Früh am Morgen ging es los, angenehm ruhig noch in der Bahn mit einem spannenden Hörbuch im Ohr, wann hat man schon mal soviel Zeit. Durch den Morgennebel nähert man sich dem Ziel, welches man dann bei strahlendem Sonnenschein erreicht. Leipzig Messe zeigt sich in diesem Jahr wettertechnisch von der allerbesten Seite. Bei milden Temperaturen erreicht man den Eingang und kann bald die heiligen Buchmessehallen betreten. Mit einem lockeren Programm und ansonsten eher per Zufall gewählten Zielen lässt man sich zunächst durch die Hallen treiben. Die Messeatmosphäre nimmt einen wie jedes Mal schnell gefangen. Viele Eindrücke versetzen einen schnell in Entdeckerstimmung, denn was sonst kann das Ziel dieses Besuches sein als neue Objekte der Begierde zu entdecken und vielleicht einen Blick auf einen gern gelesenen Autoren zu erhaschen.
Um 12:00 hatte dann der Kiepenheuer & Witsch Verlag zu einem Bloggertreffen mit der ausgesprochen sympathischen Vea Kaiser geladen. Wie in einem kleinen Wiener Kaffeehaus kam man sich fühlen, mit einer kleinen Weinprobe (Wein ist in Österreich auch

vormittags erlaubt) und herrlichen selbst gebackenen Keksen, die so filigran geformt sind, dass man mächtig Respekt vor der Mühe bekommt. Nicht nur hübsch sind die Leckereien, sondern auch äußerst schmackhaft. Während das Publikum noch schmaust, beginnt die Autorin von ihrem neuesten Buch zu erzählen, über die Geschichten, die nur eine Familie schreiben kann. Geschichten, die sie als Protokollantin in treffenden humorvollen und gedankenreichen Worten niederlegt. Da kann man an die eigenen Verlorenen denken, wenn die Autorin von den Manen, den römischen Totengeistern erzählt, die ihre Hinterbliebenen nicht ganz verlassen und noch in deren Schicksal eingreifen können. Doch nicht allzu ernst bleibt es, dazu ist die Autorin einfach zu lebensbejahend und fröhlich. Beim Lesen ihrer Bücher wird einem künftig immer ihre Intonation gegenwärtig sein, mit der sie ihren Figuren ihr unverwechselbares Timbre einhaucht. Nach der abwechslungsreichen und kurzweiligen Lesung gab es vom Verlag noch einen interessanten Ausblick auf das Programm des kommenden Herbstes, das zwar noch geheim ist, aber schon mal zur Verlängerung der Wunschliste beiträgt.
Nach einer kleinen weiteren leckeren Stärkung geht es weiter durch die Hallen, das Gewirr aus

Menschen und Tönen umschwirrt einen. Bei einer kleinen Rast verschafft man sich in der hilfreichen Messe-App einen Überblick über anstehende interessante Veranstaltungen. Nach einem kleinen Exkurs, in dem es über die Erfahrungen mit Blogs und Bloggen geht, zieht es einen zu einigen eng getakteten Lesungen. Hier stellte zunächst Christine Brand ihren ersten bei Blanvalet erschienen Roman um die Journalistin Milla Nova vor. Die Autorin aus der Schweiz beantwortet Fragen, die das Publikum stellen könnte, selbst, zu eng ist der Zeitplan, um etwas anderes zu erlauben. Spannend, welche Anleihen sie bei der Wirklichkeit getätigt hat. Zum Beispiel gibt es für Nathaniel ein Vorbild aus dem wahren Leben und sie gibt auch zu, dass es durchaus Ähnlichkeiten mit ihrer Milla Nova gibt. Aber natürlich plaudert sie nicht zu viel aus dem Nähkästchen. Es soll ja noch einiges zu erfahren sein, sowohl von der Autorin als auch von ihrer Protagonistin, die sicherlich noch einige Geschichten schreiben möchte. Nach einer halben Stunde kam es zum fliegenden Wechsel zu dem Krimi-Autor Lorenz Stasser, der den zweiten Band seiner Reihe um den Anwalt Nicholaus Meller , der sich selbständig machen musste, vorstellt. Auch dessen neuer Fall hat einen Bezug zur Wirklichkeit, allerdings passiert er manchmal so wie das Leben eben auch ohne großen Plan einfach passiert. Dafür ist er ganz schön spannend. Etwas störend war - für den Autor etwas bedauerlich - eine reichlich laut abgemischte weitere Veranstaltung, die eine Herausforderung für die Konzentration darstellte. Interessant war dann ein nicht zu übersehender Wechsel im Publikum. Nach zwei Thriller/Krimi betrat Anne Jacobs mit ihrer Gutshaus-Saga die Bühne. Die Autorin ist bekannt von ihren Romanen um die Tuchvilla und mit ihrem neuen Werk entführt sie ihre LeserInnen auf ein Gut im Osten Deutschlands, in die Zeiten vor und nach dem Krieg. Im fließenden Wechsel zwischen Erzählen und Lesen gibt die Autorin einen Einblick in Kriegs- und Nachkriegswirren. Man lernt die dramatische Familiengeschichte derer von Dranitz kennen, die neben den schönen Seiten auch die Härten des Lebens zu spüren bekommen.
Nach einer kleinen Abschiedsstärkung geht es dann so langsam wieder zum Zug, um zunächst zum Glück mit einem Sitzplatz ausgestattet, aber doch eingequetscht wie eine Ölsardine, die Minuten bis nach Halle zu ertragen und dann in die Bahn Richtung Heimat zu steigen und diesen wunderbaren Messetag in Gedanken Revue passieren zu lassen. Ohne Zug- oder Wetterchaos geht es heim. Doch nach der Messe ist vor der Messe und mit Neugier gilt es dieser entgegen zu sehen.