Montag, 30. April 2018

Licht meines Herzens


Ein berühmter iranischer Dichter landet, nachdem er auf der Flucht von seiner Frau getrennt wurde, in einem dänischen Flüchtlingslager. Einzig der Journalistin und Englandkorrespondentin Nora Sand will er ein Interview gewähren. Der Dichter Manash Ishmail stellt allerdings eine Bedingung. Nora soll versuchen, seine Frau zu finden, die auf dem Weg nach England war. Dort sollte sie von Bekannten in Empfang genommen und an einen sicheren Ort gebracht werden. Am Treffpunkt ist sie aber nicht aufgetaucht. Nora nimmt die Spur der jungen Frau auf, viele Hinweise hat sie nicht und auf die Mitarbeit der Beteiligten darf sie auch nicht hoffen. 

Im zweiten Band um die Journalistin Nora Sand nimmt sich die Autorin eines brisanten Themas an. Wie gehen wir mit Flüchtlingen um? Wird denen uneigennützig Hilfe geleistet, die sich aus ihrer Heimat auf den Weg machen in eine ungewisse Zukunft oder werden sie von öffentlichen oder privaten Organisationen ausgenutzt für eigene Zwecke? Werden die Flüchtlinge zum Spielball derer, die reicher oder mächtiger sind? Wird einfach das Vertrauen ausgenutzt, dass sie Schleppern zwangsläufig entgegen bringen müssen? Und was, wenn noch ganz andere Ereignisse den Erfolg oder Misserfolg der Flucht beeinflussen? Schließlich kommt auch Nora Sand an den Punkt, an dem sie sich fragen muss, wem sie noch vertrauen kann und wer sie möglicherweise für seine Zwecke benutzt hat. 

Nach der Lektüre des ersten Bandes bietet dieser zweite Teil zunächst einmal ein Wiederlesen mit bekannten Personen, die man bereits mehr oder weniger lieb gewonnen hat. Dies wird angesichts des wahrhaft mitreißend geschilderten Geschehens um die verschwundene Amina fast zur Nebensache. Zwar kommen der Journalistin Nora Sand auch hier ein paar Zufälle zur Hilfe und sie scheint beinahe unkaputtbar zu sein, aber auch dieses tritt zurück hinter den Nachforschungen, deren Ergebnis einem wirklich die Haare zu Berge stehen lässt. Welchen perfiden Machenschaften die hilfsbedürftigen Menschen ausgesetzt werden können, welche geringfügig andere Weichenstellungen manchmal über Wohl und Wehe entscheiden. Auch wenn die reine Flüchtlingsthematik nicht die Rolle spielt, die zunächst anzunehmen gewesen wäre, so spielt sie doch in alles hinein. Aufgebracht und emotional durchgerüttelt beendet man das Buch, das irgendwie so mitten drin aufhört, dass man denkt, es müsste noch weitergehen.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Das Meer löscht alle Spuren von Lone Theils
ISBN: 978-3-49927315-5



und hier geht es zur Seite des Rowohlt Verlages

Sonntag, 29. April 2018

Packer Attacker


Samuel ist erst elf Jahre alt als seine Mutter die Familie verlässt. Eigentlich wollte Samuel Schriftsteller werden und erste vielversprechende Geschichten wurden auch veröffentlicht. Doch endlich hat es Samuel nur zum Englischlehrer für unwillige Studenten geschafft. Seine für immer verloren geglaubte Mutter schafft es dagegen in die Schlagzeilen. Angeblich soll sie Steine auf den wahlkämpfenden Politiker Packer geworfen haben. Sie wird wegen des vermeintlichen Anschlags angeklagt. Fast gleichzeitig soll auch Samuel wegen Nichterfüllung seines Autorenvertrages verklagt werden. Der einzige Ausweg, der sich für ihn abzeichnet: Ein Buch über seine Mutter zu schreiben, wieso sie zum Packer Attacker wurde.

Hochgelobt und viel besprochen wurde dieses Debüt des Autors Nathan Hill. Eine Familiengeschichte eingebettet in das heutige Leben in Amerika. Das macht wissbegierig und schnell ist das Buch gekauft. Ebenso schnell merkt man allerdings auch, dass sich die Geschichte nicht so einfach erschließt. Zu Beginn haben wir einen gelangweilten Englischlehrer, der eine Studentin beim Schummeln erwischt, der lieber ein Online-Game spielt als am Leben teilzunehmen. Die Studentin hat nicht die Größe, ihren Fehler zuzugeben, sie sucht die Schuld bei anderen, der Lage, der Welt und natürlich dem Lehrer. Der sagt ihr ein Mal die Wahrheit, nämlich, dass sie einfach nicht intelligent genug ist, zu studieren. Gerade da tauchen die Neuigkeiten von seiner Mutter auf, so dass die Studentin zur Nebensache wird und die Erforschung der Geschichte seiner Mutter die größte Bedeutung gewinnt. Um diese Seiten herum gewinnt auch das Buch, doch bis dahin muss man erstmal kommen. 

In der gerade noch vor heute Ära angesiedelt, wirft diese doch irgendwie schon ihre Schatten voraus. Nicht sehr verwunderlich ist es, dass Amerika anscheinend schon immer ein Polizeistaat war und beim Lesen fragt man sich durchaus, ob das eigene Land im Vergleich viel besser abschnitte. Doch obwohl sich letztlich die Geschichte der Mutter als ungewöhnlich und lesenswert erweist, wird man so häufig von langatmigen Geschwafel teilweise ohne Punkt und Komma gequält und mit Charakteren traktiert, die die Welt nicht braucht, dass das Buch die Erwartungen letztlich nicht ganz erfüllt. Faye ist diejenige, die sich zu einer Persönlichkeit entwickelt, während die meisten anderen manipuliert werden oder manipulieren und dabei doch blass bleiben. 

Sicher gibt es unterschiedliche Weisen, diesen Roman zu lesen und zu sehen, was vielleicht dazu führt, dass das, was einem Leser etwas sauer wird, dem nächsten das Buch zum Pageturner werden lässt.


3 Sterne (🐳🐳🐳)

The Nix von Nathan Hill
ISBN: 978-1-5098-4189-9


Samstag, 28. April 2018

Die Praktikantin


Karoline Maus hat im öffentlichen Dienst gelernt. Ihr Traum war es jedoch zu studieren, nebenberuflich geht das am Besten an der Fern-Uni in Hagen. Und nun hat sie ihren Bachelor in der Tasche, mit einer Note, die sich echt sehen lassen kann. Einen Job hat sie auch, doch dazu muss sie das heimatliche Bochum verlassen und nach Hamburg ziehen. Dort kommt sie in der Wohngemeinschaft ihrer Schulfreundin Saskia unter. Leider war es mit dem Job nicht, die Kripo teilt ihr mit, dass ihr künftiger Chef gerade verhaftet wurde. Etliche Bewerbungen und kurz vor der Pleite landet Karo im Vorstandsbüro von Eintracht Hamburg, einem Fußballverein, der gegen den Abstieg aus der Bundesliga kämpft. Als Praktikantin soll sie den Wachhund für Patrick Weidinger geben, der mal um mal über die Stränge schlägt.

Hamburg ist die schönste Stadt Deutschlands und die Hamburger brauchen mindestens zwei Jahre bis sie mit einem Fremden warm werden, dann entwickeln sich aber tolle Freundschaften. So ganz leicht hat Karo es am Anfang nicht. Ihr Schützling darf nicht merken, dass er beschützt wird und er will auch nicht beschützt werden. Keine einfachen Arbeitsbedingungen und Karo tut so als sei sie Chauffeurin des Vorzeigefußballers. Im Verein selbst wird sie von den anderen Mitarbeitern weidlich ausgenutzt, Zeitungsberichte ausschneiden und archivieren, Unterschriften auf Autogrammkarten fälschen. Und dieser Weidinger ist ein echtes Ekel, meistens jedenfalls.

Auch wenn man nur wenig von Fußball versteht und es einem ähnlich geht wir Karo, wird man Freude an diesem Roman haben. Beruflich hat jeder einmal angefangen und weiß, dass man zunächst kleine Brötchen backen muss, wenn man neu im Job ist. Verliebt man sich dann auch noch in einen Kollegen, obwohl man Beruf und Arbeit doch immer trennen wollte, sind Turbulenzen vorprogrammiert. Und Karo geht es so mit ihrem Schutzbefohlenen Patrick Weidinger, der eigentlich Tore schießen soll, sich durch sein unbotmäßiges Verhalten aber immer mehr ins Abseits bringt. Gut kann man sich von der Geschichte dahin tragen lassen, die anfänglichen Wortgefechte, die Schwierigkeiten im Verein, die sich langsam in Gespräche wandeln und eine anerkannte Stellung. Eine Lektüre, die gut zu einem sonnigen Nachmittag an der Alster passt, die bestens unterhält und den Weg zum Happyend mit allerhand Verwicklungen pflastert.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen von Petra Hülsmann
ISBN: 978-3-7325-1103-7


Freitag, 27. April 2018

Ein gewisser Frieden



Die Journalistin Nora Sand kann an manchem alten Trödel nicht vorbeigehen. Und so ersteht sie in einem kleinen Laden einen alten Koffer. Neugierig, ob sich vielleicht noch etwas in dem Koffer befindet, öffnet sie das Teil. Überrascht stellt sie fest, dass noch ein paar alte Bilder in dem Gepäckstück sind, Bilder von jungen Mädchen. Vage kommen ihr zwei der Mädchen bekannt vor und nach einigen Recherchen findet Nora einen Zusammenhang mit einem Vermisstenfall, der schon Jahrzehnte zurückliegt. Damals verschwanden zwei dänische Mädchen von einer Englandfähre. Sollte Nora etwa eine Chance haben, eine Spur in so einem alten Fall zu entdecken. 

Wie der Zufall machmal so spielt, manche Verbrechen scheinen ungelöst zu bleiben und mache werden nach langen Jahren doch noch aufgeklärt. Im dänischen Fernsehen wurde nochmal über den Fall berichtet und so hat Nora einen Ansatz für ihre Nachforschungen. Im Laufe ihrer Ermittlungen, die sie sowohl in Dänemark als auch in Groß Britannien beschäftigen, trifft sie ihren alten Bekannten Andreas wieder, der inzwischen bei der Polizei gelandet ist. Leider ist er inzwischen in einer Beziehung. Umso engagierter stürzt sich Nora Sand in die Untersuchung um das Verschwinden der Mädchen und findet eine Spur, die zu einem Serientäter führt, der schon seit langem im Gefängnis sitzt.

Nora Sand ist eine sympathische Journalistin, die ihre Frau auch schon mal beim Thai-Boxen steht. Meist geht sie allein durchs Leben, nach einer Partnerschaft sehnt sie sich allerdings schon. Ihre Neugier und Hartnäckigkeit sind ihrer Tätigkeit sehr zuträglich. Sie lässt nicht so schnell locker und sie hat ein Händchen dafür, Menschen dazu zu bringen, mehr preiszugeben als sie eigentlich wollten. Manchmal möchte sie auch mit dem Kopf durch die Wand und dann beachtet sie gut gemeinte Warnungen nicht. 

Die Idee durch einen Zufallskauf auf eine Spur in einem alten Fall zu stoßen, ist wirklich spannend. Allerdings kommen manche Zufälle etwas sehr gelegen und die Liebesgeschichte entfaltet nicht so großen Schmelz, eher fragt man sich, wozu Nora vermeintlich kalten Kaffe aufwärmt. Entschädigt wird man aber von einigen Entdeckungen und Wendungen, die überraschen und einen neugierig weiterlesen lassen. Ein guter Start einer Reihe, der Lust macht, auch den nächsten Band in Angriff zu nehmen.


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Die Mädchen von der Englandfähre von Lone Theils
ISBN: 978-3-499-27253-0



und hier geht es zur Verlagsseite für das Buch

Dienstag, 24. April 2018

Urlaub auf dem Land


Genau das machen die beiden Freundinnen Anna und Mona. Und gut lässt er sich an der Urlaub. Schon bald sind zwei nette Urlaubsflirts in Sicht. Unterkunft und Essen lassen nur wenige Wünsche offen. Gerade das Richtige, um sich von den letzten Aufregungen zu erholen. Doch die Ruhe bleibt nicht lange bestehen. Bald findet Anna wird einen Toten im Stall eines Schweinemastbauern. Geht das denn schon wieder los? Zunächst einmal sieht zwar alles nach einem Unfall aus, doch irgendwie ist Anna die Sache nicht geheuer und sie beginnt im Dorf Nachforschungen anzustellen.

Anna und Mona, die ihr ihren zweiten Auftritt haben, sind beste Freundinnen. Anna ist dabei die etwas bedachtere während Mona schon mal schnell entscheidet und so ergänzen sich die Beiden gut. Doch hier ist Anna zunächst mehr alleine unterwegs während Mona die traute Zweisamkeit genießt. Den Spuren des Toten, der selbst den Ort schon seit Jahren immer wieder besucht hat, sind zunächst kaum wahrnehmbar. Eine unauffällige Persönlichkeit, ein Tierarzt, der seine kranke Frau lange gepflegt hat und sich nun als Witwer mal wieder einen Urlaub gönnt. Warum sollte er ausgerechnet hier zu Tode kommen. Je mehr Anna nachbohrt, desto mehr Ansätze findet sie, die daraufhin deuten, dass vielleicht doch mehr hinter dem vermeintlichen Unfall steckt.

Leicht und locker tanzen Anna und Mona durch diesen Fall. Gleich zu Beginn entsteht Urlaubsstimmung. Wellnessurlaub in einem idyllischen Bergdorf, das wär es doch. Wenn frau und Göttin auch manchmal eher stolpern lassen, denn erheitern, so ist das Rätsel um den Toten im Stall doch überraschend und spannend. Die eingestreuten Liebesgeplänkel bringen Abwechslung, wenn auch nicht jede Begegnung berauschend verläuft. Zwei Frauen, die fest im Leben stehen und es anpacken. Da bleibt kein Geheimnis ungeklärt. 

Eine schöne Krimilektüre, die gute Unterhaltung bietet und zwei Freundinnen, die die Polizei manchmal etwas alt aussehen lassen.

3 Sterne (🐳🐳🐳)

Der Tote im Stall von Lisa Lercher
ISBN: 978-3-7099-3565-1



Sonntag, 22. April 2018

Schreibtischjob


So klasse findet Hugo Hawksworth es nicht, in den Innendienst versetzt zu werden. Im Außendienst, mit geheimen Aufträgen, die ihn in ferne Länder führten, war sein Leben doch viel spannender. Doch eine Verwundung am Unterschenkel hat seine Zeit in dieser Position für immer beendet. Schweren Herzens macht er sich gemeinsam mit seiner kleinen Schwester auf den Weg nach Selchester Castle weit weg von London und allem. Im Jahr 1953 sind die Nachwirkungen des Krieges noch deutlich zu spüren. So ist der Schlossherr bereits kurz nach dem Krieg spurlos verschwunden. Eine Tatsache, die Hugo wesentlich neugieriger macht als sein neuer Job, der im Wälzen alter Akten besteht.

Ein im Einsatz versehrter junger Mann und seine 13jährige Schwester machen sich auf zu neuen Ufern. Natürlich geht es auch um den neuen Job. Wichtig ist aber, dass Georgina den Tod der Eltern noch nicht überwunden hat und sie sich in der Obhut ihres Bruders wohler fühlen wird. Die Schlossbewohner sind zunächst wenig begeistert von ihrer Einquartierung. Nur die Haushälterin, die Georgina sofort in ihr Herz geschlossen hat, umsorgt sowohl sie als auch Hugo mit ordentlichen Mahlzeiten und viel Wärme. Die Nichte des verschwundenen Hausherrn möchte die Gäste am liebsten nur von weitem sehen. Ein Wunsch, der unerfüllt bleiben muss, denn schon bald wird in der Kapelle ein Skelett gefunden. Bei den nun folgenden Nachforschungen wird Hugos Hilfe und seine Erfahrung im Nachrichtendienst gerne in Anspruch genommen.

Hugo Hawksworth hat mit „Der Tote in der Kapelle“ seinen ersten Auftritt in einer Reihe von drei Büchern. Leider ist die Autorin bereits verstorben und das letzte Buch in der Reihe wurde von ihrem Sohn nach ihren Notizen verfasst. Mit den Beschreibungen des ländlichen Lebens in England fühlt man sich sofort an die Englandbesuche erinnert. Auch wenn die nicht in den 1950ern stattfanden, ist die englische Landschaft und die Architektur doch irgendwie urtümlich geblieben. Glücklicherweise hat es der Verursacher des zweiten Weltkrieges nicht geschafft, den Engländern ihr England zu nehmen. Dennoch waren die Menschen durch den Krieg belastet und traumatisiert. Das ist noch deutlich zu spüren und auch der beginnenden kalte Krieg wirft seine Schatten voraus. Viel mehr Beziehungen gibt es zum Geheimdienst als man in so einem heimeligen Örtchen vermuten möchte. Schließlich ist doch das Leben dort alles andere als geheim. Da weiß die Haushälterin und damit auch der ganze Ort am Abend schon, was am Morgen in der Zeitung stehen wird. Und dennoch hinterlassen die warmherzigen Menschen in Selchester einen sympathischen Eindruck. Sogar beim Lesen fühlt man sich heimisch und beginnt mitzurätseln, welches Schicksal den Herrn des Hauses wohl ereilt hat.

Ein liebenswerter Schreibtisch-Ermittler, der durchaus nicht nur am Schreibtisch bleibt, mit einer naseweisen Schwester in einem heimeligen Setting in der englischen Provinz, was will man mehr auf der Suche nach dem, was der Tat zugrunde liegt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Der Tote in der Kapelle von Elizabeth Edmondson
ISBN: 978-3-442-48612-0





Samstag, 21. April 2018

Die erste

Verlosung auf diesem Blog.

Und vielleicht wird sie wegen der Datenschutzverordnung auch die Letzte bleiben.

Am Maifeiertag (01.05.2018; 18:00), wenn alle sicher wieder vom dem Tanz in den Mai zu hause angekommen sind, wird ausgelost.

Natürlich schwirrte die Idee schon länger in meinem Kopf herum und während der letzten Buchmesse in Leipzig nahm sie konkretere Gestalt an. Während einer ganz tollen Veranstaltung des Rowohlt Verlages kam bei den teilnehmenden Bloggern die Frage auf, ob auch Bücher verlost werden dürfen, was großzügig wohlwollend beschieden wurde.

Im Nachgang wurde mir das Buch "Verrat" von Nicholas Searle freundlicherweise von Frau Anne-Claire Kühne, Pressereferentin beim Rowohlt Verlag, zur Verfügung gestellt. Dafür meinen herzlichen Dank.

Was ihr tun müsst? Ganz einfach einen Kommentar posten.

Ich wünsche euch viel Spaß und ich freue mich auf eure Kommentare.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Private Daten müssen im Rahmen der Verlosung nur in dem Rahmen angegeben werden, wie Blogger es vorgibt.
Da es sich um ein Printexemplar des Buches handelt, müsste der Gewinner oder die Gewinnerin mir einmal eine Anschrift mitteilen, an die ich das Buch senden kann. Diese wird darüberhinaus nicht gespeichert.

Verrat von Nicholas Searle auf den Seiten vom Rowohlt Verlag



Die Verlosung ist geschlossen. Das Buch hat einen Gewinner gefunden.

Herrn Schneider von der Badischen Zeitung hat es gefallen

Donnerstag, 19. April 2018

Madeline, Eve und Brady


Sie ist tot, Maddy ist vom Dach gesprungen und gestorben. Ihre Tochter Eve ist untröstlich und auch Brady, ihr Mann weiß nicht wie er mit dem tragischen Ereignis umgehen soll. Manchmal denkt Eve, sie habe ihre Mutter nicht genug gefeiert, sich nicht genug bedankt, sich wenig Mühe gegeben. Auch Brady macht sich große Vorwürfe, immer stand der Beruf im Vordergrund, häufig hatte er etwas anderes vor, wenn es darum gegangen wäre, Zeit mit seiner Familie zu verbringen. Sowohl Brady als auch Eve verkriechen sich in ihre Ecken und wissen nicht wie sie mit ihrer Trauer umgehen sollen.

Man wünscht es niemanden, aber viele Menschen werden jemanden im Bekanntenkreis haben, der oder die sich das Leben genommen hat. Auch wenn man kein enger Verwandter war kann man nachvollziehen, welch ein Schlag vor den Kopf es bedeuten kann, wenn jemand einfach selbst geht und es keine Erklärung gibt. Dazu kommt die Trauer, die einen sowieso überfällt, wenn man einen lieben Menschen vermissen muss. Eve und Brady leiden an ihrem Verlust und sie können sich nicht trösten. Madeline, die irgendwie noch nicht ganz weg ist, versucht, ihren Lieben zur Seite zu stehen, ihnen zu helfen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich auch neuen Erfahrungen zu öffnen, ohne ihre Mutter und Frau zu vergessen. 

Aus Sicht von Maddy, Eve und Brady kann man an dem langsamen und schmerzvollen Prozess teilhaben, den man nach dem Versterben des geliebten Familienmitglieds durchmachen muss. Man fühlt mit Eve und Brady mit, man fragt sich, weshalb Madeline es getan hat, man wünscht den Hinterbliebenen, dass sie sich mit der Situation abfinden, neue Erfahrungen machen und doch gute Erinnerungen behalten. Man denkt aber auch an die eigenen Lieblingsmenschen, die nicht mehr da sind und versucht auch selbst nach vorne zu blicken und sich vorzustellen, dass es ihnen gutgeht, wo auch immer sie sind. 

Ein berührender Roman über die Trauer, über den Tod, Lächeln und Freude, die zunächst kaum gewagt werden und die Hoffnung auf bessere Tage, in denen man einen Schritt voran getan hat und in warmer Erinnerung zurückblicken kann,


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Für immer ist die längste Zeit von Abby Fabiaschi (Übersetzerin Barbara Christ)
ISBN: 978-3-10-403675-1


Dienstag, 17. April 2018

Am Fluss


Bei der Flusspolizei ist Lacey Flint gelandet. Die wollte den gefährlichen Einsätzen bei der Kriminalpolizei entgehen und ihr Leben in ein ruhigeres Fahrwasser bringen. Ein neues Hobby ist das Schwimmen im Gezeitenfluss, ein Nervenkitzel der gefährlich und verboten ist. Bei einem ihrer unerlaubten Streifzüge kommt ihr eine weibliche in ein Laken gewickelte Leiche vor die Nase. Und vorbei ist es mit dem ruhigen Dasein. Zwar werden die Ermittlungen von Dana Tulloch geführt, doch der Fluss ist Laceys Revier. Und so müssen die beiden unterschiedlichen Frauen sich zusammenraufen, auch wenn sie sich nicht immer gut verstanden haben.

Soweit bekannt handelt es sich bei Lacey Flints viertem Auftritt um ihren bisher letzten. Da seit Erscheinen dieses Bandes schon eine Weile vergangen ist, bleibt es wohlmöglich bei vier Teilen einer Reihe. In diesem Band liegt der Schwerpunkt eher auf der beruflichen Beziehung zwischen Lacey Flint und Dana Tulloch. Die beiden müssen sich austauschen, zusammenarbeiten und gemeinsame Einsätze durchführen. Von Mark Joesbury ist nur wenig zu sehen und zu lesen. Der Fall behandelt dabei ein brisantes Thema, was lange verschleiert bleibt und damit eine Überraschung ergibt, auch wenn man selbst glaubt, auf der richtigen Spur zu sein. 

Auch in diesem Band bleiben einige Geheimnisse um Lacey Flint. Man bekommt ein wenig den Eindruck, als habe sich die Autorin offenhalten wollen, ob sie die Reihe fortsetzt oder nicht. Diese vermeintliche Unentschlossenheit wirkt sich allerdings auf die Spannung aus, die die Handlung hervorruft. Ihre Beziehung zu Mark Joesbury gerät zur Nebensache. Dana Tulloch wird mehr Aufmerksamkeit gewidmet. Ihre Art zu ermitteln, ihre Beziehung zu ihrer Partnerin Helen. Doch auch hier bleibt ein entscheidendes Detail auf der Strecke. Nach der Lösung eines zwar interessanten, aber nicht so packenden Falles, schwimmt Lacey Flint gewissermaßen in den Sonnenuntergang. Man hätte der Reihe, so sie denn beendet sein sollte, ein richtiges Ende mit Klärung aller offenen Fragen gewünscht. 



3 Sterne (🐳🐳🐳)

Schwarze Strömung von Sharon Bolton
ISBN: 978-3-442-48519-2




Sonntag, 15. April 2018

Immer ein Berliner


Der Berliner Privatdetektiv Bernhard Gunther hat lange bei der Polizei gearbeitet. Doch vor drei Jahren (1933) hat er den Dienst verlassen. Im Berlin des Jahres 1936 bearbeitet er meist Vermisstenfälle, was in einer Ära, in der ein Nachbar, der Sozi, Kommunist oder Jude ist, schnell mal verschwinden kann, nicht verwunderlich ist. Ein reicher Industrieller, dessen Tochter und Schwiegersohn bei einem Brand umgekommen sind, bittet Gunther, nach dem Inhalt des Safes zu suchen, der bei der tödlichen Attacke offensichtlich entwendet wurde. Auch wenn sein Auftraggeber nicht unbedingt sympathisch wirkt, nur Bares ist Wahres. Bernie Gunther beginnt mit den Nachforschungen.

Zur Zeit der Olympiade herrscht in Berlin eine zwiegespaltene Stimmung, zwar werden unerwünschte Menschen weiterhin verfolgt und drangsaliert, doch um der Weltöffentlichkeit eine gewisse freiheitliche Ordnung vorzugaukeln verschwinden die äußeren Anzeichen der Unterdrückung des Volkes. Allerdings dauert es nicht lange bis Gunther es während seiner Suche mit der Gestapo und sogar einigen höheren Chargen zu tun bekommt. Die Sache stellt sich schwieriger dar als angenommen. Nichts scheint richtig zusammenzupassen und immer wieder wird Gunther handfest klargemacht, an welchen Stellen er nicht allzu genau nachforschen sollte.

Leider ist der Autor im März diesen Jahres verstorben. Ein trauriger Anlass diese Serie sehr spät kennenzulernen. Der erste Band erschien im Original bereits 1989 und in diesem Jahr erscheint auf Deutsch der vorletzte dreizehnte Band, einen weiteren Band konnte der Autor vor seinem Tod noch fertigstellen. Als deutschsprachiger Leser fragt man sich bei der Lektüre des englischsprachigen Romans, ob der Autor deutsche Wendungen wörtlich ins Englische übersetzt hat oder ob einem Ausdrücke, die einem auf Deutsch wohlbekannt sind, tatsächlich im Englischen so verwendet werden. Spannend ist auch zu lesen, wie der Autor die Stimmung im Vorkriegsdeutschland beschreibt. Man kommt auf den Gedanken, die leichte Lockerung der Überwachung durch den Staat anlässlich der Olympiade, sei eine letzte Gelegenheit gewesen, abzuhauen. Doch die Meisten fliehen nicht. Auch Bernie Gunther lebt sein Leben, zwar hält er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg, aber dennoch sind unter seinen Kunden auch hohe Beamte, die sicher eine andere Meinung vertreten als der Detektiv. Wo das Geld herkommt, ist schließlich doch egal. Mit seiner Berliner Schnauze eckt Bernie Gunther häufig an, mit ihr kommt er aber auch häufig durch. Grundsätzlich versucht er den Dingen auf den Grund zu gehen, was er nicht ändern kann, nimmt er jedoch manchmal zu klaglos hin. In dieser für viele Menschen lebensbedrohlichen Zeit geht Bernie Gunther seinen Weg, löst seinen Fall und findet immer wieder Möglichkeiten der alltäglichen Bedrohung zu entgehen. 

Ein fesselnder Kriminalroman vor einem dramatischen politischen Hintergrund mit einem Ermittler, der auf seine eckige Art überzeugt, dass man mehr über ihn erfahren möchte.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

March Violets von Philip Kerr
ISBN: 978-1-78648-087-3


Samstag, 14. April 2018

Wenn der Großvater


Tinos Vater liegt nach einem schweren Arbeitsunfall im Krankenhaus, die Mutter umsorgt ihren Mann unermüdlich. Der Junge macht sich große Sorgen. Der Einzige, der ihn etwas von seinem Kummer ablenken kann, ist sein Großvater Alberto. Von ihm lässt er sich die alten Geschichten erzählen. Tino ist überrascht und traurig als er erfährt, dass sein Großvater das eigene Geburtsdatum nicht kennt. Um sowohl dem Jungen zu helfen als auch die Tochter zu entlasten, wagt Alberto eine Reise in seine Vergangenheit. Gemeinsam mit seinem Enkel macht er sich auf den Weg, nach seinem unbekannten Geburtsdatum zu suchen.

Wenn der Großvater mit dem Enkel eine Reise macht, kann nur etwas Gutes dabei herauskommen. Und sei es nur, dass beide durch die gemeinsam verbrachte Zeit ein noch engeres Verhältnis bekommen. Die Angst um den Vater raubt Tino manchmal den Schlaf, doch die Ablenkung, die die Suche nach Albertos Vergangenheit mit sich bringt, bietet gerade das rechte Maß an Abenteuer und Ablenkung. Auch wenn Tinos Gedanken oft bei seinem Vater sind, möchte er unbedingt, dass sein Großvater, sein geliebter Apu, endlich einen eigenen Geburtstag feiern kann. Unermüdlich gehen die Beiden den Hinweisen nach, die nach der langen Zeit, die seit Albertos Kindheit vergangen ist, noch zu finden sind. 

Wie schön für ein Kind, wenn es einen Großvater hat, der über eine schwere Zeit hinweghelfen kann. Wie schön aber auch für einen Großvater, wenn er ein Enkelkind hat, dass ihm hilft, sich auf die Suche nach einer Vergangenheit zu machen, von der er fast vergessen hatte, dass er sie vermisst. Schritt für Schritt kann man Tino und Alberto auf ihrer gemeinsamen Suche begleiten. Zurückversetzt in die schweren und grausamen Zeiten des spanischen Bürgerkriegs, in Zeiten einer glücklichen Kindheit, die jäh beendet wird. Man erlebt, wie Tino mehr Zuversicht bekommt. Man freut sich mit Alberto über jeden Hinweis, der ihn näher zu seinen leiblichen Eltern bringt, der alte Freunde und liebe Bekannte zurückbringt. Der eigene Geburtstag, eine Selbstverständlichkeit, die man vielleicht nicht so gering schätzen sollte. Es ist ein Tag, hinter dem eine Geschichte steckt, die es sich zu erzählen lohnt. Wie schön, hier zu lesen, wie sich aus Fürsorge für einen Jungen und dessen liebevollem Interesse an seinem Opa, eine lebensvolle Geschichte ergibt.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Albertos verlorener Geburtstag von Diana Rosie
ISBN: 978-3-426-43815-2


Donnerstag, 12. April 2018

Engel und Sander


Friedelinde Engel gehört auch zu den Menschen die für ihren Namen nichts können, denn wenn ihr Vorname etwas altertümlich klingt, so ist Friedelinde doch noch jung, allerdings nicht jugendlich. Sie arbeitet als Nachlasspflegerin beim Gericht und nun soll sie die Erben einer alten Dame finden, die tot in ihrer Wohnung gefunden wurde. Zwar findet Friedelinde zunächst keinen Hinweis auf irgendwelche Erben, dafür findet sie die Leiche eines alten Mannes in der Kühltruhe. Nachdem sie den ersten Schrecken überwunden hat, ruft Friedelinde die Polizei. Zuständig ist Kommissar Nicolas Sander, der gerade knapp einer Suspendierung entgangen ist. 

Das ist schon mal ungewöhnlich, da gilt es eigentlich nach Hinweisen auf mögliche Erben zu suchen und dann findet man eine Leiche. Damit hat Friedelinde Engel nicht gerechnet und auch nicht mit diesem Kommissar, der Probleme mit sich rumzuschleppen scheint und seine Mitmenschen gerne mal rumstehen lässt oder aus dem Auto aussetzt. Da könnte frau sich schön drüber aufregen, wenn es nicht doch wichtigere Dinge zu tun gäbe. Und immer weiter gräbt sie in der Vergangenheit der Toten, während der Kommissar indessen einen weiteren Todesfall zu untersuchen hat, bei dem offensichtlich etwas nicht stimmen kann.

Witzige Wortgefechte zwischen Engel und Sander bestimmen den Beginn der Bekanntschaft der beiden eigenwilligen Persönlichkeiten. Ein sympathischer, wenn auch eckiger Kommissar die freundlich, einfühlsame Friedelinde Engel bilden ein Team, das sich gut ergänzt. Neben einigen Reibungspunkten arbeiten sie gut zusammen, wobei sich Friedelinde mehr als Freundin und Helferin erweist als der Kommissar, den sie mehr als einmal in heiklen Situationen unterstützt. Auch Sanders beruflicher Partner Gernot, hilft ihm, wenn es notwendig ist, wobei Gernots eigener Werdegang noch im Ungewissen bleibt. Jeder auf seine Art, manchmal gemeinsam, das Geheimnis um die Erblasserin wird gelöst. In diesem Rahmen kann ein Blick in die unrühmliche Vergangenheit unseres Landes geworfen werden, eine Vergangenheit, die auf keinen Fall vergessen werden darf. 

Engel und Sander in ihrem ersten gemeinsamen Auftritt bilden eine außergewöhnliche Kombination von Ermittlern, denen sich sicher noch viele spannende Ansätze für die weitere Zusammenarbeit bieten.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Stille Zeugen von Angela Lautenschläger
ISBN: 978-3-96148-039-5


Dienstag, 10. April 2018

Lebensabenteuer


Von Anfang an mochte die Mutter das Kind nicht. Und so hat der im 19. Jahrhundert in den Schweizer Bergen geborene Hans Roth es nicht leicht. Der etwas zu klein geratene Hans verlässt früh seine heimatlichen Gefilde. Auf seinem Weg kommt er unter die Fittiche verschiedener Personen und er bereist so die Welt. Er legt sich den weniger unscheinbaren Namen Louis de Montesanto zu. Nicht nur erlebt er Geschichten, er beginnt auch sie auszuschmücken und zu erzählen. Und immer wieder verlässt er Orte und Menschen, niemals mehr kann er einen Ort seine Heimat nennen.

Ausgesprochen liebevoll gestaltet ist dieser Lebens- und Abenteuerbericht. Seinen Roman bezeichnet der Autor Michael Hugentobler als fiktive Geschichte eines Mannes, der wirklich gelebt hat. Er schreibt von Louis’ Leben und seinen Reisen. Was ist wahr, was kann nicht wahr sein. Als tragisch aber kann man das Leben des Louis de Montesanto bezeichnen. Seit seiner Geburt, so kann man wegen seiner Kleinwüchsigkeit nur sagen, hatte er es nicht leicht. Gemessen daran findet er jedoch immer Menschen, die ihm Arbeit, Essen und Wohnung gegen. Doch so wie er bereits seine Heimat verlassen hat, so verlässt er auch später seine Gönner. Nur während der kurzen Zeit seines Erfolges als vermeintlicher Darsteller wahrer Erlebnisse, ist er auf der Höhe seines Lebens. Schnell jedoch ist es damit vorbei, als herauskommt, dass er doch das Meiste erfunden hat.

Wie geht man am Besten an ein Buch eines Genres heran, das man sonst eher weniger liest.  Möglichst unvoreingenommen natürlich. Was aber, wenn es einem dennoch nicht so recht liegt. Trotzdem kann man die abenteuerlichen Erlebnisse des Protagonisten genießen, sich amüsieren über seine Ausschmückungen, die Tragik seines Lebens nachempfinden. Die Nachforschungen der Tochter bringen sogar Spannung in die Geschichte. Allerdings etwas distanziert und beschreibend bleibt der Ton und das ist, woran sich entscheidet, ob man diesen Bericht gebannt inhaliert oder doch zwar mit Wärme aber doch eher aus der Ferne die Handlung verfolgt. Eine Lektüre, die für Liebhaber des Genres ein tolles Leseerlebnis bietet und die anderen einen interessanten Einblick in ein ungewöhnliches Leben gewährt. 


3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Louis oder der Ritt auf der Schildkröte von Michael Hugentobler
ISBN: 978-3-423-28152-2


Sonntag, 8. April 2018

Eifersucht kann töten


Nach einer Technoparty wird der junge Daniel schwer verletzt aufgefunden. Gefährliche Körperverletzung lautet die Fallkennzeichnung. Kriminalobermeisterin Klaudia Wagner beginnt mit den Ermittlungen. Doch der junge Mann kann sich nicht an viel erinnern oder er sagt nichts. Wenig später wird ein älterer Mann, der offensichtlich ein Penner war, tot in einer Datsche entdeckt. Der alte Mann stand in Beziehung zu den anderen Personen, die als Beteiligte festgestellt werden konnten. Doch in der kleinen Spreewaldgemeinde wird Schweigen groß geschrieben. Jedoch deutet einiges darauf hin, dass die Ereignisse auf einen Brand zurückgehen, bei dem vor zwanzig Jahren ein Jugendlicher umgekommen ist.

Noch immer ist Klaudia Wagner nicht ganz im Spreewald angekommen. Ursprünglich stammt sie aus dem Ruhrgebiet und sie hat sich aus persönlichen Gründen nach Brandenburg versetzen lassen. Schwierig ist das Ankommen, aber nicht unmöglich. Auch wenn es immer wieder Schwierigkeiten gibt, fühlt sie sich doch so langsam heimisch. Der neue Fall, ihr dritter, erweist sich als nicht leicht zu knacken. Die Sache von damals scheint noch nicht ausgestanden zu sein. Da haben wohl einige noch ein Hühnchen miteinander zu rupfen. Doch warum nicht einfach die Vergangenheit ruhen lassen. Allerdings, manches nagt an einem und wird nie vergessen.

In ihrem dritten Fall hat es Klaudia Wagner nicht leicht, eine Lösung zu finden. Sehr verschlungen sind die Beziehungen der beteiligten Familien. Es wirkt wie ein wir gegen die. Und möglicherweise kann Eifersucht tatsächlich töten. Wenn Probleme schweigend unter den Teppich gekehrt werden, können sie nie richtig verarbeitet werden. Und wenn sich die Gelegenheit bietet, bricht alles wieder auf. Natürlich wird es durch diese Hintergründe, die in der Vergangenheit verborgen liegen, alles andere als einfach, die Gegenwart zu verstehen. Fraglich, ob jemals alles herauskommt. Was zu Beginn nur in kleinen Schritten vorankommt, wirkt am Ende etwas überhastet, so dass man sich fragt, ob man nicht etwas verpasst hat. Dennoch versteht es Klaudia Wagner mit ihrem Auftreten zu fesseln, ihre zielstrebige Art überzeugt und die stimmungsvollen Beschreibungen des Spreewalds im November lassen einen wünschen, den Ort im Sommer zu besuchen. 

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Spreewaldrache von Christiane Dieckerhoff
ISBN: 978-3-548-28951-9


Samstag, 7. April 2018

Licht der Welt


Mit der Ehe des evangelischen Polizeiseelsorgers Martin Bauer steht es immer noch nicht zum Besten. Mit seiner hochschwangeren Frau will er einen Geburtsvorbereitungskurs besuche, der gleichzeitig ein gemeinsam verbrachtes Wochenende bringen soll. Allerdings noch auf dem Weg dorthin wird Bauer zu einem Einsatz gerufen. In einem alten Förderschacht ist ein Polizist in Panik geraten und der herbeigerufene Priester hat im Schacht einen Herzinfarkt erlitten. Nun liegt es an Bauer dabei zu helfen, die beiden Kollegen wieder ans Tageslicht zu bringen. Eine mit Honig übergossene Leiche war Anlass des Einsatzes. Doch wieso ist der Anblick des Toten dem  Kollegen Vaals so nahe gegangen?

Martin Bauer kann einfach nicht anders, er muss der Sache auf den Grund gehen. Die letzten Monate, in denen er sich bemüht hat, sämtlichen Gefahren aus dem Weg zu gehen, in denen er an der Polizeischule unterrichtet hat, um seine Frau zu überzeugen, dass er sich ändern wird, sind wie weggewischt. Was ist nur mit seinem Kollegen geschehen? Erste Spuren führen zurück zu einer Kirchengemeinde, die der Priester Vaals etliche Jahre geleitet hat und die er plötzlich verließ. Hat sich Vaals damals etwas zuschulden kommen lassen? Daran mag Bauer nicht glauben, doch was sonst kann die Ursache für den abrupten Stellenwechsel gewesen sein. Kommissarin Dohr, die Leiterin der Ermittlungen, kämpft derweil mit internen Intrigen und steigt doch voller Eifer in die Ermittlungen ein.

Mit seinem zweiten Auftritt punktet Martin Bauer wieder sehr gut. Einmal auf einer Fährte kann er nicht umhin, selbst zu ermitteln. Mit seinem Auftreten als Seelsorger erlangt er manchmal sogar Informationen, die den Polizeibeamten vorenthalten werden. Seine Zusammenarbeit mit der leitenden Ermittlerin funktioniert gut, auch wenn seine Herangehensweise vom Chef nicht gerne gesehen wird. Bauer soll sich um die Seelen sorgen und sich nicht als Detektiv hervortun. Ein Wunsch, der sich kaum erfüllen wird. Man muss Bauers eckigen Charakter einfach mögen, mit Spürsinn und Gottesglauben geht er den Dingen auf den Grund. Geschickt sind auch in diesem zweiten Fall die Handlungsstränge verbunden, undurchschaubar zunächst, gelangt man doch mit jedem Ermittlungsschritt zu mehr Klarheit. Auch wenn dieser Fall nicht ganz so mitreißend ist wie der erste, so bleibt man doch immer gespannt auf den Fortgang des lückenlos konstruierten Falles mit seinem außergewöhnlichen Ermittler, der seinen Auftrag auf eigene Art interpretiert.

4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Tiefer denn die Hölle von Peter Gallert und Jörg Reiter
ISBN: 978-3-8437-1766-3




Freitag, 6. April 2018

Kleine Lissie


Die junge Marlene flieht vor ihrem Mann. Im vereisten Winter des Jahres 1974 macht sie sich mit dem Auto auf durch eine unwirtliche Gegend in Südtirol. In dem beginnenden Schneesturm kommt sie mit ihrem Wagen von der Straße ab. Als Marlene wieder erwacht, findet sie sich auf dem Erbhof eines Bauern wieder, auf dem nur der Bauer Simon Keller lebt. Zunächst ist Marlene sehr erleichtert, dass ihr nicht mehr passiert ist und dass sie für ein paar Tage bei Simon unterkommen kann. Doch je länger sie sich in der Abgeschiedenheit aufhält, desto unheimlicher wird ihr der Gastgeber. Inzwischen hat auch ihr Mann den Auftrag gegeben, nach Marlene zu suchen.

Hat Marlene nun Glück im Unglück gehabt? Zumindest sieht es erstmal so aus. Alles kann nur besser sein als die Ehe mit einem Mann, der ein Verbrecher ist. Auf diesem einsamen Hof wird sie nicht so schnell gefunden werden. Doch je länger sie mit Simon Keller unter einem Dach ist, desto mehr bekommt sie es mit der Angst zu tun. Oder ist es normal, dass der Bauer mit den Schweinen redet, ihnen Namen gibt und besonders der Sau Lissie zugetan zu sein scheint. Lissie, eine ausgesprochen große Sau, die immer Hunger hat nach ihrem durch Simon liebevoll zubereiteten Nahrungsbrei. Offensichtlich versteht sich Simon mit seinen Schweinen besser als mit den Menschen. 

Was recht harmlos mit einer durchaus verständlichen Flucht beginnt, wächst sich zu einem richtigen Schauerroman aus. Marlene muss in großer Gefahr bestehen und man empfindet mit ihr, wenn sie vor Unbehagen und Angst nicht mehr ein noch aus weiß. Gleichzeitig verfolgt man die Suche, die ihr Mann in Auftrag gegeben hat. Und man fragt sich, wie Marlene der Bedrohung entkommen soll. Von allen Seiten scheint Gefahr zu drohen. An einem Punkt wünscht man fast, der Sucher würde der Retter sein, auch wenn er ein Mann des Vertrauens ist, der für seine Kunden abschließende Regelungen herstellt. Sehr gut gelingt es dem Autor, die Spannung langsam aufzubauen. Immer wenn die Rettung nah scheint, tut sich eine neue Gefahr auf, und wenn man meint, nun ist es aus, bietet sich doch ein Ausweg an. Allerdings wird man von diesem Spannungsroman erst gegen Ende hin wirklich gepackt.

Wie gewohnt liest Mathias Koeberlin gekonnt, seine „Süße Lissie, kleine Lissie“ ist schon allein des Hörens wert.

3,5 Sterne (🐳🐳🐳+)

Das Böse es bleibt von Luca d'Andrea
ISBN: 978-3-8445-2873-2





Donnerstag, 5. April 2018

Cold Case - fast


Wenn Kommissar Sasagaki einen Fall übertragen bekommt, dann löst er ihn, grundsätzlich jedenfalls. Als jedoch im Jahr 1973 ein Pfandleiher in einem verlassenen Haus tot aufgefunden wird, steht Sasagaki vor einem Rätsel, das unlösbar scheint. Er findet einfach kein Motiv. Nur ein Jahr darauf stirbt die Mutter einer Schülerin bei einem Unfall. Es gibt kaum Anzeichen, dass es kein Unfall war. Zwar wird geredet, es könne sich um Selbstmord gehandelt haben, ein Beweis findet sich nicht. Es gibt auch keine Anzeichen, dass die Ereignisse zusammenhängen. Lediglich der Sohn des Pfandleihers und die Tochter des Unfallopfers kennen sich. Nicht überraschend, wenn man die selbe Schule besucht.

Kommissar Sasagaki bleiben die beiden Todesfälle immer gegenwärtig. Er kann einfach nicht davon lassen, er will die Sache aufklären. Über zwanzig Jahre geht er seiner Arbeit nach, doch auch wenn die offizielle Ermittlung schon längst eingestellt ist, im Hintergrund wirkt der Kommissar weiter. Er behält die beiden jungen Leute immer im Blick und findet doch keine Lösung. Doch immer wieder gibt es winzige Hinweise, die sich ganz langsam zu einem Bild fügen. 

Fast beiläufig wird die Geschichte eines Mordes und seiner Hintergründe erzählt. In kleineren oder größeren zeitlichen Abständen werden Handlungsteile wie Kurzgeschichten erzählt, in denen die kleinen Hinweise, die nach und nach auftauchen, einen Zusammenhang herstellen. Eine Verbindung, die schließlich dazu führt, dass sowohl der Leser als auch der Kommissar eine Erklärung für die Geschehnisse findet, die vor so langer Zeit ihren Anfang nahmen. Dabei nimmt der Autor sich Zeit. Man kommt zuweilen nicht umhin, sich zu fragen, was eine Episode zum Ganzen beiträgt. Doch würde man meinen, das Geschriebene erfülle keinen Zweck, dann kennt man den Autor schlecht. Keigo Higashino, dessen Romane in Deutschland erst in den letzten Jahren entdeckt wurden, versteht es hervorragend zu fesseln. Er entwickelt mit seinen Handelnden Persönlichkeiten, die sich immer durch irgendetwas auszeichnen. So ist sein Sasagaki ein ruhiger ausdauernder Ermittler, der nicht locker lässt. Täter und Opfer sind durch ein Beziehungsgeflecht verbunden, das aufmerksam zu betrachten und erst nach eingehender Lektüre zu durchschauen ist. Vielleicht ist dieser Kriminalroman von hoher Qualität nicht ganz leicht zu lesen, aber dennoch handelt es sich um eine Lektüre, die man sich nicht entgehen lassen sollte.


4 Sterne (🐳🐳🐳🐳)

Unter der Mitternachtssonne von Keigo Higashino
ISBN: 978-3-608-11043-2


Dienstag, 3. April 2018

Liebe Schwarzweiß-Filme


Seit fast einem Jahr hat Dr. Anna Fox, Kinderpsychologin, ihr Haus nicht mehr verlassen. Eigentlich sollte das Haus verkauft werden, nachdem sich ihr Mann von ihr getrennt hatte. Die gemeinsame Tochter Olivia ist bei ihrem Mann. Doch das ist erstmal aufgeschoben. Anna geht es schlecht, sie ist depressiv, sie hat eine Agoraphobie entwickelt, sie trinkt zu viel, sie hat ihre Patienten verloren. Erstaunlich jedoch, wie viel man von zu hause aus erledigen kann, es gibt das Internet, wo sie neue Gruppen gefunden hat, Onlineschach, sie hat einen Mieter, der Kleinigkeiten für sie erledigt, das Essen wird ins Haus gebracht, der Psychologe und die Physiotherapeutin kommen zu ihr und sie kann die Nachbarn beobachten. Bis sie eines Tages meint, zu sehen, dass eine Nachbarin überfallen wird.

Man kann sich mit einer Einschränkung auch einrichten. Obwohl Anna Panikattacken bekommt, wenn sie das Haus verlässt, und das kann sehr überzeugen, das Haus nicht zu verlassen, hat sie sich ganz gut arrangiert. Sie hat allen Grund, am Boden zu sein, wenn das Leben zuschlägt, hilft auch kein Psychologiestudium. Anna bekommt alle Hilfe, die sie zulässt. Allzu viel ist das jedoch nicht, lieber verbringt sie die Zeit mit einem Glas Wein, einem alten Kriminalfilm am liebsten in Schwarzweiß oder dem Beobachten der Nachbarn, um die sie phantasievolle Geschichten rankt, so dass sie sich einbilden kann, am Leben teilzunehmen. Mit dem Einzug der Neuen wird es jedoch anders. Sie schenken ihr zu deren Einzug eine Kerze.

Das Buch lässt einen wirklich schaudern. Manchmal fühlt man sich tatsächlich wie in einem alten Schwarzweiß-Film, lauscht der unheimlichen Filmmusik, sieht Lichter flackern, hört Türen knarren. Das, was man nicht sieht, macht den Grusel aus. Anna lebt in ihrer eigenen Welt, bedingt durch den Konsum von Alkohol und Medikamenten, fragt man sich, was nur in ihrer Wahrnehmung passiert oder was real ist. Die Einschätzung von dem, was logisch und wirklich ist, wird durch das Handeln der vermeintlich Gesunden immer unsicherer. Kann man Anna in ihrer Krankheitswirklichkeit trauen? Tiefer und tiefer gerät man hinein in den Wirbel aus Depression, Medikamentennebel und doch Aufblitzen des scharfen Verstandes, der Anna einmal ausgemacht hat. Je näher man dem Kern, der Ursache zu Annas Krankheit kommt, desto mehr verändert sich die Einschätzung. Obwohl man mit Anna empfindet, neigt man doch dazu einiges der Krankheit zuzuschieben. Und so lässt man sich leiten, die Nase tief ins Buch gesenkt, bis zur letzten überraschenden Entwicklung. Ein Spannungsbogen wie in einem klassischen Thriller, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

The Woman in the Window von A. J. Finn
ISBN: 978-3-7645-0641-4




Montag, 2. April 2018

Together forever


Das mit dem für immer zusammen hat schon mal nicht geklappt. Die vier von der Knickerbocker-Bande haben sich nach einem unheimlichen Erlebnis als sie Teenager waren seit zwanzig Jahren nicht mehr gesehen. Und jetzt soll es ein Treffen geben. Poppi hat Dominik, Lilo und Axel auf eine einsame Insel vor der Küste Brightons eingeladen. Einzeln kommen die vier auf der Insel an und müssen erstmal feststellen, dass sie ausgetrickst wurden. Eigentlich sind sie aber doch froh über die Begegnung. Doch was soll diese Aktion mit der Insel? Schon nach wenigen Stunden sind Lilo und Dominik verschwunden und die anderen Beiden suchen verzweifelt. Schließlich kann man sich auf einer solchen Mini-Insel, die gerade mal Platz für ein Haus hat, nicht verstecken.

Bei der Knickerbocker-Bande handelt es sich um eine umfangreiche Reihe von Kinderbüchern, die in Österreich sehr bekannt ist. Mit dem vorliegenden Band ist der Autor einen ungewöhnlichen Schritt gegangen. Er hat seine Helden altern lassen, zwanzig Jahren hat sie sich nach dem traumatisch verlaufenen Skiausflug nicht gesehen. Sie wollten sich auch nicht mehr sehen und doch haben sie die Bande nie vergessen und es war auch nie mehr so wie damals. Deshalb sind sie auch nicht unglücklich als sie sich wiedersehen, auch wenn sie reingelegt wurden. Obwohl einige Sachen zu klären sind, ist es doch irgendwie wie früher und das ist gut.

Wenn auch die Knickerbocker-Bande bisher unbekannt war, ist dieses Jugendbuch für Erwachsene doch ausgesprochen spannend. Man fühlt sich sofort heimisch unter den Bandenmitgliedern. Ein atemberaubendes Szenario wird vor einem ausgebreitet. Der begrenzte Schauplatz einer sturmumtosten Insel wirkt ausgesprochen unheimlich. Das plötzliche und besorgniserregende Verschwinden der beiden Bandenmitglieder. Gleich zu Beginn stürzt man in die Handlung und bleibt gebannt an den Seiten kleben, man muss einfach wissen wie es weitergeht. Von der rasanten Geschichte fühlt man sich auch als älterer Erwachsener angesprochen. Zum einen durch die anrührenden Wiedervereinigung der Bande, die geschickt in die gegenwärtigen Lebensläufe der Bandenmitglieder eingebaut werden zum anderen auch durch das spannende Abenteuer, das Einiges im Leben der vier ins rechte Licht setzt. Eine fesselnde Lektüre, die sich leicht erschließt und die mit den letzten Sätzen die Hoffnung auf mehr weckt.


4,5 Sterne (🐳🐳🐳🐳+)

Knickerbocker4immer - Alte Geister ruhen unsanft von Thomas Brezina
ISBN: 978-3-7110-0161-0


Sonntag, 1. April 2018

Künstlertraum


Aus Trinidad ist die junge Odelle Bastien nach London gekommen, um ihren Traum zu verwirklichen. Zunächst verwirklicht sie jedoch nur, als Verkäuferin in einem Schuhladen ihr Leben zu finanzieren. Erst im Jahr 1967 bekommt die sie Chance als Typistin in einer Galerie zu arbeiten. Ihre Chefin, die nur Quick genannt wird, scheint einen Narren an ihr gefressen zu haben. Sie unterstützt Odelles Traum, eine Schriftstellerin zu werden. Gerade zu dieser Zeit wird der Galerie ein Gemälde angeboten, dessen unklare Herkunft ein Geheimnis in sich birgt. Odelle taucht ein in die Geschichte der jungen Olive Schloss, die mit ihren Eltern kurz vor Beginn des spanischen Bürgerkrieges in Andalusien lebt.

Frauen in der Kunst - wie unterschiedlich ist deren Rezeption in den 1930ern und in den 60ern. Auch Olive träumt davon, Künstlerin zu sein. Ihre genialen Gemälde verstauben jedoch auf dem Boden, weil sie ihrem Vater, ein Kunsthändler, nicht zutraut sie als weibliche Künstlerin anzuerkennen und zu vermarkten. Frauen sind eben keine Künstler. Wie anders ist es da als der junge Revolutionär und Maler Isaak Robles mit seiner Schwester Teresa bei den Schlosses auftaucht. Odelle hat da in den 60ern schon eher eine Chance als Künstlerin zu bestehen, wäre da nicht das kleine Hindernis, das sie als Farbige eben doch weniger angesehen ist. Doch Quick, die sich um so etwas nicht schert, ist ihr eine Inspiration und Hilfe.

Man kann kaum alle Themen aufzählen, die in diesem Buch sanft aber konsequent angerissen werden, Liebe, Krieg, Tod, Kunst, Emanzipation, Toleranz, Intoleranz und so fort. Nachdem ein wenig mit Steinen gepflasterten Zugang zu Beginn des Buches, kann man sich kaum noch von der Geschichte lösen. Es ist die große Kunst der Autorin, die beiden Handlungsstränge so zu verbinden, dass man gebannt immer weiterlesen muss. Gleichzeitig beginnt man aber auch nachzudenken, über die Rolle der Frau, überhaupt und in der Welt der Kunst. Der Entwicklung der Kunst und der Künstlerin über die Jahre, welche Chancen das Leben bietet und der Krieg nimmt. Auch wenn einige Themen nur angerissen werden können, so entfaltet das Buch doch eine Tiefe, die man zunächst nicht erahnt. Vielleicht ist es nur die Geschichte eines Bildes und dennoch ist es so viel mehr.


4,5 Sterne

The Muse von Jessie Burton
ISBN: 978-0-06-240992-8