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Sonntag, 23. Juli 2023

Der weiße Hof

In Chicago erfährt der Magier Harry Dresden von unerklärlichen Selbstmorden. Da sich die Fälle häufen, bezweifelt er so langsam, dass die durchweg weiblichen Opfer alle selbst Hand an sich gelegt haben. Karrin Murphy ermittelt gemeinsam mit Harry und tatsächlich finden sie eine Gemeinsamkeit, die weitere Todesfälle erwarten lässt. Sie müssen eine Möglichkeit finden, mögliche Opfer zu warnen. Das jedoch erweist sich als nicht so einfach, da die magische Gemeinde die Hüter des weißen Rates, zu denen auch Harry gehört, mit großem Misstrauen betrachtet. 


Dies ist der neunte Fall, von dem Harry Dresden berichtet. Es deutet sich an, dass es eine kniffelige Sache werden kann. Nichts für sein Lehrmädchen Molly, die dass Innerste ihrer Fähigkeiten noch nicht begriffen hat. Als neunzehnjährige will sie aber auch nicht sehen, dass Harrys Warnungen vielleicht berechtigt sein könnten. Auch Thomas, der im weiteren Sinn zum weißen Hof gehört, bringt Dresden ins Grübeln. Er hat sich rar gemacht und ist nicht zu erreichen. Harry will in Thomas Wohnung eine persönliche Nachricht hinterlegen. Doch was er dort vorfindet, stimmt ihn sehr bedenklich. Und so hat Harry Dresden, einziger Magier Chicagos, mal wieder etliche Baustellen. Sein wichtigstes Zeil bleibt, so viele Menschen vor Schaden zu bewahren.


Auch bei dem  neunten Fall gibt es Rückbezüge auf ältere Berichte. Dass die Neuveröffentlichungen der eigentlich schon älteren Reihe in monatlichem Abstand erfolgen, erleichtert es wirklich der verschachtelten Handlung zu folgen. Toll, wie der Autor offensichtlich immer alles im Blick hat und die Fälle nie langweilig werden. Auch hier geht es wieder turbulent zu. Harry als Lehrmeister, das hätte er sich bis vor kurzem auch nicht vorstellen können. Die Leserschaft wohl auch nicht, aber er macht seine Sache echt gut. Und dem Rätsel um die vermeintlichen Selbstmorde wird er auch auf die Spur kommen. Nachdem es erst nicht so richtig vorangeht, wird es bald richtig interessant, wegen des Gesamtblicks auf Harry Dresden und seine Welt und auch, weil der Fall einfach gut geschrieben ist und einige Wendungen eingebaut sind, mit denen man nicht gerechnet hat. Auch wenn man sie neu kennenlernt, bei dieser Reihe möchte man am Ball bleiben.


4 Sterne


Weiße Nächte von Jim Butcher

ISBN: 978-3-7341-6344-1





Donnerstag, 13. Juli 2023

Aotearoa

Die Polizistin Hana Westerman tut ihren Dienst in Auckland. Ihre siebzehnjährige Tochter Addison, die bei ihrem Vater lebt, probiert sich als Künstlerin und Sängerin aus. Hana und ihr Ex-Mann Jaye  werden werden auch die Wache gerufen. Es scheint so als habe Addison diesmal über die Stränge geschlagen. Bald darauf entdeckt Hana einen Toten, der in einem geheimen Raum versteckt ist. Er wurde mit gefesselten Händen und Füßen aufgehängt. Ein Mord, für den es kein Motiv zu geben scheint. Allerdings muss sie bald feststellen, dass die die Nachforschungen zu dem Todesfall sie auch mit ihrer eigenen Vergangenheit konfrontieren werden.


Laut Klappentext soll dies der erste Fall für Hana Westerman sein, wobei man gespannt sein darf, was für eine Überleitung der Autor wählen wird. Hana gehört zu den Maori und schon als junge Frau stand es für sie fest, dass das der richtige Beruf für sie ist. Sie hat gelernt in ihrem Beruf nach vorne zu blicken und immer den nächsten schwierigen Fall zu lösen. Dass sie jedoch wegen ihrer Herkunft und der Kolonialgeschichte Neuseelands einmal an ihren Idealen zweifeln würde, damit hat sie nicht gerechnet. Doch Hana Westerman will und muss sich stellen. Jaye, der nicht nur ihr Ex, sondern auch ihr Chef ist, ist in die Ermittlungen eingebunden.


Mit Detective Senior Sergeant Hana Westerman betritt eine sehr interessante Ermittlerin die Bühne, wobei Auckland auch ein tolles Setting ist. Während des Lesens ist festzustellen, wie wenig über die Geschichte Neuseelands und ihrer Einwohner bekannt ist. Auch am anderen Ende der Welt sind die Kolonialmächte sehr rücksichtslos und unachtsam mit denen umgegangen, die eigentlich eher da waren. Erst in der heutigen Zeit wird Eigentum zurückgegeben, allerdings bei weitem nicht in dem Umfang, der angemessen wäre. Und Hana hat den Weg zu den Weißen gewählt, was ihre Familie nicht vollständig verstehen kann. Dieser Widerspruch zwischen der Tradition ihrer Herkunft und den Ansprüchen des von Weißen geprägten Polizeidienstes trägt diesen Roman. Es dauert ein Weilchen, bis das erkennbar wird, doch dann hat man einen ausgesprochen packenden Kriminalroman, der so lehrreich ist, dass man gerne bald mit dem nächsten Fall weiterlernen möchte. Ein sehr gelungener Reihenstart.


4,5 Sterne



6 Tote von Michael Bennett

ISBN: 978-3-453-42730-3




Mittwoch, 5. Juli 2023

Verloren

Anfang 2003 erhält Annes Mutter eine Postkarte, auf der lediglich vier Namen notiert sind. Von ihrer Mutter erfährt sie, es sind die, Namen von Annes Urgroßeltern, die in Auschwitz ermordet wurden. Anne beginnt sich für ihre Familiengeschichte zu interessieren. Dass sie Jüdin ist, war in ihrem Leben nie ein Thema. Doch nach Erhalt der Karte, beginnt sie Nachforschungen anzustellen und mit ihrer Mutter zu sprechen. Annes Forschungen verlaufen zunächst ein wenig im Sande. Erst Jahre später als ihre eigene kleine Tochter in der Schule Antisemitismus erfährt, will Anne die ganze Geschichte erfahren. Was macht es mit ihr selbst, Jüdin zu sein.


Sehr unmittelbar ist diese Geschichte erzählt von Anne Berest, schließlich ist es ihre eigene Familie, von der sie schreibt. Im heutigen Paris und überhaupt auf der Welt sollte es keine Rolle mehr spielen, was für eine Herkunft jemand hat. Doch die Autorin lässt erfahren, dass dem mitnichten so ist. Obwohl sie die Geschichte ihrer Vorfahren nicht kennt, so trägt sie sie doch in sich. Und nach dem die Postkarte im Briefkasten gelandet ist, beginnt sie zu fragen. Ihre Mutter hilft Anne bei der Recherche und stellt zur Verfügung, was sie an Dokumenten hat. Gemeinsam machen sich die Frauen auf die Suche nach weiteren Informationen.


Dieses Hörbuch wird ruhig, ein wenig distanziert und möglicherweise gerade dadurch beeindruckend vorgetragen von Simone Kabst. Ein wenig schade bei Hörbüchern, in den Namen vorkommen, deren Schreibweise man nicht zwingend kennt, dass man eben diese Schreibweise nur erahnen kann. Man ist gefesselt von dem Rätsel um die Postkarte, dem Anne und ihre Mutter mit echtem Spürsinn nachgehen. Ein Ruf aus der Vergangenheit erschallt da. Die Erzählungen aus eben dieser Vergangenheit sind lebendig und authentisch, in ihrer Offenheit und Direktheit bedrückend und tragisch. Es möchte einem das Herz stehen bleiben, wenn man hört, wie mit leichten Worten geschildert wird, wie Menschen deportiert, gequält und ermordet werden. Wie kann eine Familie da bestehen? Am ehesten, in dem nicht gesprochen wird, über die Lieben, die nicht weiterleben durften und die, die nicht geboren werden durften, durch die Schuld der Nazis und einiger Kollaborateure. Hoffnung gibt, dass Anne Berests Mutter bereit ist zu sprechen und wir so von der Postkarte erfahren. Ein beeindruckendes Buch, welches man nicht so schnell vergessen wird.


4,5 Sterne


Die Postkarte von Anne Berest 

ISBN: 978-3-8449-3405-2





Sonntag, 25. Juni 2023

Match von Paris

Commissaire Lacroix muss sich umgewöhnen, denn seit seine Frau Dominique will für das Amt der Bürgermeisterin von Paris kandidieren. Das ruft auch die Presse auf den Plan, in welcher die Frage aufgeworfen wird, ob Lacroix seinen Job noch ausführen kann, wenn seine Frau die oberste Chefin der Stadt ist. Fast schon froh ist er über die Bitte um Hilfe des Präsidenten des französischen Tennisverbandes. Endlich hat ein Franzose die Chance das renommierte Turnier von Roland-Garros zu gewinnen. Doch Yannick Duc vermisst den Talisman, der ihm schon seit Beginn seiner Tenniskarriere Glück bringt.  Und so kann er einfach nicht gut spielen.


In seinem sechsten Fall betritt Commissaire Lacroix die Bühne des Welttennis. Im berühmten Stadion von Roland-Garros erfährt Lacroix einiges über den Betrieb des Turniers, aber auch des Vereins. Doch warum ist dieser Talisman für den jungen Tennisprofi so wichtig, dass er meint, ohne nicht spielen zu können? Handelt es um einen dummen Streich oder wusste der Dieb, was er auslösen würde? Der Kommissar steht vor einem Rätsel. Vor allem auch vor dem Rätsel, ob er, der im Ruf steht der Maigret von Paris zu sein, sich einem einfachen Diebstahl überhaupt widmen soll. 


Aufmerksam wird auf dieses Buch/Hörbuch vielleicht durch das farbenfrohe Cover, das einen sofort nach Paris holt und wenn man gerne Tennis schaut, ist noch zusätzlich Interesse geweckt. Es ist der sechste Fall einer Reihe, wobei zum Verständnis des Falles nicht notwendig ist, alle Bände zu kennen. Natürlich könnte es dennoch zu empfehlen sein, mit dem sympathischen Commissaire Lacroix von Beginn an zu ermitteln. Schön, einen Kommissar kennenzulernen, der nicht nur gut im Beruf ist, sondern auch ein ganz normales Leben führt, ohne von argen Problemen gebeutelt zu werden. Dass er auch noch mit Interesse, Witz und Humor bei der Sache ist, macht die Lektüre umso erfreulicher. Das Thema ist getroffen, es gibt keine extremen Grausamkeiten und der Fall ist pfiffig konstruiert. Ein toller leichter Krimi, der von Felix von Manteuffel mit großer Kunst vorgetragen wird.


4 Sterne


Lacroix und der traurige Champion von Roland-Garros von Alex Lépic

ISBN: 978-3-9875-9040-5




Donnerstag, 22. Juni 2023

Hochzeitsreise á la Dupin

Die Hochzeitsreise von Claire und Georges führt sie auf das Weingut von Claires bester Freundin. Sie wollen schlemmen, genießen, entspannen und so manchen guten Wein verkosten. Doch wie es der Zufall will, wird Cèciles Ex-Mann tot aufgefunden. Claire will ihre Freundin in dieser schweren Situation unterstützen und neben der Polizei ermitteln, nur für den Fall, dass die örtlichen Beamten voreingenommen sind. Dupin versucht, sich von den Ermittlungen fern zu halten, er ist schließlich nicht zuständig und er will und darf seinen Kollegen auf nicht reinreden. Allerdings hat er nicht mit Claire gerechnet, die da ganz anderer Meinung ist.


Bereits zum zwölften Mal nimmt uns Commissaire Dupin in eine wunderbare Gegend in der Bretagne. Eine kulinarische Reise, die nicht nur mit schmackhaften Gerichten aufwartet, sondern auch eloquenten Berichten über die Herstellung von Weinen und deren Verkostung. Land und Leute wirken dabei so idyllisch, dass es kaum zu glauben ist, dass jemand etwas gegen den Verstorbenen gehabt haben kann. Und doch ist ein Mord geschehen und natürlich gewinnt Georges schnell ein Interesse an der Sache. Dass er dabei ein Katz und Maus Spiel mit der örtlichen Polizei anfängt, stört ihn bald nicht mehr.


Die Kriminalromane um Commissaire Georges Dupin sind immer wie ein kleiner Urlaub. Man bekommt eine Vorstellung von der beeindruckenden Landschaft, von der Kunst des Weinbaus. Beinahe glaubt man den Wein zu schmecken oder den Kaffee, ohne den Dupin nicht auskommen kann. Humorvoll sind die Schilderungen, wie Dupin und Claire bei ihren Nachforschungen der örtlichen Polizei ausweichen müssen, schließlich wurde ihm eindeutig klargemacht, dass er sich heraushalten soll. Diesbezüglich tut Dupin sein Bestes, gegen Claires Wünsche und seinen eigenen Instinkt kommt er nicht lange an. Der Fall entwickelt sich spannend und die Indizieren sind zunächst rätselhaft, bis sich ein Motiv herauskristallisiert, mit dem nicht zu rechnen war. Inzwischen sind in den Gedanken die Bilder der Verfilmungen mit der eigenen Vorstellung von Georges und Claire verschmolzen, wobei die Darsteller so passend gewählt sind, dass dies den Lesegenuss noch intensiviert. 


4 Sterne


Bretonischer Ruhm von Jean-Luc Bannalec

ISBN: 978-3-462-05404-0




Mittwoch, 21. Juni 2023

Marcus is back

Er ist wieder da, der Schriftsteller Marcus Goldman, der aus seinen Erkenntnissen zum Fall von Harry Quebert einen Roman gemacht hat. Die Filmrechte sollen verkauft werden, aber ein neues Buch ist nicht in Sicht. Auch in Liebesdingen muss Marcus einen Rückschlag hinnehmen. Die Auffrischung seines Kontaktes zu Perry Gahalowood, den er bei seinen Nachforschungen zu Quebert kennenlernte, kommt gerade recht. Und diesmal gibt es neue Entwicklungen zu einem alten Mordfall, der wegen eines Geständnisses als geklärt galt. Im Jahr 1999, also vor elf Jahren, wurde die junge Alaska Sanders tot aufgefunden. Der vermeintliche Täter ist tot und sein mutmaßlicher Komplize sitzt seitdem hin Haft.


Und nun nehmen sich Gahalowood und Goldman der Aufgabe an, herauszufinden, ob damals wirklich jeder Spur nachgegangen wurde. Die beiden Männer verbindet eine Art distanzierte Freundschaft, was sich zum Beispiel darin äußert, dass der Polizist Gahalowood Goldman meist nur als „Schriftsteller“ bezeichnet. Zu Beginn ihrer Ermittlungen zu Alaska Sanders sind sowohl Gahalowood als auch Goldman nicht besonders gut drauf, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Die gemeinsame Arbeit hilft ihnen, ihre Freundschaft aufzufrischen und auch bei der Bewältigung ihrer Probleme. Entgegen aller Erwartungen entwickelt sich der Mordfall Alaska zu einer verwickelten Geschichte, in der es viele Wahrheiten zu entdecken gibt.


Das ist mal wieder ein echter Wurf. Vielleicht war man sich nicht ganz sicher, ob man sich dem Roman widmen wollte, und ist deshalb mit großen Erwartungen an das Hörbuch herangegangen. Zum Glück kann man aber auch positiv enttäuscht werden. Die Ermittlungen um den Mordfall Alaska Sanders sind ausgesprochen gelungen. Der Fall ist vielschichtig und bei erneuten Gesprächen kommt zutage, dass gerade im Weggelassenen manchmal neue Informationen liegen. Nach und nach ergibt sich auch durch Rückblenden ein ganz anderes Bild über den alten Fall, die Zeugen und die Ermittlungen. Da muss man auf jeden Halbsatz hören und immer aufmerksam bleiben. Gut gelungen ist auch die Beschreibung der Zusammenarbeit zwischen Gahalowood und Goldman, die sich im Laufe der Zeit doch etwas entfremdet hat und hier wieder zu einem tollen Ermittler-Duo zusammenfinden. Authentisch und lebendig vorgetragen wird das Hörbuch von Torben Kessler. Das Cover ist schön gestaltet und gibt einen Eindruck von der Umgebung, in der der Roman angesiedelt ist. Und wenn es mit diesem Roman eine Fortsetzung zu Harry Quebert für den geneigten Leser gibt, wird es möglicherweise eine Fortsetzung zu Alaska Sanders geben. Jedenfalls ist diese erste Fortsetzung schon mal ein sehr würdiger Nachfolger.


4 Sterne


Die Affäre Alaska Sanders von Joël Dicker

ISBN: 978-3-8695-2577-8




Sonntag, 18. Juni 2023

Drei Küsse für Amy

Gemeinsam mit ihrer Freundin May ist Amy zu ihrer Beider bester Freundin Charlotte eingeladen. Das wird ein tolles Event und vielleicht wird es auch eine Möglichkeit einen neuen Partner zu finden. May ist Feuer und Flamme, sie schmiedet Pläne für Amy wie es gelingen kann. Amy ist sich nicht so sicher, wegen des Familienerbes. Schon beim ersten Kuss, weiß Amy wie es ausgehen wird. Sie hat eine Art Vision und leider war bisher kein Prinz dabei. Mays Plan, am Hochzeitsabend drei Männer zu küssen, lässt sich für Amy nur mit Alkohol ertragen. Doch das Wunder geschieht, sie küsst Mr. Right und am nächsten Morgen weiß sie nicht mehr, wer es war.


Welch ein Problem. Wie soll Amy denn nun herausfinden, wer der Volltreffer war? Nur vage sind die Erinnerungen. Doch May ist eine richtig gute Freundin, gemeinsam versuchen sie den Abend zu rekonstruieren. Fotos und Filme von der Hochzeit sollen helfen. Und sie kommen wirklich auf mögliche Kandidaten. Und nun? Soll Amy einfach hingehen und fragen, weißt du, was wir bei der Hochzeit getan haben? Da muss sich doch eine geschicktere Lösung finden lassen. Nebenbei muss jedoch auch die Arbeit zu ihrem Recht kommen. Und auch das liebevolle Verhältnis zu ihrer Mutter pflegt Amy gerne.


Dieser humorvolle und witzige Liebesroman, der auf angenehme Art auch ernste Themen anspricht, ist ein richtiger Roman für den Sommer. Amy und ihre Freunde und Freundinnen sind sympathisch, manchmal etwas chaotisch und immer liebenswert. Möglicherweise wirkt die Handlung in einigen Szenen ein wenig zu nett, dies wird aber durch etliche witzige Beschreibungen und die gefühlvoll mitreißende Suche nach dem echten Kuss bei weitem aufgewogen. Man denkt, oh nein, der nicht, oder der muss es sein und langsam kristallisiert sich heraus, wer zum Dahinschmelzen ist. Dieses Gute-Laune-Buch mit Happyend-Garantie wird gerne empfohlen. Schon beim Anblick des gelungenen Covers, kann es passieren, dass man an Eis mit Sahne und Herzchen-Schokolade denkt. 


4 Sterne


Das Beste kommt zum Kuss von Molly James

ISBN: 978-3-499-01048-4





Samstag, 17. Juni 2023

New York Art Fair

Der Schiffsoffizier Tim Birch hat im Jahr 1924 wieder auf der Endeavor angeheuert. Mit vielen Passagieren, die in der ersten oder zweiten Klasse einigen Komfort genießen, und denen der dritten Klasse geht es nach New York. Auf hoher See wird am Fuße einer Treppe ein älterer Reisender aufgefunden. Man geht von einem Unfall aus bis der mitreisende Detective Temple die Forderung aufstellt, Nachforschungen anstellen zu dürfen. Der Kapitän des Schiffes, der nach der Reise in Pension geht, will seine Ruhe. Nur widerwillig erlaubt er die Ermittlungen unter der Bedingung, dass Offizier Birch den Ermittler begleitet.


Ein Team, zwangsweise zusammengewürfelt, dass holpert am Anfang mächtig. Denn Temple ist alles andere als begeistert von seinem Schatten. Er geht davon aus, dass Birch ihn stören wird und nichts zuwege bringt. Timothy Birch kann sich das abweisende Verhalten von Temple nicht erklären, er hat allerdings auch eigene Probleme, durch die seine Gedanken gebunden sind. Dennoch kommen Birch und Temple nicht umhin als Team zusammenzuwachsen. Kurze Zeit nach Entdeckung des Todesfalles verschwindet auch ein Gemälde. Können die beiden ungleichen Ermittler einen Zusammenhang herstellen? Zumindest scheinen sich ihre unterschiedlichen Ansätze mitunter zu ergänzen.


Interessant ist die Umgebung, die für diesen Roman gewählt wurde, eine Schiffspassage nach New York. So ist die Zeit für die Nachforschungen begrenzt, denn bei der Ankunft in Amerika übernehmen die dortigen Behörden. Hinzu kommt, dass die Passagiere nicht beunruhigt werden sollen und der Kapitän nichts wissen will. Sehr ausgeklügelt hat der Autor seine Ermittler in einen Rahmen gestellt. Sie sollen ihn ausfüllen, die Grenzen überschreiten sollen sie nicht. Ob das immer so klappt? Das ist beim Lesen interessant und spannend. Die Hintergründe zu dem Todesfalls sind nicht einfach zu entschlüsseln. Am Ende ist man als Leser verblüfft, wie sich alles fügt. Ob einem jede Wendung gefällt wird man für sich entscheiden. Dieser klassische Krimi gefällt mit seinem Setting und man ermittelt in Gedanken gerne mit.


4 Sterne


Der Tod reist mit von Tom Hindle

ISBN: 978-3-453-44154-4




Donnerstag, 8. Juni 2023

Das Wort

Harry Dresden, der einzige Magier Chicagos, hat sich damit abgefunden, dass seine Wohnung um einiges kleiner geworden ist. Sein Bruder Thomas und sein Hund Mouse, den man nicht mehr als Welpen bezeichnen kann, nehmen eine ganze Menge Platz ein. Eines Tages erhält Dresden eine Aufforderung sich mit Mavra zu treffen. Die Vampirin hat Karren Murphy in ihrer Gewalt. Wenn Dresden der Höllengestalt Kemmlers Wort besorgt, wird sei Karren nichts antun. Seine Freunde gehen Harry Dresden über alles und deshalb wird er Mavras Befehl auf die eine oder andere Art ausführen. Dazu müsste er aber erstmal wissen, worum es sich bei Kemmlers Wort handelt.


Dies ist der siebte der dunkeln Fälle des Harry Dresden. Und wieder könnte man sagen, er starb als er das Richtige tat. Bekanntlich gibt es noch weitere Fälle, so dass man davon ausgehen kann, dass das mit dem Sterben auf ein anderes Mal vertagt wird. Magier werden schließlich mehrere Hundert Jahre alt. Knapp wird es allerdings schon, so knapp, dass man sich fragt, ob das überhaupt gutgehen kann. Bei seiner Suche nach der Bedeutung des Ausspruchs „Kemmlers Wort“ findet Harry mehr heraus als ihm lieb ist. Halloween ist nah und nie ist die Trennung zwischen magischer Welt und der menschlichen Welt so dünn.  


Totenbeschwörungen haben es echt in sich und schwarze Magie ist etwas, dass Harry Dresden nicht anwenden darf. Wie soll er einen Fall lösen, bei dem ausgesprochen starke Gegner auftauchen, die sich an keine Regeln halten. Zu Beginn entwickeln sich die Nachforschungen Harrys ein wenig langsam und es werden mehr Übeltäter eingeführt als es braucht, um Harry in Gefahr zu bringen. Wobei sich der Gerichtsmediziner Butters  als ein zwar etwas nerviger, aber dennoch sympathischer Sidekick entpuppt. Wie es hin und wieder mal vorkommt, wird der Roman ab einem gewissen Zeitpunkt sehr spannend. Auf einmal fügen sich die losen Fäden zu einem Bild und mit einigen Erkenntnissen wird man in den Wartestand zum nächsten Buch entlassen. Zum Glück erscheinen die Bände in relativ kurzer Abfolge, so dass man nicht allzu lange warten muss. Auch die Sache mit der Bedeutung des Covers wird cool geklärt. 


4 Sterne


Erlkönig von Jim Butcher

ISBN: 978-3-7341-6364-7







Mittwoch, 7. Juni 2023

Isegrim

Hans Erik Rast war lange Zeit im Gefängnis. Er wurde beschuldigt und verurteilt, ein kleines Mädchen umgebracht zu haben. Wolf von Møn wurde er genannt. Nun ist er wieder frei und er ist fremd in der Welt. Wahrscheinlich ist es am besten, wenn er in seine Heimat zurückkehrt. In Kopenhagen gibt es einen Leichenfund mit einer sehr schlimm zugerichteten Leiche. Jesper Bæk wird zum Fundort gerufen. Gemeinsam mit seiner Chefin Kirsten Vinther stellt er erste Nachforschungen an. Ein Motiv für die grausame Tat erschließt sich nicht so schnell, denn der Tote scheint unbescholten zu sein. Bald gibt es einen neuen Todesfall mit einer ähnlichen Art des Tötens.


Bei dem vorliegenden Roman handelt es sich um den zweiten Band der Reihe um Kirsten Vinther, Jesper Bæk und Marit Rauch Iversen. Und wieder werden die Ermittler mit einem Fall konfrontiert, der nicht leicht zu ertragen ist. Marit, die als Super Recognizerin, ist zur Zeit wegen eines problematischen Falls ihre Sache nicht so gewiss wie sonst. Auch Jesper ist unsicher, ob es für ihn und Marit eine Chance gibt. Einen kühlen Kopf bewahrt Kirsten, die das Team zusammenhält. Die weiteren Ermittlungen führen das Team nach Møn, wo sie nach einer Verbindung zwischen den Opfern suchen.


Nordische Götter, grausame Morde, ein Verurteilter, der sich als Verdächtiger aufdrängt. Das ist eine gute Mischung für einen spannenden Krimi. Vielleicht ist Jesper etwas sehr angefasst und auch die Beschreibung der Opfer verlangt einem einiges ab. Dennoch ist der Fall sehr packend,. Wie die Hinweise aus der Gegenwart in die Vergangenheit führen, ist klug beschrieben. Und wenn man glaubt, man kenne den Täter, dann gibt es doch eine neue Spur. Wenn man sich manchmal über die Menschen aufregen kann, ist das etwas Positives, denn so ist man richtig drin im Buch. Sehr interessant ist auch eine Einordnung der Autorin zum Abschluss des Buches. Es macht den Fall rund und schlüssig. Eine gelungene Reihe, von der es gerne mehr geben darf.


4 Sterne


Blut.Rot.Tot von Anne Nørdby

ISBN: 978-3-8392-0430-6






Montag, 5. Juni 2023

Hochherrschaftlich

Nichts wird mehr so sein wie es war in Port Grimaud. Die Familie Vicomte kann endlich beweisen, dass ihnen der Ort gehört. Die Unverbesserlichen um Guillaume Lipaire fürchten, dass ihr Paradis in Südfrankreich nur noch ein Paradis für Reiche sein wird. Delphine hat schon die Kündigung für ihren Handyladen erhalten und die Geschäfte von Guillaume laufen auch schlecht. Nur Paul mit seiner Gärtnerei scheint alles richtig gemacht zu haben. Guillaume denkt, er und seine Bande müssen einfach etwas unternehmen. Doch zuvor finden sie den Pudel von ihrer Freundin Lizzy tot auf dem Gelände der Gärtnerei. Wie sollen sie der alten Dame nur beibringen, dass ihr geliebter Hund nicht mehr ist?


Die Autoren haben sich vom Allgäu aufgemacht an die Còte d’Azur, zumindest literarisch. Das ist mal eine schöne Abwechslung, die mit diesem Band in die zweite Runde geht. Die Unverbesserlichen nennen sie sich selbst und hier sehen sie es als ihre Aufgabe an, Port Grimaud so zu erhalten wie es ist. Sie selbst waren es schließlich, die der Familie Vicomte zu dem Beweis ihres Anspruchs auf die Herrschaft in Port Grimaud verholfen haben. Unverbesserlich eben, oder können sie doch noch etwas verbessern? Hoffentlich kommt Jacqui bald aus Amerika zurück. Sie hätte bestimmt eine Idee. Doch zunächst einmal müssen sie bei der Verwaltung herausfinden, ob dort die Ausrufung eines neuen Staates wirklich unterstützt wird.


Wenn man die von den Autoren gelesenen Hörbücher der Kluftinger-Reihe kennt, ist man bei den Unverbesserlichen etwas überrascht, Axel Prahl zu begegnen. Wie er allerdings jedem der Unverbesserlichen eine eigene Stimme verleiht und das auch durchhält, ist eine starke Leistung, die das Hören zum Genuss macht.


Um den zweiten Band der Reihe zu verstehen, muss man den ersten nicht zwingend kennen. Hilfreich wäre es wohl schon. Doch auch so werden einem die schrulligen Unverbesserlichen mit ihren Eigenheiten schnell sympathisch. Ein wenig chaotisch sind sie, aber gleichzeitig auch liebenswert. Ein Krimi im üblichen Sinne ist dieser Roman nicht, eher ein herzerwärmender Urlaubsroman mit Spannungselementen. Zumindest in diesem Band muss niemand herausfinden, wer etwas getan hat. Eher setzten sich die Unverbesserlichen ein Ziel und man kann sich bestens darüber amüsieren, welche Steine sie sich dabei selbst in den Weg legen. Natürlich erlebt man als Leser ein paar Überraschungen und hin und wieder kommt einem der Gedanke an Vanille-Eis mit Erdbeeren und Sahne. Vielleicht liegt das auch an dem stimmigen Cover.


4 Sterne


Die Unverbesserlichen - Die Revanche des Monsieur Lipaire von Volker Klüpfel und Michael Kobr

ISBN: 978-3-9571-3289-5







Montag, 29. Mai 2023

Rosa Lippenstift

Ernst Mannsen ist ganz verwirrt. Die liebenswerte, aber etwa unscheinbare Gemeindemitarbeiterin Hilke trägt plötzlich Lippenstift und farbenfrohe Kleidung. Wenn sie mal nicht einem Heiratsschwindler aufgesessen ist. Ernst muss unbedingt Schlimmeres verhindern. Und so kommt es, dass sein Enkel Mads ihm ein Profil auf der Online-Dating-App erstellt. So richtig was zu suchen hat der mit seiner Gudrun glücklich verheiratete Ernst natürlich nicht, aber wenn es der Rettung von Hilke dient, dann wird er sein ganzes Geschick einsetzen. Dass Ernst dabei den einen oder anderen Auftrag vergisst, den Gudrun erteilt hatte, lässt sich kaum verhindern.


Wenn einem die Namen von Ernst Mannsen und seinen Sylter Freunden und Bekannten irgendwie bekannt vorkommen, dann könnte das an „Geld oder Lebkuchen“ erinnern, wo der ehemalige Zollbeamte und verhinderte Polizist Ernst schon einmal schlimmere Verbrechen zu verhindern suchte. Im vorliegenden Band geht es auch wieder lustig zu, wenn auch das Thema durchaus auch ernste Momente hat. Man muss halt schon aufpassen in dieser Welt. Ernst jedenfalls tut sein Bestes, um seine Ermittler-Qualitäten ins beste Licht zu rücken. Schnell wird dann auch die Enkelgeneration mit ihrer technischen Expertise tätig, Manchmal scheinen die Jungen die Vernünftigen zu sein, da müssen sie den Älteren gegenüber auch einfach mal nachgeben.


Durch diese Fast-Romanze führt die Vorleserin Katja Danowski mit traumwandlerischer Sicherheit. Sie verleiht dem Hörbuch große Lebendigkeit. Auch dieses zweite Treffen mit Ernst Mannsen und seinem Sylt und den Inselbewohnern macht richtig Spaß. Mit Witz und Humor werden auch durchaus ernste Themen aufgegriffen, aber gelungen mit der einem Cozy-Crime  oder eben Romance angemessenen Leichtigkeit verarbeitet. Der aufrechte Ernst, der gerne die Welt, aber mindestens die Inselbewohner retten möchte, die dorfälteren Frauen, welche ihm dabei mit großem Einsatz helfen, die Enkel, die gegen die Älteren manchmal nur so in etwa bestehen. Humorig, ohne platt zu wirken. Das wünscht man sich von einem leichten und dennoch sehr intelligentem Roman, der ein paar Elemente eines Kriminalromans hat und bei dem es sich dennoch fast um eine Romanze handelt. 


4 Sterne


Geld oder Eierlikör: Fast eine Romanze von Dora Held

ISBN: 978-3-8337-4564-5






Donnerstag, 25. Mai 2023

Der Protokollant

Der Autor Anthony Horowitz fühlt sich manchmal eher wie der Co-Autor von Damiel Hawthorne, einem ehemaligen Polizisten. Mit diesem hat er einen Fall protokolliert und als Kriminalroman veröffentlicht. Bald soll es ein neues Buch geben und der Verlag meint, Horowitz und Hawthorne sollen zu einem Literaturfestival nach Alderney. Womit die beiden Herren, die sich nicht immer ganz grün sind, nicht rechnen, dass sie sich auf der beschaulichen Kanalinsel nicht nur mit Literatur beschäftigen werden. Zu dem Festival hat sich eine illustre Runde versammelt, etwas skurril, aber interessant. Nur der Mäzen scheint nicht die Freundlichkeit in Person zu sein.


Dies ist der dritte Roman, in dem der Autor Anthony Horowitz als Chronist des Privatdetektivs Daniel Hawthorne auftritt. Besonders am Anfang wird die Beziehung zwischen Verlag, Autor und Agent beleuchtet. Wobei der Ideengeber Hawthorne seinen Anteil an der schriftstellerischen Tätigkeit doch als überaus wichtig einschätzt,  schließlich hätte man ohne seine Nachforschungen keine Romane. Eigentlich ist Horowitz der Co-Autor, es ist ihm nur nicht so klar. Und Alderney ist doch ein nettes Reiseziel. Das der Mäzen schon am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, führt natürlich dazu, dass Hawthorne unerwartet ermitteln muss. Möglicherweise hatte er auch noch einen ganz anderen Grund, an dem Festival teilzunehmen.


Der Anfang dieses klassischen Whodunit mit seinen Anspielungen auf das Verlagswesen und der Irritation des Autors über seinen selbstgerechten Co-Autoren ist wirklich klasse. Auf der Insel angekommen entwickelt sich der Roman mehr zu einem normalen Krimi, in dem eben Täter und Motiv gefunden werden sollen. Natürlich ist Hawthorne schlauer als die Polizei oder Horowitz. Und von sich eingenommen bleibt er immer. Dennoch verfolgt man gespannt, wie mögliche Motive eruiert und Verdächtige ausgeschlossen werden. Auch ist es vergnüglich, die Irrtümer des Autors zu erkennen. Wobei es beim Lesen nicht gelingt, das Rätsel selbst zu lösen. Da muss und darf man sich getrost auf Hawthorne verlassen, über dessen Persönlichkeit es etwas zu erfahren gibt. Diese Reihe ist lesenswert und das Hörbuch wird hervorragend vorgetragen von Uve Teschner. 


4 Sterne


Wenn Worte töten von Anthony Horowitz

ISBN: 978-3-8337-4626-0