBN: 978-3-9698-3020-8

Mittwoch, 21. April 2021

Ein guter Mensch

Im Jahr 1983 führt Eli Bell nicht gerade das Leben eines gewöhnlichen Jungen. Bei seinem Babysitter und besten Freund handelt es sich um einen ehemaligen Sträfling, der mehrfach ausgebrochen ist. Beim letzten Mal hat Slim das Gefängnis allerdings durch die Tür verlassen. Gus, Elis älterer Bruder, spricht nicht mehr, er malt Worte in die Luft und Eli ist einer der Wenigen, die es lesen können. Und Elis Mutter und sein Stiefvater dealen mit Drogen. Dennoch haben Eli und Gus eine Kindheit, denn ihr Stiefvater behandelt sie relativ gut. Doch als Lyle beginnt, auf eigene Faust zu arbeiten, gerät die vermeintlich heile Kinderwelt aus den Fugen.


Die Kindheit und Jugend zweier außergewöhnlicher Brüder in Australien. Die Jungen müssen einiges ertragen und sie bleiben dabei Jungs. Da ihr Leben eben so ist, finden sie nichts so besonderes daran, dass ihr Stiefvater mit Drogen handelt. Eher wollen sie mitmischen. Allerdings strebt besonders Eli nach einer normalen Zukunft. Sein Traum ist es, Journalist zu werden. Doch erstmal geht er der Frage nach, was es heißt, ein guter Mensch zu sein. Sein großes Vorbild ist dabei Slim, dessen Worte immer in Elis Gedanken sind. 


Es könnte beinahe schon eine Phase sein, der ungewöhnlichen Familienromane, die man in letzter Zeit gelesen hat. Doch dieser Roman ist so speziell, dass er eine Alleinstellung beansprucht. Zum einen, weil die Geschichte von Slim Halliday einen realen Hintergrund hat und zum anderen, weil die Kindheit von Gus und Eli einen viel darüber nachdenken lässt, was Kinder alles aushalten können und wie sie zu einer glücklicheren Zukunft finden. Was heißt es, ein guter Mensch zu sein oder auch ein böser? Kann man sich ändern? Kann man vom Weg, der vorgegeben scheint, abbiegen? Diese beiden Jungen entwickeln eine unglaubliche Kraft, die auch ein wenig auf den Leser abstrahlt. Die Suche nach dem Guten ist eingebettet in eine spannende Story um Drogen und das Verschwinden von Lyle, die zu einem Finale führt, mit dem man nie rechnen würde. 


4,5 Sterne


Der Junge, der das Universum verschlang von Trent Dalton

ISBN: 978-3-7499-0141-8




Dienstag, 20. April 2021

Die Ungewollten

Im Juli 1940 wird Paris von den Deutschen besetzt. Zuvor war der Krieg noch nicht ganz so nah, doch nun muss man bei jedem Schritt Obacht geben. Der noch vom ersten Weltkrieg gezeichnete Polizist Édouard Giral wird zum Gare d’Austerlitz gerufen. Vier Männer sind dort tot aufgefunden worden. Kaum hat er mit den Ermittlungen begonnen tauchen auch schon die ersten Deutschen auf, unter ihnen der Major Hochstetter, der in Giral eine Art Verbindungsoffizier sehen möchte. Doch nicht nur Hochstetter, auch die Wehrmacht, die Gestapo und eine geheime Feldpolizei stecken ihre Nasen in den Fall. 


Giral ist schon seit langen Jahren bei der Polizei und immer war es ihm ein Anliegen, Täter zu finden, damit Opfern Gerechtigkeit widerfahren kann. Und so geht er auch hier mit vollem Einsatz an die Untersuchung. Er will wissen, wieso die vier Männer sterben mussten. Und während der Suche nach der Wahrheit geht er seinen eigenen Weg. Dass er sich mit den Besatzern auseinandersetzen muss, stört ihn schon sehr. Angenehmer ist der Kontakt mit Mitgliedern des Widerstands, doch Giral ist nicht sicher, ob er da jedem trauen kann. Und Giral ist auch einer, der mitunter an sich selbst zweifelt.


In diesem interessanten historischen Kriminalroman wird ein Kriminalfall beschrieben, der unter der deutschen Besatzung gelöst werden muss. Der französische Ermittler Giral will sich selbst treu bleiben und wird doch verpflichtet mit den verhassten Feinden irgendwie zu kooperieren. Unklar bleibt lange, wer da welche Ziele verfolgt und wer wem wieso in die Parade fährt. Der eigentliche Fall geht vor den verzwickten halbpolitischen Verwicklungen etwas in den Hintergrund. Doch mit großen Interesse verfolgt man die Spannungen und Intrigen, die vor allem zwischen den deutschen Diensten herrschen. Eddie Giral ist von früheren Erlebnissen, über die teilweise in Rückblenden berichtet wird, gezeichnet. Auch wenn seine Handlungen nicht immer leicht nachzuvollziehen sind, ist er doch ein sehr gewissenhafter und ehrenvoller Polizist, dem seine Familie ausgesprochen wichtig ist. Mal wieder ein Kriminalroman vor historischem Hintergrund, der gleichzeitig lehrreich und fesselnd ist.



4 Sterne


Die Toten vom Gare d’Austerlitz von Chris Lloyd

ISBN: 978-3-518-47136-4




Sonntag, 18. April 2021

Zitronenduft

Agente Enrico Rizzi kommt zu einem Unfallort. Eine alte Ape ist einen Abhang hinuntergestürzt. Die Fahrerin Elisa Constantini kann gerade noch hauchen, es habe sich nicht um einen Unfall gehandelt, bevor sie stirbt. Gemeinsam mit seiner Kollegin Antonia Cirillo begibt sich Rizzi daran, die Hintergründe des Todesfalls aufzuklären. Jeder kennt jeden auf Capri und so weiß Rizzi, dass Elisas Familie ihre berühmten Zitronen an einen örtlichen Hersteller von Limoncello liefert. Doch nach des Vaters Tod hat ihre Schwester Rafaela andere Pläne, sie will auf Ökolandwirtschaft umstellen und die einzelnen Bäume mit Crowdfarming finanzieren. Elisas Tod bedeutet einen schweren Schlag.


Auch bei ihrem zweiten Auftritt entführen Enrico Rizzi und Antonia Cirillo die Leser auf die schöne Insel Capri. Sonne, blauer Himmel und ein Duft von Zitronen, so stellt man es sich vor. Und natürlich auch mal ein Hauch von Diesel von den Motoren der Fährschiffe. In so einer Idylle, die durch die Touristen gerne frequentiert werden, kann es doch keins Verbrechen geben. So würde es der Kommandant der Polizeistation am liebsten sehen. Doch leider bleiben Menschen eben Menschen und auch ein Idyll nicht zwingend von Straftaten verschont. So stellt sich schnell heraus, dass die Bremsen von Elisas Fahrzeug manipuliert wurden.


Neben dem Erzeugen von einer gewissen Sehnsucht nach Urlaub auf der schönen Insel, zeigt der Autor auch Seiten der Insel, die der Besucher eher selten zu sehen bekommt. So werden bei der Zitronenernte Hilfskräfte eingesetzt, bei denen es sich häufig um Illegale handelt. Diese werden mitunter schlecht behandelt. Als Leser kann man in gewisser Weise hinter die Kulissen blicken und feststellen, dass der schöne Schein nicht immer gewahrt wird. Auch die Beziehungen zwischen den einzelnen Familien sind vielschichtig und für Zugezogene nicht leicht durchschaubar. Aus seinen Zutaten mischt der Autor einen spannenden und sehr interessanten Fall mit einem gewieften Ermittler und seiner Kollegin, der man gerne einen größeren Anteil und einen Gewinn des Wettlaufs wünscht. 


4 Sterne


Bittersüße Zitronen von Luca Ventura

ISBN: 978-3-257-86410-6




Donnerstag, 15. April 2021

Nach Süden

Deutschland in den 1970ern. Ein junger Mann musiziert lieber als Heizungsbauer im Betrieb seines Vaters zu werden. Und eines Tages macht er sich einfach auf den Weg nach Süden. Das Glück ist ihm durchaus hold, denn schon bald wird er von zwei Frauen, einer Jüngeren und einer Älteren, mitgenommen. Die grobe Richtung stimmt. Das erste Ziel der Reise führt in ein Landhotel mit adeligen Besitzern, darunter seine angenehmen Chauffeurinnen. Gleich darf er auch seine Gitarre zum Einsatz bringen. Ein kleines Konzert, das vielleicht Hintergrunduntermalung sein könnte, vielleicht aber auch zur großen Entdeckung führt. Bald schon geht die Reise weiter.


Der neue Roman ist eine moderne, nun ja, relativ moderne, denn die Siebziger sind ja auch schon eine Weile her, Interpretation der „Geschichten eines Taugenichts“. Und wie schon Eichendorffs Jüngling sich glücklich treiben ließ, so schafft es auch der junge Musikus mit vagem Ziel und wohlgemut durch die Welt zu reisen. Der Zufall fügt sich häufig zugunsten des jungen Mannes, ein schöner Traum, der vielleicht der wirklichen Welt nicht stand hält. Doch der Weg nach Süden durch die warme Luft und die Begegnungen mit neuen Freunden und guten Gelegenheiten fühlt sich einfach richtig an. 


Man ist vielleicht geneigt, kurz mal nachzulesen, worum es bei Eichendorffs Geschichte ging, um festzustellen, dass der Autor seinem Vorbild mit liebevoller Genauigkeit folgt, die Handlung aber doch sanft in die Gegenwart transferiert. Man mag sich erinnern an die Zeit der jungen Wilden, an die Zeit der RAF, an Grenzkontrollen und die Liebe der Deutschen für Italien. Und so mäandert die Handlung ruhig und leichtfüßig gen Süden. Auch wenn das Büchlein vielleicht nicht ganz an andere Veröffentlichungen des Autors heranreicht, so versetzt dieses kleine neu erfundene Märchen einen doch in Sommerstimmung und gibt einem vielleicht die Idee ein, man könne sich selbst einmal auf Schusters Rappen begeben.


4 Sterne


Fahrtwind von Klaus Modick

ISBN: 978-3-462-30297-4






Mittwoch, 14. April 2021

Daqiun & Co

Anfang der 1970er wird in Marseille ein Busfahrer von einem Einwanderer umgebracht. Und in der Stadt, in der nach der Unabhängigkeit Algeriens viele Übersiedler leben, führt dies zu rassistisch motivierten Angriffen. Doch auch in den Polizeieinheiten, die Sachverhalte eigentlich aufklären sollen, gibt es rassistische Resentments. Commissaire Daquin, der neu in der Einheit eingesetzt ist, nimmt die Aufgabe jedoch in die Hand. Dabei muss er ausgesprochen vorsichtig vorgehen, damit er niemanden vor den Kopf stößt und doch die Wahrheit herausfindet. Unter seinen Kollegen hat er einige wenige Verbündete. Die öffentliche Meinung wird allerdings von Vorurteilen bestimmt.


Dieser Band schließt an den Roman „Schwarzes Gold“ an, Verständnisschwierigkeiten gibt es nicht. Commissaire Daquin wirkt wie ein Einzelkämpfer, der sich doch auf einige Leute verlassen kann. Nach der Unabhängigkeit Algeriens sind viele auch Nordafrikaner nach Frankreich eingewandert und etliche von ihnen sind an die selben Orte gezogen. Treten sie in größeren Gruppen auf, können sie möglicherweise wie eine Bedrohung wirken. So sieht es zumindest ein Teil der Bevölkerung, welcher dann mit Parolen um sich wirft, die auch heute wohlbekannt sind. Dass auch einige Polizisten, diese eigenartige Meinung vertreten, ist für Daquin ein schlechtes Zeichen und auch kaum zu ertragen.


Als Crime Noir wird dieser Kriminalroman beschrieben und er verbreitet tatsächlich eine düstere Stimmung, die wahrscheinlich nicht weit von der Wahrheit entfernt ist. Doch ist die Art der Beschreibung der Ereignisse etwas sehr trocken und teilweise berichtartig geraten. Dadurch vermisst man teilweise die Spannung, auch wenn der Roman inhaltlich und geschichtlich sehr interessant ist. Sehr gelungen erscheint die Beschreibung von Commissaire Daquins Hartnäckigkeit den Fall ordentlich zu bearbeiten und auch auf welche Widerstände er dabei trifft. Auch seine Pfiffigkeit und unkonventionelle Denkweise, die ihn im Fall voranführen, machen ihn zu einem sympathischen Ermittler.


3,5 Sterne


Marseille.73 von Dominique Manotti

ISBN: 978-3-8675-4247-0

Sonntag, 11. April 2021

Sailing

Sommer 1925, Gemeinsam mit Freunden segelt Mary Russell von Venedig nach Monaco. Sie genießt den Trip, obwohl sie eigentlich nicht ganz seefest ist. Durch ihren Kumpel Terry kommt sie gleich in die richtigen Kreise. Allerdings ist Mary mehr als überrascht als sie ihre Haushälterin Mrs. Hudson am Strand trifft. Das würde sicherlich auch ihren Mann interessieren, der als Violinist und Sheldon Russell getarnt in Venedig war und jetzt in Rumänien sein sollte. Doch als ehemalige Auszubildende ihres Mannes, der natürlich in Wahrheit Sherlock Holmes ist, macht sich Mary Russell erstmal selbst daran herauszufinden, welches Mrs. Hudsons Geheimnis ist.


Dies ist bereits der sechszehnte Band einer Reihe um Mary Russell und Sherlock Holmes. Der ältere Detektiv und seine junge Frau haben sich kennengelernt als Holmes eigentlich schon pensioniert war. Doch die beiden sind zum einen sehr gegensätzlich und sie ergänzen sich zum anderen sehr gut und schließlich haben sie begonnen die Rätsel gemeinsam zu lösen. Umso überraschender ist es, dass die treue Haushälterin Mrs. Hudson einiges zu verbergen hat. Und nicht alles davon ist Sherlock Holmes bekannt. Und da er sowieso nicht in Monaco weilt, ist es seine Frau, die Clarissa Hudson zur Hilfe eil als in deren Wohnzimmer die Leiche eines jungen Mannes gefunden wird.


Leider sind von dieser Reihe soweit bekannt nur die ersten Bände übersetzt. Im Buch befinden sich zwar Hinweise auf vorherige Fälle, doch zum Verständnis dieses Bandes ist es nicht notwendig, die Reihe komplett zu kennen. Der Klappentext macht durch die Erwähnung der alten Bekannten sehr neugierig, wie man sich diesen auf neue Art nähern kann. Und die Annäherung ist sehr gelungen. Auch wenn der Beginn etwas zu idyllisch erscheint mit seiner Beschreibung der Partylandschaft an der Mittelmeerküste in den 1920ern. Sobald jedoch die eigentliche Krimihandlung einsetzt und schließlich auch Sherlock Holmes die Bühne betritt, nimmt einen der Roman gefangen. Die Story ist interessant und vermischt geschickt geschichtliche Tatsachen und Gerüchte, so dass man bis zum Schluss gefesselt ist.


4 Sterne


Riviera Gold von Laurie R. King

ISBN: 978-0-525-62083-9

Freitag, 9. April 2021

Großmutter

Fünf Jahre ist es her, dass Nicholas Young seine Großmutter zuletzt gesehen hat. Sie war nicht einverstanden als Nick die Amerikanerin Rachel Chu geheiratet hat. Doch nun hatte die 96jährige einen schweren Herzinfarkt und die ganze Familie trifft in Singapur ein. Rachel überzeugt Nick, dass auch er sich auf den Weg machen sollte. Und obwohl seine Großmutter noch am Leben ist, geht mit Vorzimmer ihrer Krankenhaussuite das Gerede über die mögliche Erbschaft los. Besonders große Hoffnungen macht sich Cousin Eddie. Astrid, die Lieblingsenkelin, genießt derweil ihr Glück mit ihrer Jugendliebe Charlie Wu. Doch die Ex-Partner der beiden sind alles andere als glücklich über die Verbindung.


In diesem dritten Band um die Crazy Rich Asians geht es um das Ende eines Zeitalters. Su Yi ist eine außergewöhnliche Zeitzeugin, die mit weit über 90 auf ein bewegtes Leben zurückblicken kann. Doch nun neigt sich ihr Lebenskreis dem Ende entgegen und die alte Dame weiß nicht, ob sie noch die letzten Dinge regeln kann. In ihren wachen Momenten möchte sie Zeit mit Nicholas und Astrid verbringen, doch die liebe Verwandtschaft weiß das mitunter zu verhindern. Besonders Eddie, der sich Hoffnungen auf das Haus seiner Großmutter macht, beginnt einige Intrigen. Und auch die Töchter von Su Yi haben einige Ansprüche anzumelden.


Auch wenn man vielleicht nicht jeden Klatsch und Tratsch der Reichen und Schönen wissen möchte und sich auch nicht für jede Modemarke interessiert, so ist davon abgesehen dieser dritte Band der Reihe geradezu spannend. Schließlich geht es um die geheimnisvolle Su Yi und deren Erbe und ihre Vergangenheit. Wird sie sich mit Nick versöhnen, den sie großgezogen hat? Werden Astrid und Charlie ihr Glück finden, auch wenn sie auf schlimme Weise bloßgestellt werden? Und wird Eleanor endlich einen besseren Zugang zu ihrer Schwiegertochter Rachel finden? Zwar manchmal etwas schrill und egozentrisch, so sind die Crazy Rich Asians doch auch Menschen wie du und ich. Und mit dieser fesselnden Story werden sie einem noch ein wenig näher gebracht.


4 Sterne


Rich People Problems von Kevin Kwan

ISBN: 978-0-525-43238-8




Donnerstag, 8. April 2021

Der Dienstgrad

Bei einem vorherigen Fall ist Detective Sergeant Calil Drake unter Verdacht geraten. Zwar konnte die Sache ausgeräumt werden, aber Drake wurde degradiert und strafversetzt. Nun ist er zurück in London und möchte die nächste Gelegenheit nutzen, um sich komplett zu rehabilitieren. Als er und seine Partnerin zu einem vermeintlichen Einbruch auf einer Baustelle gerufen. Vor Ort stellt sich heraus, dass in einer Baugrube zwei halb verschüttete Leichen gefunden wurden, die möglicherweise lebendig unter Tonnen von Bauschutt begraben wurden. Das könnte genau die Gelegenheit sein, auf die Drake gewartet hat.


In diesem ersten Teil einer Reihe bekommt Calil Drake die forensische Psychiaterin Dr. Rayhana Crane an die Seite gestellt. Dem Einzelgänger Drake passt das nicht so gut in den Kram, so dass aus der Zusammenarbeit eher ein Nebeneinander wird. Erst nach einer Weile merken die bieden, dass sich ihre Arbeitsansätze ergänzen. Die Bearbeitung des Falles gestaltet sich schwierig, denn zunächst kann nur eines der Opfer identifiziert werden. Bei diesem handelt es sich um die Ehefrau des Bauunternehmers. Die Lage der Baustelle und damit des Tatorts erinnert Drake an seine eigene Jugend, denn er ist in einer nahegelegenen Sozial-Wohnsiedlung aufgewachsen. 


Calil Crane als leistungsstarker aber karrieremäßig abgehängter Polizist mit schwierigem sozialen Hintergrund. Aus einfachsten Verhältnissen hat er sich erst bei der Armee und dann bei der Polizei hochgearbeitet und ist doch der Außenseiter geblieben, der mitunter zum Sündenbock gemacht wird. Etwas zu viel wird hierauf herum geritten. Und auch die Erkenntnis, dass Drake und Crane sich beruflich gut ergänzen, kommt etwas spät. Hinzu kommt, dass die Merkwürdigkeit einiger Begegnungen einem als Leser auffällt, den Ermittlern aber nicht. Dass dieser Kriminalroman als Reihenbeginn trotzdem lesenswert erscheint, liegt an den Milieuschilderungen der vergessenen Jugendlichen aus der Sozialsiedlung und deren rechtsgerichteten Gegenspielern. Und schließlich gewinnt dieses Buch auch, wenn man im Verlauf erkennt wie Drake und Crane zusammenwirken. Die logische Schlussfolgerung zum Ende dieses Romans macht dann auch neugierig auf den Folgeband.


3,5 Sterne


London Burning von Parker Bilal

ISBN: 978-3-499-00218-2




Montag, 5. April 2021

Jochen der Rochen

Der erste Lockdown in der Corona-Pandemie läuft. Die Menschen sind alle irgendwie seltsam geworden. Jeder hat Recht und es wird nicht miteinander geredet. Robert, Doras Freund ist besonders überzeugt, dass das Klima gerettet werden muss und die Corona-Maßnahmen einzuhalten sind. Dora hat vor einiger Zeit ein heruntergekommenes Haus in Brandenburg erworben und nun nimmt sie ihren kleine Hündin Jochen und zieht aufs Land. Auch dort sind die Menschen seltsam, aber anders. Will Dora dort bleiben? Immerhin kann sie jederzeit in die Stadt, wenn sie denn irgendwelche öffentlichen Verkehrsmittel findet. Erstmal fängt sie an, ein Gemüsebeet anzulegen und dann wird sie weitersehen.


Das Landleben in Brandenburg hat nicht so einen guten Ruf. Zu oft liest man von den Rechten, die dabei sind dort die Oberhand zu gewinnen. Doch lauert wirklich an jeder Ecke ein Rassist? Eines merkt Dora schnell. Eine verschlossene Tür bedeutet hier nicht viel. Sie müht sich auf ihrem viertausend Quadratmeter Grundstück ab. Und plötzlich muss sie sich fragen, ob sie unter die Heinzelmännchen geraten ist. Der Garten wird gerodet, ein Bett wird gebaut. Etwas beängstigend. Froh ist Dora, dass ein Nachbar die Straße runter sie nach dem Einkaufen mitnimmt. Sie beginnt zu verstehen, wieso in ländlichen Gegenden die meisten Leute ein Auto haben.


Der neue Roman beginnt mit einer Beschreibung des Lebens in der heutigen Pandemie-Zeit. Die Lektüre nimmt dabei etliche Stunden in Anspruch, weil man dasitzt und denkt: eher nicht, vielleicht oder stimmt, stimmt genau. Man ist im positiven Sinne gezwungen zu reflektieren und nicht nur über die Pandemie, sondern auch über den Umgang der Menschen untereinander. Das Bild ist trostlos und die Frage, wie man wieder zu einer zugewandten Kommunikation kommen könnte, kann nicht einfach beantwortet werden. Doch als Dora so langsam von dem Dorf und seinen Menschen auf- und eingenommen wird, wird man beim Lesen auch in die Handlung hineingesogen. In der Anonymität der Stadt kann man sich seine Freunde aussuchen. Die Nachbarn im Dorf sind einfach da und man sollte versuchen, sie zu nehmen. Wie schwierig das sein kann, merkt man an Doras Beispiel. Auch wenn das Buch die Welt nicht ändert, so wäre es doch ein guter Ansatz sich selbst zu ändern.


4,5 Sterne


Über Menschen von Juli Zeh

ISBN: 978-3-630-87667-2




Sonntag, 4. April 2021

Große Schlange

In Kanada verschwinden seit längerem junge Frauen indigener Herkunft. In den Fällen wird meist nicht intensiv ermittelt. Als jedoch die erst 15jährige Jeanette in Montreal tot aufgefunden wird und die Presse berichtet, wird zunächst der örtliche Ermittler Jean-Baptiste LeRoux mit dem Fall befasst. Ihm wird der englischsprachige Ted Garner an die Seite gestellt. Sie schaffen es, die Tote zu identifizieren und sie machen sich auf den Weg in das heimatliche Reservat des Mädchens, um dort mehr über die Tote zu erfahren. Dies jedoch erweist sich als schwierig, da die Bewohner nicht geneigt sind mit den Weißen zusammenzuarbeiten.


Der schlecht gelaunte, zwar verheiratete, aber fremden Frauen nicht abgeneigte LeRoux mit seinem Bauchgefühl und der kühle, kopfgesteuerte Garner bilden ein ungleiches Paar, dass nur widerwillig zusammenarbeitet. Und doch ergänzen sie sich mit ihren unterschiedlichen Ansätzen. In Anbetracht dessen wie wenig sich die Weißen für das Leben der Indigenen interessieren, ist es kein Wunder, dass sich die Ermittlungen schwierig gestalten. Die beiden Beamten treffen auf Schweigen. Dennoch rühren sie etwas auf, denn der Cousin des Opfers beginnt sich an die Zeit mit Jeanette zu erinnern, die wie eine kleine Schwester für ihn war. Er hätte ihr helfen müssen.


In einen spannenden Kriminalfall eingebettet schildert die Autorin, wie die Menschen indigener Herkunft in Kanada ihr Leben fristen. Zwar gibt es die wenigen Ausnahmen derer, die die Gratwanderung zwischen zwei Welten schaffen, doch die Mehrzahl derer, die indianischen Stämmen angehören erscheinen von der gesellschaftlichen Entwicklung abgehängt. Und das bei einem Land, das doch sehr fortschrittlich wirkt. Eine überraschende Erkenntnis, die betrübt. Darüber hilft zwar der witzige und teilweise bissige Tonfall des Romans hinweg und auch die packende Handlung überzeugt, aber das Grundthema bleibt und arbeitet in einem. Sollten die Ureinwohner nicht wenigstens genauso geschätzt werden wie die Einwanderer, wenn nicht mehr? Ein nachdenklich stimmender Roman, der sich als informativ und lesenswert erweist. 


4,5 Sterne


Frostmond von Frauke Buchholz

ISBN: 978-3-86532-723-9




Samstag, 3. April 2021

Ein Hörfest

Am Strand einer kleinen Elbinsel werden Knochen gefunden. Zunächst ist nicht einmal klar, ob es sich um menschliche Überreste handelt, doch leider klärt sich diese Frage schnell. Jemand wurde in sitzender Stellung und mit gefesselten Händen vergraben. Doch nach einer langen Liegezeit kann der Gerichtsmediziner nicht viel zu dem Toten sagen. Nur wenig später wird erneut ein Toter auf einer anderen Elbinsel gefunden, unter ähnlichen Umständen, doch diesen hat sein Schicksal erst vor kurzem ereilt. Dieser Fall gibt Frieda Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Polizei Itzehoe Rätsel auf. Nach akribischen Ermittlungen führt eine Spur in die ehemalige DDR.


Zum vierten Mal ermitteln Bjarne Haverkorn und Frieda Paulsen zusammen. Bjarne kümmert sich um seine Tochter, die nach einer Operation noch nicht ganz wiederhergestellt ist. Und Frieda hat sich daran gemacht, ihren Eltern bei der Renovierung des Obsthofes zu helfen. Die Verarbeitung der Ernte hat ein Nachbar übernommen, so dass eine Halle leer steht. Frieda hofft, dass dort ein Box-Studio entstehen kann. Es läuft also und die beiden Polizisten können ihre ganze Kraft für diesen kniffeligen Fall verwenden. Sollte eines der Opfer tatsächlich in der ehemaligen DDR aufgewachsen sein?


Dieses Hörbuch wird hervorragend vorgetragen von Michael Mendl, der dem schon etwas älteren Bjarne Haverkorn die richtige Knarzigkeit verleiht. Ein Buch, dass man wirklich gerne hört und für das man ebenso gerne zusätzliche Hörstunden einplant, weil man wissen will, was und wer hinter den Morden steckt. Die Beamten decken eine packende Geschichte aus der Vergangenheit der DDR auf, die sehr nachdenklich macht. In diesem Staat wurden Menschen nicht immer gut behandelt. Sicher kann man sich nicht aufs hohe Ross setzen und sagen: „Die“, doch man schluckt schon, ob der Taten von Staats wegen und welche Auswirkungen sie hatten. Mit diesem Kriminalroman hat die Autorin ein beeindruckendes Leseerlebnis geschaffen, das nicht so schnell in Vergessenheit geraten wird.


4,5 Sterne


Mordsand von Romy Fölck

ISBN: 978-3-7857-8099-2